Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 51 (17.12.1936)
- Date
- 1936-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 * 1. Beiblatt 17. Dezember 1935 Geist und Wesen der Arbeit im Judentum II. Acker, Weide und Weinberg Nicht alle israelitischem Stämme waren Bauern. Jenseits des Jordan und auf den Steppen der Gebirge Ephraim und Inda wurde die Viehzucht, gepflegt.. Me war ein Erbteil aus. den Tagenda noch ganz Israel ein Wandervolk: von Hirten war. Die Lebensform der. Vorfahren wurde stets in Ehren gehalten, und einige Stämme haben sie während der ganzen Zeit ihrer geschichtlichen Existenz sortgeführt. Die Natur gewisser palästinensischer Landschaften ließ von vornherein für Ackerbau und Gartenkultur wenig Raum. Im Gebiet der Südstämme Simeon und Juda gehörte dazu der Stcppcngürtel südlich vom Gebirge Juda (der Negeb), die Hochterrassen des judäischen Berglandes und die sieben bis acht Stunden breite Hochebene der Wüste Juda, die in ihrem westlichen Teil herrliche Triften bot. Im Gebiet der Nordstämme Ephraim und Ma nasse hatte die wegen ihrer Fruchtbarkeit berühmte Ebene Sa r o n — zwischen der Nordgrenze des Philistcrlandes und dem Karmel, gebirge — treffliches Weideland; ebenso das jenseits des Karmel sich anschließende'große Becken der Ebene Jesreel. Hier wie dort gab es ausgedehnte Ländereien, die für den Ackerbau zu feucht waren, den Rindern.hingegen fette Weide gaben. Jenseits des Jordan, auf den Hochebenen von G i l e a und B a s a n, lagerten seit alter Zeit die Herden der Stämme Rüben und Gab. Noch der Prophet Micha kennt für seine israelitischen Landsleute keiüe schönere Verheißung als das Versprechen: „Die Herde deines Erbteiles soll zwischen Gilead und Basan weiden, wie vor alten Zeiten/ Man ^darf annehmen, daß auf dem trockenen Boden der Judäischen Steppen und Hochebenen das bedürfnislosere Klein- Vieh (Schafe und Ziegen), auf den fetten Triften des nördlichen Tieflandes hingegen wie aus den üppigen Wiesen des B a s a n i s ch e n B e -r g l a n d e s das Großvieh gezogen wurde. David hütet als junger Mann im Judäischen . Bergland die Schafe seines Vaters, als König gältet selbst große Rinderherden. in den Ebenen von - Diese zwiefache Ausrichtung der altisraelitischen Landwirtschaft hat nicht nur die Richtung der gesamten Produktion wie die Entfaltung der Gewerbe und später des Güteraustausches bestimmt (Großhandel mit Weizen, Entwicklung der heimischeu Textilgewerbe), sie hat auch die geistige Halhing des Volkes in guten und schlimmen Tagen geformt. Selbst die politischen Entschlüsse würden in ihren Bannkreis gezogen. Der Wettbewerb der beiden Richtungen um die/Zvrherrschaft über die Seele des Volkes klingt nach in Sprache und Dichtung.Die religiösen Führer wie die Lenker seiner staatlichen Geschicke sind gleichermaßen von ihm erfüllt und geleitet. Der Gegensatz spiegelt sich wider in der Rivalität der beiden ersten Könige, wie in den Berichten über die Bildung ihrer politischen Machtsphäre. Saul ist der B a ue r n. könig — David steigt . als Führer der judäischen Hirten zur Macht empor. Saul stützt-sich auf den bäuerischen Heerbann der Nordstämme — David bildet sich feine Gefolgschaft auS den unsteten Elementen, die mit ihm in die Wildnis von Juda fliehen mußten. Und als nach Salomos Tode auf dem, Landtag zu Sichern das Reich in zwei Teile zerfällt, da stehen wiederum Hirten und Viehzüchter des Südens gegen die B a u e r n des N o r d e n s. Selbst die Propheten, in gleicher Liebe den feindlichen Brüdern zu-, gewandt, verleugnen in Rede und Gleichnis keines» Wegs den Widerstreit der Empfindungen. Gott selbst ist bei Jesaja, der große Schirmherr und Lehrmeister der Bauern: Er hat sie „zum Rechten gewiesen" und ihnen gezeigt, wie das Getreide den