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Central-Verein-Zeitung · 1935-06-04 · 23 (4.6.1935) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
23 (4.6.1935)
Date
1935-06-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Die natürliche Zukunft der deutschen Juden Kann die jüdische Bevölkerung in Deutschland noch „stationär" werden? Von Dr. Georg Wolff (Berlin) Mutmasslicher Altersaufbau ■ 1933. bei einer jüdischen Bevölkerungszahl von 500 000 Ai.reti.5M. Asst-'N Wann ist eine Bevölkerung stationär? Diese Vorfrage der Bevölkerungslehre muß zunächst beantwortet gverden, ehe wir uns . dazu äußern können, ob im besonderendie .jüdische. / Bevölkerung in Deutschland, noch stationär werden.kann. Tenn „stationär" hat in der Bevölkerungsstatistik einen - ganz be- . stimmten Sinn, bedeutet nicht etwa einfach seßhaft oder dergleichen, wie im gewöhnlichen "Sprachgebrauch. Eine Bevölkerung ist dann stationär (ganz gleich, wie groß oder klein sie auch sei), wenn die Zahl de r Ge b n rt e n in jedem Jahr genau der- Z a h l d e r S t e r b e f ä l l e ü der alle Altersklassen entspricht, wenn also Geburten und Sterbesätle einander äus- . entspricht die heutige Geburtenzahl.von rund .4000 jährlichen jüdischen Geburten in Deutsch- - land? Tie Bevölkerung bleibt stationär, wenn Geburten und .Sterbefälte einander die Waage halten, wie es über längere Zeit etwa in . Frankreich. der ffall ist. .Ter genaue Altcr-5- -ansbau einer solchen ideellelh d. h. stets statio- ' uar bleibenden Bevölkerung/ die naturgemäß stets, mehr oder weniger stark von der jeweiligen wirklichen Bevölkerung nbiveicht, lätzG - sich nun leicht mit einigen mathematisch-statkstischen Hilfsmitteln aus der sogenannten ..Absterbeordnung der Sterbetafel" errechnen. Letztere zeigt nämlich für eine bestinnnte Zeitperiode an (im Deutschen Reich zuletzt fiii* die 'Jahre von 1924 bis 1926), wie'sich'das Ab- -cCti -sy.. 30 «ü , iOX' '4 .g Altersaufbau der Gesamtbevölkerung im Deutschen. Reich 1925 nach zehnjährigen Altersklassen ALTERSKLASSEN j , Über 70 j3,^% 60-70 50-60 kOSO 20-40 ~ 20-50 ~ AQ-2Q 0-40 gleichen und damit der Bevölkeruugsbestand erhalten, d. h. stationär bleibt. Es ist bekannt genug, daß dieser biologische Gleichgewichtszustand bei der jüdischen Bevölkerung in Deutschland schon lange nicht mehr besteht, worauf zuerst wohl T h e i l h a b er , später von Statistikern besonders S i l b e r g l e i t in seinem grundlegenden Werk über die Bevölkerungs- und Berussverhältmsse der deutschen Juden aufmerksam gemacht hat. Die jüdische Bevölkerung (freilich nur. in Deutschland) stellt vielmehr den extrem regressiven Typus in ihrem Altersaufbau dar, d.h. einen Populationstypus' der infolge Anhäufung Her mittleren und insbesondere der höheren Jahrgänge zu einem zunehmenden Sterbeüberschuß führen muß und damit zum biologischen Untergang der betreffenden Bevölkerung, wenn nicht — auf irgendeiner Basis — ein stationärer Zustand, also ein Gleichgewichtszustand zwischen Zugängen und Abgängen, in absehbarer Zeit eintritt. Dieser stationäre Zustand kann nun freilich bei den Juden in -Deutschland bestenfalls nur noch auf einer- Bevölkerungsbasis eintreten, die viel kleiner ist als der Besetzung in den Mitteljahrgüngen der heutigen jüdischen Bevölkerung entspricht. Es ist aus den allgemeinen Bevölkerungsdebatten ebenfalls bekannt genug, daß diese „Ueberalterung der Bevölkerung" nichts mit einer biologischen Vergreisung, d. h. vorzeitigen Entartung, des Individuums zu tun hat (wie unklare Köpfe gelegentlich meinten). Tie Ueberalterung stellt vielmehr eine Äenderung dcrB e v ö l k e r u n g s z u s a mm e n s e tzung darn eben eine Anhäufung