Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 46 (14.11.1935)
- Date
- 1935-11-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Physiologie von Professor Hermann Grapow ist streng philologisch auf den Hieroglyphen-Texten - äufgebaut. Die anatomischen Kenntnisse der altägyptisclien Aerzte um 1600-vor Chr. sind ein merkwürdiges Gemisch einer ziemlich schwachen, wenig ausgebildeten Theorie und einer großen instinktischeren Erfahrung. Tie für jede Anatomie grundlegende Unterscheidung der Körperteile mit besonderen Namen ist in Aegypten uralten religiösen Ursprungs. Neben unklaren Vorstellungen über Lqge.. und Funktionen der inneren Organe stehen scharfe Beobachtungen und genaue Beschreibungen etwa der Gelenkverbindung des Unterkiefers oder einer klaffenden Schädelwunde. Im ganzen ist die Praxis weiter gewesen als die Erklärung; die halb gefühlsmäßige' richtige Behandlung war offenbar die stärkere Seite der altägyptischen Aerzte als die primitiven anatomischen Theorien. v F. Bekenntnis-Bücher Maurice Maeterlinck: „Vor dem : grossen Schweigen“ (S. Fischer Verlag, Berlin.) Der zweiundsiebzigjährige Maeterlinck sieht seinen wie ,edes Anderen Ldoenslveg zum Tal des großen Sch>ve,gens führen. Noch ist der Körper ' rüstig, der Geist ungebrochen, und er erfüllt das Zbsen-Wort: - ..Leben ist dunkler Gewalten Spuk bekämpfen in sich." Er kämpft um die letzten Erkenntnisse, um die tiefsten Geheimnisse. Ein resignierender Rebell lveiß er zwar, wo die Grenzen des unbetretbaren Gebietes gezogen sind, aber mit allen Waffen, die Philosophie und Naturwissenschaften in Jahrtausenden geschaffen haben, versucht er. den Frieden zu erzwingen mit dem unabwendbaren menschlicijen Geschick. in dem er. den höchsten Frieden sucht, den eigenen Seelenfrieden. Zu Aufzeichnungen. die bald Aphorismen, bald kurzen Essais gleick>en. trägt er zusammen, was aus den . Werken großer Geister der Vergangenheit und Gegenwart seinem Ziele fördernd ersck)eint. und der Dichter, der Künstler in ihm formt es nach seinem Temperament und seinem eigenen Geiste. Cs ist keilt leichterKampf.dessenZeugnisse dasBuch umschließt. Den alten Menschheitszwiespalt zwischen Materialismus, moderner: Dynamismus. Determinismus und dem Gefühl, fast dem Wissen darum, daß alles Eigentliche, vielleicht das einzig „Wirkliciie" erst jenseits aller Ismen und ihren Definitionen liegt, trägt auch Maeterlinck in seiner Brust. . Es ist das Ringen darum, daß „des Todes rührendes Bild steht nicht als Schrecken dem Weisen und nicht als Ende dem Frommen" — und noch positiver bei Schnitzler: „welckstr Mensch denkt nicht in seinen besten Augenblicken an den Tod?" Za. Maeterlinck findet-eS ..merkwürdig, festzustellen, daß im Pharaonenland wie in China, das heißt überall. wo der Gedanke an den Tod die Vorherr selbst, hat. das Leben reicher erblüht, sich stärker entwickelt und vermehrt als anderswo." Uni, fix das Judentum findet er das Wort vom „unzerstörbaren jüdisckien Messianismus".. bei dessen nachträglichen Umdeutungsversuchen „die geschichtliche Unsicherheit der theologischen Unmöglichkeit gleichkommt". Die kaum 170 Seiten stellen ein tapferes Bekenntnisbuch. in. manckier Hinsicht auch ein wertvolles Oucllenwcrk dar und bieten jedem viel, der über den Existenzkampf, über die Tageskämpfe hinaus auch den großen Seelenkampf noch bestehen will. «. I. Ricarda Huch: „Quellen des 1 Lebens.