Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 52 (24.12.1936)
- Date
- 1936-12-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rawicz 1× ep/1048078
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Nr. 52.1. Beiblatt 24.Dezember 1936 Der Rahmen des jüdisch-politischen Lebens Unser ahzg-Mitarbeiter hatte in seinem Aufsatz ,.G r u ri d 1 a g e n d es j ü d i s c h e-n Lebens“ („C.-V.-Zeitung“ Nr. 47)»«gekündigt, dass als Ergänzung der-, soziogt^iphischstatislisflien -Aufsatzreihe „D 1 e Zers treu iin» der Jude näher die E r-de“> von Dr. Erwin Rawicz eine Darstellungsfolge über den „Rahmen des jü dlsch-po 14t i s c h en Le b e n s‘‘ erscheinen würde. . Wir beginnen heute--mit'.der Veröffentlichung.' über die V e r einigten 81 a a t e n.; Als ,nächste Arbeit ist E n g 1 a n d vorgesehen. . 1. Die Vereinigten Staaten von Amerika Das jüdische Leben in den Vereinigten Staaten Hat vieles von der AusgelockertHeit. die alles amerikanische Leben anszeichnet; auch die Fronten im jüdischen Leben stehen anders, als man sie in »Europa und vornehmlich in Deutschland zu sehen gewohnt ist. Die-, Große des Landes und die unterschiedliche Herkunft seiner jüdischen Bewohner hat hierbei sehr mitgesprochen. Die politische Lage der amerikanischen Judenheit) die nie Em-anzipationsprvbleme gekannt hat, hat das jüdische Leben auf eine ganz andere Ebene verlagert. Fast scheint es. als habe die amerikanisch-politische Atmosphäre mit ihrer letzten Endes unideologischen Haltung aus das jüdisch-politische Leben abgefärbt, als habe diese Atmosphäre aber auch in den jüdischen Bereich jenes föderalistische Prinzip eingesührt, das den amerikanischen Staatsaufbaukennzeichnet. So finden wir eine ungeheure Vielzahl von Organisationen, die sich um die Gestaltung jüdischen Lebens bemülum> in einer Vielfalt und Großzügigkeit, denen man so vieles von der „individnalistischen Gemein- - fchaftsbildung" im amerikanischen Leben an- Diese charakteristische „ Gliederung und dieser kennzeichnende Ausbau zeigen sich schon bei den Gemeinden und ihrer Organisation. Es gibt in den U. S. A. weder eine Zwangsgemeinde, wie etwa in Deutschland, wo jeder Jude gleich in die Gemeinde hineingeboren wird, noch eine Einheitsgemeinde, noch eine Zwangsbesteuerung. .Es fehlt überhaupt die Gemeinde in unserem Sinne. Die sogenannten Gemeinden sind freiwillige Verbände, private Vereine mit all ihren unvermeidlichen Mißhelligkeiten. Wir finden zum Beispiel auf dem Gebiet der Neligiön und Seelsorge einen Wettbewerb um die Beter und um die Mitglieder. Es gibt eine jüdische, religiöse Propaganda oder vielmehr eine Reklame, genau wie sie andere Kirchen .und Sekten haben, eine Reklame, die die Beter in die Shnagogen der einzelnen Gemeinden,und Vereine zu-locken sucht. So bemühen sich etwa 9700 Gemeinschaften, von denen die ältesten schon 280 Jahre bestehen, in 870 . Orten umdie Gestaltung des jüdischen Lebens, um Sozialarbeit, Erziehung und Kultus. Sie haben darüber hinaus aber in den letzten Jahren zu spüren bekommen, daß auch innerhalb der Judenheit Amerikas) wie in den Vereinigten Staaten überhaupt, eine soziale Frage besteht, um die man nicht mehr herumredcn kann. Tenn die Krise vor vier, snitf Jahren mit ihrer Massenarbeitslosigkeit hat sich auch