Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 47 (19.11.1936)
- Date
- 1936-11-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 * 1. Beiblatt 19, November 1936 Palästina-Kundgebungen in Berlin Änr Sonnabe-nd, dem 14. November, . veranstaltete der Keren Hajcssod im Berliner Sogen- Haus Kleiststraße eine Kundgebung „Für Einwanderung. Sicherheit und Aufbau". Nach Bor-, trag der;.Sainsvn"-Luvertüre durch das Kulv.t urbu.iv d - D\r rf)-e ft c r 'hielt Rabbiner . Dr. "Baeck die Begrüßungsansprache, in der er dem Wunsche Ausdruck gab. daß bei' der Tätigkeit-, der- Königlichen Kommission/ Tapferkeit und . Weisheit das Leitmotiv bilden mögen. Rabbiner Tr. Grnncwald (Mannheim) wies, aus- 'gchend von der ernsten Sage der Juden in der Welt auf die einzigartige'geschichtliche und gegenwärtige Bedeutung Paläsrinas für die Linderung, jüdischer Rot hin. Besonders eindrucksvoll waren ' die Worte von Mrs. Rebecca 3 i eff. (London),, mit denen sie. das jüdische Wanderungsproblem der Gegenwart in den großen Zusammenhang des weltpolitischen Geschehens unserer Zeit hinentstellte, das durch Mangel an Selieusraum für die europäischen Massen. gekennzeichnet ist. Es sei v.on symbolischem und konkretem Werte zugleich. daß in dieser Zeit der allgemeinen Einwanderungssperre Palästina geradezu einen Hunger nach neuen Menschen habe, und in den letzten Jahren mehr ^Juden aus Deutschland aufnchincn. können, als irgendein anderes Sand. Mit Schlußworten von Leo Baeck fand die eindrucksvvlle Kundgebung ihr Ende. Die zu Ehren der Anwesenheit von Mrs. Rebecca -Sicss, London, arrangierten Beranstaltungcn fanden ihre Fortsetzung in einer Palästina-Konferenz, die von der , Jewish Agency, dem Keren Hajcssod und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland .für Sonntag, den 15. November, einbernfen war. Sie stand unter der Parole des neuen Palästina- Fonds „Miial Bizzkkron n' Bitachon",. der dazu bestimmt ist, in kurzer Zeit die Summe von 300 OOd Pfund für die Sicherheit und den Weiter- . aufbau des Palästinawerks aufznbringen. In. einleitenden Worten erläuterte' Leo Baeck den Sinn der neuen Sammelaktion, die im Zeichen der Rückkehr und der durch die letzten Prüfungen in uns verstärkten Gewißheit zu stehen habe. Er verlas in diesem Zusammenhang einen Gruß Chajim Weizmanns an die Tagung, der folgenden Wortlaut hat: > „Siebe Freunde? . , . ' .Di.e Mitteilung von Ihrer.Tagung erreicht - mich aus der Reise nach Erez Israel. . Was ich im allgemeinen zur jüdischen Oefsentlichkeit sagen kann und sagen soll, habe ich in diesen Tagen zu Schweizer Juden gesprochen, die sich im Zeichen des „Ncisal Bizzaron" zusammengesunden haben. Was ich im Namen der Zionistischen Organisation, der Jewish Agency, des jüdischen Volkes-zur nichtjüdischen Welt — an die Adresse der Mandatarmacht und der Araber — zu sagen habe, werde ich vor der Königlichen Untersuchungskommissivn aus- . sprechen. '? Aber Ihnen, den Juden in Deutschlayd, kann und soll ich vielleicht ein besonderes Wort sagen, nicht um Sie zu stärken und zu ermutigen, nicht' um zu beruhigen oder zu mahnen./ Sie alle sind von dem unüberhörbaren -Ruf der Geschichte zu BewußtseinnnD Wachsein, zum .Hören und zum Tun geweckt worden. Wenn ich zu den- Juden in Deutsch-- . land. sprcclie. will ich nur einesjagen: Wenn' - , Ihr verlangt, daß dys 'jüdische Volk Eurer - gehenkt in Eure»-.schweren Stunden,.gedenket des jüdisclien Volkes,, wenn es sich .zu bewahren hat. Durch die Oiiantität.und durch die Onati- - .