Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 39 (26.9.1935)
- Date
- 1935-09-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIV. Jahrgang / Nr. 39 Berlin, 26. September 1935 P r e i s 10 P f e n n 1 g entral ALLGEMEINE ZEITUNG DhfJUDENTUMS A. H. Wir ilelMeil in diesen Tagen zugleich vom alten Jahr und von einem Jahrhundert Abschied. Ein Gcschichtsabschnitt geht zü Ende. In den Tiefen unseres Wesens, in Herz und Verstand spüren wir den großen Wandel lim uns als starke Erschütterung. Wir verlieren zuviel, als daß uns der Abschied leicht werden könnte. Wir bekennen uns in dieser Stunde mit Stolz zu einer Vergangenheit, die unser, war. Wir tragen diesen Stolz in unsere neue Zeit hinüber, um in ihr mit Würde und Festigkeit bestehen zu können. Sentimentalität und Bitterkeit,, die uns b.c-- schleichen könnten, wehren wir ab. Mit Ressentiments, mit Empfindsamkeit, anit kopfhängerischem Nachtrauern meistert man kein Schicksal, das uns ehern dünkt.- In harten Zeiten behaupten sich nur harte Menschen. Wenn wir setzt sehen, daß eine Epoche endet, brauchen wir starken Willen, um nicht selbst mit ihr zu enden. Unser Leben in dieser, neuen Zeit ist Leben von Juden, und auch unser Wirken in ihr kann jüdisch sein. Ter Zukunft und der Vergangenheit gleichzeitig zugewandt sein, muß ' falsche Blickrichtungen, muß schiefe Bilder schassen. Wir blicken klar dem Kommenden entgegen, aber wir sind dabei erfüllt, von dem Glanz und den Schatten, von den Lehren und den Enttäuschungen der Vergangenheit.' die. nehmt.alles nur in allem, uns lebenskräftig machen. Ter 'Inbegriff eines Jahrhunderts au geistigen, kulturellen und zivilisatorischen Werten ist in uns. Wir schleichen nicht geduckt und zeitsremd ans Ghettomauern, um'in einen neueN ghettoähn-- lichen Bereich zu,gelangen, sondern wirwissen, welche Werte nahe und ferne Umwelt den Juden zu geben vermögen, ohne daß das Judentum dadurch Not zu leiden braucht. Nur jüdische Menschen, die weder ans. einem Ghetto kommen, noch in ein Ghetto wollen, konnten in diesen Tagen die Kraft finden, eine Planung des jüdischen Lebens zu-beschließen, in der die notwendige Einheit der Juden in Deutschland sich mit der "Freiheit des einzelnen Juden vereint, im Rahmen seiner persönlichen Möglichkeiten und der allgemeinen Gesetze denjenigen jüdischen Weg zu gehen,.auf den ihn seine Tradition, seine Auffassung vom Judentum und seine -geschichtliche Vorstellung; öont jüdischen Schicksal führen. Die fünf Thesen der NeichSvertretung. die wir nebenstehend veröffentlichen, blieben ein leerer Rahmen ohne die Menschen, in denen, sachliches Können und jüdische-Ber- .4 us dem Inhalt unserer Feiertags-Nummer: Hauptblatt: Dr. AI. £.: Haushaltshilfen. 1. Beiblatt: Umkehr, von Will}) Busehhoff. 2. Beiblatt: Luzern und Wien, von Dr. Eva Reichmann-Jungmann — ■Nach dir Agents-Tagung, von Dr. Friedrich Brodnitz—: Der Hilfsverein der Juden in Deutschland, von Dr. Al, E. 3. Beiblatt: Rosch Haschana-Beilagc mit Beiträgen von Rabbiner Dr. Manfred Sv>arsenskv- Oberkantor Magnus Davidsolm, Hermann Falkenberg . 4. Beiblatt: Kulturbund in Berlin und im Reich. - 5. Beiblatt:.. Bücher, nach denen mir uns sehnen — das Ergebnis unserer Rosch Haschana-Umfrago — Snlla, der-Schauspieler. Szene ausdem Manuskript von Max Spanier — Sport. ' 6. Beiblatt: Neue KunstbüchcrA arigezzigt von Dr. Olga Bloch —• Moritz Heimann von Dr. Kurt Pinihus. 7. Beiblatt: Wirtschaft der Woche — Kinder- 8. Beiblatt: S\'):cgogemveihen. antwortung ohne billige Rhetorik und Agitbtwn zur Einheit werden. Wir sind bereu, solche Menschen zu stellendie das Programm derReichsvcd.'tretung innerhalb der deutschen,' Grenzen zu verwirklichen vermögen. Ter Eentral-Berein gibt diese Erklärung ohne Vorbehalt ab. unter der einzigen einschränkenden Voraussetzung: daß mit der gleichen Ehrlichkeit und Objektivität auch die Vertreter der anderen jüdischen Richtungen an der überragenden und ausschließlichen Aufgabe. der nächsten Zeit Mitwirken., einen möglichst großen , Teil, jüdischer ideeller und materieller Werte zu erhalten. Wir sind überzeugt, daß,man die Siegessansareu