Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 49 (3.12.1936)
- Date
- 1936-12-03
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Beiblatt Palästina-!T in schau der C.-V.-Zeitung 3.Dezembe- 1936 Weizmanns Aussage vor der Königlichen Kommission Die zweite öffentliche Sitzung der Königlichen Kommission fand nach ihrer Ruckkehr von der Reise durch Nordpalästina am -24. November statt. In ihr wurde zunächst der. Vizedirektor des landwirtschaftlichen Departements der Palästina-Regierung, Morris We n e t t über Fragen der Boden- - politik, sodann der Leiter "des Bewasserungs-De- . partenients der Palästina-Regierung,' Douglas . A.n d r e w- 6, über Kolonisationsfragen vernommen. Wahrend im Laufe der eisten Vernehmung vornehmlich die Schwierigkeiten in der statistischen Erfassung des Bodenbesitzes infolge der undurchsichtigen Eigentumsverhältnisse zutage traten, ergab die zweite Vernehmung recht eindrucksvolle Feststellungen.. Im Anschluss an eine Qech. LEOPOLD RUND Taschentuch-Weberei, Lauban i. Schles, D Erklärung von Mr. Andrews, z. B., dass der gesamte noch -nicht bearbeitete Bodenbesitz der Regierung noch zur Verteilung zur Verfugung stehe, bat der Vorsitzende der Königlichen kommission, *Lord Peel, um eine Erklärung des . Begriffes „nicht bearbeiteter Boden". Es ergab, sich dabei, dass unter diese Boclenkalegorie auch Sandboden falle, also der gleiche Boden, auf dem Tel-Aviv erbaut sei. Das führte u. a. zu der Feststellung, dass die Entstehung weiterer Städte auf diesem „nicht bearbeiteten Boden" durchaus in den Bereich der Moglichkeilen falle. „Der 25. November brachte den im judischen Sinne ,,grossen Tag", der Kommission, nämlich die Vernehmung von Chaji m Welzin a nn. Entgegen den bisherigen Erwartungen machte Wetzmann seine Aussagen in öffentlicher Sitzung. Er-ging von einer Schilderung der Laue der Juden in der Diaspora aus, in deren Zusammenhang er vor allen Dingen auf die drangende Lage in Polen hinwies. Dort ziehe eine . überschussige Landbevölkerung in die Städte und bedrohe damit die wirtschaftlichen Stellungen, die die Juden in den Städten bißher inne hatten. Im Anschluss daran gab Weizmann eine feierliche Erklärung über die Bedeutung Palästinas angesichts der herrschenden Judennot ab. Nirgends seien die Juden eine Mehrheit, uberall eine Minderheit. Palastina sei der einzige Platz, in der weiten Welt, wo sie so leben können, wie - sie wollen. Weizmann wandte sich sodann der Frage des arabischen Nationalismus zu und stellte. die Frage, ob dieser durch die letzten Unruhen, wie man behaupte, tatsachlich eine Stärkung erfahren habe. Weizmann bezweifelte, dass zwischen den arabischen Fuhrern und dem arabi- . sehen Volk wirklich eine völlige Einhelligkeit herrsche. Der einzig arabische Fuhrer, bei dem dies halte anerkannt werden müssen, sei der verstorbene König Feisal, der gute Freund Weizmanns gewesen. Der sei über die judischen Absichten und Plane in Palästina genau informiert gewesen und habe ben deshalb das bekannte arabisch-jüdische Freundschaftsabkommen geschlossen, dessen moralischer Wert bis heute noch n\cht gemindert worden sei. Es sei möglich, fuhr Weizmann fort, dass die Juden in das Land kamen ■wie Menschen, die nur ihrer eigenen Arbeit leben und nichts'tun, um sich die Freundschaft der Araber zu verschaffen. Demgegenüber sei festzustellen, dass ihre Hand auch jetzt „noch nach Freundschaft mit den Arabern