Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 45 (7.11.1935)
- Date
- 1935-11-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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XIV. Jahrgang / Nr. 4§ Berlin, 7..November 1935 Preis 10 Pfennig entralerein- ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftlnitung, Anzeigenannahme, Vcrtriebsabteilunsl: Berlin Wlii, Emser Strasse 4’2. Fernsprecher: .1? Oliva «t 1!—ITelegrammadresse: Oontral'jlaiilivn; V,e »V-V.-Zeitung“ erscheint wöchentlich am Donnerstag.^-Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die t;r$.-li:ift>-iel1,e entgegen. Zustellung erfnl durch den Postboten erhebt. — Bezugsgebühren: Abonnement .vierteljährlich - PO Rpf. (.Ausland 2.30 KM. umgereehiiet in die Landeswährungeinschliesslich Zustellgebühren.• °>'> I® kalle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung, oder .Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzefgengebiihren: Preisliste rgültig. Di«-, »--'gespaltene. Milln 10 Kpf., für Familieuanzeigen 16 Rpf., wettere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und I Postscheckkonto: Berlin 3017.2. •!l die Po>l. 'die die (lelullimi inier 10 l.-pf. -. Aiisl.iii'd 2" Kpf.-. Ein Charakterbild in der Geschichte v Zu Wilhelm Grau; „Wilhelm v. Humboldt“ Von Dr. Fritz Friedlaenäer Du aber tu es nicht gleich Unbedachtsamem Schwarm, Der. was er gestern bejauchzt, Heute zum Kehricht bestimmt. . Stefan George. Ist unsere gegenwärtige Lage geschichtlicher Besinnung abhold? Wir sind — mit dem attischen Tragiker zu reden — in das Wetter eines ungeheuren Schicksals geraten. Aber täuschen wir uns nicht, so finden wir nur bei wenigen echte Bereitschaft vor, die gegenwärtige Lage als eine Stunde des Schicksals in der Geschichte der Juden in Deutschland zu erleben und zu begreifen. Wir sind wert davon entfernt,'unsere jüdischen Menschen deshalb zu schelten: in bitterer Notzeit die Gelassenheit geschichtlicher Kontemplation zu üben, dazu gehört eine Selbstüberwindung, die fast, über Menschenmaß hinausgeht. Und doch kommen wir nicht umhin, unsauber die geschichtliche Verankerung unseres «eins — und insbesondere über ein Jahrhundert Emanzipation — Rechenschaft zu geben, denn von außen her wird ein neues Bild vom Wesen und Wert des Juden in Deutschland an uns herangetragcn. ein Bild, das zu eindringlich gemalt ist, um unsererseits unbeachtet zu bleiben, ein Bild, das uns zwingt, von ihm hinweg den Blick in unser Inneres zu senken, um Zeugnis äbzulegen für unsere und unserer Väter Arte Ter junge deutsche Historiker W i l h e l m Grau hat soeben ein Werk über „Wilhelm v. Humboldt u n d d a s Problem des I u d e n" veröffentlicht (Han s e a t is ch e V e r l a g s a n st a l t, Hamburg). Dieses Buch erhebt den Anspruch, mit den Mitteln und Methoden, kritischer Forschung eine neuartige Gesamtdentnng der Persönlichkeit Wilhelm v. Humboldts zu vertreten. Der Repräsentant des klassischen Liberalismus und der Humanitätsidee wird von der Ebene des nationalsozialistischen Wertsystems aus als völkisch unzulänglich erwiesen. Gran setzt unter das Kapitel „Wilhelm v. Humboldt und die Nachwelt" einen ablehnenden Schlußstrich. Nun ist cs gewiß eine Angelegenheit der deutschen Wissenschaft, die großen Persönlichkeiten des deutschen Volkes entweder positiv oder negativ zu werten. Wir hätten von ihren Werturteilen ebenso lediglich Kenntnis zu nehmen, wie wir davön Kenntnis genommen haben, daß die Wertskala des Hnmboldtschen Andenkens sich von der glorifizierenden Zustimmung seines Biographen Rudolf Hay m (1856) bis zu der kühlen und kritischen Interpretation Siegfried K a e h l e r s (1927) aüwä.rts bewegte. Es.berührt aber unser ureigenstes Interesse und fordert uns zur Stellimgnahme heraus, wenn wir bemerken, daß Gran Wilhelm v. Humboldts Stellung zu Inden und Judentum als die eigentliche (und bisher verdeckte) Ursache seiner nationalen Unzulänglichkeit erweisen will. Denn Graus Buch ist trotz seiner wissen- Diese Nummer umfasst 24 Seilen Sic enthält u. a.: Hauptblatt: Im Fernen- Osten. Von Dr. Mark IVischnilzcr. 