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Central-Verein-Zeitung · 1936-12-17 · 51 (17.12.1936) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
51 (17.12.1936)
Date
1936-12-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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'l Sk XV. Jahrgang / Nr. 51 Berlin, 17. Dezember 1936 Preis 10 Pfennig entral ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS S?80pTt^t£\et./Ze^wJCi'rIftleLtnn^ Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung):^Berlin W 15. Emscr Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva S141-45: Telegrammadresse: Ccntralsüauben. Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. hntnn ol?D~»,n?e-rSai.8i'?"^ohIuss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und dis Geschäftsstelle entgegen.^Zu^tellunRerfiflgKlurch die l'ost, die die Gebühren durch den Postnnmm’f* intp5eZJ,48*,ireHi *<1^0 J1.Fp£4l?,nsckl;?p** * ostzeitnngsgebühr) zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2.30 RM tumgerechnet in/die Landeswährung) einsehl. Zustellgebühren. EinzelfiiIpm«t»iria1UQ. cad?*1 rr'Mm .e Oewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühn?n<PrK4>liste 5 gültig. Die 12gespaltene mm Zeile 20 Rpf., mr Stellengesuche 10Kpf.. für ramilienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise a. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: LncnstagTtMatzu. Daten Vorschriften ohne Verbindlichkeit. A. H. Nicht das Barometer macht bekanntlich das Wetter, und selbst durch eifriges Beklopfen* der Scheibe kann man es nicht . ändern. In diesen Tagen Haben wir uns an die stereotype Wendung vom nahenden oder abziehenden Tief langsam gewöhnt, und wir bezeichnen es keineswegs als Pessimismus des Ansagers, wenn er bei der Feststellung einer Schönwetterzone sofort hinzufügt: aber nur für kurze. Zeit. Mit den Wintermonaten sind eben Wind und Wetter seit je verknüpft, und wer den ewigen Wechsel der Jahreszeiten als einen Vorgang bejaht, durch den allein die/ Abfolge von Saat und Ernte, von Blüte und Frucht, vom Kräftesammeln und Krüsteverschwenden gesichert bleibt, der wird seine trübe Winterstimmutig zu überwinden trachten mit der Erkenntnis, daß sie, weit davon entfernt, das atmosphärische Tief zu beseitigen, allenfalls Menschen selbst in ein seelisches Tief führen kann, aus dem sie möglicherweise keine Wetterveränderung mehr frei macht. Jeder weiß, daß er bei irgendeinem Mai nicht mehr dabei sein wird. Aber,wer deshalb vor läüter Dezerüber gar keine Freude mehr für einen kommenden Mai aufbringen kann, oder werwegen jenes letzten - Lebensmais alle vorhergehenden ohne Freude erlebt, der ist in ein falsches Jahrhundert Hineingeboren. Die Wetteransagen weisen uns daraus hin, was wir bei unseren Entschlüssen zu berücksichtigen haben; sie nehmen uns nicht unsre Entschlußsreiheit, sondern sie verschärfen sie, weil sie uns die Möglichkeit geben, Momente in unser Tun einzukalkulieren, die dem einzelnen sonst nicht zugänglich sind. II. Vor einigen Wochen ist der Hauch eines heroischen EreigNisZes selbst in den bürgerlichsten Alltag hineingeweyt: Ein Feuerschiff, das auch im wütendsten 'Orkan nicht von seinem Platze gewichen war, ging mit seiner Mannschaft unter. Aus den Pressekommentaren erfuhr das Laienpublikum, was es mit so einem Feuerschiff auf sich habe. Es ist ein Wegzeichen, kein Wegweiser, Es macht den Kapitänen die Bestimmung des Weges möglich, den sie einschlagen müssen. Es zwingt keinen, einen bestimmten Weg einzuschlagen, aber es läßt ablesen, w o es zu den Untiefen und wg es in die rechte Fahrtrinne geht. -Zwischen den wenigen Männern, die auf dem Feuerschiff vor ^Anker ihre Pflicht tun . und den zahllosen Schissen und Menschen, die sich nach ihm' ausrichten, besteht die stumme