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Central-Verein-Zeitung · 1935-10-03 · 40 (3.10.1935) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
40 (3.10.1935)
Date
1935-10-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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. XIV. Jahrgang 7 Nr. 4$ Berlin, 3. Oktober 1935 Preis 10 Pfennig entralerein- ALLGEMEINE ZEITUNG DES J U DENTU MS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung. Anzeigenannahme, VertriehsahtcHungV- Rerlin W ir., Emser Strasse' 42. Fernsprecher: .,T 2 Oliva 8111—-iä. ' Telegrammadresse:. <r:>IgI.,ul>ou. l>«>s,tscln't‘likonto: I'.orlin .'>0475. ] de ..( .-Y.-Zcitung--erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Roteiinngen nimmt .jedes Postamt u. die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt dm-eli-d: Pom. die die imimlin-n.dui.tt «I. Posthnto» crlielit. — HezuifSgebühreh: Im Inland Einzel-Xr. lf».' Abonnement viertelj. W Rpf.: i Ausl. Einzcl-Nr. 'N* IIpf.. Abonnement *2.:>0 M iumgerechnet i. d. Landeswährung'' cinschl. ZuslcIIg, Iiiilirc». Im l-'.dlr-, hwlu-ivr tlewalt (Hier Verbots.besteht kein Anspruch auf Nachlieferung Oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: l’reisl. I gültig. Die li'gcsp. Zeile Rpf.. für 8t,>Ncng,-su, io- 1" Rtur 1;imiIi<■ irii hi.n u; Kpf., weit, e'ruüissigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: idenslag. Aufnahme 'von Anzeigen aii' bestimmten Tagen. Stellen oder.in I»-st!„sinie„ Alc-ga>»-u.^vi,,l ui«tu gewährleistet. Neue Sachlichkeit A. H. 3iad) beit HpHeii Feiertaczen. bereit Iiciltiient Mittelpunkte wir uns nähern, wird die Arbeit fortznsetzen oder nett zu beginnen Zein, die für die Gestaltung des Schicksals der Inden in Teutschland notwendig und dringlich ist. Es wird gut fein., on dieses Werk mit einem neuen, nnbefangenen leiste heranzngehen. ganz so., wie der einzelne Jude sein persönliches Leben nach den Bekenntnissen am Jom Hakkipurim ivetterinbren soll. Eine Art wechselseitiges Snhnebetenntnis der jüdischen Richtungen scheint angebracht, damit zur Eriche nüd Lelpoere der geteilten Aufgaben nicht noch die Bitterkeit gegenseitigen t>tach'pnrens tritt, , die von schuld und Verschulden des einen oder anderen spricht. Einige klaritellende 'Wiederholungen Mögen zur Borbereitnng der Arbeitsplattform dienen. Tas Grundsätzliche zunächst: Tie iüns Thesen.der Reichs-Vertretung werden viel dis-, kntiert. Tem einen gehen sie zu weit, dein anderen bringen sie zu wenig. Ter eine vermiet in ihnen das gute jüdische Herz, der andere den auch in Wirrnissen unbeirrbar Prüfenden jüdischen stopf. Archen wir nun aniangen. bte Tlicien zu diskutieren, statt die Arbeit zu beginnend Es geht in' unserem Judentum gegenwärtig nicht um den Tieg dieser oder jener jüdischen Idee oder Richtung. sondern um die Betreuung und Erhaltung hilfsbedürftiger Juden. Man möge davon ab sehen, jüdischen Menschen, die tln~ arbeitsvolles Taieiu im Beivnsinein verbrachten^ auf das göttliche und menicki- 1 itijc :){eci)t ivrgiain geachtet zu haben. Aulie nur dann m gewähren.-wenn, sie bereit lind. >u verbrennen, was sie bisher angebeket haben, und die unverschuldete Unterbilanz ihres ivirtiehafttichen Taieins als einen ielbstoeriehnldeten. jüdischen Minder-wert anznertennen. Tie Blasien lin'erer jüdischen Bieuiehen in Tentiehland waren io gut Und so ick,leckst wie irgendwo auf der Welt Bleickcheugemeiniehaiten. sein tonnen. . Es mag heule einem geschickten jüdischen Agitator nicht . iehiver werden. einen Juden seiner alten Idee vom jüdischen Leben in der Welt zu enliremden es fei denn, er macht ihm onen ^und ehrlich klar, daß er mit dem Hrua-usreheu ans der allen Idee nicht unmillelbar ui eine ihn rellende Wirklichkeil kommt, sondern meist wieder nur in eine — wenn auch vielbeiehl modernere --- Idee. Untere jüdischen 'AUeitvd(Cit tvollen in ihrer üvergroßen Mehr-- .zahl netten, testen-Boden.