Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 43 (22.10.1936)
- Date
- 1936-10-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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|4>«6Ö XV. Jahrgang / Nr. 43 Berlin, 22. Oktober 1936 Preis 10 Pfennig entra erern ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschättsstelle (Verlag, Schriftleitang, Anzeigenannahme, Die C.*V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag, boten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 RpF. (einschl.! . . nummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). -Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch a„.-.....„-r -., : für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 10 Rpf., weitere ermassigte-Grundpreises. Preisliste. Finzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. - Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschrifton ohne Verbindlichkeit. Um die Zukunft der Juden ■ ’vV- _ In wachsendem Maße beschäftigen sich jüdische und außerjüdische Verlautbarungen mit der immer dringender werdenden Frage nach dem politischen und wirtschaftlichen Schicksal der polnischen Juden. Vor allem ist es die p o l n i s che R e gier u n g selbst, die diesem Problem mit großer Aktivität zu Leibe - geht und. dabei konstruktive Lösungen anstrebt. die, mögen sie von jüdischer Seite Zustimmung finden oder nicht, bemerkenswerte Belegstücke für die Tatsache sind, daß' die Judensrage zu einem internationalen Problem angewachsen ist, das nur. in gegenseitiger Zusammenarbeit wirksam gefördert werden kann. ' Von dieser Erkenntnis geht auch ein Eömrnuniqu« des polnischen A u ß e n m i n ist e - r i ums aus, das die Haltung der polnischen Delegation bei der soeben abgeschlossenen Tagung des Völkerbundes in Gens zum Gegenstand hatte.. „Jüdische Emigration", heißt es in dieser Veröffentlichung. „ist ein - internationales Problem, das durch Zusammenarbeit mehrerer ausländischer ökonomischer und finanzieller Faktoren gelöst werdenmuß; die Jude n s e l bst müssen hierin eine wichtige Rolle spielen. Das nächste Jahr muß eine Intensivierung der bereits begonnenen Nachforschungen über die Möglich-- keiten der Kolonisierung von Juden a u ß e rh a l b P a l ä st i n a s bringen, da Palästina allein nicht die Emigrationsbedürfnisse der polnischen Juden befriedigen^ kann. Diese Untersuchungen müssen sich, nach zwei Richtungen hin bewegen: 1. Es müssen neue Gebiete für jüdische Kolonisation im Gleichkläng mit den Bestrebungen der jüdischen Territorialisten ausfindig gemacht werden; 2. s i n a n z i e l l e M i t t e l für Emigration und Ansiedlung in anderen Ländern Müssen sichergestellt werden. Diese finanziellen Mittel kann Polen, das bisjetzt mit großen Schwierigkeiten die bisherige jüdische Auswanderung nach.. Palästina gedeckt hat (offenbar wird mit dieser Bemerkung daraus angespielt, daß Polen den nach Palästina auswandernden Juden die teilweise Mitnahme ihrer Vermögen gestattet hat), nicht beschaffen; vielmehr müssen ausländische Finanzleute, hauptsächlich jüdische, die erforderlichen Kapitalien.aufbringen, um die jüdische Auswanderung aus Polen zu fördern. Sie würden dabei im wohlverstandenen eigenen ^wirtschaftlichen Interesse der armen jüdischen Bevölkerung handeln, die in den überbevölkerten und kapitalarmen Polen erstickt." Bemerkenswert an dieser Auslassung ist die genaue Kenntnis der jüdischen Wande- . ^cungsprobleme. Die polnische Regierung weiß die materiellen und ideellen Möglichkeiten des , Palästinaaufbaus offenbar richtig einzUschätzen, aber