Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 52 (24.12.1936)
- Date
- 1936-12-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Konzerte und Vorträge im Reich Eine Sonderveranstalkung des Frankfurter Kulturbundes brachte mit Felix Mendels-, fohn-Bartholdhs zweitem und populäreren Oratorium „Elias" (dessen Inhalt der Komponist mit Hilfe fachkundiger Freunde selbst nach , den Worten des Alten Testamentes gestaltet hat) einen besonders schönen und eindrucksvollen _ Abend. Das Werk, das im zweiten, wichl etrvas schwächeren Teil einige Kürzungen erfuhr, ist, mögen auch einzelne Mellen leicht verblaßt sein, noch immer von prachtvoller Frische der Diktion, und Köstlichkeiten, wie das wundervolle Engel- Doppelquartett oder das noch berühmtere a-espella-Terzett „Hebe Deine Augen aus", die schönen innigen Tenorarien, die kraftvollen -Ansprachen des Elias selbst und bewegte Lhorsätze, wechseln in bunter Fülle.. . Die Aufführung wurde wieder zu einem, über das Konzert hinaus erfreulichen glänzenden Beweis, daß die jüdische Bevölkerung Frankfurts auch in schwerster Zeit geistiges, ästhetisches Erbgut behaupten und bewahren will. Man durfte an diese Wiedergabe, die zum Ehrenabend des Dirigenten Dr. Nathan Ehren re ich und der -beiden beteiligten Chöre (C h o r v e rei n i g u n g, Kämmercho r) wurde, getrost-stolze Vergleiche aus der Vergangenheit heranziehen. Die Ver- . mittlung war aus einem Guß, präzis, wuchtig und dynamisch abgestuft, und diese Feststellung gilt für die Leistung des prächtig klingenden Chors wie auch für das treffliche Kulturbund- Orchester. Den Elias selbst sang Mit eindringlichem Bortrag und prachtvoll bei Stimme, wie kaum ein Zweiter zu solcher Aufgabe berufen. Her- Mann S ch e h. Neben ihm gefiel besonders Erika Samson (Storni), deren kultivierter schlanker Sopran schönes Timbre besitzt. Paula Levis klangvoller Alt kam in den Soli und Ensembles - gut zur Geltung, und auch,der Tenor Bruno Ucko sang seine recht exponierte Partie mit Geschmack. Ter Beifall entsprach in feiner Herzlichkeit dem hohen Niveau des Abends. Georg Schott In Hamburg gab Hermann Scheh einen Liederal»end. Diesen großen Künstler singen zu hören, ist ein ungetrübter Genuß. Ohne alle Starallüren. mit vorbildlicher Liebe und Hiiignbe znm Werk, von künstlerischem Ernst Um die Gestaltung : der Lieder beseelt, weckt er bereits mit seinen ersten Vorträgen^das Echo in den Herzen seiner Hörer. Seine Stimme ist von einzigartigem Wohlklang und wundervoller Ausgeglichenheit, sein Vortrag bei aller Ruhe und Ueberlegenheit von einer Wärme und Leidenschaft durchglüht, die. die Lieder in echter, ungeschminkter Empfindung erklingen lassen. Zum ersten Male hörte mm hier von ihm Bl ochs 22. Psalm gesungen: eine großartige Leistung. Hier war er Gestalter von größtem Format. Stürmischer Beifall dankte dem Sänger und erzivang mehrere Zugabest. Erwin . Palm war ein guter Begleiter am Flügel. . A. Dem 4. Abonnementskonzert des Jüdischen Musikvereins Breslau gab die solistifche Mitwirkung des 16jährigen Osty Renardy zunächst ein etwas sensationelles Gepräge. Doch schon nach den ersten Tönen des jungen Geigers schwand alle , Lust an der Sensation, und man war im Banns einer wirklich großen Leistung, die Renardys angeborenes Musilgefühl und feine erstaunliche künstlerische Reife in gleichem Maße erkennen ließ. Das Orchester unter Kurt H avella » ds Führung begleitete — es waren Werke von Corelli, Paganini und Händel — fein und mit äußerster Präzision. —.» ■ n in A—■——— .. *:\ Welch bemerkenswerte Fortschritte es in allerletzter Zeit wieder gemacht hat. ging aus der tonlich höchst sorgsamen Wiedergabe