Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 43 (24.10.1935)
- Date
- 1935-10-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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, ■' . . ' ■; w XIV. Jahrgang / Nr. 43 Berlin, 24. Oktober 1935 Preis 10 Pfennig entral ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS 'Geschäftsstelle (Verla®, Schriftleitnng, Anzeigenannahme, Vertriebsabtef tjing): Berlin W 15. Einser Strasse 42. Fernsprecher: .12 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 3047?. j e•••C.-V.-Zeitung“ erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt, durch' die Post, die die Gebühren durch den Postboten, -erhebt. — Bezugsgeböhren:« Abonnement vierteljährlich 90 Rpf. (Ausland'2,3ü RM, mngcrechnet in die Landeswährung'! einschliesslich Zustellgebühren. , Einzelnummer 10- R|»f. (Ausland 2U Rpf-'- Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung, oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. —- A-äzelgengebühren: Preisliste 5 eiiltig. Die 12gespaltcnö Milliraeter-Zeile 2t» Rpf.. für Stellengesuch» 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. . Platz-. und Datcnvorschrifteu ohne Verbindlichkeit.. 11 ' I. . Ä.H. Unter zwei Kundgebungen jüdischen Gemeinschaftsgefühls und jüdischer Arbeits- Verpflichtung, die nach dem 15. September 1935 ergangen sind, steht ein neuer Name:, „Central-Verein der Juden in Deutschland". Niemand hat gezweifelt, welcher Verein das eigentlich sei, und niemand der Mitunterzeichner der beiden Kundgebungen — der Programmerklärung der Reichsvertretung und des Aufrufes für die Jüdische Winterhilfe hat Einwendungen dagegen erhoben, daß dieser Name an der Spitze der jüdischen Organisationen abgedruckt werde. Jeder wußte, daß es sich um den neuen Namen des alten Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens handelt.. Mit schweigender Zustimmung, dem Ausdruck tiefen menschlichen Respekts vor der größten Organisation des deutschen Judentums in dieser Stunde seiner Namensänderung, nahm man von der Unterschrift Kenntnis, die erstmalig nicht etwa unter organifationseigenen Verlautbarungen oder Ausrufen stand, sondern eben dort,-wo der Name des C.-B. seit je und vor allem in den letzten 34 Monaten zu finden gewesen ist: wo überparteiliche und sachliche Arbeit für die Gesamtl)oit geleistet werden sollte. Am Tage nach den Nürnberger Gesetzen, am 16. September 1935, hatte die Leitung des Vereins beschlossen, dem Registerrichter die Veränderungen des Vereinsnamens und der Bereinssatznng anpimeldeu, die sich ans der neuen gesetzlichen"Lage der Inden in Deutschland zwangsläufig ergaben. Nürnberg hatte zwar nur stimmungsmäßig und großenteils auch schon tatsächlich Bestehendes unserer: Lage kodifiziert. Wenn ivir trotz dieser Erkenntnis die formale Veränderung unseres Namens und unserer Satzung nielil schon, vor her vollzogen Hallen und die neue Nr beit, die die Organisation seit 1933 bereits verrichtete. erst jetzt ihren formulierten Niederschlag finden ließen, so geschah es ans der. Erwägung:, Tie.'Männer, die Id93 den Eentral-Berein dentscl,er Staatsbürgerjüdischen Glaubens gründeten, täten es in dein Bewußtsein, damit einen geschichtlichen Auftrag an die Inden Deutschlands zu erfüllen, Dia. Leitung des Eentral-Bereins in diesen Jah^ ren. die durch eine eininütige Vertrauens - knndgebnng der Hanptversainnilnng bestätigt... worden ist, hatte sich nicht für befugt erachtet, diesen Auftrag