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Central-Verein-Zeitung · 1935-09-26 · 39 (26.9.1935) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
39 (26.9.1935)
Date
1935-09-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 39 4. Beiblatt 26. Septemb. 1935 . am ■ XiaiC'tcii] ti-bmö-■ im Berliner Knlkurbuudtl)eater der Bor Hang fiel und der ' Beifall die Tarstelldr an die Ramperrctz en.tstand, so fchieli es. .zultächst ein großes Gedränge. in -das aller sehr vald Lrdnung kam. Tenn merkwürdigerweise nahmen die Schanspieler, die sieh den gerade heute Mitwirkenden zugeselltcu, keinen Platz in Anspruch. Tie waren Schatten, und doch mehr nur-als die Schemen der Dichter und Komponisten, die sic in ihrem Geist geboren. Sie.waren Wiederschein der Erinnerung und Des Tankes in Kops und Herzen der vielen zehntausend Juden, die sie entzündet, erschüttert, erhoben und erheitert hatten mit Wort und Geste und Klang und Schweigen. Ta stand der weise Nathan nebeiick>e»l gelehrten Framui. Figaro neben Fidelw.' Tie verkennte Brautbelraein tcwIettchen Gebert, und Tthcllv fand lieh bei den -Klängcu ciiicv kleinen Nae-nmnsik iiberraschcnd gut mit seiner Eifersucht zum Spiel im Schloß zurecht. Ta standen sie. die Weisen und die liefen Aarreu lind die Herzoge. Schnorrer. Heldinnen und Hirten. Und in lichterem Scheine die züngelnden Flammen des Jeremias und die silberne Himmelsleiter in Iaakobs Traum. Irnmer mehr Zlvang der Beifall und das Uriverinögendes PulMnins. sich trennen zu tonnen. vor den letzten Vorhang. Unhörbare ZMusik und schwebender Tanz band 'sie zniil letzten Neigen im alten Hans . . . u n o das WIRD Judith Von der Bibel bis zu Hebbel Von Dr.Hugo Lachmanski Ter Berliner Kulturbund bringt, genau 25 Jahre nach der unvergeßlichen Aufführung Max Reinhardts. zur Eröffnung der Spielzeit und gleichzeitig zur W.eihe des neuen Hauses Hebbels „Judith" heraus, das Lraftgenialische. in seinen Motiven seltsam verschlungene, psychologisch tiefgründige Erstlingswerk des stärksten nachklassischen Dramatikers. um dessen spröde Schönheit die Bühne seit jeher einen nicht immer sieghaften Kampf geführt hat. Hebbel selbst konnte, wieein Zeitgenosse bemerkte. nur mit her iLchärfc seines Geistes den widerspenstigen Stofs bezwingen; seine bohrende Dialektik.' die alle Gedanken und Gefühle gern zerfaserte, vermochte nicht aus einer - naiven Vorstellung heraus Begebenheiten und Gestalten zu umkreisen, die in religiös-mythischem Boden wurzelten und denen vorangegaugcne Epochen, zumeist ohne Zutun selbsttätiger Phantasie, einen zwar lehrhaft moralisierqnden, aber keinen dichterisch-dramatischen . Ausdruck gegeben hatten. - Hebbels „Hadith" ist der überragende Endpllnkt einer .Entwicklung, die von der Bibel ihren klar erkennbaren Ursprung nahm. Im apokryphischen Büch Judith der Bibel ist zu lesen, »Die ein frommes, gottesfürchtiges. hebräisches Weib aus traucrudem Witwentum he-rausgerisfen wird zu einer großen Tat. Ihr Volk will sie, die AuSerwähltc des Herrn, vom Joch des Assyriers befreien. Gott im Herzen, geht sie, mit Spangen und Geschmeiden festtäglich geschmückt, ins Zelt des mächtigen Feldhaüptmanns Holofernes. Ihre fremden Reize locken ihn listig ins Garn: und „ihm wallete sein Herz auf. denn er war entzündet mit Brunst gegen sic." fröhlich zecht . sie mit ihm an seinem üppigen Tisch, und als . ct trunken in Schlaf -sinkt, greift sic nach seinem Schwert und schlügt ihm den Kgpf ab. Als Siegerin und Retterin ihres Volkes kehrt sie heim; ihre kühne Tat wird von ihrem Volke laut gepriesen; sie aber dankt Gott, daß sie nicht „'verunreinigt" worden, und mit Chmbcln und Pauken singt sie dem Herrn ein neues Lied. Tb diese einfache, unbeschwerte Tar- - stclliliig einer heroischen Begebenheit nun geschichtlich oder legendär, ob die. Erzählung in der Zeit der heldenhaften Makkabäcrkämpfe oder viel später, unter der römischen Knechtschaft Kaiser Trajaus. entstanden ist — in jedem, Falle hat sich die Tichtuug des religiös-patriotischen Stoffes schon frühzeitig angenommen. Tas glaubenseisrige Mittelalter kennt, neben-lateinischen Bearbeitungen, insbesondere zwei epische Darstellungen, die unter dem Namen der äktereu und der jünge- - reu. Judith zu Beginn und lim die Mitte des 12. Jahrhunderts bekaiintgernordensind: die ältere.'eine Umformung der alttcftameutarischen Erzählung in eine deutsche Spielmannsballade. die andere, ganz dem Inhalt Alle Ihre Bücher — Buchhandlung am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, Joachimsthaler Str. 43*44 Mitglied der jüdischen Gemeind« '• Telefon Bismarck 6506 Zusendung nach allen Stadtteilen und der sittlichen Lehre der biblischen Vorlage angepaßt, ein Sinnbild der Glaubensstärke und des Gehorsams gegen Gott. Tie zahlreichen,.dramatischen Bearbeitungen des Judith-Stoffes setzen dann im Ib. Jahrhundert eim dem Zeitalter der Reformation, das mit Luthers Bibelübersetzung der.dichterischen Behandlung biblischer Geschichten Tür und Tor öffnete. In der Vorrede zu seiner Nebcrsetzung des Buches Judith hat Luther dic Erzählung dichterisch-allegorisch ausgedentet und der Dermutüüg lllaum^ gegeben, die Geschichte sei von den Juden ansgesührt 'worden, „wie mau bei uns die Passion spielet . . ."damit sie ihr Volt und die äugend lehreteu ... . Gott vertrauen, fromm fein, und alle Hüls' und Trost von Gott l,offen in allen Nöten, wider alle Feinde". Und ausdrücklich hatte Luther, den dramatischen Kern der Erzählung sicher herausspürend, dazu bemerkt, das Buch Judith gäbe, eine „gute. .ernste, tapfere Tragödie". . Kein Wunderdaß Luthers Hinweis von den Trainatikern seiner Zeit weidlich ausgenutzt' wurde-und sic den. biblischen Bericht von Judiths Heldentat und ihrem Glaubenssieg über die Mächte des- Heidentums nunmehr in szenische fjonn zu gießen bemüht - waren, freilich: diese Form war primitiv genug, und alles, was die heute nur noch der Literaturgeschichte angchörigen Sirt Birk. Joachim Grefs. Samuel Hebel, was auch der biedere Hans Sachs -mit den von ihnen schlecht-nüd recht zusammengereiinten Judith- Dramen zuwege brachten, diente letzthin schulmäßigen Zwecken, war eine uaiv-volkstümliche Äneinanderreihuug der in der Bibel berichteten - Begebenheiten ohne jede individuelle Färbung; war Lehre, war religiöses Beispiel, war eine immer iviederkchreude Variation der schlichten Moral, wie sie etwa Hans Sachs am Schluß seiner ..Judith" verkünden läßt: „hier.erscheinet Gottes Glori. und ist uns ein tröstlicher Spiegel, daß man in der Zeiten Bedrängnis an Gott nicht vcr- - zagen solle." '■Huf einem weniger. primitiven Niveau bewegen sich die Judith-Bearbeitungen