der Lebenden in sterben einer Generation auf Grund der em- ' pirisch gefundenen Sterblichkeitsverhältnisse in den einzelnen Jahresklassen bis zum völligen Ende gestalten würde, und zwar lediglich auf " Grund der Sterblichkeitsverluste. Der Altersaufbau einer stationären Bevölkerung gibt also den biologischen Ablauf einer Generation — bei einer gegebenen Eintrittszahl von Geborenen — am besten wieder. (Vgl. nebenstehende graphische Veranschaulichung einer stationären Bevölkerung in Abb. 4.) Die wirkliche Bevölkerung wird hingegen in hohem Maße durch den.Wechsel der Geburtenzahlen, durch, den Wandel der Sterblichkeit und durch Ein- .und Auswanderung beeinflußt. Dadurch entstehen, zumal wenn alle drei Elemente Zusammentreffen, so groteske Bevölkerungsgebilde wie bei den deutschen Juden, bei denen der Unterbau der Bevölkerungspyramide gegenwärtig viel schwächer ist als der Mittelbau. (Vgl. Abb. 2 und 3.) Nach einer Schätzung von mir für das Jahr 1933 standen bei einer Gesamtzahl von rund.500 000 Juden 60000 Kindern bis zehn Jahren mehr als ^je 80 000 . Erwachsene im dritten, vierten und fünften Jahrzehnt gegensere Rechnung" von einer Lebense r m arrung b e i d e r G e b u r t von 00 Jahren aus, die tatsächlich, von einer Reihe von Gesamtbevölkerungen (Dänemark.. Schweden, Neuseeland) auch bereits erreicht ist. Das bedeutet also, daß jeder Neugeborene die Aussicht hat, im D u r ch s eh n i t t 60 Jahre zu leben. - Damit läßt sich nun leiciit (auf die mildere Begründung sei hier nicht eingegangen), der Umfang der stationären Bevölkerung bei jeder beliebigen Eiutrittszahl vö» Lebendgeborenen bestimmen. Bei einer jährlichen Eintrjttszahl von 1000 und einer Lebenserwartnug von 60 Jahren beträgt er naturgemäß 60 <»ch Personen, d, h. er ist gleich dem Produkt ans der Zahl der Leveudgeborenen und t<r/s% der jeweiligen Lebenserivartnng: beb einer Zahl von 4000 Lebendgeborenen 2p«;, beträgt er demgemäß 24<miih> Per svncn. Nach diesem kurzen Erkurs in das Gebiet der. Bevölkernngstheorie kehren wir zu den empirischen Zahlen der Statistik zurück -und vermögen nun mit ui,de des natnrlielu'u Atiersausbaus lnr eine "Bevölkerung von rund 2 >«> <«>«, Menschen.-nur halb soviel Jläclieiiramn eiiiiiimiiil loie diejenige' firr die nürkliche. aber ..iiiiimtürliche" Bevölkerung von I93:i> Der BZänder u li g s v e r I n >i. -der in dieser Zeit akut gesteigert . ivnrde. ift hierin nicht enthalten: er ivird auch in der Folgezeit und) an>,alten.. Soll die jüdische Beoölleiiiiig aber noch ein ' mal stationär iverdeu. iveuu .auch äuf der schmalen Basis von lnon Lebendgeburten im Jalir und der Gesamtzahl-von knapp-inner Biertelluillivu Ntensche». so ist auch dann noch eine gewisse Gebnrteusreudigkeil. ei» Wille z n m I o.r t l e b e ». in den jnngcn 'jüdischen Eben erforderlich. Dieser Bälle darf sich aber niclil ans das eigene Wohl und Blehe. das in -dividnelle Leben beschränke», sondern muß die Altersaufbau “einer stationären 'Bevölkerung auf Grund der jetzigen Sterbeverhältnisse ALTERSKLASSEN ihrer Hilfe leicht die Rechnung ans das gegen wattige Problem der B e'st a n d e r I, a l - t u n g d e r j ü d i s ch e n Nh i n.d e r h e i t zu Ende zu führen/ das unser aller Ansmerk' samkeit hat. Im Jahre 1930 ivurden in Preußen 3004 jüdische Lebendgetwrene ans rein jüdischen Ehen und 5559 jüdische' Ge. storbene gezählt (192!) je 3283 und ^6235); rechnen wir, daß die Zahl der Juden in Preußen (nach der letzten Volkszählung vom 16. Juni, 1933 noch 361 826) reichlich sieben Zehntel (genauer 72.4 Prozent) der Gesamtzahl der Inden im Deutschen Reich (1933 nur noch 499 682) betrug, so ergibt sich daran« bei gleicher G.eburtlichkeit