sie verkennt nicht, daß Palästina der jüdischen Wanderung, ja nicht "einmal > der' polnisch-jüdischen Wanderung 'ausin Polen reichende Möglichkeiten bietet, und daß es deshalb notwendig ist, ihr andere Gebiete zu erschließen. Wie 'man aus gut informierter Quelle erfährt, soll die polnische Delegation auf der Völkerbundsversai.nmlnng über die bereits bekanntgewordenen diplomatischen. Vorstöße hinaus einen .Plan über ein g r o ß e s j ü d i s ch e s K o l o n i s a t i o n sw e r k auf der Insel E ti p e nt aufgestellt haben; dieses Werk, das neben der Palästinakolonisätion einhergehen soll, soll zweihunderttausend Inden aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern Raum schaffen. > 1 Den Appell an die Judenheit, die Bewältigung dieser Aufgaben auf; finanziellem GEDENKFEIER für Julius Brocbitz Montag, den 26. Oktober 1936 Programm s. Hauptblatt Seite 2 Karten sind gegen Vorbestellung zu erhalten Jüdischer Central-Verein e. V. Berlin W 15 / EmserStr. 42 / J 2, 8141 Diese .Nummer umfasst 24 Seilen. Sic enthält u.a.: Die Beiträge: Wahl und Wende des „jungen Joseph1", von Franz Apt. — Liturgie und Gemeinde, von Ludwig Altmann! — Abschied von Europa, von Custi Hecht.,— Die' Gestalt Sabbatai Sevis, von K. PT | Die beilagem—----—, - Buch und Kunst. — Der Briefmarkensammler. :— Das Blatt der jüdischen Frau* —— Spovtblott. — Palästina- Gebiet selbst in die Hand zu nehmen, nimmt auch cin Artikel ans, der in dem Blatte des Oberkommandiereuden des polnischen Militärs General R h d z- S m i g l h , ..PolSka- Sbxoj.na" erschienen ist und der auch über den polnischen Rundfunk verbreitet .wurde, Ter Ueberschuß an Inden beeinflusse die wirtschaftliche Entwicklung Polens, so heißt es dort, in verhängnisvollster Weise. Diese Tatsache, n i ch t a n t i f e m i t i s ch'e B e w e ggründe, mache das Problem der jüdischen .Auswanderung so brennend. Das Bl-att weist auf die Darlegungen I a b v t i n s k p s hin, der erklärt habe, daß anderthalb Millionen Juden ans Polen answandern müßten. Wenn Jabotinstv und andere jüdische Führer zu solchen Schlüssen kämen, so sei es klar, daß die jüdische Presse die polnische Regierung nur. fälschlich des Antisemitismus beschuldigen könne, weil sie das jüdische Answanderuugsproblem vor dem Völkerbund zur Sprache gebracht habe. Tieß fei nicht nur im Interesse Polens, sondern auch der Judeuheit geschehen. Die Frage der Autzjväuderung werde gründlich erörtert werden müssen, aber praktische Arbeit setze ein Zusammengehen nicht ■■■mir der interessierten ' Staaten, sondern auch der jüdischen und polnischen Bevölkernngsteile /voraus. Zu den Erklärungen Jaboti.nikhs vor der polnischen Regierung veröffentlicht übrigens der B e r v and der p v I n iE rij e n I u - d e n i n A m e r i k a . eine scharf veriirteilende.Verlautbarung. Jabotiusky habe init seinen Aenßerungen Lel. ins Feuer der 'Antisemiten gegossen: chie Judensrage in Polen dürie nicht.als eine von den übrigen Problemen des Landes losgelöste Angelegen» heit dargestellt werden. Daß auch die jüdischen Lrganisativnen in Polen selvstsich den Plänen der polnischen Regierung gegenüber scharf ablehnend verhalten: ging, schon ans den Verlautbarungen ' hervor, die . nur in den letzte>i ')itnnineurtrcir C.