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Central-Verein-Zeitung · 1935-12-19 · 51 (19.12.1935) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
51 (19.12.1935)
Date
1935-12-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIV. Jahrgang / Nr. 51 Berlin, 19. Dezember 1935 Preis 10 Pfennig entral erein ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin ~W 13, Emser' Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—4ä. Telegrammadresse: Ccntralglauben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 30472. Die „C.-V.-Zeitung“ erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle, entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. — Bezugsgebühren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland -2,3-9 RM. umgerechnet in die Landeswährung) einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 B,,f. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Betrage. — Anzcigengcbühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gcspaltene Millimeter-Zeilo 20 Rpf., für Stcllengesueho- 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte'Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften ohne. Verbindlichkeit. Das 2001. Chanukka In einer Zeit, in der es recht dunkel um : uns.geworden ist, entzünden wirdiesmal das Chanukka-Licht. Ter Zauber, in den einst die sriedlich-träuliche Stimmung des Festes unsere Häuser und unsere Herzen tauchteist vor dem Gedanken. an die entzauberte Wirklichkeit unseres Daseins .gewichen. Wir sind durch die Begegnung mit - den harten Realitäten des Lebens zu mißtrauisch, aber auch zu nachdenklich geworden, als daß uns bloße Stimmungen noch befriedigen könnten. .Wenn wir darum diesmal in den Schein der Chanukka-Kerzen blicken, so überkommt uns die wuchtende Last der Gedanken: Gibt es. ans den verschlungenen Pfaden, die das Schicksal uns führt, ein Licht, das wie ein Stern in finsterer Nacht dem einsamen Wanderer auch, uns leuchtet, dort, , wo unsere Wege am allerdunkelsten sind? In der Tat gibt kaum ein Fest uns soviel innere Kraft, soviel echten jüdischen Glauben, soviel Vertrauen, wie Chanukka, weil es uns die ewigen Grundlagen unserer jüdischen Existenz erkennen lehrt und Erkenntnis, die aus der Geschichte stammt, Erkenntnis, die Einblick gewährt in die ewigen Gesetze unseres jüdischen Seins, so wichtig und notwendig geworden ist gerade darum, weil diese Grundlagen in vielem' und für viele fragwürdig geworden zu sein scheinen. Uns Heutigen fehlt meist die Fähigkeit, den jüdischen Sinn dieses Festes richtig zu erfassen, da unser Denken sich nach Begriffen formt, die aus anderen als jüdischen Sinnzusammcnhängen gewachsen sind. Der Kampf, den die Makkabäer einst ' führten, war weder ein politischer Machtkampf noch ein Religionskriege sondern der Ausdruck deS steten bis heute andauernden Ringens des Judentums, unter den politischen Mächten der Welt, ein unpolitisches Dasein zu führen. Weder jüdische „Nationalisten" haben ein Recht, sich aus die Makkabäer, zu berufen, denn sie waren alles andere als Menschen, die um politischer Zielsetzungen willen^ kämpften. Noch auch besitzen die, die das Judentum einseitig und lebensfern spiritualisieren wollen, eine Legitimität hierzu, da die Hasmonäer alles andere als „Theologen" waren. Aus dem Ringen der Makkabäer und dem Abfall ihrer . eigenen Nachkommen von dem, worum ihre Väter gestritten hatten, indem sie die Grenzen des unpolitischen Daseinsüberschritten und in die Arena der Weltpolitik stiegen, wird beispielhaft die unumstößliche Tatsache erkennbar von der Eigenart , der jüdischen Geschichte, der Einzigartigkeit des jüdischen Volkes und der Einmaligkeit des jüdischen Weges. Die Geschichte des Judentums, ist keine Geschichte von „Siegen". Wir feiern am Chanukka-kein Siegessest. Im Gebete heißt es darum: . „Wir danken Dir für die