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Central-Verein-Zeitung · 1935-11-28 · 48 (28.11.1935) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
48 (28.11.1935)
Date
1935-11-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ijrtb ifirf1?f6fniunq biirdi eine autoritäre Staat?, form* vorausgesehen und vorausgesagt Ijni. Sah Burdhardt die neue Welt m,feigen, ohne sie aber zu betreten oder auch nur betreten zu wollen, so unternahm 'Nietzsche als Erster den ' Versuch, iii diei'e »ene Welt 'einzudringcn. Im Anschluß an -Harald Lan-drh und in manchem über ihn hinausgehend zeigt Schveps. daß dieser Versuch inißlingen mußte, iveil Nietzsche, zwar den Hauptfehler seiner Zeit. an der Wirklichkeit Vvrbeizuleben. völlig zutreffend erkannteaber nicht --. imstande war. .sich aus den fesseln der Zeit wenigstens für 'seine' eigene Person zu befreien. Taher verlor nicht nur. 'Nietzsches Leben die Be- -/ Ziehungen zur Realität' mehr 'und mehr und stand zu seinen Dlieorieii und. Zielsetzungen in einem krassen Gegensatz. sondern deshalb haftete auch!, seinen Pistlulaten-der Gharakter des Ueberscharsen. an: so lonnle er etiva »ilr zn einem so fanatischen. Gegner des Ehplstentums werden, iveil er selbiPdein Ehristentuinnoch negativ-verhaftet war. ' Nlit Bkrslandiiis uiid Geschick zeigt Schoep» wie Burckhardt und Nietzsche trotz der weitgehenden Parallelität ihrer Gcschichtsschän doch in entscheidenden Punkteii voneinander abweichen- „Burckhardt setzte seine Kraft darein, ein Mari- . miim der alten Güter in die neue Zeit hinüberzuretten, während Nietzsche nach -vorn gewendet die große Ausgabe sah. die morsch gewordenen alten Werte und Objekte radikal zu zerschlagen.' Ebenso entgegengesetzt ist die Haltung beider Denker gegenüber dein Religiösen: Burckhardt erkannte, daß zwar da» Christentum eine.-'absteigende Magst sei. aber er sah i,n Christentum nur eine von vielen möglichen formen der Religion und erwartete das Heil gerade von einer Neubelebung de» religiösen Gefühls — Nietzsche unternahm es. 'mit den, Christentum auch Gott selbst sur tot zn erkläre». Von Burckhardt und 3,'ielrsckie zu Kafka ist ein irteiter Weg. und. er ist nicht eben leicht z» gehen. Schoehs scheint diese Schwierigkeit auch selbst gesüh'll zu haben. denn er hat dem '17 Seiten lau gen Kapitel über Kaika eine Üwrrede von nicht ioeniger als sechs weiten vorangestellt — ohne daß dadurch etwas gewonnen wäre. Das -Phänomen Kgfta tfl und) lange nidst eindeutig geklärt, und die Diskii'noii inn Kafka ist seit dem vorigen Zähre, seit seineni zelinten Todestage, lebhafter denn je. (*» tfl daher gewiß verdienstl ich. wenn Schocps, der rJi ja seit langer Ze.it intensiv mit Kafka belaßt, aüchseinerseits einen Beitrag zur Durchdringung der Kafkasche» Gedankenwelt leisten mochte.' . ' Aber ineUndd!ia> - eigerade durdi diese ein gellende Beschäftigung mit Kafka etwa» von der eriorderlichev Obiekiivitä! verloren. Es ergibt steh —jede n talls-d i e-m erl>viirdige Tatsache,' daß da.» Ka > pitel nbcr Kaika. das kürzeste der drei Kapitel de» Buches, ..inhaltlich das am welligsten geschlossene ist. daß eine Menge von Einzelheilen völlig richtig erfaßt sind, ober gerade die zusammentassenden Einordnungen etwa» Gewaltsames und Gezwungene» haben, Kafka neben Männer von so ausgeprägtem Geichichtsbewußtsein