ausgestreckt sei, dass aber leider ihre Appelle kein Antwort fanden. Für die Araber habe der Krieg mit einem so günstigen Ergebnis geendet, wie. für kein anderes Volk. Sie verfugen heute über fünf Staaten. Die Juden seien in das kleine Land Palastina gekommen in dem besten Willen, die alte Tradition arabisch-judischer Zusammenarbeit, aus der einst die Kultur des alten Spaniens .hervorgegangen sei, fortzusetzen. Auch heute wollen sie noch an der Hoffnung festhalten, dass diese alte Tradition zu erneuern sei. Zur Frage der Einwanderung betonte Weizmann.- dass die Juden das von der englischen Regierung aufgestellte Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes billigten. Dieses Prinzip aber müsse gerecht angewendet werden. Es sei zu fordern, dass ein Jude in das Land kommen ^konne, wie ein Belgier oder wie ein Englander, der in seiner früher besetzte Heimat zurückkehre. Eine besonders wichtige Erklärung gab Dr. Weizmann sodann in bezug auf die Geltung der \BaLfour-Dek 1 a r a t i o n auch für Transjordanien ab. Vom Erlass der Balfour-Deklaration im Jahre 1917 bis zur Veröffentlichung des Churchill-Weissbucbes im Jahre 1922, also ganze fünf Jahre hindurch, sei Transjordanien in die Balfour-Deklaration einbezogen gewesen. Daraus gehe hervor, dass das ganze Land — Cisjordanien und Transjordamen — den Juden als das Land zugesichert worden sei. das für eine kompakte judische Kolonisation, für den Aufbau de* jüdischen Nationalheims in Frage käme. Sir Herbert Samuel, der zurzeit der Abfassung des t liurrhill- Weissbuches amtierende High (Yimtnissionen von Palästina allem wisse, warum .'Lransjordanien in dieser Interpretation des Mandats von Palästina abgetrennt worden sei. Weizmann "schloss diesen leil seiner Erklärungen mit der Forderung, dass die Königliche Kommission die vorhandenen Möglichkeiten für die Weiterentwicklung lransjordaniens erwägen solle. „ Es ist bemerkenswert, dass Weizmann im Zusammenhang mit diesen sehr weitgehenden Erklärungen auch ei« früher von ihm gesprochenes Wort wieder aufnahm, das m der Palästina - Politk eine nicht unbedenkliche Rolle gespielt hat. Als er die Bedeutung der Balfour-Deklaration, m der das jüdische Volk eine Magna Charta sehe, erörterte, und dabei auch auf die ursprungliche Gegnerschaft weiter jüdischer Kreise gegen den Erlass der Deklaration zu sprechen kam, wiederholte er. dass er seinerzeit dem amerikanischen Staatssekretär Lansing auf die Frage, was der llllllinillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Schulkindern herbeizuführen. Mr.^Bowman antwortete, das«- in dieser Beziehung'von der Regierung nichts unternommen ■ werde, einerseits wegen des Widerstandes der nichtjuJischen Kl- - fern, andererseits mit Rücksicht auf den Rehgionsunterschied. Ks kam - ferner zur Sprache, dass der l nterschied ■ zwischen dem jüdischen und dem arabischen Bildungsniveau sich .in der Tatsache ablesen lasse,dass die jüdischen Kiuder die Schule zu-vollen hundert Prozent besuchen, wahrend nur .28 Prozent der-arabischen Kinder - -zur Schule .geheii. In der wiederum nichtuffenilicben Sitzung der Kommission vom 28. November gaben die bereits vernommenen Herren: Morris» Benett, der Vizedirektor des landwirtschaftlichen Departements, und 1) o u g 1 a s A n d r e w s der Leiter des Bewasserungs-Departenients, weitere Erklärungen ab. Am '.W. November,-vormittags, begann in öffentlicher Sitzung der Leiter dos politischen