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Central-Verein-Zeitung · 1936-10-22 · 43 (22.10.1936) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
43 (22.10.1936)
Date
1936-10-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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A Das Blatt der jüdischen Brau Nummer 43- 4. Beiblatt der C.-V.-Zeitung 22. Oktober 1936 Gnädige Frau, haben Sie schon darüber nachgedacht... wie man die jüdische Geselligkeit etwas» mehr pflegen könnte? Gerade in den Mittelstädten, die - zu klein sind, als daß sich die Gründung eines Kulturbundes lohnen würde, die aber auch wieder zu groß dazu sind, um alle Juden wie eine große Familie zusammenzufassen, wird diese Frage immer p^ehr akut. Der jüdische Mensch, der sich gesellsch Mich ausgeschlossen sühlt, hat das Bedürfnis, nach Stunden anstrengender körperlicher oder geistiger Arbeit einen Born der Freude, der Erholung, des geistigen Genusses zu finden. In den. großen Städten ist zur Ausübung von Sport allfer Art, .für den Besuch von Theateraufführungen und Konzerten. Vortragsabenden und Tanzabenden, zum Besuch von jüdischen CafeS' und Gaststätten reichlich Gelegenheit geboten. Wie istes aber nun in den Orten, wo sich so mancher jüdische Mensch — und besonders unter der Jugend gibt es solche.— vereinsamt fühlt? So mancher würde aufleben, wenn er ein wenig Zerstreuung und vor allem etwas Aufheiterung in seinem Alltagsleben fände. Der Wille zu Veranstaltungen jeder Art ist immer vorhanden. Nur bleibt es leider meistens beim güten Willen, weil die geeigneten Räumlichkeiten nicht immer zur Verfügung stehen. In „ feiner Stadt in Süddeutschland von 90 000 Einwohnern ist nun nach langen Bemühungen ein Kulturbund gegründet worden. Die Veranstaltungen können aber nur ernster Art sein, da sie in der Synagoge abgehalten werden müssen. - Es finden auch für die Frauen in einer gemieteten Räumlichkeit Nähnachmittage statt. Es wäre aber wünschenswert, wenn außer der Näharbeit, um deretwillcn die Damen ja schließlich zusammenkommen, auch persönliche Bekanntschaften gemacht werden könnten. Die Damen bekommen nie den richtigen Konnex aniteinander. außer denen, die sich schon lange kennen. Es ist an solchen Nachmittagen immer ..steift. Außerdem finden sie nur im Winter statt, so daß. wenn man endlich untereinander Fühlung bekommen hat. man sich durch die länge Pause wieder fremd wird. Es. gibt so viele, die sich schwer anschließen und dadurch vereinsamt sind! Etz ist Pflicht der jüdischen Frau, 'sich gerade dieser' Vereinsamten warm anzu- . nehmen. Gerade heute, wo der eine in in so großem.Maße auf den anderen angewiesen ist, . empfiehlt es sich, wirklich etwas weniger „steif*.zu sein, etwas weniger hie Etikette zu wahren. Wie ‘ wäre es, »venu ab und zu bei der einen oder der anderen Dame abwechselnd Nähnachmittage für arme Kinder stattfänden? Jede käme an die Reihe. Man könnte , diese Nachmittage noch netter gestalten, indem man ihnen die Form von TeeNach» mittagen gäbe. Jede Besucherin müßte etwas Kuchen oder Gebäck mitbringen. Minderbemittelte bringen selbstgebackene Stückchen oder 5-Pfennig- Schrippen. Jeder wäre willkommen. Glauben Sie mir. meine Damen,. Sie würden sich auf diese Nachmittage freuen! Es würden viese Freundschaften dadurch entstehen. Es ~~ könnten bei solchen