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Central-Verein-Zeitung · 1935-12-05 · 49 (5.12.1935) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
49 (5.12.1935)
Date
1935-12-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Jüdisches Leben und jüdischer Geist Dr. Ismar Freund: Erste Kämpfe Um die Emanzipation nach 1812 Nachdem Dr. Jsmar Freund in der Lehr» an statt für die Wissenschaft des Judentums die Grundlagen der. Emanzipation gekennzeichnet hatte (vgl. „C.-V.-Zeitung" Nr. 451, gab er in den folgenden Vorlesungen ein anschauliches Bild von den ersten .(Kämpfen um die Emanzipation, drc ^nach der Proklamierung . des preußischeii Edikts vom-, Ich März lSn 2' einsetzten. - Mit gleicher, ivenn nicht noch, stärkerer -Heftigkeit wie' zuvor Wurde das Emanzipativnsproblem - von - neuem. aufgcrollt. - Bei dem erneuten Ausbruch- ..?E,'ch)Udeichasses nach ' 1812 .müssen wir gr-undzwischen-,tieferen /Ursachen und äußeren Anläßen -unterscheiden. -Zweierlei tiefere Ursachen sind festzustellen. Die Emanzipation bildet zunächst bis zu einem 'gewisten, Grad eine Aktion im luftleeren Raum. ZN der Auffassung der Judenfrage besteht ein starker Gegensatz zwischen der Staatsführung, die me Emanzipation deklariert, und der breiten Maste. Tie Emanzipation, im Grunde aus politisch-theoretischen Erwägungen entstanden, findet keine Resonanz im Volke. Sowohl in der Mentalität Wiks auch im Aeußeren bilden die Juden für das Volk ein fremdes Element. Hinzu kommt, daß durch die Emanzipation auch-wirtschaftliche Antipathien geweckt werden. Durch das . Edikt, das. den Juden jegliche wirtschaftliche Betätigung gestattet, entsteht für den christlichen Teil der Bevölkerung eine neue und schwere Konkurrenz. In jedem Fall stellt die Gleichberechtigung der Juden, weil sie als Zwangsmaßnahme des Staates empfunden wird, eine schwere Belastungsprobe seelischer Art für das Volk dar. Dieser Prozeß der gefühlsmäßigen Ablehnung .der Emanzipation durch das Volk wird noch durch einen zweiten Faktor psychologischer Art verstärkt. Die Geschichte lehrt, daß ein siegreich beendeter -Krieg oft chauvinistische Wellen auslöst. Um so stärker ist dies der Fall, wenn ein von Fremdherrschaft bedrücktes Volk seine Freiheit zurückerobert. In der Uebersteigerung des nationalen Eigenbewußtseins wird so auch in Deutschland nach den Freiheitskriegen alles Fremde bewußt abgelehnt, das Mittelalter in all seinen Erscheinungen als deutscheste Epoche zum Zentralpunkt alles völkischen Denkens gemacht. Mit der romantischen Verklärung und Wiedererweckung des Mittelalters rückt die Idee des Christentums als dessen beherrschende Idee in den Mittelpunkt des Staates. Aus dieser Einstellung erklärt sich die grundsätzliche Ablehnung des Gedankens der Emanzipation und seiner Verwirklichung als etwas, was mit den Anschauungen christlich-mittelalterlichen Denkens unvereinbar nt. Die äußeren Gründe für die Fortführung der Diskussionen um die Emanzipation sind zunächst in den allgemeinen deutschen Verhältnissen zu suchen. In vielen deutschen Bundesstaaten erfolgte die Emanzipation nicht allein unter Einwirkung der französischen Ideen, sondern unter unmittelbarem politischen Eingriff der französischen Macht. So wurde den Hansestädten Lübeck. Bremen und Hamburg wie