Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 42 (15.10.1936)
- Date
- 1936-10-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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r.- \ übergebt. _ Hausverwaltungen! an die Firma S. ACKERM A N N f München '• Berlin W9 Ritter v. Epp-Plata# Tirpitz-Ufer 22 Rrzte Referenzen! Beratung kei Immobilien-Varjilufen iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniimnii^ 1024 feinem Lande eine Verfassung verlieh. Sein Reich ist eine konstitutionelle Erömvnarchie. in der im Verein mit der Köirigsgewält ein Parlament, aus Senat- und Abgeordnetenhaus bestehend, die Staatsmaschincrie in Gang hält. 1032 hatte Feissat sein Ziel erreicht: da« britische Mandatsländ wurde als selbständiger Staat in den Völkerbund ausgenommen. Tie Bem'lkerung des 370 077 Quadratkilometer gro/en Landes lst in ständigem Aiuvachsen begriffen: noch 1020 wurden '2 849.282 Einwohner gezählt, 1004 bereits 0 000 000. TPe Bevölkernngsmasie bildet aber weder rassenmäßig noch religiös eine ^Einheit. Neben dem überwiegenden arabischen "Element treffen wir Kurden.' Türken, Perser und Armenier an. Für uns bemerkenswert ist es. daß „ngeführ 00 OOO'Inden im Lande leben. Tie Anzahl der Europäer ist verhältnismäßch gering. / Irak, vordem Mesopotamien. Zwischenstromland genannt, ist bekanntlich uralter - Kulturboden. Irak, das bedeutet Niedernngsland. weil hier die Wüstenfläche zu der fruchtbaren Strvmebene des Euphrat und Tigris absällt. An diesör Wiegestätte der Menschheit. wo einst die Weltreichsstädte Ninive und "Babylon blühten, befinden sich heute große Städte in' aufsteigender Entwicklung: neben der Landeshauptstadt Bagdad mit ihren 020 000 Einwohnern das von 70 000 Bewohnern bevölkerte Mvssul, danach Basra. Kerbeka und Kerkuk. Infolge der günstigen klimatischen Bedingungen gehört der juüge Staat zu.den ertragreichen Agrarländern unserer Erde: im Mai, wenn die Flüsse ihren Höchststand erreicht haben, werden Reis. Mais und Erbsen,.im Herbst Weizen lind Gerste abgeerntet. Künstliche Be- , Wässerung steigert dort, lvo sie nötig ist, den Bodenertrag. ' Tie Laudesindnslrie befindet sich zurzeit noch ans der Stufe der Hausindustrie: aber es genügt daran zu erinnern, .daß die neu erschlossenen großen Erdölvorkommen bei Kerk.uk das Land zil einem Brennpunkt der-heutigen Weltwirtschaft und Weltpolitik gemacht haben. Bon den zwischen Mossul 'und Kerkuk -gelegenen Erdölseldern nimmt bekanntlich die Irak-Erdölfernleitnng ihren Ausgang. Ileber eine Strecke von 1030 Kilometern läuft die britische Qelleitnng von Kerkuk nach Haifa. Ta die Engländer Haifa zu einem' maritimen Stützpunkt ihrer Stellung im östlichen Mitteluieer ausznbauen gedenken, ist die Qelleitnng für die Brenn- . stoffversorgüng der britischen Schlachtflotte unentbehrlich geworden. Auch die Franzosen wollten an dem strategisch wie weltpolitisch gleich wichtigen Unternehmen nicht unbeteiligt bleiben:'sie setzten es durch, daß eine kürzere Ziveiglinie der Iräk-Qellei'tung zu ihrem Mandatsgebiet hingelenkt wurde; .sie endet bei Tripoli in Syrien. In der irakischen Wirtschaft überwiegt heute noch ddr britische Besihanteil und Einslnß. An Landesprodukten lverden, von Erdöl abgesehen. Baumwolle.und Wolle. Häute und . Felle. Getreide und Tatteln vornehmlich nach Großbritannien. Britisch-Indien. llSA sowie nach dein benachbarten Iran ausgeführt, während umgekehrt aus den genannten Ländern hauptsächlich Maschineih Metalle und Erze. Bauimvvll- und Seidenwaren. Zucker und Tee eingeführt lverden. ManFpnrt deutlich. >vie der'junge Staatskörper kräftig seine.. Glieder regt. Tie Wehrhaftigkeit des Volkes 'wird gefördert.