verschiedenen Arten gemäß und nach Jahreszeiten zu behandeln sei. Aber daneben steht bei Jeremia die Verherrlichung des alten Hirtenlebens: mit der Einfachheit und Reinheit seiner Sitten, Fm Preis der Rechabiten. Sie sind, den alten Idealen treugeblieben,- wollen nichts vom Ackerbau wissen, verschmähen Häuser und feste Siedlungen und meideck den Wein. Aber weder Bauern noch Hirten hatten ein leichtes Dasein auf palästinensischer Erde. Das Hirtenleben zumal war weitentfernt von den Vorstellungen, die wir in Erinnerung an gewisse idyllische Schilderungen mit ihm zu verbinden pflegen. Es-war rauh und arbeitsvoll. Btan höre etwa die beredte Schilderung des Erzvaters Jaqob in seiner Auseinandersetzung mit dem lMctherzigen Schwiegervater Laban: „Des Tages verschmachtete ich vor Hitze und des Nachts vor Frost und es kam kein Schlaf in meine Augen. Zwanzig Jahre war ich bei Dir. Deine Schafe und Ziegen sind nicht unfruchtbar gewesen. Tie Widder Deiner Herden habe ich nie gegessen. Was . die wilden Tiere zerrissen, mußte ich bezahlen. Du hast es von meiner Hand gefordert, es mochte mir war freilich weder Zeit noch Sinn vorhandeü^für^ verliebte Schäserspiele im Geschmack des 18.. Jahrhunderts. Zu den Unbilden eines unsteten Klima-? kamen die Gefahren eines mühseligen Berufes. Stets mußte man in Bereitschaft sein, ' BgUn Aussatz in Nv. 49/1936 der C.-B.-Ztg. die Herden gegen feindlickie Uebersalle odeL wilde Tiere zu schützen. -Wurde die Weide gewechselt, io war es Aufgabe des Hirten,, die Marschzeiten zu berechnen. Die Weldezelten. die RulMunden am TÜajser folgten einander in festgesetzter Ordnung und Dauer. . Der Hirte hatte darüber zu. wachen. daß seine Tiere unterwegs, nicht " überanstrengt wurden. Die müden Lämmer »wurden im Arm oder in der Brustfalte, getragen. An der Hürde angelangt, stellte er sich an den Eingang und ließ feine Tiere unter dem Hirtenstabe durchgehen, um sie zu zählen und die kranken zu mustern. Nicht einmal die Nacht brachte Ruhe, wenn kranke Tiere gepflegt oder verlorene gesucht werden mußten. Und wie kärglich war der Lohn! Wir hören einmal von 30 Silberschekeln, gleich 75 RM, im Jahre. Sonst scheint nur ein bestimmter Anteil an Jungvieh als Entlohnung gegolten zu haben, Dabei hatten die Hirten noch für richtigen Nachwuchs'zu sorgen und mußten für gestohlene oder abhanden gekommene Tiere auskommen. Wenn es auch nicht an frohen Zügen im Hirtendasein fehlt, so galt, dieser Beruf doch mit gutem Grunde als besonders mühevoll Um so mehr Beachtung verdient die allgemeine Wertschätzung, die er in jenen Tagen genoß. Sie wird weithin sichtbar in den Bildern göttlicher Fürsorge und Treue, die-dem Hirtenleben entnommen find, und beim Dichter der P s a l m e'n '-ihr schönstes Echo gesunden haben: „Und ob ich schon wunderte im finsteren Tale, ich fürchte kein Unglück. Denn Du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich/ Der Arbeitstag des Bauern scheint den mühseligen Tag- und Nachtwack)en der Hirten gegenüber beinahe ohne allzu große Beschwerde zu verlaufen. Und doch war auch der israelitische Bauer nicht auf Rosen gebettet. Das Land, in dem Milch und Honig, fließen sollte, ist von den israelitischen Stämmen weit mehr e ra rbei te t als erobert worden. In den Getreidezonen (Ebene von Saron, Ebene Jesreel, um den Genezareth- oder Kinnerethsee) war das Land wohl seiner Fruchtbarkeit. wegen gerühmt, aber die Aecker mußten doch wenigstens dreimal im Jahre gepflügt werden. Aus dem oben erwähnten Gleichnis des Jesaja wißenwir, wie sorgfältig der Bauer bei der Aussaat verfuhr. Die Saatkörner von Gerste und Weizen wurden nicht gestreut, sondern einzeln in den Boden gelegt. Das üppig wuchernde Unkraut vergällte dem Landmann das arbeitsreiche Dasein. Dornen und Disteln wüchsen in