Gelegenheiten auch Meinungen über allerlei Fragen, seien sie erzieherischer, sozialer oder hauswirtschaftlicher Art. ausgetauscht werden. Es gibt noch genügend Familien, die große Wohnungen bewohnen und mit etwas gutem Willen solche Nachmittage .bei sich einrichten könnten. Sollte die Platzsrage dennoch eine Nolle spielen, so könnten immer nur die Damen einzelner Stadtbezirke unter sich Zusammenkommens Genau so könnte'man es bei abendlichen Zusammenkünften halten. Familien, die ganze Häuser - belvohnen. müßten es sich zur Ehrenpflicht rech- - neu, untereinander abwechselnd zeitweise dem Gemeinnutz ihre Räume zur Verfügung zu stellen. Bitte nicht entsetzt zu. sein, die Unordnung, das eventuelle Umstellen von Möbeln müßten Sie gern auf sich nehmen, .wenn es dadurch ermöglicht wird, jüdische Menschen für einige Stunden von den Sorgen des Alltags abzulenken und sie ihre Gemeinschaft mit Gleichgestellten spüren zu lassen.. Die Abende sollen besonders für unsere Ehemänner da sein. Sie. die, von Sorgen geplagt sind, sie, die den Kampf ums Dasein ausfechten müssen, bedürfen dringend einer Abwechslung. Gerade in heutiger Zeit! Wie viele sind heute gezwungen, die letzten Kräfte herzugeben, um dem Kampf utpS nackte Dasein gewachsen zu sein. - Unsere Männer.-, die draußen im Berufsleben stehen, sie-empfinden die seelische. Not oft viel stärker als wir. Zur Erbauung und Zerstreuung, zur Erholung und für Mußestunden haben wir die Ecmeindebibsivthek. Von ihr müßte viel mehr Gebrauch gemacht werdest! Auch für die Kinder ist gute, und passende Lektüre vorhanden. Wenn eine - ganz geringe Leihgebühr erhoben würde, wäre es den einzelnen Gemeinden vielleicht eher ermög-. licht,. durch wertvolle Neuanschaffungen den Bücherbestand zu ergänzen. Sie sehen, meine Damen, bei etwas gutem Willen ließen sich bestimmt Mittel und Wege sinden? auf zwanglose Art etwas Anregung und ein wenig Freude in unser Alltagsleben, zu bringen. LoltsStsm Von Meta Samson Tic Geschichte der Menschheit ist die Geschichte verschiedener Bewußtseinsstufen. Auch der Jude lebt im Altertum innerhalb seines Volkes im Symbol, im Gleichnis. Die Welt W ihm das Bilderbuch, in das sein eigenes Geschick verflochten ist. Wenn der moderne Anbringung von Schaufäden und das Verbot der Vermischung zweier Stoffe beweist, daß inan das-Kleid in Stoff und Form nicht der Willkür des einzelnen zu überlassen gedachte. Erst die griechische Falte, mit der sich die Mensch keinendirekten Zugang zu dem Gr- Kunst aller Jahrhunderte immer wieder von leben findet, das Abraham. Isaak und Jakob * nemem auseinandersetzt, führt das Kleid zur '.. " " Freiheit. In dieser Epoche kam (;u dem Wissen durch Glauben und Schauen das Wissen durch Denken hinzu. Statt 'großer Religionen entstanden unvergängliche Philosophien! Das griechische Kleid liegt als Anszu unvergänglichen Persönlichkeiten stempelte, so nur darum, weil das bildhafte Erkennen von anderen Bcwnßtseinsstnfen abgelöst wurde. Ging doch der Mensch allmählich dazu über, die Buchstaben zu erlernen, um re kteld&L. für die Jüdische Winterhilfe dem Sinn des Weltgeschehens zu deuten. Aus Schauen wird Denken! Mit dieser Entwicklung aber geht den.Menschen der Mäßstab verloren, mit dem sie die Geschehnisse vergangener Zeiten messen könnten. In der Kleidung der Menschen aber besitzen