■ Hit seiner Leistung'vermag der Jude in. Deutsch- - land die Wagschale zu senken: m dem indisches. Geschick gewogen wird. Ich gehe auch in -Ihrem Namen an eine schwere Ausgabe. Helft mir. sie zu erfüllen: es ist auch Euer Schicksal. Eure Zukunft, um die wir kampsen, für die wir arbeiten, und eintreten. . - Ich grüße alle Juden, die in Jhrpr Tagung vertreten sind. gez. Eh. Weizmann." Robert W e l t s ch stellte darailf die „Probleme der Palästina-Politik" in einem ilmsassend.en große Zusammenhänge überschauenden und von unabhängigem Geiste getragenen Referat dar. Er umriß zunächst Bedeutung 'und Ausgabe der nach Palästina entsandten Königlichen Kommission und kennzeichnete ihre En/ti'endnng als einen Sonderfall innerhalb einer viel geübten Praris der britischen Regierung. Die Kommission nehme ihre Arbeiten angesichts einer völlig veränderten Weltkonstellativn aus, .in deren Zeichen besonders die Mittelmeerländer entscheidenden: Veränderungen entgegengingen. ° Die relative Stabilität der Nachkriegszeit sei sowohl im Politischen wie im Geistigen erschüttert, und -auch Palästina sei ein bedrohter Punkt in diesem wankenden Nachkriegsgebäude./ Inmitten einer ivtckten geschichtlichen Situation reichen juristische Ausdeutungen bestehender, noch io ivichtiger und dem' jüdisck>en Anspruch, gemäß unerschütterlicher politischer Dokumente, wie sie die Balfour-Deklarativn und das Mandat darstellen, nicht ans. Ausschlaggebend seien vielmehr bei der nun herbeizusühren- Den Wendung der.Dinge die tatsächlich wirkenden ,-ichPd miteinander ringenden Kräfte. In diesem ' Krästeipiel sei der arabische Nationalismus als besonders wesentlich anzusetzen. Diese die Durchführung, des Palästinamandats bedrohende Macht fei teilweise durch England' im Vollzüge feiner liberalistischen. auf Mündigmachung der von ihm beherrschten Völker gerichteten Politik selbst erzeugt worden. Diese Politik entspreche aber so sehr einem.nahezuAinabänderliclM und nicht mehr reflektierten politischen Dogma Englands, daß auch in diesem Augenblick, in dem von seiten der' Einigung der arabisckien LÜelt, von seiten Italiens und Sowjet-Rußlands ganz neuartige Gefahrenguellen ausbrächen, ein Herumwersen des Kurses kaum erwartet werden könne. Immer noch stände Englkftch in gleick)er Weise wie je zu der Ueberzeugung, daß unter allen Umständen ein Ausgleich mit den Arabern herbeigeführt werden müsse. In dieser Hinsicht stelle die Linie der Weizmann-Politik, die Formel, des binationalen Staates, mit der die kürzlich gebrauchte der ..'politisck)en Parität" etwa/ identisch sei, ein Faktum von chohem Werte dar: denn die öffentliclie Meinung Englands. die eine wichtige politische Macht bilde, unterstütze die jübifdje Forderung bis zum Maxiniiim dieser Formel, nicht aber darüber hinaus. Nachdem der Versuch, .in der Errichtung eines palästinensischen Parlaments ein- Symbol der liberalistischen politischen Grundsätze Englands zu schassen. gescheitert war. haben die Araber, die übrigens diesen Versuch als ein zu weitgehendes Zugeständnis an die jüdischen Interessen auch ihrerseits bekämpft hatten, sich gezwungen gesehen, die Aufmerksamkeit der Welt ,,i neuartiger Weise aus sich zu ziehbn: das sei der ueiere Sinn ihrer Ausstandsbeivegung: Der Ziveck sei. so sehr /auch der arabische Terror in. der ganzen Vielt abgc- . lehnt