^ aber keine neuen Ideen inner die Fuße bekommen. EiuSehicturl. wie es-die Inden in Teul'chland erleben, iil in Jahrhunderten einmalig. Die vorliegende Nummer umfasst 20 Seiten. Sie enthält u. a.: Haüptblatt: Die grossarabische Bewegung und Palästina. 1. Beiblatt: Das neue Berliner Kulturbundtheäter. ■ Zeichnungen: Errat Mcrcuse. Text: Dipl,-Ing. Custi Hecht. — Jocea und Simone, von Siegfried jacobv. — Das Hausangestellten-Problem. 2. Beiblatt: Von Kol nidre bis N’ilah, von Gberhcnior Magnus ■ Dcvidiohr.. — Der Tempel -inJerusalrm, ven Max Lore enthob — Wiedersehen mit Henrietta ‘ Szold, von Dr. Margarete Edelhetrrf.' — Mar Samuel, von Alexander Gutimarm. 3. Beiblatt: Sorge für die Zukunft, von Dr. Emu Tauber. — ,,Das neue Buch.“ 4. Beiblatt: Brief aus den Dolomiten. Text und Zeichnungen von Max Raumer. — Wirtschaft der Woche. - Sport. Es ist deshalb zwar grundsätzlich lehrreich für das jüdische Gesamtschicksal, aber es ist singnlär^lvei-ckstE drei Flngzengstnnden von uns errklernk leben Inden anderer Staatsangehörigkeit als gleichberechtigte Bürger ihres Landes. Man nennt ihren Lebensznstand den der Emanzipation. Tie Emanzipatiön der deutschen Juden ist am 'lü. September Idtzö formell ansgehoben worden. Wir haben nichk gehört, daß deswegen bei den eingesessenen lind verwurzelten englischen oder französischen oder ameritannchen Indeii eine Bewegung entstanden iei. die Indenenranzipativn ihrer Länder anszngeben und siet) für den Abzug nach Palästina vorznbereilen! Es ist ein altes Wort, daß der.Sozialismus erst dann seine Ueberzengungskrast beweise, wenn die Neichen zu „teilen", bereit -wären: mit jeder, also, auch der nationaljüdischen Idee mag es ähnlich liegeil. daß sie nämlich ihre Echtheit erst dann erweist^ wenn sie an der Stelle des stärksten Widerstandes -durchdringt, und nicht ..des f ch w ä ch st e n. Wir alle wollen uns mühen, welcher Richtung im Indentnm wir auch entstammen und wie-. immer wir d-us Judentum auch sehen mögen, den Plenschen. die sich ckms anvertranen. das allgemein-gültig Iiidische zu zeigen, um sie in ihrer- Wirrnis anfzurichten. Tas ist in erster Linie jüdisches Tun an sich, und dann der Berinch. ihnen Einsichten und .Kenntnisse zu gebcil, an denen sie sich ausrichten können, wenn ihnen ihr alter Mittelpunkt zerstört scheint.' Aber sie sollen dabei das jüdische Herz spüren, das vorsichtig mit ihnen neu ihr Weien anibant, lmd nicht eine zersetzende Schonnngstosigkeit gegenüber allem, uvas ihnen lieb war. - . Ten Bleu scheu unteres Preises ivird mitunter. vorgewvrien. ihre kiebloic Ablehnnng gegenüber Palästina habe versehntdet. daß die Aninahmelähigkeit des Landesnicht genügend ansgenntzt werden konnte.. Es hätten Mittel geiehlt. 'Nachträgliche L-ckvnvmie iit immer leichl— uvie man klüger iit, wenn man vom Rathaus kommt. Ticlierlich wäre ohne die Polilisiernng des Paläsiinaanibanes noch mehr für das Land geschehen. Inden haben immer lieber nir Inden als iür jüdische Idren ihre Taschen geöiinet. Aber seit l'.c’d geht das Ttlnlnlt>ingsanitomnreil äns pen . jüdiick'.en Zentren der meisten Länder fast ansichließlich nach Palästina. Zehntauieilde' linierer Menschen haben dort ein ilcnes Leben stniziibanen begonnen. Tas Land reicht jedoch nicht aus gegenüber der Iaht der .Juden, die ein innerer Truck heute znm Anfsnehen