Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 23 (4.6.1935)
- Date
- 1935-06-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Berlner Blatt der C.-V.-Zeitung 6. Juni 1935 Jüdisches Museum unter neuer Leitung Professor Dr. Franz Landsberger über seine Pläne Mehr als je verlangen heule jüdische Kunjtsammlungcn und bowiidcrs dasBcrllnei-. I.Jüdische Museum die Aufmerksamkeit der jüdischen Krene. Nicht allein, weil derartige .Sammlungen Ausschluß über die ^unst und Kulturgeschichte. des gidiichen Menschen . der Vergangenheit-heben, sondern vor allem; weil sie für Gegenwart .und Zukunft als , .Sammelstätte jüdischen Schasfens überhaupt zu gelten haben werden. Professor Tr. Franz Land s b e r g or. der am 1. Mai sein Amt-als Leiter des Berliner Jüdischen Museums angetreten hat, «äußerte;ftch einer Blitarbeiteriu gegenüber über seinen neuen Wirkungskreis, über, seine Wünsche. Ideen und Absichten. ' - Ta? „Jüdische Museum", so berichtete Professor Landsberger, „entstand ursprünglich durch Vermächtnis der Sammlung Albert Wolf (Dresdens an die Berliner Jüdische Gemeinde. Zunächst gelang e.s nicht, die Kultgeräte, graphischen Blätter. Druckwerke, Photographien. Münzen und' Me» daillen dem jüdischen Publikum zugänglich zu machen. Erst nach Jahren wurden die Kunst' gegenstände der Bibliothek der Berliner Jüdischen Gemeinde angegliedert und ausgestellt, wiederum nach Jahren, unter Erweiterung der bisherigen Räume, die der systematische Ausbau verschiedener Abteilungen bedingte, einer eigenen Verwaltung unterstellt." „Nahm schon damals" die breitere jüdische Oeffentlichkeit an dieser kulturell bedeutsamen Studiensammlung ein größeres Interesse?" „Damals, soviel mir bekannt ist, tvohl noch nicht. Erst 1929 wurdeder Jüdische Museumsverein gegründet. Tie Mitglieder halfen, durch Schenkungen sowie durch Bereitstellung von erheblichen Mitteln, die wertvolle Ankäufe ermöglichten, die Kunstsamnllung zu einem jüdischen Museum auszubauen. Doch die Anzahl'der Mitglieder des Vereins ist leider bis zum heutigen Tage immer noch nicht sehr groß, und ich werde bemüht sein, ihre Zahl zu vermehren. Auch gibt es immer noch zu wenig Kunstsreunde, die durch private Zuwendungen eine Erweiterung des- Museums möglich machen. Viele jüdische Familien geben heute ihren Wohnsitz in Dimtschland/aui. Sicher besitzen . manche von ihnen, von Generchion zu Generation vererbt, alte biblische -Stiche. nWtschL^ Kiiltgeräte, Ehanukkaleuchter, Lampen, BsomimbiMpen usw.. die sie nicht auf ihrenneuen Lebeirsiveg uiitnehmen können oder wollen. Ihnen gilt meine Bitte, diese Gegenstände dem Jüdischen Museum zur Verfügung zu stellen. Doch nicht an die Fortziehcnden allein möchte ich . mich - wenden, sondern auch an die. jüdischen Gemeinden, die jetzt aufgelöst werden müssen: ihr Urkundenmaterial, ihre Knltgerätc dürften dem Museum wertvolle Bereicherung bringen. Aehnlich wie es Dr, F e u ch t w a mg e r in München versucht, unter Berücksichtigung des bayerisch-jüdischen Gesichtspunktes, die Museumsgcgenstände einzugliedern, so möchte ich es hier . in Berlin unter einem preußisch-jüdischen tun. Darüber hinaus aber geht mein Bestreben, auch den Einzelnen sür eine Mitarbeit zum Ausbau, dieser Stätte zu gewinnen, die ja eitle Üebcrsicht über jüdisch-kulturgeschichtliche Entwicklungssiadien geben soll. Allerdings: die'Wissenschaft der. jüdischen Kunst steht erst in ihren