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Central-Verein-Zeitung · 1936-12-31 · 53 (31.12.1936) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
53 (31.12.1936)
Date
1936-12-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 53 2* feiblatt 31. Dezember" 193 i Moses Auflehnung und Tod Von Edith L. Meyer Du riefst taicli, Herr — auf Nebos Höh’n zu enden* *’ befahlst du Mose, deinen greisen Knecht. Hier bin ich — nicht, um bittend abzuwenden, was mir bestimmt von meines Vaters Händen: zu fordern kam ich mein gerechtes Recht. Du irrst, wenn du vermeinst, dass Seelennot mich trieb, um eine letzte Gunst zu werben. Dort liegt mein Land, vom Abendschein iimloht. Ich aber soll den kleinen Menschentod, ich, Mose, soll den Tod der Vielen sterben? Du hast mich ausgesondert, gabst mir Zeichen, schufst mir ein Leben, das sich selbst vergass. . Nun gib mir auch ein Sterben ohnegleichen, gib mir ein Sterben über Menschenmass! Hörst du mich, Herr? — In vierzig Wiistenjahren war ich dir Stimme, Atem, Widerhall, war deines Wesens grösstes Offenbaren, dein Menschenantlitz dein Posaunenschall. Hörst du mich, Herr? — Erscheine mir inmitten Gewölk und Blitz — beweise, wer du bist! Ich kam zu fordern, Gott! und nicht zu Gib mir den Tod, der meiner würdig ist! Gott aber bog aus lichten Himmelshöhen sich tief hinab zu seinem grimmen Knecht. „Ja, Mose, ja! — so wird an dir geschehen! Es soll dir werden, dein gerechtes Recht!“ Und stieg aus Wolke und aus Flammenrauche zu Mose nieder auf den Erdengrund, berührte ihn mit seinem heil gen Hauche und küsste ihn mit seinem Gottesmund. Da lächelte der ’ Greis — und aus versteinten, aus erznen Zügen bracli's wie Abendrot — Mein Gott! Dir Dank!“ — Und alle Himmel weinten. So aber starb er den von Gott gemeinten, den auserwählten, den gerechten Tod. Sein heilig Werk im Letzten zu vollenden, begrub ihn Gott mit seinen eignen-Händen. Ch. N. Bialik:Pie Hebräische "„Universität. Reden und Ansprachen. Hehr, und deutsch. Jerusalem. 1935. Die Universität auf dem Skopns ist ein junges Institut. Alles, was man tut. jedes Wort, das man spricht, ist ein Baustein zu einem Gebäude. das erst errichtet wird. Und wenn Bialiks Worte zum Baustein werden, io will da» ein Bconderes Mann Biatik ist der »eiitiflc Führer eine» »ativnutisterten und auf dieie Weiie einem innerweltlichen Gott verschriebenen Jndentums.' Er i't kem frommer Jude-,in ulten Sinn. Aber er ist ein Schüler der bernhnUcn Wolothiner Jeichnvah. immer wieder kehrt er ..zur schwelle de» Lehrhani'es" zlirtick. In seiner Rede zur Erofiniu^g des Lehrhause« am Jahre ill-"' spricht er davon, da st zi; dem „Lchrhans nir Tnvru und Wineiifchait ans dem Skopusberg". io verschieden es fei von Inhalt und formen des alten Beth-Humidrai'ch, doch viele intakte Steine ..aus ,den Triimmern teuer heiligen Häuser" verwendet werden müßten. So soll seiner Meinniig nach der Begriü der „stultiir". der den Begriff der ..Thora" ersetzt habe, doch von jenem her durchleuchtet sein. Mit solchen Worten steht Bialik aus der schmalen Mitte zwischen starrer Altgläubigkeit iind verweltlichtem Geist, den stainpssronten des hentigen Palästina. Es ist aut. wenn seine Fahne über dem Getümmel hochgezvgen wird. F». Dr. Josef Weinberg: Algebra des Abu Kamil Soga