“ (Insel-Verlag, Leipzig.), Ricarda Huchs vorliegende „Umrisse einer Weltanschauung", ans ihren drei zwisck)en 1916 und 1921 erschienenen religiösen Bück>ern zusammcngeftellt. zeigen sie als einen Menschen von durchaus protestantischer, ja lutherisck)er. aber, wie bei solcher starken Persönlichkeit natürlich, dogmenfernen Einstellung. Ihr Christentum bejaht durchaus den Kampf. denn „jeder Gottmensch hat.ein, Toppelantlitz: zerstörend und neubilderid". Dieser Satz, und manche feiner Varianten rücken sie im Grundsätzlichen in die Nähe' Freuds, der ja auch gegenüber der Gewalt des Fortpflanzungstriebes die des Destruktionstriebes'kennt. Ricarda. -Huchs „Neubilden" hat freilich, ausschließlich aufsteigende Tendenz und besonders' in diesem Sinne bekennt sie sich durchaus zu Nietzsches Uebermenschen. Den Spruch das Mattheus „Alle Pflan- ' zen. die mein himmliscl)er Vater nicht gepflanzt hat, - werden ansgereutet" übersetzt sie: „Nicht das Machwerk, sondern das Kunstwerk, das Gewordene, Gewachsene, nicht die mvralische Handlung, sondexn die Tat aus dem Herzen lebt und zeugt Leben." Das ist sicherlich einer der Kernsätze ihrer ganzen Weltansck)auung. und er gibt den Maßstab. den sie an die gesamte Welt der Erscheinungen in Zivilisation (die sie. dem Begriff „Kultur" gleichsetzt). Politik, Wirtschaft anlegt. Im vorletzten Abschnitt, der „von Selbsthingabe und Unsterblichkeit" handelt, schöpft sie mit erstaunlicher Formulierung ihren Begriff vom Dichter aus dem Alten Testament: „Hiob ist der Sterbende, der Dichter im weitesten Sinne. Es ist eine aufs höchste gesteigerte Individualität in ihm. die aus der Grenze steht, jenseits der die Hölle-ist; ein Schritt weiter, und er - wäre Luzifer und stürzte in den Abgrund. Er tut diesen Schritt nicht, weil ein Kinderherz voll Glauben und Liebe in ihm verborgen ist: darum zaudert und kämpft er. wie er sich Gottes Willen hingeben und doch er selbst bleiben kann." Es wäre banal, es wäre gegen, diese vielseitige und selbständige Denkerin auch ungerecht, zu suchen und mit Namen festzustellen, -welche Quellflüsse, „Einflüsse", sie vereinigt. Es wäre nicht weniger banal, von ihr etwa als van einem durchaus „männlichen" Geist zu spreckM. Das wäre nur in einem sehr hohen, jeder männlichen Ueberheb» lichkeit sehr fernen Sinne möglich. Die Dreistigkeit, die sich nach Luther auch in der allergeringsten Kreatur ausdrückt und die er für den Menschen in Geist. Seele und Leib sucht, findet sich in Ricarda Huch zum Goetheschen höchsten Glück der Erdenkinder vereint. t.1. Mechtilde Lichnowsky: „Delaide.“ (S. Fischer Verlag, Berlin.) Zum Schluß fragt man sich, ob diese. Geschichte einer nicht immer nur unglücklichen Ehe zu besserem Ende zu führen gewesen wäre, wenn dieser Halbfranzose, dieser Europäer Robert d. Laertmeister, der Politisch-historrsche Monographien berühmter Städte, schreibt, nicht gleich zu Kriegsanfäng als deutscher Freiwilliger gefallen wäre. Doch sinnt man den gelesenen Seiten noch einmal nach, möchte man die Frage mit Nein beantworten. auch wenn man nicht weiß, ob dieses Nein auch Mechtilde Lichnowsky spricht, die ihre arme, kleine Heldin — eine wirkliche Heldin oft genug — ob der Sinnlosigkeit des Schicksals selbst in Sinnesverwirrung sterben läßt. Denn Delalde liebt ja ihren Mann. Sie liebt ihn so sehr, wie nur eine Frau lieben kann, aber sie erträgt ihn schließlich nicht, wenigstens so nicht, solange er so ganz, so ausschließlich Mann, oft genug nur Männchen ist. und ein ahnungsloser Schulmeister dazu. Sie erträgt ihn lange wortlos, sogar. aM sie sich betrogen glauben muß/ Aber schließlich^ fingiert sie selbst.Untreue, um eine Trennung von