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Central-Verein-Zeitung · 1936-12-17 · 51 (17.12.1936) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
51 (17.12.1936)
Date
1936-12-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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legungen mit einbezogen werden sollte. Daß e§ nicht geschah, ist sicher nicht zufällig. Schade. es find sonst sehr schöne Bücher.! Friedrich Bradnitz Neuausgaben von Stefan Zweig Im \ic rbert - D( e i ch n er - Gerinn (Wien. Leipzig, Zürich)' sind die ersten beide» Bände eine w n.f) I f e i l e n (5i c s o m t an s g a b e des erzählerischen Werkes non Ltesan Wveig erschienen. Der erste Band, „ T i e .M e t t c" be- . titelt,umfaßt die drei' Bücher ..Erstes Erlebnis". „Amok"' und „Berivirrung der E>e fühle". der zweite:. /M ei ic i d o sko P ", enthält mit den „Lternstnnden der Me»scl>heit" und den ,.Legenden" kleinereNovillen und Prosastütke,-därnnter .auch solche,- die.bisher.in Bnchfv.rm' noch nicht ver> : öffentlicht wurden. . . Wenn man die neuen, geschmackvoll ansgestatteten Bände öffnet und -die' Erzählungen liest, von denen einem die meisten von früher her vertraut und lieb sind, ist-man von neuem ge- - Packt von dem großartigen Erzählertalent des Dichters, der,. hervorragender Beobachter und Psychologe, die feinsten Schwingungen der Seele. . die kompliziertesten Verästelungen in den Beziehungen von Menschen zueinander, die erregend-, sten Erlcbnisaugenblicke mit innmd><ilVin[id> sprachsauberer und kunstvoller epischer .straft, bald: kühl und abwägend sich vom Geschehen distanzierend, bald mit erregend, leidenschaftlicher Glut sich. ihm nähernd, darzüstellen weiß. In allem, was er schreibt, bildet immer der Mensch den Mittelpunkt, ihm gilt seine ganze Liebe, das Problem des „Menschlichen" in seiner einfachsten »nd verwirrciidsten Form zu ergründen und zu klärenist das dichterisch hohe Ziel Stefan'Zweigs. Biele werden dem Herbert-Neielpier-Berlag dankbar sein, daß er durch das großzügige Unternehmen dieser neuen'Gesamtausgabe ihnen dazu verhilit, sich nunmehr das Werk Stefan Zlveigs in seiner Gejchlossenhei t zn eigen zu machen. ' ». B-n. Stefan Ziveigs „Der Kampf mit dem -Dämon" ist soeben in französischer Uebersehung erschienen. Moclitiltlc* Lichnowsky: „Der Lau! der Äsdur.“. Bernianii-Fischer Verlag, Wien. Die Asdur, das ist natürlich die Isar, einer jener geheimniSreici^n Flüsse, dessen Misser, vom Schnee deutscher Alpenkämme gespeist, bis Zll den Pforten des Lrients getragen werden. Ilnd München an ihren llserii, Iugendheimat Mechtilde Lichnowskys, mit seiner weiten und klingenden Hinimelsk>ips>el, bietet den Schauplatz. eigentlich nur den Rahmen für den lstvman, der fast eine Romanze ist. Denn man kann ihn nicht lesen, weder mit körperlichem noch mit geistigem Auge, ohne gleichzeitig seine Musik zu hören, die mehr . als nur Begleitmusik ist. Es ist das Buch einer Jugend, ivie wir sie kaum noch kennen, die einem harten Schicksal doppelte Zartheit des Empfindens entgegcnstellt, die siegreich bleibt, auch wo sie vernichtet scheint — „in,; wie die Asdur in den Schoß der Asdur zurückkehren muß". E. E—1. Und der Versuch ist ihm in vieler Hinsicht'gelungen: Er erzählt »ns nichts Außergewvhn- . liches von großen Heldentaten, ohne die es nach der Ansicht der Bersasser jüdischer Iugendbüct-er bisher nicht zu gehen schien, er berichtet auch nicht, wie andere, von einem Iungenlebcn, das es Nicht mehr gibt, oder von'Ereignissen, die in so. fremder Hingebung gcichelien. daß sie selbst bei guter Schilderung au Lebendigkeit verliere» müssen. 