ben Aslam. Selbstverlag, Würzburg. Mit der vor!i egenden 'A bhu nd l, in g über ..Die Algebra des Abu Uamil Soga den Aslam" niirernimmt es der Verfasser in daiikensiverter Weiie. uns die Leistlingen Svgas. eines der bedeutendsten Vertreter der älteren ulgcbrunä>en Schule an der «rrabischen Matheinatik. soivie ihren Einfluß aut die Aachwelt näherznbringen/ Soga gehört unzweifelhast "zw den nicht gerade zahlreiche» orig,, nellen Denkern unter ben arabischen Pluthemutikern. deren aeschichtliche Bedentnng nicht allein in der Perarbeittlng der ererbten griechischen Wissenschaft iind indischen Rechenkunst zu suchen ist: vielmehr bemüht er sich, durch selbständiges Forschen über das Ueberlieierte hinaus erfolgreich svrtzuschreiteii. In der Art seiner Forschimg folgt er vorwiegend griechischen Borbildern.' Die Gleichiingen sind bei 2ogu wie bei den älteren Arabern überhaupt in, svrtlansendem Tcrte geschrieben und alles ist in Worten dargestellt. Diesen sicherlich schwierigen hebräischen Tert hat ihm Dr. Weinberg ins Deutsctie übersetzt. die in Frage kommenden Probleme peinlichst sorgfältig dürchgearbeitet und in die übliche Zeillrenspräche übertragen. Es gebührt ihm das Bcrdienst. mit dazu beigetrugen zu haben. Svgas Bedeutung für die arabische Mathematik der Vergessenheit zu entreißen und das Studium seiner ..Algebra" allen denen zu ermöglichen, denen die direkte Be- Nutzung der Quellen nicht möglich ist. 8. Birnbaum .. Paul Cohen-Portheim: The Spirit Ol London. (Erschienen 1935 im Verlag B. T. Batsford, London, W. 1. 15. North Audley Street. Deutsche gek. Uebersetzung Klinekhard und Biermann.) p Paul Eohen-Portheim. in Berlin bekannt als langjähriger Mitarbeiter kritischer Zeitschriften, als Autor der Bücher „E n g l a u d. öic un« bekannte I n s e I" und ^.Paris". ist zu frich gestvrlwn. Dieses Werk, sein , letztes, ist eins der elegantesten, flüssigsten.' faszinierendsten Reisebücher. ' Mehr sogar als das; es ist ein kulturkritischer Querschnitt. Leine scharfen und witzigen Formulierungen englischen Ge'ell'chuns.. Tbealer- und Wirtschaftslebens gehen au' lahrelange gründliche Vergleiche und Beobachtungen zurnA. Schon .Eng- , land". -die unbekannte Jnic! zeigt seine Eigenart, den Dingen lustoriich au' den Grund zu gehen. .'','ur wer stch geichichtlich mit engluchen Verhält-. nissen vertraut macht, vernebl die seltsame/ Pln'chnng von Tradition, Großzügigkeit „ Macht-, 'beivllßt.seinund Geschästsgei'l. die :üch bisher : allen Ltiirmen 'der Gegenioart gegenüber . behauptet hat. Aber nicht i:ur der-kullurkritische. ebenst' der knnnln'lvrische Ten >'t blendend gestaltet. vier geben namenüich die l->ä Abbildungen. ziiiu Teil aus de-- Autors eigener - .tiamera. ein Bild, das in' 'einer Ein'iliuung. aber auch ,'einer riick'ichtsio'e» Ehrlichkeit verblü'i'end ist. C. Haeberlin. ..Einführung in die Forschungsergebni--*e von I- Klage-“ (Niels Kantpniänn Verlag. Kämpen a. Sylt). Ulages selbst hat einem seiner Werke den schlagivortartigen Titel Ter Geist--als ,-'<öi-dersiichrr der Leele" gegeben und da nnS Inden ja ieit leber Ileberznchtung des Geistes auf kosten der Teel»' oorgeivorien irird. liilereinerl es uns. wie Hueberlin das Weien der Lebeiisphllolophie von Ulages 'ormulier!. ..Für den. der als die vordringlichste.Alifgabe unserer Gegeinoart die Lonnig des Gebens aus den Banden eines lebensielndlutien. in Mechanisierung. Viaterialisieruiig iind Alainnionisnins zur ^ebensveriiichtiing treibenden, nner'arrlich machtgierigen Geistes erkannt--hat-. - erwachst ans den Worten von glages rtu Iieies Ellies, gi dein hui die Zeit vielleicht lang'ani zu rei'en.