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Central-Verein-Zeitung · 1936-11-05 · 45 (5.11.1936) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
45 (5.11.1936)
Date
1936-11-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Verbrecher die angeblichen Merkmale zeigen, die Lombroso aussteUte und ebensowenig kann davon die Rede sein, daß die von ihm gefundenen Merkmale bei der nicht-kriminellen Bevölkerung fehle». ' Allein das schließt in leirrer Weise ans, daß. von Lombroso Anregungen ausgegangen sind,' die noch heute mächtig nachwirten und in einer .nicht, absehbaren. Zukunft .die Forschungen-. über das Verbrechen beeinflussen ' werden.- Schon vor mehr als llO Jahren hat - der bekannte deutsche Psychiater- So innrer darauf hingewiefen; -Lombroso könne nicht damit abgetan werden, daß inan einfach •. den ■ Typus des „geborenen Berbrechxrs" v-erneine.- Wenn man. auchnidjt generell davon sprechen könne, daß jeder - echte Verbrecher bestimmte Dterkmale annveise, so könnten doch häufig die moralische Anormalität von Verbrechern in . bestimmten äußeren Merkmalen ihren Ausdruck finden., Tem ist in der Tat so. ,-,Es bleibt.somit d'as Verdienst Lvinbrvsos.in eindrucksvoller Weife, die große, vielfach noch ungelöste »üb noch zu lösende Aufgabe formuliert zu haben, das Verbrechen in seiner anthropologischenrichtiger, in seiner krimintckbiologischen Eigenart zrc erkennen und zur Bekämpfung bH Verbrechens bestiniinte Mittel ,bewußt, tmd zlveckeiltsprechend dieser Eigenart anzupassen." (Metzger). Schon frühzeitig hat die von Franz v. Liszt begründete deutsche soziologisch.- anthropologische Schule, die äußer von Lombroso, in ' erster Linie vom Pvsitivisinus und Ihering beeinflußt ist, erklärt, daß diese Konsequenz aus den Lehren Lombrvsos zu ziehen sei, wenn sie auch nicht in der Lage war, die gestellte .Ausgabe zu lösen. Neuerdings versucht ein, sich um die im Jahre 1927 gegründete .biologische Gesellschaft scharender Kreis von Gelehrten die Perfönlichkeitsforfchling in -das Strafrecht.zu trägen, und Verbrechertypcn heralisznarbkiten. Eine Stühe erfahren diese Bestrebungen durch die bahnbrechenden Forschungen K r e t s ch m e r s (Kvrpexbatl und Eharakter). wenn es bisher auch noch nicht gelungen ist, sie-unmittelbar für das Strafrecht nnhbar zu /machen. - Niccht nur in der Bibel konunt es vor, daß jemand anszieht um eine Eselin zu suchen und ein Königreich findet. Kolumbus hat Zeit seines Lebens geglaubt, einen Seeweg nach Ost-Indien gefunden zu haben. Statt West-Indien — wie er meinte — hat er in Wirklichkeit Amerika entdeckt. Lombroso hat zwar nicht die Merkmale des „geborenen Verbrechers" feftstellen können, den cs in Wirklichkeit nicht gibt. aber durch seine Forschungen ist er der Vater der Kriminal-Anthropologie upd damit auch der. KriminaEBio- ,logi.e geworden und er hat so die gesmnte VerbrechetbekämpflUlg der Gegenwart und wahrscheinlich auch der Zukunft auf eine neue Grundlage gestellt. Und nun noch ein Wort über den Juden Lombroso! Er entstammte einer streng religiösen veroneser Kausinannssamilie, Spaniolen, die nach Nordafrika ünd von da nach Italien gewandert waren, wie auch ihr Name,- der auf das spanische Adjektiv lumbroso shell. leuchtend) .zurückgeht, andeutet. Er muß sich auch, wenigstens zeitweise, stark init den jüdisclien Gegeinvartsfragen beschäftigt haben. Das beiveist schon seine kleine Schrift „Ter Antisemitismus ünd die Juden zu dringen, in das I n ite r e dieser merkwürdigen Ncenschen, deren Götter Tiere und deren Menschen (im Tode) Götter lvaren — alle im iilystisckien O pferakt geeint. Jeder Aegypter wird im Tode ein Osiris — darum ist der Tod. dem alle höhere Sorge dieser Menschen gilt, für sie das eigentlich wahre „Leben", — das Dauernde! — „Nur Totes dauert." . Diese tiefdringende Darstellung ägyptischen Wesens aber stammt nicht nur aus der Gewissenhaftigkeit des Schriftstellers lind '.der Freude bi£ Künstlers, sie fügt sich auch in wahrhaft genialer (lveil kaum vorausberechneter) Weise iii die dichterische Komposition ein, und zwar berührt sie ihren tiefsten Punkt.