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Central-Verein-Zeitung · 1935-10-03 · 40 (3.10.1935) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
40 (3.10.1935)
Date
1935-10-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Das Hausangestellten-Problem Aufruf des Jüdischen Frauenbundes Zuschriften aus unserem Leserkreis An die jüdische Hausfrau und Mutter Der Jüdische Frauenbund hat nachstehenden Ausruf als Handzettel in den Synagogen Berlins und vielen anderen Lrten des Reiches auf die Fraucnplützegelegt. - Sic werden auch in den Hausfraucnberatungsstetlen verwendet. - ' ■ „Neue Sorgen, vermehrte Lasten bedrücken die jüdischen -Frauen. ' - . Die Führung des Hauses, die' Betreuungund Erziehung ihrer Kinder scheint gefährdet. An uns wird es liegen, diese Gefahren abzuwenden. Mit Ruhe und Besonnenheit gilt es, alle Schwierigkeiten als neue Aufgaben zu erkennen. die von jeder einzelnen Frau Höchstleistungen verlangen und die jüdischen Frauen als G e s a m t h e i t ans den Plan rufen. Der Jüdische Frauenbund wird nichts unversucht lassen, um den Frauen auf neuen Wegen die Bewältigung ihrer Aufgaben zu ermöglichen. In. seinen Ortsgruppen und Hausfrauen * Kommiffia/ nett findet die jüdische Frau Schulung mb jÜm; vor allein sollen gemeinsame Wege der gegenseitigen Hilfe gesucht werden. Der Ernst der Gegenwart bestimmt die Haltung der jüdischen Frau; die Verantwortung für die Jugend belebt ihre Zuversicht. Die jüdische Frau >vird ihre Kraft und ihren Stolz entsetzen für die E r h a l t u n g v o n H e i m und F a m i l i e. für die E h r e d e r j ü d i s ch e n Gemeinschaft." Umschulungskurse auch für Männer Eilt Anruf beim Jüdischen Arbeitsnachweis! Ein Anruf, lvie ihn in den -letzten Tagen wohl so manche jüdische -Hausfrau geführt' hat. Eine ruhige, freundliche Stimme antwortet: „Eine tüchtige Ha»saiigestelltc? Nein! Aber gnädige Fratt. bei dieser Nachfrage! Ein junges Mädchen zum AnlernenKanu auch aus anderen Berufen kommend Ja,,vielleicht, wir wollen sehen! Es ist möglich.' aber wir können nichts versprechen!" Während die Hand den Hörer hinlegt, fällt der Blick auf zwei Blätter, die auf dem Schreibtisch liegen: Das eine ist bar Tageszeitung, die den Wortlaut des Gesetzes vom '15. September bringt; das'zweite Blatt. das neben der Zeitung auf dem . Schreibtisch liegt, ist ein. engbeschriebener Brief. a,ls dessen Blättern das Schicksal eines vierzigjährigen jüdischen Mannes.spricht. Ein eigenes Geschäft gittg in Konkurs. : Versuche mit Vertretungen brachten ' nicht das zum Leben Ausreichende. Nach tapferer- Umstellung auf unge- . ’ wohnte Arbeit als Haien-' und Mühlenarbeiter Arbeitslosigkeit. Wohlfahrtsunterstütztmg .Ein Bierteljahr lang schien die Sonne wieder zu scheinen: Es gab Arbeit bei der Stadt, schwere, körperliche Tätigkeit: Tiefbauarbeiten. Ausschachten. Feldbahnen legen. Loren laden und schieben, Steine klopfen usw. „Jeden Freitag war Freudentag. da erhielten wir 22 RM ausgezahlt." Daqn wieder die graue Eintönigkeit der Arbeitslosigkeit. die Wohlfahrtsnnterstützung. das Suchen nach Tätigkeit „jeder Art. sei es körperlich oder geistig". Unwillkürlich drängt sich^beim Lesen dieser Zeilen die Frage aus: Sollte es' nicht . möglich sein, die im Beruf eittwurzelten, arbeitsfreudigen ' rtnd umstellmigsbereUen jüdischen Männer so zu schulen, daß sie auch im Haushalt ihren Mann stehen würden! 