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Central-Verein-Zeitung · 1935-11-28 · 48 (28.11.1935) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
48 (28.11.1935)
Date
1935-11-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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foTIen, sondern in der auch durch künstlerische und -sonsncjc Veranstaltungen da-:- kaufende P'.iölckum aus den Kolunieu der Umgebung zuni Besuch Tel- 'Nvivs ermuntert werden soll. Tie Veranstaltungen sollen in den Channklalagen stattsinden. '.'lach Jerusalem und Tcl-Aviv yat nunmehr auch Haifa die Einwohnerzahl oon in» OOtj überschritten. Tie bekannten jüdischen Vorstadtsiedlungen Kiriath Ehaim. Bialik und Motzkiu liegen' noch außerhalb' des städtischen Weichbildes. In Haifa dürfte etwa die Hälfte der Einwohner;ü-' dl Ich friii; während in Jerusalem eine jüdische . Mehrheit. ..und in Tel-Aviv eine ausschließlich jüdische Bevölkerung porhauden ist. Tie Reismühle, die im Sommer dieses Jahre? .unter mai'.aebender Beteiligung einer jüdisch-eng. lncl'cn Mruppe gegründet werben mar, wird ihre P r v d n k l 10 n v 0 r a u s si ch t l i ch im Frühjahr 1936 auf. .nehmen. TnsGrundlapitcil betrügt 35 OOü LP. Jerusalem, 2t. "November. (ITA)' - Wie aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, sind in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres'etwa 11 Millionen Pfund nach Palästina cingeflouen. Zwei Trittel dieses Kapitals stammt^ aus den Ländern Osteuropas, während der Kapitaltransser aus Teutschland - iiw Wege der Haaivara stark zurückgegangen ist. Palästina-Wirtschaft 1935 Vom ferner Cahnmann In drei Ausgaben (hebräisch, englisch, deutsch) ist „PalnewS Wirtschaftsjahrbuch für Palästina 1935im Bvrlag des?ale^tin6 News Servire in Tel-Aviv herausgekommen. Es bietet aut stincn mehr als .800 Leiten dem Wirtschaftsfachmann, dem Kaufmann und dem wirtschaftlich interessierten Laien zum ersten Male einen umfassenden, wenn auch nicht erschöpfenden lieberblick über die Gesamtheit des palästinensenschen Wirtschaftslebens. Ter wertvollste Beitrag des Jahrbuches ist der den ganzen ersten Teil ausfüllende von Tr. Alfred Michaelis über „Die Wirtscl)ast Palästinas Anfang 1935". Man merkt dieser klar geschriebenen Studie die ausgezeichnete Schule an, die der Verfasser, ein junger Nationalvkonoin aus Teutschland, in Kiel bei Harms und in Berlin bei Baade absolbtert hat. Michaelis.behandelt in einzelnen, mit reichem Zahlenmaterial versehenen Kapiteln die Bevölkerungsbewegung . als Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung, die 'landwirtschaftliche Produktion und Nahrungsmittelversorgung Palästinas, die industrielle Ent- . Wicklung, die öffentliche Finanzpolitik, die palästinensische- Handelsbilanz und. Handelspolitik und zum Schluß die Berkehrsproblcme des Landes. Die jirdische und die arabische Berufsstruktur Man weiß, daß in Palästina die arabische, die christliche und die jüdische Bevölkerungsbewcgu'ng höchst verschiedenartige. Tendenzen aufweisen. Während die mohammedanische Bevölkerung zu rund zwei Dritteln von der Landwirtschaft lebt, bilden die nichtlandwirtschaftlicheu Berufe zu mehr als vier Fünfteln die Eristenzbasis der jüdischen Bevölkerung. Die Berufsstruktur der christlichen Bevölkerung ähnelt derjenigen der jüdischen. Die besondere Dynamik des palästinensischen Wirtschaftslebens rührt daher, daß sowohl die Ziffern der natürlichen Bevölkerungsbewegung, ins, besondere