des 17. Jahrhunderts. die»im wesentlichen einen singspielmäßigen Ehar alter tragen. — Vorläufer der späteren großen Iudith-Tpern. wie sie bis in unsere Tage hinein lman denke an 'E. N. Rezniceks noch vor etwa zwölf Jahren in Berlin gespieltes Werk» auf den Bühnen ein freilich nichtsehr langfristiges - Leben geführt haben. Am-'Anfang dieser En-twicktungsreihe steht der Schlesier Martin Spitz mit seinemuaci» einer italienischen Vorlage verfaßten Singspieltert ..Judith": ein bei aller Schwäche der.dramatischen Konzeption immerhin beachtenswerter Versuch, aus einem den Tendenzen der Barockbühne ^entsprechenden. nnutergcspaunten Rahmen,, zwischen Arien, (Azoren und Tnetteu. das Liebesdrama Fnditl,—Holviernes stärter herauStrcten zu lassen und die traditionell gebundene Gestalt des aührischen Häuptlings in einer eigenen.Ansiannng. als erotischen Schwächling und lyrisch gestimmten -Me-, ianchvlikcr. wiederziigellen, Biel später hat dann der Hamburger Foachim Beeeau (von dem Georg Friedrich Händel zwei Tpern -komponiert bat» siel» .bemüht, die einfache biblische eigene Zntatcn in Barockmanier zu übersteigern. il,r bildmäßig und inhaltlich Buntheit' und Fülle zu gebey, wobei er zwischen abschreckender Tragik und tollen Hartekinspäßen stillos hin? und herschwankte. Weit . über alle die'e dramatischen und vpernhaften Versuche, das biblische Thema. furiö EhRUCH II BIL0u»HiaFr.H»RSFMQRA1? den Zivecken der Bühne dienstbar zn luaihen.- erhebt-sich Friedrich Hebbels „Judith" als ein Werk -ui aui»-li-. geschöpft ans biblischer Hnelleund doch tül»n sich sein eigenes Belt grabend. ..Tie hudith der Bibel kann ich. nicht braiichen". vermerkt Hebbel am n. Fnni Id-ln in feinem Tagebuch: „dort ist Judith eine Witwe, die den Holofernes durch 2i>! und Sei,laul»eit ins 'Reh lockt; sie freut fall, als sie seinen Kopf im Sack hat. und jubelt vor und mit ganz Fsrael drei Blonde lang. Tas ist gemein: eine solche, Natur ist ihre.- Erfolges gar nicht würdig." Lo.teuchrel erdenn unbefriedigt— fplnii —nerend in das alttestamentarische Iudit!,- Epos hinein: die auf der. Tberfläche.ipie: lenden Weienszüge der Heldin werden ve> geistigt und uachs innen gekehrt, und der tastenden Phantasie erschließen sich, indem sie aus dem naiven Herventniu daS llüeillzeranslöst, verborgene 'siegnngcn, dämmernd' - Wünsche, wogende Empstndnngen; innere -.b'klebnisie treten -.gegen' lliöl.lsscljick.fale: P ionlither hlachegier iveicht ' gvltgcwoll Z'tlier trotz dieser'verinensäjliihenden tt bildnng reckt dock, amh in -Hebbels Trai eine liiuictitbare Blaiht' ihren F-ii'iger Iiine vZeticinuiisvvIl'denlete-er. in der Sthivü.le i -rmchzeiE-nachtz auf Inditl» wie auf e -Heilige, lsiottgeiveilite, und erhoben zeigt il»r. als der'Assyrier'donnernd-an-die Ti Betl»nliens llopjt. den llsteg. der znm Her Howsernes' ii'ihrt. Bvii. Gottes Geist brünstig eifi,IIt, jhbelt sie ans in dem -Neienden tsied.inkeu: „Ter Zltzeg ZU meii S-ol gel»t durch-die Sünde." Sock» mit der Snndhasligleit lockern -'na, die metaphysischen Wurzeln, ihrer-uec war ihr ict,on längst ein starker Erdger iveiblicher Eitelkeit beigemischt.. so liegt \ bäum, der ::i dim Himmel ragen sollte. . tu r-chen am Boden., di-> die Slnrme enlnuiel Leidenieha'len über, seine Krone.dahinbrans l

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