Verabredung, daß jene bereit sind, für unbekannte Schicksale und Wege geradezustehen, auf der Stelle zu treten und notfalls/ wie es kürzlich geschah, auch auf der Stelle zu bleiben. Diese Verteilung von Pflicht und Verantwortung ist eines der erhebendsten Merkmale unserer gesellschaftlichen Ordnung. Wir finden sie. wenn auch nicht immer in so scharfer Ausprägung, mit so heroischen Konsequenzen, in zahllosen menschlichen Zusammenhängen wieder. _ -III. Die Angehörigen aller Nationen haben in diesen Tagen ein denkwürdiges Schauspiel erlebt. das in seiner symbolkräftigen Eindringlichkeit in den Bestand klassischer Vorbilder für echte Staatsräson und die Lösung von Konflikten zwischen Individuum und Gemeinschaft entgehen wird: den Thronwechsel in England. Ein Shakespenresd)esKvnigsdrama rollte sich vor aller Welt ab, und was wir in der Literaturgeschichtsstunde nicht glauben wollten: daß englische Staatsmänner in ihrer 'menschlichen Haltung und ihrer Rede Erben echten römischen Eieistes sind', wurde in aller menschlichen Schlichtheit deutlich. Die Fundamente eines Imperiums, größer als je eines gewesen ist, durften nicht erschüttert werden, aber zugleich sollten menschliche Zartheit und männliche Rücksicht gewahrt sein. Eine Weltsekunde lang war in unsere harte, nüchterne Gegenwart' ein Hauch von Romantik gedrungen. Die Gegenwart ist mit dieser von vielen als mittelalterlich eingeschätzten Erscheinung nicht mittelalterlich tragisch, sondern zeitgemäß sachlich fertiggeworden. Die Welt ist voll der Bewunderung über die Lösung dieses Konfliktes, bei der jede Phrase vermieden, aber dafür jede nur denkbare menschliche Rücksicht angewandt worden ist. Mit respektvoller Teilnahme sind wir den Ereignissen gefolgt, und ohne kleinlichen Egoismus empfinden wir als. Inden die gute rasche Lösung auch deswegen dankbar, weil von der Festigkeit der englischen Staatsführung nicht nur in Palästina, sondern in vielen anderen Teilen der Welt viel für das Schicksal Heimatsuchender Juden abhängt. Eduard von Windsor Gast der Rothschilds in Wien - Ter frühere englische König, Prinz Ebuarb, Herzog von Winbior. ist am Sonntag in Wien eingetroffxn. Er wurde ans dem Bahnhof von dem Wiener Briti selten Gesandten und von Baron Engen Rothschild, dem Ehef de? Pariser vanses Rothschild, begrünt. Ter frühere König wird sich als Gast des Barons auf dessen Schloßt Enzesield an der Triesting anfhalten. In Wien ivird sich Prinz Eduard wieder der Behandlung durch den berühmten Lhreitspezialisten Professor Neu-' mann unterziehen. Als der frühere König vor. dem Bahnhof das Auto Baron Rothschilds bestieg, wurde er von einer mehrtausendköpsigen Menge mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Diese Nummer umfasst 22 Seiten, Sie enthält u. a..- Die Beilagen: Da» Blatt der jüdiechen Frau, — Buch und Kunet. — Sportblatt.-Die jüdieche Gemeinde. — Palästina- Umschau. — Wirtschaft der Woche. Die Aufsätze: Die Presse der jüdischen Gemeinden, von Dt. Kurl Julius Riegner. — Zum Tode Pirandellos, von Kurt Pinthus. Nach dem Urteil Nach viertägiger Verhandlung gegen David Frankfurter,den Mörder des Landesleiters der NSDAP für die Schweiz. Gustlofs, ist das Urteil ergangen. Es lautet auf ld Jahre Zuchthaus, dauernde Landesverweisung und grundsätzliche Haftung für die durch die Tat verursachten Schäden. Ein Verbrecher verschwindet damit hinter Znchthansmauern. die so stark sind wie die Mauern. die er durch seine unselige Tat zwischen der jüdischen Welt und sich ausgerichtet hat. ' Der deutsche Verteidiger Professor Grimm prägte den Satz: auch der politische Mord ist Mord. Er brachte damit eine Wahrheit zum Ausdrucks ohne die das menschliclje Gemein- schaftsleben von anarchischen Gedanken zersetzt werden müßte. Das Judentum kennt nur ein Gebot: Lau tirzoch, tut sollst nicht morden. Dieser Satz galt und gilt uneingeschränkt 'und bedingungslos. In dem Augenblick, in dem man den politischen Mord relativiert, beginnt seine Rechtfertigung als politische Erscheinung, eine Rechtfertigung, die vom jüdischen Standpunkt her unter keinenUmständen möglich ist.