unberechneter Taster zu erzwingen — das ist. einzige, aber eine entscheidende Stelle in dem Buche, nun „Literatur". Und er läßt sie, fast wortlos ziehen, obwohl er die Fiktion durchschaut. Und ein Paar Wochen später bricht der Krieg " Wie Dalalde selbst ist auch ihr Roman allen wehmütigen Schatten zum Trotz, springlebendig in Bildern - und Tönen, von einer bezaubernden Naturwüchsigkeit trotz Villen und Dienerschaft und . des ganzen Klimbin Der. society* Man muß. die : Lichnowsky von Kindern und Tieren und zu ihnen sprechen, hören, muß lesen, wie - sie in. Tonfolgen * erlebt, eine alte italienische Schaffnerin, eine . slawische Pflegerin mit wenigen Myrten nur. hier. . und da, schildert, um sich wieder einmal klar zu machen/ daß höchste/Kultur immer nur echter Natur und Natürlichkeit entspringt: ' Frost Engel. ~ . Schriften für die Jugend Aus die C.-V.-Zeitung „Bücher, nach denen wir uns sehnen" war von allen - Jüngerenführern^geantwortet worden: „Wir. wünschen uns das jüdische Jugendbuch." Geht man mit dieser Erwartung an Salo Böhms „Helden der Kwuzah" (Verlag.K e d-e m, Berlin) heran, so wird man enttäuscht. Die Handlung verläßt, nie den Kreis des Unwahrscheinlichen. Die Darstellung ist oft nur unvollkommen. Der Versuch, die Sage, die berichtet, wie Gott den Platz für den Tempel auswählte, in 'die Handlung einzubauen. muß als sehr bedenklich bezeichnet werden. Der Verfasser ersetzt die zwei-Brüder der Sage durch „die Stadtkinder" und „die Land- . kinder". die des Nachts versuchen. Teile ihrer Ernte ihren Kameraden unbemerkt zükommen zu lassen. Gott wählte dort, wo in der Sage die beiden Brüder ihre Brüderlichkeit unter Beweis stellten, den'Platz für den Tempel aus. Bei Böhm bestimmt der Stadtrat vom Tel Aviv den Platz» da die Kameradschaftlichkeit der Stadt- und der Landkinder sich erwies, als Bauplatz für ein Kinderhaus. „Das jüdische Jugendbuch" hat Böhm uns nicht geschenkt, obwohl er sein Werk seinen Freunden aus der jüdischen'Jugendbewegung gewidmet Hat. Diesem Ideal kömmt Emil Bernhard' Cohns und Else Rabins „Jüdisches Jugendbuch". Fünfter Jahrgang deS Jüdischen Jugendkalenders (Jüdischer Verlag. Berlin) um vieles näher. " ES ist ein richtiges jüdisches Buch und will etwaS anderes fein als ein gewöhnliches Buch; eS bietet Stoffe aus den verschiedensten Kreisen, will belehren. unterhalten und anregen: Gedichte, Erzählungen. kulturgeschichtliche Berichte und The? aterstücke sind in ihm enthalten und von den Herausgebern, die selbst einen Teil der Stücke geschrieben haben, geschickt zusammengestellt. Die jüdische Geschichte und das heutige Palästina, große jüdische Politiker und Sportsmänner — alles ist vertreten und erregt Aufmerksamkeit. „ Das jüdische Kind — denn an dieses ist wohl in erster Linie gedacht, der „Jugendliche" wird bald nach Größerem greifen — wird manches finden und sich an sehr vielem freuen.— Nur eine Ausstellung müssen wir machen: die Gedichte, sowohl daS ungezeichnete zu Beginn als auch die des Herausgebers und geschickten Erzählers E. B. Cohn, sind durchgehend nicht gut! Gibt es wirklich keine besseren Verse für einen jüdischen Jugendkalender? Dafür, sindaber die Zeichnung "gen von Marianne Brodsky sehr hübsch, und auch die Bildbeilagen sind gut ausgewählt.' ' .