wie Burckhardt und Nietzsche stellen, heißt seiner eigentlichen Bedeutung nicht gerecht werden. Will mast aber den Weg gehen. den Schveps -hier beschreitet. und vom Religiösen her eine gemeinsame Dergleichsgrnndlage suchen. dann muß Kafka nicht hinter, iondern vor Nietzsche-und neben Bnrckhardt gestellt werdend Denn entwicklimgsgeschiehtlich stehen Burckhardt und Kafka liebeneinander. Mit beiden ist eine Welt zu Ende. Bei Burckhardt. bleibt der Mensch leben und die herrschende Gott< heit stirbt — weil sie den metaphysischen Aneksiruks-8er?Ämsenfü»'In-».llurrsnü Camajo - Kafffee - Grossrösterei .sprächen des Menschen nicht mehr zu genügest vermag. Bei Kaika.bleibt die iinbekannte Gottheit leben und. der Mensch stirbt — weil er die Ansprüche Gottes nicht erfüllt, ja überhaupt-.uichc. einmal, inehr . etiva» von ihnen weiß und letzten Endes sogar die Eristen; der Gottheit selbst vergessen hat. Gerade dieser Zug in -tlaftas Werk., das Vergessen, das Entgleitenins Dämmerhäfte und Traumhafte und Unbestimmte, ist -von Schveps ansgezeichnet dargestellt worden. Aber, welche ' Folgerungen zieht er. darausk Schoep» hat.dem Kapitel über Kakka den Untertitel „Te.r Glaube in der tragischen Position' gegeben — ist er wirklich der Ansicht, daß diesem -Vergessen mit den richtig 'erfaßten Folgen .der Unsicherheit. Aengstlichkeit. Bedrücktheit, der Charakter echter Tragik innewohnt? Wohl kaum, schreibt er doch selbst aus der vorletzten Seite: ...Gewiß bleibt, bestehen, daß in dieser heillosen Situation zu 'leben bare Verzweiflung'ist', was abermals völlig zutreffend ist—- nur daß eben eine Situation ohne Heil durchaus nicht ohne weiteres als eine tragische bezeichnet werden kann. Aber alle diese Bedenken sollen nicht hindern, festzustellen, daß diese kleine Schrift die vielleicht interessanteste Neuerscheinung der letzten Zeit ist'. Sie - gibt Veranlassung, dringende und auch weniger dringende Probleme neu zu überprüfen -- mehr , kann man von einem Buche nicht verlangen!' - - Günther Looser. Bücher über Kunst Meisterwerke europäischer Malerei in Amerika. Herausgegeben von Hans Tietie. Phaidon-Verlag Dr. Horovitz, Wien. Prei? 4,80 RM. Ter Phaidon-Berlag Dr. Horovitz in Wien, der sich' mit reich und gut illustrierten Nenaiiflageii tunst- und kulturgeschichtlicher Werke von Grimm. Jnsti. Vurcthardt. '- Thvde. Mominscn, Ranke ». a. in Volksausgaben vorteilhaft .eingcsilhrt hat. stellt dieser ltzeihe setzt Werke gleichen Inhalt» von .zeitgenössischen Verfassern an die Seite. Soeben ist ein Baud ..Meisterwerke europäischer Malerei in Amerika" erschienen, ei» Bilderbinid mit 304 von Giotto zn Echzanue suhreiioen Tafeln: Han« Tietze. der die lesenswerte Geschichte der Juden Wien» geschrielwn hat. ist Hw Herausgeber. Es-gibt' ähnlich angelegte Vervsseiitlichilngen, wie Znsammenstellimgeii der Bildwerke einzelner europäischer Musc-en oder Ansmahlvände mit Wiedergaven toertvoller, nach Zeiten oder Völkern geordneter .Kunstwerke. Das. oorliegende .Werk jidodi betritt in inniichcrlei Hinsicht Neuland. Zinn - einemwird uns eine Weit von Gemälden erschlossen, hcreif Originale Kunstliebhaber im all gemeinen gar nichl, deren Wiedergaben aber auch Kinistbeilisseiie. nur zuin geringeren-Teile lenuen. Zum aiidern vermittelt diese Zusammenschau eine Vorstellung der kulturbildendeii