'Er erzählt ganz einiacl, »nd schlicht das. ivas tausende/ Jungen und Nladel erlebten, als sie aus LN/^Gemeinscl,ait ihrer Klasse, ihres . LportvereNs cherausgenvinnien und in eine - neue . Gemeinicliast'^ ^vit wider tiüilleii, hineingestellt . nvnrden'. Er erzählt es ohne iiiiaufrichtiges /Pathos, das iMN bei Schilderungen dieser Art sonst ertragen muß, in einer natürlichen Art,- Er zeigt den Weg de.s-- „Jüdisch-Werdens-", wie er wirklich ist. mit viel weniger Ileberlegung als .Beein- . slnssung durch die Menschen. des - neuen Kreises und,gefühlsmäßiger. Entscheiöiiiig. Er zeigt den Wegin den Bund, den die Bünde nur ungern. offiziell als den natürlichen zugeben, mit wenig, mit fast gar keiner Ideologie, mit viel Zufall, mit viel Bindung an Menschcn und nicht an Ideologien. Selbstverständlich hat das Biich auch seine Schwächen, aber man empfindet sie nicht so stark, iveil es als Ganzes die jüdische Jugendliteratur bereidHrt.und weil es anders nicht denkbar ist. da es das erste in feiner 'Art ist. Es enthält manche Stelle, die.man mir Heimen vorlesen kann, um darüber zu sprechen. Und. vielleicht das Wesentlichste, es zeigt den Wog. den man beim Aufbau der jüdischen Jugendliteratur öfter beschreiten sollte. (hinter Friedländer. „Heiteres. Besinnliches und Nachdenkliches“ nennt sich ein kleines Buch, das im Jüdi schen B u ch,- u u d Z e i t sch r i sten - B e rst a g (Berlin) als erstes einer billigen Reihe erschienen ist. Es enthält Geschichten von MP. Ben Gavriöl. Leo Hirsch. Georg Hirschfeld. Stefan Mauser und Jakob Picard. Lediglich Ben Gavriöls. Erzählung vom „Esel und der Pistole", die man bereits aus dem „Morgen" kennt. Und.Picards „Wie der Par-' ncs eine Lehre erhielt" (aus „Der Gezeichnete") verraten eigenes Kolorit. Insgesamt handelt es sich um zehn Feuilletons, deren Gewicht nicht ansreicht. um ein Buch selbst dieses Umfanges zu füllen. Tie Geschichten sind-knapp erzählt/ gut stilisiert — ihre Beriasser sind ja Autoren, mit Namen —. sie unterhalten und erfüllen damit die Absicht ihres Herausgebers ~ Hans Martin Schwarz, dem „Leser neben den Sorgen des. Alltags ein paar frohe Stunden zu geben." Or. Hans Martin Schwarz: Einer wie Du und ich. .Jüdischer. Buch- und Zeitschriftenverlag Robert Älter, Berlin. Man nimmt das Buch von Hans Martin Schwarz mit einem Gefühl von Skepsis und doch auch Erwartung in die Hand: Skepsis, weil man an „das" jüdische Jugendbuch nicl>t mehr zu glauben wagt, Erwartung, ob es nicht doch ein Vorläufer des Buches ist. das man seinen KW 14* jährigen Bekannten immer geben, der ratlosen Tante schon längst empfehlen wollte, die nicht >veiß, was Minder lesen, für die es einfach keine Bücher zu geben scheint- - Eine Anregung Beim Kramen auf einem Bücherwagen fand ich