Departements der hxekntive der Jewish Agencv M ose h e e r t o k seine Darlegungen über die Zusammenarbeit, zwischen Jewish Agencv und Talastma-Uegierung. Nachdem er die \ organge anlassliehder jedesmaligen Festsetzung der Emwaudeningsschedule kritisiert hatte, kam er auf die Frage der illegalen Einwanderung zu -sprechen. Kr betonte, dass alle illegalen jüdischen Einwanderer in der Lage seien, sich seilet zu erhallen, dass sie aber lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Dreimal Menora Die Pflanze Salvia, mit deren Formen der siebenarnuge Leuchter auffallende Aehiilichkoit zeigt. Die Aufnahme stammt aus der Botanischen Abteilung der Universität Jerusalem, wo sich diese Pflanze im konservierten Zustand befindet. Der Leuehler auf dem Holzschnitt aus dem Minhagim um 1623 zeigt die genaue Nachbildung der pflanzlichen Urfor$n. Aussen: Menora Am Park von Haifa.. / r„< /-oi er-, >...,/ „'„„„..vir.t* c^t / t i C r»/* *'"rj)?U5 Fot. (2) Rtrhert SonnrnfeM. Fnt. (1) 'irrte Ka IIfIllfftfII IIfIll^lFtflriIflillfillIIIII1IIII1MI IIII EltfIf1f1 IIIIIItIi IM1L1IIll^fIlltllffUI IIIIIMtIM IUII IT[11111M fIIt 11111111f11If 0* j'üdische Nationalismus und die jüdische Forderung auf Palästina zu bedeuten haben, erwidert . habe: Palästina soll so jüdisch sein, w i e E n g 1 a n d e n g 11 sc h. Das bedeute nicht, fuhr Weizmann fort, dass die Rechte der in Palästina lebenden Nichtjuden in irgendwelcher Beziehung geschadigt oder geschmälert werden. Das sei auch bisher in keiner Weise der Fall gewesen. Wenn auch zugegeben werden solle, das» der Nutzen, den die judische Einwanderung in Palastina den Arabern gebracht habe, indirekt herbeigeführt worden sei, 60 sei er doch eben herbeigeführt worden. Das einstmals wüste Land sei mit den Pfennigen, dem Blut und dein Schweiss der ärmsten Jaden wieder aufgebaut worden. Damit sei dein Land viel Gutes zugeführt worden, und zwar Gutes nicht nur für die Juden. ' - Im weiteren Verlaufe seiner Darlegungen vor der Kgl. Kommission verlangte Dr. Weizmann eine dynamische und aufbauende Politik der Regierung, die das Mandat dahin interpretieren solle, dass der judische Aufbau erleichert werde. Er lehnte den Plan der Einführung eines Legislative Council für den gegenwartigen Augenblick ab. Er schloss mit der Hoffnung, dass die Kgl. Kommission eine gerechte Losung der Probleme finden werde. -Das sehr entschiedene Auftreten Weizmanns und seine weitgehenden Forderungen, die in einigen Punkten sogar über die bisher von ihm vertretene politische Linie-hinausgehen, haben verstandlicherweise in der hebräischen Presse Palästinas begeisterte Zustimmung gefunden. Nachdem für den 26. November die Vernehmung von Vertretern der Agudas-Jisroel, nämlich des Oberrabbiners Duschijisky, Rabbi Blau und Dr. Isaac Breuer angesetzt war, fand am 27. November wieder eine öffentliche Sitzung statt. In ihr gaben der Leiter der Regierungsabteilung für Land- und Forstwirtschaft, Morley T. Dawe und der Leiter der Abteilung für Erziehungswesen Humphrev E. Bowman Auskünfte aus ihren Fachgebieten ab. Bei der Vernehmung des letztgenannten wurde u. a. gefragt, was die Palaslina-Regierung tue, um eine Annäherung zwischen jüdischen und arabischen dauernd in der Gefahr schwebten, des Landes verwiesen zu werden. Lord Peel fragte darauf, ob sich Shertok. als Vertreter der im Mandat anerkannten 'Körperschaft tur den Palästina-Aufbau, mit der illegalen