Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 41 (10.10.1935)
- Date
- 1935-10-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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charitative Körperschaften für die Juden in Osteuropa und im Orient ins Leben zu rufen. Die englische Judenheit gründete 1871 die Anglo-Jewißh Association. 1878 wurde die Jsraelische-Allianz in Wien geschaffen, 1901 wurde der Hilfsverein der Deutschen Juden begründet, 1906 folgte das American Jewish Comittee. , Der Hilfsverein der Deutschen Juden, der jetzt den Namen „Hilfsverein der Juden in Deutschlands trägt, ' trat an die Stelle provisorischer Hilfskomitees, die sich je-> Werls, konstituierten, wenn Notrufe aus dem Osten nach Deutschland .drangen. In den Kreisen der Alliance wurde diese Gründung? zunächst als unfreundlicher Akt und als „engherziger Chauvinismus" aüfgefaßt, jedoch fetztesich allmählich der Gedanke der territorial begrenzten Organisierung des Hilfswerks durch. Auch die Filiale der Alliance, die seit 1873 in Deutschland bestand, wurde 1903 entsprechend diesem territorialen Prinzip zu einer „deutschen Konferenzgemeinschaft der Allianz" umgewanvelt, die eine gewisse Autonomie gegenüber Paris wahrte. Mit Ausbruch des Weltkriegs stellte-die Konferenz- , gemeinschaft ihre Tätigkeit ein. Wir gedenkenmit besonderer Dankbarkeit; all der Mühe, die 75 Jahre Arbeit der Alliance repräsentieren. Und wir. wünschen ihrihrem Vorsitzenden Sylvain L s v i (dessen. Persönlichkeit noch - besonders gewürdigt werden wird),; und ihrem Geschäftsleiter.' Sylvain. Ha lff. es möge dieser Arbeit weiterhin recht viel Erfolg vergönnt sein. - - Sylvain Levi Her Führer der Alliance und grosse Orientalist Sylvain Levi ist am 28. März 1863 in Paris geboren. Er zeigte frühzeitig eine ausgesprochene Hinneigung zur Antike und hatteursprüuglich beabsichtigt, die französische Hochschule in Athen zu besuchen. Als er dann aber seine Studien an der Sorbonne begann, würde ihm — eigentlich durch den bloßen Hinweis von Renan auf das Kolleg des Abel Bergaigne — bald eine ganz andere Laufbahn bestimmt. Die Vortragsweise des großen Sanskrit-Forschers, eines der wenigen Europas, beeindruckte den Studenten so stark, daß er sofort für die Materie eingefangen wurde. Als der Orientalist Darmesteter den jungen Sylvain Levi, der durch seine große Begabung frühzeitig die Aufmerksamkeit bedeutender Männer auf sich zog, für seine Avesta-Studien zu gewinnen suchte, spürte dieser bereits, daß nicht der Iran sondern . Indien lebenslänglich seine Domäne bleiben würde. Ungewöhnlich schnell absolvierte Sylvain Levi die Universität. Mit 20 Jahren bestand er das Staatsexamen — von dem Zweiundzwanzigjährigcn veröffentlichte bereits Frankreichs größte Zeitschrift für Orient- Wissenschaft einen Aufsatz —. mit 23 Jahren wird er zum „?roke58eur pour l'lndianisme" . an der „Ecole des Haukes Etudes" ernannt — an Stelle des Hauvette Besnault, der sich von seinem Posten zurückzog — und unter feinen Hörern befanden sich Männer wie der Kunsthistoriker und Archäologe Fvucher und Meillet, der später Levis bester Mitarbeiter wurde (namentlich bei der Rekonstruktion verschiedener Dialekte zentralasiatischer Sprachen). Mit 31 Jahren hat er bereits einen Lehrstuhl für Sanskritforfchung am College de France inne. 1890 doktorierte er dann mit zwei Thesen: in französischer Sprache über „Das indische Theater" und in lateinischer Sprache über das Thema: „Quid de Gratis Veterum Indorum Monumenta Tradiderint“, und in demselben' Jahre erschien in der „Revue Bleue“ seine Arbeit über „Bergaigne et rindianisme“. Es war für Sylvain Levi ein sehr schwerer Schlag, als der von ihm hochverehrte Lehrer im Jahr