- Schulen lverden errichtet. Bildungseinrichtungen gepflegt.- Eine der wichtigsten Aufgaben stellt die Neugestaltung des Verkehrswesens dar. Karalvanenverkehr. Flnßschiffahrtchenügeu nicht mehr. Eisenbahyen. Autostraßen, Ehausseen: müssen gebaut werden. Tie Lösung dieser schweren Aufgabe ist dem jungen; 1012 geborenen König Gha zi I. zugefallen, der'seinem 1003 verstorbenen königlichen B a t er Fei ssa l auf den Thron gefolgt ist. HI. Transjordanien Im Gegensatz zum. Irak ist Transjordanien von der Statur stiefmütterlich bedacht worden^ Nur iin Westen" des 42000 Quadratkilometer großen. Landes hat ein spärlicher Steppenwuchs eine etwas dichtere Annedlung ermöglicht. Wo die Steppe aufhört. lvo'Wasser fehlt. da hat das erbarlnnngslole Trockenklima alles zlir trvst- . losen Saiidwüste werden lassen. In diesem dürftigen Lande /leben (ans Grund einer Zählung von 10271 260 000 Einwohner, zumeist Araber, von' denen 43 Prozent als seßhafte Ackerbauer in Qaienkultnren. 40 Prozent als Halbnomaden. 17 Prozent als Steppenbeduinen zu existieren suchen. Als eiaentlicile Städte sind mir Unmm» unst jordanien Häute und Felle. Wolle sowie Rosinen aus. Es bedarf an Einfuhr Kohle. Holz. Tertilien. Mineralöl und Seife-. Das Verkehrswesen ist noch unentwickelt. Tie Hedschas-Eisenbahn liegt im argen. Tagegen führt eine Autostraßevon Jerusalem nach Amman; eine andere verbindet Amman mit dem verkehrstechnisch bedentungs- Pollen El Akaba. In Transjordanien regiert 'seit, 1921 Emir A b düll a h, ein Bruder Ferssals und Sohn des vordem erwähnten Schexifen Hussein von Mekka. Er regiert auf Grund einer am 16: April 1928 verkündeten Verfassung. Tie Staatssorm ist eine konstitutivnell-parlamentarisehe. Mit dem Emir teilen . sich ein anssnhrender Rat iiild eiste beratende Volksvertretung in die Ltaatssührlmg lind „ Verwaltung. Gesetzgebung und vollziehe,lde' Gewalt uuterftehen der britischen Aufsicht, und zwar auf Grund der 1922 erfolgten Mandatsübertragnng. an Großbritannien.. Nur in ihren inneren Angelegenheiten wurde den Arabern SMssMrmaltung, zugestanden. Mit dem benachMrten Palästina bildet Transjordanien nicht nut eine Wirtschasts-, sondern auch'eine Verwaltnngseinheit. Nachdem 1924 Transjordanien vorübergehend von Palästina verwaltungsmäßig abgetrennt worden war, wurde 1928 festgesetzt, daß der britische Oberkvnunissar in Palästina zugleich die Funktionen eines Oberkommissars für Transjordanien ausüben soll. . IV. Das Grossreich Ihn Sauds Salt au zusprechen. Au- -Agrarprodukten liefert stas Laub .Hnlsenirüchte. Weizen und Gerste. Neuerdings-hat man versucht, den angepslanzten Tabak an' Qrt und Stelle industriell zu-verarbeiten. Tie Beduinen der Steppe schlagen sich als Viehzüchter durch: sie halten Kamele lind Pferde imb nennen Schaf- und Ziegenherden ihr eigen. Außer dem. genannten' Produkten ' führt Trans- - Tas neue Arabien ist' eine Schöpfung- König I b n S a n d ». Tiefer mit ungewöhnlicher Tatkraft und Willensstärke. Klugheit» lmd Vaterlälldsliebe erfüllte Ntann ist bereits heute eine weltgeschichtliche Figur. Verkünder und sinnbildlicher Ausdruck