bei den Mohammedanern, als auch die Ziffern der Einwanderung infolge des-Aufbaus des jüdischen Nationalheims dw cistsprechenden Ziffern in fast allen anderen Ländern der Welt bei -weitem übertreffcn. Demgemäß hat sich der Wert sowohl der landwirtschaftlichen wie auch der industriellen Produktion in den Jahren seit Kriegsende außergewöhnlich gesteigert — ein Umstand, der fast allein auf die andauernde jüdische Einwanderung zurückzuführen ist. Die alten Betriebszweige der palästinensischen Landwirtschaft (Anbau von Körnerfrüchten. Melonen, Oliven. Feigen, Kleintier- und Kamelzucht) sind auch heute noch, im wesentlichen in den Händen der Araber, die jüdifckien Landwirte dagegen überwiegen in der intensiven Citruskultur. im Wein-, Obst- und Gemüseanbau sowie itt der Rinder- und Hühnerhaltung. Infolge des geringen Hektarertrags ist die arabische Landwirtschaft nicht, in der Lage, den Bedarf des Landes an den von ihr erzeugten Produkten zu decken, wogegen die von den "Juden in Angriff genommene.Eitruskultur — über 60 Prozent der CitrUspflanzungen befinden sich in jüdischen Händen. — init ihrem von Jahr zu Jahr steigenden Export. den wichtigsten Aktivposten in der HandelsbilanzPalästinas darstellt. Der Gesamtwert der landwirtschaftlickien Produktion beträgtnach den Schätzungen von Michaelis rund 6 Millionen Pfund Sterling, wovon je 2 Millionen Pfund Sterling auf die Fellacheuw.irtschaft und auf die Eitruswirtschaft einschließlich der jüdibischen Siedlungen-entfallen. Dem Erpvrt laudwirtschaftlicher Produkte, hauptsächlich Orangen und Grape Fruit, im Werte von >'2 Millionen Pfund Sterling, steht ein Import mit einem landwirtschaftlichen Prvduktionswert von ungefähr, gleicher Höhe gegenüber.; Palästinas Industrielle Tic Erfassung der industriellen Produktion -leidet in besonders starkem Maß darlinter, daß die Erhebung der 'Regierungsstellen und die nur ans de,^ südisck-en Sektor bezügliche Erhebung der .11 \n-ish Agency nich! nur jeweils zu einem verschiedenen Zeilpimll stättgefunden hat. sondern Hiß außerdem beide Erhebungen von verschiedenen Erhebungsgesichtspniiklen «»sgegange» sind.. Es ist dringlich zil,wünsären. daß die zu gleicher Zeit geplame Einrichtung eines statistischen' Amts der Mandatsvenvaltuii-g' uiid einer lvirtschaftlichen norschiingssieUe der .leevi.^b Agency unter dein Gc- . sichlspiiiilic gegenseitiger Z»saiiimenarbeil .ersolat.j' iäiaelis änainüer! sehr eingehend Entwickliinas-' gai-.g und gegenwärligen Stand der. Jndustriali- I'ernng in Palästina. Seine Ausnchrniigen zu du'iein Punk! werden im zweite». Teil des JaYrbuchs in Einzeiuiitetsuckningen über die 'Baniätigleil iii Palästina von E. T 11 v i m. ülM'r Palästinas Elekniziuitsveriorgiing von W.lhelin T ü sl e r - w e l d, iiber die Kalinnnverke am loten "Meer von B. P a n! e l e.u m 0 n 0 t t , ' über die Jrak-Pe- . trolelimge.sellschaft und -Palästina von D, OIs ch a n e tz l v,. iiber die "NaYriingsiiiitleUndustrie in . Palästina von I. Ja i ie. iiber Palästinas Terrilniid Bekleidiiiigswirlicha'l von M. K 0 h e n . über Zulun'tsinoglickü'riten der E>'ei>- und B!ctaU- - .ndustrie Palänii'.as von A.' K r e m euer und ober die Leoäiiieineiscn niid die koininerstelle Ent- Wicklung Palästinas,.von A. Jewferow ergänzt. Tcr Prodnkiiensioeri der geiamten paläitinen-. li scheu Jndiistriebclänt: . sich für das Jahr 193'». schätz-ungsweiw.auf l" Millionen Pfund Sterling "" rd. 75 Prozent