Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 51 (19.12.1935)
- Date
- 1935-12-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 * 6. B^blatt 19. Dezember 1935 Juristensorgen in Palästina .Vt)a unserem Palästina-Korres p o nrd enten . TeK4Tiv, den 11. Dezember 1935. Ein deutliches Zeichen für die Schwierigkeiten, die sich der blossen Fortsetzung eines geistigen Berufes in Palästina .entgegenstellen, sind die Ergebnisse der letzten palästinensischen Anwaltsprüfung. Von 108 Kandidaten, die sich der Prüfung unterzogen hatten, sind 11 bereits vorher ausgeschieden. Von den verbliebenen 97 haben, wie jetzt offiziell mitgeteilt Wird, nur'18 die Prüfung bestanden. Das heisst, dass nur 10 Prozent der Anwärter ihre Hoffnung, in Palast ina. den Anwaltsberuf ausüben zu können, verwirklicht sehen. Unter den Kandidaten, welche die Prüfung nicht bestanden haben, befindet sich eine grosse Zahl von Einwanderern, die früher in Deutschland Anwälte gewesen sind. Abgesehen von der seelischen Enttäuschung, die bei dem ohnehin harten Kampf um die Einordnung nicht leicht zu nehmen ist. bedeutet das erschütternde Examensergebnis für die Prüflinge auch einen grossen vergeblichen Aufwand an Kraft und Geld. Denn viele von ihnen haben in der Vorbereitungszeit ausschliesslich von dem .mitgebrachten Kapital gelebt, in der Hoffnung, dass sich diese „Investition“ später durch den Ertrag der Anwaltspraxis rentieren würde. Sie müssen nun mit geschmälerten. Mitteln eine heue Existenzgrundlage suchen. Hinzu kommt, dass die Wartezeit und damit, auch der Aufwand an Nervenkraft und Geld durch eine geradezu unverständliche Praxis der Behörden beinahe um drei Vierteljahre ausgedehnt worden ist. Nach beendeterPrüfung mussten diVkandidaten nicht weniger als acht Monate auf aeu Bescheid über das Prüfungsergebnis warten. Demgegenüber hat die starre Lizenzsperre für die Aerzte wenigstens den Vorteil, von vornherein jedem einzelnen Klarheit zu geben. Das Ergebnis der Anwaltsprüfung ist nur zu einem kleinen Teil durch die sachlichen Schwierigkeiten zu erklären. Gewiss — die Prüfung muss in einer der drei Landessprachen abgelegt werden (Englisch, Hebräisch oder Arabisch), und diese Bedingung ist gewiss nicht leicht. Aber in diesem Punkt entsprechen die amtlichen .Vorschriften hur den tatsächlichen Verhältnissen, und der jüdische Anwalt, der eine Gerichtspraxis ausüben will, muss in Wirklichkeit sogar Hebräisch u n d Englisch sehr gut beherrschen. Auch die Prüfungsgegenstände sind schwer, Der in Deutschland geschulte .Jurist muss völlig umlernen, nicht nur, weil die in Palästina gültige Mischung au6 englischem, türkischem und religiösem — jüdischen und mohammedanischen — Recht ihm fremd ist, sondern auch weil bei der Prüfung weniger Wert auf juristisches Denken gelegt wird, alß vielmehr auf gedächtnismäs6iges Tatsachenwissen und auf Einfühlung in die ungeschriebenen Gesetze der Rechtsprechungspraxis. Aber nach allem, was man hört, hat ein ziemlich grosser Teil der Anwärter den sachlichen Anforderungen in recht befriedigender Weise entsprochen./Die Behörde, die selber lauge unschlüssig, gewesen z-u : sein scheint, hat ganz einfach „kontingentiert".- Nun ist zwar die von der Mandatsbeinmio gewählte Form der Kontingentierung kaum zu verteidigen. Für den Gedanken einer Kontingentierung an sich aber lassen sich eine Reihe von Argumenten anführen. Man muss sich immer wieder gegenwärtig halten, dass Palästina nur ein Land, von etwa 1,2 Millionen Einwohnern 1kl. worunter die Juden, aus vielen Gründen die Hauptkunden des jüdischen Anwalts, höchstens 30 bis 10 vorn Hundert ausmachen. Man vergleiche diese Zahl von etwa 400 000 bis 500 000 Menschen, die im besten Falle die mögliche Klientel der jüdischen Anwaltschaft.