Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 43 (22.10.1936)
- Date
- 1936-10-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 * 2. Beiblatt 22. Oktober 193« .j Elias Auerbach s Wüste und gelobtes Land Zweiter Band: Geschichte Israels vom Tode Salomos bis Ezra und Nehemia. Schocken Verlag Berlin 1936 Vor mehr als vier Führen erschien der erst^.. Bind - von Elias Auerbachs geschichtlicher Dar- . .stellung der biblischen Zeit, der von den Anfängen bis zur Epoche des Königs Salomo reifte; in diesem Herbst ist der zweite Band mit der Darstellung der Königszeit des geteilten Reiches und der ersten nacherilischcn Zeit gefolgt. Ein Anhang über die Zünde von Elcphantine.bildet den Schlns;. Was den ersten Band ausgezeichnet ,und ihn trotz seines streng wisscnschastkichen Eharakters zu einem Standardwerk jüdischer Laienhildung ge- Das Volk Von Ilse Blumenthal -Weiss Erlöschnes Licht der tausend, tausend Jahre — Wohin versank des Volkes kühne Kraft, Das Lied der Harfen, leuchtende Altäre, Des Wortes Wächterruf und Gottfanfare Und der Gebete wilde Leidenschaft? Auf öden Strassen, staub- und schuttbeladen, Abwechselt der Jahrtausende Asyl. .Und Seufzer säumen wie ein dünner Faden Die Wege ein. Und ferne Nebelschwaden Umdämmern fahl ein unbekanntes Ziel. Das Licht erlosch! Nun ziehen müde Scharen Zeitäuf und ab. Und keiner führet sie. Und keiner weiss, dass sie die Ahnen waren, Einmal, vor tausend, tausend Jahren Am Berge Sinai. .. macht hat. gilt auch für den zweiten: er verzichlet Nirgends auf das Rüstzeug der Gelehrsamkeit, er geht an vielen Stellen Einzelfragcir wie der nach den '. Regierungsjahren der israelitischen und judäischen Könige mit Genauigkeit nach und er ' liest sich trotzdem im ganzen wie ein spannnendcr ' Roman. ' Alles ist von höchster Anschaulichkeit und : an keiner Stelle mit der Staubschicht behaftet, die sonst von dem Buchwissen über entfernte Zeiten so schwer zu trennen ist; ans jeder Zeile der Darstellung spricht die-Vertrautheit des Verfassers, der seit Zähren in Palästina lebt, mit dem Land und mit den besonderen Bedingungen, die es menschlicher Lebcnsäußcrnng von jeher geboten hat. Auerbachs Buch ist nicht religiös, noch sieht es di? Bibel mit den Augen der Tradition;, gleichwohl hat es den kalt auflösenden Geist einer dem Judentum durch und durch fremden „Bibclkritik" alis immanenter Züdifchkeit hcrgns überwunden. Wer au, die Verbalinspiration des überlieferten Tertes glaubt, wird das Buch als Leistung anerkcnnen, es aber inhaltlich ablehnen müssen. . Wem aber auch ohne traditionelle Bindung -.die Teile in -der-Hand'' einer gottverlassenen Bibelwissenschaft ein Gegenstand 6er Gleichgültigkeit waren, der wird im Lesen die Got'teriülltheit eines einzig- - artigen Gefchichtsvorgangcs - von Zeile zu Zeile deutlicher l>egreifcn lernen. Ircilillf bedingt es die Eigenart des Stoffes, daß der zweite Band dem Forscher andere Aufgaben stellt wie der erste. Tort handelte cs sich darum, ans allgemeinsten Vorstellungen und spärlichen Quellen den dunksen Weg des Anfangs nachzuzcichnen und die Hcldenbildcr der Voikswerdung neu zu beleben. Hier soll der Fortgang der geschichtlichen Volkseutsaltung hineingestellt werden in die Umwelt der alten orientalischen Grohreiche und ihrer Hochknltnren. Es gelingt Anerbach, ans dem anscheinenden Wirrwarr von Königsnamen, mit dem für uns voir Schnlzeite-n her jene Epoche ansgefüllt ist, die große politisclfe Leistung zn erkennen, die darin lag,, die Selbständigkeit kleiner bäuerlicher Herrschaftsgebilde gegenüber dem Ansturm der großen Mächte Syriens. Aegyptens und des Zweistromlandes durch Zahrhnnderte zn erhalten. Tic Schilderung der