Mächte der Neuen Welt, bei der freilich 'nur die Bereinigten Staaten von Nordamerika berücksichtigt werden konnten, lind endlidi ist das knappe, wefentlidie Vorwort mehr als da» übliche, beschreibende Beiwerk: ans. M Seiten gibt Tietze einen Beitrag zur Geschichre de» Kimstsammeln» in -USA., .eine vorbereitende Monographie über die wirtschastlidzen und geistigen Strömungen eines anderthalb Zahrhunderte ölten ' Staatswesens, dest'en eigenes kiilturelles Veben zriin enropäischev im Enkelverhältni» steht. Da» drückt sich auch in der Ansnahnrc von Kunftschöpsungen aus Europa ans. Tietzes Vorwort handelt darum' von dem wirtschaftlich zunächst wenig ertchloffenen Kvlonialgebiet und der eine . innigere Hingabe an die Kunst hemmenden puritanischen ' tzmstellung seiner Beivohner. Wenn Emerson leyrt: „Wo Schönheit nicht im Sinn dc-r Religion und der Liebe, sondern des Vergnügens gesucht wird,-erniedrigt sie den Suä)er'..so äußert , sich solche Aussassnng auch'-in der Wahl der gesammelten Bilder. i£ie ethische Färbung von Nuskin» Kuiiftlehren tragen zum Durchbruch de? Lammelbetriebes bei. Erst spät, werden rein , künstlerische Maßstäbe entscheidend, noch später Errungen schaitcii europäischer Kunstwissenschaft der Lamme-ltäugkeit nutzbar gemacht. - - Für die deutsche Malerei de» Mittelalters und der Renaissance, für die niederländische von der Gotik bis zum Barock, für die italienische der- Hochrenaistance gilt .zunächst, daß die Welt wcgqegcbeu ist. Die Verarmung Spaniens in der zweiten Hälfte des vorigen Zahrhunderts verursacht ein Abfließen bi» dahin sorgfältig gehüteter Schätze nach Amerika, und nach dem Kriege kommt es durch die Macht, des Dollars zu einer Knnstwanderüng. die in ihren Ausmaßen nur mit der römischen Ausplünderung Griechenlands und Napoleons Verschleppung von Kunstschätzen nach Paris verglichen wird. Aber die wirtschaftliche Initiative der Sammler, unter denen die- Erscheinung des Protzentums gewiß nicht sehlt. ist auch zu einer Zeit unternehmend, als die Engländer noch ' keinen Blake, keine cnropäischeu Sammler Csizanne entdeckt haben: auch der reiche Schatz an Grecos. Vermeers und Rembrändts erklärt sich nicht allein ans dem Vermögen der Käiiser. das die europäische Konkurrenz aus dcm Feld schlägt. Dw Gründung des. Metropolitan- Mnsenms in. New-Pork belebt zugleich die ihr vorangehende private Sammlertätigkeit neu. Vorbildlich ist in den Vereinigten Staaten die Wechselbeziebnng zivisckieii Privaten. Sammlern und den vsteiitlicheii Sammlungen. Gehl rnan die Namensliste der Sammler durch, so ist der Anteil des Judentums an der anwrikanischen Kunstpslege ebensowenig zu übersehen wie die Forsclzerarbeit Max I. F r i e d l ä n d e r tz und Angnst L. Mähers, ans die Hans Tietze im Anhang der Anmerkungen zu den „Meisterwerken europäischer Malerei in Amerika" oft verweist. Beim Durchblättern stoßen wir ans die Darstellnnq' einer italieniscizen Synagoge von dem Genuesen Alessandro Magnaseo aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, eine - spätbarocke Griippeii-' und Lichtkomposition und ein Motiv, das der Meister nicht weniger als dreimal gestaltet hat. Von vivlischen Themen, ist ein junger David von Costogiw vorhanden, den man früher dem Pollajüln zugewiesen batte: aber er . steht wie dessen Kondottiere Pippo Späno da und nicht so . gleichgewichtslos im Raum die Pollaiulos Berliner Darstellung dieses Themas. Die '„Judith' Blantegnas hat vornehme Besitzer wie Lorenzo di Medici und Karl I. von England gehabt. Piazetta malt.