abzngeben. ehe il>n die Geschichte nicht, selbst ihnen wieder abverlangts. Am 15. September 1935 vollzog sich dieses Ereignis. Nach diesem Dag die alte Jahne, des Vereinsnamens. die seit 1933 fast nur noch eingerollt geführt worden war. dem deutschen Judentum weiter' voranzntragen. wäre nicht, traditionstreuer Idealismus, sondern Ton-' auichotterie gewesen. Und dies entspräche nicht unserer Tradition. Tie außerordentliche Hauptversammlung hatte auch im Jormellen eigentlich nur for- . male Bedeutung. Ten angemeldeten Berän» dernngeii war ans den Ortsgruppen-, und sonstigen Borstandsgremien bereits sichrifllich einhellig gigestinunt .worden. Nb er trotzdem war ein stattlicher .Ureis der G B.-er erschienen, alte und junge, die der Bereinsleiluug auch Persönlich ihr-Vertrauen und ihre Zustimmung ansdrücken ivollten. Es war shmbolifch, daß. die ^Ipranstaltung in der Hanpfgeichäftsstellc vor sieh ging, in unmittelbarer Nähe der Räuine. in die. seit Jahren ratsuchende Rienselien kommen. Ter Geist, in dem die Aenderungen vorgescl,lagen und be? ivilligt wurden.stieß-es überflüssig erscheinen. Vorgänge und Beschlüsse. die durch die Geschichte überholt sind, aus'den'Archiven her. vom,„suchen, um sie svrine» außer.Uralt;u. setzen. Man wollt? jüdische Zuluuft und kein? jüdischen Ausgrabungen. Die neue Satzung des E.-B. ist ein ehrliches ^ß-keuuluigir jüdischen Aufgabe, die cher E.--B. eriisi und freudig verivirllichen will. II. Nicht vom ersten Augenblick des Bestehens des Eentral-Bereins an in die E. 31'.-Idee ideenmäßig bestimmbarer Nealismns ge wesen. Tie Männer,chie ihn schufen, waren daiür zu sehr Kinder ihrer Zeit. -'Aber der Keim alles Künftigen, auch der neue» sttzog. lichkciten der E.-B.-Jdee, war damals bereits'' Die vorliegende Nummer umfasst 24 Seilen: Sic enthalt u. a.: Hauptblatt;, Die Zerstreuung der Juden über die Erde. Von Dt. R—z. 1. Beiblat; IVer eignet sich sur' Werkarbeit? Von Dipl.-Ing. Rar,ul Liehenthal. — Pädagogische Sprechstunde. Von Alfons Rosenberg. 2. Beiblatt: Eröffnung des Berliner Lehrhauseß. Von Dr. Werner Rosensfoc.lt. — Das Treffen des deutschen' Hechaluz. Von Heinz Warschauer. — Die Löwenfeile. Von Leo Hirsch. 3. Beiblatt: Das Blatt der jüdischen Frau. 4. Beiblatt: Sportblatt. ’ ' 5. Beiblatt: Betrieb und Betriebstührung. Von Artur fuliushurg. — Devisenrechtliche Fragen für Auswanderer. Von Rudolf Gräupner. . ‘ Eröffnung der Jüdischen Winterhilfe Ansprachen von Dr. Leo Baeck und Heinrich Stahl Im großen Saal des Brüdervereins-. Hauses in Berlin fand am Dienstag, dem 22. Oktober, eine Kundgebung zur Eröffnung - der Jüdischen Winterhilfe statt, zu der alle Persönlichkeiten, die in den jüdischen Reichs» vrgarrisationen und rn der Berliner jüdischen Gemeindeverwaltungvor allem aber in der Wohlfahrtsarbeit tätig sind, und ein großer Kreis an der Arbeit sonst interessierter Menschen geladen waren. Das Podium, auf dem. das Orchester des Jüdischen Kulturbundes Berlin Platz genommen hätte, zeigte im Hintergründe ein Transparent, Symbol der Jüdischen Winterhilfe: auf weißem Grund ein blauer Davidstern, in der Mitte das Licht, dessen symbolische Kraft Dr. Baeck. in. seiner Ansprache erläuterte,'und die drei Buchstaben JWH: Jüdische Winter-Hilfe. Unter Leitung von Generalmusikdirektor Joseph Rose n stock spielte das Kulturbund-Orchester Beethovens Egmont-Ouvertüre. Dann folgte die Ansprache des Präsidenten der Neichsvertretung der Juden in Deutschland, Leo