-vermag und aus dein die jungen vstraite des 'tst'lkes guellenden Reichtum iverden 'äiop'en können. Tie verlorene ilierbindiing mit deii ki4-llii'et, sel^ob'eit»dien 'Viäihlen nnederzngeivlnnen iind zur '>>en"erkiii>p'ung mit ihnen zu gelangen, in Elir'lircht vor „dem Geheimnis die-Fnlle des Gebens zu rmpiangen. dos ist der Dlnn die'es ZnruFsindens zuin tst'ben. und ff inen. Zusammenhängen, stekne Veloluiiing ivird in Ivikende Aussicht gestellt, es gilt, das Qpi'er zu bringen ünd das 'V.ehen eiiiznseNen. über den Urtiiin des Qplers hat Ulages Tieiiles getagt. Inder Übiedergewinnung der Zusammenhänge, die in Erdoerbuudeilheit. Blut. Volk und ^eelentum li^ kinidtnn, Neigen die Ausgaben tnr eine ans die Wirklictikeit sich besinnende Volkheit empor. Die Wiederbeseelimg jedes in Arbeit entstehenden Werkes durch .stnüpsnng der eigenen vervorbringung an das größere Wirken van Volk lind Welt führt zu einer.Vebensgestaltung. in der der Geist aus einer lebeiisbedrvl,eiiden Macht wieder zum Diener des Vebens ivird." Daß. Anklagen der erwähnteii Art gegen uns Juden ganz besonders erhoben werden — wer wollte es bestreiten ( lind doch ist deingrgenüber gerade die Erkenntnis-von stlages bedeuliiugsvvll, daß die gerügten Biängel Erscheinungen der Z e i t. nicht aber dieses oder jenes Volkes, sind. .Daß auch uns Juden die ..Ehrsiircht vor dem Geheimnis" und die Fähigkeit, „das Qpfer zu bringen und das Leben einzusetzen" zu eigen sind, zeigt ja schon die Geschichte unseres Glaubensinarthrilnns: zeigt neuerdings die >DelbstansvPferinig jüdischer Jugend in Palästina. Zin übrigen ivartuiid istV aber auch der Diun sür das ...stosmische" dem Judentum kcinesivegs fremd. Man denke mir an die jüdische Legende. Erst 'in der "rabbinisct>en Epoche trat recht eigentlich jene Verknöcherung, lind Ueberzüchtung des Geistes ein, gegen die verschiedene Dichtungen in, Iildentum selbst (von dett Maskilim in der Art M. C. Lilienblums bis zu Vl. F. bin Gvrion und den Ehassidims -an» ka m p s.en. Bei manchem Führer der letzteren «insbesondere dem Bescht) ist die Sehnsucht.nach dem stosmischen geradezu greifbar. Aber auch der Tichtern> wie Tschernichowskr und BiaUk. ist sie hennnch. . K-H. Salomon Breuer: i.Cliochma uniussar"« Belehrung und Mahnung. Aus nachgelassenen Sehrilten, Teil V. . - sUlit diesem Bande ivird die Herausgabe eines '!berke-> ab.zeschlvsscn. das nur formal durch die ' Bezeulmling einer Predigtsaminlung charak» terinert ist. - Denn jegliche Abhandlung tritt an» dem-üblichen Aahmen einer Predigt heraus, um sich -.