Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 52 (24.12.1936)
- Date
- 1936-12-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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1 *L Nr. 52 » 4. Beiblatt 24. Dezember 1936 Glückliche Insel Dänemark Sonderbericht für die G.-V.^Zeitüng* von Dr. Fritz Bauer KOPENHAGEN, 21. Dezember,- Dänemark hat etwa 6000 Juden, das sind etwa 0,15 Prozent der Bevölkerung. Zu Beginn des 17, Jahrhunderts sind holländische Juden auf Veranlassung "Christians IV. eingewandert, späterer Zuzug erfolgte’vom Osten, Mit dem 20. Jahrhundert beginnt eine radikale Abwanderung der Juden aus den Landgemeinden nach Kopenhagen, wo heute.die einzige jüdische Gemeinde Dänemarks besteht. Sie.bilden hier ungefähr 0,6 Prozent der grossstädtischen Bevölkerung und verschwinden ziemlich im Stadtbild. Die genaue Zahl der jüdischen Einwanderung aus Deutschland ist nicht bekannt, die Gesamtzahl der deutschen Einwanderung der letzten Jahre wird offiziös auf etwa 1500 angegeben, dabei ist dieYpolitische Emigration einbegriffen. Jedenfalls ist die Zahl der jüdischen Einwanderung nicht erheblich, denn Gesetz und Verwaltungspraxis gewähren eine Arbeitserlaubnis im Lande grundsätzlich nur dann, wenn der Einwanderer durch Eröffnung eines neuen Wirtschaftszweiges die merkantilistische Politik der Regierung fördert und so dazu beiträgt, Devisen zu sparen oder die Arbeitslosigkeit zu vermindern. Die Ereignisse in Deutschland haben die judenfeindliche Fragestellung auch in Dänemark aktualisiert. Im Parlament haben jedoch bisher judengegnerische Vorschläge keinen Wiederhall gefunden, und die Regierung ist neuerdings gegen eine dänische Monatsschrift „Stormen“ eingeschritten. Auf der Bühne des Königlichen Theaters hält sich seit langem Henri Nathansens „In- . denfor Murene“ (Hinter den Mauern); wird es gespielt, leuchten, die roten Lampen des Theaters, ein Zeichen, dass der Abend aüsverkauft ist. Der Inhalt des Schauspiels kann ausserhalb Skandinaviens nicht als bekannt vorausgesetzt werden. Das Drama ist Dänemarks literarischer Beitrag zur jüdi- , sehen Frage, gewissermassen sein „Nathan der Weise“. Das Echo, das das Stück findet, erweist, dass, seine Gesinnung die Volksstimmung trifft. Literarisch segelt das Stück im Kielwasser . der , Gesellschaftsdramen Ibsens. Die überraschende skandinavische Renaissance des bürgerlichen Heldenlebens einer Nora, Hedda Gabler und einem Hjalmar Ekdal kommt dem Stück ästhetisch zustatten, inhaltlich gewinnt es seihen Auftrieb aus der weltumspannenden Zeitgemässheit aller jüdischen Fragen. Das . Stück wurde einige Jahre vor dem Weltkrieg geschrieben und spielt in dieser Zeit;- es beginnt mit der liebenwürdigen Genremalerei eines Freitagabends im Haus des Bankiers Levi'n sen. Die Tochter Esther hat die Mauer selbstgenügsamen Friedens durchbrochen: sie hört die Vorlesung über Kultur bei Dr..Jörgen Henning und verlobt sich;mit ihm. Henning ist der Sohn eines •Etatsrats, der einmal den alten Levin mit den Worten vor die Tür gesetzt hat, dass er.in seinem Geschäft keinen Juden wolle. Die alte Generation, fügt sich widerstrebend dem Willen der jungen, die sich in ihrer mauerüberspringenden Liebe von altmodischen Voruteilen frei weiss, bis zuletzt die Trauungszeremonie in Kirche oder Sviir agoge, die Frage der Taufe oder Nichttaufe der Kinder die alte Generation wie auch das junge Brautpaar wieder zu trennen scheint. Nathansen deutet etwas salomonisch die Lösung des Konflikts in einem Gespräch des jungen Herming mit seinem Vater an: Dr. Henning: Was ich dir versprochen habe, dass meine Kinder einmal Christen werden solllen, das wird keinesfalls geschehen. Elatsrat: Vielleicht Juden? Dr. Herming: Wedel" Juden noch Christen. Menschen sollen sie werden. Das will ich sie lehren. Der humanistische Gedanke wird in den Schlussworten wieder ausgenommen. Dr. Herming sagt zu Esthbr: „Wir werden einander helfen, so gut wir können“ und dem alten Levin dankt er für das, was er ihn gelehrt habe. „Was habe ich Sie gelehrt?