wurde, -letztlich tatsächlich erreicht, worden. Die- Kommission solle nun. bas Fazit derbishekigen Patästnia-Potitik ziel,en. lind. wie man. . hofse, einen Dauernden Frieden herl>eisi>hre>i. Schon seien mehrere Vorschläge snr die Art, in der dieser Friede manifestiert, werden solle, ge- : äußert worden. Aber noch tonne niemand...sagenimeDie Entscheidung ansiallen iverde. Die Juden haben .jedenfalls.die Verpflichtung. in die Anseinandersetuing der realen Machte als ihre Macht den unerschütterlichen 'Witten zu Palästina einzubringen und darüber hinaus ans den- Drang der Judenheit fast alter Länder nach diesem Land hinzniveisen. Palästina, sei heilte kein Zusallswunsch mehr, sondern ein Lebensgesctz. . Mrs. Siefs stellte durch .-einen Rückblick -aus die Entwicklung des Palästina-Gedankens die Parole des „Misal Bizzaron" in einen historischen . und geistigen Rahmen und unterstrich die Ver- . pslichtung Zinn Geben und zum Tun. Die Aussprache brachte' starke und einmütige Bekenntnisse von Rabbiner Tr. Hofs mann, Frauksurt a. Main.'Dr. Fritz B r v d n i tz . Berlin. Rabbiner Dr.Ha h n. Essen, sowie Botschaften und Treiielnndgebnngeil von Tr. Otto Hirsch für die Reichsvertretling der. Inden i» Deiltschländ. ^Kainmergerichtsrät. Wolfs für Den Preußischen Landesverband jüdischer Geineinden sowie von Vertretern. der .süddeutschen Arbeitsgemein. . schäften jüdischer Gemeinden, des sächsischen Landesverbandes und der Groß-Gemeinden 7?rni,ffi,Tt am Ntäin. Hamburg/ Leipzig und Brestaii. An ihre Seite stellte sich in der -Abendkiliidgebling die vorher ans technischen Gründen »nterbtiebene Ansprache Adolf Schoners für die Berliner Gemeinde. . Nach . einer Ansprache von Dr. F-riedenthal für-die ZVsD schloß Lev Baeck. die Versainintiiiig. Es ivürde eine Resolution . angenommen, die iin ^veienttichen eine Bcstätigiiiig derjenige» Entschließung enthielt, die Präsidialaussckiiiß und Rät der Reichsvertretung .in .Deutschland cuü ihrer Sitzung in' Frankfurt am Main am 2. November gefaßt hatten, - und' die. wie an. dieser Stelle bereits berichtet ivurde, ein Bekeiiutliis zum Palästilia-Ausbau lmd zur „Alisal Bizzaron n' Bitachon" -enthält, b/. Als Abschluß der Palästina-Konserenz fand ein Teeabend Im Brüdervereinsha»ls statt. Der sest- . lich geschmückte-Saal war wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Kiltturbundvrchester unter Leitnng von Dr. Kurt Singer leit'te die Beransta(tiluginit Joel Engels „Lied a»is Dnbuk" ein. Dann ervifnete Dr. Leo Baeck den Abend mit einer Ansprache, - kn der er auf die bewundernsiverte Disziplin,.Haltung und Festigkeit hinwies, die die Juden in Palästina während , der - Terrormonate t>cwieseii haben. Es gebe keine ^größere Aktivität, als dort durch ldicse.Haltung gezeigt wurde. Sie ruft die iüSifdjci, Menschen in der ganzen Welt und', nicht ziiletzt in Deiilschland ' aus, ihrerseits aktiv zu sein , durch, ueiie größere Opfer. Auch die nächsten Redner, Rabbiner Tr. H o s s m a n n , Frankfurt a. M., Airs. Re- Magister Kirsch d«r gut« Likör, Magister MUnchenVIl becca S i e s f„ London, und Dr. Mar Grüneiv a 1 d . .Mannheim,:, gingen von. dieser vorbild» tkchen Hattnng des - Jiichnw - aus und hetonten eindringtich. daß es. nicht.»»r gelte, die Po'ition Zu hatten, wildern die Tore niustlen lnr »'eitere ,Zi»oand.eruug oücii^ bleibe».- Dr....- Friedrich - B r v d n i tz bekannle sich - als ...nicht zioniiiisches NlitgtiedDer Agcncu zu Pa-lailina unw vernarlte'.. den Appell der Vorredner. Dr.