— Wir bringen anschließend einige deutsche Stimmen-zu dem Urteil. Es wird keinen Juden geben.,der nicht wünschte; daß die letzte Klarheit in die Zusammenhänge des Der-- brechens gebracht werde.- Der B.B. schließt seinen Kommentar zum Urteil in Chur: Tie deutsche Lefsentlichkeit, die bis zu dem Spruch der Schweizer Richter jeden Versuch unterlassen hat, auf die Untersuchungsergebnisse Einfluß zu nehmen, wird jetzt daran gehen, die in Chur dunkel gebliebenen Hintergründe der Tat aufzuklären. Tie kriminelle Seite des Mvrdprozesses Frankfurter ist erledigt, die politische steht noch offen. Tie Spuren, die zu den Persönlichkeiten der Hintermänner führen, beweisen deutlich die Tätigkeit einer großen, finanzkräftigen, internationalen Lchanit'ation. Wir werden nicht müde werden, bis nicht nur das Werkzeug Tavid Frankfurter, sondern auch keine Helfershelfer, Hintermänner und Antreiber io beitxaft worden find, daß der Weltliga zur Abivehr des Antisemitismus für immer die Lust vergeht. Pas. nationalsozialistische Deutschland durch Wort oder. Tat anzugreifen. Immerhin hat der Prozeß auch in dieser Richtung beachtliche Anhaltspunkte ergel>en, Es wäre wünsclienswert, wenn die Frage nach den. Hintermännern jetzt, wo der Prozeß Frankfurter abgeschlossen ist, einer neuen Prüfung unterzogen werden würde. England und der Obcrkoiiiinissar Im Verlauf der Aussprache im englischen Unterhaus gab Außenminister E d e ii in Beantwortung.einer Anfrage des Abgeordneten Fletcher wichtige Erklärungen über die Tätigseit des Oberkommissars für die Auswanderer aus Deutschland und über das Verhältnis der englischen Regierung zu ihm ab. ^Die Tätigkeit des Oberkonunissars. so sagte derBATuister. beruhe auf einer Resolution der Völferbundsversammlung vom H). Oktober il»:r>. Zur Deckung seiner Verwaltungsauslagen seien Zmvendnngen durch die zuständige Organisation -des Völkerbundes vorgesehen; für lüg? seien 8J! r»()0 Schweizer Franken in Voranschlag gebracht. Die Regierung Seiner Majestät werde dem Oberkommissar jede weitere ihr mögliche Unterstützung gewähren. Auf seiner Reise durch Südosteuropa, über die wir bereits berichteten, ist Oberkommissar Sir Neill.Malcolm in Wien ein-' getroffen. Eine Abordnung der Wiener Israelitischen Knltusgemeindo und der Jsraelitischeg Alliance informierte ihn über die Lage der in Wien lebenden Auswanderer und .bezeichnete es als wünschenswert, wenn das Genfer provisorische Abkommen über die Regelung der Rechtslage der Ausgewanderten auch in Oesterreich in Kraft treten würde. Sir Neill sagte zu. sich im Rahmen seines Auftrages bei den auswärtigen Hilfskomitees, insbesondere beim Council for German, Jewry. für eine toeitgeheude Hilfeleistung zugunsten der Ausgewanderten einzusetzen. Brasilianische Möglichkeiten Einer Erklärung von Professor Grimm entnehmen wir: Die Frage der Hintermänner war nicht unmittelbar Gegenstand des Prozesses, in dem allein über die Schuld Frankfurters zu entscheiden war. Sonderbricht für die C.-V.