mif die jüdückw Indnstrie ciUMllcn. Tabei liegt der Anteil Tcb-Avivs an der Jalil' .der- Betriebe und Beschäftigtenzioiscl)en 45 und bl Prozent, der Anteil Haifas, der inzwischen weiter-zugenommen hat,'zwischen 20 - und 25 Prozent. Ter Reit entfällt auf Jerusalem. einige in Niordpalästina gelegene Landstädte und eine Anzahl industrialisierter jüdischer Dörfer im Jafsa-Tistrikt. Bei allen diesen Ziffern sind handwerkliche Betriebe mit 1—4 Beschäftigten und einer Käpitalciüsstaltung meist unter 500 Ps'unb" Sterling ebenfalls als „Industrie" gezählt. Tiefe .handwerklichen 'Unternehmungen umfassen zwei Trittel der Zahl der'registrierten industriellen Betriebe und ein Drittel der beschäftigten Personen, aber nur ein Sechstel des-Prvduktionswertcs und. kaum mehr als 6 Prozent des insgesamt invcstierten Kapitals. Tem PLbduktionswert nach steht gemäß dem Regierungszcnsus wie der Er- Hebung der .ke^vi-sh Agency die Nahrungsmittelindustrie nu der Spitze,' in weitem Abstand folgen. Ziegeleien und andere. Baustoffindustrien, Metallbearbeitung, Ehemikalien, Leder-, Bckleidüngs- und Holzindustrie.'..'Die Kleinheit der BerhältnisscZdiebisstn die jüngste Bergangenheit' anhielt, erhellt «daraus, daß Michaelis alle Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten als „Großbetriebe" bezeichnet: der Regierungszensus'von. 1923 stellte gleichwohl'kannr mehr als zwei Dutzend solckier „Großbetriebe" im ganzen Land fest. Inzwischen dürste sich ihre Zahl allerdings mehr als verdoppelt haben. Einfuhr und Ausfuhr Die Produktionskapazität des Landes kann nicht im mindesten Schritt halten mit den wachsenden Konsumbedürfnissen der eingesessenen, wie der eingewanderten Bewohner. Zu dem oben wiedergegebenen . industriellen Brutto - Produktionswert des Jahres .1935 in Höhe von/ lO Millionen Pfund''Sterling kommt ein Fertigwarenimpo-rt von gleicher Höhe hinzu. Dazu ist zu bemerken, daß die Jmportentwicklung des Jahres 1934 bei -Fertigwaren (Berbrauchsgütern) ein stetiges Anwachsen des Einfuhrbedarfs in mäßigen Grenzen, bei Baumaterialien und Investitionsgütern eine sprunghafte Erhöhung auftveist. Rechnet man. den Import an Lebensmitteln und'Rohstoffen dazu, so ergibt sich für das Jahr 1934 eine Gesamteinfuhr für .13,3 Millionen Pfund Sterling, der eine Ausfuhr'in'Hohe von nur 3,2 -Millionen Pfund. Sterling gegenübersteht. Hier wird der tönerne Fuß sichtbar, aus dem die bisherige ^Prosperity" des Landes ruht. Selbstverständlich muß bei noch so hoher Passivität der Handelsbilanz die Zahlungsbilanz sich immer ausgleichen. Solange der hohe Kapitalimport die Einfuhren finanzieren kann, ist alles gut. Aber Michaelis bemerkt mit Recht, daß selbst dann, wenn Einwanderung und Kapitalimport .bei Aenderung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse nicht für eine kürzere oder längere Periode zum Stillstand kommen würden, eine Wirtsckmst auf die Dauer nicht so sehr vom Ausländ, abhängig.sein sollte, wie es die palästinensische gegenwärtig ist. Denn nicht nur der Jiivestikionshedarf ist. solange die Kapitalbildung in Palästina selbst nicht ausreicht, unter diese Äbhängigleit gestellt, sondern auch der laufende Konsumbedarf kann leicht in ernsthafte Bersorgungsschwierigkeiten geraten und die ohne- »°hin sil)wierige Lebenshaltung der städtischen Bevölkerung in.