ein Eremplar des bekannten Franen-Gebetb»cl>es von I. Freund „Hanna", Ausgabe 1SN7,' mit Goldschnitt,' tadellos erhalten, anscheinend nur sehr wenig benutzt.. Dieses Andachtsbuch erstand ich zum angegebenen Preis von sage und schreibe .IN Pfennig. ■ Sollte es nicht möglich sein, daß die Besitzer derartiger Gebetbücher diese an bedürftige Glanbensgenvssen weitergeben. Es ist doch geradezu eine Proianiernng, solche Werke 'unter /einem Haufen „Literatur" verschiedenster Art znm Berkanf angeboten vorzuiinden. Der Preis, zu dem dies im vorliegenden Fall gescl-ah, ist bezeichnend. Die Gemeindebibliotheken und die der Synagogendiener. werden doch sicherlich gern bereit fein, derartige Bücher an Bedürftige weiter» z,«geben. Alfred Eisfelder. . Berichtigung. Der Bersasser der Fibel Dan und Gab. die im Siegfried Schvleur^B>erlag. Berliii- Schöneberg. erschienen ist, Heists Wolf Reirr (nicht, wie wir in der vorigen. Nummer'der E.-B.-Zeitung schrieben. Meier). ' Ein Meister der Münzkunde Zum 75. Geburtstag von Professor Pick Auf dem Gebiet der Münzkunde. nimmt.der am J1. Dezember isfti in Posen geborene Prviesior Tr. Behrendt Pick einen hervorragenden Plast ein. Durch sein tiefgründiges historisclres Wißen und seinen kritisrl>en Sdiarfsinn hat sich, der Jahrzehnte lang als Leiter, des Gothaer Münzkabinetts wirkende Gelehrte unvcrgängliclie .Verdienste, um die reine'Numismatik, die die. Münzen als Denkymler/betrachtet und, die. an ge- , ivandte Numismatikwdie die Münzen als Quellen .- s znr.Erforschung der Borzeit ausichts erworben, . Schon in jiingen Jahren, als Pick sich»» Ber- -lin iddi) dem Studium der klnssiscl)cn Sprachen widmete, wurden die 'Archäologie und ihr Zweiggebiet. die Münzkunde, eine Lieblingsbeschäftigung des jungen Philologen, der unter den Schülern Theodor Atvmmsens von dem Altmeister der Ofa* schichte wegen seiner Akribie und Strebsamkeit hochgeschätzt wurde: Seinem Einfluß hatte er auch zu verdanken, daß er kurz nach seiner Proi'notivn im Jahre lSS4 vorübergehend als Hilfsarbeiter an der Berliner Staatsbibliothek beschäftigt wurde. wo er Gelegenheit fand, sich in das. von ihm erwählte Spezialgebiet zu vertiefen. 1KS9 habilitierte sich Pick an der Universität' Zürich, wo er zwei Jahre später zum außerordent- "lict)en Professor ernannt wurde. Dann leistete er einem Ruf als -Kustos- -an"'dem' Herzoglichen Btünzkabinett in Gotha Folge. - dessen reiche Sammlungen er noch vervollständigte und katalvgisierte. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts zum/Direktor des Münzkabinetts ernannt, war es ihm gleichzeitig vergönnt, die stndiereiide Jugend in das weitverzweigte Gebiet der Archäologie einzuführen und als Prhfesivr an der Uni-. versitüt Jena eine fruchtbare Wirksamkeit ausznübcn." Im Auftrag der Berliner. Akademie der Wissenschiften hatte Pick indessen den ersten Teil eines numismatischen Standard-Alerkes „Tie antiken Münzen Nord-Grieci>enlands" (1808 bis 191“) herausgegeben, das dem Bersassev die uneingeschränkte Anerkennung seiner ,Fachgenvssen eintrug. Außerdem entfaltete er in Fachblättern und kleinen Svnderschrilten eine reickte literarisck>e Wirksamkeit, die weit über das Sondergcbiet