Zehn-Revolution ist ein Meisterstück historischer Kunst, das opfervolle Schictsal Zehvjachins. erleben wir zitternd und herzschlagend als wäre es das unsrige. Aber jene Jahrhunderte sind nicht allein erfüllt von Kriegslärm und entfesselter menschlicher Leidenschaft. Wäre es das allein, was unser Interesse fesseln sollte, so ivärcn alle-Siege und Niederlagen von damals längst versunken und verklungen. Es sind geistige-Vorgänge, die sie begleiten und übertönen. Auerbach glaubt weder an die' politische, noch an die soziale Bedingtheit der Prophetie. Tie Propheten sind weder-die Sturmvögel des nationalen Unheils noch die Herolde einer sozialen Umwälzung: Ihre öffentlichen Vorhersagen sind oftmals in die Irre gegangen, ihre Gesellschaftskritik iff der Ausdruck empfindlichen Gewissens, nicht aber verderbter Zustände. Kein antikes Geschichtsvolk war freier von sozialen Mißständen wie Israel. Auch mit der ekstatischen Äslagie des srühgeschichtlichen Rabitums haben die 'Propheten nichts oder fast nichts zu tun. Ihr. Auf^rete^ ist niemals ohne Bezug auf die Ereignisse der äußeren Welt, aber es ist eine, geistige Erscheinung eigener Art und höherer Prägung.. Indem er dies feststellte, leistet Auerbach der Erfassung des religiösen Phänomens'im Bibeltert, ohne daß. seine Absicht darauf gerichtet wäre, die unschätzbarsten Dienste. Tie einzelnen Prophetcngestalten sind liebevoll und unter Anszeigung ihrer Besonderheit * wie ihrer Umweltsbedingungen analpfiert. Sprachlich und Inhaltlich besonders geglückt ist He Schilderung der Person und des Wirkens von Ieremia. „So innig ' er mit seinem Volke und dessen Schicksal verwachsen war, so klar löste sich doch'bei Ieremia das Innerste der Religion, die Beziehung zu Gott, aus allen volksmäßigen Bindungen und wurde geheimstes Gut der einzelnen Seele.'. So wird. : Ieremia der Ahnherr einer langen Reihe geistiger Menschen aller Zeiten und Zonen., einer Kette von Leidenden, diesich verzehren im Schmerz n«t ihr Volk und die getröstet werden und Trost spenden . in der Verheißung der' Umkehr.-und der Auferstehung.. Den Widerstreit zunschen.-Priestertum und Prvphetentum, zwischen Kiiltrewrin und Herzeuserweckung crivähnt. Auerbachan mehr als einer Stelle. Das Gvlus Babel, von Anerbach wie von anderen Historikern als die entscheidende Wende in der Geschichte des Judentums, ja als der Schmelztiegel seiner Entstehung betrachtet, - hat die Angelegenheiten des Tempelkulis gegenstandslos gemacht, andererseits aber neben den glühenden Künder den eifervollen Lehrer und Erzieher gesetzt. - Beide Komponenten der Entwicklung, die sich mehrfach überschueiden, haben zur Gestaltung und Erhaltung des Judentums beigetragen. Die Gedanken des unter.Iosiia KLL verkündeten Gesetzes sind als „Recht in-der Welt der Rechte' der'Siestc.l. ring der Erwähnung Israels und das Geheimnis seines Bestandes. Sie gehen ein in das Exil, und als die Rückkehrer aus ihm Iieinninden. wissen sie, daß sie der unwägbare Schatz sind,-den es zu bewahren gilt. -'Nichts iväre falscher, als jene nachexilische Zeit unschöpserisch zu finden. Auerbach -, versucht nächzuweisech daß sie nur deshalb dem. Blick der Späteren leer erschien, weil die Traditivn. viele -Schriftwerke des Kanons, die damals,? entstanden sind, einer früheren Zeck ztit-seschrieben hat. .Hier allerdings ist.der Punkt, an dem eine', ' eingehendere Begründung notivendig gewesen Sehr^dankensivert ist es. daß Auerbach den - Bericht über, die Papyri von Elephantine. der judäischen Militärkolonie an der; Sndgrrnze Aegyptens, anschließt. ' Sie zeigen, daß die Diaspora bis weit in die Königszeit hinansreicht - und daß die Fäden zwischen ilir »nd Palästina der