— „Eure Toten sind Götter und eure Götter sind Tote, und ihr wißt nicht, was das ist der leb nt d t g e G o t t!" So Joseph. Und so seht er den innersten Kern seiner ererbten Gottesweisheit der ägyptischen Welt entgegen. Zwar nennt, er. der , aus der Grube Auserstandeue, sich beim Eintritt iu Aegypten „O s a rs ip H bas heißt: Joseph als Osiris, der wiederauferstaudeue. der göttliche Tote! Ader obwohl er so.seinem ,-stolzen Lieblingstl^amn (den wir schon früher rn ihui keimen sahen) die Farben des Landes gibt, obwohl er in den meisten äußeren Din-, gen ganz ein Aegypter wird, immer bleibt in ihm'die 'heimliche Spanntutg zwischen .der -„Gottessorge", die seine Väter in ihn gesenkt haben, und den ..Gottesdnnunhciten" ägyptischen Aberglaubens. Und der Kern des Widerstandes, den- Joseph der Werbung der . Eni (die ihn durchaus reizt und der er auch ^-Akstüh^l-ich weit nachgibt)-stitetzt'entgegettsetzt. der. iNlterste Grund seiner vielberedeten „Kenschhcit" ist dicke.. ..Gottesbesoiliteilheit". die feinen Untergatig iin ägyptischen Rausch will. So enthüllt die alle, erotische Anekdote mit eins ihke twsnnnbildliche Größe. Wohl hält den Joseph nach den Worten, die er der ^Heiligen Sch-ist gemäß spricht, die Treue' ’ gegen feinen Herrn zurück, aber dieser Herr ist ihm zugleich Sinnbild des Höchsten im Licht der . modernen Wissenschaft." (1893. Eine deutsche Uebersetznng hat Kurel.l a im Jahr 1K94. — Leipzig G. H. Wigand — veröffentlicht.) , D'ie Schrift ist für die damalige Zeit und auch'heute noch deshalb besonders bcdcutsäm. lveil ne sich eingehend mit dem Rassenantiieiliitismus' beschäftigt lind int Anhang die Ergebnisse eigener anthropologischer Untersuchungen bringt. Ihrer - Verbreitung hat wahrscheinlich der Umstand Abbruch getan, daß sie n. a. als hce.zept gegen den Antisemitismus empfiehl, -Inden und Christen sollten sich zu einer ncueil genleinkamen Rc- . ligivn, einein „sozialen^ Neochristianismus" zusanunenschließen! . - . Zum Problem der Eiweissnahrung Das Aerzteblatt für Berlin, das als „Nachrichtenblatt der Kasseiiärztliclien Vereinigung Deutschlands (Landcsstellc Berlin)"- erscheint, befaßt sich in Nr. 44-vom Ä. Oktober 19-% mit der Frage, wieangesichts der Fleischknappheitdem Bedarf der Bevölkerung an tierischem Eiweiß bis zu dem Grade Sorge getragen werd'en könne, daß eine Unterernährung und Gefährdung der Gesundheit ausgeschlossen seien. Es wird darauf hingewiesen, daß auch nicht der geringste Anlaß zur Besorgnis vorhanden.'ei, da „als ein Eiiveißliefernnt erster Güte jederzeit der Seefisch zur. Verfügung" stehe. Anknüpfend heißt es.: „Daß der Seefisch, und zwar der See » Grvßsisch, wie - Dorsch. Kabeljau. Seelachs, Notbars usw., ein tadelloses . für die nienschliclie Erllähruug vorzüglich ausnntzbares Eiweiß liefert das kann den .Hciiisfrauen niemand besser klarmack)en als der Arzt. .Wenn nämlich der Arzt auf den hohen Wert der Seefischnahrung hinweist, iö hat sein Hinweis das besondere Gewicht der völlig selbstlosen und reinen Sachlichkeit. Er kann der Hausfrau lagen, daß der angeblich geringe Sättigungswert der Seefischnahrnng gerade in dem Vorzug der leichten Verdaulichkeit und der dadurch