gewisser zionistischer Kreise und Persönlichkeiten bei, der überwältigenden Zahl der ‘ Juden Deutschlands, auch bei gesiunungsderivaudten. als grobe Disharmonie empfindet. Und an Stelle der kaum verhüllten Freude über geschichtlich 'bedingte Veränderungen innerhalll.Benennung und Ziel setzung jüdischer Organisationen wäre das „Welsi. uns, wir haben gesiegt" oerstandluher und - ja di jeher gewesen. Es ist eine inerkn'nrdige. aber geschichtlich »ielit überraschende Tatsache, daß dnrel, die Entwicklung der llnistände die Kreise, die uns nahestellen, zum Wahrer eines iveiteren. nin-- jasjenderen Judentnnis geivorden sind als diejenigen.^ die mit der Gleiehsetznug von Jndentum und Zionismus eine Verenge-' rnng von Inhalt und Basis schasse». Niemand denkt daran. Propaganda für irreale Tinge zu treiben, aber jeder sollte snl, nberlegeih daß es gefährlich ist. im ' Das Programm der Ite ieli«ve rt x t 11 11g Die Pressestelle der Reichsvertreiung teilt mit: . Die vom.Reichstag in Nürnberg beschlossenen Gesetze haben die Juden in'Deutsch land aufs schwerste betroffen. Sie sollen aber eine Ebene schaffen, auf der ein erträgliches Verhältnis zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volke möglich ist. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland ist willens, hierzu mitührer ganzen Straft beizutragen. Voraussetzung für ein erträgliches Verhältnis ist die Hoffnung, das; den Juden und jüdischen Gemeinden, in Deutschland durch Beendigung ihrer Diffäniierung und Boykottierung die moralische.und wirtschaftliche Existenzmöglichkeit gelassen wird. Die Ordnung des Lebens der Juden in Deutschland erfordert die staatliche Anerkennung einer autonomen jüdischen Führung. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland ist das hierzu berufene Organ. Hinter ihr steht vis auf geringe Ausnahmen die Gesamtheit, der Juden u?w jüdischen Gemeinden, insbesondere alle Landesverbände und alle Großgemeinden, sotvje die freien jüdischen Organisationen: Zionistische Vereinigung für Deutschland — Centralverein der Juden in Deutschland — Reichsbund jüdischer Frontsoldaten — Vereinigung für das religiös-liberale Judentum— Die organisierte Gelneinde-Orthodoxie — Jüdischer Frauenbund — Reichsaüsschuß der jüdischen Jugendverbände. ' Die dringendsten Aufgaben der Reichsvertretung, denen sie in energischer Verfolgung des bisher von ihr eingeschlagenen Weges mit aller Hingabe machgehen wirdFsind: 1. Das eigene jüdische Schulwcrk mutz der Erziehung der Jugend zu religiös gefestigten, aufrechten Juden dienen, die' aus bewußter Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft, aus der Arbeit an jüdischer Gegenwart und dem Glauben an jüdische Zukunft die Kraft schöpft, den schweren Anforderungen zu entsprechen, die das Leben an sie stellen wird, lieber die Wissensvermittlung hinaus, muß die jüdische Schule der planvollen Vorbereitung für den künftigen Beruf dienen. Mit Rücksicht auf die Auswanderungsfähigkeit, insbesondere nach Palästina, wird dabei die Hinführung zu handarbeitenden Berufen und . das Erlernen der hebräischen Sprache im Vordergründe stehen. Die Erziehung und berufliche.Ausbildung der weiblichen Jugend mutz darauf hinzielen, sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben als Erhalterin der Familie und als Mutter der künftigen Generation vorzubercitcn. Ein eigenständiger Kulturaufbau mutz den tunst- und kutturschaffenden Juden Betätigungsmöglichkeiten geben und dem kulturellen Eigenleben der Juden in Deutschland dienen. Dem gesteigerten Auswanderungsbedürfnis ist mit einer großzügigen Planung zu entsprechen, die vor allem Palästina, aber auch alle anderen in Frage kommenden Länder einbezieht und besonders der Jugend igitt. Hierzu-gehört die Sorge sür die Vermehrung der Auswanderungsmöglichkeiten, Ausbildung in sür die Auswanderung geeigneten Berufen, insbesondere Landwirtschaft lichkeiten zur Mobilisierung und Liquidierung des Vermögens wirtschaftlich Selbständiger, die Erweiterung bestchen- - der und die Schaffung neuer Transsermöglichkeitcn.' 