„ die Fernen dfr Vergangenheit und Zu» kimsl aiisblnkenden Wcltbetrachtung zi, erweitern. Probleme' jiidischer Forschung kommen in an» regeiider Form znm Vortrag. Die inneren D«t,n>ierigkeilen und anscheinenden Ällidersprttche antiker Voeisheilsansipr»ä»e ebnen und glätten sich -auch für das Verttäuduis des mit philosophischen Ern'ägnngeii »icht vertrauten Lesers. Die Darstelluiig übt veriuöge der «Schönheit der ,, Dpraitk'. Folgeriihtigkeit des Aufbaues, der Klarheit und Präzision in.deu Folgerungen eilie anziehende Wirkung aus.'die den Leser in Spgl^ niing geiestelt hält, bis die Aussührtmgen zu ube.r ras «-linder Loiling der Probleme sich geriiiidet Iiaben. Tas angeiügte Fnlialts- und DachoerzcichniS zu allen funs Teilen ivird von Fachmännern und Laie» als ivillkominene Ergänzung dankbar begrüßt werden -— k. Alfred Jespen: ,,N'abi“. Verlag C. H, Beek, Miinehen. Teitdem P!ar üsteber iu seinen „Gesammelten Aussätzen zur Aeligionssoziologie" die «Doziologie in hervorragender i>tzeise i» die Bibelwissenscl^lft einge'ührt hat.'haben, ivir viele Einzeluntcrslujuingen erlialten, die das alte Buch des FiidentlnriS unter neuen Gesichtspunkten zn brtrachdsn such«,. Alired Feim'» legt nn» in einem innsaiigreichen Bande seine Dtndien über den «tiiub . vor.. Der gelehrte Verfasser untersucht alle bibliselien Dlelleii. a» denen das Wort Nabi < Prophet! »iid-vom gleichen Stamme gebildete Begriüe Vorkommen, und spricht dann ausführlich über die „Aebiim". die er von den wahren Propheten — in der Bibel werden sie mit dem glensien 'Wort bezeichnet!^ — schirs unterscheidet. Diese Trennnug ist nicht immer glürklich. und- Fespe» versperrt sich hierdurch ebenso wie durch das liebergehe» mancher »euer jüdischer Bücher den 2tzeg zu vielen Ergebnissen. Doch zeugt sein Buch von riiiem tiefgehenden Eindringen in die Probleme der Bibel, und manche seine Bemerkung zeigt inis, daß der Verfasser.nicht nur Soziologe ist. de>,^ allesandere fremd bleibt, sondern daß er die Lozivloßie ebenso nne jeden anderen Zweig der Wissenschaft n»r als Mittel znm Zweck der wahren Erkenntnis gebraucht. F. Ä. (larenee l)ay: Unser Herr Vater. Rowohlt Verlag, Berlin. Diese etwa -ln kleinen Skizzen sind Erinne» rinige». die ein Amerikaner von seinem Vater aub dem A'ew-Pork der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bis iiach dem Weltkrieg erzählt. Die Stadt »»d die .stinder eiitivickeln sich: der verehrte Herr Vater aber bleibt immer derselbe recht- Wann ist Heinrich Heine geboren? „Ich bin einer der ersten M«inner des . Itchrhunderts" — dieses Wort Heines entl)ält bereits olle Momente, die zur Beurteilung' der Frage wichtig sind. Tenn in diesem Satze müßte das „erste Männer" nicht einen doppelten Sinn haben — und es wäre nie gesprodien worden. Heine liebte es -zu betonen, daß er in der Netljahrsnacht 1800 geboren worden sei. das stimmte zwar auf gar keinen Fall, aber es gab die Mvglidikeit zu einem Wortspiel, das zu vermeiden Heine nicht die Widerstandskraft hatte. „Ich bin einer der ersten Männer des Jahrhunderts" — das sollte heißen, er sei als einer der ersten im neuen Jahrhundert geboren, es sollte klingen wie: Ich bin einer der bedeutendsten Männer des Iährhtinderts. Ter 13. Tezeniber als Geburtstag Heines darf - nämlich als unbestritten sestgestellt gelten, fraglich geblieben ist bis auf den heutigen Tag das Geburtsjahr, und das hat feinen Grund in der Tatsadze. daß die Familienpapiere während der Bese'tzltng Tüsseldorss durch die Franzosen einem Feuer zum Opfer gefallen sind. Tiefe französische Herrsdiaft über die Stadt am Rhein, datiert tun das Jahr 1805 herum — das ist für den Fortgang der. Sache