bedingten geringeren Verweildauer im' Alagen seinen Grund bat. Er kann auch da? . Märchen von der Eintönigkeit und Abwechsiungs- Ivsigkeit der-Seefischgcrichte dadurch zerstören, daß er den Nat gibt, das Fischsleisch ebenso vielseitig . zil verwenden tvie Warinblüterfleisch, das will sagen, daß man auch mit dem Kaltblüterflcisch die beliebten Zubereitungen '.und Gerichte Herstellen, könne wie Gulasch. Klopse, Pichelsteiner Fleisch, usw. Mt)letzterem znm Beispiel hat man gleich ein gutes'Eintopfgericht, Alan sieht, es bedarf eigentlich nur einiger bestimmter Hinweise seitens der Hausfrau. um das Kaltblütersleisch zu einem ebenso vielseitigen V.oiksnahrnngsnlittel zu machen wie das augenblicklich etwas knappe lind darum sofort für besonders kostbar lind unentbehrlich ge» haltene Warmblütersleich." Zll diesen Darlcglingen kann von jüdischer Seite der Erfahrnngsbeweis qngesügt werden. Die unter Wahrung der religionsgesetzlichen Speisevorschriften geführten Haushaltungen haben die hier erteilten. Ratschläge seit Erlaß des Schächtverbots der e i t s b e a ch t e t u n d er - probt.. Denn auch in den Jahren: als die Einfuhr dänischen Koschcrfleisck)cs im Nahmen des Haildelsvertrages noch belverkstelligt werden tonnte, - nöiigten die Kvntingentbesch'ränknng einersests und die durch Transport, Zoll, Besckta'n und''-andere'. Ursachen ensiandenen Eonderspesen ^andererseits zicr Ergänzung der Eiwcißernährnng anf anderem Wege. Die bezüglichen Hallshaltlingen mußten die Fleischkost auf wenige Tage der Woche, vielfach einen Tag. lieschränken, zu-,. Jiidfcchtt Leben - Gründung des Jüdischen Lehrhauses München^ Der Vorstand der Israelitischen.Knltusgcmcinde München hat die Errichtung eines gemeindlichen Lehrhauses beschlossen. Das neue Lehrhaus hat seine Arbeit am 1. Nvvenlber anfgeiwmmen., Bvrßvender. des Kuratoriums des- Lehrhauses ist der. Gemeinderabbiner Dr: B a c r w a l d. Geschäftsführer Tr. Ludwig Feuchtwanger, Das umfangreiche -Programm für die Wintermonate- ,1936/37 sieht u. a. vor: einen Eröffnungsvortrag-im kleinen Kreis, von Dr. Eduard Strauß (Frank?, filrt' a. M.), über den LehrhansgedaNken^ und Franz Rosenzweig," einen Eroffnungsvortrag ,m großen Rahmen von Rabbiner Dr. B a eck (Berlin) » sowie eine Vortragsreihe über „Judentum und Umwelt in Lehre und Leben", in der sprechen werden: Professor Markm Bub er (Heppenheim), Rabiner Dr. Eschel.bach.er (Düsseldorf), Stlldien- 1 rat Dr, Henry Philipp (Frankfurt a. M.) und Studienrät Hans Epstein (Frankfurt a. M.st. Außerdem ist eine größere Reihe sortlaufender Kurse und Arbeitsgemeinschaften ays den verschiedensten Gebieten jüdischen und alltze,„einen Wissens vorgesehen. Behandelt werden u. a. Bibel, Mischna, Mdrafch, Rafchi, hebräische Sprache, jüdische und allgemeine Geschichte, Palästinakunde, Volkswirtschaft, Philosophie, Naturwissenschaften und Probleme des modernen Rechts. Außerdezn sind die bisherigen fremdsprachlichen Kurse und die be- « währten, gemeinsam mit der Alittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung dnrchgeführten Schulungskurse für Jugendführer in.das Lehrhausprogramm, das ahch Einführung in Religions- und Kunstgeschichte sowie in die Musik enthält, eingefügt wekven. Benno Jacob in 'München In der Reihe der von der Gemeinde, und dem .Ortsrinq der Iugendverbände gemeinsam mit der Mittelsteste in München veranstalteten Iu'gendfüh re r-Schu lungskurse hielt der Verfasser des berühmten Kommentars zur Genesis, Rabbiner Dr. Benno Jacob (Hamluirg), einen zweitägigen Kurs über das 17. Kapitel des 2. B, M, 'Das Neuartige und Vorbildliche an der Methodik des Kurses lvar. daß der erste Teil