wunderbare Befreiung, für die Allmächttaten. Deiner Hilfe, die Tu unseren Vätern in der Vergangenheit um diese Zeit erwiesen hast. In den Tagen Mattatias und seiner Söhne hatte sich das syrisch-griechische Reich gewalttätig gegen Tein Volk Israel , erhoben, um es zum Abfall von Deiner Lehre und Deinen Geboten zu verführen. , Tu aber in Deiner großen Barmherzigkeit standest ihnen bei in schwerer Zeit. Tu . nahmst Dich ihrer Kämpfe an. führtest ihre Sache und gabst Starke in die Hand Von Di*. Manfred Swarsensky Schwacher, Biele in die Hand Wenige Ruchlose in die Hand Frommer. Da wurde Dein Name groß und geheiligt unter den Völkern. Deinem Volk Israel aber hast Tu große Hilfe und Befreiung werden lassen, die wir in diesen Tagen feiern ..." Wer Gott als 'wirkende Mackst' aus der -jüdischen Geschichte ausschalten ivill, .ivird sie nie ganz verstehen können. Unsere Geschichte ist darum auch vielmehr — im politischen Sinne — eine Reihe von „Niederlagen" gewesen. Aber, so parador es .klingen inag. die Niederlagen haben nnS erhalten. Sie. haben die äußere Gestaltunserer Eristenz lvvl,l verändern können, uns aber in unserer inneren, unserer jüdischen Eristenz nur vertieft-und gefestigt, Weil das jüdische Volk daS einzige 'Volk ohne Machtbans ist und daher im Politischen Betracht „ohn—mächtig" ist und sein will, weil es Die „C.-V.-Zeitung" 1936 Wir bringen in den nächsten Monaten neben- Leiraufsätzen zu den aktuellen Fragen und Berichterstattung über Gegenwartsprobleme wieder mehrere grosse Aufsatzreihen und Erzählungen Rachel, das Leben der großen französischen Tragödin, deren Ruhm vor etwa hundert Jahren von Paris ausging, schildert der bekannte Essayist Martin Gumpert. Di e letzten N ä c hte H ei n ri ch H ei n es erzählt in einer großen Novelle aus Anlaß des 80. Todestages dös' Dichters am 17. Februar Walther Victor, dessen Buch „Mathilde, ein Leben um Heinrich Heine" , vor wenigen Jahren schon Vorstudien zu diesem Thema enthielt. Flug über das Land, eine Reportage von Max Sa mter, mit Zeichnungen von Horst Moratz, setzt die Veröffentlichung von Arbeiten junger jüdischer Dichter fort. Die jüdischen Hilfskomitees in der Welt werden.in ihrem Aufbau und ihren Wirkungsmöglichkeiten dargestellt. Steine, die reden i Geschichtliche Bauwerke, um die sich Historie und Sage ranken, sollen die Geschichte des Judentums in der Welt erzählen. Die Klagemauer in Jerusalem, die Raschi-Kapelle in Worms, die Altneuschule in Prag, Cordova in Spanien, die Rebellenstraße in Guayana werden zum Anlaß solcher geschichtlichen Längsschnitte werden. Das System desjüdischen Rechts: der Versuch wird unternommen, die Normen des alten jüdischen Rechts nach den Grundsätzen moderner Rechtssystematik darz’ustellen. Wirtschafts-und aussenpolitische Probleme der Welt / Auslandsberichte aus den fünf Erdteilen / Sonderberichte über die Länder des Vorderen Orients. •Palästina-Umschau. FnrtnpfiihrlwArrl^n die Serien Unverändert erscheinen unsere Beilagen Wirtschaft der Woche. — Sportblatt — Die Schachecke — Das Blatt der jüdischen- Frau '— Kinderblatt — Der Briefmarkensammler -- Die Seite der Jugend— Buch und Kunst. Lest die C.-V.-Zeitung! Werbt für die C.-V.-Zeitung!/Bestellt die C.-V.-Zeitung! mit dem Bestellzettel auf Seite 3 des Hauptblatts. Adolf Stöcker, UotbiographTsche Erzählung (in Die vorliegende Nummer umfasst 30 Seiten. Sie enthält bote des Schicksals, von Dr. Fritz Friedläcnder. — Rachel, eine■ Fortsetzungen), von Martin Cumpert — Ceorg Bondi, Bild eines Verlegers, von Dr Kurt Pmthus _ Den Massstab . nicht verlieren! Grundsätzliches zur jüdischen Kunstkritik, von Dr. Max Osborn — Die neuen Gesetze. In den Chanukka-Beilagen Beiträge von Hermann Cundersheimer (mit zahlreichen Illustrationen), Magnus Daüidsohn, Richard Wilde, Ludu.ig Meidner, Heinz Warschauer u. a. Weitere Beilagen: Kinderblall — Das neue Buch — Sportblatt— Wirtschaft der Woche. offenbar so sein soll. Hat es dauern und über».' dauern können und unterliegt nactZde» Worten.'