der Numismatik hinäusging. Eine Auswahl dieser Schriften überreichten ihm seine Freunde und Verehrer zur Feier seines 7<>. Geburtstages unter dem Titel:' „Äufsütze zur Numismatik und Archäologie" und widmeten damit nicht nur dem Veteran der Münzkunde, sondern der ganzen iiumismatisch interessierten - Oeffentlichkeit eine höchst willkommene Gabe. Die Sammlung läßt die Vielseitigkeit seines Wissens in Spezialartikeln über thrakisckM und Thüringer Münzen, sowie in allgemein informierenden Aufsätzen über „Goethes Münzbelustigungen". „Ansprüche der Niuseen aus Schatz und" Gräberkunde" sowie „Die Munstmuseen und das deutsche Volk" deutlich hervvrtreten. Auch durch zahlrciciie Vorträge hat sich Professor Behrendt Pick in den Dienst gemeinnütziger und wissensckiaftlickier Bestrebungen gestellt. So gab der Vortrag über „jiidisck)e Münzen", den er im Winter 1915 in . der Lehranstalt für die Wissensä)aft des Juden- . tums. hielt, einen wertvollen Einblick in dieses Teilgebiet der orientalischen Numismatik. M. 8. Ruest. tete die Gattin deS englischen DußenmmisterS einen Tee-Empfang. an dem Anthony Eden und einige hundert Gäste aus den rierschiedenen Londvner -streisell tcilnahmen: man sah auch den Staatssekretär für Luftfahrt. Sir Philip Sassoon. Mrs. Ala Story, die Tochter des Mvmman« dantcn der Franz-Ivseph-Ulanc.n, He'yszl v. Heyize- „au. die "vor acht Jahren nach London kam, will in,England Ausstellungen österreichischer Künstler veranstalten. - Sie plant eine Kollektivausstellung ' n a. des Wiener Künstlers Hammerschlag, von Sskar Kokoschka. Faistauer und. anderen. Es stell-, ten sich Airs. Ala Story für. ihren großzügigen . Plan bereits mehrere englische Privntgalerien -zur '- - Verfügung, so die Redfern-Gallery gemeinsam mit Lord Alingtvn und die Storran Gallery in Kensington. - , - -. Das Anktivnshaus Lempertz'in Köln versteigert die Bestände der Kunsthandelsfirma E. Marcus in Münster, die stofflich und qualitativ auf großer Höhe stehen? * ■ Im Musee de la C’inquantenaire in Brüssel wilrde die Ansstellung ethnographischer und prähistorischer Kinist ervifnet, die Professor Leo Frvbepins vorher in Frankfurt a. Ätain gezeigt hat und die auch Felsbilder aus Transjordanien Heber das Toräwickelband in seiner kunst- und kiiltnrgeschichtlichen Bedeutung ' sprach Rahsl W i s ch n i tz e r - B e r n st ein im Jüdischen Mnseümsverein Berlin mit zahlreichen Lichtbildern. Es kommt hier unseres' Erachtens bei der Arbeit der kenntnisreichem und zuverlässigen For?ct)erin weniger darauf au. festzustellen, was alles an Symbvl'ik bei einer ikonographifchen Ein-« zelheit wie. dem Tvrawickelband in Betracht zu ziehen ist, ob die Zeremonie selber oder nur die Symbole, die den Lebensweg des Menschenkindes, schön bestickt oder bemalt, charakterisieren. Man nahm jedenfalls das Bewußtsein mit nach Hanse, daß das. was mqn von Rahel Wischnitzer-Bernstein an diesem Abend lernte, wissenschaftlich durchgearbeitet und kritisch-sachlich durchdacht ist. So können auch wir, die wir mir.dankbar, mit der Rednerin dieselbe Straße zogen, etwas von dem empfinden, was ein großer Dichter das Glück der Wissenschaft genannt hat. 0. B. Kunstnachrichten Der