-unerträglicher Weise belasten. Die im Hinblick hierauf so sehr notivendige weitere Steigerung aller"Produktivkräfte des Landes stößt aber auf bedeutsame handelspolitische Hindernisse. Artikel 18 des .Mandatstatutes verpflichtet die Mairdatarmächt. in Palästina keinen Unterschied zuungunsten van Waren zu machen, die aus irgendeinem der dem Völkerbund als Mitglied angehörenden Staaten kommen. Tie Durchlöcherung des Meistbegünstigungsprinzips in vielen Ländern durch Kontingentierüngen, Einfuhrverbote. Devisen- und Dransferbestimmungen hat es mit sich. gebracht, daß Palästina nicht in der Lage ist, für . seine Produktion neue Absatzmärkte zu erschließen, während lein eigener Jnlandsmarkt zum ungeschützten Erportventilfür Industrien aus aller Welt wird. Einer Aenderung dieses Zustandes wird man nicht mehr lange aus dem Wege gehen können. ' ' ' Finanz- und Verkehrspolitik Auch aui dem Gebiet der Finanz- und Berkehrspolitik gibt es mancherlei von der Mandatsverw.altnng zu ivrdern. Seit dem Finanzjayr 1932 3:', erhöhen..sich die Etatsübcrschüsse in '" sprunghasteni Tempo: sie steigern'sich.'im Verlauf des Finanzßchres 1932.33 von vorder 0,73 Millionen 'PkimchSterling, auf 1.23 Millionen Pfund Sterling, verdoppeln sich bis 31. 'März 1934 auf 2.51 Millionen Pfund Sterling und erreichen bis zum Ende des lausenden. Finanzjahres 1934/35 voraussichtlich eine nochmalige 80prozentige Steigerung aus rund 1.5 'Millionen Pfund Sterling. ' Diese großen Einuabmenberschüsse sind thesauriert N'ordeu. wodurch die jüdischen Ausbairorganisativneu gepouugeu worden sind, große Beträge für Zwecke auizuivendeu. die eigentlich Staatsnnfgabcu nnd:..nir Geinndbeits- und Erziehungswesen. 'Bewänerungswirtschait und Annorstung. °Fnr den-.letztgenannten Zweck, der in'einem seit langem ennonldelen Land wie Palästina von ent^ scheidender .Wichtigkeit ist. sind in den Budgets von 1933 3 t und von 1934 35 nur je 4000 Pfund Sterling ange'etzt worden! .Man muß der Mandats.verwal.tn:->g. deren bloßes Vorhandensein freilich sä'on ein ivabrer Segen iür das Aufbauwerk iü. au'. Grund'der vorhandenen Zii'ern das Zeugnisausnellen. daß ne sich von der Welle des Hochfrhwungs in der Pa-lästinawirtschast hat emporheben lassen, ohne aus den ihr ans eben diesem Hochschwung zur Vers» -nng gestellten ^Mitteln den weiteren Ausbau.'-des- Landes in entsprechender Weise zu fördern. So liegt auch auf dem Gebiet des .Verkehrswesens noch vieles' im argen. Die -vafenverhältnisiein Jaffa, sind noch, immer mehr als primitiv, die für die Beförderung der Citrusfrüchte höchst wichtige-Straße Jaffa-Tel Aviv— . Haifa wird nicht gebaut, .-weil man die Automobilkvnkurrenz zur Bahnlinie befürchtet, es fehlt.an modernen Grvßraumgüterwagcn und an manchem . anderen. Die vorgenommeüen und die projektierten Bauten dienen vorwiegend strategischen Zwecken.,. ' Im zweiten Teil des - Jahrbuchs werden ein«. . zelne wichtige Zweige der Palästinawirtschäst besprochen... Außer den schon oben erwähnten Auf. ', iätzen rinden sich Abhandlungen von Isaak R 0 k a ch' über, die 'Eitruswirtschaft. von Amram E. h a s y n v w über - dcks Problem der Obstkultur ' nt - Palästina, von A? B l ei.b erg. über Wasser : und Bewässerung in Palästina: über- Dabakwirt-. schaft, Versicherungswesen,. Bankwesen und "Ton- - -ristik. Ten Kaufmann wird insbesondere der Artikel von I. Adler über den Einfuhrhandel Palästinas interessieren, in dem die Wandlungen. in den dort üblichen Geschäftsformen eingehend erörtert werden. Was man vermißt, ist ein Auf-— satz über die Wirtschaftlichkeit der - verschiedenen