neuer Heimatländer bewegt. Bielleichi aber "ist. die Bcrzanbernng. die Palästina schon durch ' seinen E>e'ühl.sinhalt ani jeden Ilidenansübt nnd die 'ich noch steigert, ivcnn man von der Schönheit und dem Erwachen des- Landes weiß. in den leisten drei Jahren zu stark ge- . we'en nnd.hat''ür andere Wandcrnngs- und Ticdlungs-möalichkeiien nicht genügend^Aufmerksamkeir. Büttel nnd —'aus Rücksicht aui die Palästina i d c e -ü jüdi''che,n Bckit übrig geladen. Toch in einem 'Augenblick, in-dem iür die Mehrzahl der jüdischen Mcntchc'n hier das Bleiben nicht Sache einer Idee, sondern der realen Lebensmöglichkeiten im Nlahmen der - Gesetze ist. dari auch das Iyortgehen 'iür die vielen, die nicht u m der Idee P a l ä - st i n a willen, sondern um einer Leben s - mögt: ck; keil a lck Inden w il l e n sorr wollen, nickst moraliich-jüdi'ch zensiert werden, je nachdem rvohin man' geh:. Wo immebewußte. Inden leben, lebt Judentum.?ticht mir die persönlichen'Wünsclie des einzelnen sind zu -erfüllen, sondern der ivirlliche Nutzen für die Gesaiittlzeit unserer Blenichen ist zu erstreben. Ein falscli angesetzter oder~nitcht genügend gtlalijizierter Siedler in Palästina ist ebenso, nnersrenlich '-wie jede andere uliüberlegte Auswanderung: Und noch eine Frage sei vor Beginn der Arbeit ansgeworsen. um tünftig außerhalb der Tisknssion gestellt zu sein: Ter Insamnreiihang stoischen Arithmetik und Persönlichkeit bei^der persvnellen Besetzung der leitenden jüdisckien Gremien in Tentschland. Bl an 'schasst keine Führung, indem man Richtnngsanhänger addiert nnd nael,zählt, ob irgendivelehe Prozentsätze^ genau stimmen. Blau sollte den Fehler vermeiden. Borbilder des - großegt volituckieit Lebens, too- Biillione» von Bleniehen. ivö' Land, wo Blarlst zur 'Berjiignng stelle»: aui unser -s ü di s.ehes Leben zu -übertragen. mit. seinen wenigen Hunderttausend, seiner einseitigen Iniannneuietzniig. seiner Abhängigkeit von äußeren Ereignissen. AsichtS iväre läckierlickier als ein lüdij-ckie-r ..Tiktator", denen Tiktat allenfalls seine Sekretärin -sorgfältig läse. , -.; 'JiUv. beauckie» die .'atsammensassiing aller tackilicli,. nu'iinliliel) und seelisth geeigneteit sträsle im Indenlnni. die tun der Sache und tim der Inden ivillen sieh >>inz»geben bereit sind.' Tann ivird die Gewißheit und das Bertranen bestellen, daß die jüdijthe z'lrbeit nieinals einen Aiisithniit oder Teil., sondern imiiier den gesamten llintreis unserer Meitsehen und Sorgen mestit. Gattes Jach Zum Jom Hakkipurim 5696 Von Rabbiner Dr. M. Eschelbacher (Düsseldorf) Unbemerkt von der Welt, unsichtbar sür den sremden Betrachter vollzieht sich die. seelische Tragödie des deutschen Indentiims. Fnndamente. ans die wir gebaut hatten, erwiesen sich als Sand, fester Glaube-als Illusion. Eine grenzenlose E-nUäuschnng l,at Macht über uns ' gewonnen. - Tiefe Sorge quält uns wegen der 'Rot der Stunde. Angst vor der Intnnft. stßatlvsigkeit und oft genug . Berzweistnng herrsehen in der Seele des Inden.' Ein Mann fragte miel): ..Warum sind wir verslnehtf." Tas furchtbare-Wort enthüllte. das Leiden feiner Seele wie der Blitz die näelstliehe Landschaft. Tie Berzweiflnng ist menstchlich begreislieh, aber iinenlsehnldbar. sie ist eine Sünde nnd schlimmer als der Tod. Wer sieh dein Gram, dem .Hummer und der Angst, der begründeten wie der -unbegründeten, rv rl l e n l v s ergibt, ver- - - fallt in eine Zerrüttung, an der er zugrunde gehen muß. Unter der Rot der I»eit -kann unsere Seele krank lverden bis auf den Tod. Wir branehen Heilung. Tiefe Heilung unseres ganzen Wesens wird uns am Jom Hallipnriin in dem Prvphetenabschnitt zu Blnisas verheißen: ..Friede! Friede dem Fernen lind dem Rat,en! spricht der Ewige. Ich l,eile ihn!" Nur -in seelischer Gemndheit kann das dentsehe Indentnm die Zeit überdauern-'und - in der Zntnnst bestehen. Tiefe Gesnndl>eit hängt ab von einer erneuerten Frönnnigleit. Und diese hat ihre Wurzeln, in den letzten Tieien unseres Töe'iens. Ter -Jude muß das rechte Verhältnis zn seinem Schicksal be . hanpten oder miede,rgetvinnen.