Palästina in -zahlreichen Arten und in großer Höhe Die Ernte brachte das Ende der Feldarbeit,, aber nicht das Ende der Mühe. Die Dreschtennen lägen in Palästina meist auf lustiger Höhe, die Garhenblindel konnten dank dem trockenen Klima im Freien gelagert werden. Aber Beduinen oder Philister waren auf der Lauer, den Bauern jetzt um die Frucht seiner Arbeit zu betrügen. Noch zu Davids Zeiten raubten die Philister die israelitischen Tennen aus. So mußte man wohl oder übel Tag und Nacht auf der Tenne in Bereitschaft sein/bis alles glücklich eingebracht und die letzte Aehre gedroschen war. Im Laufe der Zeit scheint sich eine gegenseitige _ Wirtschaftlidje Anpassung zwischen -den Kleinvieh- Züchtern des Südens und den Landwirten des Nordens vollzogen zu haben. Beide Gruppen wenden sich mit gleicher Intensität der Pflege des Weinbaues zu. Tie palästinensische Weintraube gedieh "in der Ebene wie an den Berghängen. Sie war die von ganz Israel gehegte und. geliebte Gottesfrucht. Bon dieser allmählichen Wandlung der Interessensphäre gibt der Jacobssegen des ersten Buches Moscs-eine anschauliche Vorstellung. Tie landwirtsck)aftliche Situation, von der er Bericht gibt, kann bestimmt nicht für die Zeit der Erzväter, aber auch nicht einmal für die Pericbe der ersten Könige in Frage kommen. In der Verheißung Jacobs ist der judäische Bergbewohner nicht mehr der rauhe Hirt aus Davids Tagen, sondern der selbstbewußte Weinbauer einer gehobeneren Zeit. Er ist weit entfernt, vom rechabitischen Ideal der Propheten, dafür um so stolzer auf den Reichtum feiner Rebenhänge: „Juda wird seine Füllen an den Weinstock binden und seiner Eselin Sohn an die Rebe. Er wird sein Kleid in Wein waschen und seinen Mantel in Weinbeerblut/ Solch ein Segen fiel dem Weingärtner allerdings nicht in den Schoß.- Nicht ohne Grund führt die griechische Sage die Entstehung menschlicher Gesittung und Zivilisation auf die Einführung der Rebe und des Oelbaumes zurück. Besonders . der Weinbau forderte weitmehr Mühe, Sorgfalt und. Berechnung als der Körnerbau. Tie aufgewendete Arbeit wird erst nach Jahren vergütet. Der Weingartner muß die von der Natur gegebenen Verhältnisse verbessern. - Er muß Quellen aus der Ferne herbei leiten, Zisternen und Wasserreservoire bauen und den sonnendurchwärmten Felsen fruchtbare Erde zutragen. Terrassen müssen, angelegt werden, um das Abspülen der mühsam herbeigetragenen Fruchterde durch den Winterregen zu verhindern. Solche Arbeiten können mir von Generationen nach und nach geleistet werden. So geben denn auch - die alten Wasierleitungen, die 'Feldzisternen und Teiche Palästinas noch heute sichtbares Zeugnis für die unablässige Arbeit vieler - Geschlechter israelitischer Weinbauern. Sie sind ehrenvolle Denkmäler einer Arbeitsgesinnung, die noch den späten Enkeln Grund und Loden der Ahnen sichern wollte. Bon sölck)er Art ist der Weinbauer Naboth. der sich standhaft weigert, den Weinberg seines Vaters dem habgierigen König Ahab gegen ein besseres Grundstück oder gar gegen ein paar Silberlinge abzutreten: ..Der Herr behüte micst daß ich dir den Erlacker meiner Väter abtreten, sollte/ Mehr als jede andere/Tätigkeit hat der Wein- - bau die israelitischen Familien in Lande verwur- - zeit, den sittlichen Wert der Arbeit schätzen gelehrt und den Stolz des. freien Mannes aus die eigene. Scholle nach erhalten. Nichte Besseres weiß das Buch der- Könige von Israels, glücklichen Tagen zu. melden als die Feststellung: ..Bon Dan bis gen Beerseba wohnten Juda und Israel sicher, cm wglicher unter seinem Weinslock-und Jcinem Feigenbaum. - Dr. Julius-Eisenstädter. Die Zahl der Juden in der Welt Die Frage, wieviel Juden insgesamt, auf' der Erde leben, behandelt ein.