des nationalen llnabhängigkeitswillens .der Araber, Wiederhersteller der reinel. Gestalt der mohamnEdauischen Lehre, Inbegriff. MitteE plmkt,.Hvfsiluilg und Stolz des erwachenden Islam. Noch fehlt lins Mitlebenden der zeitliche Abstand, Um die markante Pe'rsöntichleit dieses Herrschers geschichtlich einzuordneu. sie mit ähnlich angelegten Mannernster Geschichte zu vergleichen. Wer mochte sich unterfangen, heute schon vorausznsagen. ob er nur ein mächtiges Reich von vorübergehender Tauer geschaffen, oder ob er die Grundlagen^einer glanzvollen Zukunft gelegt hat? Dem sei, wie es wolle; jedenfalls tritt, wenn wir die geistige Physiognomie des außerordentlichen Mannes betrachten, jene seltene Mischung von hohem Gedankenslug und hartem. nüchternen Wirklichteitssinn in die Erschein di» so manchen Großen der Geschichte Mmzeichnet. Schon die langsam, aber stetig ansteigende Kurve seines Lebens liefert hierfür den Beweis. Es verlohnt sich, sie kurz zu verfolgen. In seiner ftühen Kindheit und Jugend hat er das bittere Brot der Verbannung schmecken müssen. Sein Vater, wie überhaupt feine ggnze Sippe, war von feilldlichen Stammesnachbarn ans ihrer Heimat vertrieben worden. In trister Wüstenei wuchs Jbn Saud ' heran. Kaum ist er reif und mannhaft gelvvrden, so geht er nlir von einer Handvoll Gleichgesinnter unterstützt, daran, die verlorene Heimat wiederznerobeLn. Dieser mutige' Eptschlnß war für seinen Eharakter bezeichjnend. Und es gelang! In zähen, wechselvollen. jahrzehntelangen Kämpfen bekommt er das gesamte Nedsch. den Mittelteil der arabischen Halbinsel, in die Hand. Tie alte Türkei, nominell Qberherr Arabiens, vermag ihm, obwohl widerstrebend, die Anerkennung nicht zu versagen. 1914 wird er türkischerseits znm Wall ernannt. Eine große politische Rolle beginnt er im Weltkrieg zu spielen. England, feine Bedelltnng ahnend, sucht ihn den Türken abspenstig zu machen. Er widerstrebt, mißtrauisch gegen den Briten. Ja', er leistet noch . den Türken gegen den abtrünnigen Hussein von Mekka Beistand. Aber England läßt nicht locker. Wenn es den zähen Briten gelang. Jbn Salld auf ihre Seite zu ziehen, so haben sie das der unermüdlichen Tätigkeit ihres Landsmanns zu verdanken, der.um besser z»un Ziele zll gelangen, sogar zlnn mohammedanischen Glauben übertrat. Täs war Harry St. John P tpi lst i). einer der besten Kenner Arabiens , und des Islams, jener geheinnlisvolle Eng- ' länder. der noch gegemvärtig zu den vertrantesten Ratgebern Jbn Sauds gehört. Unter Philbps Einfluß bereitet Englaiid gegen Ende des Weltkriegs eine folgenreiche außenpolitische Wendung vor. Es läßt seinen Schntzllnc^ den Scherifen Hussein von Mekka, fallen und an seiner Stelle das ausleuchtendo. Gestirn Jbn Sauds seine Bahn ziehen. Mit Znstiinlnnng Englands eroberst Jbn Salld. feit 1918 an. Stück für Stück des Hodschas. Er stoßt der, von Eilgland preisgegebenen Scherifen Hussein vom Thron und besetzt die heiligen Städte: im-Oktober 1924 Ptekka, im folgenden Ial>r Medina. England duldet es; ja. es sanktioniert ^sogar die Entwicklung, -ürdenr-- es am 20. -Mai-ststQTuuist^Jbn Sand den Frclmdschaftsvertrag von Tschidda schloß, der erst kürzlich erneuert wurde. Jbn SaiH. ginp daran, den Umkreis seines Machtbereichs zu ziehen: am 2. November kommt ein Grenz' vertrag mit Transjordanien: am 24. Februar 1930 mit stem Irak zustande. Seit 1932 taucht ..Saudi - A r a b i e n" und ..Sandiie". als staatsrechtliche Vezeichnnng für das neu entstandene Reich allf. Jbn Saud -ist König über tedfchaS. das - Nedfch und die angrenzenden ebiete, bis zum Persifchen lIranifchen) Golf prstreckt stch nach Oste-n hin seine Macht. Tos Sndlvestens wird er Herr, indem,er 1934 den Imam Jahja -von J e m e n in einem kurzen Feldzug auf die Knie ziviilgt. Ter fogenannte- §riedens- und Bündnisvertrag, den der mam stst. h. Fürst) mit ihm abzuschließen genötigt wird, besiegelt die Oberhoheit des Siegers. Wie bereits ans serner.Bezeichnung ersichtlich ist. stellt das Reich Jbil.^ands feine persönlich-ureigene SchöpslUlg dar. Es. lim* sclßt ein 1 650 000 Quadratkilometer großes pnabhüngiges Arabien. - Wie ist dieses Reich innerlich beschaffen? - Arabien ist ein ch-mes.- ja, man ulvchte zagen, armseliges Land. Wüste -- der geologischen Beschassenheit , der Sahara eilt- „ sprechend — erfüllt das Landesinuere.' Nur rn den Randgebieten, insbesondere am Roten Rteer, ist gutes fruchtbares Land vorhanden. Nur hier hat eine höhere Kultlir sich entfalten können; im Innern des Landes schweift der Beduine unstet umher. Mangel und Not sind seine Begleiter. Wiederum kennzeichnet es die . ungeheure Energie Jbn Sauds, daß er es gewagt hat, dieser fchier aussichtslosen Situation die Stirn zu bieten. Nachdem-er Hussein . beseitigt hatte, machte' er Mestka und Nftdina wieder zu den ehrwürdigen Wallfahrtsorten, für den Islam in aller Welt. Abermals konnten die gewaltigen Ströme der Pilger sthne Gefahr ftir Leib und Gut zu den heiligen Stätten gelangen. Und sie brachten Geld ins . Land. Ei ne andere Einnahmequelle, schuf Jbn- Saud dadurch, daß er das. was der gnadenlose Boden barg, zu erschließen bemüht war. In El Hasa am Persischen Golf förderten Bohrilngen, von Amerikanern ' ausgeführtl, Petroleum zutage. Aus Technisierung und Motorisierung lenkte der König überhaupt sein' Augenmerk. Moderne Njaschinen und Apparate wurden eingeführt und in Betrieb gellommen, Auto- und Flugverkehr sollten die Weite der Wüste überwinden. Ter Wehrmacht galt seine besondere Sorge. Lkernstück seines natioilalen Allsbauprogramms ist jedoch die sogenannte -..Jchwan"-Bewegnng der großartige, riesenhafte Versuch, durch ein System künstlicher Bewäsferilng Wüstenbosten in Frnchtland lnnzuwandeln und den nomadisierenden Beduinen zum seßhaften schollengebnndenen Ackerbanorn zu machen. Wie aber ist es möglich, daß Jbn Salld voil seinem" Volke derartiges verlangt? Nur — weil die Antriebe der arabischen nationalen Bewegung gar nicht im Politischen, sondern im Religiösen würzeln. - V. Dynamischer Islam Bestrebungen, die auf eine Behe^rschlmg der diesseitigen Welt abzielen, haben der - Lehre Mohammeds von jeher^das Gesicht gegeben. -Der Angriff der mohammedanischen Türken und Araber gegen das Abendland er- . füllt zu einem großen Teil die Blätter unserer Geschichte. Die leidenschastlichen Impulse siftd in der gegenwärtigen arabischen Freiheits- und UnabhäNgigkeitsbewegnng wieder .zlnn Durchbruch gekommen, um so heftiger, weil hest Gedanke'des modernen Nationalisnms von Europa her in die islamischen'Völker hineingetragen wurde. Ter nationale Aräberstamm,. über den Jbn Salld gebietet, die W ahn b i t e n. nehmen den Ruhm für sich in Anspruch, zu den strengglällbigsten und korantreuesten Bekennern des Propheten zu gehören.' Wiederherstellung