Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Jescliurun. 7 erreichen. Wie der Mensch angelegt ist auf die Harmonie seiner Seelenkräfte: des Denkens, Fühlens und Wollens, so ergibt auch nur die Betätigung aller dieser Kräfte den vollkommenen Juden. Täglich beten wir, daß Gott uns helfe zu dieser Harmonie. הוא יפתח לבנו בתורתו וישם בלבנו אהבתו ויראתו ולעשות רצונו ולעברו בלבב שלם Gott öffne uns das rechte Verständnis für seine Lehre, Er gebe unserem Denken die Richtung. — Er pflanze in unser Herz die Liebe zu Ihm und die Ehrfurcht vor Seiner Größe, das heiße Gefühl der Kindesliebe zum Vater des Alls und die Schauer des Erhabenen angesichts Seiner Herrschergröße sollen uns durchfluten, Er weise unserem Fühlen den rechten Weg. — Daß wir Seinen Willen erfüllen und Ihm dienen mit vollkommener Hingabe, Er gebe unserem Wollen das rechte Ziel. Wir beten täglich um die göttliche Hilfe für diese Harmonie, wir beten, weil es den Einzelnen so schwer fällt, aus eigener Kraft seine Seelenkräfte harmonisch zu gestalten. Der eine ist mehr Verstandesmensch, von des Gedankens Blässe angekränkelt, sein Wille ist schwach und sein Fühlen matt; der andere ein starker Willensmensch, ein Kämpfer nach außen und ein Bekämpfer und Unterdrücker aller ungehörigen Regungen seines Innern, aber für die überragende Bedeutung, die das Denken für manchen Menschen hat, für die Unruhe, in die sie ein Problem versetzt, hat er kein Verständnis, für die Wucht tief aufgewühlter Gefühle hat er kein Organ. Und der dritte ist wieder vorwiegend Gefühlsmensch, und die anderen Seelenkräfte sind verkümmert. In allen Variationen stufen sich diese Kräfte in den einzelnen Menschen ab. Nur ganz Erlesene sind wahrhaft harmonisch veranlagt. Aber unser Judentum fordert die Harmonie und die Aufgabe eines jeden von uns ist es, in sich diese Harmonie zu gestalten. Es gelingt nicht immer den Einzelnen. Dann ist es die Aufgabe der großen Gemeinschaft, in der Summe des Lebens ihrer Einzelindividuen diese Harmonie zu schaffen. In allen Perioden der Geschichte des Judentums tritt diese Harmonie zutage. In Einzelnen, deren Seelenkräfte zu einer Einheit zusammenklangen. In der Gesamtheit: Neben die jüdischen Kämpfer