landivirtschastlichen Siedlungsformen und über die Möglichkeit einer künftigenpalästinensischen Forstwirtschaft. •; Die Fol gerungen Alles in allem läßt sich aus dem reichen Inhalt des Jahrbuchs der Eindruck gewinnen, -daß es ein palästinensisches Wirtschaftswunder so wenig gibt, wie es seinerzeit ein amerikanisches Wirtschaftswunder gegeben hat. Die Wirtschaft ist nicht der Boden, auf dem Zeichen und Wunder geschehen. Das in Palästina aufgeführte Gebäude ist über alle Erwartungen' gediehen, aber seine Grundlagen sind nvch immer.höchst labil und von mehr als einem Sturm umdroht. Auch die so nüchternen wie untrüglichen Wirtschaftsziffern und die Schlußfolgerungendie sich an sie knüpfen lassen, rufen uns zu. daß nur-solche Menschen in das jüdische Land gehen sollten, denen der Dienst am Ganzen höher steht als das eigene Glück. Wartezeit ergibt, ist die Britische Paßstelle Berlin in dringenden E i n z e l s ä l l e n bereit, die Erteilung der 'Eimvandernngserlaubnis in Er» - Wägung zu ziehen, auch wenn der-.'volle Betrag. des Bor,zei'gcgcldes noch nicht seitens dcr Neichsbank zur Verfügung steht. Voraussetzung hierfür ist, daß der Antrag des Betreffenden bei der Reichs- 7 bank unter einer Rümmer vorgemerkt ist, die wohl demnächst zur Zuteilung gelangen würde. Ferner -ist ein Nachweis erfordorlich, daß der "Antragsteller in Palästina unter keinen -Umständen der Oeifentlichkeit zur Last fallen wird, und seine Bereitschaft, die- Einwanderung bis" spätestens, zum 31. Januar.1-936 durchzuführeu. Beschleunigung für Kapitalisten- Einwanderer nach Palästina Das Berliner Palästina-Amt gibt bekannt: Mit Rücksicht auf die besonders schwierige Lage, die sich für die Einwanderer' nach Kategorie ÄI der palästinensischen Einwanderungsbestimmungen — Kapitalistenzertifikate — aus der langen Schalom Wurm: Das kulturelle Leben in Palästina;' . In der Bialrk-Lehrstätte behandeltpc Schalom Wurm (Bethalpha) im Rahmen einer Vorcragsreihe-lüber „das öffentliche Leben in Palästina". - das „Kulturelle. Leben". Erez Israel sei ein Gebäude, so führte er aus, dessen Ziegel noch feucht seien. Mit jeder neuen Alija ändere sich das kulturelle Gesicht des Landes. Wenn sich das Hebräische auch mehr und mehr durchsetze, so treten -doch die vielen Dialekte und sonstigen landsmannschaftlichen Eigenschaften der Einwanderergruppeu noch stark in Erscheinung. Bei früheren Alijot, die aus dem Osten kamen, sei die Einordnung der Menschen natürlich leichter gewesen, da. sie größten- , teils aus einem geschlossenen jüdischen Milieu stammten. Die verhältnismäßig' noch kleine jüdische Bevölkerung Erez Israels fei schon in jeder -Hinsicht stark disferen'iert. Am fo''al"v "nd wirtschaftlichen Leben ergeben sich bereits all die Auseinandersetzungen, die wir aus dem Leben der * anderen Völker und Staaten kennen. Wirksirme, Erziehung der Ntenschen in der Diaspora wird hier entgeqenwirken müssen.- Auch kulturell sei der Jischuw stark differenziertM So stark, daß man gar nicht erkennen könne w a s eigentlich das kulticrelle Leben bUde, denn die verschiedensten Kulturgüter werden importwrt und verbreitet, Hebräische . ilebersetzungen fremder Literaturwerke verstellen vorläufig. noch eine Erneuerung der hebräischen Literatur aus eigenen' Kräften. Die kulturelle Wertigkeit, die^ in Europa von der Stadt getragen werde, liege in Palästina auf dem Lande. Tel- Awiw sei geradezu nur eine Illusion, da es von der