der Reinheit der islamischen Lehre, Wiederangleichung des täglichen Lebens an die Vorschriften des Korans. Wiederansnähme der militanten Ueberlieferung dev religiösen Propaganda des Islam: dies sind.einige der wichtigsten, PrograMlnpunkte der gegenwärtigen arabischen Erneuornngsbewegung. Ihr stärkster, weithin sichtbarer und allgemein anerkannter Willensträger ist Jbn Saud. Nach stem Untergang des Sultanats ist die zentrale religiöse Würde des Islam von den Türken ans die Araber übergegangen: als der Schirmherr der geweihten «Stätten, aF§ der Schöpfer eines weltpolitisch gewichtigen neuen Arabien genießt Jbn Saud das Vertrauen der gesamten islamischen Welt; Gegenstand des Stolzes der nationalgesinnten .'Muselmanen-ist er mit Fug und Recht als „arabischer Kalif" bezeichnet worden. ' Wenn er heute Umschall hält, wirst er befriedigt das kräftige Anwachsen ster nationalen Bewegung unter den Arabern seststellen. Nationalistische Gäruüg in Algier und Tunis, in. Aegypten eine nationale Freiheitspartei, die Was st-Partei, erfolgreich am Werke, in Syrien ein urigeyenres Widorstandszeiltrliia des arabischen Nationalisrnns, dessen Aktionsradills sich nach Palästina hineinerstreckt.' ilicht. zuletzt selbständige arabische Staaten in aufstrebender Entwicklung: dies alles bildet einen Vorgang von weltgeschichtlicher Tragweite. den man als „panaräbische Lewegnng" bezeichnet hat. Man wird sich aber davor hüten müssen, die wirklich vorhandene Vorstellnngskraft einer „panarabischeu Bewegüng" in den erweiterten Begriff einer . „panislamischen Bewegung" zu überführen. Denn ein -.unüberbrückbarer Gegensatz besteht zwischen der Methode der Enropäisierung, die Mnstapha Kemal Pascha "(ebenso wie' Reza Schah in Iran) dem Ausbau der auch andersrassigen neuen Türkei zugrunde gelegt hat. und der unerbittlich konservativen, auf Wiederherstellung Der alten religiösen Lebensform dringenden Bestrebung Jbn Sauds. Unter dresein Gesichtspunkt werden wir auch den politischeü Zusammenschluß der vorderasiatischen Völker, den sogenannten N a h o st -- P a k t. zu -würdigen haben. Bestailntlich ist nach langwährenden Vorbereitungen in diesem ■ Frühjahr ein Tefensivbnndnis zwischen der Türkei. Iran. Afghanistan nnst dem Irak zuständo gekommen. Nach anfänglichen, aus . erwähnter Ursache begründeten Zögern ist Jbn Sand diesem Bündnissystem ckeigetreten, indem-er am 2..April dieses Jahres zunächst ' mit den: Irak einen Bündnisvertrag abschloß. Dabei wurde vorgesehen, daß der Beitritt, zu dein Vertrage den übrigen mohammedani- - sehen Landern vsfenstehen solle. Infolge'des scharfen religivs-knlturpolitisehen Gegensatzes zwischen Jbn Sand, ans der " einen. Atatürk und" Reza Schah ans der anderen Seite ist der Nah-Qst-Pakt,nicht ein Bündnissystem, das von der politischen Romantik des erwachten Islam — der pcmarabischen Bewegung —. sondern von dem robusten „staatlichen Egoismus" der vord^- asiatisihen Völker (um Bismarcks berühmten Begriff zu gebrauchen) getragen wird. Ein negatives Moment liegt ihm zugrunde: die Frontstellung' gegen die Vorherrschaft europäischer Volker im vorderen Orient.,-In der arabischen/Presse melden sich. Abneigung, ja offene Fei ndseligkeit gegen Europa zu Worte. Man empfiehlt, die Herausnahme der. arabi» sehcn Kinder, ans den christlichen Missionsschulen. Hier, vollzieht sich derselbe bedrohliche Vorgang wie in der