auch Frankfurt a. M. die Emanzipation von außen aufgezwungen. Sowie aber der äußere Druck nachließ und die französischen Heere deutschen Boden verließen, setzte die Reaktion ein. 1814 wird in Lübeck der Antrag gestellt, die Juden aus den Ringmauern der Stadt zu vertreiben. Da tritt ein Mann auf den Plan, der christliche Rechtsgelehrte Karl August Büchholz, der sich mit aller Entschiedenheit in einer nach Erscheinen viel beachteten und diskutierten Schrift: „lieber die' Aufnahme der jüdischen Glaubensgenossen zum Bürgerrecht" . für die Juden und den Emanzipationsgedanken einsetzt. Die Schrift Buchholz' bildet den-Ausgangspunkt einer heiligen literarischen Fehde. Eine der ersten Folgen ist. daß die Juden der drei Hansestädte .sich auf dem Wiener Kongreß durch Buchholz vertreten lassciu Hier-veröffentlicht er eine - zweite--Broschüre, die euva.-ähnliche Gedankengänge wie die erste enthalt. „Aktenstücke, dieDerbesser-ung des bürgerlichen Zustandes der Israeliten -betreffend"^betitelt. Wenn' auch auf dem Wiener, i Kongreß vor allem Hardenberg und - Metternich erfolgreich für die Judenemanzipativn intervenieren, - gelingt' es - ihnen doch Nicht, von Bundeswegen zwingend für alle Länder die Gleichberechtigung -der -Juden " auszusprechen. Andererseits , werden den Juden. ' von Bundes wegen Rechte in den Ländern garan- , tiert. in denen sie schon Rechte. erlangt hakten. Doch eine verhängnisvolle Korrektur wird in die Akte eingeschmuggelt. Statt des Wörtchens „in" wird das Wort „von" gesetzt, so daß die. Juden nicht mehr die Rechte behielten, die sie in den einzelnen Staaten, sondern v o n den einzelnen Staaten zugcbilligt bekommen hatten. Ta sie aber, in den Hansestädten und in Frankfurt a. Ni. ihre Rechte von den Franzosen erhalten hatten, die Franzosen aber inzivischen nicht meht -ans die Regierung dieser Städte einen Ennlnß ausüben, waren diese Rechte damrt verlöscht.' H. B—n. Dr. H. Stern: Das Bildungsproblem in der jüdischen Schule. Zu den brennendsten Fragen der -Gegenwart gehört das Bildungsproblem, in der jüdischen Schule. Während alle herkömmlichen Begriffe ins Wanken geraten und die Gemeinschaft wie jeder einzelne sich um Neuorientierung bemühen, lastet die Verantwortung doppelt schwer aus denen, die junge Menschen heranbilden sollen. Aufgaben und Ziele der jüdischen Schule — dies Problem, für das noch keine endgültige Lösung gefunden werden konnte in einer Zeit ständiger Wandlung und Umformung, muß jedenfalls provisorisch gelöst werden, denn die Dinge, lassen nch nicht gewaltsam aufhalten; Erziehung und A-4- , bildnng junger Menschen kann nicht — weil -h keine definitive Lösung gefunden wurde, „vertagt" merden. es gilt, trotz aller Schwierigkeiten und vor allem fern aller wirklichkeitsfremden Ideale den „Forderungen des Tages" Rechnung zu tragen und ein positives und fruchtbares Bildungs- , Programm aufzustellen. V. Das Referat,, das Rektor Dr. H. Stern in der Ortsgruppe Berlin des Jüdischen Lehrerverbandes über „Das Bildungsproblem in der jüdischen Schule" hielt und dem in Kürze ein zweites Referat von Hans Gärtner folgen wird, war eine tiefgründige und vielseitige Beleirchtung des Bildungsproblems in seiner grundsätzlichen und spezifisch jüdischen Bedeutung: es vermittelte zu- *\ gleich aber auch