von Glucks Ouvertüre zu .Iphigenie in Anlis"- der (leider gekürzten) Holberg-Suite von Grieg und zweier ungarischer Tanze von Brahms hervor. Der Klang der Bläser mischte sich diesmal schon sehr __ befriedigend^mck dem der Streicher- und so ergab sich im ganzen, ein schönes, harmonisches Musizieren, das dem Orchester und seinem vortrefflichen Dirigenten Havelland berechtigten-Beifall eintrug. Hff. . Der - Pianist Kurt H a v e l l and (Breslau) ° verabschiedete sich , vor seiner Auswanderung in seiner Heimatstadt Kassel. Er -erntete mir Beethoven und Chopin warmen Beifall. Susanne Löwenstein (Berlin), hier immer' gern gehört, fang . Lieder von Brahms und Mahler. •' F. r Im Liederkranz (Jüdischer K ulitür b un d) Mannheim hatte an zwei Abenden das Schauspielensemble des Jüdischen Kulturbundes Ha m - bürg mit Franz Molnärs Komödie „Große Liebe" durchschlagenden Erfolg; er war vor allem der bezaubernden Exzellenz von Jenny Bernstein-Schaffer, dem scharmanten Iwan von Klaus.Brill, der verhaltenen Irene von Mavie-Luise Bruch und Friedl Münzer zu danken, die trotz Fieber und merklicher Heiserkeit die Margit packend spielte. .80. Der Karlsruher Kult u r b u n d hatte mit einem Gastspiel der Kleinkunstbühne des Berliner Kulturbundes „Vorhang aus!" einen besonderen Erfolg. Befreiendes Lachen und herzlicher Beifall waren der Dank an die eifrigen Künstler E h r li ch, T a ch a u e r, Cläre A r n - stein, Edith E i s e.n h e i me t und den unermüdlichen „Flügelmann" Werner Bär. Mit der .Ausführung von MplnärS „Großer Liebe" brachte der Hamburger Kulturbund unter Leitung - von, Dr. Hans B.u x b a u m die freudig begrüßte Abwechselung des Theaters in die Reihe der Karls» - ruher Kultur-Veranstaltungen. Die Gesamtleistung der Hamburger Künstler fand herzlichste Anerkennung. Stg. Im jüdischen Kulturbund Elbing gab Lssy Renardy, begleitet von Bruno Gl ade, Königsberg, ein Konzert. Beatrice Wägst a l t e r - Freudenthal sang Lieder aus aller Welt. Ein verständnisvoller Begleiter war ihr Leo .Schönbach, Halle. "Der Jüdische' Kulturbund Halle veranstaltete einen Rezitationsabend mit Ilse I n t t a» .tot, -Berlin, verbunden mit Klaviervorträgen von Ludwig' G r ü n b a u m, Nürnberg. Die .. Nezitatorin trug mit modulationsfähiger Stimme Gedichte von Heine bis Werfel vor. Im /Rahmen der - Seelischen W i n t.e r Hilfe bestritt der Synägogenchör - her Hauptsynagoge Ma i n z unter Leitung von Alfred Men de l m Alzey und Oppenheim den musikalischen Teil einer Feierstunde Mit großem Erfolg. Rabbiner Dr. S. Levi (Mainz) sprach dabei über Wohltätigkeit und Hilfsbereitschaft in Zeiten der Not, Rose . Lahn, Loni Me inert (Sopran), Fritz Blum .(Tenor), Oberkantor I. Jonas, Kantor M. Naumann (Bariton) und Alfred Mendel (OrM) trugen aufs beste zum Gelingen der Veranstaltung bei. Der Jüdische Kulturbund Anhalt eröffnete seine Winterspielzeit mit dem Gastspielkabarett „Der schiefe Spiegel", dessen Darbietungen auch hier viel Beifall fanden. Kürzlich, konzertierten Nikolaus Graudan (Cello) und Haust Eräudan (Klavier); ihr Programm umfaßte Beethoven, Mendelssohn, Chopin und Weher. Die beiden Künstler, deren Leistungen auf einer außerordentlichen Höhe standen, wußten den Abend ' zur wirklichen Feierstunde zu gestalten. Künstlerische Veranstaltungen in Berlin Zwei Sätze aus Händels Orgelkonzert F-äur. gespielt von Richard A l t m a n n, eröffneten'den ersten Abend der Seelischen Winterhilfe. An der Spitze desOrchestersder K ü n st lerh i I f e stand diesmal Dr. Fritz B e r e n d; es war überraschend, was feine überlegene Zeichengebung herauszuholeii vermochte, namentlich^ auch hinsichtlich klanglicher