vorher als Hochtourist den Tod in den Schweizer Bergen Zeichnung von Alice Rosendorff fand. Man machte übrigens Sylvain Levi, der nun mit ganzer Energie versuchte, das Werk von Bergaigne fortzusetzen, auch zu dessen Nachfolger als „President de 1a Societe Asiatique“. Sylvain Levi knüpft an die große Tradition der französischen indologischen Forschung an. Nachdem es lediglich die Gier nach Macht und realen Besitztümern gewesen war, welche im 16. Jahrhundert die Portugiesen und zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Perser dazu getrieben hatte, Indien auszubeuten und ihr Reich bis dorthin auszudehnen, war es den Franzosen Vorbehalten geblieben, diß geistigen Kulturgüter dieses Landes dem Okzident zu erschließen. Männer wie Abraham-Hyacinthe Anquetil-Duperron (1731 bis 1805), der Entdecker der Vedas der Hindu, Stifter des Grundstocks der orientalischen Bücherei der. Bibliothöque Nationale, Antoine Leonard de Chezy (1773 bis 1832), Sanskritist, waren die ersten Orientforfcher, noch bevor die englische Wissenschaft sich diesem Zweig zukehvte. Und seinen unmittelbaren Vorgängern Eugene Burnouf (1801 bis 1852) und Abel Bergaigne hat Sylvain Levi es zu verdanken, daß er seine, eigenen ersten Sanskritkenntnisse nicht aus akademischen indischen Abhandlungen zu schöpfen brauchte, sondern , aus den Inschriften und Handschriftendokumenten, die in Kambodscha gesunden waren, entnehmen durste. 1897 bis 1898 hat Sylvain Levi dann selbst in einer Mission für die Sorbonne seine erste Reise nach dem Nepal, Indien, Japan und Indo-China unternommen und mit Hilfe des Generalgouverneurs von Kotschin- . china seine Lieblmgsidee. eine - französische Hochschule für Ostasienkunde zu gründen, in " Saigon verwirklichen können. 1898 nach seiner Rückkehr nach Frankreich erschien seine ,jvoetrine du Lavrlkice dans les Brahmanes“? und die „Ecole des Hautes Etudes“ ernannte ihn zu ihrem Direktor — später zu ihrem ^resident de Section. Sylvain Levi las über Vedgnta Sara und Uttara-Charita, hielt eip Seminar über die Piyadasi-Jnfchriften ab, organisierte außerdem eine Seminarklasse für das systematische. Studium des Chinesischen und Tibetanischen an Sanskrit- und Pali-Texten unter der Leitung von Specht. Seiner gemeinsamen Arbeit mit dem Sinologen Edouard Chavannes entspringt ein Aufsatz über sino-indische Kultur, und somit verkörpert auch Sylvain Levi jenen Zweig der Wissenschaft, den die Franzosen allein repräsentieren: das vergleichende Studium der beiden ältesten noch erhaltenen Kulturen Asiens. Wenn man Sylvain Levis Bibliographie zur Hand nimmt, so sieht man mit Staunen, daß es überhaupt kaum ein Spezialgebiet der Indologie gibt, aus dem er nicht Spuren seiner Forschung hinterlafsen hätte: sei es das Ritual der Beden, seien es die Dharmapadatexte, in denen sich der indische Geist außerhalb Indiens dokumentiert. oder das Studium der Ergebnisse der Pelliot-Mission/für das er 1910 ein besonderes kleines Seminar gründete. Sylvain Levi ist auch der erste Jndologe, der seine Jndienkenntnisfe. die wohl umfassender sind als je eines anderen, den Problemen der Geschichtsforschung nutzbar machte. Es ist seine Forschungsmethode: „dem kleinsten Faktum sorgsamste Beachtung zu schenken, da es. bei richtiger Interpretation unendliche Möglichkeiten an - Rückschlüssen eröffnet" und — wie es im Hindu- Wort heißt: „man die Unendlichkeit an einer Pfauenfeder auszeigen kann." Nachdem er.zwischendurch auch einmal in das „Land seiner Väter" gegangen war (Sylvain Levi stammt von elsässischen Eltern ab) und 1A Semester am orientalischen Seminar in Straßburg gelesen hatte, folgte er 1921 einem Rufe des Rabindranath Tagore an seine Siedlung Santinikethan-Visvhabarati, wo er während VA Jahren Kurse hielt und bei seinem großen indischen Freund selbst die bengalische Sprache erlernte. 