wir ein untrügliches Zeugnis dieses Geschehens, weil es der allgemein gültigste und verständlichste Ausdruck jeder Art von Entwicklung oder Veränderung' ist. Das Kleid steht Vorposten, in dem gewaltigen Denkprozeß der Menschheit. Im Altertum lag das Kleid in starren, abgemessenen ' Formen um den Körper. Priester schufen — geordnet nach Zahl und Maß eines tieferen Naturerkennens — Gesetze, .die auch die Kleiderformen in ihre Regeln einschlossen. Wie Moses, sahen sie im Menschen das Instrument für das Walten der Natur, das nicht verstimmt werden durste. Wie sehr diese Kleidervorschriften <rüf Grund rcligiöscL Vorstellungen im Judentum ein Rolle spielen, geht daraus hervor, daß sich die Kleidergesetze Moses allgemein bis ins Mittelalter erhielten. Im 5. Buch Moses, heißt es: „Tu sollst nicht anziehen ein Kleid von Wolle" und Leinen zugleich gemenget.* — „Tu sollst dir Läpplein machen an den vier Fittigen deines Mantels, damit du dich bedeckest.* Diese Vorschrift für die druck menschlichen Denkvermögens . m der Waage des Weltgeschehens. Niemals ist die Harmonie zwischen äußerer und innerer Schönheit größer gewesen als zu dieser Zeit. Ten stärksten Einschnitt dieser fortschreitenden Strönnultz,. die schützenden Schale»! der Natur abzustreifen. „bewußt* zu werden, empfindet inan erst bei der Nachricht des frühen Mittelalters, daß die Kleider eine, immer größere .Enge zeigen, die die Körperformen scharf hervortreten läßt°nno den schlanken Wuchs der Damen hervorhebt. Von nun ab können die Menschen also nicht mehr in ihre Kleider hinein- und hinausschlüpsen wie in ein Gewand. Sie müssen es ans- und anziehen als, „Kleid*, und ein baldiges Erfordernis wird der Knopf. Tie Menschen .können sich^,,auf- und zugeknöpft* zeigen. Das Gesicht: ,.Zwei Seelen wohnen, ach. in ° meiner Brust, die eine will sich von der anderen trennen" — niemals vorher hätte man es verstanden! Tie Anfertigung der Kleider, bisher hauptsächlich im Hause eine weibliche Tätigkeit, geht in die Hände der „Tailleurs*, der Schneider, über; nicht mehr das „Zusammen* nähen. sondern das „Schneiden", so sagt bereits der Name, kam als ctwas Neues hinzu. Der Mensch wird zwiespältig. Ter neucntdeckte Körper in seinen Formen ist für ihn. den ans dem Paradies vertriebenen. unentdecktes Neuland. Der erste Schritt/ den der Mensch macht, nachdem er keine„Hirnmclskleider* ^iehr besitzt, ist der, Di«?chfl«ld«rln Mod6ll8t8li8f S_Chlll6r D«r 8ch.nelder daß er sich Narrenklcider anlegt. Gnggel/ Zatteln. Schellen und Schnabcllschiche. eng- - anliegende Beinkleider, eine prallsitzende . -Jacke, diese, seltsame Mischung zwischen 'Narr . und Teufel, leitete den Verfall des Rittertums ein. Im Wortschatz damaliger Moden hören wir von einer „Galgencoissüre*. die Schlitze in den Stoffen, die inan zu zerschneiden begann, nannte man ..Höllenfenster*. Das Wort Robe — „Rock* wird von Raub hcrgelcitet. Körper und Geist sind ihrer. natürlichen Verbundenheit entwachsen, seitdem dnrclp die Eillschnnrnng der- Körper in eine,obere nnh^nntere Hälfte getrennt wird. Alles wird getan, mn sich auf Kosten des anderen Boden und Raum zu gewinnen, den er für sich beansprucht. Beginnen doch auch um diese Zeit die furchtbaren Kämpfe, deii, Unterschied der Stände durch Klciderverordnnngen festznlegen. die durch Jahr-- hunderte . hindurch die