-V^-Zeitnng verönentlichk haben. Nunmehr haben entch. die im jüdischen Wirtschastskomitee zusammengefaßten wirtschaftlichen Lrganisationen des polnischen Judentums gegen eine jüdische Zwangsauswanderung Stellung genommen. Auf einer Tagung in Marschau, an der' maßgebliche jüdische Persönlichkeiten teilnahmen,Jvnrde eine Entschließung gefaßt. in der es "heißt: '„Tie ans polnischer Erde geborenen, ihre Bürgerpflichten durch Entrichtungau Stellern von Blut und Vermögen wie alle anderen Bürger Polens erfüllenden Inden in Polen haben gleichen Anspruch ans Hilfe und Schutz durch den Staat als Bürger gleichen Ranges, ans gleichen Genuß der Güter des Bodens und gleiches Recht auf allen Gebieten des Staatslebens. Die wirtschaftliche Lage der jüdischen VPwlkernng ist eng verknüpft' mit der wirtschaftlichen Lage und der Wirtschastspolitik des Staates: Hebung der wirtschaftlichen LagE der jüdischen Bevölkerung ist eines seiner inneren Probleme. Die utopische Anregung, den Boden, ans detit sie seit tausend Jahren lebt gmd an dessen wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung sie generationenlang mit ganzer schöpferischer Kraft mitgewirkt hat, mit dem sie gleich allen anderen Einwohnern verknüpft und auf dem sie gleite s',.chtigk-^st. zu verlassen, um anderen PldW'-u .chc.n kann von der jüdischen Bevölkerung nicht beachtet werden/E Die Erklärung bejaht .dann das.Vor» handcnsein eines Emigrationsbednrfnisses innerhalb Polens.unterstreicht aber die TatsachL. daß dies'nicht ausschließlich jüdischen Charakter trägt, sondern alle.Teile der Bevölkernng betrifft. Die Erklärung erinnert dann weiter an die führende ilivlle des jüdischeu Handelsstandes innerhalb des polnischen Handels und Erportes. Alle Bemühungen um die Förderung der polnischen Answandernng müßten von konstruktiven Plänen ausgehen, die eine Rvrmalisicruug des Wirtschaftslebens^ zunächst in Polen selbst im Auge haben; innerhalb dieses «mit. pleres fei aber die Stellung der jüdischen Bevölkerung nicht zu. isolieren. Tie wirtschaftliche Gesundung der jüdischen Bevölkerung Polens erfordere deshalb die aktive Mitwirkuirg des Staates, und die Losung , der Gleichberechtigung sei die Losung aller polnischen Bürger, die solidarischmit aller Energie verteidigt werde. In ähnlichem Sinne wie die polnisch, jüdischen Wirtschaftsverbände hat sich auch . der Verband der jüdischen Teilnehmer an den polnischen Besreinngskämpfen geäußert. In einer Resoltition dieses-Verbandes wird an die rinzertrennliche Verbundenheit der jüdischen Bevölkerung Polens mit dem pvl-_. nischen Staat erinnert. Die Pläne einer füdischen Piassenauswanderüng - ans Polen - stünden im Widerspruch zu den Stanlsintecesien, da sie die Judensrage nicht lösten, sondern zur Schwächung des'Staatcs'nnd seiner Wehrkraft führten. Außerhalb des polnischen Raumes liat die" Erekntive des J.ü d i s ch e n W e l t - k v n g r e s s e s zu' dem Vorstoß: der polnischen Delegation. ans der.V.ölkerbnno?ver-/ sammlnng Stellung genommen. Der Weltkvngreß* betont, daß jeder Versuch, die Politik her jüdischen Auswanderung ans Polen zu einer Einschränkung der den Inden Poleits aui Grund der-Verfassung, gewährleisteten Rechte zu benutzen, zurückgewiesen werden müne. Auch dürfe die jüdische Bevölkerung zur-.Auswanderung nicht gezwimgen werden, w nötig ans wirtschaftlichen Gründen die Abwanderung eines Teils der Inden ans Polen sei. Der Versuch, das Answandernngsproblem international zu behandeln und Lrgane des Völkerbundes -ei-uunnuniia zur ^lügeknng' der Frage init heranznziehen. fei wertvoll, vorausgesetzt, daß die G l e i ch - be r ech t i gu n g der jüdischen Bürger in den Answaiidernngsländern unangetastet bleibe und daß die Frage der jüdischen Auswanderung als Teilproblem allgemeinerer Zusammenhänge erkannt werde. K.J. R. Der'Sinn großer Ereignisse liegt darin, daß sie zu nenein Sehen und zu neuem