*in Palästina darstellen, mit den Bevölkeruhgsziffern der Länder, aus denen die jüdischen Anwälte kommen. Berücksichtigt man noch, dass es in Ländern wie etwa Deutschland. Polen, Amerika, verhältnismässig viele jüdische Juristen gibt oder gegeben hat, so wird man begreifen, dass in der Tat nur ein winziger Bruchteil der nach Palästina einwandernden Juristen hier Aussicht auf eine juristische Existenz findet. Selbst wenn es ihnen gelänge, die Prüfung zu-bestehen und die Lizenz zu bekommen, so würden sie sich bald einer Konkurrenz gegenüberseben, die nicht nur den Ertrag der Arbeit, soiutern die Struktur des ggnzen Auwaltslandes gefährden müsste. Es mag richtig sein, dass in einer Gründerzeit ein besonders starkes Bedürfnis nach rechtlicher Beratung vorhanden ist und dass die vielen Einwanderer aus Deutschland, die liier plötzlich mit völlig neuen Menschentvpen und Verhältnissen zu tun haben, besonders gern einen Anwalt nehmen würden, der aus der ihnen vertrauten deutschen Juristenschule hervorgegangen ist. Aber man soll doch nicht vergessen, dass der neue Anwalt-— selbst nach glänzend bestandener Prüfung — gerade das noch nicht bieten kann, was der neue Einwanderer von-ihm erwartet: das wirkliche Verständnis für diese Menschen aller Typen, Sprachen und Denkweisen, und feie wirklich intime Kenntnis der Landesverhältnisse. Diese Feststellung gilt nicht nur für den Anwaltsberuf, sondern beinahe für alle Berufe. Aber bei der juristischen Praxis spielt sie eben eine besondere Rolle, und es gibt eine gar nicht so kleine Zahl altansässiger oder gar im Lande geborener Anwälte, sogar schon eine junge Generation, die, mag sie auch in manchem dem Juristen deutscher Schule unterlegen sein, jedenfalls diese sprachlichen und sachlichen Voraussetzungen ohne weiteres mitbringt. Es wäre freilich falsch, in diesem Bilde nur schwarze Farben Zu sehen. Die Zeit der juristischen und sprachlichen Hachschara braucht nicht für alle Anwärter, denen das Examen misslungen ist, völlig verloren zu sein. Es gibt in Wirtschaft und Verwaltung noch viele Aufgaben zu erfüllen, bei denen Rechts- und Sprächkenntnisse äusserst wichtig sind, bei denen es aber mehr auf Geschäflsgewandtheit, Gründlichkeit und Zuverlässigkeit'aiikoMimt; als auf den offi-. ■ziellen-jStempel einer Prüfung. /Es. ist zu hoffen, dasswenigstens ein -lV.il der jetzt enttäuschten- Kandidaten auf solchenGelneten -jetzt, eine 'Möglichkeit ZAir Einordnung linden wird.- , Weizmann über die Krise in Palästina Die Mitarbeiter .der Versuchsstation und des biochemischen Instituts, in Recliöwod veranstalteten zu Ehren von Dr.Ghaini Weizinann eine Begrüssung. In einer Ansprache erklärte AVeizlnaim bei dieser Gelegenheit: Die halhoffizielie Zeitschrift „Great Brifain and the Ea.-t" (früher „Near Hast and lnciia“), die schon häufig mit richtunggebenden Artikeln über die englische Palästina: Politik hervorgetrelon ist, wendet sich im Leitartikel, ihrer letzten Nummer' gegen (len ablehnenden Standpunkt der jüdischen Führer in 'der Frage des Legislative Council für Palästina. Dieser Standpunkt gründet sich bekanntlich auf die Auffassung, dass ein auf Grund der gegenwärtigen Melirheitsverhäll- ■ nisse in Palästinagewählter gesetzgebender Rat der tatsächlichen Bedeutung der jüdischen Aufbauarbeit in keiner Weise gerächt werden würde. In Luzern haben darum sowohl der Zionisten1 kongress wiedie Jewi.Mi- Agency scharfe Entscliliessiingen gegen den Legislative Council --angenommen. Der erwähnte Leitartikel nimmt dazu folgetidermassen Stellung: „In. Bezug auf die Araberfrage sprechen die jüdischen Publizisten im aligemeine-n in einem, w enn auch nicht einheitlichen.