Wiener Bildhauer Felix Weiß vollendete jetzt die Pvrträtbüste von Mrs. Anthony Eden. Die National Gallery' hat kürzlid) seine Bronzefignr des verstorbenen Königs Georg V. crivvrben. Im Studio von Felix Weiß veranstal- Liebermann-Ausstellung in Wien In der Neuen Galerie in Wien wird demnächst eine Ntax-Liebermann-Ansstellnug eröffnet, die zahlreiche' Meisterwerke des Künstlers umfassen wird. Bon den Bildern airs öffentlichem und Privatbesitz, die in der Ausstellnng zu sehen sein werden, sind besonders zu erwähnen: ..P->Pst Leo erteilt den Segen". „Die Flachsscheuer", „Der Gemüscmarkt in Delft". „Tie große Iudengasse", „Ter Reiter am Strand",. „Tie badenden Knaben": Die Familie Liebermänn hat der istnsstettung eine Reihe von Radierungen des Meisters zur Verfügung gestellt. _V_; ' Jüdische Kunstlehrstätten. Zu der in Nr. 49 der C.-V.-Zeitung vom d. NI. veröffentlichten Notiz sei hinsichtlickp der Bewerbungen von Interessenten noch darauf hingewiesen, daß aus den Angaben über die >virtsck)astlick)e Lage hervorgeheu muß. ob die Ausbringung der Ausbitdungs k o st e n aus eigenen Atitteln für die Dauer der Ausbild,mg gesichert ist. Vom Jüdischen Museum. Oranienburger Str. 31. Tie Ausstellung „Unsere Ahnen" wird bis Pini 3. Januar'1937 einschließlich verlängert. Am Sonntag. 2». Dezember. 11 Uhr, findet wiederum eine Führung durch Tr. Irmgard Schüler statt. Tie Ausstellung ist bis zum Schluß jeden Tag, außer Sonnabend, von 10 bis 14 Uhr, geöffnet. den Kleinhandel.-völlig angewiesenen Mensckzen passieren 'kann), nämlich mit der Beriagnng späterer weiterer Bvrschüsie- Es ist die.blutigste . Ausdeuterei. dst> mir bekannt ist." Luerido schildert dai^i. ivie der Schuldner unter irsinnigster Anstrengung versucht, ans de», zwerghast kleinen Leihkapital herauszuhvlen: a) die wöchentliche Ziirückhezahluiig. b) die Wucherrente, e) den Lebeiisniiterhalt iür sich und seine Familie, und 'wie jeder kleinste RTickschlag. wie eine kurze Krankheit oder ein Ausfatt au verdorbener Ware auf dem Nlarkt sofort der Beginn einer Entwicklung ist. die ihn tiefer und tiefer in die Schulden verstrickt. Denn, alle acht Tage pünktlich kommt die iilibarmherzige Nlahneri» um .: Znrückzahliing und Rente . . . Zahlt er nicht, dann kommt der furchtbare Skandal, das Bekaniitmachen in der ganzen Gegend, in der der Ivrdaaner so fest-wurzelt, daß er wo^niders siel, nicht vvrstellen kann.-zn leben. " Ditz-Rache ist. dann furchtbar. Er bekommt nie etwas mehr geliehen, hat nie'mehr die^geringste A'nssicht, aiich. nur »v.ieder etivaS,39are. erstehen zn können. „Ich habe Ivxdaaner in der schrecklichsten-Ber- / zweifliing angetroffen. wie sie nnter dem mordenden Truck der Abbezahlnng und Nentezahlung lebten. Ich trat sie. wie bei ihnen jede Lust zur - Arbeit zerstört war, die sich wie ein gehetztes Wild fühlten und. nichts anderes mehr ivnßten. als daß sie für Abzahlung nmd Rentczahluiig lebten. Niemals verdienen die Händler jo viel, daß sie ohne Schiden daS Leihkapital behalten können und von dem 'Verdienst ihre Familie nnterhaltei, 'und zugleich dem 'Wucherer 200 bis 300 Prozent zahlen können. Solche Anstände führen von selbst zn einer znm Himmel schreienden Ansmergelnng und - Ansfangnng -—menschlicher Kraste, die ans eine anarchislisckie Neberprodllkk.ion hinalisianst'»." Dasselbe Spiel mit dem 'Wucher von inepreren hundert Prozent, findest wir in den Abzablniigsgeschäften und Pfandhäusern des Jordann.