-Hans F r i e de ii-. t h a £ gab. wichtiges Zahtennialerial über die ti-tzlen Vtonate der Einivander>ii>g, die trotz des - Terrors lortgeichritteu sei., und des Anibans. der zu großen..' wirtichailtichen Enllvicklungeu fulire. Ni.it einer teuiperaiiieiilvotleli Wiedergabe des .vierteil ..Satzesder Schottisct,eu Siiiivine von Meudc'!s,ivhn.Bartl,vld» durel, das Kiütiirbuiidvlcheüer unter''Tr. Kurt Singer schloß der. Abend. * Aus clor C>V."KeuH>tjunfj Hessen-Nassau und Hessen .. ’ Am l >. Nä'vember sprach Dr. Hans Reick,- M a li ii. Verlin. in der Smiagoge K a s e l in einer von der Ortsgruppe des Eenlral lilereins einbernieiien -Kundgebung -über das Thema. „.Jüdisches Schicksal -. jüdische Ausgaben". Dr. Reichniann. gab einen tteberbtu-H über jüdische Leistungender Vergangenlieit. und de» Inhaltjüdischen Gestaltungsivillen-s ön° iüegenw>irt. Der Landesverbänd Hessen R'assan und Hessen des E. .V. hatte, die L a » d g e m e i n d e n des Ureiies. Kassel am l'>. 'Nvveinber zu einer Besprechiilig -nach . K a i j e 1 get'eleu Dr. Hans . R e dct, in a n n . Verlin.und Dr. Vävlsgang S. Ni >ntz d o r s s Frankinrt a. Ni., bericlitelen iiber . die Arbeit des Eentralvereins. . Es fand.ein reger Gedankenanstäiisch der Referenten mit den F.rennden ans.den Landgenieinden statt. . J»i Raluiien der von der Ortsgruppe Fr a n kf n r t a . Ni. des Eentralvereins veranstalteten Vortragsreihe unter dein Motto ..JüdJiche Lebeiisgestaltniig" . sprach Rabbiner-- Dr. Salli. Levi, ,Mainz, am November über das. Tlieina ,'i.hnn Sinn jiidisrher Geichiclite'. Rach einem Ueberblick über die verjchiedeneu Möglich keilen. Ge'chichte z» betrachten, gab er einen O.uerschnitt durch die /jüdische- Geschichte »ud schälte hierbei drei entscheidende.Gedanken heran?, ivelche die jüdische Geschichte charakterisieren: Den Glailben'an die Persönlichkeit, den Glauben an die. Zeit »nd den Glauben an die Ewigkeit.. An Beispielen belegte er diese drei Wesensetemente der.jüdischen Geschichte und.-wies' darailf hin, daß der Glaube an ewige Werte eiiier. mehr als viertaiisendstihrigen Geschichte auch den jüdischen N.enscheu unserer Tage-eine Haltung zu geben geeignet iei. welckn> das. jüdische Leben dieser Tage sinnvoll erscheinen lasse. ' . De« ausgezeichnet svrmnlierte Vortrag hinter- Türkisch 8 Entwicklung im jüdischen Amsterdam Von unserem Amsterdamer H-Mitarbeiter Das „jüdische Amsterdam" ist von jeher eine ' Fundgrube für jüdische Betrachtungen jeglicher Art gewesen.' Das bunte Leben des säst vrientaljschen Judenmarktes, die .einzigartige. portu» giesischo Synagoge, der überall bemerkbare jüdische Einfluß, all das' sind Erscheinungen, die dieser Stadt eine solche Sonderstellung in der Reihe der wcftenropäisck)cn Städte gegeben haben und noch täglich geben. Nicht minder interessant ist die. rein bevölkerungspölitische Betrachtung des Amsterdamer Judentums, das — und darin liegt schon der erste interessante Punkt — mehr als die Hälfte aller'holländischen Inden in sich vereinigt.. Bon den insgesamt 111000 hplländischen Inden leben in Amsterdam 65 523, b. h. 58,55 Prozent. Die Konzentrierung der holländischen Juden.ist in ständigem Steigen (seit Beginn des Jahrhunderts um 'neun Prozent). Dabei^ entspricht diese letzte Ziffer heute nicht mehr einwandfrei. den. Tatsachen, da seit ihrer. Vervsfentlichung - (1930> der