Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 52 (24.12.1936)
- Date
- 1936-12-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 52 $. Beiblatt - Palästina-1Tmscliaii der C.-V.-Zeitung 24. Dezember 1936 Die Vernehmungen gehen weiter Die jüdischen Gruppen und die arabische Haltung In der vorigen Woche begann die Arbeit der Königlichen Kommission mit .einer Ver- <• nehmung des ehrenamtlichen Rechtsberaters der ■ Jewish Agency, Bernard Joseph, in der Sitzung vom 15. ^Dezember. Mt. Joseph sprach über die Bodenfrage. Erp wies darauf bin, dass die Regierungs- und Oedländereien ßich m einem er-' schreckenden Zustand befanden. Anstatt jedoch diese Boden judischen Käufern zur Verfügung zu stellen, die damit die Möglichkeit erhalten wurden, zu beweisen, wie sie sie zu kultivieren ver-, stehen, lege die Regierung jüdischen Bodenerwerbern Hindernisse in den Weg; Arabern jedoch gestatte sie, diese Boden zu besetzen, was in der Regel die Gewährung eines Besitztitels nach sich ziehe. Infolge dieses Verfahrens sei das jetzige Tempo des. Bodenkaufs dergestalt, dass bei seiner Beibehaltung die Juden noch 150 Jahre brauchen wurden, um die Hälfte des verfugbaren Boden3 in Palästina zu erwerben. Als nächster Zeuge erschien vor der Königlichen Kommission der Präsident des Verbandes der palästinensischen Exporteure und Direktor der Jaffa-Citrus Exchange Ing. Samuel Tolkowsky. Er äusserte eich über die Lage der Citrue-Industne und forderte die Fertigstellung der Strasse Jaffa- Haifa, sowie einige technische Einrichtungen für den Citrus-Export. Am 16. Dezember erschien der Präsident der Palästinensischen Handelsbanken und Generaldirektor der Anglo-Palestine-Bank, Hoofien, vor der Königlichen Kommission, um sich über die Lage der palästinensischen Wirtschaft zu äussern. Er gab eine Analyse der WirtschaftsrLudwigSteinmetz * Nürnberger Str. 56 (neben Woolwerth) "V struktur der palästinensischen Bevölkerung und unterstrich die Tatsache, dass der judische Jischuw auf einer wirtschaftlich gesunden Basis. . aufgebaut 6ei. Die Frage eines Kommissionsmitghedes, ob der Jischuw hoffe, die Aufnahme-' fahigkeit Palästinas durch intensivere Entwicklung des jüdischen Wirtschaftssektors elastischer zu machen und auf diese Weise eine Aenderung der gegenwärtigen Wirtschaftsstruktur herbeizufuhren, bej'ahte Mr. Hoofien. In bezug auf die industrielle Entwicklung forderte er eine wesentliche Erhöhung der Schutzzolle. Das Einkommen des Landes zeige dank der judischen Arbeit bereits eine beträchtliche Steigerung, die Regierung setze aber noch nicht das notwendige Vertrauen in die weitere Entwicklung. In der gleichen Sitzung wurde auch Mr. Samuel Tolkowsky noch einmal vernommen. Er verlangte die Einfuhrung von Vorzugszöllen für palästinensische Orangen innerhalb des Britischen Empire und befürwortete eine Wirtschaftspolitik der offenen Tur. Er erklarte, dass er die Zukunft der Orangenindustrie hoffnungsvoll betrachte, wenn es möglich sein werde, den Orangenexport zu vergrossern. Nachdem am 17. Dezember in nichtöffentlicher Sitzung der Leiter des Politischen Departments der Exekutive der Jewish Agecicv, Mosche Sh.ertok, und der Distriktskommissar von Jerusalem, James Edward Francis Campbell vernommen worden waren, fand am 21. Dezember wiederum eu.e öffentliche Sitzung statt. In ihr wurden als Vertreter der Agudas-Jisroe.l der Oberrabbiner Duschinsky und Rabbi Mosche Blau, Dr. Isaac Breuer und Herr Schein vernommen. Oberrabbiner Duschinsky forderte, dass die judische Einwanderung auch weiterhin aufrechterhalten werde. Rabbi Blau, forderte im Namen der orthodoxen judischen Bevölkerung Palästinas, dass