Denken Anlaß geben oder daß sie die.ursprüngliche Problematik, die in den Dingen liegt, bewußt machen. Tie Erörterung der Palästinafragen seit-Beginn der Unruhen dürfte eine umfangreiche'Bibliothek füllen. Von zionistischer und nichtzioiiistischcr Seite ist, größtenteils mit ' Berantivortnngsgefühl gegenüber der .kritischen .Situation. nur ganz verscl>windeiid von reinem Agitationsbedürfnis diktiert, ansgesagt worden, ivas an Gedanken und Empfindungen durch die Ereignisse anfgerührt wurde. Die Panse , in Palästina, von der nur. .kürzlich schrieben, daß niemand wisse, ob sie Vorstufe des Friedens oder' nur rin Wasfenstillftand zwischen'Auseinandersetzungen sei, ditrfte e8 rechtfertigen, daß wir in Form einer Ansr spräche^ vlme tins mit den beiden vertretenen Standpunkten zu identifizieren, einem Zionisten und einem Richtzionisten das Wort geben. ' " Die Schriftleitung IXon-Tianists und Jvtvish Ayvnvy . Tie Trage imiß aufgeworfen werden, welchen Sinn l>at°die .lewtsli Agene^ neben der Zionistischen Bewegung, oder gemni gesprochen, welchen spezifischen Beitrag könnte der nichtzionistische Partner zum Aufbau Palästinas leistend Das Uubel,agen ist deutlich spürbar, dabeizustehen und zuzusehen, wie Furche um Furche Ackerland in den '-lvüstenboden des durch Jahr-. - Hunderte verwilderten und versumpften Palästina gezogen wird, und selbst-keinen eigenen Beitrag hierait zu'erkeunen al-r:.auch wir haben (sield zu diesem Pslug und zu jenem Traktor gegeben. tc,rgde für das mit sittlichen (Energien geladene Judentum in Tentschlaud ist.dicse seelische Tituation unerträglich. - Soll es lein spezisiscl>es Cöi'bict im Ausbau des Landes geben, das »ach Struktur und Ideologie besonders, dem nichtziouistisck)en Partner der .Jowifdi Aj'etiry gelegen iftf Tie zivnistisck)e Bewegung nahm ihren Ausgang und ihre Ürast aus dem Ausbruch her Herzen des jüdischen. Volkes. lind doch stand sie stets im Einklang mit den aus der Rot geborenen Erkenutnifjeu des jüdiselsen Scl,icksals der Heimatlosigkeit. des Hungers, des Abfalls, die sich wie eine Jlöoge au-; dem 'Listen Europas nach dent^. aus dem Aufbruch der Herzen — bekam aber bald Sund Form ans den praktischen -Bedürf- >er JDxiinvt vorgcsck,rieben. Tie Herzen slhwdsgeu und die Hände mußten schassen, 'um..denen Heimat zu bereiten, die bereits Flüchtsinge waren. Tabci wurde vieles unterlassen, Ivas die Herzen gebieterisch verlangten: unter anderem auch die üirundlage für den'Frieden mit dem arabische» Brudervolk zu bauen. Tem uichlzioniftischeu Partner fehlt der heiße Ldcm des Baueuwolleus. 'wie er durch jahrelanges Fügern/ ehe er dein Werk beitrat, bcivieseu hat.-. Inseiner .charakteristischen chruudhaüuug unterscheidet er sich auch von dem Jionisten, den in erster Hinsicht ualsonalcs Bekeuuluis und nationaler Zwang zur Bewegung ge-- fiihrt hat...während die Beziehungen jenes durch religiöse Berbnndenlieit vor allem gekennzeichnet sind. Avcl, dergAiclitzioniit sieht heute im Aufbau Palästinas kein philanthropisches Unternehmen mehr. Aber er will die jahrtauieiideallen religio. ‘ fen Bindungen nicht mit den vergänglichen nationalen vertauschen/ Tie Auhe.-die diese religiöse Berluindenheit mit dem Paläsiinawerk. in sich birgt, niacht verständlich, daß ihm der hastige hciße Toem te'.MT'ünUtn der Zioniü fieberhaft ' gm Werke schalst. - Aus dieier religiösen sivnzeptivn der Anteil- . nähme am Palästina-Aufbaii miiüen gonseguenzen gezogen werden. Wir Juden. Evlnsvolk. habechin' allen Ländern der Welt, die uns gastlich ciusnahmen, als religiösen Auftrag den Gedanken der