- wie Joseph von seinen Brüdern verkauft wird, wobei Joseph den himmelnden Blick vieler Barockheiliger hat;" der Blick verbindet die rechte Bildhalfts mit . der linken, auf der als Genreszene ausgeführt ist, wie. die Brüder das Geld in Empfang nehmen. Rubens istmit einem „Simson" vertreten, eine Skizze, die das Srinson- und Dalila-Brld in MünckMi weiterführt.' Don Rembrandt ist kein alttestametarisches Gemälde abgebildet, nur eine „Magdalena van Loo', die Gattin seines Sohnes Titus (aus der Sammlung des Fürsten Jussupoff): er hat sie einmal mit seinem Sohne' als ..Judenbraut' gemalt — die schönste Deutung des bekannten Doppclbildnisses ist wohl „Boas und Ruth'. Jan Steen gestaltet das ..Wcrsserwunder des Moses' wie die Belustigung einer vlämischcn Kirchweih. .Wir' sind ans Freude am Stoff etwas ins Stoffliche-abgeirrt —- wie die Amerikaner, als sie zn sammeln anfingen ... Dr. Luti Weltmann. Helen Rosenau: „Design and Medie* val Architecture.“ B. T. Batsford Ltd., London. Helen Rosenau hat mit Hilfe der britwtz .. Federation of Universitv Women eine Arbeit über mittelalterliche Architektur veröffentlicht. Tos Buch ist ein Teil einer größeren Arbeit über das gleiche Thema/die 1982 mit Hilfe der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft ersck,jenen ist. Es enthält Abschnitte, die nicht Beschreibung und -kunstgcschichtliche Einordnungmittelalterlicher Bauwerke geben, sondern mehr allgemeine Probleme, wie die Orientierung gvtiidier Kirchen, der mittclalterlidien /Ardntettiirzeichnung. .und der .sozialen Stellung des- Architekten im Mittelaller' behandeln. Ein. sehr nützliches Buch, um es neben . den allgemeinen 'Architektnrgelchichtcn - zn - leien. Reiches Material über .mittelalterliche Bauzeidi-. ' nungeu. müttelalkerlickie Baumeister, -und ihre Arbeitsweise ist liebevoll, zusammengestellt -loorden. gruchtbar hat' sich der Abschnitt über die rientierung der mittelalterlichen Kirche erwiesen. Der Hauptaltar liegt im Osten, und die Ostachse wird, zum Teil noch in England durch die sich au- . schließende Lady Chapel betont. Tie Verfasserin führt sehr äufschlützreiche Belege aus der mittelalterlichen' scholastischen Literatiir au. in denen betont wird, daß der Geistliche sich beim Gebet nach Osten wenden soll. Schon in dieser Arbeit ..finden wir Andeutungen eine» sehr srnchtbiirei, Gedankenganges, den Helen Rosenau anssührlicher im ..Morgen' behandelte, den Einsluß des frühjüdischen Syuagogenbaues aus di,e christiidie . Architektur. Die Synagoge vereint erstmalig die Gemeinde in einem gemeinscimen Ramn zum. Gebet, und bedeirtsäm ist es. daß schon die Apiiden. späthellenistischer Synagogen nach Osten weiali. __ Dr. (/ Sch. Ein neues Kinderbuch Joachim Prinz: Die Reiche Isveel und Juda. Verla'g Erich Rexss, Berlin. tziachdem vor Jahresfrist der Verlag Erich Reiß „Die Geschichten der Bibel" heransgegeben 'hat, die I. Prinz neu für die Jugend erzählt hat. ist setzt als Fortsetzung ein .zweiter Band erschienen, der die' biblischen Berichte über „Die Reiche Israel und Juda" enthält. ‘ ' Die Bibel der Jugend zn erzählen, ist keine leichte