Nerv unserer Geschichte von jeher sind. In den beiden, nunmehr abgeschlossenen Bänden „Auerbach' haben wir ein ans der Liebe, geborenes, mit Fleiß znsammkngcstelltes und lebendig veranschaulichtes. Grundmerk unserer Selbsterkenntnis zum Geschenk erhalten Man muß es verstehen und inert halten als einen Eckstein zw dem Bauwerk eines neuen Judentums. .Weruer C'ahiimann. Romane und Novellen Otto Flake: Scherzo. S. Fischer Verlag, Berlin, ltbUL- „Sb dies nun eine glückliche oderunglückliche Gescl)ichte ist' mit diesem Satz beginnt der neue Roman von Flake, wir greifen ihn ans und fahre» fort: es ist injedem Fall eine echt Flakesche Liebesgeschichte. In aninntig-ästhetisch-elegantein Nahmen serviert der Dichter eine kunstvoll ausgestattcte. Hors-d'oenore-Platte amüsanter,, prickelnder, erregender Begegnungen und Erlebnisse zweier Menschen, die. durch einen 'Zufall zniammengeführt, alte Bindungen allmählich abstreisen, um zueinander zil finden. Wer gervohnt ist, nach dem Hvrs d'venvre noch einen kräftigen Hanptgang vvrgesetzt zu bekommen, muß sich, bei einem anderen Dichter zu Tisch setzen. Wem aber leichte und dabei doch mit Raffinement und Geichmack bereitete Vorspeisen genügen, lese den Roman „Scherzo'. 11. B--n. Bestie Breuer: „Stärker als Liebe.“ Zeitbild-Verlag, Wien—Leipzig. Die Handlung dieses Romans einer jungen amerikanischen Schriftstellerin ist schnell limrissen. Ein Mann und eine Frau begegnen und „erkennen' sich. Der Mann, einer „Rasse non Löwen' entstammend,- die Iran, von einem „senrigen-Stolz' dnr-chglüht treten zn einem leidensetiaftlichen Liebes-Zweikampf an. Zwei „ritter-, ' liche Gegner' ringen in der äußersten seel,icl,ei> Anspannung um den Sieg, der ihnen rin gemeinsame« „ganz neues Leben' scl>enkrn soll. Sie Iverdcn aber besiegt — von Kräften, die angeblich stärker, als Liebe sind. — Nicht wenige Leier werden sich von diesem Buch, in dem ein „nerzanbertcs Leben' zn Zweien geschildert ist. in eiye ^Vcrzanbernng entführen lassen. Dr."K. M. Sir Galnhad: Byzanz. "Non Kaisern, Kugeln und Kunurhen. E. P. Tal & Co. — Verlag, Wien. ' Der Versasierin. die unter dem gralsritterlichen tz!a»ien Sir Galahad setireibt. ist es weniger .-um Pie-Darstellung der politischen GeMichte des byzantinischen .Kaiserreiches zn tun als um die Sinndentnug eines einzigartige» kultiirellen Phänomens. Sie hat lischt ei» mehr oder minder entbehrliches'.'.Buch iiber eine» seltsamen Knltnrkreis gesetiriebeik sondern den Mytt,os nön Byzanz naehgeschaiien. soioeit dos iiberliaript möglich , ist. In beivnßter Anlehnung an Gedanken des großen Mytyendentcrs Bachoien ioerden in den Lebenssormen des byzantinischen B!ärcl>enreiches, in dem Frauen eine s'o überaus bedeutsame-Rolle spielen, tztachivirknngen matriarchalischer Lebensgestaltnng erkannt. Hiermit hängt auch die Interpretation des berühmten Bilderstreits ziifanniien. der den immer vom Seltierert»n> gefährdeten Staat im achten nnd neunten' Jahrhundert dnrchtobtei ES hat sich, so glaubt §ir Galahand. Nicht' nur um den Känibs ziojscheu einer stosflosen Geistreligion und eiiirm.U'irdercrwachten Heideistnm gehandelt. ' sondern „um das inäniiliche und weidliche Prinzip 'an-.sich: gegen den niännlich-iiiimaterietleii Geist erhob, sich einig, zeitlos, weltenweit die.Göttlichkeit beseelten Stvises: das Prinzip der Iran". A'icht »»erwähnt bleibe, daß Sir Galahad bei Schilderiing der Stadt Byzanz einige. Male Beyiamin von Tndela zitiert, den berühiiiten jildischen Reijeschriitsteller' des Mittelalters. .?. 