eine Fülle von Anregungen für praktische Bildungsarbeit. Dr. Stern ging von der Voraussetzung aus. daß das Bildungsprvblem in der jüdischen Schule im ganzen durch den Zerfall der überkommenen Bildungsgrundlage und die Uneinheitlichkeit und Unsicherheit des neuen Bildungszieles gekennzeichnet sei. . Er verneinte die Notlösung, die Schule nur als Ausbildungsstätte für Leistungsfähigkeit und Lebenstüchtigkeit anzusehen. Aus die „Bildung" als etwas Eigenwertiges dürfe in Ansehung des jüdischen Wesens, der Bedeutung echter Bildung auch für den .Lebenskampf und als Quelle persönlichen Glücks nicht verzichtet werden. . Tie eigentlichen Bildungsschwierigkeiten liegen in der Stellung des Deutschen und der allgemeinen Geschichte in der neuen jüdischen Schule. Die Stellung des Deutschen. ist begründet in der Tatsache, daß die deutsche Sprache Mutter- und daher Unterrichtssprache ist. Ihr Erlernen und ihre Beherrschung setzt auchdie. Bekanntsckiäst mit. .dem deutschen Geistesgut voraus. Die Einführung jüdischen - Geislesgules in den Deutschunterricht ist notwendig im Dienste, der allgemeinen Erziehung zum jüdische» Menschen, insbesondere , aber auch darum. weil die deutsche Gcgenwartskultur für jüdisckie Erziehung und Bildung ausscheidet. Die jüdische Geschichte.anuß. wenn sie uns wirklich zeigen soll, was wir sind, inhaltlich und methodisch auf eine ganz nepe- Basis gestellt werden. Der allgemeinen Geschichte, bleibt die- Aufgabe, . die. grwßen politisckien.kulturellen .-und .Wirtschaftlich-sozialen .Enttvicklllngen. die für da-?'.Verstand- . , ins der- Gegenwartstind - der Umwelt -von' wesent- . sicher. Bedeutung sind, und die auch 'an unserer - Prägung anitgearbeite.t - haben.. zu vermitteln. Palästina-iii seiner geistigen! natürlichen -und wirtschaftlichen Struktur ist eine.wesentliche Bildungsausgabe. die entweder in einem besonderen Fach als Palästinaknnde oder als nnterrichtliches Prinzip, das heißt innerhalb der einzelnen Stofsgebiete, zu löien ist.. Hebräisch als lebende Sprache wie als Mittel znr Eroberung des jüdischen Geistesgutcs ist eine selbstverständliche Ilntcrrichtsaufgabe. Es ist-.darum kein Bildungs. vroblem mehr, sondern nur noch ein methodisches. Im ganzen kann das jüdische Bildnngsproblem auch in heutiger Zeit nur gelöst werden, wenn der Schule Rübe und Stetigkeit gewährleistet wird. Darum soll die Schule auch'in der Zeit des Umbruchs einerseits zweifelhaftes Ertzerimentieren und zielloses Jagen nach Illusionen vermeiden: anderseits soll die Berufsbildung die allgemeine Bildung nicht' bedrängen. Vorzeitiger Abbruch der Schulbildung ist nur zu rechtfertigen ' im Falle der Auswanderung oder der Ueberfüh» rimg in die wirklickie Berufs»,isbildirng. Zinn Schluß seines fesselnden Referates richtete Dr. Stern einen Appell an.die jüdischen Organikationen, insbesondere an die Reiclisvertretimg. dringend notwendige Hilfe durch Beschaffung und Verbilligung von Lehr- und anderen Unterrichts- Mitteln zu leisten. 1I.-B—u. * In der „C.-V.