Aufgabe. Es muß die rechte Grenze gesunden werden..die zwischen einem kindischen und einem kindtichen Stitc liegt, es muß bei allem Willen zur Dertebendigung über dem Ganzen ein -Hauch des tNuminosen liegen, der nun einmal dem. hebräischen Original und dem biblischen rStoss eignet. Prinz weiß den rechten Ton zu finden, um dem Kinde wie dem Jugendlichen diele eigentümliche Welt der jüdischen Könige zu erschließen, ans der heraus auch die Propheten des Judentums wuchsen. Obwohl iin Untertitel nur Geschichten der Bibel a'ngekündigt sind, wird auch die Gestatt des Herodes in die Darstellung einbezogen. Auch im zweiten Teil' werden „Helden' der nachbiblischen Zeit wie die Makkabäer und Bar Kochba behandelt. Im dritten Teil werden „Frauen.'« neben Rüt und Ester axxch Judit, gezeichnet. Für-die Zeit der Könige und der Propheten ist eine Karte beigegeben, die die geschichtlichen Zusammenhänge zwischen den Reichen Israel und . Juda ausgezeichnet veranschaulicht. Heinz W a l. lenberg hat auch diesen Band überaus ansprechend illustriert. Kinder wird die Lektüre dieses Buckes bestimmt mehr fesseln als manche der üblichen, oft ein wenig veralteten und langweiligen Darstellungen des biblischen Stoffes. . Dr. Manfred Swarsen*ky. Ein neuer Anfang Tie Abkehr vom jutn'riien Wißen, die bei 'uns swon vor mehr als hundert Jahren begann und von der sich iinmcr gelehrter spezialisierenden. Wi'stcn'ctiaft des Judcntmii» die nur ivenigen vorl'etialke.n blieb — eher bestaligt als göhemmt wurde. HM im Osten und m Amerika mit aller. Macht einer bergab stnr'-.endeii Strömung erst in dießun Jahrhundert' - einge'etzl. Die Reinigung. Rationalisierung nnds VerinissenidtasNichniig der iradit-ionellen Geistesbestände durch die Ansklärnng war der Aniang. man deftitzierte zunächst die all -- gemein mcn'dillcheii Gelialle heran» und ver> - zicktete tchließlidi an' die siidiiche. Akzentniernng nberhanpt. je starker das -ökonomisch, soziologisch und nalurwißen'chiiftlich ve'tiwmke ive'llidie Den ken sich geltend machte, 'statürlidi fraß die neue, beauemcre. Europa, -der. Moderne. der Arbeiterldeolvgie gereäitere Anschanungs-- und Lehrweile incht gleich -ivie ein Hen'chreden'chwarnr die ganze Geistesland'JMi'l des' jüdischen Ostens kaai.rnnd noch beule find die Inseln der rellgiö'en Traditionalirät und ibrer ins.Nationaleimtgestalteten Anslauier nicht zu verachten:'noch wird in Jeichiwot gelernt, und aller Not -zum Trotz hält sich eine mit breit cm Hori zont und auf beachtlichem Niveau aufstrebende südlich betonte Kunst und Literatur .nrbeiriam ani Leben. Gl'eickypohl ist der Zustand besturzend mangelbait und kmnvti'ziert. Eine ants. Jivi.v JttdenNiw. ausgehendencncrlime Strömung ivird 'gleich im Ait'ang aw'geballen und muß ver-- sieg'en. da neu 'oeransstellt. daß ibr .die nötigsten Anlau'traftc foblen. Es ist le-.cruer. sich in jiddiid-er Sprache über Haeckel. Berg'oii oder Julc» .Berne zn unterrichten als über ivtchligste lüdiiche Gebiete. Da man vom südisthen Leier bis vor kurzem, bis zu den leisten berden Generationen etwa, annebmen dur'te. daß er alles religiös 'Wichtige im Iiebräi'chen Origtnal zu erlaßen imstande wäre, mußte es nbcr'lu'stg eriaterucn. etwa den Talmud iUS Jtddi'che zu uberstu.'.ci'.. Wenn inan jetzt, gleichiu-'lob ans reitgrö'en oder nationalen Motiven. "--der zu dei; Ouellc'.'