Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 46 (14.11.1935)
- Date
- 1935-11-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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® D A S N E U E B U C H Frühvollendete Philosophen Aron Gurewitsch ..." aiicmr c'5 jetzt gilt, unsere Philosophie aus den - S.ptachcn und Völkern hcimzuholcit. w,ird man: auch, A r o n- §u r c w lisch nicht -übergehen dui-scii. Daswar ent eigenartiger Mann vön hohem /geistigen Rang und in vielem ein. bciiicrfcitswerter jüdlscher Typ. Er lebte von 1816 bis 1'.iv2, stammte aus einer Witebssker Kausuiaunsfamilie, kam mit 16 fahren nach Berlin, um Philosophie .zu studieren, wurde dann in Zürich Avcnarius' Schüler, lebte in Berlin, Wntzburg. Nlüncheu. Paris und starb in der Schioei;. Bon außen gesehen war dies Leben er. eiguislvs, innen /voller Sturm und Gewitter. Sei,, Leg ging „durch Marx. Avenarius und 'Nietzsche. durch die moderne Psychologie und Soziologie, durch den Pvsitivismus und den Idealismus" hindurch. Es war ein Ringen um Ordnung .zu einer Synthese des Seins und unr Reinheit; sein mächtigstes Erlebnis war Nietzsche, den er zu vollenden glaubte. In Nietzsches Weise sind die Aufzeichnungen seines Lebens der mani. festiertc Wille „nach der allumfassenden, alldurchdringenden Rechtfertigung", und nach solchem äußersten Versuch, alles, was „Welt" ist. seinem Bewußtsein ein- und unterzuordnen.und „seines persönlichen, einmaligen Jchs habhaft zu werden", beginnt seine letzte Niederschrift bezeichnenderweise stirnerisch: „Ich bin kein Jude, sondern bin's gewesen. Ich bin kein Geist, kein Gott, keine Idee, kein Gespenst, sondern binP gewesen. Ich bin kein Bürger, kein Lnmp, kein „Mensch", sondern bin's gewesen. Ich'bin Ich ..." Er ist -6 Jahre alt und weiß sich keine Lösung mehr als den Tod. nach^denr er sich sehnt, oder eine restlose Metamorphose. „Böller Jubel, vollkommen frei und restlos versöhnt, verließ er an seinem letzten Tage das Haus, um seinen täglichen Morgcnspaziergang zu machen, und, — lehrte nicht wieder. Man fand ihn aiu anderen Tage im Thuner See iit' der Nähe des Ufers stehend unter dem Wasser. Beim Baden schien er in einen Strudel geraten und versunken zu sein." Dies Ende ist fast mythisch, der Weg über alle Höhen und Tiefen dahin tragisch, und wer den Mut dazu oufbringt, nmg dies Schicksal für den „entwurzelten Juden" typisch nennen. Die geistige Hinterlassenschaft Gurewitschs ist in dem jetzt bei Rascher, in Zürich neu ersci)einenden und ungemein Pfleglich herausaegebcnen Werk „Zur Grundlegung einer Synthese des Daseins" zu finden. Das Buch ist kompliziert geschrieben, zumal cs von der Kenntnis oder mindestens Durchführung aller Külturgebiete. ausgeht und die Notwendigkeit ihrer denkcrischen Neugestaltung proklamiert, und sein Stil .nimmt form- und wahllos, bald lyrischhymnisch, bald exakt formulierend, bald nur quasi Stichworte hinwerfend, den Expressionismus vorweg. Es in. als ob er in'der, Elle dieses : kurzen---- - Leben * sonst keine Zell inehr ■ gefunden-- hatte, sein , Snstem.auch nur zu slizzteren. Bczcichnend. .das; er. dies Keine-Zeit-vabcn und-.K-eincN'LmNi-Habetrrfür 'die Form als indnch-bekennt: Ich bin eben Jude, und. durchaus kein Art»!.