der Aguda das Recht der Besteuerung ihrer —Geniemdemitglieder zuerkannt werde, dass die Regierung dem agudistischen Schulwerk Beihilfen gewahre und dass die Aguda gleiche Rechte bei der Besetzung der rabbinischea Gerichte erhalte. Ferner verlangte Rabbi Blau für die agudistischen Arbeiter Beschäftigung bei öffentlichen Arbeiten, bei den Eisenbahnen und bei der Post. Agudistischen Siedlern solle Boden zur Verfugung gestellt werden, da sie von den zionistischen". Stellen keinen bekamen. Das Mitglied der Kommission Sir Laune Hammond fragte Rabbi Blau, ob er die Tat- sache der illegalen Einwanderung zugebe; und ob es ihm bekannt sei, dass die Zahl der Scheinehen zum Zweck der Einwanderung nach Palästina, die nachher wieder geschieden werden, bereits 41 Prozent aller jüdischer/ Ehen erreicht habe. , - . Rabbi Blau erwiderte, er wisse hiervon. Die Aguda mache alle Anstrengungen, um dieser Gepflogenheit ein Ende zu machen. Oberrabb.iier Duschinsky betonte sodann, dass die göttlichen Gebote ausserhalb Palästinas nicht in' vollem Umfang erfüllt werden könnten Das Heilige Land müsse zur Tora hinzutreten. Es sei den Juden durch religiöse Vorschrift befohlen, das Land nicht mit sitz zu nehmen und niemand^a-aS; beherrschen Im Namen desjenigen Teiles des jüdischen Volkes, der an den Vorschriften der Tora festhält, verlangte Oberrabbiner Duschinsky, dass keine Beschrankung der Einwanderung und des Bodenverkaufs vorgenommen werde. Die Königliche Kommission möge die Notwendigkeit der Verwirklichung der Mandatsbestimmungen in Erwägung ziehen. Israel, sagte der Oberrabbiner; erwartet von der Königlichen Kommission eine befriedigende Losung. Der Vorsitzende der Kommission, Lord Peel, richtete an Rabbi Duschinsky die Krage, ob 6ich seine Forderung nach Aufrechterhaltung der Einwanderung bloss auf. religiöse oder auf ,~ alle Juden beziehe. - »• >■ Rabbi D usch i nsky : Wir machen hierbei keine Unterscheidung. Lord P e-e 1: Berücksichtigen Sie nicht einmal den Grundsatz der Aufnahmefähigkeit? Rabbi Du6chin6ky: Wir verlangen Einwanderung gemäss den Bestimmungen des Mandats. Weiterhin wurde das Erziehungsproblem erörtert, wobei man sich besonders mit der Erklärung der Aguda befasste. dasses ihr unmöglich sei, ihre Erziehungsarbeit gemeinsam mit den Zionisten durchzuführen. Die Beratungen der Kgl. Kommission wurden hierauf verlagt und am Spätnachnuttae in nichtöffentlicher Sitzung wieder aufgenommen. * Auch sonst bemuhten sich die einzelnen jüdischen Gruppen, der Kgl. Kommission ihre Sonderanliegen nahe zu bringen. Die Jerusalenier Sephardische Gemeinde hat gemeinsam mit allen Gemeinden orientalischer Juden der Kgl. Kommission eine Denkschrift übermittelt, in der die politische Lage und die Sicherheitsverbaltnisse im Lande vor und nach dem Kriege geschildert werden. -Die Denkschrift enthalt ferner Vorschläge zur Verhütung einer Wiederkehr der Unruhen und zur Durchfuhrung des Mandats. Sie zieht einen Vergleich zwischen der gegenwartigen Lage in Palästina und den Verhaltnissen in denjenigen arabischen Landern^ in die Juden nicht einwandern und die sich durch eine starke Ruckständigkeit unterscheiden. Fuhrende Persönlichkeiten der orientalisch-jüdischen und sephardischen Bevölkerung werden wahrscheinlich vor der Kgl. Kommission erscheinen. ' Auch die Judenstaatspartei halt an ihrem, im Gegensatz zu dem seinerzeit in Wien gefassten Beschluss stehenden Standpunkt fest, vor der Königlichen Kommission die besondere Stellungnahme ihrer Gruppe vorzutragen. Das Mitglied der Weltexekutive der Judenstaatspartei, Baruch Weinstein,5 hat sich zu diesem Zweck von Warschau nach Palastina