. Vordringen und führen will. .'.-lül das ein'achste Viaterial. Auf altere Schriften zurückzugreiien. ist schwer möglich: da» Vorhandene ist spärlidi. wegen seine» moralisierenden und alt väterlid) biederen Tone» andi meist nicht geeignet, widerstrebende Gemüter zu sessel». Die Jüdischkeit hat in ibrer Tbeoric auch mit den. klassisch grandiosesten Dokumenten einen noch fast"schwicrigercii Stand gegenüber der -Schlagworte. moderne als in ibrer Praris. Jedes mehr oder "weniger'aktuelle politiselze Niamfest seheint jugendlich forsche Wahrheitssucher leichter gewinnen zu köniten als die Jahrtausendschwere. Breite und Ticie unserer traditionellen Gestalttingen. deren selten so', beredte und skrupellose Agitatoren die Bahn .bereiten können wie der kleinsten und ideen ärmsten, mebr oder weniger linken Splitterpartei. Dies, all cs muß man bedenkeit, wenn man einen stillen, ichlichieit nnd weitblickenden Mann wie Dr. Gersbom Bacher An die jiddische. Arena treten ßebl. zwei dicke, schwere Bände über Talmiidi'ches unterm Arm. Don Onicliote, möchte man ibm ztinächst zürnten. Ztirück. edler Ritter. Ihr seid verloren! Und dann guckt man sich den Mann genauer an. die Bücher -genatler an. t>ie- /•Irena — und plötzlich kommt einem der seltsame Einfall, eine Wette zn wagen und aus den Mann ii,id seine B.i'icherzn setzen, was rnan noch zu ver-. setzen hat. Zwar heißt der Titel des Werkc-5ssiddilchs ..llnsere-geistigen Riesen", aber das ist beileibe nicht weniger ernst zu rrehmen als die ähnlichen Titel - diäiieri'cher Schiller- Und Goethe- Biographien. e» handelt sieh sä wirklich um tin'ere Titanen. Von ihiteit geht Bader ans. und das ist das Nene, das Zeitgemäßes das unbedingt Gewinnende. Bisher wurde wohl bei jeder Behandlnng ralmnd.ischcr Gebiete mit der Sache begonnen uiid die'Problemlage dargeslellt. allen-, still» e'.umal der oder scn.er Rabbi charakterisiert. Gershom Bader bringt - eine große Galerie von W^öp'en". geht vok 'öen Menschen aus und zeigt ihre Gesichter. Dem Laien und selbst den meisten Talmudkennernerstdicint die'e Welt als eine vielbändige Disknfiion. ans der es schonnicht leicht 'ist.' die ver'sichiedeiien Au'sassungen einzeln herausznstiiäle'n und zu systematisieren, aus deren Jneinaiidcr-'chiditnng von Frage.- Gesetz. Argument. Bericht. Beispiel- und Gebethaftigkeit aber vollends die disputierenden nnd im geistigen Sinne handelnden -Personen ' nur selten plastisch in "Ericheinnng treten, am deutlichsten allenfalls Rabbi Akiba und Rabbi Jehnda Hanassi,- Hillel ' imd Schammai. Jochanan ben Sakkai und Resch, 'Lakisch. die gelegentlich, manchmal recht freizügig, mit wenigen Strichen porträtiert werden. Gersbom Bader bringt sie gewissermaßen Jn . voller Lebensgröße, sie und alle unsere „geistigen -Ricien" ibrer Epochen. Er tut damit das gleiche, was die beliebten Monögraphisten unserer Zeit von Lytton Strachey bis Andre Manrois bei Fürsten und Generalen. Dichtern und allerlei Damen von Format oder- Erfolg getan haben, .und bringt das Kunststück fertig, es ebensowenig langweilig zn machen wie sie. ohne jedoch auch nur im Geringsten hinzuzndichten. klitternd weg- . zulasten oder sonst zu romantisieren. Er-schreibt populär, schlicht, bieder. ..prost', geradeheraus, ohne gelehrtes Gehabe, aber er vergißt doch nie. die Ouelle seiner