“ antwortet der alte Lewin. „Was können Wir Sie lehren? Einander zu helfen, wie Sie selber sagten. Was anders ist hier zu lehren?" Zu seiner Frau gewandt sehliesst er „Ich habe einmal gelesen, Sara, wenn wir Menschen uns über die Güter des Lebens einigen wollten, so gäbe es genug für uns alle zusammen.“ v ' Das Schauspiel gibt die dänische Mentalität richtig wieder, wenn es auch vielen Zeitgenossen seltsam anachronistisch scheinen muss. Anachronismus ist allerdings ein relativer Begriff, und Dänemark fühlt sich durchaus nicht als reaktionär, nicht einmal als konservativ. Es ähnelt, wenn überhaupt Vergleiche am Platze sind, noch am ehesten jenem radikalsozialen Frankreich, dem die liberalen Ideen der französischen Revolution eine bis zur Stunde unerfüllte Aufgabe sind. Gott in Frankreich? Man hat guteii Grund, es neuerdings in Zweifel zu ziehen. Viele sind sogar der Meinung, Gott habe Europa verlassen; aber sie irren sich, noch gibt es mindestens Skandinavien, noch gibt es vor allem die glückliche Insel Dänemark. Den Teufel' spürt das Völkchen nie, aber den lieben Gott spürt es auch nicht. Die Dänen gemessen das Guck ihres Landes mit einer ungrüblerischen' ’ Selbstver- . ständlichkeit, die .den Ausländer ständig •verblüfft. Sie essen ihre. Smörrebrods, trinken ihre paar Flaschen Bier mit Schnaps, überspringen keine Gelegenheit, zu Kaffee und Kuchen am •,Nachmittag und Abend und in der Nachtdie Ferkel ihres .Landes müsen gegessen. Butter und Käse, Milch und Eiermüssen konsumiert werden. Mit vollem .Mund fragen .sie erstaunt: geht es uns wirklich gut? Das- Land ist eine glückliche * Insel; auch sein Volkscharakter ist nicht durch seine festländische Grenze, sondern durch seine Kustenlinie und die fast 500 Inseln ' des Reiches -.bestimmt. Das Meer, das Dänemark umspült, gibtv ihm seine Note. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Zwar haben die Männer bis zu den Prinzen des königlichen Hauses nach Seemannsart ihre Anne mit vollbusigen Frauen, Ankern und Kreuzen in leuchtenden Farben tätowiert.1 aber die Dänen der Gegenwart sind keine Seeleute mit Wikingergeist; sie haben auch nicht die schweifende Phantasie des Norwegers. Peer Gynt. Sie sind insular. Die Geschehnisse des Kontinents, der weiten Welt spielen jenseits des Wassers. Sie werfen ihre Wellen an die dänische Küste, aber es ist ein Spiel' der Wellen, das nicht ins Land dringt. Dänemark fühlt sich als Zuschauer, es ist neutral. Es ist ein Land ohne Ehrgeiz. Die Dänen nennen sich stolz Kosmopoliten. Mag sein, dass sie aus der Not eine Tugend machen. Das dänische Volk geniesst seine Gegenwartin vollen Züg^n. Das Drüben kümmert sie nicht, alle Mystik, alle Romantik, ja alle Tiefe ist ihnen fern. Sie glauben an das Leben und die Einmaligkeit dieses Lebens. Sie^ sind nicht ohne Ideale, aber esvsind die irdischen Ideale individualistischer Freiheit, grösstmögjichen Genusses der Güter-dieser Welt. Das Land ist wunderschön. Um Stadt und Land blaut das Meer, ein Meer ohne Stirnhe, ein grosser See, an dessen Peripherie ii/i Osten die schwedische Küste schimmert.. Die Wälder sind keine Wälder, sie sind Parks und ihre Felder gleichen oft grossen Gärten. Das Land ist gepflegt; alles Bizarre und Wilde ist ijjini genommen. Für heroische Landschaft ist kein Raum. Unbeschwert leben die Dänen und ohne Sorgen. In grossen'Vergnügungsstätten in allen Teilen des Landes