Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 51 (17.12.1936)
- Date
- 1936-12-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Gespräche mit einem Kind Von Ilse Blumenthal-Weiss: Es begann damit, das; die kleine, neunjährige Mirjam kurz vor dem Einschlafen ihre Mutter noch einmal ins Zimmer rief zu einer Frage. die. wie es schien, tzas Kind schon lange beschäftigt. hatte: „Mutti, nichtwahr, christliche Kinder rver- - den getauft, Und jüdische Kinder werden geboren?" . Die Mutter, ans eine .s.olche, Frage gewiß nicht . vorbereitet, jedoch ohneauch nur mit einer leisesten Belvegüng des Mundes diese Worte zu be- ' lächeln, strich zärtlich und säst gerührt über so viel holde Naivität über die weitgeöffneten Augen ihrer kleinen Tochter. Dann, als mühte sie sich erst zn- - rechtfinden in einer Lage, die sie nicht sogleich ,be- - herrschte, ordnete sie die ein wenig über den Bettrand gerutschte Schlafdecke, glättete ein paar Falten auf dem Kopfkissen fort, um schließlich, da dies alles doch nur Aufschub bedeutete, die Antwort zu geben: „Olein. Mirjam, geboren werden alle 'Mensck)en. Der-Augenblick, da ein Kindchen sein Leben auf der Erde beginnt, ein Leben, von dem es zwar selbst noch nichts weih, weil es sa noch so winzig klein und unwissend'ist, dieser Augenblick. ° da die erste Bewegung, der erste Atemzug, der erste Schrei geschieht, das ist das Ereignis, von dem wir sagen: ein Mensch wird geboren!" Mirjam liegt ernst und fast nachdenklich in der. weihen Fülle des Bettes. Sie überlegt ein wenig, versucht, sich diese allerersten Stunden, von denen sie gar' nichts mehr weih, irgendwie vorzustellen. Aber die Gedanken und Bilder verschwimmen. Sie gewinnen Nicht feste Form! Das einzig Sichere, das sich in dem kleinen Gehirn zu befestigen " scheint, ist diese Ueber.ze'ugung: „Wir werden alle gebvrem Juden und Ehristen. Und es gibt keine Unterschiede dabei!" Mit'fester, ein-wenig dunkler als gewöhnliche klingenden Stimme spricht es die Neunjährige aus. . Und die Mutter, noch einmal wie zur Bestätigung, nickt ihrem Kindchen zu: . „Ja. so ist es." . . Ein Klang .von Wehmut schwingt in diesen Morten mit. .Die Frage der Kleinen, nvit aller Unbefangenheit und harmlosen Folgerung aus- I Teppiche / Möbelstoffe / Gardinen I etUMENFElP. Nürnberg, AcHcrrtrasit >6 D gesprochen, schmerzt wie ein. seiner Stich in der Herzgegend. So — tvenn auch noch unklar lind kaum bemüht — ahnt doch die junge Seele schon die Zwiespältigkeit der Welt^ darin e8 Rangordnungen gibt, denen selbst das kleinste Wesen sich einzusügen .hat. Nicht mehr das sühe Dämmern durch Tage und Stunden, denkt die, Mutter, nicht mehr nur Träumen und ohne Gedanken fein. Sandern das Wachsein, das Wissen schon und der leise Hauch jener Mahnungen, deren Ernst die Kinderseele bereits zw.formen beginnt. - Wie hat doch die Frage des Kindes die Mutter im tiefsten getroffen: Wie hat dieser achtlose An^ xuf sie gleichsam mitten hiiicingestellt in den UrD grund eines Schicksals. unter dessen Last, seit Jahrhunderten. Jahrtausenden. Menschen zu zerbrechen scheinen, und das doch immer wieder. tm rätselhaften Gegensatz, anfrichtct und, trägt zu allen Höhen und Herrlichkeiten des Daseins. „Miitti, erzähle doch mehr", ruft'in das nachdenkliche Verstummen der Frau die lebhafte Kinderstimme. Alle. Müdigkeit scheint verflogen zu fein. Die Schlafenszeit ist mit einem Schlage - ausgewischt, ausgewechselt, als begänne ein neuer Morgen. Nur das abgedämpste Licht und die Stille im Raum erinnern daran, dah es eigentlich TageSende ist und das; Ruhe. imb Schlaf die Lebendigkeit vergangener Stunden nun Ablösen sollten. - „Was gibt es noch