begeben. Lediglich die Revisionisten beharren weiter in ihrer Opposition gegenüber der Kommission. In einer Massenkundgebung wandten sie sich gegen Konzessionen, die Weizmann in der Transjordanien-Frage in einer geschlossenen Sitzung der Kommission gemacht haben soll. Es wurde ferner gegen einen angeblichen Paritätsvorschlag Weizmanns für Westpalastina protestiert. Das Schweigen der Jewish Agency zu der Nichterfüllung des Mandats seitens der britischen Regierung wurde nussbilligt und schliesslich forderte man die Wiedererrichtung der jüdischen Legion. Die Unstimmigkeiten innerhalb der zionistischen Parteien über die der Kommission gegenüber zu vertretenden politischen Grundprinzipien drücken -su-h u. a. auch dann aus, dass das Kiene Aktionskomitee der Zionistischen Organisation b?i seiner letzten Beratung in Tel-Aviv beschlossen hat, die Formel der „Politischen Paritat", auf die man sich bekanntlich nach sechswöchiger heftiger Debatte geeinigt hatte, vor der königlichen Kommission von judischer Seite aus nicht zur Sprache zu bringen. Weizmann wurde jedoch ermächtigt, falls eine entsprechende Frage an ihn gestellt werden sollte.^ni erwahi.en, ilass die Juden, wenn . die Araber es wünschen sollten, bereit sein wurden, dem Prinzip der Paritat zuzustimmen. Die inhaltliche Seite der Formel ..Politische Parität" wird in einem Leitartikel der „Palestine Review.'., einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Die Zeitung 6ieht dann die konsequente Fortführung der Weizmannschen Politik, die auf einer enrlirhen Zusammenarbeit mit der Mandatariiiacht zur vollständigen Durchführung aes Mandats mit seinen beiden einander nicht w ideÄsgprtiendeii Verpflichtungen gegenüber Juden und Arabern beruhe. Sie bedeute ein Programm der V erstandiguug zwischen den beiden \ olkern auf der Basis politischer Geichheit. . Sie schliesse die Herrschaft des einen über das andere \olk aus und werde den ungehinderten Fortschritt des judischen Nationalheims wie eine freie Entwicklung der Araber in Palästina sichern. Auch die Araber, diedas Frscnemen von Notabein vor der Kommission auch auf eine nochmalige Einladung der Regierung hin abgelehnt haben, leilen durch ausserpalastinensische Kreise. " der Kommission schriftliches Material zu. In der arabischen Presse wird der Inhalt einer Denkschrift veroffenlirht. die arabische Advokaten aus Damaskus der Kommission ubersawlt "haben. Die Denkschrift befasst sich mit der BaHour-Deklaratioii. mit dem Mandat und nut den damit zusammenhangenden politischen Fragen. Sie versucht ferner, die wirtschaftliche Prosperitat Palastinas als eine Scheinblüte hinzustellen. Ueber einen Abschluss der ' Vernehmungen durch die Kommission verlautet noch nichts. Selbst der britische Koloniemiiimster O r in s b v- Gore erklarte in schriftlicher Beantwortung einer an ihn gerichteten1 hierauf bezüglichen Anfrage, dass er nicht in der Lage sei, Auskunft darüber zu erteilen. zu antworten. Fr erklärte, dass Transjordan.cn \ deshalb nicht in die Balfour-Deklaration eingeschlossen wurde, weil das. dem König Hussein vom Hedschas gegebenen Versprechen, nach dem Transjordanien -zu ■ den" Landern . gehören sollte, die wie der Irak und der .