Baeck: „In den nüchternen Worten, die von unserer WinTerhilfe sprechen, ist uns ein Großes gesagt. Wir stehen vermöge der Winterhilfe, die uns übergeben ist. vor einer Ausgabe, die uns groß und bedeutungsvoll gestellt ist. Das bedeutet zugleich, wir sind zu einer Freiheit hingeführt. Tenn das ist sittliche Freiheit: eine Aufgabe besitzen, die kein anderer einem 'abnehmen, kann, der man sein Selbst, sein ganzes Herz, seine 'ganze Kraft zuwenden darf. Alles Große im Menschenleben ist eine Gelegenheit, eine Möglichkeit. Tie Vorsehung - schickt dem Menschen nichts Erfülltes, sondern sie schickt ihm die Stunde, die Gelegenheit. Alle Schuld ist versäumte Gelegenheit und aller Segen im Leben des einzelnen wie der Gesamtheiten ist begriffene, benutzte, verwertete Gelegenheit. Zu uns ist nun die Stunde geschickt, die Stunde. 'Menschen zu Helsen, Menschen zu finden und darin uns alle zusammsnzufinden. Die Stunde ist bei uns, damit wir sie ergreifen. Um uns erhebt sich das Schicksal. Es droht uns oft zu erdrücken. Aber das wäre das Schlimmste, wenn das Leben mit seinem Truck uns sinnlos werden sollte. Aller wahre Glaube ist Glaube, der sich über das Schicksal erhebt, ist der Wille, der in diesem Glauben erwächst, der Wille zu gestalten und zu schanen. das Gesetz zu erfüllen. Durch unsere Winterhilfe können wir stärker werden als ein Schicksal. Wir sehnen uns nach einem Lichtstreiien -am Horizont.' Wir warten auf dieses Licht. ' Wir zollten über dem"Warten nicht. das Licht vergessen, das wir entzünden können und das - uns in der Finsternis leuchten soll. Wieviel Helligkeit, wieviel Wärme können wir in uns und in anderen schäften. In uns dadurch, daß wir geben, in anderen dadurch, daß wir ihnen geben durch Mitdenken, Mitsühlen und Mittragen. Es gibt nur eine Einigkeit, die, welche durch die Pflicht geschaffen wird. Dadurch. daß sich einer in den andern hineinversetzt/hinein empfindet, dadurch, daß so allen einvon di n einer. ' reitet. deü'^oeinMeitergetragen. . Vor 36 JahröstZ^im Monat Tischri. hat Brak ik in einem - Gedicht, dem bewegtesten, dem erlebtcsten vielleicht, das er geschaffen hat. zur Hilfe aufgcrusen!^ Jeden Hunken Kraft und Licht, den Gott in "die Brust uns gab, wir wollen sie sammeln, sie zusammensügen in eines. Richtet auf das Volk, erhöht das Geschlecht, holt hervor das Licht, holt hervor das Licht. Sv hat er gesprochen und io spricht er zu uns in dieser Stunde. Vor uns steht die Ausgabe, vor uns diese Freiheit, vor uns die Gelegenheit, vor uns die Stunde, vor uns das Opfer: Holt hervor das Licht, holt hervor das Licht'/ Nach diesen mit Inbrunst und Hingabe viel fach abgewandelten Gedanken Tr. L a e ck s, die dem Werk, das nun begonnen wird, den Sinn gaben, nahm der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde. Direktor Heinrich Stahl, das Wort, um über den Inhalt-der zu lösenden Ausgabe Aufschluß zu geben. Er begrüßte zunächst nnmenä. des Vorstandes der Berliner Gemeinde vor allem' die Rabbiner und die aus dem Reich erschienenen Gemenidcvertreler und gab das Versprechen ab. daß die Gemeinde. so wie ne es bei ihren sozialen Pflichten gewöhnt sei, auch bei der Jüdischen Wiuterhilte, bemüht sei t werde. die Zusammenarbeit mit der Zentralwo! liahrtsstelle so zu gestatten, daß der gesamten Jrdenheit in Deutschland gedient werde. »Er schätzte die Zahl der zu Betreuenden in Berlin aus 30 000 Menschen. zu denen aber noch die mehr als 6000 nt» der Provinz kommenden