Menschen in Atem hielten. In der Dürer-Zeit, in der Zeit der „Schaube*. .findet diese Strömung-einer bestimmten Bewnßtseinsstnse ihr Gleichgewicht. ‘ Im Vergleich mit den fließenden Mänteln früherer'Jahrhunderte nimmt der Träger .der „Schaube* alles auf „eigene Schultern*, was' er bisher autoritativ erfüllte? Die Natur wird nicht mehr dämonisch empfunden, seitdem inan sich von Traum und 'Symbol entfernt hat. Der Natnralisiniis beginnt; die Zeit des Selbstspvrträts! Nicht nur die großen und unsterblichen Maler dieser Epoche fühlen sich gedrängt, sich eingehend mit dein „einzelnen* Menschen, mit seiner- bis ins kleinste ansgeführten Erscheinung zu - beschäftigen. Sich in seinen neuen Kleidern malen zu lassen oder aber fremde Trachten als Erinnerung oder Reiseandenken als Zeichnung mitzunehmen.- war allgemeines Bedürfnis. In dieser Entwicklung, die dem Menschen das Erlebnis von innen und äußen vermittelt, werden die Inden, ans mannigfache Meise anfgeschencht. Ans der einen Seite ist ihre-Kleidung — im allgemeinen der Umgebung völlig angepaßt — an religiöse Begriffe gebiinden.^vodurch gewisse Ab-. weichungcn von dem üblichen MvdebilV entstanden. Auf der anderen Seite mußten die Verordnungen, die die Juden kenntlich machten, ebenfalls zu einer Stauung des - frei dahinfließcnden Empfindens führen. Ssteiscn im Schleier der jüdischen Tochter, ein Radzeichen am Mantel, der trichter- . förmige Hut des Mannes sind die hauptsächlichsten Merkmale. Ihrem Leben und ihren Sitten angcpaßt. bevorzugten sie dunkle, oft schwarze Gewänder und vermieden die Hnlbteilnng. den Wechsel verschiedener Farben in einem Kleide. der sich als mi-parti überall dnrchgefc'tzt hatte. Tas alles aber'zu einer Zeit, in der der wiensch sozusagen ganz auf sich selbst gestellt werden-und seinen Inhalt nunmehr ans seinem eigenen Denken schöpfen soll. Damit wurdeder jüdische Mensch ans sein Inneres angewiesen, gleich jeniandcm. der körperlich behindert. denk Strome seiner Kraft einen anderen Weg bahnen muß. Mehr noch als bei den Zeitgenossen, nmßte die Harinonie zwischen äußerem Sein und innerem Erleben gestört werden, um eine Ucberkvmpensation Heranznbilden. S ic aber ist es. die auf der einen Seite große und überragende Köpfe schuf, die ans ihrem Gefühls- und Gedankenleben alles schöpften, was ihnen das äußere Leben versagte. Für die schwächeren Naturen aber mußte sich eine Unsicherheit und Gehemmtheit im Wesen als notwendige Folge ergeben, da Ihnen das natürlichste Aiisdrucksniittel in der Kleidung genommen war. Tort aber, wo allmählich, die Tracht in die alles glejchmachende Mode mündet, >ist der Entwicklung eine neue Und bedeutsame Sprosse zngefügt, Trotz des leidenschaftlichen Bemühens. Stand und Herkommen durch betonte Unterschiede in der Kleidung scstznlegen, überrennt die Mode alle Pläne. Vorschriften NQrnberger Drogerie Walter SchönVeld Nflrnberger Strasse 43 / B4 Bavaria 0473 Mod. oloktrlMcho. Rollo Rapid- EnUleckerei allen Garderoben, Kunststopfen, Färben Mainekeatratsa 4 J1 BiemnrcK 6268 Schonende HagswasM am Uetzens«« s randrAe, Charlotteuburg Königsweg27a, J 8 6409. Mas sw Asche. Oberhemden, Damen-a. || aI9 Ean la |»|fa *| Oft |a Bettwäsche. Schlafanzüge,8toffannahme •*■»-00 ■.H.-ni IHOIlll Gertrad Saloschln, Charlottenburg. 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