außerordentlich widstig. Tenn damit, daß. als Harrh Heine ein sdmlentlassener junger Bursche war. die Papiere bereits fehlten, fängt das Tohitwabohu in der Frage seines Geburtsdatums an. Tie wissenschastlidze Forschung hat sich im -La»se derletzten-Jcchrzehn te en tschlosseu.. den 13. Dezember 1797 als den Tag festzuhalten, und es kann ihr nichts Ent', scheidendes entgegengesetzt werden. Aber es ist sehr interessant, der Entstehung all der Schwierigkeiten, die der Fall den Literarhistorikern bereitet hat. nachzugehen. Man jindet dabei nämlich als einen Beitrag zu seinem Wesen bei Heinrich Heine jene Selbstironie. die zum Charakter genialer Naturen zu gehören pflegt, vermischt mit. einer gewissen .Roketterie. die als allgemein menschliche Eigenschaft überall anzutressen ist. Tas Sich-jünger-machen ist nun einmal kein launisches Privileg schöner Frauen. Tas Sich-anf-sein-Alter-bernfen iiicht nur schwerenöternden Herren in besten Jahren zu eigen. Was der gute Heine ans diesem Gebiete fertigbrachte, beweist mehr als eine Anekdote, die als verbärgt gelten darf. Aber er geht manchmal tatsädzlich ein wenig zu weit dabei. So erzählt pr. gerade 50 Jahre alt. iur Frühjahr 1847 kaltlächelnd einem Besucher (K. M. Kerlbenb). er sei genau Zehn Jahre jünger als Lollis Philippe. Ter war 1773 geboren. Heine ließ also seinen Besucher iw der Meinung fvrtgehen, einen Dierlmdsechzigjährigen gesehen;u haben. Und nach solcher Probe vermag man sich borziistelleil. lvie schlver es der Tichter durch seine gewagten Plaudereien der Nachwelt gemacht hat, sich ein rid)tiges Urteil zu bildeil. Am hänsigsten begegnet man in den historischen Toklunenten dem Tatnm 13. Dezember 1799. Es ist das von Heine und den Seinen offiziös genannte Tatnm. Es stimmt - deshalb doch nicht, obgleich es unter anderem im .llirchenbnch zu Heiligenstadt noch heute zu sehen ist. obgleich seine Schwester. und Nachkommen unentwegt daran festhalten. Heine selbst hat'sich an einer Stelle verraten, indem er seiner Schwester Charlotte geschrieben hat. das alich in den Tüsseldorser Stadtarchiven später (bei ihrer Erneuerung) angegebene Tatlnn des 13. Dezember 1799 stimme nicht, luld zwar habe man sich dieser Angabe lediglich entschlossen ..aus Gründen, die ich nicht - sagen will". Des ^eheimnisies Lösling ist. daß die Eltern ihren Sohn zwei Jahre jünger gemacht'haben, nachdem der Verlust der ersten Papiere dazu die sachliche Atöglichkeit gab- Dieser Schluß ist von der Wissenschaft nicht von ungefähr gezogen worden. Es liegen eine ganze Anzahl indirekter Beweise durch Zellgen seiner Zeit vor. (Einer der l(Ptell ist die im Jahre 1872 in Düsseldorf verstorbene Frau Heß. deren Sohn Frederik die Angaben zll berdailken sind. Danach habe feine Mutter als Gleichaltrige neben Heine ans der Schulbank gesessen. Das gleiche Lebensalter sei durch inehrere Erklärungen seiner Nilitter bezeugt, die 1797 geboreil war.) Das Eiltscheidendere siild alldere Tatsachen. Znnl Beispiel diejenige daßnarij den damals Herrschendeil Gesetzeil der junge- Heine nicht im Jahre 1816 hätte nach Hanlbnrg allswaildern dnrseil. weilu er uirijt schnell zwei Jahre — vder-uoch mehr! -- jünger gemächt worden wäre. Ter partiklilaristische Sinn jener Jahre hatte sich in ilnzähligen Bestimlnuiigen solcherart