1. Beiblatt: Aus den Kultu Schach-Ecke. 2. Beiblatt:- Ein Vormittag i Amt. — Chasdai ihn Sch Fritz Bamberger. — David klagt um Absalom. Von Manfred Sturmann. — Von den Wegen des Wohltuns. 3. ' Beiblatt: Ausgrabungen einer Synagoge am Euphrat. Von Prof. Dr.-Ing. 4. Beiblatt: Mai scher Geist, a 5. J Stiller und Greta ies Leben und jiidien Vortragssälen. schastlichen Haltung und Anlage leidenschaftlich aktuell 'gestimmt: von den Triebkräften heutiger deutscher Nationalpolitik erfüllt, macht es Humboldt nachträglich dainr verantwortlich. daß er die Judensrage nicht im Sinne der völkischen Rassenlehre beantwortet habe, daß er mit anderen Worten die Assimilation zwischen Deutschem und Indischem an, entscheidender Stelle, gefordert habe, wo Dissimilation nach Gräns Ansicht Völkischerseite erforderlich gewesen wäre. ' Der Jude als Dämon im Leben Humboldts, der , de als Mitschuldiger an seiner nativna.en Entwurzelung: das ist Gräns eigentliches Thema. Humboldts Jugendliebe zu Henriette Herz, seine Beziehung zu Dorothea Beit und Rahel Levin, seine innige Herzensfreundschast mit dem Studiengenossen Israel Stieglitz, einem Mediziner. sein freundschaftlicher Verkehr mit David- Friedländer, dem Oberhaupt der Berliner Judenheit, sowie sein -Umgang mit David Beit. Koreff. Frau v. Arnstein, dem Hause Rothschild und anderen: all diese jüdischen Menschen, die — abgesehen von den Rothschilds — zur Klasse der .-aufgeklärten Juden" gehörten, mithin-micht nnr religiös — sondern im Sinne hertttger Jdeolgie — national, das heißt volksjüdisch, entwurzelt waren, sie haben ihrerseits durch ihren Einfluß zur Entfremdung Humboldts von feinem eigenen Volkstum beigetragen. Wie ist nun — Grau zufolge — die Art des jüdischen Einflusses aus Humboldt beschaffen gewesen? Unheldische und materialistische Elemente gewannen dadurch an Boden, der unglückselige Hang zu einem optimistischen Rationälistmts und einem intellektuellen Epiknreertum erhielt weitere Nahrung, vor allem aber wurde der völkische Instinkt in Humboldt geschwächt: nur so konnte er sich mit.. dem Gedanken einer deutsch-jüdischen Mischehe befreunden und ein völkischer Werte bares Nationalgenchl zur Schau tragen. Nach Grans Anschauung hat Humboldt zwei Elementen die Rettung vordem Jüdischen zu verdanken: das Erlebnis des Griechentums, das ihm zum normativen Lebensideal wurde, löste ihn von dem Banne des „bildseindlichen" Judentums: das Aesthetische, der Schönheitsbegrifs des Hellenischen siegte über das Nnr-Ethifche. den starren. Sittlichkeitsbegriss des Indischen. Bor allem habe aber Karoline v. Dacheröden, Humboldts feinsinnige Lebensgefährtin, ihren nachmaligen Gatten ans der Nmstricknng der jüdischen Frauen, namentlich der Henriette Herz, befreit und. obwohl sie mit Rahel Levin eng befreundet war. von seiner jUdensreundlichen Haltung abznvringerr versucht. «:e hat ihn vergeblich vor den Jpdcn gewarnt. In zwei größeren abschließenden Kapiteln behandelt Gran Humboldts grundsätzliche Auslastung des Jndenproblems und isbann die Jndenpolitit. die er wächrend seine: Wirksamkeit als preußischer «taatsmai i: geübt hat. Humboldt ist für eine radikale Emanzipation der Inden eingetreten. Er