51. Ilermaim llexse: Tragisch. Herbert Ib'ii'Imer Verlag, Wien, Leipzig, Zürich. ii):w. - Die sein Pointierte Geschichte Hermann -Hesse?, die die Gestalt und das tragische Ende eines Man- Wahl und Wende des „jungen Josef“ Voy Franz Apt Die Geschichte Josefs, wie sie Thomas Mann im zweiten Bande seines RmnanS fortsuhrt und w.eitergestaltet, hat — zwanglos und durchaus natürlich — ihren Brennvunkt im Urerlebnis. das den verzärtelten' Bljtcrssohn aus der Mlle des Lehens in den Abgrund der ürzD^^Lir werden Zeugen, wie die lailcjIchritckgkirräiigte 'und daher hvchgestaute Wut der Brüder' deit Tamm einreißt und sich aus ihr schönes Opfer stürzt. Aber mit dieser liebevoll gestalteten Tar- - .stellung kann sich der invderne Tichter der Seele nicht begnügen. Es geht für i'hn nicht ' an, hier nur das Licht nnd dort nur den Schatten zu sehen. Es müssen tiefere, dein Ailge verborgene Ströme der Anziehung und Abstoßung, der Wehr, und Gegeiiwehr, mit» gewirkt haben. Schuld und Verstrickung — sie können nicht nur auf seiten der Wcörder liegen. Tenn das bleiben auch -bei'Mann Josefs Brüder trotz allein,' niag auch der Tichter ihren Haß als „Verliebtheit mit verneinendem Vorzeichen" zu erklären versucheii, niag er die Brüder sich bemühest lassen, wischen „Tun nnd Geschehen", also zwischen rcier Wahl und Fatum, spitzfindige Unterschiede zu schaffen. Silbjcktives nnd Objektives wird gleichzeitig zu ihren Gunsten ins Feld geführt. Vorerst wird zri solchem Zweck?^cnen'Zeitläuften iind Ihren Gepslogei'.heiteu^ .viel zugute gehalten: „Menschenverkanf! Brnderverkauf!" — so heißt cs beschönigend — ..Man übernehme sich doch nicht in empfindsamem Abscheu, sondern werde dem Leben gerecht und dem starken Einschläge nüchterner Gebrällchlichkeit'. welcher dem Einsalle fast alle schlimme Ursprünglichkeit nahm." Verkaufte denn nicht der Mann, der än Not war, ' . j den Sohn, nicht'der Vater seine Tochter zur Ehe? Hatte nicht noch Iaakvb die Rechte" dem Laban abkaufen-müssen durch vierzehnjährige Fronk Ter Tichter will nicht, daß inan die Iosefsb-rüder für „besonders verhärtete Burschen" halte und i'hnen -jede Teilnahme vorenthalte. Nein! Auch ans der anderen Seite muß Schuld gewesen sein!. So erivächst ans beharrlichem Suchen nach verstehender lind verzeihender Gerechtigkeit ans dem Sturz in. die Grube eine Schicksalstragödie attischen Stils. Thomas Mann zergliedert den Lauf der Ereignisse nnd deckt dann synthetisch' den ..selbstverdcrberischen -Uebcrmut" des mißhandelten Knaben ans. Seine Hoffart, seine Eitelkeit, das Znrschän- . trugen körperlicher -Vorzüge und väterlicherseits gewährter Bevorzugung, kurzum seinblindes und doch so' psfensichtliches. eindeutiges 'Heransfordern.'des. Schicksals. So - schält sich als Ergebnis heraus, daß Josef in die Grube, haste kvnnnen sollen — und „ganz genau gesagt, habe kommen wolle n". Hat er nicht den'Hinweis .Rubens in den ..Wind, .geschlagen, -der ihm vom „Trug der Gesegneten"-'ahnungsvoll und beratend gesprochen-hatte k Taß nämlich diese Gesegneten ihr Licht Unter den Scheffel stellen müßten, daß es ihnen nicht znm Schaden leuchte! — Tiefe Szene „In dev Höhle" rvird solcherart zur Wende des Ganzen. Tie Erkenntnis, die die, Wende bed-entet, geht allmählich denr Knaben auf, während er in schmerzvollen Fesseln liegt. Tas Bewußtsein eigener Schuld überkommt. Josef in der Tiefe der Grube. In der trüben Zeitspanne dreier' gleichmäßig dunkler Tage lind Rächteerlebt er das Er--, ^schrecken über, die eigene Verstrickung in -Schuld. Tas wehe Mitleid mit' sich selbst macht Platz einem verständnisvollen Granen, das in der Seele Raum läßt für das Gefühl, des Mitleids mit seinen schuldig-unschuldigen Mördern. So erlebt Joses im Moder und Staube des Brnnncngrundes seine innere Verwandlung, ja,, feine Auferstehung im Gejste, vljne die unmöglich wäre, was, N'ie wir wissen, noch kommen wird. Tiefe Szelie ist nach Form und Inhalt ureigenstes.