- Nietzhhe scheint cs» vorausgescheit zu haben, daß gerade ein Jude - am fähigsten ist, den reifsten, vollronimenstcn und absolutesten Ausdruck von dem. was' in seiner - Töett Zukunft, Ueberzcit, siebenter Tag, Europa! . nmr. ganz frei. rein und entblößt von aller Endlichkeit, Bestimmtheit -und Symbolik, zum Ausdruck zu bringen. Plato war sein Ahne und . Spinoza seine unerreichbare Sehnsucht, aber auch sein ausgesprochener Widerwille!" Mit Kierkegaard. Ibsen imb Novalis rechnet Gurewitsch sich zum Zarathustra-Typ. mit -Jicc, Brandes. Lipiuer dürfen ivir ihn tveuigstcns zu Nietzsches frühesten jiidischcn Interpreten rechnen, deren leidensehastlichst ergriffener er unbedingt'bleibt. Gurewitschs neue Position besteht in. .seiner entworfenen -Synthese aller bisherigen Philosophie; die Widersprüche innerhalb alles bisherigen Teukens werden'überwunden, indem alles, was ist. absolut bejaht und verneint wird. - Alles ist einzeln und allgemein. wahr und falsch, gut - und böse, in sich und tm anderen usw. In , ol solchen Grnndbestimmnngen , alles Seienden wird das System „Transzendenz-Imumnenz" kon-. siituiert: die Einheit des All läßt keine Getrenntheit von Idee und Materie, Wesen und Erscheinung. Zeit und Ewigkeit mehr zn, die Einheit wird über alle ähnlichen Vorstellungen der Mystik und des Pantheismus hinan» wis'senscksastlich gedacht, proklamiert und mit fast prophetischem Elan verkündet, — und wenn man will, mag man auch diesen Zug zur - Einheit und das Apodiktische ihres Vortrags als jüdisch empfinden. Aus der Einheit folgt die Gleichwertigkeit alles Seienden (und legitimiert auch Gurewitschs Stil des Nebeneinander), bei deren Feststellmtg er es indessen nicht bewenden läßt: Er führt auch darin Nietzsche fort, daß er nie nur betrachtet, sondern immer auch fordert; die ewige Reinheit und Freiheit jedes Wesens ist ihm Sinn, die Befreiung dazu Zweck allen Seins,.-und er fordert eine Anschauung der Welt, die „jedegegebene M'cnschlseit nur als Mittel zir einer höheren Menschheit' betrachtet". Auch darin ist er unser. Leopold Thaler L e o p old T h a le r . 1901 in Polen geboren, in Wien ausgewachsen. >var als Philosophiestudent in der ziouistischeu Jugendbewegung kräftig tätig, . 1920 Ehaluz in Palästina, später Lehrer in Tel- Awitv, promovierte 1920 in Wien, wurde Journalist und endlich Leiter des Jugendamtes des Keren Kajemcth in. Warschau, wo er, 28 Jahre all. -vlöklick, narb Seine vbllöiovtnscbe Gunter- . ..vermittelnde" Tätigkeit des Geistes, als eine Art liitioittdiiiff’ nt eine Weuiinger-Studie. die i»i B e r l a g T r. H e i nrich . Gla »z lWicu) n> rducnnt . i't: (.>W c i ninge r s Weltinri cha iui n g i in L i di t e der Ji a n t i s ch e. u L ehr e'J. Mau hatte sich l>ei'einem so jnden- : ttimsdegeisterkfii. Amor - zwar von -. einer. Al'hand- . tu»-,; nber Weunngersindisechni Setdsthaß einiges verjprecheu ko.nnen. gver'diele seyr mnbere.- auch ' aniprecyelid geschriebene.