für die jüdische Reichsbevölkerung (eine 'Auszählung der jüdischen Geborenen für das ganze Reich liegt nicht vor), eine Zahl von rund 4100 bis 4200 Lebendgeborenen im Jahre 1930. Es ist mit Sicherheit anzunehmen. daß entsprechend der allgemeinen Tendenz diese Zahlen schon in den Jahren 193.1, 1932, 1933 weiter zurückgegangen sind, ist doch allein schon in Berlin von 1930 auf 1931 die Zahl der Lebendgeborenen aus rein jüdischen Ehen um 169 (von 1127 ans 938) gefallen. generative Pflicht zur Nachkommeuschaft in sich tragen. Es bedarf auch keiner großen Ueberleguug. daß die Zahl von durchschnittlich . zwei Kindern pro Ehe nicht ausreicht, um die Eltern voll zu ersetzen und damit den ssortbestaud der Bevölkerung zu sichern. Denn ein Teil der Binder stirbt vorzeitig, ein anderer bleibt unverehelicht. ein anderer gelaugt zwar zur Ehe, erzielt aber aus mancherlei phatvloüber! (Tie genaue Auszählung nach dem Wenn gegenwärtig auch Mischehen kaum Ir Alter liegt sür^die deutsche Reichsbevölkerung noch geschlossen werden., so ist doch in den;V(1] i -'^'ch>viichs ,sterile noch nicht vor: sie dürfte für die jüdische Berein jüdischen Ehen die Gebnrtlichkeit ans' Glien>. Die dilnhsil,iiittliche Klnderzahl Pro völkerung allein überhaupt kaum erfolgen, da psncholoaischen Gründen womöalicli nocb - ch t-pa re Eh e^iiinß also großer sein als völkerung allein überhaupt kaum erfolgen. -Auszahlungen nach Alter und Konfession auch vordem kaum in den amtlichen Duellenwerken veröffentlicht wurden.) Wie läßt sich nun der U m f a n g e r n e r st a t i o n ä-r e n j ü bischen B e v ö l k e - r u n g bei einer gegebenen Eintrittszahl von Altersaufbau der jüdischen Bevölkerung im Deutschen Reich 1925 ALTERSKLASSE N Ob« 70 so-bo HO-50 3 o-w [0 50 % 10-20 0-10 Psychologischen Gründen womöglich noch weiter eingeschränkt worden. Wir dürfen also die Zahl der Lebendgeborenen in der jüdi-. scheu Bevölkerung zur Zeit kaum noch höher, als zu 4000 annchmeu. DaheL'würdc d e r U m f a n g e i n e r st a t i o n ä r e n j ü d i s ch e n B e v ö l k e rung. die ä u s eigenen G e b u r t e n i h r e n B e st a n d. e rh al te n kann. b:e t e i n e rLebens - e r w a r t u n g v o n 60 I a h r e n 4000 X 60 — 240 000 betrage n. Tie Zahl der Juden im Deutschen Reich betrug nach der Bölkszählung vom 16. Juni 1933 genau 49'.» 68-^ (1925 noch 564379). Da seitdem wieder fast zwei Jahre vergangen jinö; wird man den weiteren Sterbcüberschuß (gegenwärtig etwa 4000 im Jahr, nämlich 8 auf je 1 oiJO. der jüdischen Bevölkerung), und die weitere Emigration. die erst in den Jahren 1933 und 1934 ihren Höhepunkt erreichte, .zusammen mit rund 25 000 Menschen, kaum zu hoch au nehmen. Die jüdische Bevölkerung im Deut zwei lerakte statistische Berechuungeu zeigen, daß bei den gegenwärtig besonders günstigen Sterbeverhältuissen diese Zahl zivischen 2.5 und 3 liegt). Das muß auch für die jüdische Bevölkeriiiig uiaßgebeud sein, iveuu sic als Koufeinoiisgeiueiusthaft weiter leben »ud noch jemats in Deutschland stationäriverdeu will. Ein gewisser l e b e n S b e j a h e u d e r OPtimis- .m u s gehört aber in jeder Geiiieiuschaft.Zei sie durch )>tasse. Kultur. Nationalität oder. Konfessivi, gebildet, zur Weitereristeuz. Der gegenwärtige Geburteurückgaug ist freilicl). iveuu-er Jormeu aiiiiimuit, wie jetzt bei den deutschen Jude», die ichärfjte bivlogisctie Absage an die!)lleitL'reri-steuz der Geiileiuschast-. Er versc-l-cirst nach der biologischen Seite die frühere soziologische Tendenz der Assimilieruug durch Mischehen und Austritksbelveguug, indem er uoch radikaler das jüdische Stauimeselement (nicht mir das kousessionellc') austilgt. Will maii also eiueu