zu erzählen. Mirjam? .a'h Habe dir doch die Antwort gegeben. . Es bleibt nichts zu sagen mehr übrig." Leise und wie beschwichtigend klingen die Worte. „Außerdem" — die Mutter weist lächelnd zu dem kleinen 'Wecker auf dem Nachttischchen, neben dem Bette hin — „es ist Zeit zum Schlafen.für kleine Geister." Aber Mirjam ist nicht zufrieden mit dieser Entgegnung. Sie kam; nicht cinschlasen seht. Ganz wach und munter ist sie. So viele Fragen und , Gedanken, mit denen sie allein nicht lertigzuwerden vermag, wirbeln in ihrem aufgeregten Köpfchen hin und her. „Ach", seufzt.sie auf und legt mit . bittender Gebärde die sei,malen Kinderhändchen zusammen. Dann herrscht für einen Augenblick Stille. Kein Geräusch, keine, Bewegung, Es ist. . als überlegte ein jedes auf seine Weise, ivas nun zu geschehen habe. Endlich, alschütte das Kind sich zu einem Entfchluß durchgerungen. greift'es. die immer noch vor ihr.Stehende mit schnellem Griff zu sich, zieht sie herunter und zwingt die Mutter mit leichtem Druck der Hände, mit zärtlichem Fordern in Augen wnd Mnüd. bei ihr zu bleiben. ..Bitte, bitte, erzähle'. Tn weiht noch so viel, Mutti!" Tie helle Schmeichklstimme füllt plötzlich den, Raum ans, . als hal'e ein^Srgel zu singen begonnen, als habe ein Chor von , Stimmen die Stille atiscinanderge- , brochcn. Und zwei leuchtende Allgen.strahlen dar-- über-hin. - Schon Hot sich die Mutter dem Kindchen nahe gebeugt. Schon, betört und bereit nachzngebcn, sucht sie einen Platz für sich aus dem schmalen Rande des Bettes. Zwar weiß sie noch nicht, was - sie nun sagen wird. Doch schon, eigentümlich getragen und erfüllt von der Innigkeit der. bevorstehenden Zwiesprache, legt sie ihre Hände ans die der Kleinen. Alles Leben und alle Liebe scheinen sich in dieser Gebärde zu vollenden. Mirjam führt die Unterhaltung. Sie will wissen, will soviel lind immer noch »lehr wissen: warum und warum? Fragen um Fragen plätschern wie leise fließendes Wasser durch die'Abgeschieden» - heit dieser AbendstnnDe, Fragen der Ewigkeit aus einem Kindermund. . Schwer ist es,-der Unermüdlichkeit und Begier' der Kleinen die befriedigende Antwort zu finden. Alle 'Mutterliebe vermag ja nicht, Unerklärbares, Geheimnisvolles, verläßlich zn deuten. Und., zudem — wie ein Schatten von Traurigkeit liegt ,es über.dem Antlitz der Frau, da sie. im Wechsel von Frage, und.Antwort des Kindes Gedanken zu beschwichtigen sucht: das erste Dämmern des Leids, '■ Die bange Notwendigkeit zu erkennen und zu unterscheiden, echot es nicht wie lkises Weinen aus. dem Hin lind Herüber Fragen? Ist diele Abendstunde, die wie eine feierliche Andacht zwischen Mutter lind Kind'anssteigt, nicht schon , übermächtig erfüllt von .. aller Hoffnung und Sehnsucht, die immer und immer, so lange Menschen denken köilnen, das Dunkel des Daseins'zu erleuchten suchen? ' . Ach, seit jenen Tagen der Vertreibung aus dem Paradiese hat das Fragen nicht aufgehört. Und jetzt, da dieses kaum erwachte Geschöpf die Fülle der Lebensrätsel wie ein Spiök, das man beginnt und nichttzu Ende führt,-der vermeintlichen Allwissenheit der Mutter anvertraut, ist es. als begänne die Neunjährige-den ersten Schritt in die Welt zn tun, darin Licht und Dunkel seltsam zu-, sammengehörig sind. Wie nun die beiden, großer und kleiner Mensch, sich .begegnen in der zauberhaften Nähe einer Liebe, die unvergleichbar seit Uransnngstagen Mutter und Kind mit einander verbindet, scheinen - ans der Ferne, ans Welten, die durch Grenzen und Meere von diesem kleinen, abendlich ver- -dnnkelten Zimmer getrennt sind, Zuhörer, Zuschauer herbeizuströmen, um teilznhaben an dieser Aussprache. Sie lauschen, sie wollen wissen — sie wollen getröstet sein. Haben sie alle, alle, die da Plötzlich gekommen sind, nicht so oft scholl die gleichen Fragen gestellt? Haben sie nicht auch sich anklammern wollen an die Sicherheit eines anderen. lim die Rätsel zn lösen, die ihnen das Leben aiifgab? Und die Uugediild ihrer Fragen, die nie befriedigte Sehnsucht, mehr und noch mehr zn wissen: worin unterschieden sie sich denn, wenn man es recht bedachte, Kind und Erwachsener? . War . es nicht fast beschämend einzm'ehen,. wie wenig die sogenannten Großen wirklich groß geworden waren, wenn man die Fragen der kleinen Mirjam verglich mit denen ihrer so viel alteren ' Brüder und Schwestern? - - Aber die Mutter, nur ihrem Kindchen in diesem Augenblicke zngewandt, spürte nicht die Nähe ungezählter Menschenscharen. die ihre Stimme herbeigelockt hatte. Und sie wußte auch nicht, daß das, was da int trauten Zwiegespräch ausgesprochen wurde, widerhallte im. unendlichen Raume der Welt gleich einem Echo, das immer aufs Neue erklingt. Still und ernst, wie ein Mittler zwischen Gott und dem Kinde, saß sie in leicht vorgeneigter Haltung am Rande des Bettes. Bis schließlich, da Mirjam wieder ein energisches und von Zweifeln getragenes „warum" der Mutter entgegenriek. die Erwachsene ihren Finger ans den kleinen Fragemund legte. Dann, den Blick nur zuweilen dem Kinde entgegenhebend. begann sie, als erzählte, sie eine Geschichte, zu sprechen: „Glaube mir, Mirjam, man kann nicht alles . erklären. Heute nicht, morgen nicht und nie. .niemals. Siehst Du. da draußen ist es ganz dunkel jetzt, und die Lichter, die angesteckt sind auf den Straßen und am Himmel, sie sind wie die Fragen der Menschen: sie leuchten auf. sie wollen erhellen hier und da. Manches, kann inan durch das Licht besser, und deutticlier sehen. Aber wieder anderes bleibt doch im.Dunkeln verborgen. Das Licht kann eben nicht alles hell macken. Sv geht es mit uns Menschen auch. Wir fragen, genau wie du jetzt fragst. Wir »vollen so vieles, wissen und begreifen, Und wenn wir traurig sind, klagen wir und sorsclien nach dem Grunde zn allem Leid. - llnd wenn wir in Not sind, fragen wir. weil wir so-wenig verstehen, warum es dein einen gut und dein anderen, schlecht geht. Und. dann versuchen' >vir, Licht anzuzünden, überall, um nur recht deut» lich zn erkennen, um Beick>cid zu wissen in jeder 'Ecke und in jedem Winkel. Aber es Hilst doch alle-5 nicht viel. Immer, io sehr wir uns auch bemühen, bleiben noch Dunkelheiten übrig, die niemals erstellt werden können. So müssen sivir uns zufrieden geben, so schwer es auch manchmal fällt. Denn" ... die Stimme der Mutter wurde plötzlich sehr leiie. aber sie erhielt einen eigentümlichen Nachdruck dadurch . . . „alles wissen kann und darf ein Mensch nie." Die kleine Mirjam. die'bei den letzten Worten der Mutter ganz still wie ein Engelchen, nur durch die Erregung des Zuhören? unwillkürlich die Arme auestreiteud, in ihrem Belichten. gelegen hatte, setzte sich, plötzlich mit niinaci-ahmlicher Sicherheit und Haltung ihres zarten Körpers aui. Ihre Blicke gingen gleichsamüber alles Gegenständliche ringsum.