amüsieren sie sich. Feierabend und Sommerfrische ist das Ziel ihrer Arbeit. Auch die Beamten des Landes sind menschlich und haben einen oft kräftigen Appetit auf die Genüsse dos Lebens, aber die Däneh ziehen die Menschlichkeit, Allzumenschlichkeit einer bürokratischen Trockenheit vor. Sie nehmen das meiste nicht recht ernst und alles ist in eine Art naiven Humors getaucht. Ihre Zeitungen sind voll von harmlosen Spässen, die den verteufelten Ernst der Nachrichten ans der grossen Weit Unterbrechen. Ihrem Humor fehlt jeder weltanschauliche Schmerz, jeder Anflug von Anklage, jede Spur von Tendenz; es fügen Abwickelung dieses so merkwürdig begonnenen Falles entgegenzustehen. Da erkrankte der kleine Kurt. An eine Abreise in, diesem Zustande war nicht zu denken. Zwar sagte der Arzt die völlige Genesung des Knaben voraus, doch konnte das lange Wochen dauern. Inzwischen wäre aber die Familie, die ihre lejjtcn Existenzgrundlagen in Deutschland .bereits aus- . gegeben hatte, in noch größere Not geraten: außerdem wäre die Einwanderungsfrist abgelaufen. Der Berater, der sich mit so viel Wärme -für diese Familie eingesetzt hatte, erkannte, daß. es jetzt zu handeln galt. Die Familie Lehmann wußte unter allen Umständen fahren: Wenn nicht mit dem kleinen Kurt, dann ohne ihn. Aber weder Vater noch Mutter noch das kleine Schwesterchen wollten Kurt allein zurücklassen. Erft als der Berater ihnen die heilige Versicherung gegeben hatte, daß er für Kurt sorgen und ihn sofort nach seiner Genesung nachsenden werde, gaben sie nach und fuhren ohne den Jungen. , Wohlweislich abe^ hatte der Berater der Familie Lehmann eine Vorschrift aus dem neuen Einwanderungsgesetz Brasiliens vom Juli 1934 vorenthalten. Nach dieser Bestimmung ist Einwanderern die Einreise verboten, die „jünger als 18 Jahre und älter a-s 60 Jahre sind". Er selbst sah °im Hinblick auf diese Bestimmungen keine Möglichkeit, den Jungen nachzusenden. Aber er gab das Versprechen gegen sein besseres Wissen, weil es um das Schicksal einer ganzen Familie ging. _ - Nach der ZlbreiseveDDreigrübelte der Berater wochenlang, um. eine Möglichkeit für den kleinen Kurt-zu finden, Anfragen bei den brasilianischen Behörden hatten ihm bedeutet, daß die Entscheidung über die^ßinreiseerlaubnis des Jungen erst im Ankunftshasen getroffen werden könne. Endlich entschloß sich der Berater schweren Herzens, den kleinen Kurt so reisen zu lassen. Nach Wochen des Wartens erhielt der Hilfs- Verein Nachricht von der Familie-Lehmann. Kurt war glücklich angekommen. Mit weiteren Rückfragen wurde keine Arbeit vergeudet. Denn die Zeit drängt zu neuen Aufgaben. Einführung von Oberrabbiner Sarlouis in Amsterdam Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung H-ch. AMSTERDAM, 22. Dezember. In einer ausserordentlichen Sitzung der Gemeindeverwaltung wurde am Sonntag, 20. Dezember, der neue pberrabbiuer, L. H. Sarlouiß, in sein Amt eingeführt. Die Sitzung fand unter allgemeiner Anteilnahme der jüdischen und nichtjüdischen Kreise Amsterdams statt. Die Stadtgemeinde war durch drei Stadträte vertreten, ausserdem waren der städtische Kommandant der Landmacht, der Chef der Marine und der Hauptkommissar der Polizei erschienen. Ferner waren verschiedene katholische und evangelische Geistliche, anwesend, und, ausserdem natürlich die Vertreter des - gesamten, holländischen Judentums. Man sah sieben Oberrabhiner aus den verschiedenen Teilen des Landes, alle Amsterdamer Rabbiner, die Vorstände. der portugiesischen Gemeinde und eine Unzahl prominenter Persönlichkeiten des Amsterdamer Judentums. Die feierliche Einführungsrede hielt A. Ascher, der die bisherigen Leistungen des neuen Oberrabbiners auf sozialem und seelsorgerischem Gebiet