im jüdischen Amerika bemerkbar gemacht. Man spürt seitdem, wie sehr eine konstruktive und von einer Stelle uns gelenkte Wirlschastshilfe fehlt -und. wie wenig die großen jüdischen Massen außerhalb philanthropischer Aktionen für das Judentum aktiviert sind. Wie sehr es aber auch an einer jüdischen Erchehung der Jugend mangelt zjud wie groß neben den inneren Problemen der Inden Amerikas noch die Verantwortung ist, die ihnen die Lage der Juden in Ost- und Miiteleuropä aufbürdet. So entstand in .vielen Köpfen, vielleicht nicht ohne den geistigen Einfluß der Kriseu- und Wirtschaftspolitik Rvosevelts, die Frage:. Ist der gegenwärtige organisatorische Aufbau der amerikanischen Judenheit all den Aufgaben gewachsen, die heute gegeben sind? Die Krisen- und Wirtschaftspolitik Roosevelts hatte ja weitgehend deh Grundsatz betont, daß man einer Krise nur mit konstruktiven Maßnahmen, mit Planung und Regulierung beikommen könne. Gerade ans dieser geistigen Haltung sind Stinunen laut geworden, die darauf hinwiesen, daß das jüdische Leben Amerikas unter seiner gewaltigen Zersplitterung leide, und daß der Wettbewerb, wie er allgemein zu einem Problem geworden ist, auch auf lüdischem Gebiete zur Tisku'fsion gestellt werden müsse. Auch für die Judenyeit ist. wie für ganz Amerika, die Frage eines Konservativismus, im sozialen Leben (nicht in religiöser Beziehung) oder eines „New Deal" akut geworden. Bisher hat man sich damit geholfen, die Bielzahl der Organisationen durch Koordinierungs. komitees. durch Kvnferenzgemeinschasten u. ä. - in. ihre Arbeit etwas anzugleichen. Es ergab sich Jbu*2änact)e/ oaß. aus den einzeiMS^Ssxhänden , und Organisationen Organisationsvereimgungen entstanden, die wiederum in ihrer Tätigkeit durch ein neues Koordinationskomitee zm'ainmengesaßt wurden <o gibt es heute z. B. Zusammenschlüsse 'von Gemeinden die nach den einzelnen religiösen Richtungen gruppiert sind, aber auch nur einen . geringen Bruchteil der. Gemeinden ihres Schlages, umfassen, und es gibt einen Zusammenschluß dieser Gemeindeoerbände. So begeht die Union ok American Hebrew Congregations, die Mitte 1935 286 Mitgliedsgemeinden hatte. Zn ihr ge- . hören die Reformgemeinden. Sie'stellt'in erster Linie die Ausbildung von Reformrabbinen sicher, fördert den religiösen Unterricht und das Studium der Grundlagen und der Geschichte des Judentums. Die United Synagogue of America ist der Verband der Gemeinden, die in amerikanischer Terminologie konservativ genannt wer- - den. ipäs etwa den in Deutsd)land bestehenden gemäßigt Liberalen 'entspricht: Die Union ok Orthodox. Jewish Congregations of America ist der Verband der orthodoxen Gemeinden. All. -diesen Gemeindeverbänden ist — ähnlich wie in. Deutschland bis 1933 — eine planmäßige Sozial-, Rechtsschutz- oder Wirtschaftshilseärbeitz fremd. Sie beschränken sich auf rein religiöse Diuge und aus individuelle Wohlfahrtstätigkeit. -Die Union of Orthodox Jewish Congregations, ihr entsprechender Rabbincrverband (s. «,). die Union of American Hebrew Congregations, die Central Conference, of American Rabbis (s. "-b ' die United Synagogue und die Rabbinicial Assembly (s. u.) bilden toicbcv den Synagogue Cfumcll of America, der sid) mit der Lereinheitlichuiuz der glt'ichliegendei, religiösen