-auch als Sonderdruck vorliegender Artikel von I a k o b Le st sch i n s k y in den „Blättern des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts" in Wilna. . Der Verfasser verhelsit sich / und uns nicht die Schwierigkeilen der von ihm ' selbst gewählten Aufgabe. Für die 74 Lander (72 Reiches, die er antührt, stehen ihm Angilben . nur aus 41 Volkszählungen zur Verfügung, die zudem aus verschiedenen, zum großen Teil ziemiich weit zurückliegenden Jahren stammen. Die Zahlen für die übrigen 33 Länder, in denen zusammen 0 Millionen Inden angenommen iverden können, beruhen mir mtf Schätzungen, wenn auch wohlbegründeten. Der Statistiker bedauert auch den vielsackten Mangel an genauen und sick-eren Daten über die natürliche Bevölkerungsbewegung: Geburten und Todesfälle und über die Wanderungen' von Land, zu Land, wodurch die rechte Ausdeutung der erhaltenen oder errechuewn Zahlen erschwert wird. Dennoch glaubt Lestschinsky. daß die Resultate seiner Feststellungen und Untersuchungen den. tatsächlichen Verhältnissen.nahe-, kommen dürften. Wir können hier nur einiges herausl-el'eii. In seiner Haupttabetle, welche die einzelnen Länder der fünf Erdteile verzeichnet, gibt er bei jedem an: das Jahr der letzten Volkszählung, die Gesamt-, bevölkerung. die absolute und prozentuale Zahl der Inden. die schätzungsweise absvlute Zahl der Juden Ende 1935. ihren prozeutnalen Anteil an der Gesamtbevölkerung. an der Zahl der Juden in dem entspreckzenden Erdteil-und in der ganzen . Welt. In einer anderen Tabelle, die wir nachstehend. mit dem Hauptergebnis der ersten Tabelle kombiniert, wiedergeben, zeigt er die Verteilung der Juden-auf die Weltteile seit IE, und zwar Kut/ze/, (x> ALLIGATOR« UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE. Barllu. Tauaatxtauatraka 16 Hamburg. Juuifaraatiat 43 Köln a.Rh.-. HohaatraM 115 E» lau. Ltmbadutraka 10 Eaaao. Am HauptbahahoflO - Bochum, Kortumatraha 67 Frankhirt a. M» Rofanarkt 13 Zantnla, Oifanback a.M - Wuppartal'Elbarield. Hanotatraia 36 - 19-25 1935 1935 Europa . v . . 62,8 60,6 9 863 000, Amerika . . . 29.5 30,6 4 978 000 Asien. . ... 4.5 5!l 824000 Afrika ... 3 0 3.5 564 000 Australien ... 0.2 0.2 30 OOP 100.0 100.0 16 260 000 Folgende 17 Reickie haben mehr als 100000 Juden: Vereinigte Staaten von Amerika 4 450 000 (27,4 v. H. des jüdischen Volkes!. Polen 3150 000 (19.4 v. H.). Rußland 3 089 000 (18.9 v. H). Rumänien 1 000 000 (6.1 v. HI. Ungarn 420 000 (2.6 v. H.s. Deutschland 420 000 (2.6 v. H.). Palästina 380 000 (2,3 v. H.s. Tschechoslowakei 360 000 (2.2 v H.s. England 320 01)0 (2.0 v. H.s. Frankreich 250 000 (1.5 v. H.s. Argentinien 250 000 (l.5 tv H.s. Sesterreich 188 000 <1,1 v. H.). Litauen 170 000 (1,0 v. H.s. Kanada 165 000 (1.0 v. H.), Marokko 120 009 (0.7 o. H.s. Holland 115 000 (0.7 v. H.s. Algier I >5 i>00 <0.7 v. H.). 1880 zählte man im ganze» acht Millionen Juden 1910 ca. 13 Millionen. °J>, dieser Spanne hatte der durchschuittlickie Jahresznwachs 165 000 Seelen Ivtragen. in den letzten zehn Jahren beläuft er sich nur ans 130 000, trotz der gestiegenen Gesamtzisser. Das brauckft aber, so meint der .Verfasser, keine Befürchtung ansziilöscn. „Das Fallen des natürlichen Znwackises ist eine all», gemein menschliche Ersckieinnng. und die Juden' machen da keinerlei Ausnahme. 'Und wen» vielleicht im ganz letzten Jahr — 1935 — der natür» lick)e Zuwachsdes-jüdischen Volkes sogar nicht Xeccmaun 3Coffmattn H m r r« n - und D a m n « Berlin SW,'Friedrich8tr.SQ.5i Gesamtzahl. . 1880 1900 1914 Europa . . . . 88.3 82,0 68,0 Amerika . . . - . -V 11.1 25.0 ... 4.6 4,0 4,1 Afrika ' . . 