1926 begibt sich Sylvain Levi wieder auf eine lange Reise nach Japan, wo er das sranko-japanische Institut gründet, nach Java, Bali und dem Nepal, wo er allein vier Monate bleibt und unter größten physischen und geistigen Anstrengungen seine Forschungen fortsetzt.- In diesem Lande, das sonst den Fremden völlig verschlossen bleibt, genießt Sylvain Levi großzügigste Gastfreundschaft. sogar die - Protektioü des Maharadscha und erwirbt sich die Zuneigung vieler Einwohner! 1905 bis 1908 erscheinen drei große Bände über den Nepal (Annales du Musde Guimet). Die phänomenale Schaffenskraft und Produktivität. welche Sylvain Levi sein ganzes Leben lang eigen waren, sind auch dem Siebzigjährigen noch geblieben. Auch dem letzten Jahrzehnt entstammen, bedeutsame Arbeiten, wie L’Inde et le Monde (1928), L’Indochina (1931), Le Systeme de la Philo-, sophie Bouddaique (1932), Aux-Indes Sanctuaires (1934), Fragments de Textes Eoütcheens (1934). Sylvain Levi hat sich von jeher sehr für! “ die Judensrage eingesetzt. Seit 1898 ist er Mitglied des Comitd de 1’Alliance Israelite Universelle, fett 1920 ihr Präsident. In Versailles war er der Vertreter der französischen Delegation, die über den Anspruch der Juden auf.Palästina befragt wurde. Ohne im entferntesten selbst ein Zionist zu sein, ging er doch im Jahre 1918 aus je fünf Monate mit der zionistischen Mission nach Palästina und nach den Vereinigten Staaten, um das Judenproblem zu studieren. ' Ein Mann von Herz und Hingabe hat er unzähligen jungen Menschen dazu verholfen. ihr Studium zu ermöglichen. Und auch ihm ist hauptsächlich die Begründung des Hilfskomitees der jüdischen Wissenschaftler im Jahre 1933 zu verdanken. Vielen deutschen Umversitätsprofessoren, die ihr Amt verloren hatten, verschaffte er einen Platz an ausländischen Universitäten. Größte Freundschaft verbindet Sylvain Levi seit Jahrzehnten mit dem Großrabbiner von Frankreich Israel Lövi. Zum 70/ Geburtstag widmet er ihm eine Arbeit „Les Prohlßrnes indohdbr&iques“. (Revue des Etudes juives 1926). 1918 erschien sein Aussatz „La Renaissance Juive ä Judee“. Eine bezaubernde Bescheidenheit zeichnet -diesen kleinen und doch so.großen Mann aus. Koryphäe europäischer Wrssenschast. in Indien wie ein Gott verehrt, von allen Schülern dankbar geliebt und in den verschiedensten Pariser Kreisen — bis zum hohen Militär hinauf — eine große Rolle spielend, hat er auch heute noch nicht seinen fast rührenden Habitus abgelegt, weder in der Kleidung, in der äußeren Lebensführung, noch in seiner menschlichen Haltung. Niemals würde er eines seiner vielen Abzeichen, nicht einmal das Bändchen der Ehrenlegion tragen, keiner vermochte ihn je zu beeinflussen. für die - Academie zu kandidieren, weil er die dazu notwendigen Schritte verabscheut. Und aus Geselligkert und Großstadtgetriebe zieht sich Sylvain Levi nur allzu gern in seine behagliche Häuslichkeit nahe des Jardin des Plantes zurück, die trotz des sehr pariserischen Rahmens, durch die von seinen Reisen ms.t heimgebrachten wunderschönen Bronze- und Steinplastiken, die Wandteppiche, die langen Reihen östlicher Literatur, vor allem 'aber durch die Atmosphäre friedlicher Stille und geistiger Versunkenheit förmlich—wie^-eine—— Ostasien-Enklave anmutet. Alice Rosendorff Jerusalem zu kommen, aber das erste, was sie da zu sehen bekommt, ist ihr Thron, den Salomo sich mit Geisterhilse hat Herzaubern lassen, che er auch nur mit dem Auge gezuckt hat, und als man sie im Palast näher bätet, hält sie die gläsernen Stufen .für Wasser, schürzt, mit Verlaub zu sagen, ihr-Gewand und entblößt ihre Füße. „Es