'äiÜie mancher Junggeselle, dessen Haushalt heute von einer Wirtschafterin betreut wird, die ihn in einem Vierteljahr verlassen wird, würde sich ebenso ivvhl fühlen, wenn geschulte männliche Hilfe für ihn bereit lväre, und sicher würde manche Hausfrau, die hettte zwei Haushaltsgehilfinnen gleichzeitig verliert, mit Freude ein-jüdisches Ehepaar bei sich aufnehmen, wenn Manu und Frau gleichmäßig gewillt und imstände wären,. Hausarbeit zu leiste». Ueberalt in der Welt gibt es - Männer., die nts Köche, als Kellner, als Schneider Hervorragendes leisten. Warum sollte cs nicht möglich feilt, in einigen Monaten systematischer Schulung, klugen . tutd geschickten Menschen das erforderliche Können zu vermitteln? Alle jüdischen Organisationen sind sich einig in'dem ernsten Bemühen, unsere lungen Mädchen für den hauswirtschäftlichen Beruf zu gewinnen. Wer aber klar sieht und damit rechnen tmü|, daß der Bedarf an Hausgehilfinnen in deknachsten Zeit kaum gedeckt werden kann, sollte sich doch mit der Möglichkeit beschäftigen. Ausbildungskurse auch für jüdische Männer zu schaffen und damit aus mancher Familie zugleich das Gespenst der Arbeitslosigkeit zu bannen. Aufgabe des Jüdischen Arbeitsnachweises würde es sein, den Arbeits» einsatz so zu regeln, daß die zur Verfügung stehenden jungen Mädchen für diejenigen Haushalte vermittelt würden, in denen weibliche Hilfe ratsamer erscheint, und in diejenigen Haushalte männliche Kräfte zu entsenden, in denen mehrere Hilfen vorhanden sind oder, in denen sonst nach objektiver Prüfung die Hilfe eines vorgeschulten jüdischen Mannes ausreichend und angebracht erscheint. vr. Erna Goldschmidt, Berlin. Gründliche Ausbildung tut not In meiner langjährigen Tätigkeit als Leiterin der Kochschule des Berliner Hcmsfrauen- Vereins, gegründet von Lina Morgenstern, hatte ich reichlich Gelegenheit,, zu beobachten, wie sehr sich die Freude an der Hausarbeit steigert, wenn die Ausbildung richtig unter dem Gesichtspunkt einer Berusslehrerin erfolgt. Die Kurse der Schule (Kochen, Anrichten. Servieren. Tisch- und Tafeldecken. Schneidern, Ausbessern. Wasck)en und. Plätten) wurden von allen Kreisen der Berliner Bevölkerung besucht. Eine Anzahl dieser Schüle- . rinnen beurteilten im Anfang die Kurse ziemlich geringschätzig. „Man hatte ja eigentlich ein Mädchen" usw. Vor allem vom Aufräumen der Küche drückte man sich, wenn es irgend ging. Doch schon nach ein paar Tagen wurde es . anders. Man kam mit Begeisterung, kochte mit Lust und Liebe, ja. mit Leidenschaft! Und auch dech anderen Kursen wurde Interesse entgegen-' gebracht.