-Zeitung von Dr. Bruno Werl Rio tle Janeiro, Ende November 1036. Die E i n w a n d e r n n g smög l ichkeit ist für ganz Brasilien durch Gesetz geregelt. Da aber Brasilien ein Bundesstaat ist, und die Verwaltung der einzelnen Staaten mit einer gewissen Eifersucht ans ihre Prärogativen achtet, ist die Veiwaltungspraris auch in dieser Frage verschieden. Die Einwanderung von KaPit a l i st e n. das sind Personen, die Nachweisen, daß sie über ein Vermögen iii Höl^e des Gegenwertes von mindestens MO englischen Pfund, also rund 4000 RM verfügen, ist wohl in keinem der Bundesstaatenirgendwelchen Schwierigkeiten unterworfen. Die' Einwanderung in der Landwirtschaft tätigeic Personen kann auf Grund einer Chamäda erfolgen. Diese wurde bisher von den brasilianischen Polizeibehörden ans Antrag von in der Landwirtschaft tätigen Personen, die weitere Hilfskräfte oder Arbeiter benötigten, ausgestellt. . Bei einer Versammlung der Pvlizeipräfekten, die gerade während unserer Anwesenheit statt» fand, wurden — nach dem Bericht einiger Zeitungen — Vgrwürfe in der Richtung erhoben, daß diese landtmrtschaftltchen Cha- .maden mißbraucht worden seien., rnn Personen^ die niemals die Absicht "gehabt hätten, in der Landwirtschaft tätig zu sein, ins Land zu bringen. Tie Pvlizeipräfekten sollen deshalb beschlossen haben, der Regierung vorzuschlagen, daß künftig nunmehr von ihnen selbst, nicht aber von untergeordneten Polizeibehörden.^ eine derartige Einreise-Erlaubnis ausgestellt werden solle: / . Es hat ferner ein Recho auf Einreise, wer in Brasilien G rund u n d Bo de n besitzt. Das Gesetz sagt nichts darüber, wie groß der betreffende Besitz sein mußi Hier ist den Polizeibehörden ein weiter Spielraum gelassen, und ihre Auffassung weicht nach fymt mir Mitgeteilten in den einzelnen Staaten beträchtlich von einander ab. Ferner kann nach wie vor ^ine Familieneinwan derung stättfinden. wenn -eine entsprechende Garantiesumme geleistet wird. Diese beträgt für eine erwachsene Person drei Kontos (etwa^lltO RA'c). für Personen unter 11 Jahren in der Regel zwei Eoutos lalso etwas weniger als NOO RM). Ohne Ehamada wird aber auch das brasilianische Visum den Personen der ersten Schiffsklasse erteilt, wenn sie den Nachweis erbringen. daß sie bereits im Besitz der Rückfahrkarte sind. Dieses Tonristenvismn hat bisher zu einem nennzigtägigen Anfentlialt im Lande berechtigt, und die An-fenthaltsertaubnis ist, falls die Touristen ihre Anwesenheit verlängern wollten, fast immer anstandslos gegeben worden. An einigen Orten hat die Polizeibehörde, um eine Kontrolle zu haben, ob nach den ge- . währten Aufenthaltsfristen die Abreise tatsächlicli stattsindet, die Pässe der einreisenden Personen zurnckgehaltcn und sie ihnen dann abgestempelt wieder übergeben. Ta es in Brasilien keinen Mcldezwang gibt, ist es in einer großen Stadt wie Rio natürlich schwer, auf andere Weife eine wirksame Kontrolle über das 'tllrbleibcNi der angekvmmenen Personen zu führen. In einzelnen Fällen sind bisher Scl,wierigkeiten aitfgetaucht: die leitenden Biänner der verschiedenen Komitees haben mir, alter versichert, daß sie bisher durch wohlivvllendc Behandlung seitens der"brasilianischen Behörden immer wieder gelöst werden konnten. / Rio selbst ist eine zauberhaft schöne Stadt, /es läßt sich kein herrlicheres. Bild denken,., als es die Einfahrt in den Hafen von Rio bietet. Immer - wieder wechseln die Bilder; Berge, Felsen, Bleer und Land smd zu einer grandiosen Harmonie verschmolzen. Die Natur hat Rio tiberreich ausgestattet. Aber die Stadt liegt auf einem Breitengrad, auf .dem es einen Winter nur auf dem Papier gibt. Ter Wechsel des Klimas, an das der Europäer-so gewöhnt ist, der nach der Härte des Winters auf die ersten Spuren des Frühlings wartet, um im Sommer große Hitze ertragen zu können und dann im Herbst wieder einen neuen Uebergang zu finden, eristiert in dieser Schroffheit nicht. Es ist an manchen Tagen für uns unerträglich heiß ge- . tvesen, schwül, drückend, mit einem großen Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Man versteht ohne weiteres, daß in einem solchen Klima die Aktivität des Lebens nicht die gleiche sein kann, wie sie der Europäer von zu Hause mitbringt, und das gelassene Schien- J

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