- 'Rnr dann wird er unserer Zeit lind ihrer snrchtbareu Trangsat gewachsen sein. ll. ■ Am Rachmillag des Jom - Hatlipuruu wird die Geiehichte des Propheten Jona verlesen. Er ist der Blensch. der seiner Berunuia entrinnen möckste. 'Er ivtl den Männern vott Riniweh das nahende Gericht verkünden, aber er ividerstrebt seiner Sendung. Er willnach dem Westen iahren. nach den: anderen Ende der Welt. Aber er erreicht sein eitel - nicht . und entgeht---nichtseinern BNtstcag. Gegen seinen Willen führt ihn sein Weg da i,in. w'ohin er nicht wollte. Bcäckstiger aliein Widerstand ist der göttliche Wille, der aber. ihm waltet. Er erfährt an' sich die große, alles beherrschende Wahrheit de - Psalms (Illll.-Ü. 7. 8): „Im Rücken und nacl, vvrioärts Haft Tn mich eingebiiiiden und Teine Hand ans in'ieh gelegt. Wol>in soll ich gehen vor Teinein. (steisle. und wvl)in soll ich vor . Teinein Angesithle slielsen' 2llen.it' ich z,nn Himmel emporsteige. bist Tn dort.- und 'wenn ich in der Unterweli mict, bette, bist Ter Blenitli - kann Gottes Willen nicht entiliehen. Tiefes iste-setz, gilt in beiondereiii Blaße für den nnvet.zleiilitulien Aiistrag an „iiS. snr das jiidiiclie Ttlsickial. Jude fein ist 'Berunuig durili Gott. Tie bestimiiit das ganze Lebe» des ''Bernieueit. Tie gliedert ih» eilt in die uralte Gesckileehterre.ilie der stinder Israel. Tic prägt leine geistige und leibliche .Eigenart. Sie lveist il>m ninen Platz ilp mitten eitles bestinuuleu c-nielieiikreises an und sckieidel il,,i um, audi reu. Iudenliilit ist Ttliiclial. 2llenn es willig Und --freudig anf- - genominen ivird. lanu diele-- Tchickfal das tiefstestuliicl desS'^lenselien werden. enge dafür ist linier öubekl'iicki. diese lebendige Gestalt der jüdisel>eii Seele. ..Heil int -! Bllies schön.-ist uitser 'Anteil und ivie -lieblich nuier Los! Heil uns. daß wir früli lind spät, inoraens und abends zweimal spretheu. Selienia. Iißrael!" Ein Toluwenl diejer '."eielignng sind unsere Seltelwlli. Tie'e 'Bnßgel>ete,- die an den ,i< »i 111 noriiim unieriit E-ottesdienst lrageu. stammen ausden t-rulnst-en- Zeiten des. Blitlelalters. Einige daoou sind erscki.ütternde Urkuiideii. für die uusugdazeu Leiden tu den Ta ge. >i der ü reu zzü ge und spater. Ader Angst. Tual und Berzim iiiiug. die iiusere Bater sicherdamals uielst wenigt'r empinnden liadcu alswir lguite. und in diesen Hßntnen still.geworden. T ieje"Poesie ist trotz allein der lautere-.'iclige einer reiner Liebe zu'Gott und der. 'Ausdruck dev g -,lucke-HIude -zu sein. Aus der Betracküuug der ,-udi'ckieu Geitlsichte eriväetist it,r ein reiner Trott.'und vuv Gott beriirt sie sich aui -tzlioll, ul,olaui daS . ..'Berdienst der Bätee"! ,M)ve Zuve cnelß bewahrt iie vor Turzweitl-uug. vor ,serrittNiiig des Geistes und vor leiblichem und st'eelnchem -st-ulerger-mz-.' liniere IIedei-zei,gu!'g.^..daß die -Ilettung des Metisilien von - seinent Tamort eute religiöse 'Zuigabe ist. daß ne nur ans den letzten Tie'eu uuierts Wesentvinmen lanu, studet il,re :tzec!)Iiertiguug in dieser imierer großartigen religiösen T iclstinrg. Unsere Bäter haben die Trangiat des Biittel-

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