Interessen der ihm angeschlossenen ,Verbände besaßt. Einen spezifisch politischen und sozialen Wirkungskreis haben andere, nicht-religiöse Berbände übernommen. Aber ihre Arbeit ist, wie es ja auch bei uns früher der Fall gewesen ist,' mehr nach außen als ans eine intensive und nach einheitlichen Gesichtspunkten gelenkte Tätigkeit im innerjüdisdien Leben gerichtet. Die Motive, die den Apparat -dieser Organisationen in Bewegung setzen, entstammen mehr dem Drang zum Helfen, dem Dasein für jüdische Gemeinschaften. als einer pvlitischrgeistigen Sphäre. ‘ Zuerst ist hier das im Jahre 1906 von Louis Marshall gegründete American Jewish Committee zu nennen, dessen Präsident gegenwärtig Eyrus Adler ist. Es widmet sich der Förderung und Behauptung jüdischer Rechte. Besonders während des Weltkrieges und nach dem Kriege hat es e.me führende Rolle in.der Hilssarbeit für die vom-Kriege in Mitleidenschaft gezogenen Inden Ost- und'Mitteleuropas gespielt. Das Committee ist eine Vereinigung vvn mehreren Hundert Rotabeln, die von entsprecl)enden Organisationen, Komitees, und Gemeinden im Lande abgeordnet werden. Es ist also nicht aus direkten Wählen hervorgegangen. Borsitzender der Erekutive des c'omm'ittee ist der bekannte Phjlantrop Sol. M. Stroock. Das Gegenstück zum American Jewish Committee ist der American Jpwish Congress, dervon vielen Gemeinden und meist zionistisd)en Organisationen unterstützt wird und seit seinem ersten Zusammentritt im Jahre 1919* bis zum vergangenen Jahre aüf demokratischer Grundlage beruhte. 1935 wurde das Prinzip der. unmittelbaren Wähl abgeschasst. Der Congress. der sich insbesondere für die Einführung des Minderheitenschutzes für die.Juden Osteuropas 'eingesetzt hat. hat über 1900 .Abgeordnete und im übrigen genau den gleichen Wirkungskreis wie das American Jewish Committee. Zwischen beiden Jnstutionen bestehen jedoch gewisse taktische und weltanschauliche Gegensätze, vor allem in der Jrage des Zionismus. Der Congress, dessen Präsident der bekannte Reformrabbiner Rabbi Stephan S. Die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat in. Gemeinschaft mit dem Jüdischen Wohlfahrlsamt 4000, Kinder zu Chanukka beschenkt. Die Kinder erhielten Kleidungsstücke aller Art, Spielzeug und Süssig- Für die Pfundspende fehlt es, besonders irii Norden und in Friedenau, noch immer an Sammlerinnen. Meldungen erbeten an Frau Sommerfeld. Berlin NW 21, Perleberger Str. .3, und Frau Reinacht, Berlin-Friedenau, Mainauer Strasse 2. Denken Sie bei jeder freudigen Gelegenheit an. die Jüdische Winterhilfe, die auch bereit ist, gegen einen: Ablösungsbetrag. -Glückwünsche' -zu allen Festlichkeiten, zu übermitteln. Für einen Hilfsbedürftigen wird dringend ein Selbstfahrer benötigt. Meldungen erbeten an die Abteilung Betreuung der Jüdischen Winter- \ hilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Berlin C2, Rosenstrasse 2—4 (D 1 6711, Apparat 41). Bei der Abteilung Pfundspende der Jüdischen Winterhilfe sind zurzeit 1513 ehrenamtliche "Helfer und Helferinnen tätig, davon 1269 Frauen und 244 Männer. ' Für die Abteilung Haussammlung werden weitere Saipmler benötigt. Meldungen erbeten an Abteilung Haussammlung der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Berlin C 2, Rosenstrasse 2—4 (Dl 6711, Appa- Postscheckkonto: Berlin 93416. Wisc ist. ist prozionistisdi. das Committee dagegen nidit. obwohl-es zum.Teil aktiv an der Mitästinaarbeit-tcilnimmt und sein Präsident Evrns Adler Ehrenpräsident des -'United Palestine - Appeal. 