Einordnung der Bläser, Nngcachtet der rhythmischen .Energie, die von - ihm ansstrahlt. und der Konzentration des Aufbaus, die er zu erzielen weiß, liegt ihm offenbar das sensible Melos der Romantiker ganz besonders: die weichen, fchivelaenden Linien Mendelssohns und Volkmanns erscheinen in reichster dynamischer Belebung und Durchseeltheit. Man m sichte hoffen, den hervorragenden Dirigenten bald vor noch größere Ausgaben gestellt zu sehen. Der Cellist Paul B l u mens e l d traf in der Volkmann- Serenade den edlen Gesangston und die melancholische Verhaltenheit, deren es hier bedarf. Ilse Jntratvr trug mit Rezitationen zur abwechslungsreichen Gestaltung des Programms bei. H. Fr. Jacob W einbergs große Freitaga b e tr d - L i t u r g i e liabbalss Sedabbos, die wir nach ihrer europäischen Uraufführung in Berlin entsprechend ihrer Neuartigkeit und dem ungewöhnlich starken Eindruck, den sie Hintevließ, ausführlich würdigten (vgl. Nr. 44 vom 29; Oktober d. I.), wurde in Berlin zum zweitenmal ' angeführt. Diesmal ivaren die Kttnstlevhilfe der Jüdischen Gemeinde und der Vorstand der Synagoge Friedenstempel die Veranstalter, bestrebt, weitere Kreise mit diesem gewaltigen, zuweilen omtorienhaft wirkenden Werk bekannt zu machen. Leider entsprach der Besuch nicht dem Interesse, das man hätte erwarten dürfen. Um die Aufführung in der Synagoge Friedenstempel machten sich wiederum ein großer gemischter Chor, Julius P e i s s ach 0 w i t s ch und Paula Salomon (Lindberg) als Solisten sowie Erwin Jospe an der. Orgel (die übrigens bei weitem nicht die Klangwirkung und die Klangfarbe wie die Orgel in der Synagoge Oranienburger Straße hat) sehr verdient. Heber allem und allen aber stand wie bei der ersten Ausführung Chemjo Winüwer als musikalischer. Leiter,- faszinierend für die - Mitiwirkenden wie für die Zuhörer, besessen von der Musik, das Werk bis ins Kleinste erfassend. E. G. L. Im Hause von Gertrud Weil gab es einen Abend, der dem Andenken des vor zehn Jahren verstorbenen Rainer Maria Rilke gewidmet war. Der würdige Ernst der Veranstaltung wurde nur vom Wort getragen; es fehlte die Musik, die sich gerade um Rilkes Verse wie ein tönender Mantel legt. Dr. Lutz W e ltmann charakterisierte mit liebevollem Verständnis Rilke als religiösen Dichter, dem die Religion über alles Konfessionelle hinaus eine Richtung des Herzens bedeutete. Im Rahmen dieser klug abgesteckten .... Charakteristik mußte der weltliche Jmpressio- . nist .Rilke außer Betracht bleiben; um so stärker trat der inbrünstige Gottsucher heraus, der sehnsüchtige Dichter des Stundenbuches, in dessen Pantheon als höchste Einheit der biblische Gott thronte. Weltmann betonte dabei besonders, daß Rilkes Geburtsstadt Prag — die ideale Jüdenstadt, wie Josef Nadler sie nennt — Gehalt und Rhythmus seiner Poesie mitbestimmt hat, und daß sich von hier aus der persönliche und " literarische Verkehr des Dichters mit zeitgenössischen jüdischen-Dichterpersönlichkeiten, wie Jon 'Andreas-Salome, Richard Beer-Hofmann, Hugo v. Hofmannsthal und vor allem mit dem Landsmann Franz Werfel, anbahnte, in dem er den eigentlichen .Fortsetzer seines Lebenswerkes sah. Erna Leonhard (Feld), die Weltmanns analythische Ausführungen , durch eine. Reihe gutgewählter dichterischer Beispiele illustrierte, erwies sich, wie oft, so auch diesmal wicher als ausgezeichnete Sprecherin.. Sie gab den RUkeschen Versen die sorgsam abgetönte klangliche Schönheit. die ihren eigentümlichen Dämmerreiz wie in einer Welt tiefer Geheimnisse enthüllt, und beschwor den Dichter zumeist aus dem ,-Schatten stiller Niederschau", die Rilkes dichterisches Selbstbildnis als selige Erlösung für. sich in Anspruch nimmt. H. L. De r V e r e i n. f ü r jüdi s.ch e Ge sch i ch t e. u n d Liter a t u t suchte uni Verständnis für die schicksalhafte. Bestimmung neuer jüdischer Lyrik zu werben. Dr, .Max F re y h a n kennzeichnete diese . in zuweilen dichterischer Sprache, stets aber mit dem eifervollen Scharfsinn eines Suchers nach Iu> . sammenhängen als Aufriß einer geistigen .Wirklichkeit.