■ 6.F. Ein hübsches kleines dramatisches Spiel in hebräischen Versen: ..Dan i e 17, (Hermon-Derlag. Frankfurt a. M. 1935) erzählt in sechs Bildern Ereignisse aus dem Leben Daniels. Der Text ist leicht verständlich und auch für tz-chülaufführun rn nicht schwer auswendig zu lernen. Vielleicht Fies zu bedauern, daß keine durchgehende Hanslung da ist. sondern nur blitzlichtartig, einzelne Stellen beleuchtet werden. - Auch ist zu bedenken, daß bei Schulausführungen den Schülern — die. ja . den Text-ganz verstehen müssen!. —- stärkere- - Freiheit in der Wahl der Worte gegeben werden soll. Jedoch ist das kleine Heft von Tr. E l i as eine wertvolle Hilfe fürdie Verlebendigung biblischer Stoffe^.- , F.'Ar. Im Berthvld L e v y - Verlag. Berlin, erschien ein neues Buch von Frieda Mehler: „Feiertag smär che n". von denen die beiden „Wie Purim in den Adar Scheut kam" und „Chanukka- Märchen" bereits : im Kinderblatt der E.-B.- Zeitung zur Veröffentlichung gelangten. Ein wertvoller Beitrag zu einem Kapitel,- dasvorläufig noch ziemlich dünn aussieht: Gute Unter- Haltungsliteratur für die jüdische Jugend. Das ganze jüdische Festjahr durchwandern die nachdenklichen und schelmischen Gedanken der Autorin und in jedem Feiertag finden sie ein paar neue Goldkörnchen Sonnenlicht, ein paar Traumbilder Märchenland und alles nehmen sie mit, um es den jüdischen Kindern zu schenken, die schon dichtgedrängt und mit großen Augen warten. Sie verstehen sich gut mit den Kindern, diese Gedanken; .mit der weisen Ruhe und Ueberlegenheit. die ein langes Leben, gegeben hat. kennen sie die kleinen Seelen und finden Worte, die den Köpfchen nicht zu schwer -sind und Bilder für große Dinge, die denen der kleinen Dinge aus dem Tag leicht faßlich nachgezeichnet sind. Der Himmel, der hier vorkommt, ist ein richtiger blauer Kinderhimmel mit richtigen Wölkchen, die zu den zarten Engelfüßen passen und wenn ein solcher kleiner Engel um die Purimzeit mal schimpft: „Potz Esrog und Lulow". dann benimmt er sich eben wie der kleine Bengel auf der Erde, dem das erzählt wird und der es deshalb auch versteht mitsamt den Lehren, die für Engel'und Bengel daraus gezogen werden. Die Lichtchen am Chanukkaleuchter gewinnen ihr eigenes zauberhaftes Leben, wenn sie Frieda Mehler als kleine Strahlenmännchen auf ihre Plätze klettern läßt sind.die hebräischen Buchstaben, wenn sie in Mirjams und PeterS Traum ihren Reigen tanzen und Elia-Ha-Novi kommt dem Kinderherzen nah. wenn er sich Peterchen freundlich nähert. Mit hübschen, launigen Zeichnungen hilft Dodo Bürgner der Autorin beim. Erzählen, und man kann nur wünschen, daß' recht viele jüdische Mütter das kleine Buch in die Hände und Herzen ihrer Kinder geben möchten. '8. M. Das kleine Chanukka-Buch von Elly L-udw i g „Die goldene Men drah" (Joachim Go Idstein Verlag. Berlin) enthält Erzählungen und Gedichte über die Chanukka-Geschichte und den Sinn des Festes. Keiner der Beiträge ist besonders originell, aber in anspruchslos klarer und Kindern leicht zugänglicher Form werden die Bräuche erklärt und die bekannten Legenden, die sich um die Chanukka-Geschichte bildeten, wiedergegeben. Den Umschlag und die Textbilder zeichnete Theodor Frankenbach. Bn. Bewegung, jeden Ton aber der gröhlende Singsang klang fremd und abstoßend — — ...Fahrendes Bott — —" murmelte Pfeffermann. ..Umhclgctrieben. ewig wandernd — ohne Heimat " Er schluchzte auf. ohne es zu wissen. Seine Tränen galten in diesem Augenblick." nicht nur dem Clown, nicht dem Sohn allein --- — „Hier erwarten Sie für einen einzigen Groschen hundert' Herrlichkeiten treten Sie ,, ein. meine Herrschafteil —-- Sie werden es nicht bereuen!" Noch immer hingen des Alten Blicke prüfend an der Gestatt des Ausrufers — Plötzlich begriff Pfessermann, daß Artur sich inzwischen entscheidend veräiidert haben mußte: mit 17 Jahren war er-fortgegangen — jetzt würde er ein Mann von 26 Jahren fein! Was würde er noch mit dem untlitlvicketten. unreifen Menschen von damals ' gemein.