-so doch nur in der Tonart verschiedenen Sinn. Dem - geplanten Legislativ«» Council z. B. haben sie in letzter Zeit aufs neue eine feindselige Aufmerksamkeit geschenktlind erklärt, das« die Verwirklichung dieses Planes verhängnisvoll wäre für die zionistische Sache; sie halten gedroht, sich an ihm nicht zu beteiligen und ihn damit (nach ihrer Ansicht) zunichte zu machen. Ein derartiges „mm possuinus“ lässt jedoch die Tatsache vollständig ausser Acht, dass es seit längerer Zeit der ausgesprochene Wille und Wunsch der Mandatarniacht war, einen Legislative Council ins Lehen zu rufen, lind dass die Schaffung eines solchen Council nicht unbegrenzt.- hinansgeschohen werden kann. Würde-dies„geschehen, so würde der gesamte ■ Standpunkt der Regierung — der ihrer Unparteilichkeit ■ gegenüber Araber und Juden — ’Zusammenbrüchen. Und dies wäre in der Tat verhängnisvoll für -die zionistische „Zu Ende des .letzten Monats,'* so wird in dem Artikel weder ausgefiihrt, „(iahen Vertreter der verschiedenen arabischen "Parteien in Palästina — der Islati-Partei, der nationalen Yertei<ligungs|>artei, der. palästinensisch-arabischen Partei, des nationalen- Blocks .Ich hin mir der grossen Verantworlung. für dir .kommenden Mahre bewußt. Es ist mir nicht teiclit'gefallen .mein ’Eiuversländms zu der Debernalnne der Leitung zu - gehen. - denn „ii-.. mer. wenn ich dir Leitung uh«;i nehmen s,dl. ' •treten .„.Veiideniiigen in. der' Lage ein. Bisher.^ war ■■■alles .ruhig, -aljos. blühte., mul .man» sprach von Prosperity;. lunl: auf "einmal ist der Kon- / /ont im» res’ Lebens ein and.-irr g - weiden. Kaum l>:n ,c!i an die Arbeit linran-gognngeu,. du trat auch'schon eine/ Art Kn.-g» rm.v hr; .glaub« nicht;, lulir Dr. V eizmatui teil, dass do-sant ogn-ii \ schlechten Stern ziinickziitii'lri.-en .s.i-i. Die. Arnde-. rting der Lage hatte er lur eine bloss vorüber- gehende. ..teil hoffe." sagte Dr. Weizmann. „dass wir un.-ere Arbeit in derselben 'Welke wie einst fortsetze,, werden. Wir werden fei-»-Schwierigkeiten. deren Gründe außerhalb des Landes liegen, überwinden. Die internationale Lage, die diese Nervosität hervorgonifoii hat. wird sich zum Guten ändern. Jedenfalls. seldosS Dr. Weizniami. führen wir jetzt eine g,o-se kolonisatorische Aktion. Arbeit gibt es iiietir als früher.'' und des Kongresses der arabischen Jugend — beim ltigti.(’omm,issioner vorgesprochen. Ihr« hauptsächlichen auf offiziell«» englische Dokumente sich stützenden Beschwerden-l»*z«)g«»n - sieh auf Einwanderung und Itoddi — die noch immer die llauntaspekte des Problems sind' — aber sie befassen siet, auch mit dem Legislative Goimcil. Sie verlangten bei Nichtanerkennung des Mandats, der Einsetzung einer .-.demokratischen Hegierung teilhaftig zu werden: Sofort wurden Proteste g.-g>>,, die Verwirklichung eines solchen Council in hiebt - nrahisciicn Kreisen laut; unser Jern.-aleliier Korrespondent.'weist allerdings auf die Zweifel bezüglich der Allheilmittel Wirkung eines solchen Council hin. Aber >>| sein Ziel das, eine Panazee zu sein .' Soll die Erfüllung eines Versprechens nur von polilixhon Zweck-' mä.