0'».) »ü Der Gegensatz zwnctn» Congress' und Committee ist in. den letzten Jahren besonders bei der-Jrage der Schaünng Änd Einbcrilsiing ' eines Jüdi.ictien-'Weltkongresses deutlid) geioordeix.. Das -Committee' hält einen solchen, die gesamte , Jndentzeil repräsentierenden Kongreß - für über- „ stüisig und schädlich.und hat eine Beteiligung ab- ' gelehnt. Der Congress ist der eigentliche Träger der Kongreßidee und der Arbeit des im?)l-ugust in Gens zusammengetreletzen. Ltzellkongrcsscs. zu dem es die aktivsten und zahlreichsten Delegierten gestellt hat.' Der Präsident des American Jewish Congress, Stephan S. Wise ist'and, Präsident des Jüdischen Weltkongresses geworden. Rabbi Wise ist einer der bedeutendsten Träger der zionistischen Beiveguiig in -.Amerika und jüngst zum Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas l ZG Al'.gewählt worden, nachdem er bisher schon Präsident des United Palestine. Appeal geweseä ist. der das Sannnelinstriiment aller zionistischen »nd vieler nichtzionistischeii Gruppen und Shnagogengemeinden für das Patästinäwerk ist. und an dem auch das American .lomt Distribution .Committee ()". n.l beteiligt ist. Die ZOA hat SC)Otto Mitglieder. _Sie ist die Triebfeder, für. die 1 Sammlung von Geldern zugunsten des Pilä» stinäansbanes. für den nicht, zuletzt auch der .'American Palestine Cninpaign, der jetzt seinen Ramcn in Keren -vajessod iitzigeändert hat. tätig ist. PH)" weiß. daß di?- Palästinaarbeit überhaupt an den amerikanischen -Inden eine sehr wesentliche Stütze hat. Der Ansban Palästinas ohne die Unterstützung der anierifanischen Inden ist undenkbar. So gibt es denn neben den Organisationen, die sich direkt oder indirekt mit der -Ausbringung der Gelder für'den Palästiuaaufbau beschäftige».' Berbände. die darüber hinaus sich aktiv in "Palästina selbst betätigen oder doch wenigstens die hierzu"notwendigen jluterlagen zuschaffen suchen. Zu der erste» -Kategorie gehört der Jrauerwerbaud ..Hadässa", dem — und hier sehe» wir wieder ein .Kennzeichen, für die undi.>zmlitjsche Denkiveise im amkrifanisch-jüdischen Leben — auch HHdztziouisten augehören. Gegründet wurde die .ivadassa" von der auch in Teutsdstaud wohlbekännten. »lü die Jugendalija aus Deutschland hochverdiente» Heurietta Szvld. Borsitzende der ..Hadassa" ist bereits seit mehreren JahrCN Mrs. Edward Jacobs. Ter Verband ist mit seinen-52 <>00 Mitgliedern vornehmlich-der Träger der medizinisdien. Organisation in Palästinä Er errichtet und. unterhält die „Oadassa-Kraiikenhäiiser" und hat in jüngster Zeit hervorragenden Anteil an der Errichtung des Piedizinischen Zentrums an der- Hebräischen llniversität in Jerusalem. Z» der zweiten -Kategorie der im Einblick ans Jerusalem tätigen Organisationen in USA gehört das American Economic Committee for Palestine, das sich die ivirtichastlidie Seite des Patästinannsbanes angelegen sein läßt und vor allein durch die Beobachtung des Wirtscf)afts.oerlnufes in ^Palästina Platerial für die Lenkung von Jnveüitionen und Wirtschsttsberatung