jüdischen Einwanderung identifiziere. Nach einigen ausweichenden Antworten wurde die klare Frage, ob die .1 e w l 3 h A.g e n c v eine Politik der l Ny legalen Einwanderung g u t h e l « » e, von Shertok bejaht, Kurze Zeif wurden in Jerusaleiuei sephardisch Ziel verfehlten eh dem -[JehPrrn.il; irier der 'jüdische uif Hamburger i Gasten" der Altstadt .Schüsse ■ auf zwei alte .luden abgegeben, die jedoch ihr Die Polizei hat im Zusammeniint Die Parität Inzwischen' ist das politische -Prinzip,-, das von ■ jüdischer Seite der Königlichen Kommission gegenüber vertreten werden soll, als das der politischen Parität zwischen Arabern und Juden in Palästina festgelegt worden. Es-wurde in einer Sitzung der Exekutive einstimmig angenommen, und in der darauf folgenden Tagung des Kleinen Aktionskonntes mit 15 : 1 Stimme, her vier Stimmenthaltungen gebilligt. Die Stimmenthaltungen-stammen aus den Reihen der Allgemeinen Zionisten und des Misrachi, die Gegenstimme wurde von Meir (Jrossman, dem Vertreter der Judenstaatspaftei, abgegeben. Die Einigung ist unter dein starken Eindruck der persönlichen Anwesenheit von Weizmann zustande gekommen. hang mit diesem aufgenommen. Am -gleichen 'I ag Bande, die. «ich in den verborgen gehalten halt Gefängnis in Nur-el-Srl doit f, Mg. h 11tf ne Ii im Bande -he*-, auf In ftigi i und iniisste schliesslich. Gleichzeitig wurde Migdal Zedek von eii Angriff auf Polizei dm dauerte uber eine hall wurden vertrieben. Die LI e be rf a 11 Nach f o rsc h u n g e n ua bische Bergen hei I ulkerein , einen Angriff auf das . [•infrh in der Al>sicht, •i.slen zu befreien. Die. Widerstand der Polizei den Angriff -abbrechen, zwischen Lvddn und 'T /.weil.mi Bande ein ■hgefubrt. Der Kampf * Stunde. Die Araber ■rfolgmigsaklion steht Terrorakte Nachdem schon im Laufe der vorigen Woche aus Jaffa eineverstärkte Tätigkeit .arabischer Extremisten gemeldet wurde, die wiederum in eine über das ganze Land verbreitete aulijudische Agitation eintraten, kam es.am 20. November nach langer Zeit wieder zu regulären Gewalttaten. In der Altstadt von Jerusalem wurde der 40jährige Milchhandler Josef Hamburger von einem arabischen Angreifer angeschossen. Er wurde in schwerverletztem Zustand in .das Hadassa-Krankeubaus gebracht. unter der. Leitung des jüdischen polizeiolln Schifr. Auch am HO. November nahm der Araberlerror tsVim-u hirtgang und 'forderte wiederum ein indisches Opfer: In Haifa gaben Araber auf den aus. Polen eingewanderten («Ojahngen Beer Bernhard Schusse ab und-verletzten, ihn schwer. Die Angreifer sind unerkannt entkommen. Bei 'I ulkerem sind zehn Autos, die mit .luden und Arabern besetzt waren, von einer bewaffneten Araberbande aufgehalten worden. Die Passagiere wurden ausgeraubt. Verletzt wurde niemand. Bei Ramalla ist ein Mililiirlaslwagen von einer bewaffneten Bande, angehalten worden. Die Polizisten wurden ini.sshandelt und ihrer Gewehre beraubt. Im. Zusammenhang mit dnwr Zuspitzung der Situation i*t _\\ohl die Nachricht zu verstehen, d.*., die , Nj'iMhr liej,, i ufi_r dem früheren Khediveii . von Aegypten. Abha-. ' Hilmi l\wha, dn I im. i-.. jiKh Pal .-Im» in t Hut ksicht auf. die Lage im Lande nicht gestattet hat. Der kürzlich ernannte -Oberste Richter Palästina.«; H. Ii. Trusterl; wird am 1. Dezember «ein Amt antreten. — U.er neue (jfneralstaatsanwalt Palästina«.-W.. .1. Kitzgerald, wird in den ersten lagen de« Januar in Palästina eintreffen.