. JeHnda HaleviS nicht dem )>!atnrcz»setz, nach dem der Stärkere recht beliält. Das ist „Wunder" der jüdischen n»po!irischen Eristenz, von dem Chanukka kündet. Ganz gennß gibt es heute eine Fülle jüdischer Ausgaben, die nicljt andecs als. mit zeitgebnn- .denen, sogen, politischen Büttelnin Aiigrisf genommen und gelöst werden können. Aber daS, ivaS Tag und Zeit erfordern, znm Prinzip zu . erheben. ist völlig aöwegigZAUe jüdische Tügesarbeit hat nur dann ihre Legitimität, wenn sie im Zusammenhang bleibt mit den tragenden und gestaltenden Ideen des JndeUtums. In einer Zeit, in der daS Jndentnin wieder stärker als geschichtliche Größe in die Erscheinniig tritt, wird eS zur nnadweisbareu Pflicht, die durch die Geschiclste vvrgezeichnote Linie cinznhalten. da nur hierdurch jüdische Zukunft verbürgt ist. Die Geschichtsspaiilie von den Makkabäern bis znin.-Untergang des jüdischen Staates l>at gezeigt, daß falsche „Assimilation" den Bestand des Judentums, gleich, ob es die „hellenistische" oder die „nationalistische" ist, in gleicher Weise gefährdet. Das' Judentum aber hat stets die innere Kraft besessen, beide Arten der Angleichnug zu überwinden. Wenn ivir diesmal Chanukka feiern und. das Licht an der Menora um so Heller zu leuchten scheint, je dunkler uns die Welt geworden ist uns erfüllt dieses Fest des'Lichtes, das das Jndentnin in diesem Jahr zum zweitansendeinhnndertsten Mal feiert, mit der gläubigen Gewißheit. das; alles zeitliche Sorgen und Blühen doch nicht verloren und vergebens ist. daß alles Kämpfen und Ringe» sinnvoll bleibt 'vor dem. der nach den Worte» des Propheten nicht, durch.Macht und nicist dnrcl, Kraft, sondern durch seinen Geist z» uns spricht. Masaryh A. H. Der Präsident der Dscljechvslowakischen Republik. Thomas Gorrigii.e Masaryk, ist von seinem Amte znrnckgetreten. Eine Laufbahn ist damit abgeschlossen, wie sie in dem .scheinbar so jvimderieriien Europa mir von einem großen Charakter in Verbindung mit seiner geschichtlieljen Ltnnde durchschritten werden konnte. Wir hatten mi-> Anlaß des -B>. Geburtstages die Etappen dieses merk-- 'würdigen und geschichtsl'ildenoen Daseins geschildert:. Tie Herkunft -ans bescheidensten Verhältnissen, die unter Entbehrungen erreichte Professur, die Cistlarvnng der Königinhvfer ' Handschrift als Fälschung. der Kampf gegen .die Ritnalmvrdlüge im Falle Hilsner Polna. In beiden Fällen, siegreiche Geistesschli-ichten eines großen Feldljerrn, beioäljcte sich ein Mann gegen Eigenliebe und Vorurteile der Blässen, die ihn damals haßten, um ihn zwei Menschonalter später in Berehrmig zu lieben; denn um ihn und iir-seiner'Person ivn'rde ein . Staat, der ihre iiationasen Sehnsüchte erfüllte. Dieses ganze Menschenleben. das ansder '.Witte des vergangenen Jahrljnn.derls entsprang, blieb den Idealen dieses Jahrhunderts verpflichtet: Masaryk war ein Währhcntssncher auch aus den verflochtenen Pfaden seines politischen Weges, auf den großen Beiien durch die Kontinente. im gingen um die «Gründung seines Staates. . Biit Btafaryk scheidet einer der letzten von den „großen alten Männern" Europas ans der aktiven "Staatsführnng ans. Ttzas sein Volk ihm zu danken hat. ist unzählige Biale gesagt worden, was die jüdischen Vürger.ieines Lau- ' des diesem Philosophen ans dein Prändentensenel gegenüber erfüllt, .habensie nicht erst ausgesprochen, als in den Synagogen ans Anlaß seines ttö. Geburtstages Festgdttesdienste stattfanden. Sie haben es früher empfunden und werden es fühlen, solange sie in ihrem 'Vaterlande leben. Wir rühmen nicht den Politiker, dem das^ trübe 'Versailles die Krönung des Lebens brachte, sondern dcu Vien- -

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