- reni. pyiloll'phische -Veit; die heutevielleickit weniger Altualitatsrc/z hat. ist doch wohl wichtiger.' Sie in eine "Ehrenrettung des-Plnlosophcn Weiiniiger. um nicht zuV lagen: des-Kantianers. In den wilden Polemiken uiil den ^Eell'erfciiid. Juden und Selbstmörder Weiningcr ist dessen gentigere Krasi meist überleben worden. Thaler verfallt nun keineswegs ans» Gegenteil, wen» er Kants tiefer Wirkung ans Weitniiger »acl,spurt. auch-er kann nur konstatieren: „Kant war ihm ein innerer Imperativ, der Kritizismus, ein .ldeal der Forschung und .P'h-ilos.ophie", aber gerade weil er . auch Weiningers llnzulaiiglichkeit nie mißkeniit. ja. sie an Kant mißt und viriitd, nt sein Schlußwort bemerkenswert, daß Weiningers Denken aus einem religiösen Geiste sl>irße: ,.cs nt ein ' frommes I-e«, H irsrli. Theodor Litt: Philosophie und Zeitgeist. Felix Meiner-Verlag, Leipzig. Tie kleine Schrift, die schon in zweiter Auslage erschien, stellt die Frage »ach der pyilosopyijchcn Berechtigung der Bestrebungen, die es der Plstlo-' svphie verwehren wollen, nach einer zeitüber«. legenen, stets -und überall gültigen Wayryeit zu streben, und ihr stattdesjen. die Aufgabe zuschreiben, Teutcrin und Berkünderin des Zeitgeistes zu seiu. Tl>eodor Litt geht kurz aus die Geschichte dieser Fragestellung eiu — die erst an einem bestimmten Puutt der philosophische» Entwicklung möglich nur, als nämlich im 19. Jahrhundert eiu historisches Weltbild entstand — und' gibt dann sozusagen dem Philosophen das Wort, der der- Plstlvsophie selbst geradezu die Aufgabe zngeschricben hat. den sich >n einem Gedänkensvstem repräsentierenden Zeitgeist zu verkörpern: cs ist Hegel. Aber die Unterschiede ergeben sich syfvrt, wenn Ulan das. was L»egel nnter „Zeitgeist* versteht, mit der Di-eimmg der Lcbensphilosvphic konfrontiert, deren Weltanschaunngstypeii, eben weil sie.immer neuer Ausdruck des slutendeu Lebens stud. ciliem stetigen Wandel.unterworfen bleiben. Auch Hegel kennt die „Stimmung", die „Gemütsverfassung" der 'Zeit, die er „Das Unmittelbare" nennt, aber er erkennt sie lediglich nks Stoff für den Philofophcn ait, ans dem dieser sich seine Begrissc ent-' nehmen und formen müsse. ' Diese Begriffe selbst aber, die Ergebnisse des Denkens, sind nicht partikulär und vergänglich, nicht von außen bestimmt oder an vorgegebenen Typen orientiert, sondern sic sind allgemein, unveränderlich, einig und wahr: „nicht nur heute oder morgen, sondern außer aller Z»eit. und sofern es in der Zeit ist. iiiimcr und liberal! ivahr". - Das „Unmittelbare" selbst ist deshalb nicht schon echte Philosophie, weil.- ihm das Kriterium schlt, nach dem das Weseutliäie vom Unwesentlichen zn scheiden wäre. Erst die Jrlter. sann es in das Reieli der gedanflichen Walirheip erbeben: und. d,r der Geist siäi ielblt n« Tanken erkennt, kann er auch etwas außerhalb lente^Bolleiidetes,- wie etio.i euren bestimmten ..Typnsi Meiisäi", als letzte- Zielsetzuiig nicht an- , erleiiiiim: das nallt iliiter die -Kennzeillien des „Uns mittet/anniJ die vegel als „Partltillar" begreif.. Allgcnneme-Ideen ivallneu. alio nach ve-gels Pceiliuxrg nustt aus nch (elbil, l»e bedürfen de- ,l^itstrlindes. er »es r loaäiengefchiclitlichen Bew i ißtl c-. ns. aber das Beiondere erschließt-yäi auch nur cuiein Blrck. der sachlich und aufdas "Allgemeine gerichtej tit. So hat vsegel si'lbi't sich ditrchaiis als Re> pralentaiil d c n th ll, c u Denkciis gemylt. aber snr dieies Teiileuleine vollyalten Wayr!ieitsgrenzen angenommen. Der Berialier schließt init der N.'eiimiig. man könne nicht nber den deutschen Jdealisliiiis bii>- »veggehen. sondern mnsie lieh in der Tiere mit rinn attseinaiidcrgciel.it-haben. H. li. Die altorientalische Umwelt der Bibel ‘ Die beiden Sammliivgen ..Der alte Lrieut" und ..Nlorgeiilaiid" vermitteln uns steit länger Zeit ivertvolles pgisieiisgut liaineutlich amh. über die altorieutalische Iliinvelt'der Bibeln Zeugnisse iins dieser Illelt erweitern unsere A»scha»»ngen über die in der Bibel vorkomiiieiideii Ereignisse und, die darin vorausgesetzte» Zustande. Völker, Borstelliiiigeii über Gott nnd die Tsiell. Lllsir zeigen heute au: Jriedricl> 2'l-ilyelm König..Privatdo»ent-au der llniversität Wien, Aelteste Geschichte der Nieder und Perser: Bd. -Veit n und » der Sammlung ..Der Alte Orieilt". Leipzig lviiirnö»! 192». — Professor Hermann Grapow. llel'er die auatomi. scl,en Kennliiissc der altägtiytischen Aerzte: Heft 26 t der Sammlnng „Morgenland", Darite.llgiiiigen ans Gesclsichte und Kultur des Ostens. Leipzig >.>.iiiirichsi 19X> , So seyr in der antiken Zeit Perser und Glieder in die jüdische Geschichte eiits,Heidend eingreisen, so wenig gelautert sind unsere- Kenntniise über Herliiiist inid Gesihicke dieser Bölkerschafte». Die eigene iiational- .persische Tradition laßt hier fast ganz im Sticb. lim das von den griechisch-römischen Autoren gezeichnete Bild des alten Persiens zn ergänzen, müsfeil babylonische.Jnschristen und alttestament- - liche Schriften herangezogen iverden; die altpersischen Namen treten, meistens nur in grlecislscli«'r tkicrklcidung auf und sind in der Bibel ebensowenig mehr deutlich erkennbar. Tie. keilinsckiriftlichr>i Onellcn gestatten cs lseute, die Einwanderuiig nnc> Landannahme der Meder imb Perser im Rahmen der Gesamtentivicklinig Borderasicns darznsteUen. Bon den nach Westen geivanderteil iranischen Aöt^ kern trefeii zuerst die Nieder in der Geschichte lirv4 vor. Sie iverden znm erstenmal von Palma> nassar lll. bei Gelegenheit eines Jeldzuges tm Jahre genannt und kommen später oft in den afsbris,Heu Berichten vor. Tde Perser sind in der erste» Halste des 6. Jalsrhnnderts als kriegerisches Bvlk bei Ezeihicl l-R<.!'>'> erwähnt. Der große Wert der Schrift von König ist die wisie»sc>)astlicl>e Erörternng-der-Oiielleirfrage 'über A'aine. Land und Leute.- über die EiiNvandernng der Meder, ihre Herrscher, ihre Spraclie inid Religion: Der Versuch einer altägyptischeil'Ai'.atvmio und Fahrendes Volk Von Alice Stein-Landesmann . Pfefsermann stellte das Plättbrett an die Wand: er öffnete das Fenster und fuhr in seiner Aufräumcarbeit svrt. Tie Schneider-- iverkstatt — jetzt trilr von ihm allein benutzt — hatte uui diese späte Abendstunde immer etwas seltsam Totes, Bedrückendes. Gespenstisch hingen die leeren Anzüge auf ihren Bügeln, leise bewegt von dem Luftzug. Sonst herrschte eine beklemmende Stille im Raum. Pfeffernmnn versuchte zu pfeifen aber er wußte seit' 64 Jahren, daß er es nicht tonnte. „Ich . werde einen Stieglitz kaufen oder „Wieder Geldfür einen Stadtplan' —" brummelte er jetzt, als stände das Kind neben ihm und bettelte um Geld- Bon Jugend an war das Lesen von ' fremden Stadtplänen Arturs liebste Bcsä)äftigung gewesen. Gr (wußte in London und Parts so. gut Bescheid wie iit Athen oder Kopenhagen. Er kannte mir ein Vergnügen, ans dem.Atlas hernmznreisen — — bis er sich eines Tages nicht mehr mit diesen eingebildeten Reise stegnügen konnte: er verschwand und kam nicht ivieder — — Wie oft hatte Psessermann den Sinn dieser paar Worte zu erfassen gesnäst: dieses „nicht wieder, niemals wieder" — — Wie lange hatte cs'gedauert, ehe er cs aufgab, horchend an der Tür zu stehen, auf den vertranten.