-Mannsdies' Gut! tsiach'beiden 'Richtiingest hin ist sie eine Bestätigung jenes bedentnngsvvllen Libschnittes ans dem „Zanberberg", rvv inmitten von Schnee nnd Eis der junge, mit Sthiievsclilihen ausgerüstete Hans EastvrpDen Psteg vom Tode ziim Leben findet, der nach des' Tictstlrs iliwerrlickbarer, immer wieder behandelter Grnndaiissassnng der Weg-der'seelischen Gesnndniig ist. Tiefer Weg wird immer in einem Tämmerznstand... znrückgelegt. Wa< im „Zauberberg" das ZnsanlM.eiiivirken von Ermüdniig mit ansteigender Fieberkurve beivirkt. die Herabmindernng der Sinne — sie sind im „jungen Joses" die Folge der ans körperlicl,er Riißhalidlnng hervvrgegangeiien Schmerze», verbunden mit Hunger.- Tnrst nnd völliger- Erschöpfung. Hier erinnert Thomas.. Riann an den im „Zaiibertst^rg" vorzugsweise' be» ' handelten Gedankeii. daß sich die Kranklzeit ihren Riaiin. modle? damit ans veränderter Bereitschaft des Körpers ertragen werden ' könne, .was sonst nach allgemeiner Rieinung scljlcchthin „unerträglich"'ist.<.Tas-wird auch lper bemerkt Zn-dein, für Mann so bezeichnen- . den Zivecke. daß nnier BUtleid uns mrift allzu nu’it mitreiße. „Wirklichkeit ist nlichterii." Teshalb gilt es' von -jeher, den Einspriuli stürmisch einpörter Rcenschlichkeit zn dämpfen, ans daß der Nie,,sch nach läcljeln könne dnrc!> den Träncnschleier des Gefi'ihls hindurcli. Tarnit dient der Ticlster der Wahrheit-u-ffd dem Leben, fvie. 'er.meint, ans die gleiciie Weise'. ans die im „Zanberberg" Hans Eastorp ans denr Geiülil—dc-r^Liebe-sichuui? den nüchternen, klaren Weg ins Leben entscheidet. ' . - Es kann gerade bei Thomas Mann, deiii im Wort Gewissenhaften nnd Verantwortungsvollen, kein Zufall sein, daß diese Gedanken sogar im Ansörnck, den sie gesunden. Anklang^ aneinander aifsweisen. Ü^n der Güte und der Liebe willen, sagte Half8 Eastorp. soll der--Mensch dein Tode keine Herrschaft einrännfen über seine Gedänkeif. - iIm „jungen?ivsef" bemüht sich der Ticliter, n in des Lebens unb der W i r k l i c!> k e i t fv i l l en dafür zn. sorgen, daß siclz die Eiifbildniigskrast ificlft übernehme und nicht - ins Leer-Gefülilvolle sich verliere. BIas ist das.aber anderes, als das entschlossene Sichabwenden vo>z der dnnkeltrännferiscl>ei> Tpliäre des Todes znm hell» -lfüchteriieif Bezirke des"Lebensk ' Diese ^bendnng znni Leben'- macht auch der in der Grube gefangene Joses! . Er weiß zfvar, daß er sie lebendig flicht inchr verlassen fvird, deifn Errettnifg-erslheint Höchst ninvahrscheinlich, fvoyl geradezu ansgesihlosseif. . Aber im Angesicht des Todes legt-Josef für die Riacht der Liebe Zeugnis ab.? Sie ist eine hi acht, die'dem Tode entgegensteht und sich stärker erweist-als er. Jetzt, gedenkt Joses nicht inehr seiner eigenen R'ot. wenigstens nicht vorerst iknd aiisscl,ließlicl>. sondern 'feines Unglück-, liclieii Vaters und sogar seiner glücklosen Brüdep. So gilt sein Tr<iÄ)teii flicht der Plückkehr ans der Griibe^nni jeden Preis. Küht - es doä> leine Rnckkelfrinelsr ins alte Leben. Aber gerade durch diese Lpendiing und LLandlung ivird liach des Tichtcrs Wort „die Grube besiegt".— Tieser Analogie der geistigen Wende entspricht in beiden Tiästiingen die difrchans airalöge Lh'rwendmig des gleiclfeü künstle- - ri.fclien Tarstcllni-igsmitteis. In beiden Fällen entspringt aus.traimiähnlichem Z.iistande ein ü.bcrsrlfarfes LLaclfseiii, dem die.Ströme ans der Tiefedes Unlerbewnßtseins znfließen. ^Allc Ihre Bücher Buchhandlung am Zoo FHUJUng Charlottenburg, Joachiimlhaler Sh*. 43-44 Mltglted der; lüdlsthen Gemeinde Telefon: BUmorek 6506 Zuiendung noch ollen Stadtteilen