2.8 2,8 Australien . . .; 0,1 0,1 0,1 100,0 100,0 100,0 mehr als 110 000 c>der 115 000 betrug, so macht das doch ungefähr 7 pro 1000 Seelen aus. d. h.: das jüdische Volk als Ganzes hat einen Zuwachs gleich dem deutsckien. einen zweimal so großen wie da? englische, siebenmal so großen wie das. fran» zösische'Volk, allerdings nur einen dreimal so kleinen wie das russisciie und etwa zweimal so klemen wie das polnisck)e Volk." U./A. Letzte Meldungen aus Polen Der Vertreter der Exekutive .der Jewish Agency in Genf und Vorsitzende des Administrative Comitee des Jüdischen Weltkongresses, Dr. Nahum Goldman n, ist von dem polnischen Außenminister, Qberst B e ck, zu einer dreiviertel, stündigen Unterredung empfangen worden, die Fragen.des Palästinaaufbaus und die -Lage der Juden in Polen-zum Gegenstände hatte. Im polnischen Innenministerium sprach eine Abordnung des Verbandes der jüdischen Klein- Händler in Kalisch vor. um dagegen, zu protestieren, daß 36 Stadtverwaltungen in Posen und' Pommerellen jüdischen Händlern den Zutritt zu den Märkten verwehrt haben. Die Abordnung erklärte, 2000 jüdische Markthändler seien durch diese Maßnahmen gefährdet. Der Leiter des Miuderheitendepartements im Innenministerium versprach, die Stadtverwaltungen anzinveisen. den jüdischen Markthändlern die gleiche Behandlung zuteil werden zu lassen wie den nichtjüdischen. * - 4 Noch immer kommen aus Wilna Meldungen über antijüdische Erzesse. Zwei Juden wurden von einer nationatdemokratischen Gruppe angegriffen und verletzt. ^Nichtjüdische Studenten haben drei jüdische Studenten schwer mißhandelt. Auch iw-dem Lesesaal der Universitätsbibliothek kam es zu Zwischenfällen. Eine von den Nationaldcmokraten angezettclte Straßenkundgebupg mußte von. der Polizei unterdrückt werden. Ueber die Methoden der Ruhestörer gibt ein aufsehenerregender Vorfall Aufschluß, der sich gleichfalls in Wilna zutrug. Ter Schauspieler. . Piotr Stankiewicz, ein. Mitglied des Wilnaer polnischen Theaters, wurde auf der -Straße von einem^Manne, der ihn für einen Juden hielt, beschimpft und im Verlaufe eines Kampfes von ihm durch Revolverschüsse schwer verletzt. Der verwundete Schauspieler wurde in besorgniserregendem Zustand ins Krankenhaus einge. .h^ett' * Nach dem großen Berufungsprozeß wegen der Unruhen in dem Städtchen Przytyk hat soeben vor - dem Kreisgericht in Grodno ein neuer Prozeß begonnen, in dem drei Mitglieder der illegalen nationalradikalen Partei wegen eines Bombenanschlages, den sie gegen das Haus der Gesellschaft - für Gesundheitsschutz der Juden TOZ (Lse) am 16. März 1936 verübt hatten, unter. Anklage stehen. Weite Kreise der polnischen Lefsentlichkeit. beobachten den Prozeßve-rlauf mit starkem Interesse. Unter den Angeklagten befindet. sich der derüchtigte Haupträdelssührer Alfons P a n a s i u f, der wegen Beteiligung an verschiedenen Progrom» artigen Ausschreitungen brkanntgeworden ' ist, ferner sein Freund und Helsershelfer Dominik Jaroszewicz und der' Schüler Kazikiecz B o g u s z - G r e c k i. Die drei wapen in das Haus der Gesellschaft TOZ eingedrungen, jedoch hatte die von ihnen gelegte Bombe nur Sachsckxiden angerichtet. Sowohl Panasiuk wie Jaroszeivicz sind bereits verschiedentlich wegen antijüdischer Äusschreitnngcn verurteilt worden. Die Gesellschäft TQZ hat sich als Zivilpartei dem Der» fahren angeschlosscn. Panasiuk behauptet übrigens, inzwischen seine jlidenfeindlichen Ueberzeugungen äufgegeben zu haben.' Dieser angebliche Gesinnungswechsel läßt. Ueberraschnngen während des Prozesses erwarten. Tie Nationaldemokraten in Grodno. die früher sehr stärk für Panasiuk eingetreten waren, haben ihn völlig fallen gelassen; nativnaldemokratische Pu Beiefttofu JmmA in diesen Tagen und erhebt die Abonnements¬ und Zustellgebühren für die C.-V.-Zeitung in Höhe von 3 P^eMdfet* für die Monate Januar, Februar^^Ääri 1937. Nufr wer die Postquittung einlöst, erhält die Zeitung ohne Unterbrechung zugestellt. 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