entladen. Und da nach Morgenstein nicht sein kann.' was nicht sein darf. Heine aber Zinn Onkel Talölnoil sollte, so iillißte er eben jüllger sein als 18 oder 19 Jahre. Und er wurde es. Salomon. der reiche Onkel, war der Ntagnet. .der auch die Skala seiner Jahre nach linten zog. Tie Version, daß es sich auch um den Militärdienst gehandelt habe. - ist stark bestritten. Eine dritte Tentuiig ivill wisseu, daß die Berjüngung bereits einige Jahre vorher statt» gesnnden habe, um eine frühere Allsnahule in die Nlittelschule. das französische Lyzeum zu ermöglichen. Tie oben gegebene hat sich, meines Erachtens mit Recht, durchgesetzt. Heine selbst hat sich gelegentlich mit vielen Aperc-ns über dieses Thema unterhalten. Ulld keiner wird bestreiten wolleü. daß er mit den Worten: „La chose la plus importante, c'est' que je siiis ne“ das Beste zu diesem Thema gesagt hat. „Tie Hauptsache ist, daß. ich geboren bill." Walter Victor „Z e itschrist für Deuts che Philologie" ldriltes ixH, Septenilfr eine um« sniiareiche Stiidie von Altert Ludwig vervssentlicht. Zn Heines Rcisebildern. irn Buch Le Grund, .(r«^pitel V. jindet sich eme merkwürdige Stelle. In, Nupilel II l,ulte siih Heine als Graf .vvin ' Gunges eingeflihrt und nun heißt «8: „Piädunik! Z«h hübe Sie belogen. Ich bin nicht der Grus vom'Gunges. Aieinuls im Lel>en sich ich den heiligen Strom, niemuis die Lvtvsblninen. die sich in seinen frommen Wellen liespiegcln . . * Aber id) stumme uns Hindvstun n»d dußer fühl' ich mit!) so ivolsi in den breiten Sungeswäldern Vulmilis . . . niid uls vor Einigen Juhren eine glitige Du me in Berlin mir die hübschen Bilder' zeigte, die i>,r Vuter. der -lange Zeit Gouvernetrr in Indien rvur. von dort mitgebr«,cht. schienen mir die zurtgemulteii. heilig-stillen Gesichter so wohlbekunnt, als tH'icijoutc-iclj meine eigene Familieiigulerie." Der Verfasser stellte sich die Auf^tbe. die Iden» 'tität dieser Dame festzii'tellen. Das Resultat seiner Auchsvrschiiiig ergab, daß A m a Ire v. H e l w i g. die Gattin des preiißischen Generals v. Helwig gemeint ist. die als Richte von Frau 'v. Stein einst Hofdame der, Herzogin Luise und dem Weimarer kreiseangehvrte. Beiveiskräftig zitiert er Stellen ans ihren Briefen an ihren Mann und ihren Vetter Fritz Stein: Heute abend kamen Arndt und Malle: ich zeigte ihnen meines Vaters Ptiiiiatiiren iind iiidisci)e Malereien . . . Als weiteren Beweis für den Verkehrskreis Heines wird uns H., H. Houbens „Gespräche mit Heine" der Bericht von F r i de r i ke v. H o h e n h a u se n angeführt: Jeder Dienstag führte dort (im Haufe der Dichterin Elise v. Hohenhausen) die genügsainei, Berliner bei einer Tasse Tee zusammen. Viele literarisctie Nvtabilitäten waren darunter: Variihagen, Ehamisso. E d u a r d Gans, dessen Neue Forschung , um Heinrich Heine Unter dem Titel „Eine Nichte der, Fra» v. Stein in Heines Buch Le Grand" wurde in der antsällend schöner siopt mit oem trifchTlr-Kolorit. den stolz gewölbten Brauen über den dunklen Augen an einengeistigen Antinous erinnerte; B e n d a v i d . der licbensmiirdige Philosoph und Schüler von Nloses Mendelssohn.- übersprudelnd von Witz iind köstlich erzählten Anekdoten . . . Unter den Frauen nahm Rah et natürlich den

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