-raschen Schritt zu" einerL Kanari murinelte er< Er neigte zu - warten — wie grauenvoll - und unvergeßlich Selbstgesprächen. Wenn man fast immer allein waren diese ersten Wachen qualvollcit Suchens ist, ' entstehen eben solche Sonderlichkeiten. Jetzt blieb er mitten im Räumen stehen und begann zu rechnen: „Ein kleines Vogelbauer — vielleicht borgt mir jemand —? Und Singvogelfutter? Ein bißchen Sand wird mir der Grünkram geben — '— Und der Sieglitz selber —Er versank in Nachdenken. Tann' schüttelte er den Kopf: „Besser, man spart das Gänze. Wenn Artur zurückkommt, werde ich jeden Groschen brauchen!" — — Ter alte Kreislauf hatte ihn wieder in seinen Bann gezogen. Und während er die Nähmaschine säuberte und Nadeln auslas, klammerte sich sein Tenken an den Sohn, der ihn verlassen hatte— bei Polizei und llnfallstationen-bis auch dieser grenzenlose Kummer sich in den Alltag eingliedertc. Pseffermann nahm Hut und Mantel, drehte das Licht ab nnd tappte sich die .finstere Treppe hinunter.. Er kam niemals auf die' Idee, das elektrische Licht des Treppenhauses zu benützen.' Wahrscheirtlich entsprang auch diese Hemmung seinem Sparsamkeitswahn. — Wie jeder Mensch unbewußt danach ringt, mit einem großen Schincrz' fertig zu werden, so hatte der alte Mann sich eine Theorie geschaffen, um nicht völlig der Verzweiflung zn erliegen. Er halte spät geheiratet, die Frau starb bei der Geburt des einzigen Kindes.. Er lebte in dürftigsten Verhällnissen. und die So vergingen seine Tage, seine Abende; „ ,. , . in Erinnerungen eingesponnen, grübelte--^---Ausgabe. deit Sohn großzuziehen. beanspruchte von srüh-his spät über dieses Geschehnis nach, seine ganze Energie. Er war von dieser^etnen das sein L.eben seit fast neun Jahren so einbrennenden, und zugleich beglückenden Sorge . schneidend' verändert hatte. Ganz unbewußt pflegte er die-chunde^t kleinen Erlebnisse aus Arturs Kindheit immer, wieder neu vor sich erstehen zu lassen. Ost ertappte er sich dabei, daß er zu dem Jungen sprach. Gestern erst hatte er ihn ermahnt, die Schnur des selbst- . verfertigten Trachens nicht so rasch' abzuersüllt gewesen. Aber der fanatische Trang in die Werte, der hem'nm'ngslofe Wandertrieb des--- Heranwachsenden hatte eine schwere Beunruhigung in Ptefserm'ann's Dasein getragen. Was erklänge befürchtete und doch nie erwartete, trat ein: Artur verschmaird und ließ niemals mehr von sich hören. Tiefer Schlag drohte Psessermann. umzuwersen. Er rettete sich in die fanatische Zuversicht, daß Per Sohn lebte, daß er die Wett durchstreifte iind eines Tages heimsinden ivürde. Tie llngläubigkeil von FreilndeN und Nachbarn hatten den alten Niann gelehrt, zn -.schweigen.''Ercrtrng es nicht.-daß man Zivcifet äußerte, oder -ihn mit ntitleidigem Spott betrachtete. Tie Luft war schon rauh und voller Frostahnnng. Wenn es zmn Winter ging, steigerte sicts Pfeffermanns llnruhe. Man tonnte aitnehmen. daß Artur in svtcheit kalten lstächten ans dunklen Landstraßen frieren ivürde, daß er sich der heiinatlichen Zuflucht lebhafter entsann! Es. schien nur logisch, daß die A.ussiclst für. eine Wiederkehr in den.