zählte ■ den modernen aufgeklärten Inden, der sich die deutsche Sprache ungeeignet hat. zum Begriff .Deutschland". Während Christian Wilhelm s. Tvhinc der Vorkämpfer. zumindest Wegbereiter der Jndcnemanzipanvn zur Zeit Mendelssohns, den Inden als B ü r g e r emanzipieren wollte und daraufhin feine 'Naßnahmen politifch-pädagogifch anlegtc. versuchte Humboldt in philosophisch-grundsätzlicher Einstellung den Inden al? jl e u > f cf)en zu elirittizipiere^^^lMstMntstiitrntnng mit seinem Humanitätsideäl bemühte er sich. diesegipf-bt—ÄWC ^IiidPkMMitlf^zii'«KLreichen. Bei der Gründung der Berliner Universität, seinem ..bedeutendst, n nationalen Lebenswerk" hat er dafür Sorge getragen, daß die Statuten keine Behinderung für Inden als Dozenten enthiel-cn. «ein s Gutachten von 1v09 hat die C für das 111deneina > izipationsedikt von 1S12 gelegt. Auf dem Wiener Kongreß ist Humboldt ebenfalls für die Gleichberechtigung der Juden eingetreten. Einen behntfaineren und rücksichtsvolleren Anwalt s-ckneint Gran . hätte sich das Judentum nicht wünschen . können. ■ : Gran trägt seinen Angriff nicht nur gegen Humboldt und die demo-liberale Weltanschauung des vorigen Jahrhunderts, sondern vor allem gegen jene Form neueren Judentums vor. die ..liberales". ..aufgeklärtes" oder ..Assimitalionsjildeiitnm" gemeinhin genannt wird. Er spielt das N'atioitaljndentnm ld. ly. das Judentum vor der Emanzipation) gegen das sogenannte Assiinilationsjudentnin ans., gegen das er den schweren Borwnrs der nnbeyngten Eiitmischnng in die inneren Angelegeitlyeiten des deutschen Volkes erhebt. Eine solche Kritik des Assimilativnsjndenlnms findet bei den heutigen Vertretern nationaljüditcher Anschanitgeii pieliaely Zustimmung: und die änssallend srettndliche Besprechung, die Grans „Wilhelm v. Humboldt" in der führenden nationaljüdijchen Zeitung' Teittschlands gefltnden hat.'dient hierfür zum Beiveis. Jene symptomatische üiezensivn empfahl ..angesichts der grundsätzlich judenseindlichen Ariomatik Grans, sollten tvir uns abgewöhnen. darüber unruhig zu werden, unsere Objektivität zu verlieren und P--leidigt;n sein." Wir gestehen nun offen.'-^ß es uns schwer fällt, die anempfohlene zglcichmütige Haltung gegenüber einer Darstellung zu bewahren, die „von der Leere uitd Untiefe'der jüdischen. Seele" spricht, und die ferner behauptet, daß ..je schtoächer die Staatsgeivalt des Wirtsvolkes" fei. „dies dem jüdischen Menschen desto angenehmer" erscheine. Können rvir es ruhig hinnehmen, wenn Grau unter Berufung aruf Passarge dem sephardischeit Inden znbilligt, daß er „nicht das große 'Maß des Abstoßenden an sich" habe. - das den aschkenasischcn kennzeichne? Eine.Thcic Graus,-daß der Jude. ..der ja von Haufe ans ein negatives, Verhältnis zum Staat an sich" habe. ..das große Beispiel einvs staatslosen Bolkes' bedeute, war allerdings dazu angetan, auch die nalionaljüdischc Kritik vorsichtiger zu stimmen. Wir perkenuen dabei keineswegs die außerordentlichen Schwierigkeiten, die einer Klarstellung unseres Standptlnktes nitgegcnstehen. Niemand von -uns will ° iür irreale Dinge Propaganda treiben, ,'jtzenn ivir aber (vrans'Kritik der jüdischen Aüimilation jm deutschen Raum nicht anzilerkennen vermögen, io geichtelyt es deshalb. yveil yvir uns liiäyt damit zuirieden geben tönnen. daß unsere Bedingungen der Bergaugenheit ausschließlich mit dem ^öertmaßstabe einer völlig veränderten Gegenwart, gemessen - werden. Niemandem tvürde es beitallen, über dem Napoleon, der bei ^tzaterloo/tchejtevie. den Napoleon, der bei AnNerlitz siegte. :i, geüen. Auch die Epoclye der Emanzipation, der Juden,in Teiiticjiland die den