-habenf. Fieberhaft rafch durchliefen seine Gedanken alle Möglichkeiten —vielleicht war er inzwischen längst Amerikaner geworden? Noch immer starrte er zu..dem hölzernen. Podillln empör: eben erschien ein Zwerg — sein altes Gesicht zeigte den Jlnsdrnck größter Trostlosigkeit — er umklammerte das Knie einer' jungen. Nieiendanie. die mit hoher Uindersliliiine in den Gesang des Cl'vwns mitclnstiinintc- Tie ganze Vorführung hatte etwas so Bar-. barisch-Äbgcschniacktes. daß selbst, der unver-. ivöhnte. alte-Niann sich beleidigt fühlte — er empfand nur Mitleid — tiefstes Erbarmen — Und im selben Moment erfüllte ihn die Gewißheit, daß dies nun und uinunerniehr' sein Sohn-war! - , ..Verzeih mir. Artur ~•' sagte er lautlos vor sich hin. Iliid. zum ersten Male in diesen furchtbaren neun Jahren kam ihm der Gedanke. daß feder Mensch die Freiheit seines Willens hat. daß es kein Gesetz gab, äußer diesem innersten. dem man unterworfen „Wandere, mein Junge — wandere weiter, wenn du mußt!" stammelte er. während er in der Menge untertauchte. „Gott wird wissen, warum er dich von mir riß, weshalb er mich zur Einsamkeit verdammte! Ich will nicht murren-" Er blieb stehen, wendete den Kopf zurück und zögerte plötzlich, sortzugehen. ..Jener ist auch ein Sohn"., fiel ihm ein. Er kehrte um. stolperte die Stufen zur Kasse hinauf und drückte der Frau eine Mark in die Hand. „Für den Clown — ein guter Clown ist daS-" murmelte er. Sein kleiner Kinnbart zitterte. Er entfernte sich eilig, wie beschämt. Als das Dunkel ihn aufnähm. hielt er heftig atmend inne und schüttelte den Kopf: „Also wieder kein Kanari —'." dachte er. Aber er war nicht unzufrieden-— Vorträge Im Rahmen der BortragSveranstaltungen des Berliner Kulturbundes sprach Dr. Arthur E l o e s s e r zu dem Thema: „Die Joseph-Gestalt in der Weltliteratur." Der Gegenstand des Borträges ist uns .durch Thomas Manns weitschichtigen,, bisher in zwei Bänden vorliegenden Roman nahegerückt worden, und so gipfelten denn auch die Ausführungen EloesierS in einer "ebenso klugen wie liebevollen Analyse dieses Werkes. m das wie der Vortragende meinte, als die letzte-^-Jahrhunderts mit ihren markantesten Der- und endgültige Ausdeutung des vielbehandelten treterinnen.^der schönen Henriette Herz und der für pädagogisch-religiöse, als für künstlerische Zwecke in Anspruch nahmen. Auch die französische Bühnendichtung wurde schon in ihren mittelalterlichen mysterss von der Gestalt Josephs, insbesondere von der Szene Josephs und Poti- " phars. die sie sehr naturalistisch darstellte, immer wieder angezogen, und das Theater der Franzosen ist dann, in der ersten Hälfte des..18. Jahrhunderts. von Joseph-Dramen geradezu überflutet worden (obgleich dem biblischen Staatsmann Joseph in dem -großen Aufklärer Voltaire ein heftiger Widersacher erstand). Die reichste Anregung hat der Joseph-Stoff jedoch der orientalischen Dichtung gegeben, vor allem den beiden berühmtesten persischen Dichtern Hafis und Firdusi, aber auch der Poesie der Araber. - Merkwürdig ist, daß —wie der Redner mit Recht hervorhob — der alttestamentarische, in die Weltliteratur eingegangene Stoff bisher keinen jüdischen Dichter von Bedeutung gefunden hat. Von den jüdischen Bearbeitungen interessiert lediglich eine kleine Novelle,-die einen unbekannten Juden zum.Verfasser hat und einem hebräischen Volksbuch