- Er sah in der Entivicklungcher Lyrik eine -Abkehr von bisher unverbindlichen Gefühls- Schwärmereien, den Aufruf zu Besinnung und verpflichtender Gesinnung. Er wies auf so Nachdrücke -liche Willenskundgebungen in Gedichten von Wolfskehl, Sturmanns.Werfel und Ludwig Strauß hin. Edith Herrnstad-t-Oettinge'n, in, der seelischen Schwingungssähigkeit und geistigen Gestuftheit ihrer Vortragskunst abermals bezwingend, deutete die unbegrenzten Möglichkeiten jüdischer Verinnerlichung u. a. in einem-ergreifenden Gedicht von Gertrud Chodziesner und in ausrüttelnden Versen von Ilse Blumenthal, Weiß an. ■ ■ , A. 8. Jüdischer Kulturbund Berlin Im Januar gelangt das Schauspiel des jüdisch-amerikanischen Arztes und Dichters Sidney Kingsley „Menschen, i y Weiß" zur Aufführung. Dieses Stück, das im ärztlichen Milieu spielt und an tiefe berufliche Probleme rührt, ist ein Welterfolg geworden. Es ist^blele Hunderte . von Malen serienweise in Amerika, Wien, Prag und anderen Großstädten gespielt worden. Zuletzt brachte ys der Jüdische Kulturbund Hamburg in der Inszenierung von Dr. Hans Buxbaum heraus, der das Werk auch im Jüdischen Kulturbund Berlin in Szene setzen wird. Die. Bühnenbilder entwirft Hans SondheimSr. In den Hauptrollen sind beschäftigt: Fritz W i st e n, Hans Karl Rose n b e r g, Alfred Berliner, Alfred L i ch t e n st e i n, Siegmund N u n b e r g, Gerda Klein, Ruth Manheimer und Lilly Kann, Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Nach dem großen Berliner Erfolg des „SommernachStraums" wird am 27. Dezember eine Sonderveranstaltung des Werkes in der Premierenbesetzung stattfinden. Am 31. Dezember erfolgt eine einmalige Wiederholung von Molnars „Größer Liebe" in der Regie von Fritz Misten mit Jenny Bernstein, Ruth Manheimer, Lotte Oppenheimer, Walther Herz, Klaus Brills Gina Friedman, Lilly Kann und Siegmund Nunberg. Eine Sonderver.anstaltung von Ehrlrch-Rösens Revue „Borharig auf!" findet am 31. Dezember. 19-Uhr 15 Min., im Schumannsaal statt. — Im Laufe des JaNuar wird die unter der künstlerischen Leitung von Max Eh rl ich stehende Kleinkunstbühne (Schumannsaal) mit einem neuen Programm erscheinen. Zur Aufführung gelangt das musikalische Lustspiel „Essig und Del", ein Märchen aus Wien von Siegfried Geyer und- Paul Frank, Musik von Robert Kätscher. In den Hauptrollen: Camilla Spira, Max Ehrlich und Bert Baer; Inszenierung: Max Ehrlich. Der - Reichsverband de, jüdischen^ Külturbllnde in Deutschland, Berlin 81V19, Ttallschreidersträtze 44. weist nochmals darauf hin, daß der endgültige Termin zur Einsendung für daS Musik-Preisausschreiben am 15. Januar 1937 abläust und daß spätere Einsendungen nicht berücksichtigt werden können. Üeber japanische Musikarbeit Aus Anlaß des Arlvitsbeginns von .Generalmusikdirektor J o s e f R v s e n - st 0 ck/ der die Mitung des Xeiv Symphonie Orchestra in Tokio übernayin. hielt Klaus P r i n g shei m. Professor an der dortigen Musikakademie. eine Begrüßnugsanfprache. deren Manuskript er uns zur Verfügung stellte. Er führte u. a. aus: „Tokio erwartet viel, sehr viel von Ihnen, das ist nur selbstl>erständlich. Aber auch Sie dürfen viel, sehr viel von Tokio, von feinem Musikleben, von Ihrem neuen Wirkliugskreis erwarten. Gewiß. Sie werden hier noch. höhere Erwart,»igeil erfüllt finden als die.