-Zeitung" Nr. 48 ist ein Bericht über die Gruvvenverbänds.tagung der oberschlefischen zionistischen Ortsgruppe in Gleiwitz veröffentlicht. Unter vielen Entschließungen lesen wir auch die folgende: ..Der Gruppe,,verband verlangt weiter, daß die jüdischen Gemeinden die Leiter der -städtischen jüdischen Schule» aliiforderu und auf sie einwirken, daß sie sofort eine Umgestaltung des Lehrplanes vornehmen, der den heutigen ^vordringlichen jüdischen Notwendigkeiten und Er- "fordernissen in .vollem- Umfänge Rechnung trägt." Hierzu teilt uns Rektor Dr. Stern mit: „Im jüdischen Publikum ist allgemein die Mci- . nung verbreitet, daß Gemeinden und Schulen in der Umgestaltunc, der Lehrpläne freie Hand haben. Diese Meinung ist irrig. Denn die Schulen, auch die Privatschulen, sind rn ihrem Untcrrichtsbetrieb und insbesondere in der Lehrplangestaltung nach wie vor von dem einmal genehmigten Plan abhängig und jede Veränderung bedarf der Genehmigung der zuständigen Behörde. Den Gemeindevcrwaltungen steht ein Einfluß auf die Lehrplangestaltung nicht zu und. ebensowenig den Schulleitern die Möglichkeit zu selbständigen Deränderungen." Leipziger Lehrhaus-Lehren . Unser Bericht über die Eröffnung des Leipziger Lehrhauses („E.-D.-Zcitung" Nr. 47 vom 2I.fi.) hat ein vielfältiges Echo gefunden. Ans den Kreisen der Beteiligten wird geäußert, unser Be> richterstatter habe geivisse Partien der Reierate, die der Vertreter, des Geineindevorstandes zur Begrüßung und Rabbiner Dr. Lemke (Frank- Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstolfe furt a M.) als Hauptsprecher gehalten haben, mißverstanden. Der danach zu vermutendcn llndenttichkeit und Vieldeutigkeit der Reden gegenüber hat nun unsere Stellungnahme eine, auwerkennbare^ Deutlichleit und Klarheit.ansgewresen, die wir .für angebracht halten und anä> immer angebracht halten werden, wenn -Redner Ort. Sinngebung und'Publikum.bei-iluor Wirksamkeit nichthinreichend respektieren ' und Wendungen, dre. ihnen alls. Teiideüzveranstaltnngen vertraut .sind, in 'Kuiidgehiliigenneutralei: Gremien-- übernehmen zu könneü meinen. - - : - ü.ach dieser Klarstellling ioällen ioir gern im Hinblick auf Leipzig erliare». daß dort Mißverständnisse vvrgeloinineii sein mögen, die in Zulnnft zu vermeiden, alle Bcteiligteii sich einig geworden sind. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums - hat sich einige allgein-ein-wi.ssensct,astlichc Vortesliiigen angegliedert.- Sie halt sich für verpflichtet, die judaistischeii Studien il>rer Hörer zu ergänzen und' zu vertiefen. Zlinächst sind Vvrlesnngen und Uebungen über Philosophie Und Geschichte eingerichtet Jvorden. Seit Anfang November lesen die Herren: 1. Dr. Arnold Berney: Allgeineine Geschichte der neiieren Zeit (Dienstag 6 -7. Mittivoch 5,—7, Donnerstag (> -7l. 2. Dr. Hans .F r i e d t ä n d e rPshchvlogie ' (Dienstag 4—<!, Sonnabend <> s\. Z. Dr. Arnold Rietzg'er: Geschichtsphilvsophie (Nlviitag 5—7): Kants „Prolegeiuene". llebiiiigen zur Erkenntinsthevrie für'Anfänger (Dvn- .nerstag 4 -6). 4. Professor Dr.- Dänbler: Epochen-.der Weltgeschictite. I. Prähislorie und Antike ttMvntag. Dienstag. Riittwoch. Donnerstag 7 - s). Die 2>or>esiinge» sind auch -weitere». Kreisen * zugäNiZlich. soioeit diese diircl, ilire-Vorbildung für die Mitarbeitin geregelten loißenscliaftlichen Borlesungeii mid Seminarien geeignet sind. Aiilnetdimgen. für die ziveit.e Hälfte, des Semesters iverden von Dienstag, dem in. Dezember, bis Donnerstag, dem 12. Dezember, nachlnittags von 6 bjs 7 tlhr entgegengenvminen in der