des Mittelalters nacherzählt ist: eine in ihrer Mischung religiöser, märchenhafter und naivmenschlicher Züge nicht ungeschickte, auch in der Charakteristik beachtliche, zusammenfassende Darstellung der Geschichte von Joseph und seinen Brüdern, die kürzlich von bin Gorion in der -Bücherei des Schocken-Verlages erneuert wurde. Man sollte ännehmen, daß die jüdischen Salons des ausgehenden ,18. und de8 beginnenden Stoffes anzusehen sei. In einer gedrängten Rückschau, die bei der ungeheuren Fülle des Materials nur das Wesentliche einer Betrachtung unterziehen konnte, wurde Goethes jugendlicher Plan eines Joseph-RomanS (der sich inzwischen als eine geistvollen Rahel Levin. bereits in Wort und Schrift eine erschöpfende Darstellung gefunden baden. Jedoch die liebenswürdige, völlig unbeschwerte und undoktrinäre Art. in der Dr. Max Osborn vor den Mitgliedern des Berliner Fiktion erwiesen hat), kurz geströistT^äber^nnh----Kulturbundes die^beiden FrauepportraitS aus dem der früheren epischen und dramatischen Bearbeitungen öurch die Schuldichter, durch Grimmelshausen, Bodmer. Klopstock. Salomon Geßner und andere gedacht, die. der Ueberlieferung getreu, die Figur Josephs in ihrer Keuschheit. Reinheit. Frömmigkeit -und Güte freilich mehr Rahmen eines figurenreichen Gesellschaftsbildes herauslöste, ließ hinlänglich Bekanntes wieder lebendig werden und vermittelte einem überaus gropen und interessierten Zuhörerkreis jene Helle und Anmut, die Friedrich Gundolf den jüdischen Frauen der Berliner SalonS zur Zeit der Roinantik einmal nachgerühmt hat. Qsborns Ausführungen hielten sich vor allem an die Gegenfützlichkeit der Wesenszüge Henriettens und Rahels, die sich außer in ihrer ausgedehnten sozialen Hilsstätigkeit — nur als Repräsentantinneu einer geistig ungemein anregenden Häuslichkeit zusammenfanden: an die Gemessenheit und Würde, die harmonische Ausgeglichenheit der einen, die sich aus jugendlicher Schwärmerei, nicht ohne Beistand ihres treuen Seelenfreundes Schleiermacher, allmählich zu einem ruhigen . Ebenmaß des Geistes durchgerungen hatte; an Hie begehrende Leidenschaft, die flackernde Unruhe, die übersprudelnde Genialität der anderen (von der Jakob Wassermann sehr sein einmal sagte, daß das Uebermaß ihr Maß sei). Dem Vortragenden sekundierte mit Rezitationen aus den Erinnerungen und Briefen der beiden Frauen das geschätzte Mitglied unserer Kulturbühne Ruth Reimer; Siewar auch auf dem Vortragspodium von wohltuender Schlichtheit und Wärme; nur wußte sich ihr helles und zartes Organ mit den akustischen Bedingungen des weitgestreckten Raumes nicht recht abzufinden. H. L. 'Appell an die jüdischen Historiker Der Historikerkreis der Gesellschaft der Freunde deS Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts fordert di« jüdischen Historiker aller Länder auf. zwecks Herstellung eines wisienschaftlichen Kontaktes zwischen den einzelnen Forschern dem Kreis ihre Arbeiten einzusenden. Der Kreis vermittelt auch den Austausch wissenschaftlicher Ausgaben zwischen den jüdischen Historikern Polens und des Auslandes. Die Historiker werden gebeten, auch Verzeichnisse der von ihnen erschienenen Arbeiten, Artikel, Referate. Nachdrucke usw. einzusenden. Andererseits ■P™’5 "von Gelkürten Berzeichnisse der Arbeiten und Abdrucke von Referaten der jüdischen Historiker in Polen zusenden. Der Kreis der Historiker bei der Warschauer Gesellschaft der Freunde des Jiddischen Wisienschaftlichen Instituts wurde 1929 gegründet. Die Adresie lautet: Warschau^. König-Albert-Gasie 7—8.