-Wintermonaten -viel wahrscheinlicher ivar — -- —■ Aber un- ' zählige Freitag-Abende hatten die Schabbatleuchter in Psesscrinauiis dürftiger Stube gebrannt. ohne daß die Tür sich öffucte.aim den Entbehrten hereinznlasseit — — 'Psessermann. ging rascher^, als könnte dadurch ilim.it u d dein Sohn wärmer iverden. Er näherte sich dem Lanbengelände, das meist das Ziel, seiner abendlichen Spaziergänge war. In dieser -Einsamkeit ivar --ihm tmmer ein kleiner Trost aus dem Grün -des.Rasens und dem bunten Farbton der Beete,entständeisi- Aber nun hingen die spärltchen Bluinclirestc erfroretl über den Z,änn, die Lauben standen verödet, dagegen war der sonst so dunkle Platz überstrahlt von grellem Licht. Wildes Durch-' einander von Lrcheslrions, Lcierkäfteit iind Karujselmusik tonte dem überraschten Wanderer entgegen.—Pstmermann blieb stehen und blinzelte nach dem Wirrwarr hin. .Er empsand' Unwillen uird -Mlehnung, Niemals hatte er Sinn für sahreudcs Volk gehabt. Tiefe Wagen eriitnerten ihn -peinvoll an Artuts rätselhafte Neigung, an diesen - nnerklärlen AKun'du-ti-ieb. der ihn aus der Lrdnttng einefrontnren -Hauses entführt halte. Gab esuulerwegs einen Freitag-Abend für den Unsteten? Würde er nicht längst die Stunden der Andacht vergehen habend — — Mit einer brüsken Bewegung wandte ' Pfeiiermatm sich mit, oil-i ein Trupp junger Burschen ihm den Weg versperrte. Es moclsten liarmlose Leute sein, aber der ängstliche, scheue Niensch luitij ihnen ans — die Hecterkeit sorgloser Jugend war' ihm fremd geworden. Niin-sali er sicli gegen, seinen ^llilleit dem Rnutmelplntz lsingedräugt. inmitten einer Menge, die von den Würstelbilden zn den Luftscliankeln hinflutete. Das heisere Schreien der Bndenbesitzer, das angstvoll - - enlziickle Kreische» ans den llcieseii- . scliwänen. die int Sclieiitiverierliclst durch die neblige Abendliist flogen - alles ersichreckle de>t ölten Mann. Er ivar stellen geblieben, wo- Isin il>n der Schwarm grade lsiugetrieben Isattc: vor einer bunt angeinalleit ^Bretterbude mit der üblichen kleinen Kasse itebön dein slatterndeit Tbirhang. Ist eittem selsiibigeu Glvivnaiiziig. dessen Futter bliiid geivorden. siniid da ein'jiinger N<e>tscii nnd spielte eine lustige Nlelodie ans seiner- Harinuiiika.. wozu seine tragische Nigske mit dem riesige», ivetst iintschntiitklen Nimtd deii 'traiirigsten (vegeitsatz bildet». iJerächtlicti verzog Pseffermaun das Gesicht.— er verurteilte diesen kläglichen Spaßmacher —- nnd dabei entpsand er einen rätselhaiteit Schmerz, angesichts dieser osfenkiliidigeit Armut iiiib ergnältcit Lustigkeit - - Z.ugkcicli siel ihln ein alter Spruch ein: „Achte 'nie -ivcder irgend eine Persvu norl) eine Sache, geriiig: jede Person Ijot ihre Stiinde. jede Sache iljrctt Crt." — — --- ' In einer untlaten Beichäimmg l>eitete er' 'nun den 'Blickans den Gloivn' - nnd jetzt nihltc er sich magisch äitgezogen durch die Art. wie der Mauii 'beilti Spiel seines Schulter mit - beivegte! Elite verschüttete Eriniieriiiig durchslog den Alten: l>atte iticht Artur genau in. dieser Weise mit der. rechten Schulter gezttckt.- weltu er erregt warf Psesserntanit drängte 'ich bullteu heran, sc-ine Zähne schlugen leicht aneinaltver. Er hatte die Härtbe. verkrainpst 'uiid ivar nur Auge -- — Zitternd-wartete er. drß biete starre Ncaske dort oben durch eincit Blick siclj verriete'-7- - Ter Alte stand wie .sestgewllrzett und studierte mit ivachster Ausmerksam-keit jede