-mit denen Eie vielleicht hergekominen sind. Gewiß wird es Ihnen gehen ivie jedem von «ns und rvic es. ich erinnere mich noch deutlich, auch mir vor!üuf Jahren gegangen ist. als ich zum erstenmal als Zuhörer in einem Konzert des Neuen Sinfonie- Orchesters saß. Ich weiß, inan hört und liest viel in eurvpäiscl)en und ainerikanifck>en Zeitungen /von dein, was auf nnisikalifüiern Gcbiet'in Japan' geleistet wird: aber ,ganz zu glauben vermag es der Ausländer meist nicht eher, als bis er selbn gehört hat. selbst Zeuge dessen geworden ist. was die Musiker Japans zu vollbringen vermögen. Sie finden hier eine tief fundierte, hock) entwickelte, sich breit Entfaltende Musikkultnr. und Sie treten 'nun an die Spitze eines Orchesters. lXis heute — Ergebnis zehnjähriger Arbeit und zehnjährigen Aufstiegs — neben den besten feiner Art, genannt iverden darf. Ader f 0 gut ist, zum Glück, kein CvriKt'tcr der Welt, daß <?•:• nicht n 0 ch b e s s e werden könnte . . . Sie werden hier, wie vielleicht in keinem anderen Land der Welt, einen unerschöpflichen Fonds an vorwärtsgerichtetem. aufwärtsstrebendem Willen fchden, einen wahrhaft unversiegbareii EnthnsiaSmirö des Lernens, des Lernens ohne Ende. Auch die Mitglieder dieses Orchesters, das große und schwierige. Auf-- gaben aut vorbildlickie Art zu meistern vermag, fühlen sich als Leinende, und jede Prol'e, jedes Konzert, jedes neue Werk, das sie zum erstenmal spielen, jedes alte, das sie neu studieven, wird Anlaß zu erneuter Anspannung aller Kräfte,- Dtittel zum Zweck,, des Hinzulernens und der stetigen Steigerung deS Könnens. Wenn Selbstgenügsamkeit, Selbstzufriedenheit das. Ende allen ki'mstterisckien Fortschritts bedeutet, hier werden Eie solcher Gefahr des Endes nicht zu begegnen haben. Wenn Sie in Ihrer Arbeit eine Schlvierigkeit finden werden, eine unüberwindlicije Schwierigkeit^ vielleicht, so wird es nur die sein, die ^Musiker, di^, sich Ihrer Führung anvertraut haben, dahin zu fuhren, daß sie mit sich selbst, mit ihrer eigenen Leistung vorbehaltlos zufrieden sind., Ein unerreichbares Ziel, mag jein, ein fvrtivährendes Ziel dennoch. Es zeugt von berechtigtem hohen Selbstbewußtsein dieser 'Musiker, daß sie jetzt an ihre Spitze einen Dirigenten von Weltruf, einen aus der 3ieihe der Besten, berufen haben;, es zeugt von ihrem'berechtigten hohen Selbstvertrauen, daß sie sich.entschlossen haben-, einen europäisü)cn Musiker, -einen ölrmwo'r. zu ihrem ersten Dirigenten zu erwählen. -In der Tat, sie sind nun so weit, cs ist für sie'kein Wagnis, .bedeutet ganz gewiß, kein Eingeständnis der Abl)ängigkeit von fremder Führung, in die sie, die japanischen Musiker, sich.begeben; es.heißt nicht, daß sie.sich unsicher, sondern im Gegenteil, daß sie sich ihrer selbst sick-er fühlen. Sie sind ein japanisches Orchester, eine Gemeinschift japanischer Musiker, und nichts davon, nichts vom Wertdieser Tatsache wird verloren geiien. Doch, eben das Zusammenwirken dieses japanischen Konzertorchsters mit Ihnen, dem deiltschm Musiker, dem onrvpäischen. ausländischen Dirigenten, ist es. wovon man sich viel, sehr viel verspricht." Josef' Rosenstock hat, wie'wir berichteten, mit seinem ersten Konzert, einem Beelhovcn-Abenö. sehr großen Erfolg gehabt, der sich seither von Kon.zert zu Konzert iteigerte. Er hat sich auch als Pianist in Bachs -5. Brandenburgifchen Konzert sowie mit einem Sonatenabend mit dem gleichfalls in Berlin bekannten Geiger Willy Frey aufs keste eingesührt. Achtung, Achtung. . .! Musikschüler vor dem Mikrophon Anfang und Ende des Weges der drahtlosen Uebertragung sind nur durch ein paar