Anfängen. Viele Lücken bleiben noch auszufMeu. Um so wertvoller ist es mir. in Frau Tr. Rahel W i s chm i tz e r eine Kennerin jüdischer Kunst zur Seite zu haben, die sich dem Museum ehrenamtlich zur Verfügung gestellt hat." „Und Ihre Absichten hinsichtlich der weiteren Ausgestaltung der '.oder n e u jüdischen Kunst? Das Museum besitzt doch eine stattliche Anzahl von Gemälden und Plastiken. Sicherlich Haben Sie sich doch schon früher für jüdisches Schassen eingesetzt?" „Natürlich. Meine enge Verbundenheit «mit moderner jüdischer Malerei. Gravhik. Bildhauer, reicht weit zurück. .Schonchor 2ö Jahren gründete ich in Breslau einen Verein iur zu dichte Kunst. Sit sprach ich auch zur Eröffnung von Ausstellungen jüdischer uünitler in Breslau und in meiner oherschwslsctx'u Heimat. re'erierte nchr. die verschiedene..Art ihrer iäiöpterichien Gestaltung, versuchte,-sie dein'Publikum naheziibr-iiigew Auch in der Hochschule für die Wi'senichatt des.Jndciitiilns in Berlin hielt ich Vorträge. können sich daher denken, daß meine besondere Sorgfalt dein Attsbml der Genial de- und Plaitik-Sainnilimg gelten wird....Mein.Plan geht zunächst ciiunal dahin, die Eiitgangshallo ches'Vilisetlms als Atisftellimgsranm für gegenwartsnahe Werke zu delassen. Das eine Mal soll dem Gefamtschaften. eines Künülcrs Raum-gegeben werden...das andere Mal sollen Küintlergrnppen, Stiche-auS dem jüdischen Leben. Photos von.Kuitstiverken.^ Kultgegenstände aus Privatbeßtz ihren Platz dort finden." . Kanit chas Müfeum. heilte bei der angespannten^ Finanzlage überhaupt Gemälde oder Plauiken moderner Künstler an?" ..Gewiß. Aber nurin , einem -bescheidenen Rahmen.- denn .unter Etat nt naturgemäß sehr, klein. Manchinal treten nur daher an die Künstler Mkt der eBitte heran, uns das eine- oder andere , ihrer Werke als Leihgabe zzn tiberlasien," Aiilien «m Ainietun so»ü noch verborgene Schatze Herr Prosetior?" . Sh. nur gartze Men«h'. Aber ße-bleiben Nicht verborgen. Im Gege-uie>l. Lzie werden von den luditckvn- -Zcitungeir zum Zivecke der Berossentlichuug nii in er wieder m Anspruch genommen. Ich ivreche von unserem Kupferstich- und Photo- —Archiv, das sich, wie ich zuversichtlich hoffe: bald' zu. einer Sammelftelle für alle wertvollen Jllnnrationen. die jüdische Dinge lvrühren. entwickelnwird. Jur Verfolgung dieses Zieles stehe ich augeiiblickliät in Verbind,rüg mit änderen jüdifchen Viiileeü in der s.'hcU. um auf dem Austauschloege neues 'tzhotomaterial tur uii'er Museum zu -erhalten... Es durlle übrigens kauui bekannt sein., daß. das Mil'eum nebenbei auch die Zentrale s»r .indische Lichtbilder iit. Es verleiht Lichtbilderzu Vortragszwecken nicht mir innerhalb Berlins, sondern a«uh tur das ganze Reich. , Es >fl rin iveilgeßeckler schöner Ausgabeu kreis.' der zu ertiilleu bleibt. BAis augeitrebt wird, laßt sich nicht von heute aus morgen verwirklichen, auch nicht von-einem Jahr zum ander», sondern mir Schritt für Schritt inzäher Arbeit. Wenn die jüdische Allgemeinheit an diesem wertvollen Au'- bailwerk mithelfen will, so ist sie dabei sehr«willkommeu!" Hirn. Vom Gross-Berliner C. V. Dr. Hang Reichmann und Dr. H. M. Saenger: „Jüdische Gegenwartsfragen“ "Jim Ji'. Mai veranstalteten die Untergrupp.» »i e st e n.d und L i e P e n s e e der Ortsgruppe E h a r l v t t e n bürg 'unter der Leitung von Aintsgerichtsrat i. SR. Dr. Fritz Golds chm i d t eineiuVortragsabend in der Atila der Schule am Kaiserdamm. Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit hatten sich zahlreiche Besucher zu den Reteraten von 'Rabbiner Dr. Hermann M. Saenger und Syndikus Dr. Hans Reichmann über „Jüdische Gegenwartsfragen" eingesundcn. Dr. Saenger betonte, daß die Voranssetzimg jeder Löstiitg der Gegenivartsfragen eine wirklich innerlichc Entsclieidung zum Jndentum sei. Aus dieser^ Entscheidung ergäben sich aber Verpflichtmigen der jüdischen Gemeinschaft gegenüber ans allen Lebensgebieten. Die gegenwärtige Zeit lege - jedem.Juden die unbedingte Veraiitivortiing an', seinen jüdischen h>itmensche» i» mensthlicher :,»d in materielier Beziehung zu Heiken.. In diesem -.Zusammenhang nnirde. insbesondere, aut die Berptliclitiing indischer Arbeitgeber zur Erhaltung von Arbeitsplätzen für jüdische Vlenichen hingewiesen. Tie Entscheidiiiig zluu Judentum dürfe aber Micht zu einem Verlust der 'Weite des Horizontes führen. Es sei vielmehr nvlwendig. den Zusammenhang -Mit den Giitern dev 'westeuropäischen Kultur zu erhalten tind auszubauen. -.lieber die praktischen Fragen der Gegenwart referierte Dr. Hans. Reichmann. Er wandte , sich .gegen diejenigen Menschen..'.die. vorschnell an» irgendwelchen" Einzeleindrücken Eutscheidungen lierleiten oder die immer rviedcr ilj; trosteuen Eulicheidnngen nmsloßei,. behaiidelte^danu grundiätzliche tvartsntuatioii -und berichtete Arbeit.de«- Vereins. - Der Abend iand nnler den starkes Jiitcrejie und führte Freunde zu.. Dr. Kurt Pinthui-:' , A fragen der Gegenüs derpraktischen i bei anders' „ jüdisches Schicksal in der neuesten jüdischen Literatur“ Es kommt daraus an. die Dinge frei von Jllnsionen ZU selten, ohne-aber, ivie das vielfach geschieht. in eiiien iidcr das notwendige Maß hinaus-. gehenden Peiiimismus zii verfallen. Der Referent Auf einer Delegiertenvertammluiig des Landes verbandes Groß-Berlin -des C.-B.. am N. ^Juni> sprach Dr. Ktirt Pinthns über ..Jüdisches -Schicksal in der neuesten jüdisctien Literatnr'. Trotz des starken „äußeren Mid. iuueren Ausruhrs" der - jüdiscki?n . Menschen »itserer Zeit -fei die literarische Produktion verhältnismäßig gering. Der Grund dafür liege vor allem darin, daß e-> an der zeitlichen Distanz iehle. die notwendig sei. um dem Erleben dichtcrüchen Ausdruck zn geben. 2s.-ic ja auch die eigentli»he Kriegsliteratur eril viele Jahre nach drlKricge' enlstaudeu sei. lo .wnrdeii auch die Geschehnisse--unserer- Tage-erß in eine.r späteren -Epoche ihre endgültige Gestaltung erhalten. Die di«-i->ter,set,e Form, in der das Erlebnis seinen uniniltelbarsten Ausdruck tände. fet die L h r-i k. Als stärkste Vhriker. die jüdisches, Schicksal in ihren Versen formten.Hannte Tr.. Pinthns »eben Werfel den näsahrigen Karl W v l f s k e h l. der in leinen .Gedichten leidenschastliches religiöses Empfinden . gestalte, und den :tz> Jahre jüngeren Plansred' S t u r m a n u . i» desien hymnischen Gesängen ein ivemger einmal'ge-_»veltentrückter. mehr irdischer T- .zu veripu-r.» sei. —-In der Erzählung gäbe es drei Gruudsorinen. durch die das jiidische Schicksal,unserer Zeit zum Aiisdruck gebracht wurde. Die realiüitchef Form, desf.eit Miinerbeispicl der A'oiiian von Mar Brod: „Die Iran, die - nicht enttailichi lei '' Jii ilun wurden alle seelischen Pr«^ bleiiie. die gndi'ßlie Meiilaieii ui..Drul'rhlaud >>eute be'chatl.tgeii. ansinhrliäi bebalideU. Der SllctereiN. ging bcioiiders am -den -von . Brod gei>.tiain nen Benri's ch,-r ...D«'tai>zk-lebe" c>ii.