ist Glas", sagt Suleiman. und nun ergibt sie sich. ,.O Herr", * ruft sie aus. „ich habe mich versündigt! Mer nun ergebe ich mich ganz, zusammen mit Suleiman. dir, Gott, dem Weltcnherrn." Wenn man unsere Quelle. den Targum Scheni. der auch die Ouelle dieser Koran- - Sure ist, nachliest, muß man sagen, daß Mohammed sic nicht ganz ansgeschöpft hat. Bei uns ist der Wiedehopf ein Auerhahn, der Weg der Königin, der sonst sieben Jahre lang ist, wird durch Salomos Gebet aus drei Jahre abgekürzt, eiii Feldiuarschall von solcher Schönheit wird ihr zum Empfang cntgegengesckiickt, daß sie ihn für Salomo hält, und sie im Giewpalast das' Gewand rafft, sagt. Salomo: „Deine Schönheit ist wie. Frauenschönheit. aber die Behaarung deiner Beine steht eher einem Manne als einem Weibe' wohlan." Dann fragt sie ihre drei Rätsel, und daraus erst ergibt sie sich. Was aber die Härchen betrisst, so hat ein besonders eifriger Erklärer davon geschlossen. Salomo hätte mit seiner Feststellung die Besucherin als die Bersucherin Lilith entlarvt und nur deswegen über, das scheinbare Wasser, der gläsernen Stuten sichren lassen. '? Die abessinische Version entstammt dem gleichfalls uralten äthiopischen Buche von der „Herrlichkeit der Regusse", das eine besondere Geschichte hat. Us6S, als englische Soldaten die damalige Residenz Magdala eroberten, hat der Negus Theodor sich has Leben genommen. Unter dem Kopfkissen des Bettes, aus dem die Leiche lag. fand man da-> abessinische ..Midrasch"-Bilch und sandte cc>.ins British Museum nach London.-Vier Jahre darauf kam ein Brief folgenden Inhalte an. die englische Regierung: Ihr habt dort ein Buck) „Herrlichkeit der Negusse". das unsere gesamte Lehre enthält, dazu die Namen unserer Beamten, K.rchen und Provinzen. Bitte, schickt mir dies Buch zurück, sonst wird mein Volk mir nicht folgen." Das Buch wurde zurückgeschickt. Sein Wert besteht in dem Beweis, daß die äthiopischen Könige vom Hause Davids abstammen. die Tafeln des Gesetzes seien nicht mehr in Jerusalem, sondern in Abessinien. Die Geschichte der Königin aber ist nach dieser Negus-Lesart folgendermaßen: Vor dem Tempelbau sandte Salomo Schiffe in aller Herren Länder um die kostbarsten Materialien. Ter Kaufmann Tamrin, Israels Gold- und Ebenholzlieferant. war von Salomos Weisheit. Güte. Reichtum, Bescheidenheit und Frömmigkeit entzückt und erzählte, nackz Aethiopien heimgekehrt, bei jeder 'morgendlichen Audienz der Königin davon. Da berief die Königin ihre - Minister und sagte: „Hört mir-zu, leiht meinen Worten euer Ohr. Mich verlangt's nach Klugheit, und mein Herz sucht Weisheit. Ich bin mit einer Leidenschaft für die Vernunft gestraft und mit den Stricken des Verstandes gefesselt. Weisheit ist süßer denn Honig, macht heiterer denn Wein, strahlt heller als die Sonne und ist schätzbarer als Diamanten, macht fetter denn Oel und zufriedener denn, gute Speisen, berühmter denn Reichtum. Sie gibt dem Auge Licht, dem Herzen Freude, dem Fuße Flinkheit, panzert die Brust, helmt das Haupt, ziert den Hals, gürtet die Lenden. Darum will ich gen Jerusalem reisen und vom weisesten aller Menschen lernen." —-^Und als sic nach Jerusalem kam. nahm Salbmo sie mir grobem Pompe-aus.