« .L-iieridö erzählt Vorkommnisse, in denen mit so unerhört kalter Grausamkeit um elender 3gucherprozente willen Menschenleben veruichlet werden, daß das Shhlok» Ntotiv daneben verblaßt. Und min die Hauptsaclie: I in g c s a m t e n g r o ß e n , d i cl> t - b e,v v l k e r t c n I o r daan ,v o h n t kein Jude! Es ist ein Viertel, in das niemals ein Jude versucht hat. einzndrinqeii. das sich seiiie avsoMW bodenständige Ureigcntümlichkeit seit altersher beivahrt hat. Nlit Recht rnst'Llnerido cnn Schluß erbittert ans: „Die Heilige Schritt verflucht den Wnck>er. Der Jude vor allein erschien in vielen Romanen . als der ge.lvohnt'e Typ desPgncherers. Der Jude, der die gegemvärtige Gesellieiiaft mit ihren abschenliclien 'Aüichersormen betrachtet, kann, .wenn er rachgierig sein nwllte. zufrieden sein. Tenn nirgends sonst ist der 'Wiiciier wie ein Krebsgcschwür so ividerwärtig eiiigefrcsien, wie hier im Volksleben dieser christlichen GesellsMist. zwisck)eil Ehristen und Ehristeü!" Der sevhardische Jude L ueri.dv war es, der durch seine Entsetzensichreie in seinen Bückzcrn die Mitwelt auf diesen Krebsschaden des Ivrdaan " stieß. ' Tcr gleichfalls sepliardiscM Inde M'r. Iöha'n -B e l i n s a n t e war es, der danach. 1910. in den wissenschaftlich-literariielien Kampf gegen - den.Ltzücher eiilt'rat, nnd endlich der Inde Mr. Dr. Georg v a „den B e r g h, der als Autor des 1933 verkündeten Reichsgesetzes._ der „Geldschieterswet", dem Staat die bisher fehlende wirksame WtiEe in die Hand gab, iim durch Konzeisioniernng des gesamten Geldleiherivesens. durch Regelung der APzahlnngsterminc. diirch Beschränkung der' Zinssätze lind Verbot -der Aus- ' leihiliig an Trinker den gralisaNlem 39»ci)e.r mit dem Ziel der Ausrottung zu bekämpfen. ..Hinzu' kommt, daß außerhalb des Iordaan, dort ioo Inden wohnen, in Holland kaum jemals irgendwo, l,der einen spezifischen jüdischen Wuckzer -geklagt worden ist. - Kein Jude stand oder sieht aus der. „Front" im Iordaan. wo man Plem'äieiileben zermürbte »-.durch widerwärtichte Ausnutzung der 'Notlage " kleiner besitzloser, von der Aiigst um die kümmcrlickze, Existenz ihrer Familie gefolterter Lumpenproletarier. Aber ans der anderen Front stand als erster ein jüdischer Dichter warmen Herzens und offenen Auges nnd rief die auf, die dann die 'Alafseu gegen den Per jüdischen Lehre im. Tiefsten widersprechenden Wucher schmiedeten! H. G. ' 1639 - 1936 Kürzlich beschäftigte ich mich etwas näher mit der Geschichte der portugiesischen-Juden in Holland. Die erste Zeit ihrer Niederlassung hatte ich bereits durchstudiert und kam mm zu der sogenannten zweiten Periode, in der auch die berühmte portugiesische Synagoge in Amsterdam eiitstaiideii ist. Bevor es hierzu kam, fand aber! erst eine Vereinigung der bisher selbständig gewesenen drei Einzelgemeinden statt. Sie standen wohl von Anfang an in guten Beziehungen (alle drei waren ja scphardische Gemeinden) und. hielten