des Kurses Referate der Teilnehmer über die bisherigen Kommentare (fünf ktassiscyjüdische, fünf moderne) brachte, so daß die Teilnehmer — als Dr. Jacob «n /zweiten Teil des Kurses seine eigenen, ungemein ausschllißr'eichen Erklärungen brachte — zureichend über die bisherigen Erläuterungen unterrichtet wären. Ter Kurs, den Iustizrat Dr. O e st r e i ch mit Grußes- * Worten im Namen der Veranstalter eröffnet hatte, mal seit Anfang dieses Jahres, weil das äußerst geringe einführbare' Fleisch (Anslandsschenkung!) seitdem nur den Wohlsahrtsanstaltcn (Krankenhäuser. Altenhäuser, Waisenhäuser u. 'dgl.) zugeleitet werden mußte. Ebenfalls könnte festgestellt werden, daß die Fischkost auch in rituellen Häusern nicht unter Gleichförmigkeit zu leiden brauchte, denn zur Abwechslung in schmackhaiter Bereiitnng boten sich genügend Möglichleiten. Hinweise ergeben sich auch aus der Schrift von Dr. M e r z b a ch, ,Frankfurt a. Main, die überhatipt die Wege der rituell zulässigen Eiweißernährung in .instruktiver und für den Laien anschanlicher Darstellung beleuchtet. "Toweit bis jetzt übersehbar, ist trotz der Einschränkungen, die für rituelle Haushaltungen auch hinsichtlich der Zulässigkeit gewisser Nichtsleisch-, Nährmittel bestehen, eine besondere^ zentrale Organisierung, etwa durch die „Neichszentrale für - jüdischer Geist und an dem etwa 70 Jugendführer aller Richtungen teilnahmen, war sehr gewinnbringend. Hans L ccm m brachte abschließend den Tank der Teilnehmer zum Ansdruck Lehrhaus Köln Das Jüdische Lehrhaus Köln erösfnetefein Wintersemester mit einem Vortrag von Dr. Ludlvig F e i> ch t lv.ck n g e r.(Micnchen) über „Indische. Eigenkultur, iiv Vergangenheit und: Gegenwart",» .Er definierte den Begrlsf Kultur als „spontane Aeußerlmg", als selbstschöpferischen Akt. Jn'wifsensckiaftluh aufgebanten Definitionen zeigte, er. die Bedingungen und Aeußerungen jüdischer Kultur-, Zentren: Tce Zeitenum 200 bis 500 n. in Babylon (Schasfung des Talmud babi) und die'oft» jüdliclie Knltnrwclt des - t-rühen Mittelalters hezeichnete er als Blütezeiten jüdischer Eigenkultur. Für die Gegenwart verlangte er als Vorbedingung jüdischen Külturschasfcns' eine. echte „Teschuwah und vor allem, auch jüdische Sprachpflege als Bolkssprackie. Der Redner erntete für seine-seingeistigen Ausführungen Dank und Anerkennung der Hörer, den der erste Vorsitzende der „Vereinigung Jüdisches Lehrhans Köln". Gemeinderabbiner Dr. K o b e r, zum Ausdruck brächte. ° Im ganzen enthält daS LehrhauSproaramm 23 Arbeitsgemeinschaften, die^ sich nüt' den Lehren veS Judentums, mit jüdischer Geschichte, Literatur und' hebräischer Sprache, aber auch in einer größeren Reihe als bisher mit jüdischer Gegenwartskunde'befassen. Es lausen auch eine große Zahl von Sprachkursen. die neben Neuhebräisch Englisch. Spanisch und Portugiesisch umfassen, also dem direkten Auswanderungsbedürsnis nach Ncbersce dienen. -. Als Vortragssolgen und Kurse sind u. a. eingerichtet worden: „Moderne Probleme. der Ernährung für Gesunde und Kranke" (Professor Dr. Lepehne): „Rechtsfragen des .täglichen Lebens" (Rechtsanwalt Dr. Sieasried. K a u f m a n n und Rechtsanwt>alt J o nä s); „Jüdische Kunst heute" (Ludwig Icibnct) und ..Werbeschrift und Reklame" (Herr L i s s m a n n. Tüsseldorsi. Reben den .Kölner' Dozenten sind folgende auswärtige Redner vorgesehen: Karl Adler- Stuttgart (Offenes Singen!:' Rabbiner Dr. Aitrn a n n - Berlin (Von der Rangordnung der Werte im- Judentum!: Rabbiner Tr. Dienemann (Die religiöse Situation in Palästina)-, Professor Ehrenpreis - Stockholm (Abrabancl>: Professor Dr. El bogen-Berlin (Das Gebet im Judentum!: Gerichtsassessvr i.' R. G u t h in a n n - Tüssctdorf (Handel und Industrie in Palästina!: Professor Dr. H c i n e m a n n - Breslau (Juden und Judentum in Alerandrien!: Rabbiner. Tr. Schöneberger- Aachen (Jüdische Literatur der letzten drei Jahrey Rabbiner Tr., S e l i g s o h v - Bonn (Achad Haanu und Rabbiner' Tr. D v g e l st e rn - Koblenz (Tie frühe Richterzeit!. ' Au--künfte erteilt die Geschäitsleitung (Adresse: L. Erünebaum,'Lotharstraße 34). ' Schächtangelegenheiten" höchstens für einzelne Nahrungsmittel erforderlich. Denn während für die Regelung der Versorgung m?t ausländischem Fleisch, früher aus Dänemark-,- jetzt — weniLstens zur Betreuung der Wohlsahrtsanstalten — aus Südamerika (GefriersleiscH, die Notwendigkeit von Vereinbarungen mit. den Regierungsstellen des In- und Auslandes- Und anderen Behörden durch eine jüdische Zentralstelle bestand und besteht, ist dies Erfordernis hinsichtlich der Eiweißersatzmittel im großen und ganzen nicht vorhanden. So kann auch die religionstreue jüdische Bevölkerung ohne Sorge wegen unzureichender Eiweißernährung der Winterzeit ent- ' gegengehen. Rabbiner Dr. Esra Munk ./ tuweiier LudwigSteinnietz \ Nürnberger Sfr. 56 (naben Woolworth) Herrn—- so wie dos Bild seines Daters, der ihn ädmahnt, zugleich das Vild Gottvaters wird. „Wir lvandeln in Spuren, und alles Leven ist AlissnUung mythischer Formen mit Gegenwart." Der Schöne, der jedermann verführerische Joseph, er war durch'seinen'-ersten .Sturz in die Gmve wohl atrs seiner blinden Selbstgefälliczfeit erwacht — er hatte Rücksicht aus aildere, nicht nur weltkluge, sondern auch religiöse-.Rücksicht gewonnen, er zeigte Takt, bestrickenden, allei! Meuscheu gegenüber. Aber von. spielerischer Eitelkeit, .von unwidersteh, lieher Reugier war doch noch.so viel in ihm, das; er fiel) gefährlich weit, viel zu weit in das Spiel mit der ägyptischen Frau eingelassen hatte. Run ilsn aber das Bewußtsein seines Gottes im letztenJhngenblick von dem inneren iL-tlirz belvabrt hat. wird sein Gott ihn auch aus dem zweiten, dein äußeren Sturz empvrhebeu. — Ter Joseph Thomas Nkanns ist lluter Ameubotep 1 i 1. nach Aegypten gekom-' meii; der Pharao, dem. Joieph die Träluue belltet, und der ihn zu Hcrr-scherrang erhebt, muß 'deiuuacli Ainenlsotep IV. .feilt, der berühmte religiö'ckütevolutiouär der ägyptischen- Geschichte, der Pharao, der den Ginheits- ° kultlis des Sonnengotts. Atpn-Re. durchsetzt! In einigen Znigen des vvrtiegeudeu Bandes ist diese, große, vielverheißeude Begcgnllng schon vorbereitet, uüd iuul erwarten.wir ihre Ausführung voller Spaililuug in dem vierten B>uid. der „Joseph, der Ernährer" heißen loird. T'enll oblvohl dieses große Ltzerk von Thomas Btann ja nlrr die Wiederholung einer Geschichte ist. die wir schon kennen, so ist es doch ,-Wiederholuüg" än jenem m-yrilüchen Sinite. den Thomas Mann so sehr als wesentlich' für -dieie orientalische Kllltlir herauszuarbe-iten-sucht — es ist ein völliges W itz d e r e r-l c d e n. Dieses Werk erfüllt uns mit jener schönen und zlltiefst künstleri''cheil ftllaedutd. die Thomas, Mann (in einer jener Randbemerkungen, mit denen -er als gleichiaiil alißensteheilder Betrachter den Sturz der Erzählung je und je aushält) benennt: „Die Ungeblild des .