sel)afft. Zu den Verbänden mit zionistischer .Gesämt- Haltung gehört ..Voung Judaea". die Organisation der religiös-iiatioiialen Jugend mit 2»oo0 ^Mitgliedern, sonstige Jugeudoe reine bestehe mim Anschluß au lokale Gemeinden. Eiiie ausgesprochene Jugendbewegung in unserem Sinne gibt es nicht. In diese Gruppe können änch wohl kaum die Jewish Comimunitv Centers, die Einrichtungen der Voung Men ilebrew Association lind der Yopng Women Hebrew Association gerechnet lverden. Sie haben z>var einen ,-froßen Umfang'316 Grnpben mit über >!-»>»»> Mitgliedern.—. aber sie dienen-mehr gesellschnstlid>en Ziveden.'und erfassen auch mehr die ältere Jugend, als daß sie als eine Jugendbewegung ansgezogen sind. INUerhalten werden diese Einrichtungen, vom Jev^sh Welfare Board, bet 1917 gegründet T ■Ei. p E. El ■ P P E, E,.; E E R " ‘JPaiw'Sammüinn föpdie m am 27. Dezember 2teccmcwn Jtofömann . Herren - und Damen- A'ueetatt ungen Berlin SW, FriedrichsSr. 50-51 wurde. Der .jüdischen Jngend widmetsich auchder National Council. foa- .lt;\v.ish Educalio,n,-in;, dem judisd)e Schulen von über 250 Städten organi-' -■ siert sind'. ' Er hat erst kürzlich eine „Lüoche für iüdisctte Erziehlkiig" in ganz -Amerikaoeraiiskaltet^ , »m .entspreclx'nd' seinen -Zielen einer größeren Zahl' jüdisdier Jugend sudisclien Unterricht' und -Erziehinig im jüdischen Milieu »i veriäiaüen. da »ach statisliselieu Erhebungen mir etwa 25-Prozent der jüdischen Kinder, im - gerade 'selnilpslicliligeii -. Atter jiidische 'S dm len besuä,en.. und der .Sland der jüdischen Jugeuderziehuug oit beklagt wird. Im jüdiidieik Leben Amerikas iil. das mehr allf Wohlfahrt und alif die soziale.Judenfrage in der Welt ansgerichtet als ans das. loas man bei den Juden in Deutschland als Ltzellanschanung bezeichnet, spielt das mit amerikanischer Großzügigkeit 'anfgebante Wolilfal>rtsiveseu eine -nnge» .helire Rolle. -- für die Juden Amerikas und sür die in Rot befindlichen Juden in der 2beit. Es gehört hierzu vor allem das American Joint Distlphutibn Com'mittee, das 1914 gegründet lvurde und das Hilssioerk für die Inden in Europa sinanziert. Bis >'.>36 brachte'der Joint., seine Gelder zuin Teil zusammen mit dem United Palestine Appeal auf. Ehrenpräsident des Joint ist Feli.r M. W a r b n r g-.. Präsident Paul B a e r w a I d .- zu. den Bizepräsideiilen gehört der Goliveriienr von Rew-Pork. Herbert H. L e h - in a n. Die zentrale südische Eiluvandernngsorganisation, die 1 im Hinblick ans die rnssisd>e Einwandernng gegründet wurde, ist die Hebrew Shelteri„g' and Immigrant Aid Society (HIAS) mit über 75 ooo zahlenden 'Mitgliedern. H1AS lniterstützt Einwanderer materiell und durch Rät in allen Ei»wai>deriingSaiigeIegenI>eiten. llnter die Wohlfahrts.organijationcn-.mag auch der lndep«'i»le»l Older Bn«> Br iss gereclniet »'erden. . Das inneramerikanisdie jüdische Bh'hlsahrlswesen ist iibrigens in den letzten Jahren schon im Hinbliif aus die seit l!>2!