Angabe zu bezeichnen: Der volle Titel mit allen Unterzeichnungen: ,.1I nsere geistige n Ri es e n. D a s Le ben n itb bi e Lehre n u n s e r e r T an n a i m u n b Amor ä e r v.o n der Zeit de.p M an n er der G r o ß e n S y n o d e b i s z u m'-letzt e n - Abschluß des Talmud. Sieben I a h r - h n n-b e r t e jüdischer Geschichte. Von G e r s h o m B a d e r. N e w P o r k..1934/35 b e i M o i n p s t e r P u b 1 i s h i n " Co.': dieser Titel ist wortreich, doch wird jedes Wort gehalten. Der erste Band schildert die Schöpfer der Mischna. beginnt mit einem knappen historischen Ueherblick über die Verhältnisse vor der Mischna. und die Bedeutung der Pharisäer, Sadduzäer und Estäer, - dann folgen die ..Porträts' von Simon dein Ge- ' rechten. Antigomrs ans Socho, Joße bei Eliescr. Jöße bei Jochanan. dem Hohepriester Jothänan. Jeboichua den Verackia. Sckemaja unh Abtäljon, Hillel, Schammai, Akiba. EarMrel. Ehanina. Jochanan ben Sakkai. Onkelos. Tarphon. Elischa den Abuja, Rabbi Melr und vielen anderen bi» Rabbi Jehnda Hanaßi. . Der zweite Band ..Tie Ainora'un von Palästina und der jeru'alemitische Talmud' beginnt ebeniaU» mit einem bistorischen Sitnationsbericht. dann kommt ein großes und ungemein klare» Bild de» Leben» in Palästina zur Zeit des Jerusalemer'Talmud, dessen Schöpfer im Hanpteil des Bandes erscheinen, die Rabbanan d/Agitatha. Rabbi Jodianan. Schimeon bei. Lakisch. nsw. Ihre Lebensgeschichten mit. allem anetdotischen und legendären Trum und Dran, das mit gehöriger Perspektive gesehen ist. umrahmen den Kern nnd Sinn ihres Schaffens und 'Meinen», das kurz, scharf und nicht komplizierend vorgetragen wird. In seiner Art und für seinen Zweck ist die» Werk musterhaft-: es fragt sich, ob nicht auch hierzulande noch davon zn lernen wäre. _1>. H. Aus alten Berliner Zeitungen Ain 6. Dezember meldet die '..Haudc und Zpenerschr- Zeitung": .sDer bekannte philosoplstsdie Schriftsteller, jüdilcher Nazion. Salomon Maim o n. ist in Schlesien aus den grä'l. Ka lckreutbi - schen Gütern gestorben." . Vor 130 Jahren, am 5. Dezember .18".-,, steht in dev „Volnschen Zeitung" eine Notiz: Au» Doktor Herz' Biographie: ..Nach der preußischen Besitznahme von Südvreußen wurde den Barlu-eren> die bis dahin die-allgemeinen Aerzre in den kleinen Städten gewesen waren, von der Regierung das Handwerk gelegt. Zu dem- Ende wurde verordnet, daß. wer ferner praktizieren wollte, sich zuvor m Berlin eraminieren lasten müßte. Dies- Schicksal traf auch einen jüdischen Barbier, der fein Unglück dem Prorestor Herz klagte. ..Daß ich mich soll prüfen lassen, ,'agle der. Mann.- geichieht bloß ans Betrieb nnd Verlenindung d.'»' christlichen Doktor» (der übrigens, drollig genug! auch nur ein Barbier war>; bieder 'Mann verfolgt mich, weil ich so viel Zutrauen und Glück habe. Denn es ist wahr, ich heile Alles. Alles. Schwindsucht. Epilepsie,. Lungensnd)t. Waneriucht. mit einem Wort. Alles. Lieber -virrr jirnfeiipr. kann ich dafür?" — „Ja. lieber Gott", setzte dann Herz lächelnd hinzu, wenn er diele Anekdote erz-'llllre. „wenn ein Genesener mir mit den ivärmsten Bezeugungen der Dankbarkeit die Hand drückt, weil er mir seine Gesundheit schuldig zu i'eyn glaubt, invchl' .ich ihm oft antivorten: Lieber Freund, k a n n i ch d a f ür?'

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