3. Die Erhaltung und Betreuung der Hilfsbedürftigen, der Kranken und der Alten mutz in Ergänzung der staatlichen Fürsorge durch weiteren systematischen Ausbau der von den Gemeindea getragenen jüdischen Wohlfahrtspflege sichergestellt werden. 4. Diesen vielfältigen und schwierigen Ausgaben mst eine verarmte Gemeinschaft nicht gewachsen. Die Reichsvertreiung wird mit allen Mitteln versuchen, die wirtschaftliche Kraft der Juden dadurch zu sichern, daß die vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten erhalten bleiben. Die wirtschaftlich Schwächen sind durch weitere Ausgestaltung wirtschaftlicher Hilfsmaßnahmenwie Arbeitsnachweise, Wirtschaftsberatung sowie Pcrsonal- und Realkredithilfe zu stärken. . 5. Kraft in der Gegenwart und Hoffnung für die Zukunft gibt das lebensvolle Fortschreiten im -Ausbau des jüdischen Palästinas. Um das Judentum in Deutschland noch mehr' als bisher in diese Entwicklung hineinzustellen, tritt die Reichsvertretung als solche dem Jüdischen Aufbauwerk c. V. (Keren Häjessod) bei und fordert die jüdischen Gemeinden und Verbände nachdrücklichst auf, ihrem Beispiel zu folgen. Tie NeichSvertretung erklärt sich bereit, die organisatorische Verbindung der Körperschaften der Judenheit in Deutschland mit dem Aufbauwerk in Palästina he czustellen. und Handwerk, die Schaffung von Mög Jm vollen Bewußtsein der Größe der Verantwortung und der Schwere der Auf gäbe ruft' die Reichsvertretung alle jüdischen Männer und Frauen, die gesamte jüdische Jugend zur Einigkeit, zu jüdischer Haltung, strengster Selbstzucht und größter Opferbereitschaft auf. - Einem im Präsidium der ReuhSvertrelnng Vertretung. Jaiide-merllande und Gemeinde,! gestellten Antrag enliprechend. werden Reicheersucht, unverzüglich in' enger Zu.sammenarlleit die olganisatllrischeii und personellen Maßnahmen zu tresseii. die i» den jüdischen Körperschaften erforderlich sind, um eine lraftvvlle und sonsegnente Dnrchführnng deS neneiß Arpeilsprvgrainms durch alle jüdischen Instanzen siclierzuslellen. ' Ten vorstehenden Entsck)ließnngen des Präsidia lan->sct»ijse-> der tßeichsvertretung l,allen ihre am>drnclliche Zustimmungen ge- Prcutzischer Landesverband jüdischer Gemeinden 'd > l n l) ,U tu i i ii o rg er i cl> t s r a t W' v l f f 11 n d :ileelih>aiiwglt Tr. Alfred K l e e; Verband bayerischer israelitifck)er Gemeinden Diivd) L lie r s t l a > i deSge r i ch lsra t Tr. u m e h e r iMünck>en)^ Sächsisäier .israelitischer Gemeindevcrband duriPvWlll>el>>> B r e s l a n e r (Lespziglz Laudcsvcrband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens durel, Kommerzienrat l) e r l Bla in zü Ob/rrat der israelitischen Religionsgemeinschast Württembergs durch Leopold Leu i i Stutlgarl); - Oberrat der Jsräetitcu in Baden durck, Prosessor Tr. l ei n «Klirl->rul>edie Gemeindevertretung der Hansestädte Dtinli Rerl>t<'amualt T a t> i d lHamllurg) n»d Tr. '>.>l a >i a s s e kAllona): ' Oberral der Israelitischen Laudesgemeinde Mecklenburg-Schwe'rln durch Tr. Jo» > e p l> I> (:li oft ud i. Jüdische Gemeinde zu Berlin durrl, Tireltov S t a ij l : /' - Jüdische Gemcinvc Breslau durch Tr. Jüdische Gemeinde Frankfurt,Main durch .Justizrat. V l.ä ii Jüdische Gemeinde Köln durcl, Tr. Eall- Jüdische Gemeinde Mannheim durch Ralllliuer Tr. G r ü u e w a l d : Jüdische Gemeinde Essen durch Te. H i r > et) l n n o : Jüdische Gemeinde Nürnberg durch Komimü zieurat R o s c >, z iu e i g; Jüdische Gemeinde Königsberg durch Gc^ hciiurat F a l l c> u l> c i m. - Zionistische Bereinigung für Deutschland durch-'Tr. Bl v s es; Eentral-Berein deutscher Staatsbürger jüdi- - scheu Glaubens e. V. durch Juftizrak Br übnili: ' Reichsbuud jüdischer Frontsoldateu durch T.r.' Lc'v L v w e n st ein: Vereinigung für das religiös-liberale Judentum durch hlechtsamvalt L t e r u : die organisierte Gemeinde-Orthodoxie' durch Rallbiuer Tr, H v s s m-a u n : ... Jüdischer Frauenbund durcl) Frau Ottilie 3 fl) u u i' w al ö i Rcichsansschutz der jüdischen Jugendverbände .durcl) Tc, Friedrich Vrodnihz Hilssverein der Juden in Deutschland durch Blar 'BI a r b'u r u : Palästina-Amt der Jewi&h Agency durcl) Ti,. Frau; Bl e h er,- -