Lel>ranstalt für die Wissenscliast des JndentninS. Berlin d,'.2t. Artillerieslraße .14. Eine inäßige Hörergebülir ioird erhvi'eii, »vorüber dort 'Auskunft erteilt ivird. . Der Krren Hatorah. Kommisiariat Berlin, richtet Abeiidknrse zur Eiiiführiing in Bibel. Talmild und das übrige jüdische Schrifttum imd Kurse über die Praxis jüdischen Lebens ein. Es werden für Erwachsene wie für J>igeiidlick,e be-- sondere Gruppen gebildet, und zivar solihe. in . denen keinerlei Borleniitnjsse vorausgesetzt werden, wie auch andere, deren Teilnehmer bereits einiges Wißen besitzen. Die Teilnahme ist unentgeltlich. Dteldungen mit Angabe von Alter und Borkenntriissen lvollen°»mgel,ekid gerichtet werden an dxn -Keren Hatvrrih, iromliiissariat Berlin. NW.87, Siegmulidshof 16. ' Lehrhaus Berlin Donnerstags-Bortragsreihe (20.15 llfjt, fflnldervereinshaliS, Kiiriürsteiistr. 115/116). Beginn der Reihe: Eigemvett und. Ilmwett im Werk jüdischer Gestalter — Llidung Feuchtioanger spricht am 5. Dezember über: „Jalvb Wasscrinaiin und Franz Rvsenziveig". Im Jüdischen Kulturbund Augsburg begeisterte Paula Lind-berg (Berlin) ihre Hörer mit Arien und Liedern. Alma Weiß (München) spielte die Sonate -Z.-moH von Schubert-mit bekannter Meisterschaft. Ein Kammermusik-Abend - des Streichquartetts Rhein-Main brachte unter Führung von Profesiov)- Hans Bassermann das 6-ckur-Luartett von Mozart, die interessante Serenade nach Spitzwegart von Toch und das A-möll‘£attett op. 51 Nr. 2 von Brahms. Bei Beginn der Aktion für das jüdische Winterhilsswerk veranstaltete die Gemeinde eine Kundgebung. Die eindringlichen Worte des Gemeindevorsitzenden Jnstizrat Dr. Eugen Strauß waren umrahmt von Darbietungen von Margot Bloch. Edith Buxbaum. Otto Neuburge.r und des Synagogenchvrs, A. Cr. . Tie Veranstaltungen des Ausschusies für Künstpslege in Plauen i. B. eröffnete Edith Herrn stad t-Qettin gen. Ihre verinnersichte Vortragsweise zog alle Hörer in ihren Bann: reicher Berfall ward ihr zuteil. In einer weiteren Veranstaltung brachte die Bühncnsängerin Edit M a e r k e r mit klangschöner Stimme eine -Reihe von Opernarien zu Gehör und fand gleichfalls ein dankbares Publikum. 0. Die Hab’ma Die Berliner Zionistische Vereinigung und der Rei-chsverband-der jüdischeu K u l t u r b ü n d e hatte zu einem Ausspracheabend über „Tie Habima und ihr Weg" in das Berliner Logenhaus igeöeten. Es waren nicht sehr viele diesem. Ruf gefolgt. Bei dem starken Eindruck, den die Habima seinerzeit auf die Juden in Deutschland gemacht hat. hätte man ein stärkeres Jnteresie erwartet. Die da waren, gehörten mehr oder weniger zum Bau.' Mitglieder des Kultucbundtheaters. Zionis»n und natürlich die Presie. unter ihnen besonders Menschen, die schon früher ~ der' Theaterkritik angehörten. Benno Cohn begrüßte namens der Zionistischen Vereinigung. Tr. Kurt Singer namens des Reichsverbändes jüdischer Kulturbünde. Margot K l a u s n e r als hervorragende Sackuvalterin der'Habima. Ter Dortrag brachte viel Aufschlußreiches über die Geschichte dieser Kunstgemeinschast und aus chrem gegenwärtigen/Wirken und Streben. Die Habima erwuchs zu einer Zeit, als die nationalen Zusammenschlüsse in Rußland entstanden. als Nationaltheater mit staatlicher Subvention. Als diese Subventionen wegiielen. ging die