Asnuiilationsvorgang in,sich schloß, hakte ihre-große V.eit und ihren getchichtlielyen Sinn. - Selbst die lüttere Erkeiuttnis. daß ihr Ende gitommen, ist. entlündet nstlyk oon der Berptluhttmg... üe in ihrer E i g em-g e ' e tz l i ch f e i t Zn öegreiten, .'Ndgliely wäre dies nnr dnrcly eine Beträetstnugsweiie. die in einer dem Tagespvliti'chen. entrückten Höhenlage die Assimilation als ein B h a n v m e n' fvivoiyl der G, c i si e s g e s cly i ch't e ivie der G e v - Politik begretit. Um den Begriff der A'nmilation in 'einer großen Tieie ttnd Spanntveite zu ermeüen. 'ei es oeritattet. an' das größte diesbczngtiUie Beispiel in der derttsdien Bildunasgeschichte vergleichsweise kurz lynp!- weisen: die 'Assimilation des Tentschtnins aä die Antike. Seit der lateinischen Poesie di.s _dec 'Aonnmentalität romanisclyer Tome ist neMüs zu Sckyinkels Baukunst und lüeorges Tichtkunn hin ans der -Geschichte des dentsgyen Geistes nicht mehr iork-- zudenken. 'Niemand — von der ertrctnc:i ..Nen-Gotiker"-<vrnppe unter Richard B -? n; abgesehen — wurde ernsthajt daran I^eicli8mmi8ter 0r. Frick über das Reichsbiirgergesetz ,\m :liiiinnen einer :>iede. die äieubsiiniennnni'ier Dr. ,Zri>s an' einer nud-eii Ben in lenveriannnluniy in, 'berliner gportyalasl am -'tt. Ok> tvver hielt, sprach er über die ''i'iirnderiyer vnüetze, Tadel iiilyrte er. nach einem Bericht der ..De nts cly e n '?> 1 1 >y e in e i n e n.,f eit» »-g"'vo»t >. Avvenil'er. sollendes ans „Dnräi das 'lf e i eit s h u r g e r i, e i e tz nnler- ' scheiden >mr Nale-im >eii. den Slaalsangelyorigen und den '!ieia>--hnr>yer. den grager der tzvlilische» liechte. 'lieiilishM.yer kann nnr ein dent'chhlnliaer Zi'olk-.-genoiieS'eiii. Dainil hahen ivir die .'lrier'raae »nn iveiter wrtgeiilhrl znr Indengesetzget'in>,yE E-, wird in den Ans> iiihrnngsheiliininniige» noel, tlarer geiagt iver--- den. das; der Ende, uteilt .Micher politischer Rechle in Denliitiland >e,.n und anrh lein osient. iiehes Ainl bekleiden kann Dieie-v-esetze werden - sieh;nin Segen des dentfcheiy 'Avlkes answirkeii. Wir sind dnrehan-- lern davon., a-ie ,Z>id.e» etiva lüsaniss Bin! zu analen: Nür ivvllen ans legalem Wege eine klare Scheidung enilrelen lassen, . Wenn sie diirchgesiihrl in, ivird e-- keine Be, schwerden mehr, geben." i/fyUNV-{?/MUr r (J/O 10. Novbr. 1 9 3 5 JütlisclinnnhHHlfe Die Reichovcrtrctuiig dec Juden in Deutschland teilt mit: :'ini kvinini'iideii Smiiiiaa wird ',nin er'teiiin-ik, im :iiahnieit - der iti■ iih-ii Vl;'utrrlti!’t-, in ahnt indisehen tc„.„,i',„p,-„ die bintov's,t»i,iii„,ig dnrciiae'iihrt werden,. in iiir da b ing.-n nnsereS ^tt-'-wertes >>o» graßter Bedeutung, d-ü': dieser erste bii>loo'i,i,u,>aa ein >'i'II-er'--r'aig 'ein ivi'id. .Zehn» >an'ende >wii.Brdnr't-igeng!>,ii-y> n. -in' iehnelle..H'lte iin'- 'lamhs geget, HiiiigMillid '.«.Vite: Sie .Zndi'liie , Wiiiterl'.il'e »nitz ,,, der vage sein, jeden'.Wec sich an Gr wendet, t'n'tefirn (oiuine - Sie Vii'tt'ediii'tigeii 'ollen en'i'iang! n-: i. etii.im Berlin zwei >' .'’,r!!tiiev Hnijlrif pv'J Eannlid nnd -Blvna?. / - - J. je' iiacl, der l'-ivV der .gim,!>e ein bfre mehrere /initiier B-irlv"eiu nn '"i'onnt , pel'cn.-mittcl iii: hhert g'on - g-Bl '!!>, jedeä -'I.il'de0i!r'tIgeit INI Hansbalt n,s0 Monat. - . - Daneben innnen St'''>'>>>>gen »nd gkeidertan» liiern/aii-r-r-entiend ,in--gcsta!!et iverdcu.. T-ie E'!d'ü!"' Svinterhilie ans nie ürlr<ignisse der Sannnlnng de- .er'ien integ'-'iminlags angewieien. D'd Antrnte nn'erer düeiw.-indeii minim, ’i.irfitm Widerhall tinden. Scder inrge durch Dv'er und Blitarhen dainr, dast schneit lind rcnchhch geholfen we-cvrn 'kann.