saröigen Weit: manbedient sich der von ster enropäisiben Zivilisation und Technik bereitgestellten Mittel, um Europa mit. den Waffen, die es selber schmiedotc, tödlich zu treffen. Setzt sich nun Europa zur Wehr? VI. Kampf lim Vorderasien Weit mehr als die Stoßkraft der arabischen nationalen Bewegnng'hctt die Uneinigkeit unster den europäischen Völkern die Vormaehtstellnng Europas im vorderen Orient gefährdet. Als durch den Ansgang des Weltkriegs England einen beherrschenden Ein- * slnß in Vorderasien gewonnen hatte, suchten, die ne.rre Türkei, Iran und Afghanistan durch die Anlehnung an Sowjetrüßland ein Gegengeivicht gegen jenen Einfluß zu schassen. Sie schlossen Nichtangrifss- und Freundschastsverträge mit der Sowjetunion. Durch die Initiative letzterer, kam zwischen der' > Türkei und Iran eine Aussöhnung zustande. Im Schatten der engllsch-sowjetrnssischen Nebenbuhlerschaft grenzten die befreundeten Mächte England rind Frankreich ihre Interessensphären in Vorderasien ab: Frankreich in Syrien,.England in Mesopotamien und' Palästina. Da trat ein neuer Rivale hinzu: Italien. Durch die NiederwerfuNb Abessiniens wuchs das .Ansehen Italiens im Nahen Osten. Es bekam erheblichen Anteil am Ntossulöl. England ward unruhig. Um den Vorstoß Italiens zu parieren, erneuerte es seine politische Freundschaft mit Jbn Saud, der die Abessinier moralisch unterstützt hatte. Wenn England an den Nah- Lst-Pakt sich anlehnte, so geschah es ans Sorge vor Italien. Infolge jener gegensätzlichen Interessen ist der koloniale Jinperialismus der-europäischen Westmächtc England und Frankreich im vorderen Orient zurückgcdrängt worden. Wie vordem England den Irak, so hat soeben Frankreich Syrien aus dem Mandatsberhältnis entlassen müssen und statt dessen ' einen Bündnisvertrag mit ihm geschlossen'. Transjordanien erstrebt ein gleiches: sein Fürst Abdullah hegt hochsliegende Pläne.- Man spricht davon, daß er. wie einst sein Bruder -Feissal, die .Kvnigswnrde in Syrien erlangen will. Jedenfalls . geht die Selbstänstigmaehnng der arabischen Islam- Staaten weiter. Aegypten hat kürzlich einen - Frenndschaftsvertrag mit England geschlossen. der eine fast nnbeschränkte nationale Autonomie dein Nilstromland verbürgt. , . Den westeuropäischen Mächten ist ferner in Japan ein bedrohlicher Konkurrent im Nahen Osten erstanden. Ter gelbe Handxl sucht ihnen die Absatzmärkte zu entreißen. Japanische 'Ingenieure und Techniker bemühen sich zäh. ihre rveißen Kollegen zu ersetzen. In Instanbul wurde eine 'japanische setzen. In Instanbul wurde eine 'japanische Indn-strieansstellnng eröffnet. Japaner errichteten Banmsvollsabriken an verschiedenen Qrten der Türkei. Am stärksten" ist die gelbe . Invasionin Iran und Afghanistan., Der japanische Jnrperialism,ls scheut keinen Aufwand und keine Mühe, um mittels einer großzügigen KnlturPropaganda den Zusammenhang zwischen seinem Lande und dein Islam zu festigen. Es ist unverkennbar, daß Japans Offensive im Nahen Osten vor allem die Kreise Englands stören muß. England muß seine dortige Stellung behcwPten. . denn der „trockene Weg" izM^Jftdien — der Landweg, der über Palästina. Transjordanien, Mesopotamien nach Indien führt — ist, da die britische Seemacht den Irangols be- \ herrscht, ein zentraler Nervenstrang des britischen Weltreichs. Hier ist ein Brennpunkt im weltpolitischen Krästespiel der nächsten , Zukunft.