Zuzug zugenommen hat und außerdem die Einwanderung der-in.den letzten Jahren hergezogenen Juden aus Deutschland statistisch noch nicht ersaßt ist. Wie sehr das jüdische Element der holländischen Hauptstadt den üblichen Grad dieser Erscheinuiig in anderen westeuropäischen. Großstädten übersteigt, sieht.mgn am besten dar- . aus. daß der jüdische—Bevölkerungsanteil 4n Amsterdam nach der letzten Volkszählung 8,65 Prozent/ heute sicher 10. Prozent beträgt, wogegen diese-Vergleichszisser in London 3.8 Prozent, in Paris -1.65 und in Berlin 3.8 Prozent ist. Ein jüdischer Bevölkerun.gssektor von 10 Pro- ‘ zent macht sich bemerkbar. Dies um so mehr, als sich die Amsterdamer Juden von jeher ans ganz bestimmte Wohngegenden konzentriert - Hatzen. Bis'' etwa 1870 wohnten fast sämtliche Juden in dem weltberühmten Judeüviertel, dessen 'jüdisch-orientalisches Leben noch heute zu den größten Sehenswürdigkeiten gehört. Die Abwanderung aus dem Judenviertel, das keineswegs nur arme Juden beherbergt, in dessen Straßen und Randbezirken früher auch der größte Teil des reichen Judentnms wohnte, ist seit Beginn des Jahrhunderts in vollem Gange und in denletzten Jahren in -ständigem Zunehmen. Tie Stadt Amsterdam hat seit dem Kriege ganz außerordentlich an Ausdehnung gewvnnen. und es scheint heute, noch so, als ob' das Bauliche in den .Außenbezirken der Stadt (im Zuid und Lost) keine Grenzen kennt. Die Abwanderung ans dem im -altertümlichen Zentrum der Stadt gelegenen Judenviertel, ist nun nicht nur in der Form des „Zug nach dem Westen" erfolgt, d. h.- das .Wegziehen aus dem Judenviertel war nicht immer identisch mit finanziellem Aufstieg und-einem damit verbundenen Streben nach besseren Wohnmoglichkeiten. In Amsterdam ist auch ein' sehr starker Zug in die östlichen Stadt? teile zu verzeichnen, wo sich ein modernes, aber esnsächeres. jüdisches Wohnzentrum gebildet^ hat. In -tzem eigentlichen Judenviertel wohnen heutzutage nur iioch etwa 25 Prozent der.Amsterdamer jüdischen Bevölkerung, dennoch ist und bleibt dieser Stadtteil das Judenviertel. Der' Unterschied zwrschen diesem und den anderen jüdischen Wohn- Zentren ist der typisch jüdische Einschlag, der dieser Gegend einen ganz besonderen Charakter gibt und sie zu einer Ouelle reizvoller Sehenswürdigkeiten für jeden fremden Besucher -macht. Tie .-jüdijche Kultusgemeinde hat dieser Entwicklung Rechnung getragen. Neben den großen Synagogen und den vielen Betstuben im Judenviertel wurden vor einigen Jahren eine Synagoge im Zuid und eine im Lost von Amsterdam erbaut. Und um Der weiteren Ausbreitung des Zuid ebtznsatls gerecht zu werden, wird im Augenblick noch eine Synagoge der äußere Beschauer vielfach den Eindruck hat, als 'ob sich hier noch alles in den sestgesngtcn. Bahnen früherer Zeiten befindet. Im Vergleich zu den jüdisckien Verhättnissen in Tentsct,ta»c> erscheinen -'zwar manche. Zis.sern sehr geringfügig: man muß dabci 'aber berücksichtigen, daß iniotge der ganz anderen historischen Entwicklung des i holländischen Judentums völlig andere Voraussetzilngen vorhanden sind. Teshätb sind Erscheinungeii, die im Iudeiitiim innerhalb der Vi,I. scheu Grenzen schon' iei.t' Generätiune,i an der Tagesordnung sind, hier erst in neuerer Zeit bemerkbar, darum aber nochnicht weniger ivickstig oder von geringerer Bedelituiig. hat eine durck)aiis starke Assimilation des hvllänbisck>en Iudentunis. (eine. Enianzipation etwa