hervorhob. Er bezeichnete diesen Tag als einen Tag der Freude für den Eingeführten und für die Gemeinde. Der neue Oberrabbiner erinnerte in seiner Rede an seine beiden Vorgänger, den grossen Reorganisator des holländischen Judentums, den Oberrabbiner Dünner, und an seinen unmittelbaren Aintsvorgänger Onderwijzer, in deren Amtsperiode das Amsterdamer Judentum ruhig und ungestört, in wirtschaftlichem Wohlstände und-treu an den Glauben ^-tter-Väter gelobt habe—Lm-Anschjuss daran verglich der Oberrabbiner die damalige Zeit mit der heutigen, gab eine treffende Darstellung der so veränderten und schwierigen Lage der Amsterdamer jüdischen Gemeinde und appellierte an dite Mitarbeit aller zur Erfüllung seiner so schwierigen Aufgaben. Ausbildung vonChaluzim in Holland Die Vereinigung für technische Ausbildung' von Palästina-Pionieren; an deren Spitze*„der frühere Vorsitzende des holländischen Zionistenverbandf-s.-oDr. Albert van Raalte, steht, I>e-, richtet über ihre bisher geleistete Arbeit. Bis zum T. November 1936 sind 336 Jungen und 202 Mädchen ausgebildet worden und nach Palästina gegangen. Ausserdem wurde durch die Vereinigung in den Iah reu 1034 bis 1036 die Alija von 89 misrachistisrhen Uhaluzim ermöglicht. Gegenwärtig befinden sich 254 Zöglinge (150 Jungen und 104 Mädchen) in Ausbildung. Von ihnen besitzen 118 die holländische, 109 die deutsche und 27 eine andere Staatsangehörigkeit. Von den bisher ausgebildeten und durch die Vereinigung beförderten Jugendlichen sind folgende Fächer gewählt worden: Handwerk' (46 Jungen), Viehzucht (55 Jungen), gemischte" Landwirtschaft (65 Jungen und 124 Mädchen), Butter- und Käseerzeugung (32 Knaben und 6 Mädchen), Gartenbau (65 Knaben und 66 Mädchen), Arbeit in landwirtschaftlichen Versuchsstationen und Laboratorien (45 Jungen und 23 Mädchen), Geflügelzucht (66 Mädchen), Arbeit im Kinder- und Waisenheini (52 Mädchen), Krankenpflege (35 Mädchen), Arbeit in Entbindungsheimen (3 Mädchen) und Wäscherei (0 Mädchen),. Aus der wissenschaftlichen Welt . Professor Dr. Ernst Eassirer, der jetzt an der Universität Göteborg wirkt, sprach in W i e u Über „Nntnrnlistische und , idealistische Begründung der Naturphilosophie." Die neugeschaffene Lehrkanzel für Pshcholvgie an der Universität . S t v ck h v l m ist Professor David K a tz verliehen worden, der früher am psi,chologncheii Institut der Universität Göttingen und a'n der Universität Rostock tätig war. Professor Katz, der 1881 in Kassel geboren wurde, ist insbesondere durch seine Untersuchungen über Bibrationsbewegungen und „Studien zur Kinderpmchologie" bekannt geworden. Sein Forschungsgebiet ist Erp^rimental-Psychologie- und Pädagogik Im Alter von 46 Jahren ist in B u d a-p e st der hervorragende Publizist und Kunsthistoriker Geza F e l e k y v- Dt a g v a r f e l e k an Lungenkrebs gestorben. ist ein goldener Humor, der das Lebei^ idealisiert. Die moderne Welt geht an, Dänemark" nicht spurlos vorüber; -man weiss von den Fortschritten “der Technik und man geht bis an die Grenze des Menschlichen; das Zeitalter des Fussgängers ist auch m Dänemark vorbei: schon hat jeder zweite Dane ein Fahrrad! ln dein Roden dieser harmonischen Lebenshaltung, liegen die Wurzeln der :25jährigen Beständigkeit eures Publikumseiteige*., eanes Schauspiels wie Nathansen*. Aus dieser Welt stammen auch die Wertinasss'tatn> der ilanisrlieu Kritik, au dmi Ge- schehnisseii dieser Tage 1-.III -II Skandinavien vielbeachteter Aufsatz in der Chronik der Kopenhagener „Politiken“ zu den diesjährigen Ereignissen in Palästina illustriert mit besonderer'Deutlichkeit' diefür'Dänemark' tvpische Lebeiisprnxis und Lebenstheorie. Der Aufsatz ist aber nicht mir für eine Beurteilung' der dänischen Volkspsyche wesentlich; er verdient um seiner Beweisführung willen auch ausserhalb Dänemarks Gehör, gerade weil er aus der von den -Leidenschaften der Gegenwart, kaum berührten Neutralität der dänischen Insel stammt. „Politiken“ anerkennt die imponierende Aufbauarbeit in Palästina, wie sie Dänemark namentlich durch das anschauliche Buch des Kopenhagener' Oberrabbiners Dr. Friediger „Land im Wiederaufbau" (Landet der geuopbyggesKopenhagen 1056)' vor Augen geführt wurde, wendet sich aber .'gegen alle romantischen,* reaktionären und .'