-hinweg,, verloren sich und kehrten erst langsam tvieder zurück, als hätten sie sich in weiter Ferne an einem wunderschönen Bilde gesättigt. Daun, noch immer im Banne einer eigentümlichen Beiangenheit, die ihrem sonstigen Wesen durchaus nicht entsprach, flüsterte das Kind, sich .ganz dicht an die Mutter schmiegend:. „Ich glaube, setz: weiß ich. worauf es ankommt, Mutti. "Es ist aber 'cstreckttch schwel., das hcranszusindcn." Und nach kurzem Atemholen.: ./Wenn man ganz fest weiß, daß es einen lieben Gott gibt, fragt man nicht mehr io viel." Und da nun die Mutter, -erschüttert von diesem reinen Bekenntnis, mit unendlickier Liebe über ' das Gesicht, ihres kleinen Mädchens den Hauch ihrer Hände streichen läßt, klingt noch einmal, wie f J! KLE titai durch die KUIDERKAHMER derlSditchen WIHTERHILK « v Darum spendet für die Kleiderkammer! Die nächste Haussammlung der Jüdischen Winterhilfe erfolgt am Sonntag, 27. Dezember 1936. ' Für die Pfundspende fehlt es besonders im Bezirk Mitte noch immer an Sammlerinnen. Meldungen erbeten an Frau Rosenkranz, Berlin C. 2ö, Uontardstrasse 5. * Die Jüdische Buchvereinigung, Berlin hat der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 80 Exemplare „Eine Zeit stirbt“ -Von Georg Hermann sowie 25, Exemplare „Palästina Büüerlwiid", ferner 70 weitere Bücher als S,n>nde zur Verfügung gestellt. Die Bücher werden an vonder -Jüdischen Winterhilfe betreute Kranke zur .Verteilung gelangen.- Die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat im Monat November 27 41$. Lebensmittelabrufselieine und lö 000 rfumlspendenpakete ver- Seelische Winterhilfe 1. Veranstaltung: Konzert in der Synagoge“ Fasanenstrasse 79/80 19. Dezember, 20 Uhr. Mitwirkende: Richard A l tm a n n (Orgel), Paul Blume n fei d (Cello), Ilse Intrator (Rezitation). Das Orchester der Künstderhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin unter Leitung von Dr. Fritz R e r e n d. Es sprechen: Direktor Heinrich' S t a h 1, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Max .G n n d e r s h’ e i m , Leiter der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin; Karten für HilfSltodiirftige unentgeltlich: .'Vyinterhilfsbezirk Charlottenburg. Bleihtreustrasse 3, Winterhilfsbezirk Westen, Liitzowstrasse 16, Winterhilfsbezirk Süd—' west, Münchener -Strasse 37. Wohlfahrtsltezirk Charlottenburg, Bleihtreustrasse 2. Neben der Eintrittskarte ist das Bewilligungssrhreiben der Winterhilfe mitzubringen und auf Verlangen vorzuzeigen. Postscheckkonto der Jüdischen Winterhilfe: Berlin aus letztem Nachdenken, die Helle Stimme..ans: „Alle Menschen werden geboren. Und der liebe Gott Hat sie alle "gemacht." „Mein kleiner Engel du, mein Seelchen", ... die'Mutter umschlang ihr Kind, und preßte es an sich, als wollte sie es für alle Ewigkeit so halten und bewahren, als wollte sie ganz verschmelzen und untersinkeü in dieser Umarmung. Tann, wie aus dem Grunde ihrer Seele gesprochen, noch-dieses Letzte: „Nun wollen wir beten, Ntirjam. stnd schlafen." - Und. als hätte das Kind verstanden, daß.aller Gespräche Sinn sich aus eine wunderbare Weise nun erschöpft hatte, faltete es gehorsam zum taglick)en Abendgebet die Hände. Wie ein Segensspruch tönten die Worte des 'Glaubensbekenntnisses. damit die Kleine allabendlich ihr Gebet begann, durch den Raum. Ein wichtiger Frauenberuf: Die Friseuse Eine kleine Welle etwas zu hoch oder zu tief, die geringste Abweichung vom Gewohnten, und die Kundin, die bei ihrem Friseur Zeit Und Muße hat, sich während der Behandlung im Spiegel zu betrachten, findet, daß sie aitders aussieht als sonst — weniger vorteilhaft! Diese bis zum höchsten Grad gesteigerte. Entpsindlichkeit — es könnte ein Haar ziepen, oder aber — man hat bemerkt, daß man älterwird —, charakterisiert am besten, unter wie schweren Belastungen die Friseuse heute ihre Arbeit zum Ziele führen muß. Mehr als bei jedem anderen handwerklichen Beruf steht neben. Geschicklichkeit, leichter Hand, Geschmack und peinlicher Sauberkeit die Anpassung an die Kundin im Vordergrund. Eine dreijährige praktische Ausbildung tmd ein gründliches theoretisches Wissen, das Doranssetznng ist, machen noch nicht die Friseuse aus. die bei jedem Gesicht