^>örerkreises zu erfahren, was jeder schon weiß." Julius Bab Professor Harry Torczyner In Harry Torczyner verehren wir einen klaren und scharfsinnigen Philologen,, den gelehrten Orientalisten, Sprach- und Bibelforscher, dem wir heute zum 50. Geburtstag den Tank für seine bisherigen Leistungen mit unserm Glückwunsch . darbringen. Wir lieben aber in ihm zugleich den Mann, dem seine Arbeit an der Aufhellung jüdischer Probleme immer ein Mitleben und Dtitschaffen in der jüdischen Daseinssubstanz bedeutet.' Denkmale der Sprache zu prüfen, ist die Aufgäbe des Philologen; darin unterscheidet sich der jüdische nicht vom Gräzisten oder Sinologen: auch nicht von dem, der als Sohn eines unangefochten in seinem Besitz lebenden Volkstmns sich an der Klärung des nationalen E.igenbesitzes unbefangen freuen darf. Und doch, wie einzigartig ist die Stellung des jüdischen Forschers, der. heutigen Tages mit seinem Werk dem Jlidentum. und der, Wahrheit dienen will! Er ist, wenn er das Herz auf dem rechten Fleck hat, viel mehr als. Altertunlsforscher der geistige Weiser in die Zukunft, und zivar auf dem herrlichsten eigensten Gebiet, das ein Volk besitzt, dem Heiligtum seiner lebendigen Sprache. . Torczyner, hat das erste nicht vernachlässigt. Seine Arbeiten über das Buch Hiob, über das Rätsel der Bundeslade. seine originelle Anftassnng von Entstehung' und- Komposition der Prvphct'en- ' schrirten. seine Beteiligung an'der Deutung der jüngsten palästinensischen Allsgrablingen stellen, ganz abgesehen von der Lösung zahlreicher biblischer Klein Probleme, einen höchst, achtbaren Beitrag zurmodernen Whelwisienschast dar. In -zahlreichejüdische Häuser dieses Landes ist die im Aufträge der Jüdischen Gemeinde, zu Berlin veranstaltete Bibelübersetzung gelängt, die im'vorliegenden. Gewände ausschließlich seine persönliche Leistung ist. Er ist immer ein Eigener, wandelt nie - in 'ausgetretenen Pfaden; und da er ein Mann von Gsist und Wissen ist, gibt er auch dort, lvo man ihm nicht folgen will, immer mehr als die Neufornuilierer der berühmten, „allgemein anerkannten Ergebnisse der Wissenschaft". Aber wir möchten glauben, , daß ihn fast mehr als, die in Büchern kristallisierten Schöpfungen einer Sprache-diese selbst interessiert, und zwar ihr Geist wie ihr Körper. Die Tradition der Haskala, welche die Umgebung seiner Jugend war, hat ihn vou srühanf mit einer hebräischen Atmosphäre nmspült, die heute nicht mehr die dünne Luft vereinzelter Humanisten ist, fondern vorzüglichen Anteil an der seelischen Formung eines wieder werdenden Volkes gewonnen hat. Hat Torczyner am Anfang die Gestaltung der Sprache überhaupt gefangen genommen, det er sein Werk über „die Entstehung des semitischen Sprachtypusgewidmet hat, so stellt jetzt das Bedürfnis des Tages den Mann von Spracherkenntnis und Sprachgefühl an die Front schöpferischer Praxis. Er mag sich glücklich preisen, die Höhe seines 'Wirkens in einer Zeit.erklommen zu haben, da nach tausendjährigem Todesschläf oder doch recht künstlichem Leben die geliebte hebräische Spräche ivjeder die Seele des Volkes zu öffnen beginnt. -Wir wünschen ihm — aber ebenso -uns. — daß er und seine Leute vom Waad ha-laschon. für das hebräisierte jüdische Volk in Palästina zur Autorität einer echten Akademie erwachsen.' Er hat vor Jahren mit dem ersten größeren 'deutsch, hebräiichcn Lerikon sein, finderisches Talent aus diesem so wichtigeu praktischen Gebstt-erwiesen; er ist wie iveuige lebendig, biegsam im guten Sinn und wirklichkeitsoffen, um das begonnene . Werk immer mebr nftt hem Leben in Einklang zu ' bringen, dieses Leben führend und^doch zugleich mit feinstem Empfinden darauf horchend und von ihm Aitregungcn empfangend. Die ersten fünfzig Jahre, die ein Mensch lebt, ünd ein Versprechen. Wir grüßen unseren lieben Freund Torczyner -und tvünschen ihm, . der in Palästina-inmitten feines Volkes-lebt, im Kreise dieses Volkes, im Kreise der Seinigen. die Kraft, das Versprechen einzulösen. Max-Wiener.

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