auch von Zeit zu Zeit gemeinsame Beratungen ab: prinzipiell waren, sie aber, selbständig und erst durch den Zwang der Berhältnisse (neuer Zuzug, geschlossenes Auftreten nach außen usiv.) erstrebte inan eine Einigimg. Was stand nun dieser Einigung im Wege? In seiner „Eeschiedenis -der Pvrtiigeesckie- Joden te Amsterdam" von I. S-. Ta' Silva Rosa schreibt der Bersasser: „Das Zustande- , kommen der Bereinigung drohte zu scheitern an der Engstirnigkeit ' einzelner prominenter Ge- »u'iiidevvrutzeuder. Jeder dieser glaubte nämlich, daß er bei der Unterzeichnung ider Uehereiukunft -. den Vorrang habe, als erster, diese Akte zu'iiuterzeichn'eii. Es war der guten Idee, des Rabbiners David Mrdv, der immer für die Einheit gekämpft halte, zn danken, daß die Einigung zustande kam. ohne daß das Gefühl des Eigenwertes bei irgend jemand gering geachtet wurde. Er machrc nämlich eine Anzahl gleichlautender Abschriften und legte jedem Vorstand der drei Deputationen, ohne daß der eine vom andern auch nur e'kva-s wußte, eine zur Unterzeichnung vor, und so hatte jeder als erster unterschrieben! . So geschehen in Amsterdam im Jahre 1639. Wenn man die Ziffern dieser Jahreszahl nur ein klein wenig umstellt, ist man genau — im Jahre 1936 ,,,; II—seh, Amsterdam. Deutsche und jüdische Literatur In der von Will. Vesper Herausgegebenen Literatnrzeitschrift „Tie Neue Literatur" (37. Jahrgang, Nr. 12) wendet sich Erich W e i ß e r dagegen, daß „man unentivegt im Ausland — fast überall — noch daran festhält, deutsche und jüdische Literatur zu verwechseln". Er zitiert eine Aufzählung aus dem „Figaro" vom 11. Juli 1936. die 'die in Frank-reich in letzter Zeit erschienenen, Hebersetzimgen zusammenfaßt, und knüpft daran die Bemerkimg: „Deutschland wird also vertreten durch lauter Inden nnd Judengenossen. Die einzige Arierin. die Urbanitzky. verdankt ihre Uebersetzung auch nur der Tatsache, daß ihre Bücher im Verlag Zsolnay, dem Verlag der literarischen Rassen- .schande. erschienen sind. Wann wird man auch in Frankreich einmal ansangeii. von der wirklichen deutschen Dichtung Notiz zu nehmen? Aber was kann man von einem Lande, das von einem Inden regiert wird, schließlich erwarten?" f. F.. Literarische Notizen Ilse Blumenthal - W e i ß las in London ans Einladnng der We6t London Synagogue - Association ans eigenen Werken.. - Walther V i c t o r ist vom Schweizerischen Rundfunk - mit der Gedenkrede zum 10. Todestage Rainer Maria Rilkes am 29. Dezember betraut worden. Der Verlag der ihole Universität hgt in der Reihe der orientaliftifchen Werke zum Andenken an Alerander Kohut den ersten Band eines h e b r ä i s ch - a r a b i s ch e n Wörterbuchs der Bibel von dem Professor für Arabisch am Drvpsie College, Solomon L. Skoß. herausgebracht. Wissenschaftliche Zeitschriften. Tie Großloge für' Deut'chland VIII. 11. 0. B. B. macht erneut daraus aufmerksam, daß wisfemchaftlickie Zeitschriftcn auf medizinisckiem Gebiet im Krankenhaus der Jüdisck)en Gemeinde. Iranische Straße 3, und wisien'chaftliche- Zeitschriften auf rechtswissenschaitlichem und historischem Gebiet im Logenhaus, Kleiststraße 10, ausliegen.

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