Tatsächlichkeit des, Lebens weit entfernt sei. Vielleicht lag es an den so gelagerten Verhältnissen selbst daß sich dem Besucher des Vortrages zwar ein Einblick in die Problemstellung öffnete, daß er aber von dem „Kulturellen Leben" des . heutigen Palästinas, wie das Thema es versprochen hatte, keine rechte Vorstellung gewann. Rechtsfragen der Auswanderung Im Verband Alter Herren des Akademisch- Jurlstischen Vereins sprach am 21. November im Berliner Logenhaus, Kleiststraße, Regierungsrat a. D. Tr. Kürt Ball über Rechtsfragen der Aus- Wanderung. Nach kurzen einleitenden Bemerkungen über das Recht zur Auswanderung gab der Redner eine allgemeine Uebersicht über die mit der Auswanderung zusammenhängenden devisenrechtlichen und steuerrechtlichen Fragen und erörterte aus seiner Praxis heraus eine Anzahl von Streitfällen dieser. Gebiete. Dr. Ball tvies. mit Riecht darauf hin. daß zur Beurteilung devisen- . rechtlicher Fragen die Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen nicht genüge, sondern, daß man auch mit den geschriebenen und ungeschriebenen Richtlinien und Verwaltüngsgrundsätzen vertraut sein« müsse. So wird zum Beispiel von der Devisenstelle angenommen, daß jemand, der länger als drei Monate von Deutschland abwesend rst, seinen Wohnsitz hier aufgegeben habe. Dies ist nicht gesetzlich niedergelegt; es besteht aber eine Anweisung an die Banken, daß Konten eines Kunden nach länger als dreimonatiger Abwesenheit von Teutschland als Sperrkonten zu führen sind, bis der Kontoinhaber der Devisenstelle nachweist, daß er trotz seines Aufenthaltes im Auslande devisenrechtlicher Inländer geblieben, ist. Besonders großen Raum im Vorträge nahm die Auswanderung nach Palästina ein. Der Redner sprach über die verschiedenen Arten des Transfers. Er wies darauf hin, daß unter Umständen der Auswanderer vor seiner Auswanderung sein Sperrmarkguthaben legal verkaufen könne, und daß inländische, und ausländische Banken sich speziell mit dieser Verwertung von Sperrmarkkonten befaßten. Schließlich erörterte Dr. Ball einige Fragen des Kapitalfluchtsteuergcsetzes. Der Vortrag wurde in der Aussprache von mehreren Anwälten durch Mitteilungen aus ihrer Steuerpraxis wertvoll ergänzt. Wir müssen dem Verbände Alter Herren des Akademisch-Jurlstischen Vereins für die'Veranstaltung solcher "Abende danken. Wünschenswert.wäre "vielleicht ncir eine größere Spezialisierung des Themas, die dann auch einer ergiebigeren Aussprache Raum ließe. .—er Zum Tode von Arthur Goldschmidt .' Der älteste Beamte des H i l f s v e r e i n s'der .luden in Deutschland, Arthur Goldschmidt, ist ' kurz vor seinem-69. Geburtstage gestorben.. In tlim verliert der Hilssverein' einen seiner Pflicht-' eifrigsten und treuesten Mitarbeiter, eineijt Mann •luit reichen Kenntnissen, der auch schwersten Anforderungen stets geivachsen war. Besonders muß seiner regen Teilnahme an der Organisation' des Lchulwerks des HB in Palästina und an den "A-orl>ereilu,!gsarbcrtcn für die Gründung des Technikums in Haifa gedacht werden. Als 1921 das Korrespondenzblatt über Auswanderuligs- und Siedlungsweseu erneut herausgegeben wurde, ioidnikte .sich Arthur Goldschmidt seiner Piibli- (atioiis die sich gerade jetzt als überaus wertvoll ' " " ' " ' hat. An . der Beisetzung naymen außer zahlreichen Riiiarbeitern und. Freunden des Verstorbenen ii a. das Mitglied des Vorstandes des Hilisocrciiis.' Tr. Siegmund W a s s e r m a 1111, Tr. si a r g e