Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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IO Geschichtliche Wanderungen. zur rechten Blüte gelangt war, wohl aber eine einseitige kab* balistische Richtung durch ihre Rabbiner, die sie gewöhnlich aus Österreich holten, gefördert. Daher auch auf vielen Grabsteinen der מגורשי ווינא aus jener Zeit hervorgehoben wird, daß der Dahingeschiedene ein כ?קיבל war, oder ein Vertrauter der ח״ן (d. h. חכמה נפתרה) der sog. Geheimlehre. Sabbatai Zewi, der vielen zuerst als glänzender Komet erschienen, war 1676 untergegangen, aber noch lange nachher tauchten verschiedene Irrlichter auf, unter denen der ehemalige Trabant Nechemya Chajon (Chiwjon, d. h. die Schlange) viele in den Sumpf des Verderbens lockte. Es war eine allgemeine, falsche kabbalistische Zeitströmung eingetreten, von der auch das damalige jüdische Berlin nicht unberührt geblieben ist. Im Jahre 1700 erschien in Berlin ein Siddur mit dem Kommentar des Josef b. Mo sch eh ha־Darschan, welcher an gewissen Stellen die göttliche Sendung des Sab. Zewi anerkennt, daher der Jabez (Jacob Emden) im תורת הקנאות gegen Ende ihn zu den Schriften zählt, in die das Gift eingedrungen ist und der deshalb von den früheren Rabbinen zur Genisa verurteilt worden, d. h. der Öffentlichkeit entzogen wurde. Hierzu gehören auch einige Schriften dieser Art, die in jener Zeit in Frankfurt a. O., welches dem Rabbinate in Berlin unterstand, gedruckt wurden. Eine ganze Reihe von kabbalistischen Schriften erschien dann in Berlin, mehr oder minder vom Gifte Sabbatai Zewis durchtränkt. Im Jahre 1713 kam nun Nechemya Chajon nach Berlin, wo es ihm gelang, einige seiner Schriften zu drucken und für sie sogar die Approbation des zeitigen Rabbiners Aron Binj. Wolf zu erlangen. Dieser gestand allerdings, daß er von allen darin behandelten Dingen nichts verstehe, aber auf Grund der vorangehenden Empfehlungen schlösse er sich gern diesen an. Sicher hat der Rabbiner davon nichts verstanden. Sonst würde er schon aus dem Inhalt der Empfehlungen selbst die Falsa darin erkannt und den größten Teil des Inhalts in den Werken selbst als die Arbeit Sab. Zewis ermittelt haben, die dieser bereits nach dem Übertritte zum Mohammedanismus veröffentlicht hatte. Vor allem hätte er gefunden, daß in der Schrift