.nationalistischen Einflüsse auf die zionistische Bewegung. Der Artikel, der die Befriedung'Palästinas.erstrebt, schielt night . 'nacli England. Die englische Politik ist ihm nicht unparteiisch, sie ist ihm schlechthin englisch und erscheint ihm ausschliesslich von den -militärpolitischen Erfordernissen des Kinpiies bestimmt. Die Befriedung wird als Aufgabe des nationalen Zionismus empfunden,- wobei in einer für Dänemark charakteristischen Weise das arabische Einverständnis, mit einer Assimilation der Juden an die arabische-,Umwelt als selbstverständlich unterstellt wird. „Die jungen Juden, welche nach Palästina gehen, um auf dem Lande zwischen Arabern zu leben, lernen kein arabisch... Junge Juden, die nach Argentinien gehen, lernen spanisch, aber das einzige arabische Wort vieler Zionisten, die seit 15 Jahren in der Bewegung stehen, ist Salem ^Aleicum . . « Alle jüdische Aiifklaruiigspropaganda, dass die Juden ihre arabischen Brüder nicht ausbeutenwollen, dass sie zur Entwicklung des Landes beitragen, dass sie die Araber nicht heimatlos machen usw., dringt nicht zur arabischen Bevölkerung. Araber lesen keine europäische» Zeitungen, und die arabische nationalistische Presse bringt keine friedlichen zionistischen Erklärungen, ganz abgesehen davon, dass die arabischen Fellachen Analphabeten sind. Sie müssen glauben, was ihnen, ihre fanatischen Priester und natioiir^tischen Agitatoren sagen. Solange der jüdische Arbeiter, der zionistische Kolonist, der deutsche oder polnische Emigrant nirht seine wichtigste Aufgabe darin sieht, unter den arabischen Arbeitskollegen zu verkehren, kann die zionistische Aufklärungsarbeit nie zu den Massen kommen. Arabische Dörfer liegen bür 500 Meier weg und sind doch den jüdischen Ärzten weltenfern. Kein'-Jude speist . in einem arabischen Lokal, .obgleich das Essen ausgezeichnet ist und nur halb soviel wie iii europäischen Lokalen kostet. Auf diese .Weise kann es“, sehliesst der ausführliche Artikel, „nicht gellem. Palästina ist eine-winzige Provinz in dem grossen, arabischen Reich mit 15 bis 20 Millionen .freiheitsliebenden Arabern. Werden die Zionisten nicht Freunde, gleichberechtigte Freunde mit den arabische,, Volkstnasseri, so wird ihre nationale Heimstätte im Heili- - gen Land, die unter so vielen Leiden und Opfern aufgebaut wurde, eines Tages von der grossen arabischen Welle forlgespiilt werden.“ Dänemarks Regierung und Bevölkerung fördern die jüdische Einwanderung nach Palästina in weitestgehendem Masse; die mustergültigen Einrichtungen der dänischen Landwirtschaft stehen deutschen Juden zu Ausbildungszwecken offen; im Läufe der.letzten Jahre Wurden denn auch viele hunderte Chaltizim aus Deutschland in ■ Dänemark gründlich geschult, wovon die Presse aller Schattierungen sympathisierend Notiz nahm. > Der Oberrabhiner von Kopenhagen, Dr. F r i e d i.g e r , feiert am 25. Dezember sein 25jähriges) Rabbiherjubiläu/n. Nach Absolvierung des Rabbiner-Seminars in Berlin ging Dr. FrTe^“ diger als Religionslehrer nach Prag. Drei Jahre später übernahm er das.Rabbinat in Porlitz. 1913 wurde er Rabbiner in Oderberg, 1920 wurde er als Oberrabhiner nach Kopenhagen berufen. i