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Central-Verein-Zeitung · 1936-10-29 · 44 (29.10.1936) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
44 (29.10.1936)
Date
1936-10-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MOV K M!» XV. Jahrgang / Nr. 44 \ Berlin, 29. Oktober 1936 ' ' Preis 10 Pfennig entralerein ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS JL Geschäftsstelle (Verlag, SehrUtleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W 15, Emscr Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—15. Telegrammadresse: Ccntralglauben, Berlin. Postscheckkonto: . Berlin 70344. ' v>o C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Tost, die die Gebühren durch, den l ostböten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einscbl.: 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Fiift Ausland vierteljährlich 2.30 KM (mngereehnct in die Landeswährung! cinschl. Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengcbiihren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltcnc mm-Zcuo 20 Kpr., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigteGrundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. 99 -» Kapstadt, 27. Oktober. Lloyd-Dampfer „Stuttgart“ glücklich eingelaufcn. 537 jüdische Einwanderer wohlbehalten an Land. A. H. Die wenigen Zeilen der Meldung über die „Stuttgart" werden in vielen tausend Lesern eine Fülle von Gefühlen auslösen. Denn seit dem 8. Oktober verfolgen nicht nur die Angehörigen der 537 Einwanderer und die leitenden Persönlichkeiten der jüdischen Gremien, die für den Vorgang die sachliche und moralische Verantwortung tragen, den Weg des Schisses, das in internen Gesprächen in Anlehnung an den Namen der „Mayslower" gelegentlich wohl auch „Jcwish Flower" genannt worden ist. Die vorliegenden Nachrichten zeigen, daß, soweit von außen her und aus der Ferne Hilfe und Fürsorg eingesetzt werden konnten, der Versuch gelungen ist,- Jetzt liegt es an den jüdis chen . Organrs atronen Südafrikas, vor allem aber an den eben Gelandeten selbst, das großzügige Unternehmen zum guten Ende zu führen. Der Stichtäg für gewisse neue Einwanderungsbestimmungen nach Südafrika ist der 1. November; er wurde aber erst in der zweiten Septemberhülste bekannt. Es galt also, da die übliche Afrikapassage nicht ausreichte, um die Lahl von Juden zu befördern, die die unter Geltung, der alten Bedingungen ausreichenden Voraussetzungen für sich erfüllt hatten, eine Sonderregelung zu treffen. Dank und Anerkennung verdienen alle Stellen und Men-,. : scheu, die in knapp vierzehn Tagen die zahllosen -Schwierigkeiten überwunden haben, die' eine so bedeutsame Ausgabe mit sich bringt. ' . Dieser Vorgang bestätigt unsere alte Forderung, praktische Arbeit zwar mit einer geistigen Vorstellung von ihren Zusammenhängen zu planen, ihre Durchführung jedoch vor allem, von Zweckmäßigkeit beherrschen - zu lassen. Palästinäwanderung und andere Ueberseewanderung sind nicht und sollen nicht als gegensätzliche Lösung jüdischer Nöte angesehen werden, sondern als Verstärkung, als Kumulierung der überhaupt vorhandenen Möglichkeiten. Die 537 Juden aus Deutschland Haben zwar vor wenigen ' Tagen ihre neue Heimat gemeinsam betreten, aber sie werden nur dann das in Bremen glücklich begonnene Werk dort glücklich vollenden. wenn sie sich möglichst rasch als einzelne in das neue Leben einfügen und sich seinen Gesetzmäßigkeiten unterordnen. Je inniger sie sich mit der neuen Heimat und seinen Bewohnern verknüpfen werden, um so klarer werden sich in ihnen wieder die alten Vorstellungen erheben, die alten — aber doch anders, .durch die Erfay- , rung der letzten Jahxe geklärt und ge- Diese Nummer umfasst 24 Seiten und enthältu. a.: Die Beiträge: Juden an der Breslauer Universität, von Kurt Schwerin.,— Karltruhs — Bild einer Gemeinde, von Hans Oppenheimer. -Grenzen der Vernunft und des Humanitätsideals, von Ludwig Feuchtwanger. — Das Judenmotiv im Biedermeierhumor, von Rudolf Frank. — i Uraufführung der Liturgie von Jacob ‘ Weinberg, von Ludwig Alimann. Die Beilagen: Die Jüdische Gemeinde: Sonder- \ nummer: Karlsruhe. — Sportblatt. —-. Buch und Kunst. — Palästina- Umschau. ■— Wirtschaft der Woche. Abfahrt der Stuttgart" von Bremerhaven reift zur Erkenntnis von der Möglichkeit jüdischen Lebens in der Welt. Und das alte griechische -.Nichts zu sehr" wird unsichtbarüber ihrem Denken und Tun' stehen. So können sie den Juden Südafrikas ein wertvoller Zuwachs werden, der Negierung und der Bevölkerung des Landes eine arbeitsame, gebildete, kulturvolle Schicht,-die alles daran setzen wird, um durch Leistungen Ojtf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete den Dank für die Ausnahme abznstnttcn. Ae werden sich daber der Tatsache bewußt sein, daß ihre Massenlandung/ von gewissen politischen Kreisen Südafrikas gegen die Regierung und zur Beunruhigung der Bevölkerung au-7 ge nutzt wird, aber sie werden durch ihr Verhaltes den »Störungsversuchen die sachliche Begründung nehmen. r Die zahllosen Verknüpsiingen, die die Juden Deutschlands vor allem in den letzten Jahren mit Südafrika verbunden haben, werden nun noch dichter, noch inniger. Unsere Wünsche sind bei jenen Fernen, und wir wissen, daß ihr Denken und Sorgen auch uns gilt. Privalauf nahmen Einer Meldung des DNB, datiert Kap-t Stadt, 27. Oktober, die durch die Tagespresse ging, entnehmen w ir: Dem Aufruf der, Südafrikanischen Nationalpartei zu einer Protestversaiiunlung anläßlich der Ankunft des Dampfers „Stuttgart", der. mit 540 jüdischen Einwanderern noch vor dem Inkrafttreten der ueueu Einwandernngsgesetze erwartet wurde, folgten 2060^Menschen. Unter den Teilnehilserii der Protestversammlung wurde ein Flugblatt verbreitet, in dem 'es n. a. heißt: „Diese Juden kommen, um das Brot ans dein Mund der Söhne und Töchter Südafrikas zu nehmen! Denkt an die Tausende weißer-Südafrikaner. die in Armut leben. Jedes Jahr ' senden die Juden dank des .Schweißes der südafrikanischen Arbeiter 150000 Pfund ins Ausland, um die jüdischen Pläne in Miller Welt. zu finanzieren." Ter Aufruf sehließl: „Südafrika' den Südafrikanern, südafrikanisches Geld dem südafrikanischen Volke." Die Menge wartete jedoch vergebens auf die Ankunft der „Stuttgart", deren Landung sich infolge eines Eewittersturmes um neun Stunden verzögert hatte. Daher waren, als das Schiff einlies, nur mehrere hundert Menschen anwesend. : . AmJ.Xovember Die Abreise der Königlichen Untersuchungskommission für Palästina ist für den 5. November festgesetzt worden. Am 29. Oktober wird eine amtliche Bekanntmachung der englischen Regie-! rung veröffentlicht werden. Tie „Times" vertritt. die Anssasnlng, daß der König in - seiner Botschaft anläßlich der Wiedereröffnung des Parlaments wahrscheinlich deren' . unverzügliche, Entsendung ankündigen werde. Tie konservative „Morning Post" verlangt in längeren Ausführungen. .daß dem Besuch der Königlichen Kommission in Palästina der Charakter eines bedeutsamen Staatsaktes gegeben werde. Ter zeremoniellen Aufmachung solle dabei größtes Augenmerk zugewandt werden. Ten Arabern müsse der Eindruck vermittels werden, daß die Königliche Kommission die größte Bedeutung für die Zukunft Palästinas haben wird. Die Uebersahrt der Kommission solle von Marseille aus an Bord eines englischen Panzerschiffes erfolgen. Ihre Ankunft in Haifa solle unter besonders feierlichen Zeremonien vor sich gehen. - Ebenso solle der Empfang der Kommission in Jerusalem Anlaß zur Entfaltung von zeremoniellem Pomp bieten. Mandaiskoiiiiiiissioiiohnc Palästina-Debatte? Am 27. Oktober begann ily Gens die 13. Tagung der StändigeiJ MandatsköiN^- mission des Völkerbundes. Obwohl auch Fragen der Verwaltung des Palästinamandats aus der Tagesordnung stehen, ist eine eingehendere Aussprache über palästinensische Angelegenheiten nicht zu erwarten. Es heißt, daß der Vertreter der englischen Mandatarmacht sich damit begnügen wird, das Datum bekannt zu geben,.an welchem die Kgl. Kommission ihre Arbeiten in Palästina, .nusnehmen will, jedoch keinerlei weitere Erklär rungen abgeben wird. ' ' Tie Mandatskommission wird jedoch einige Petitionen zu Prüfen haben, die von -Einwohnern Palästinas und verschiedenen Organisationen an das Völkerbundssekretariat gesandt worden sind. Um das Londoner EastEmt Die sich seit Monaten häufenden judenfeindlichen Unruhen im Londoner East End. . .die am Sonntag. 