-sandteilzrdie süßesten Speisen und jeden Tag neue kostbare Kleider. Und'die Königin. Makeda war ihr Name — in unseren Michern hat sie keinen Namen, da ist sie bloß die Königin .von" Saba —. sah mit an. nsie Salomo mit Weisheit regierte und mit Verständnis den heiligen Tempel J'a me. und sprach zu ihm: „Tie Süße deiner Summe erfreut mein Herz und macht meine Glieder fett, du bist wie eine Lampe im Finstern, wie ein Brunnen im Garten, wie eine Perle im Meer, wie der Morgenstern zwischen den Sternen. wie der Mond im Nebel, wie die Sonne in der Frühe!" Und Salomo antwortete: „Ich bin ein Knecht Gottes. Ich habe nichts. Er hat mir alles gegeben." Aber als Makeda sich zur Heimkehr rüstete, dachte Salomo: Eine so schöne und klug^ Frau ist aus so weiter Ferne zu mir gekommen; sollte ich sie so ziehen lassen? Sollte ich nicht Kinder von ihr haben? Und er bat sie, weiter bei ihm zu bleiben und zulernen. Und er ließ ein Mahl richten, das gesalzen, sauer und bitter war, und lud sie in den Palast seines Schlafes. Sie aber ließ ihn zuvor schwören, daß er sie ohne ihren Willen nicht berühren würde. „Gut", sagte Salomo, „aber mit einer . Bedingung, nämlich wenn du in meinem Palast nichts ohne meine Erlaubnis nehmen wirst." Nachts aber wurde sie von den Speisen durstig, trank Wasser aus einem Kruge, man ergriff sie sogleich, und man führte sie vor Salomo, der ries: „So wie du deinen Schwur gebrochen hast, brecheauch, ich mein. Wort!" Und er nahm sie zum Weibe. Als die Königin sich verabschiedete, zog Salomo seinen Ring vom Finger, gab ihn der Königin Makeda und sagte: „Wenn unser Kind ein Knabe wird, schick ihn zu mir, und der Ring soll sein Zeichen sein." Und als sie heimkam, gebar sie einen Sohn und nannte ihn Baina Lehchem. das ist: Sohn des Weisen. Er wuchs aus und wurde ein Mbild Salomos, und als er mit dem Ring an die Grenzen des Landes karg, hielt man ihn für Salomo und erwies ihm königliche Ehren, und als Salomo in Jerusalem hörte, daß ein junger äthiowechseln ähnlich, im Lande weilte, da lachte sein Herz, und er sandte ihm seinen Feldmarfchall Benajah — den er in unserem Targum Scheni die Königin hatte empfangen lassen — entgegen. Und Salomo lehrte den Jüngling alle Weisheit und krönte ihn zum König über Jehuda und Aethiopien nnd ließ ihn vom Hohepriester Zaduk in der Tora und.im Gottesdienst unterweisen. Als nun die Stunde der Heimkehr nahte, gab Salomo seinem Sohne die gleichaltrigen Söhne seiner hohen Beamten mit. Die Jünglinge aber nahmen aus Geheiß eines Engelsder ihnen im Traum erschienen war, die Tafeln des Gesetzes heimlich mit, und die Tafeln hießen „Zion". Kaum waren sie fort, so entdeckte Salomo den Verlust von „Zion" und jagte ihnen nach, doch durch Wunder hatten sie einen uneinholbaren Vorsprung gewonnen, und seitdem ist Zion nicht mehr in Jerusalem, sondern in der alten, Hauptstadt von Aethiopien. Eine andere, arabische, Version legitimiert ein wenig einiges allzu Extreme der'übrigen Faffungen. Diese Geschichte beginnt auch mit dem Tempelbau — auch hier sind Motive jüdischer Quellen wirksam —, für den es yerboten war, Steine mit Eisen zu spalten. Salomo sängt eines Geist-Vogels Junge und läßt sie mit einem Kupsertops zudecken. Die Alte kehrt zurück, kann ihre Jungen nicht atzen, fliegt ins Paradies, holt ein Hölzchen, wirft es auf den Topf, dev sogleich zerspellt, und Salomo hat mit dem Hölzchen aus dem Paradies das Mittel, die Steine für den Tempelbau zu spalten. Als Gott dann das davidische Reich von Jerusalem nach Aethiopien bringen will, arrangiert er zunächst den Besuch der Königin Makeda bei Salomo wie in der äthiopischen Fassung. Hier aber hat sich die Mutter der Königin vor deren Geburt an einer Ziege „versehen", und darum hat dann die Königin einen fraulichen und einen Ziegenfuß, daher die Behäatung. Salomo wußte das natürlich, er läßt also , sinen Tbronsaal mit Wast'er überschwemmen, die Königin hebt ihr Kleid, er steht oesi Liegen-" fuß, mit dem aber tritt sie unversehens aus das Hölzchen aus dem Paradies, und im Nu ist der Ziegenfuß normal, menschlich, sraukich, schön. Und in dieser Legende hat Salomo seinem Sohn sogar selbst die Erlaubnis gegeben. die Zionstafeln nach Abessinien zu führen. Leo Hirsch