Bedürftigen hin-: czurechnen ieien. Ein Drittel, denen, was die berliner Jüdiiche Gemeinde ausbringt, wird außerdem einem Jonds zugeführt, der der Unterstütz,!der Hilfsbedürftigen im Reiche dient. Du- Einteilung in Wohliahrtsbezirke ist entsprechen' der Gliederung im Berliner Wohl .sahrtswese, r-wgenommen. Unsere Bezirke. Unterabteilung n lind Gruppen bi4^ zu den Blockwarten hinab, io führte Direktor Stahl aus; lagen keinen Gel enden und-Nehmenden aus und die Gemeindesteuer-Verwaltung muß datür sorgen.. daß alle Jttüen tatsächlich ersaßt werden. Auch die aus de: Gemeinde oder dem Judentum Ausgetretenen. welche'rein jüdischen Ltamnws und. äl,'o alle, - ie gesetzlich als Dolljuden - bezeichnet werden, so'leg hinsichtlich der Jüdischen Winterhilfe als stn'.pfängcr und - Spender zu uns gehören. - I,. Verschiedenen Besprechungen ist bereits die" Sammeltätigkeit genau abgegrenzt worden. (5ctlluß der Rede von Heinrich Stahl im 1. Beiblatt,. Reicher Beifall. Ausdruck bes Tankes-für die schon aeleistete.Vorarbeit für die Jüdische Winterhilfe und -Versprechen zur Mitarbeit zugleich, dankte beiden Rednern. Tann löste der Klang von - Mozarts Haffner-Sinfonie den Ernst der Stimmung und eine große Zahl von Sammlerinnen mit Büchsen konnte. als Kir übervolle Saal sich langsam leerte, die erste Ernte einsammeln. Bibliographie iüdischer^Werke Wer heute beginnt, sich Jüdischer Vergangenheit und Gegenwart zu beschäftigen, wer heute etwas Jüdisches lernen will, siebt sich vor eine ungeheure Menge von Büchern und Schriften gestellt. In reicher Zahl bieten sich gelehrte Werke und volkstümliche Darstellungen, Monographien und grosse ticberblicke, Nachschlagwerke und Anthologien, und es ist schwer, aus diesem ständig wachsenden Büchermeer das Wesentliche herauszugreifen. Wo man auch anlängt, in jüdisches Schrifttum und jüdisches Werden einzudringen, wird man bald von dem eigenartigen Reiz dieses Studiums gefangen sein ,und weiter zu forschen suchen. In systematischer Folge werden eine Anzahl von Büchern, die für die Einführung und das erste Studium wichtig sind, genannt. Umfangreiche Werke finden sich neben kleinen Schriften, neue und neueste Erscheinungen neben älteren Ausgaben. Da aber das Material nicht zu einem quellenrrtässigen Durchdringen einzelner Gebiete gegeben werden soll, werden von den eingehenden Wissenschaftlichen Werkennur wenige aufgezählt -werden: nach Möglichkeit sind aber auf jedem Gebiet die grundsätzlichen Schriften genannt. Bei einer solchen kritischen Aufzählung ist Beschränkung geboten, und manch wertvolles Buch musste beiseite gelassen werden; jedoch glauben wir, die für das Studium und die Lektüre notwendigsten Bücher genannt zu haben. , Im Folgenden. geben wir einen Ueberbiick über die einzelnen Abschnitte der Bibliographie: I. Allgemeine Werke. II. Geschichte (allgemein). III. Geschichte der Juden in Deuf.chland nach Ländern und Städten. IV- Bibel, Talmud und Literaturgeschichte. V. Kulturgeschichte. VL Gegenwartskunde, Soziologie. VII. Deutschtum und Judentum. s/111. Zionismus und Palästinaaufbau. IX. Religiöse Fragen und Wesen des Juden- X. Belletristik. - Wir beginnen im 2. Beiblatt de, vorliegenden „C.-V.-Zeitung" mit dem Abdruck. Fortsetzungen werden in jeder übernächsten Nummer erscheinen, so dasstÖfse Serie mit der Aufsatzreihe „Jüdische Gestalten und ihre Zeil“ abwechselt. Die Druckanordnung ist so getroffen, dass jede Fortsetzung ausgeschnitten werden kann.