Kinderblatt
- Journal
- Kinderblatt
- Volume
- 1935
- Issue
- 7 (19.12.1935)
- Date
- 1935-12-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Beilage der C.-V.-Zeitung 20. Dez. 1935 Vl*eiQ_ ■1&&U, Bor mehr als hundert Jahren hatte es sich zugetragen*), in einem kleinen Städtchen am Main. Dort lebte ein frommer Mann, namens Daniel mit seiner braven Frau Esther. Er hatte einen kleinen Kramladen in der Gasse, in dem es alles gab, was man für das tägliche Leben brauchte: Heringe und Seife, Käse und Lampenöl, Shrup, Nägel, Garn und Lichte. Man lebte damals sehr bescheiden und einfach, und besonders die Juden in dem kleinen Städtchen kratzten allenfalls zum Sabbat ihre paar Pfennige zusammen, um bei Daniel Einkäufe zu machen. So hatte auch Daniel trotz seiner großen Heringstonne, um die er von manchem beneidet wurde, nicht allzu viel zu brocken und ju beißen. Tenn wenn er auch nicht mit äußeren Glücksgütern gesegnet war, Gott hatte sein Halls gesegnet. Daniel und Esther hatten fünf Söhne und vier Töchter, die einen gesegneten Appetit aufwiesen. Ta war das Brot oft knapp und die Suppe mager. Aber Vater Daniel lvürzte sie mit frommen Sprüchen. Und Frau Esther war stets zufrieden, ob sie sich allch - uoch so plagen mußte, um Essen lllld Kleidung für ihre neun Sprößlingeherbeizuschaffen. Sie wareil fromm und gottessürchtig. Vater Daniel llnd sein Weib Esther, und davon überzellgt, daß der liebe Gott weiter für sie sorgen würde. Ihr Gottvertrauen täuschte sie nicht. Die Kinder wuchsen gesund und rotbäckig trotz der schmalen Kost heran, in Liebe und Ehrfurcht vor Gott und den Elterm Tie Größeren warteten die Kleinen, die Buben machten Botengänge lind die Mädle gingen der Mutter im Hause Zlir Hand. Tie Türschelle an dem kleinen Kramladen läutete nicht - oft. Daniel hatte genügend Zeit, in frommen Büchern zu studieren. Er war gleichzeitig der Kantor der kleinen jiwischen Gemeinde. Er unterrichtete die Kinder in hebräischen Gebeten *) Dieie wahre Geschichte hat sich um 1800 zugetrageu. Kerzen und Gesängen und bereitete die Knaben für die Barmizwa in der Btainzer Synagoge vor. Das tat er alles um Gottes Lohn. Tenn die anderen.Inden des Städtchens hatten noch weniger als er selbst. Tie zogen Mit dem Packen in den Dörfern herum und ivareu froh, wenn sie Pfennige verdieuteii. Tie jüdischen Handwerker, riluben, der Schneider, lind Simon. der Schuster. waren Daniels beste Kunden. Tie zahlten mit ihrer Arbeit. Daniels Neune konnten im Winter, wo sie nicht barfuß gingen, schon Schuhsohle» zerreißen. Und zerlöcherte Hosenböden gab es auch des öfteren zu flicken. . Wenn man auch wochentags in der Gasse darbte, Zum Sabbat setzte jede jüdische Hallsfrall ihre El,re darein, ein Stückchen Fleisch im Topf zu haben. Ter Sabbat und die Feiertage, das lvareu die Sterne, die in das Alltagsleben der düsteren Judengasse leuchteten. - Ta wurden vorher die Wohnungen und die Kinder gescheuert, die kleinen Läden und Werkstätten schlossen sich. Ter Vater drückte das schwarze Käppchen auf den Kopf und wanderte mit feiner Familie zum Gottesdienst. . Nnd tvar es auch nur ein dunkles Hinterzimmer, in dem die Juden der kleinen Stadt ihre Andacht verrichteten, nnserin Herrgott war es lieber als die großen lichtglänzenden Synagogen, in denen. vielleicljt weniger andächtig gebetet nnirde. An einem kalten Tezembertage N'ar eS. In der engen Gaffe war es noch dunkler als sonst. ES wollte überhaupt nicht Tag werden. Tie Türschelle an Vater Daniels Laden ging heute häufiger. Frauen und Kinder erschienen. um für einige Dreier. Wachsstöcke zn erstehen. Daniels Aeltester, David, .mußte dem Vater helfen, die Kunden zu bedienen, Nebenan in der ^tube rüstete .Frau-Esther-, zum Festtage. Sie breitete ein weißes Tuch über . den gescheuerten Tisch und stellte den eisernen Chanukka-