18. Oktober, zu schweren Ans- , * schreitungen gcfülnt hatten, beschäftigen die englische Oeffentlichkeit sehr stark. Zwar hat das englische Kabinett in seiner Sitzung vom 21. Oktober noch'keine endgültigen Beschlüsse im Zusammenhang mit der judeuseindlichen Propaganda der englischen Faschisten gefaßt. Es ist ab.er eine Uuterkvmmissivn zur Behandlung dieser Frage eingesetzt.worden, die in der nächsten Sitzung des - Kabinetts bekanntgcben soll, was für gesetzliche Maßnahmen zur Wiederherstellung und Anfrechterhaltnng der Ruhe im East End vorgesehen seien. Die Erekutive de^ Liberalen Partei Englands hat eine Resolution gefaßt, die dem Mmisterpräsidciiten Baldwin und dem Innenminister Simon zngestellt wurde. Sie lautet: r+ ' „Die Erecutive der Liberalen Partei bringt ihren Absehen vvr der Kampagne der Einseli»chterung, und der gegen englische Börger jüdischen Glaubens in diesem Lande gerichteten organisierten Angriffe zmn Ausdruck. Sie äst ernstlich beunruhigt über das Ueberhandnehmen von chewattmethvden. wie sie be'i den politischen Kundgebungen in der letzten Zeit besonders im . Londoner East End zum Ausdruck kamen, die einem großen Teil der Bürger schwere Unbill - verursachten und, falls sie ungehindert weiter . zugelussen iverden. unsere demnkratischen Einrichttmgen gefährden und Rede- und Bcrsammlungsfreiheit bedrohe^ wurden. Die Erecutive fordert daher die Regierung uns. unverzüglich das vom Innenminister dem Parlament gegebene Versprechen zü verwirklichen, daß der gesetzliche.Apparat benutzt und erforderlichenfalls ' verstärkt iverden wird, um die jüdischen Unter- - tauen vor Verleumdungen lind Angriffen zu schützen und bei geziemender Währung des Dersaminliingsrechts Rlaßnahmen zu treffen, um Aiifiiiärsehe ossenliindig provolatorischen Eharäkters zu verbieten." . Auch die Londoner Kirchenkonferenz nimmt kraftvoll gegen den.Judenhaß Stellung. Mit Genehmigung des Bischofs von London haben aus der Diöfesankonserenz. die aiu 2<>. Oktober in London stattfand, der Vikar von St.Thomas, -M. W. E n t h b e r t. und der Vikar der Christ Ehiirrh.-St. I. B. Groser. folgende Entschließung zur Abstimmung ohne Debatte vorgelegt: - „Jiu volletl Bewußtsein der SOvierigkeiten. die das Vorhandensein einer zahlreichen Bevölkerung anderen Glaubens und airderer gescllschaftlfchcr Gewohnheiten in bestinnnten Distrikten hervorrilsen muß, stellt die Konferenz fest, daß die Juden-find die Christen in gleicher Weise Kinder Gottes sind; sie fordert daher alle Christen ans. jedem Versuch, Antisemititziuus zu politischen oder sonstigen Zwecken l)crvor.znrnfen. mit Festigkeit entgegeiizntrcten," 'Tie Londoner Tivzesankonferenz hat diese Entichließnng einstimmig angenommen. Ter Bischof von London fand dabei scharfe Worte gegen die judenseindliche Agitation, richtete allerdings auch Angrisse gegen die Zionisten und warnte davor, sich gegenüber den Be- . . schwerden der Araber tanb zn stellen. * Gedenktafel für Lbrd Reading An dem Gebände der .lewish Lads Brigade (Jüdischer Pfadsinderbund) in Lvndon wurde eine bronzene Gedenktafel für Lord Reading. der für die Erziehungsarbeit dieses Bundes stets besonderes Interesse bekundet lfatte. durch die Witwe des großen engliichjudischen Staatsmanns feierlich .enthüllt. Ladh Reading nahm sodann die ^Verteilung der Jahrespreise.vor. Sie erinnerte die Jungen dabei daran, daß auch ihr verstorbener" Vmtte in seiner Jugend von eifrigem Streben ,,o.rfüllt und spätes sein Wunsch' gewesen sei. ' die Jungen der Bads Brigade mögen sich einst als würdige Bürger der größten Stadt der Welt erweisen. Ich möchte, schloß Ladh Reading. daß ihr ebenso wie er es war, stolz darauf seid, als Juden geboren zu sein Der jetzige Lord Reading hatte eine Begrüßungsschreiben gesandt, in dem'er die Eri

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