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Kinderblatt · 1936-12-03 · 10 (3.12.1936) · page 1

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Journal
Kinderblatt
Volume
1936
Issue
10 (3.12.1936)
Date
1936-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr, IO Beilage der C-V.-Zeitung 3. Dezember 1936 mU- \ <r 'l- ÖJXÜ.3U Dezember! Draußen dämmert es: im Wohnzimmer rscht Tnickelheit bis auf einen Lichtschein, der, von der _Nrtze hereinsallend, die Nische erleuchtet, in der das Bücherretzttk steht. Der grüne Vorhang, der die Bücher vor ^taub fchützeir soll, ist zurückgezogen. Im mitersten Fach blinkt etwas-anf. Eine kleine Menora steht dort zwischen zivei alten Messingleuchtern. Vielleicht ist sie noch älter als jene. UrgroßelternS Ehanukkatage hat 'sie dereinst erhellt« den Großeltern hat sie grZenchtet, jetzt steht sie hier im Hans der Enkel hinter dem grillen Vorhang. Und mft Lore, die kleine Urenkelin, jrent sich mit.ihr und dichtet ihr wnildersame Geschichten an. Aber daS ist gar nicht nötig, denn die kleine Menora hat eine eigene, stolze^Geschichte. Bei den Urgroßeltern hat sie oben ans der Vitrine zwischen den beiden Leuchtern gestanden, zwischen denen sie° heute noch steht. Damals war sie aber nicht verborgen hinter einem Vorhang, nein, den besten Platz im Zimmer hatte sie. Alles rt»i konnte sie übersehen und miterlebeu, wäS sich da Zlltrng. Menu Urgroßvater am Vtontagmorgen zil frühester Stunde anfbrach, nin seinem kleinen Handel über Land liachzngehen und von Urgroßmutter und den Kindern herzlich Abschied nahm, wurde der' kleinen Menora jedesmal Iranrig uius Herz. Aber dann war es auch schön, Urgroßmutter znzusehen. Wie sie fleißig schaltete und schasste. Fünf Kinder wollten besorgt sein, in Küche nnd Keller, überall war Urgroßmutter, und ihre emsigen Hände ruhten nie. Am Freitaguungen kam die alte Törte.und half., Tenn da gab'S Arbeit in Hülle und Fülle, Kochen, Backen, mit» wenn int Winter Prinzessin Sabbat scholr am frühen Nachnüttag ihren Einzug hielt, wurde nicht einen Augenblick gesäumt. ' Am Freitaginittag kam Urgroßvater heim, hatte gerade noch Zeit, sich für den Sabbat zu rüsten, ünd wenn er daniN^ von „Schul" nach Hanse Dam: war daS kleine Wohnzimmer erfüllt vom Frieden und der Weihe des Sabbats. Von Woche 1 zu Woche freute sich die Menora ans den Augenblick, wenn Urgroßvater Kiddusch machte. Tie beiden alten Messt ngleuchter erstrahlten ans dem Tisch, die Kinder traten an und wurden der Neihe nach gesegnet. Nach dem Essen er-' klang anS aller Munde ein „Sclsir Hamälans" und an den Winterabenden fromme, alte Weisen. Tas war der Freitagabend bei den. Urgroßeltern. Im Tezember kam dann die große Zeit für die kleine.Menora heran. Acht Tage lang sammelten sich Eltern und Kinder um den kleinen Leuchter. Urgroßvater zündete: „Bornch ato", stimmte daS „hlvaus Zlir" an, Urgroßmutter und die Kinder sangen freudig mit, Tann wurde gespielt, getrendelt, Freunde aris der Gemeinde kamen. Freude erfüllte daS kleine Zimmer allabeudl/ch. Und allabendlich erklang's: „Bornch ato". Als die Urgroßeltern draußen auf dem stillen-Friedhof nach einem arbeitsreichen Leben ruhten, nahm Großmutter, das älteste der Kinder, die kleine Meuora mit in ihr Hein». Großmutter hatte sich den frommen Sinn des Elternhauses gewahrt, und Großvater zündete die kleine Meuora all- . jährlich, allabendlich, acht Tage lang, wie einst Urgroßvater: „Bornch ato". Und die Kinder sangenZrendig mit wie einst die Eltern: „Mvaus Zur". Es gab keine großen Geschenk-

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