-sogar der Wäsche! Immer wieder bekam ich zu hören: „Ja. .wenn ich das gewußt hätte, daß Kochen soviel Freude machen kann, so interessant ist!" Ganz nette Gesichtspunkte tvnrdeit ihnen erschlossen, sie merkten gar^bald. wieviel von der richtigen Wirtschaftsführung abhangt, erkannten den Wert einer gründlichen Ausbildung, bewunderten all die praktischen Geräte, wodurch nicht nur die Arbeit bedeutend erleichtert, sondern auch Zeit und Kraft gespart wurde. . Mit wieviel Freude wurde eine mit einfachen Mitteln hübsch angerichtete Platte vorgesührt. wie stolz. das selbstgearbeitete Kleid gezeigt! Die gründliche Ausbildung für dett hauswirtfchaftlichen Beruf, und zwar besonders möglichst in einer guten hauswirtschattlicheil Schiile. erscheint mir jedoch dringend erforderlich. Hier ist der Platz, wo in gemeinschaftlicher Arbeit die ungeheure Vielseitigkeit der Ausbildung schon zeigt, daß dieser Beruf nicht nur nebenbei zu erlernen ist, daß er von ganz größer Bedciitiing für die Familie ist. Heut ist-sicher die bestem Mitgift füreine junge Ehe eine Frau, die mit geringen 3Jlitteln einen guten Haushalt nickst nur leiten, sondern auch jede Arbeit ausführeit kann, eilte Frau, , die dem Mann schon bei kleinem Einkommen die: Gründung eines eigenen Hetms ermöglicht! Gerade die intelligente und verantwortungsbewußte Frau wird anch schon in der Ausbildung sehen, daß der hauswirtfchaftliche Beruf ein schöpferischer ist, der^ganz gewiß Persönlichkeit erfordert und keineswegs zu. einem minderwertigen, unsrohen Beruf herabgewürdigt werden darf. Und da er-- scheint mir neben der Ausbildung wichtig, daß. auch viele Haushaltungen, besvttders ältere.. sich etwas mehr der, neuen Zeit anpassen. Es ist er° . staunlich, wie schwerfällig oft noch Einrichtung und Führung ist. Dadurch wird viel Kraft und Zeit.Unnütz verbraucht. Beides könnte für Erholung und Weiterbildnng besser verwandt werden. Viele Hausfrauen fühlen dies wohl selbst, doch fehlt ihnen bedauerlicherweise die Energie,, ihren Haushalt zu ändern., Wenn nun ein junges Mädchen sieht, daß die Arbeit im Hanse nie fertig ist. .weil so vieles lleberflüssige gemacht werden muß, kann man cs ihm verdenken, wenn dieser Beräf ihm nicht erstrebenswert' erscheint? Sicher kann auch in einem Lehrhaushalt eine gute Attsbildting erreicht werden. Doch kommt' sie meines. Erachtens hauptsächlich für eilt ganz junges Mädchen inE^oge. Else Eadvndvrkk. Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin. Verlin-Ebarloiteitburg 2, Kantür. 1.>^ (Tel. st 1 Bismarck 9111) sucht uneittgeltlichchür einen Künstler, dem die Eristen; erhalten werden soll, dringend einen Erammophoit-Kvsferapparat. ' REISEN NUR DURCH G.M. ATLANTIK EXPRESS BERLIN NW 7 A 6 2915/6 FRIEDRICHSTRASSE 100 direkt am Su. U-Bahnhof. Friedrichstraue UNVERBINDLICHE BERATUNG VISEN und DEVISEN BAHN- und FLUGKARTEN SCHIFFSKARTEN ALLER LINIEN NORDAMERIKA .• S U DAM E R I KA S ODAFRI K A PA L ASTI NA NÄCHSTE GESELLSCHAFTSREISE NACH PALÄSTINA MIT D. ROMA (33000TONS) AM 6. NOVEMBER AB NEAPEL VERTRETUNGEN BRESLAU / FRANKFURT A. M. / HAMBURG HANNOVER / KÖLN ✓ LEIPZIG ✓ NÜRNBERG Ziehung'1. Klasse v' 18./191 Oktober , '/« Vt ~JV» st, Doppel-Lose 3.— 6.— IS — 24.—-- K8.— Mark - Staatl. 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