> herrschende Massenarbeilslosigkeit lokal stark ausgebaut worden. Daß aber selbst-.das-.Absinken der Krise noch nicht eine wesentliche Eiitlastniig der jüdischen Wohlfahrtseinrichtllngeii gebracbi hat. geht zum Beispiel daräiis hervor, daß die Zahl der iiiilerftützten ,Familien in der,Zeit von 1929 bis 1935 durdians nichb geftinkerwist. Wie groß die soziale 3,'ot unter den Juden Amerikas ist. geht schon daraus hervor, daß.652 örtliche 'Wohlfahrtsstellen im Jahre >'.»35 niehr als -30 Millionen Dollars ausgegeben, haben. Die gesamten Wohlsahrtsansgaben werden ans mehr als 40 Millionen Dollars geschätzt. Ilm alle Belange und Interessen der verschiedensten jüdischem Wohlfahrtseinrict>111ngen /usammenznfassen, wurde 1932 der N-Uional Cloiineil ok Jewish Federations and VVplfare Funds gegründet. Der Council besaßt sich aber and) mit der Lenkung und Koordiiiieriing der über -USA hinaus. Türkisch 8 greisenden Wohlfahrtseinrichtiingeii. »1 Orgagifotioncu gehöreii ihm an. Der Koordinierung sozialer Arbeit dient auch die Nalional Conference of .lewisli Social Service, au bot 243 Lrga-. nifntiom'ii teiliichmeu. ' Die Situation Amerikas als EinwanberimgSland hat es mit sich gebracht, daß eine Nn.ähl von HeiMaivereiiien polnischer, - rumänischer, ungarischer und russischer Juden besteht, und daß sich die eiuzeluen Shuagogeuvereiue nicht zuletzt' um solche Vereine gruppieren bzw,»», Meiiiclien. die ans bestimmten geineiiisamen Orlen gefoiuinen sind. Darüber hinaus ist es aber bezeicliiieiid. daß polnische ungarische, rumäiiisclie und sogar paläsliiiensische Inden Laudsinaunschasteu lnlden. die eine große Aktivität entsalleii. Immer, lveuii es die Lage i,i 'ihren Heiinattz'iuderii erforderlich macht, treten vor allem der Verband der pol- .nischcn Juden (50l>»o Mitglieder» oder der Ver«- band der rumänischen Juden 'unter ihren-Vor-- sitzenden Winter und Speier auf den Plan. In der letzten Zeit 'ist die Jronlsoldalen. beioegnng hckvorgetreten. die nach ihren Angaben eigentlich 250 000 Mitglieder zählen könnte, heute aber nur wenige tausend Angehörige hat. Weiter ist noch die bedeutende Jraiienorgaiiisation. das Council kor Jewish Wo,neu zu nennen, dag ähnlich wie der Jüdiscfje Zrauenlnind in-Deutschland.. Dachorganisation sür 20t Vereine »nd 120 Jugendgriippen ist und auch den Eiuwanderern Hilfe leistet. Schließlich sollen noch die Nal'binerorganisationeii erwähnt werden: die Central Conference of American Rabbis, die 364 Rewrmrabbiiier ° umfaßt, die Babbinical Assembly, die - die sogenliunteu konservativeil Rabbiner (250) bilden, puh die Union of Orlho- ■ dox Rabbis of America, der 400 gesetzestrene Rabbiner angehöreu. Sie befassen sich mit Staiidessragen. Problemen des Rachwnchies. mit religionSgesetzlichen und - Kultnssrngen. Sie nehmen aber auch, wie alle aiuerikaiiisd)eil Geistlicheu. zu sozialen Jragen des allgemeinen und jüdisdM Lebens-Stellung. 2 So zeigt das jüdische Leben Amerikas' eine in dieser-Zusammenstellnncz nicht erschöpfte Vielfalt der .Orllanisat'ivnen und Verbände. Das jüdisch - politische Leben ist dort a>lch fjeute noch in alter Intensität mehr nach außen hin gewandt als nach innen, mehr nach Europa und Palästina hin als nur änssckiließlich ans sich bedacht und in sich sehend. Tie soziale Problematik in den Reihen der amerikanischen Juden Und Ereignisse in der Alten WeUchcrbLst zwar viel dazu bcigetragen, daß man sich mehr mit sich selbst besciiäft-gte. Aber niemals wird die Jildenheit Amerikas verleugnen können, daß sie ans. einem 8mwandernngsstrome entstanden ist. was bcu Blick immer noch rückwärts wenden läßt. < I