im Sinne des dentschen Iiidentnnis gab es nicht, stattgeinuden, fast niemals ist aber die Tanie vvrgekomme'n. und auch die' Zahl der- Austritte aus der Retigionsgemeinde ist verglcichsiveise als gering zu bezeichnen. Immerhin waren es 1020 be. reitS 445 Personen, eine Zahl, die sich 'seitdem'. , sicher erheblich vermehrt hat lin den letzten Volk?. zählnngen ist die Ziffer der Inden, die sich nicht zur. Retigionsgemeinde rechneten, nicht mehr angegeben). Man sieht hieran?, daß dieses.Hobel, nur verspätet begonnen hat. keineswegs aber . völlig aiisgebtiebe.n ist. Dies geht auch schon ans dem Rückgäng der Beschneidüngen hervor/ So ' wurden im Jahre . 1032 ..'von ..jüdischen Ntüttern geboren 407 Knaben und 15 nicht beschnitten:. 3,69 v. H.. 1933 von jüdischen Niüttern geboren' ^482 Knaben „nd 30 lischt beschnitten: 7,49 v. H.. 1934 von jüdi'chen Müttern geboren 403 Knaben und 39 nicht beschnitten: 9.08 v. H. Tic Ursachen dieser letzten Erscheipung liegen in der Hauptsache in der ständig steigenden Zahl der Nlischehen, wie man aus folgender Statistik erkennt. Es gingen eine Mischehe ein: . für Amsterdam betrug deninach 10,86 v. H., eine -Ziffer, die in einer Reihe anderer holländischer Städte stark übertroffen . wird. Tie Bedentiing dieser Zisser ersieht man aber auch für Amsterdain daraus. daß auf je 1 0 00 teilt jüdische E heu Mischehen "äüch in diesem'ganz neu erstalldenen unb-ebe»ftrlls—- viel von Inden bewohnten Stadtteil erbaut. Tie typischen Zersallserscheinungen des westeuropäischen Judentums (Austritt. Taute, Mischehe, Geburtenrückgang) sind auch dem Amsterdamer Juyenjvm nicht erspart geblieben,' obwohl von hundert von hundrrt jüd. Männern jüd. Frauen 1911—191?: -HjiH b/ frT , «M-V. p. 1916—192«: 12.68 „ ,; 7,69 „ „ 1921—1925: 12.68 „ 9.58 „ .. 1926—194«: 15.72 _ 12,54 „ „ 1931—1934: 19,94 „ „ 13,56 „ „ Tie Gesamtdurchschnittszisser der Mischehen. im Jahre 19»! —1903 19I16--19I« . tun nur, : .t. . . . . i«.i 1916'- 192« . . . . . . 228 1926-193» °. 33« 1931-1934 . . . . . . 496 kamen. Eine der -ivichligslen Folgen dieser siir Ainsterdäiuer Verliältnine noch rechtneuen, und darum auch noch nickst voll eriorichlen Tatia>hen ist der Geblirteiiriickgang. der neben deü ivirtichaitlicheii Gründen, in erster Linie aus die oben gesihilderten Erscheinnngen ziiruckznsi'ihren ist. Ter Vergleich der Sterbe- und Geburtszisscr ergibt cineichUeber. . schuß im Jahre - . ' - 19«1-19«5 von 062 Geburten 1916—192« „ 529 ,. ' 1926 -193» .. 253 ' 1931—1932 „ 83 „ . Die Zisieca die'/er Ta belle. Die .'vH ne Kommen- . -lär iür iich' selbst sprechen, werden nvih. bedrohlicher durch den Aüersan'ban der Amsterda^ner xtlideii» die die.-typischen tletvialteriingserscheinungen zeigen. Wahrend K--00 der Altersaufbau der jiidksititn und nicht'jüdischcu Vevblkernng - kaum Uiilerschiede zeigte, bestand 1030 bereits eine sehr denltiche . Scheidung. Tas starke Uebermaß be* älleien Jahrgänge ist unter den Juden viel erheblickfer und die zur Eharakterisierung dieser ' Eiicheinnng vervisentlichten graphischen Tarsteltiingen zeigen' das so -sattsam bekannte er- - schreckende Bild. . W Eine Unzahl bevöllernngspolitischer Rrableme. . lanchen wnut am Horizont des Äniiterdamcr Indciitums ani. 'Man hat bisher-wenig unterncuniiien, ja bis 'vor kiirzem war es noch beinahe un- / möglich,' einwandfreies statistisches Äaierial zu erhalten. Durch das Erscheinen der „Teinogrqi'ie /- V