Habima in die Welt als Trägerin einer nationalen Mission: einer jüdisch-nationalen, sagte Frau Klausner. Wer die Aufführungen kennt, wer von der Art des kollektiven Arbeitens erfährt, die Lichtbilder, die' dann gezeigt wurden, mit wachem Auge ansieht, der Kve.ifclß ob diese Mission wirklich eine nationaljüdische und nicht vielmehr eine russische, zum mindesten eine slawische war. Und wenn Margot Klausner voll Bedauern sestsiellte, daß die aus Deutschland eingewanderten Juden in Palästina diesem Theater nicht das'gleiche Interesse entgegenbringen wie-die Russen und Polen., so sollte sie nicht den Grund in der Tatsache suchen, daß die Juden aus Deutschland die Sprache nicht verstehen, sondern darin, daß ihnen diele Kultur — nicht weil sic jüdisch ist. sondern weil sie slawisch ist — fremder bleibt. Der Abend brachte" in Rede und Widerrede interessante Ausschlüße. Er konnte der Habima kaum neue Freunde schassen, weil wohl kein Mensch da war, der sie nicht kannte,/- Aber er. erweckte bei allen die Sehnsucht, dieses Theater auch hier tm Rahmen des Kulturbundes einmal zu sehen und so hoffen wir mit Dr. Singer, daß es gelingen möge, die Habima bald zu Eastvorstelliingen hierher zu bekommcn. - - ' vr.Jll. E. Musikalische Notizen - In N e ivz ch o r k wurde durch Ltto Klein - perer eine Suite für Streichorchester von Schönberg aui'gciührt. die dadurch auffiel, daß sie ganz im barmonisch-einkachen Stil des achtzehnten Jahrbunderts qehalten ist. Fritz K r e t sl e r spielte iixsv^r uu-oei-läUstön „>sarnegie Hall" Werke von Liotti. Tartini. Bach und eigene Stücke. Jascho H e i f e tz Werke von Bach. Mozart. Beethoven. In Toronto (Kanada) nimmt - das Munkleben einen immer stärkeren Aui'chwung. ll. a. konzertierten dort die bekannte englische Pianistin 'Harrtet Lohen, bann Horowitz und Artur Schnabel-, besten Abend als Höhepunkt („tlie peak‘‘) bezeichnet wird. . Tie ..Serenadcn-Kvnzcrte" in Paris brachten.u. a. ein Konzert für Cello, und Lrchejtcr von Tarius Pl i.lhand. Tie Musikzeitschrist „Tim Chesterian'“ .nennt' c§ „reich an Einfüllen und ein durchaus mufikhaftes Werk". Ein dem Neuen und den Neuen besonders-abwartend gegenübcrstehendes Piibliknm ioird Bq rce l o na nachgesagt: deshalb iverden jicl> Künstler wie K l e in p e r e r oder G na n e r i neben -vielen anderen nur allmählich hier durchsetzen.. Dagegen hatte der hier länger ivirleiide Pcischa E l Ma n einen sehr großen Erfolg. Emänuel L i st sang kürzlich in Eleve I'a n d. S a n F ran c i s c a und E h i e a g o im. „Rolenkavalier". der „Walküre" und der „Götterdämmerung". Ter „Dpbuk" von An-ski wird mit "der Nlnsik von -Lndovico, Rocca (die schon in der Scala und in Warschau gespielt wurde) in Rom aufgeführt. In einem Aufsatz der „Zeitschrift für- Musik" betirett „Das Musikdrama im Spiegelbild der Jetztzeit" schreibt der 'Autor. Professor R. Hagel, u.