-sigkeilsorw ngtingen al.hängen .' < iffensichllicli gehört.es nicht zu sla.ulsmümiischer Kunst, au lrolnmg zu gewähren. Offensichtlich - ist es die Pflicht der Uegiening, die genaue Zeit für die Gewähning von Privilegien zu wiililen. Aller zu behaupten, dass Palästina für ein weiteres Mass der Selbstverwaltung erst dann reif sein wird, wenn die Zionisten die Mehrheit im Land bilden, ist von allen-die am wenigste;, staatsmniiniseln» Haltung; und an-- zuneliineii, dass die englische' Uegiening sich nach einem solchen inlert»s.sendiklierlen Vorschlag richtenWerde, würde in di r lat einem Verzweifeln an ihrem gute» Glauben gleii-hkomnien. Es kann kaum erwartet werden, dass die Androhung der No,i-roOperation sei-» tens einer. Minderheit Eindruck auf eine Verwaltung machen wird, als deren Grundprinzipien fair play und nicht Diskriminierung bekannt sind. Zugegeben: Der Philosoph mag erhebliche -Zweifel darüber hegen, ob die Einführung eines demokratisch«»,, Apparates ini Orient klug sei; aber Politiker und Verwalter können in ihren öffentlich,>n Handlungen selten w ie Philosophen Vorgehen. II inatiszu/.ögern mid Ausflüchte zu gebrauchen, ' wäre nicht nur Walm.-im.i, seid.-,„ auch absichtliche Täuschung." ' Die .-vorstehend«, offiziöse englische AeilS.-o- . rillig gewinnt'-dadurch an Bedeutung. da.-^i einer angeblich „aus zuverlässige!- Duelle" lieniihreiid« 11 Meldung der paläs1ii,.'„sOclie„ '1 ag.-szcjlimg Palästinensische Verfassungsfragen Das jüdische Publikum Das kleine Wunderwerk wird ein jeder begrüssen . . . hier wurde in. kürzester Zeit und auf knappstem Raum ein Nachschlagewerk von hohem Rang geschaffen. Prof. Ismar Elbogen Ein Jahr nach Erscheinen liefern wir aus: das 22. bis 26. Tausend des PH ILO-LEXIKON Bewunderung und Anerkennung wird es überall erregen, wie es hier gelungen ist, eine solche Fülle, des Stoffes zu bewältigen. Max Osborn Der ganzen jüdischen Welt hat ihr Lexikon Handbuch des jüdischen Wissens Um 40 Spalten, um über 250 Stichworte und über 500 Namen, um 20 Bilder, Tafeln, Tabellen, Karten (darunter eine völlig neue vielfarbige Karte Palästinas) wurde diese 3. Auflage vermehrt. Druckfehler wurden berichtigt,. Zahlerbund Daten ergänzt, die Anregungen aus nahezu 1000 Zuschriften wurden ausgewertet. Mehr noch als früher trifft daher auf „das kleine Wunderwerk" das anerkennende Lob zu, das Publikum und Presse'ihm. gespendet haben. Lesen Sie diese kleine Liste neuer Stichworte: Die jüdische Presse Glänzend erdacht und vorzüglich durchg?führt ife'di>.M»v Büch, das von grösster Bed«ufung für olle ludrn min muit. Monatsblätter des Jüdischen Kulturbunds Eine bemerkenswerte Leistung ln der Beschränkung das Wesentliche zu sagen, 7st ein besonderes Verdienst. Kultiviertheit'und Frische der Auffassung in der Jllustrierunq. Jüdische'Rundschau Ein Novum ohne Vorbild Eine überparteiliche Arbeit Gesinnung und Tendenz treten völlig zurück hinter der Notwendigkeit sachlicher Information. Kurt Pinthus Ein Bedürfnis ist erfüllt Unversehens kommt man aus anblätterndem Schmökern ins richtige Lesen. Dr. Lutz Weltmann Dankenswert « und sehr interessant ist diese Arbeit. 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Betrag von 4 Mk, 80' (zuzügTch Porto) habe ich heute aut ihrr •pOjivJfe-ki.u.,;o-'-Be-'.in 8-3512 -über wiccon / Soll ducch--G-rch— nehme bei Lieferung erhoben werden. Name Datum Strasse' Ort Bitte deutlich schreiben. NichfgewGnschtes durchstreichen.. Dieser Bestellschein ist■ ausge'GIIt entweder Ihrem Buchhändler zu übergeben oder im Umschlag mit 3 Pfennig frankiert zu senden an: P H110-1E R L16 UNO B U C H H1N D L U N G GMBH, BERUH W 15, PARISER ST RISSE 44. 1,1. I 2 OLIVA 1375 Wer die erste Auflage ge kauft... hat, wird die dritte nicht entbehren können, die so viel Neues enthält und alleVeränderungen des letzten Jahres berücksichtigt.