das Schema des Gewohnten und Erlernten verlassen muß, um immer von neuem den passendsten Rahmen zu finden. Bei dem Beginn ihrer Tätigkeit ist manche Scheu zu überwinden; es ist - gewiß . nicht leicht, die völlige Unterordnung unte^ einen fremden Menschen und die schnelle Umstellung aus ein mehr oder minder sympathisches Wesen immer wieder geduldig hinzunehmen. Ter Sieg „über die psychischen. Widers stände ist ebenso erforderlich wie über die technischen, und es ist deshalb gerade für diesen Berns eure wünschenswerte Borbedingung, wenn ein junges Mädchen, das sich bereits als Kind am liebsten mit den Frisuren ihrer Puppen beschäftigte, die starke Neigung für ihre Arbeit mit- ' gebracht hat. An das lange und anhaltende Stehen wird sie sich gewöhnen müssen: doch die häufig geäußerten Bedenken, daß die - Ausdünstung der Haare mit der Zeit gesundheitsschädigend wirke, .spielt bei der Bubikopsmode und der intensiven Haarpflege der modernen Frau kaum noch eine Rolle. und Waiserwelle stellen—heute- Vordergrund der Behandlung: komplizierte und langwierige Frisuren passen nicht in die Zeit. Um so mehr muß die Friseuse das Gebiet der Wellen .beherrschen; Wasser- und Dauerwellen. . aber auch Haarschneiden und Färben sind eine Kunst götvorden, bei der sich jede- Fehlleistung bitter rächen würde. Ebenso gehört die Handpflege in das Arbeitsbereich der. Frau, so wie die Fußpflege in die des Mannes. Manche - Friseuse entdeckt ihre besondere Fähigkeit und Vorliebe für die sachgemäße Behandlung der Hände und spezialisiert sich für diese Tätigkeit. Doch, so wichtig das technische Können ist, es gibt nicht den Ausschlag für . den Ersolg^ sondern mindestens ebenso wichtig ist das Einfühlungsvermögen gegenüber den Wünschen der Kundinnen. Der» . trauen und persönliche Sympathie sprechen daher sehr stark mit. Tie Friseuse muß ein feines. Gefühl dafür-haben, wie weit sie sich mit ihrer Kundin einlassen kaitn. ob sie zu schweigen oder zu reden, und -„was" sie zu reden hat! Es ist nicht ■ immer leicht. Hat aber die Friseuse diesen not» lvendigen sechsten Sinn-für ihre Arbeit mitgebracht, so wird ihr die persönliche Note ihres Berufes auch viel Anregung und Unterhaltung bieten, die ihr in anderen Berufen versagt bleibt. Arbeitet sie nicht in einem Frisiersalon, sondern privat, so wird im Besonderen der Erfolg von ihren menschlichen Vorzügen abhängen.. Bei der heutigen Haartracht ist jedoch das Bedürfnis nach dem' Frisettr im Hattse zttrückgxgangen, und da außerdem jede Fratt, besonders die Berufstätige, nur in der Morgenstunde frisiert sein möchte, begrenzt sich die Arbeitszeit der Friseure ohne feste ' Anstellung meist mir ans ein..paar Tagesstunden. - Das junge. Mädchen mit guter Vorbildung kann jedoch ihre Kenntnisse als Friseuse nach.einer anderen Seite hin ansbauen: Sie wird Aufsichtsdame in einem größeren Salon. Es liegt ihr obj> für die Zufriedenheit der Kundschaft zu sorgen» - Bestellungen und Reklamationen^ anzunehmen. Wartende mit geeigneter Lektüre -zu versehen, das Personal zu verteilen und die Vermittlung für alle Vorkommnisse zwischen Kundschaft und Personal auf kluge und einsichtige Art zu führen. . Daß gerade in einem Frisiersalon, der täglich zahlreiche Kunden^zufriedenstellen muß. eine Auf- -sicht dm Platze^ustXweis; jede fttau aus eigener Erfahrung. Besonders vor den Festtagen werden an d.ie Urteilskraft der Aufsicht führenden Dame' Anforderungen gestellt, die salomonische Weisheit erfordern. Dafür aber geht die Kundin niemals zu „einem", sondern zu „ihrem" Friseur, von dem sie natürlich glaubt, daß er keine Haare interessanter findet als die ihren. Ast» 8»mso» . -4 ßl * I