Wände getrennt. Die Einrichtung ist denkbar einfach, ja, primitiv. Ta gibt cs keinen Sendesaal, der den jeweiligen akustischen Verhältnissen Rechnung tragen kann, es gibt weder eine Tonsteuerung mit feiner Apparatur noch einen Tonmeister, der, Musiker und Techniker in einer Person, im schalldichten Gehäuse abhört und reguliert. Ein Mikrophon allein schasst schon Illusion genug . . . Der Rundfunk hat im Laufe der Zeit dem Musiker ein neues, weites, ungeahnt großes Betätiglingsfeld geschaffen, die Musik füllt einen wesentlichen Teil der Programme. Der angehende Ntusiker unserer Tage, vor allemder studierende Beriifsmusiker, muß also auch auf das Musizieren' vor dem Atikrophon, auf die Mitwirkung im Rundfunk sorgfältig vorbereitet werden. Wenn ein Fachmann wie Karl Wiener, der über eine langjährige Praxis auf dem Gebiet der Musikübertragung verfügt, es unternimmt, (im Rahmen der Privaten Jüdischen Musikschule Hollaender in Berlin) Mikrophonkurse abzuhalten, so paßt er sich damit, einer Tendenz unserer Zeit an: eine Berufsausbildung möglichst vielseitig, d. h. transportabel zu gestalten und dazu auch auf bedeutsame neuartige Einrichtungen und Wirkungsmöglichkeiten abzustellen. Worauf es ankommt: es gilt, .dem heranreifendeu Btusiker, der später einmal in ausländischen Sendern auftreten will, wenigstens einen Begriff davon zu geben, wie er sich als Sänger oder Spieler gegenüber dem Mikrophon zu verhalten hat; er soll lernen und wissen, wie sehr — um es einmal zusammensassend zu kennzeichnen — von seinem bzw. seines Instruments „Verhalten^ gegenüber dem Mikrophon die Klangwirkung abhängt, so wie sie der Lautsprecher dem Hörer vermittelt. Dazu gehört vor allem ein feines Empfinden für die Resonanz in allen ihren Schattierungen, weil im Mikrophon die künstlich verstärkte Resonanz zu wirken beginnt. Man erfährt zum Beispiel, daß das Klavier dem Rundfunkfackmann das meiste Kopfzerbrechen macht, wie überhaupt angeschlagene und geschlagene Instrumente der Radioübertragung erhebliche Schwierigkeiten bereiten; daß von allen Instrumenten die Flöte am unverzerrtesten zur Geltung kommt und dem Rundfunk wohl am gemäßesten ist; daß im allgemeinen Töne in der Mittellage natürlicher klingen; daß die Schwierigkeiten beim Zusammenspiel, sei es Kammer-, sei es Orchestermusik, graduell verschieden sind. Es versteht sich von selbst, daß eine .solche Mikrophonanleitung eine Ergänzung -nach der radiotechnischen Seite hin bedarf. Und dieser Notwendigkeit tragen jene - Kurse, die noch ganz jungen Datums und übrigens die . einzigen jüdischen Kurse dieser Art im Reich sind, mit um so größerer Selbstverständlichkeit Rechnung, als sich unsere jungen Menschen sür technische Dinge empfänglich zeigen, auch wenn - sie vor allem musikalisch begabt sind. E.G.L. Theater, Musik, Film Schnitzlers Novelle „Fräulein Else" ge- ' längte in der Dramatisierung von E. Lothar in W i e n und Zürich zur Aufführung. Karl. Flesch gab kürzlich-im holländischen Rundfunk zwei Konzerte. Wolfgang F r a e n k e l s Kantate für Altstimme. Streichorchester und Kesselpauke wird am 5. Februar in Häärlem (Holland) uraufaeßührt. Das Konzert steht unter Leitung des holländischen Kapellmeisters Schuurman, die Altpartie singt Paula Salömon (Lindberg). Fraenkel hatte, die musikalische Leitung der vor kurzem in Berlins aufgeführten '„Geschichte vom Soldaten", von Strawinsky. Im französischen—Sender-Eiffelturm ist am- 28. Dezember. 21 Uhr 45 Min., ein Sinfoniekonzert zu hörenbesten Dirigent Selmar Mey. r 0 w i tz ist. Im Londoner Pavillon-Kino errang Walter Rei schs erster englischer Film „Men are not gods‘‘ einen vielbeachteten Erfolg.