-a... das; die Verbnidiiiig von Richard Straußüüt H o s m a u n s t b a l eine „unbegreistiche widersinnige lsteisteselie" geiveien sei, in'der 'ich ...Strauß „gleich dem liebeu Dill uüber die Juden, über seine sonstige Ilmivelt und zuletzt über sich selbst lustig" machen ivvllle. Dazu nimmt BtzAicr Abendroth in der „Musil" u. a. mit folgciiden Sätzen Dtellung: „Btanleie den Briesivechiel -Ltrauß—Hosmannslhal. um sich zu vergewisscrn. daß die Zustammenarbeit dieser beiden Künstler durchaus keine wideruniiige Geistesehe war. sondern eine kehr sinnvolle, sogar unqewöhnlicli glückhaite. ivkern imiri dabei nicht an die technisch-dichterischen,.Schwächen Hofmannsthal denkt: sondern, an seine geistig-künstlerische «strundeiiistellung und seinen artistischen löe- 'cnniack^rvmKii-er-suäi mit Strauß geradezu i^Uharmoniich Zli'ammensand. Worauf es hier ankommt, das ist die Tatsache der absoluten Einheit beider in ^der Ausiaöung von Stil und Ziel alles künstleristchen Tuns. Eine Tatsache, die dadurch noch be'onders erhärtet wird, daß Strauß -selbstnach dem Tode Hoiinaiinsthals noch aai dessen Vermächtnis zurückgriss und danach schließkich einen Autor ivählte. der geeignet, fähig und bereit war. im Geiste seines Vorgängers fortzufahren. Tller ivvllte da uocl; die absolut natllrgegebene Zusamineiigehöriglett in F ca ge stellen i" Jehuda^Mcnuhin. der bekannte jüdische Vivlinpirtuvse. hat nach der Rücklehr von einer ersvlgreiclien Tournee dnrcl, Z-iidairika rrf(ärt, er beabsichtige, zwei Jahre laug ii.icht »icl,r össentlich auszutreten uab diese /Zeit ausschließlich seiiier Bervollfvmmmmg zu ividmen. Zinn letzlen Rial ivird der uüiistler am I l. Januar ein Konzert iii London geben. Das Hamburger Jüdische Kainmerorchester ivird unter Leitung seines Dirigenten Edward Moritz in den Monaten Januar. Februar und. März seine Konzerte loieder veranstalten. Herta Glückmann. -Breslau,, gab vor tiirzem in der Aeolian Hall in L an do n ein,zu Liederabend. der von der Presse sehr gstiistig beipiochen ivurde. Ter Jüdische Kulturbund Berlin zeiat ans Anlaß des El,ailukk.uFc-st.-r um 1uuh 2,'. Tezemüer. A' I5 Uhr. im RachTaäl als- Dv-idean-lannaUnng einen ..71 c n e n Li e ll l i..ch e n n n d V a I <i ft i n a; B I l b f 11> u n-c n" in der . Regie v.°n All nlni Eljnschofs. Es wnkcn u.' a' mit: Ü!a, o - nin s t i) didgnr A I e i au d e r, ' Rnih '.'tzn >' e l in.. Relltz tz i x tch. Alsr.U Uich de u ll in -Leo R» l, r. Antritt habcii nnc Riitgtieber des ,‘uir>ifdjVu .OiiUiit; Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Teilt,'chlaNd: Am II. Tezenider. r-n.15 Mir. bringt 6Ijemja" W injimct mit seinen!!'> indlntzen San-, gern in der LUnagoge tzrinzregenteiisträße paläitlnennsche. jiddische und sl;nvgate Meder, sowie religiöse Gelänge zu Gelg-c. E-iiilaß nur mit Reichsvcrdands- oder Kntturbnndmilgll.ed-knrle. Ltto Bernstein liest am.-* Tez-.-mber. 20.15 . Mir. im LogenliänS. Kleiststraße I>i lE,roster Saal», ans Werken von Ander. Beer-tzo'niann. 1l>a„ia^ ‘JJiatur. Brandes Einlaß nur mit RcichSverdandsooer Kultnrdnndmitglicdskarte, Zwei populäre Abende mit Fritzi I o k l. Riar Ehrlich. Wilhelm W u 1 t m a n n. Willi R o tze - i-Zocäcied—F e e l ii'u^c r - vecunswllel- -das Lichcllerder K ü n st l e r h i l s e der Indischen EZemeinde,. Berlin.im Rahmen deS Reichsverbändes der Indischen Kültnrdünde am II. Tezember. 20.15.Uhr, in den Rcsidenzlestlälen. Landsberger Straße und am 12. Tezemdcr. 20,15 Ilhr. im Brüdervereinsbans, Knrlürllcn'traße 111-10. TaS tzrchestcr der Künitlcrhille .chielt iuiter Leitiing seiner Dirigenten Ru- - dolj Schwarz und Fritz W a l l e n b e r <g.

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