Willeir zum Untergang der scheu Reich, wie sie allein nach dem Merkmal - deutschen Juden nicht anerkennen, so ist es den mittleren und höheren Altersklassen, und zwar gerade infolge der Verlängerung der durcl)schnittlicheu Lebensdaiier und des. Geburtenrückganges in allen Kulturstaaten (vgl. Abb. I). Tiefe Äenderung der Bepölkerungszusammensetzuug ist bei den deutschen Juden noch etwas'weiter vorgeschritten als bei der .deutschen Großstadtbevöikerung oder einer den deutschen Juden soziologisch ähnlichen Bevölkerung, worauf kürzlich von mir durch Gegenüberstellung der Berliner Bevölkerung nach dem Altersaufbau hingewiesen wurM." (Dgl. Tie heute für dey Bestand der deutschen Jjuden aktuelleMrage lautet: Wie groß kann eine Bevölkerung fein, damit sie bei der gegenwärtigen G e b u r t e uzy lhl der Juden stationär bleibt? Oder anschaulicher ausgedrückt, welchem Bevölkerungsumsaug Lebendgeborenen bestimmen? Dazu sind lediglich einige Annahmen aus der Bevölkerungstheorie, deren Wahrscheinlichkeit sehr. groß, ist, und einige elementare Rechnungen erforderlich. Aus der letzten Absterbeordnung für das Deutsche Reich (Sterbetafel von 1924 bis 1926) ergab sich-eine Lebenserwartung (mittlere Lebensdauer) für die Gesamtbevölkerung von 57,4 Jahren. Wir dürfen annehmen, daß sich die Lebenserwartung in den letzten Jahren noä) etwas verbessert hat (in- —w1ge-^e4--weiterL'u Sinkens der Sterblichkeit. Sterblichkeit stit ^92^26). Besondere Sterberaseln für die jüdische Bevölkerung^ allein eristieren natürlich nicht: es ist aber aus Grund der ärztlichen Kasuistik und Krankenhäuserfahrung anzunehmen. daß die Sterblichkeit der jüdischen Bevölkerung eher noch etwas günstiger ist als beim Durchschnitt der Gesamtbeoölkerung. Infolgedessen gehen wir für uuder Konfession statistisch exakt zn erfassen ist. dürfte also gegenwärtig kaum noch mehr als 475 000 Menschen betragen. Das bedeutet freilich einen Bevölkerungsverlust von 90 000 Menschen in zehn Jahren, abev auch dann ist die verbleibende Zahl noch immer doppelt s o g r o ß. als dem biologischen Aufbau einer stationären Bevölkerung entspricht. Mit anderen Worten, die jüdische Bevölkerung in Teutschlan'd wird innerhalb einer Generation lediglich diirch den natürlichen St'erbeüberschuß einer überalterten Bevölkerung auf die Hälfte ihres heutigen Bestandes sinken. Dieser Sterbeüberschuß betrug schon in den fünf Jahren von 1926 bis 1930 in Preußen (17 826 jüdische Lebendgeborenc und 28 699 (hestvrbene) fast 11 000 Menschen, »va's bei Ueoertragnng - der glecclieu ^M'Wi-ltniM auf das ganze Reich rund 15 000 ausinachk. Das heißt, der n a t ü-r l i ch e Bevölkerungsverlust betrug schon in diesen fünf Jahren jährlich 3000 Mcuscheu; es zweifelt niemand daran, .daß er in den fünf Jahren von 1931, bis 1935 erheblich höher gewesen sein ivird. «Das ist in der graphischen Darstellung zum Ausdruck gebracht, indem die uormale Pma höchste Zeit, ihm.Einhalt zu gebieten. Den klaren Ergcbuisien der Statistik und Bevölkernugsanalyse darf sich liiemaud mehr verstl)ljesieii. Eutiveder das Judeiitum hat' sckne weliliistorische Aufgabe erfüllt und geht meuigsteus in Deutsciiland —seinem biologischen Verfall entgegen, oder es findet von ium-'u heraus die Kraft, die .stultnrw'erte feiner alten Meligivn ikiid damit fein Bolkstuiu inmitten aller fremden Wirren zu erhalten: d. hi , den irrationalen Wert des Glaubens aii sich ielbst und seine biologische Zukunft über den istarioiialismiis einer allzu beguemeu. aber inhaltloscu Lebeiissührung zustellen. Einen audexeii. B»eg gibt es nicht, heute nicht und, nicht iir Zukiinft. V. W K). Kmsfr

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