r , Mitglied des ZentralkOlnitces des HB.. E, E 0 b 11 > R e i s;. -eyem. Direktor des Hilfsvereins-LciinIioerkes in Palästina u. v. a. teil. Gcneralselretär Tr. Mark W: schnitz er hielt im Namen des Vorstandes und der Mitarbeiter des Hilssvereins einen warm empfundenen Nachruf auf den Verstorbenen. Zum 50. Todestage von Dr. Wolf gang Strassmann Am 6. Dezember fährt sich zürn fünfzigsten Male der Todestag des weiland Berliner Stadtverordnetenvorstehers Dr. med. Wolfgang Straßmann. Er wurde am 8. Oktober 1821 als Sohn armer jüdischer Eltern inMawitsch (Provinz Posen) geboren. Im Kampfe der Schleswig-Holsteiner gegen Dänemark hat er sich -als. Arzt der schleswig-holstelnschen Armee bewährt und als Offizier bei Jdstedt ausgezeichnet. Erst 1854 konnte er sich in Berlin niederlassen.. 'Neben seiner ärztlichen Tätigkeit widmete er sich hier von Anfang an gemeinnützigen Bestrebungen und Einrichtungen. Die Arbeitervorträge von Schulze-Delitzsch' veranlaßteu, ihn 1862, in dem armen Weberviertel des Ostens, wo er bis zu -seinem Tode wohnte, eine Volksbank zu errichten, deren Vorsitzender er auch blieb, als sie einen bedeutenden Umfang erlangt hatte. 1863 wurde er Stadtverordneter, 1875 Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung, und elsmal haben ihn die Vertreter der Bürgerschaften diesem Amte bestätigt. Er stand also mährend, eines Jahrzehnts an der Spitze der Berliner Gemeindevertretung, in dem die Hauptstadt des neuen Reiches einen gewaltigen Aufschwung nahm. Von 1876 bis zu seinem Tode war Straßmann auch Mitglied des Abgeordnetenhauses. Seine Hauptarbeit galt der Armenpflege. 1869 schuf er den Berliner Verein gegen Verarmung als Hilssinstitut für die Armenverwaltung. 1880 trat er an die Spitze des Deutschen Vereins zur Armenpflege und Wohltätigkeit. Heftige Angriffe politischer Gegner sind dem schlichten und selbstlosen Manne in den letzten Lebensjahren nicht erspart geblieben. "Nach dem Zeugnis, das Oberbürgermeister v. Forckenbeck an Straßmanns Bahre ablegte, haben sie ihn aber bei seinen festen Grundsätzen und seinem ruhigen Gewissen kaum berührt. Weit über die Grenzen seiner Glaubensgenossen und seiner Anhänger hinaus ist Straßmanns Ableben vor fünfzig Jahren betrauert worden, und an seinem Sarge, bei dem auch der Kranz Kaiser Wilhelms I. nicht fehlte, hat selbst der Teil der Presse, der den Lebenden scharf bekämpft hatte. Hie hohen Perdienste des Aerstorbenen anerkannt. Dr. G. L. Jüdische Wohlfahrtsempfänger als Pflichtarbeiter Der „A n g r i f f" befaßt sich in einem längeren Aufsatz mitder Tätsack)e, daß jüdisckze Wohlsahrtsrmpfänger als Pflichtarbeiter -in Berlin beschäftigt lverden. Unter den zurzeit beschäftigten 420 Arbeitern, so schreibt das Blatt, befinden sich auch 280 jüdische Pflichtarbeiter aus. fast allen Berliner Bezirken. Genau wie die arischen Wohlfahrtsunterstützten werden sie zur Hilfeleistung beiwichtigen Arbeiten yerangezogen und erhalten daiür einen Ernährungszuschläg und das benötigte Fahrgeld. „Eine reine Freude", schreibt der „Angriff"''. „herrscht bei ihnen nicht gerade. Aber die ,4anihis.M'-^'"7t<'i-stüßuna loisien sie^doch zu wurdigen, sie ist ihnen dreimal Woche wert" Nach einer Nleldung des „Schwarzen Korps" sind die Bc-sitzveryältnisie bei der "Wcrlyenn.A.-G. von der zuständigen TieustüeUc der NSDAP geprüft worden. Tie Firma sei demnach als rein . jüdisch anzusehen.

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