- in der. ..Dntan;- - liebe' mIre.Brod. die.-Lotung anr da» Berlialtnis . nid?iä,en 'hleii'Nieü zu altem wa--> deulnh i'K A!--- zweite Gruiidsorm der ,Eplk nannte Dr. PiiNlnis die lii'lori'cl'e orzalilung.^ Ge'chiäite --- »Wirde - mcvt -»m. 1l>rer telbn .loilN»- ge'Ialtel.- .. toitderzi 'tun in ilir gleiänilsliatl das Scl)>ck>al von lieiite-zg deuten. -t.->eriil>ni!t S > iislie.i mers .Blaria .''.inniez' »nd Gerlo» Tteviis Romap - ..Weg olme o nde' 'eien Benpiele dainr- Die ' dritte Griiiidtorm der Erzablitn-g sei-ßln>esnict> dies in der das bs-rlebnis der"-.Gegenwart-'ins Zeitlose projiziert »üirde. Jur diele Jorm der Darstellung sei.'-Mar, Samters Erzählung ..Der Gaß" keunzeichiieild. Tr.-Pinthns schloß seine.t'Iaiiiiche und hinlassende Darslelliiiig. lürdie ihm die .chner naclidrnckliclid>iiikleil. mit einein Hinivcis aus Fran^ R o.i e n z-w e > g. denen T cliicksal und shterk das Erlebnis unserer Zeit inmkolisch vorweggeiwinine» habe. Bn. „Ein jüdischer Kanzelparagraph? ‘ ‘ Von, V o r s i tz enden des Vor» an des der I ü d i s ch e » G e in e > » d e z u B e r t i ii geht °lilis folgende Erklärung. z»l: . ..Tie Kanzelireiheit der Herren Rai'Inn-»-, ihr 'Recht auf Vertreliing ihrer Anscliaiiiingeli ivird in unserer Gemeinde 'jederzeit gewahrt. Die Kanzelfreiheit darf aber iiiehi liiißbra-iichl iverden. sondern findet ihre selbstverständliche tüvenze in der Stüiirde des Predigtamts und >» der Sstückücht auf die ZeitverhältiiisleJ Ans einer gnuzen Anznhl von Bericlitc». die aiis den Kreise» der Shiiagogeiil>esu,lier des . Jriedenstciupels eingegangen -waren., mußte entiiomine» .werde», .daß diele- Grenze in dec ' Ansprache des Herrn Tr, Pviiz vom 17. Mai überschritten' worden sei. A'achdem jetzt von Herrn Tr^ Prinz eine Wiedergabe ieiner Pre- - digt . i’croTfcntliiijt wordei. iit. die, mit diesen Berichten nicht im Einklang steht, in,rd^eine Aachpriisung des Tag,Verhalts erfolgen." ^Lir begrüßenUe Lohalität. mit der der Gemeilidevorsitzcndli die Klärung den Angelegenheit, aus die wir iu der vorwöchigeu Ausgabe der ..E.V.-Ztg." eiugegangeu waren, vvrzunehmen aukündigt und die Eindeutigkeit, mit der die An», erkenmiiig der Kanzelfreiheit erfolgt. Eine obschließende Stelluiignahnie wird erst dann mögl ich werden. Es erscheint ims sreillch selbstverständlich,, daß bis zum Vorliegcn des llntersiichiingsaussämtses ein agitatoriseljer Mißbrauä, des Vorgangs unterbleibt. Was tut die jüdische Gemeinde? Führung durch Krankenhaus, Hospital und Altersheim T>e lßemeinde wählt in dem Kamps, der um ihre Führung getührl ivird. das belle Mittel zu il,rer Verteidigung^- sie zeigt den Berliner Juden _il,re Arbeit. Morjtz iRoseuthal.-Piilglied des Ge- »ieindevvrslandes.-' begrüßte die tiiuszig Teilnehmer einer der angekündigten Führiingen-.—i-n>— dem-er sie ans d,e Bedeutung der Geineindearbeit hiiuvies. Unter der Leiliing des/-Verivaltiingsdireklor-i des jüdischen Kraiikenliaiises. Tr. Eoburger. kmmte iiiau einen l^iublick' in die Arl'eit des .itiaiikeiiliauses »nd in seine Vernmltiiug tun. ttbahrend man durch die langen Korridore, die weiten Snie und die schönen Garten des'Kr>i»kenl>aiises schritt, zog ein Ttiickcheii Eiesihiclite de-- jiidiselien Berlins an' den Teilnehwern vorbei. Tie erstaniileii Ge- 'i'tfsllfs ROHLEINEN Ctht« Rohmenarbeit Mit» Rofunonarbelt.