-Hedschas als arabische tiebiete zu betrachten seien, widersprochen-hatte. ' P e Araber hatten damals behauptet, dass auch --Palästina zu diesen Landern gehöre. Dem aber habe die Britische ■■■.Regierung, nicht "zugestimmt Da<s 1 ransjordaiiien jedoch dazu gehöre, könne nicht bezweifelt werden. ■:- lin Ansehlüss an diese-wichtigen Mittelungen ■'sprach Sir Herbert Samuel Uber seine Erinnerungen an .Lord Balfour. Kr sagte u. a., dass für Lord Balfour die Philosophie die Liebe seiner Jugend, die Politik, das Interesse des reifen Mannes. Palästina al>er der Enthusiasmus seine* Alters gewesen sei. Mrs. Dugdale kam im Laufe ihrer Darlegungen auch auf die Krage des judischarabischen -> Zusammenlebens in Palästina zu sprechen: Sie* erwähnte dabei, dass Kord Halfour über die 'Zuspitzung dieses Problems sehr enttäuscht gewesen wäre. Kr habt* auf dem Standpunkt gestanden, dass es von den. Arabern unvernünftig sei, .nachdem weite arabische Gebiete mit Hilfe englischer Truppen unabhängig geworden seien, darüber zu grollen, dass sie ein kleines Stuck ihres Bodens mit.einem Volk, teilen sollen, dessen Ansprüche aller und tiefer verwurzelt seien als die ihrigen. Eine Aeusserung von Sir Herbert Samuel Inmitten der zahlreichen offiziellen und n-_ offiziellen Aeusserungen zur Palästina-Frage, zu denen das gegenwartige Stadium der Kommissionstatigkeit Anlass gibt, .verdient eine Aeusserung des ersten High Comnnssioners von Palastina, Sir Herbert Samuel, besondere Beachtung. Wie wir an dieser Stelle berfchteten, hatte Dr. Cliajim Weizmann in seiner V ernehmung vor der/ Kgl. Kommission am '2'k November erklart, dass Iransjordanien ursprünglich in die Balfour-Deklaration mit einbezogen gewesen seu und dass wahrend der ersten fünf Jahre nach Krlass der Balfour-Deklaration an diesem Tatbestand niemand gezweifelt habe, hrst dann sei Trans- Jordanien aus Gründen, die allein Sir Herbert Samuel bekannt seien, von Palästina abgetrennt worden. Sir Herbert Samuel nahm nun Gelegenheit, anlasslich eines vom Anglo-Palestmtan-Klub veranstalteten Vortragsabends, bei dem Mrs. Blanche E. Dugdale.-die Nichte Lord Kalfours, über Balfours V erhaltuis zu ""Judentum und Zio- \ nismus sprach, auf die Feststellungen Weizmanns Im Unterhaus Im Britischen Unterhaus erklärte der Kolonicnmniister 0 r in s b v -Gore in Beantwortung einer Anfrag des Abgeordneten Wedgowood, dass die Palästina-Regierung 501)0 Pfund zu den Kosten für die -Fürsorgeder jüdischen Flüchtlinge in: 'lel-A\Sv und Jaffa beitragen werde. Damit ist die lang umstrittene Frage, ob die Palästina-Regierung das Muchllmgsliilfswerk unterstutzen werde, in positivem Sinne gelosf. ■Allerdings war die-Tatsache, dass die durch die Niederreissung der Altstadt von Jerusalem heimatlos gewordenen Araber zur Errichtung eines Dorfes 1Ö00O Pfund, also das Dreifache der für die jüdischen Muchtlinge bestimmten Summe, erhalten haben, noch Gegenstand einer längeren Debatte im Unterhau*. Im Verlaufe dieser Aussprache sprachOrmsbv-Gore u. a. die Hoffnung aus, dass nach Erstattung des Berichts der Kgl. Kommission es Juden und Arabern wieder möglich sein werde, in freund-, Bcliaftlicheni Einvernehmen in Jaffa zu leben. Eine neue Terror welle Wie schon vorige Woche berichtet werden iniisste, machen sich bedrohliche Anzeichen dafür bemerkbar. da>s eine neue I errorkanipagne der ■Araber in Palästina bevorsteht. Als Mittelpunkt der Unriihschurer stellt sich immer deutlicher der nach dem Irak entkommene Handenfulirer hauzi Bev el Kaukadvi heraus. Londoner Presse-, stimmen gemäss hall l'auzi Bev im Irak flammende Reden, in denen er die Tcriorkampagne des Sommers als einen Sieg der Araber Uber den grossen imperialistischen -Feind, nämlich England darstellt, uno dazu verkündet, dass dieser Aufstand nur ein Anfang gewesen sei; jetzt erst werden die Araber, zeigen, was sie können: s'e werden eine Armee aufstellen, um die. Engländer DerneueJIafenvonTel'Aviv im Bau* Ein fröhlicher Lastträger •— Eifrige Bautätigkeit — Die Mole wird vorgetrieben Fot- (3) l'nvl-Freund ( Photo-Sui-ply). Jrrutalem % /£JV?'t£» \