Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 42 (15.10.1936)
- Date
- 1936-10-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XV. Jahrgang / Nr. 42 Berlin, 15. Oktober 1936 Preis 10 Pfennig entral - erein- ALL6 EN EIN E ZEITU NG DE 5 JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitühg, Anzeigenannahme. Vertriehsabteilung): Berlin W 15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J2 Oliva 8111 ' Die C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich, am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Posta ' " boten erhebt._ Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,71 Rpf. Postzeitungsgebiihr) zuziigl. IS Rpf. Bestellgeld. Fi Telegrammadresse: Centrnlglauben. Berlin. Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt dureli die Po; Ausland vierteljährlich 2,-3» WM uimgerechuot in die. I.andeswahrm inner 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein 'Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzelgengebiihreu: Preisliste ."> Stellengesuche 10 Rpf., für Famiilienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. 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Eintritt nur für Mitglieder des Jüdischen Central - Vereins und deren Angehörige gegen schriftliche Karten- .Vorbestellung im Büro, Berlin W 15, Etnser Strasse 42 — in die Palästina-Wirren hak den ideologischen und" machtpolitischen Hintergrund der arabischen Position in Palästina blotzgelegt. Trotzdem besitzt weder die zurzeit aus der Mittagshöhe des Lebens befindliche/ noch gar die/ ältere Generation eine deutliche Vorstellung von den neu entstandenen aräbischen Staaten in Dorderasien. Wie sollte es auch anders sein? Das Kattenbild, das als vage Erinnerung aus dem Geograpliieunterricht in den Köpfen spukt, unterschied sich wesentlich von dem heutigen. Tie neuen arabisäM >Ltaatsgebilde gehörten dem Territorium des alten .Türkischen Gleiches an, das unter den Schlägen des Weltkrieges zerbrach. Schon längst hatte das ehemalige Türkische Reich als „der kranke Mann" am Bosporus gegolten. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts hatte England — das liberale England Gladstones — die Austeilung der Türkei ins Auge gefaßt. Begehrlich blickte das zaristische Rußland nach Konstantinopel. Das es damals poch nicht dazu ’ z. kam, verdankte die alte Türkei dem mächtigen Beistand des erstarkten Deutschen Reiches. Dadurch wurde das brüchige £?- ' manenreich gegen die Ansteilnugswünsche Englands und Rußlands geschützt. Im Sinne einer deutsch-türkischen Freundschaft wirkte am Bosporus als Deutschlands großer Botschafter der Freiherr Marschall'-' v. Bieberstein. Ruf Feiner Oricntrcise im Jahre .1 S'.KS bezeichnet» sich Kaiser Wilhelm 11. als der Freund vbn dreihundert Millionen- Mohammedanern. Die von Kaiser Wilhelm. Bülow und Tirpitz eingeleitete, deutsche Weltvolitik richtete sich nach dein vorderen ~ TCinciiT ans. CmMckn d . v o m Binenktiegbeansprncht. mußte die Deutschen mißmutig gewähren lassen. Ergebnis jener außenpolitischen Aktivität war das gewaltige Projekt der Bagdadbahn, seit 1899 durch Georg v. Siemens, danach durch Arthur v. Gwinner kraftvoll in die Wege geleitet. Das Deutsche Äeich hatte im vorderen Orient Vorhand^ In den Stürmen des Weltkrieges hqt sich die A. H. Am Montag -sind die letzten Abteilungen der englischen Truppen, deren Ent- . seudung durch die Unruhen verätilaßt worden Ist, in Palästina gelandet.. Am g l e i ch Mt . Montag hat der ' G e n e.r a l ft r e i k durch eine Proklamation des Obersten arabischen Komitees sein Ende gesunden. Sicherlich war es nicht nur der schweigende. mitunter auch aktiv wirkende Druck der bewaffneten Macht, der diese Eiitseheiduug herbeigeführt hat- Tie Kraft der Re- . vvlte war in den letzten'Wochen in den breiten "Massen schw ä eher peivorden. der K.ampf wurde um so unpopulärer, je näher die Feit der Orangenernte, heranrückte und die Frage ' ihrer Verwertung auf der arabischen Söite .' Erzeuger und Arbeiter beunruhigte.--'Die Akte "Wurden in immer ausgeprägterem. Sinne r c i n e . T e r r o r a t t e . B!orde und Gewalttaten-ohne politischen Sinn, die Tag für Tag die. englische Armee, die am bischen Terrorbanden und vor allein die jiwischelBevölkernng Opfer an Menschen und Gütern kostete. Auch heute steht noch nicht fest, ob es nun bei einem echten und aufrichtigen - Waffenstillstand bleibt, oder ob "trotz der Selbstausschaltung des berüchtigten F ä u z i Bey e.^Kaukadyi. der die syrische Grenze üM-lchritten haben soll, die sechs Monate Gewöhnung an Gewalt unheilbar de- ,moralisierend gewirkt hab'e-n. Einige Terrorakte find auch in den letzten Tagen noch erfolgt. Ein Armeebefehl des Generals Till fordert die Truppen auf, vom Dienstag bis F-reitag.diefer Woche sich im wesentlichen auf Abwehrmaßnahinen zu beschränken, auf jeden Fall jedoch in v o l l e r B e r e i t s ch a f t zu bleiben. Der unheilvolle Kreis der palästinensischen Verstrickung ist jedenfalls unterbrochen, der darin bestand, daß Generalstreik, Arbeit der Kgl. Kommission und englische Zngeständ---, niste nach englischer Meinung eine a n d e r e 'Ursächlichkeit zueinander haben sollten als. noch arabischer. Ter englische- Standpunkt hat sich dnrchgesetzt. daß erst im b e s r iede - ten Palästina die Kommission ihre Arbeit beginnen würde. -Und.in der Tat beißt es nun. datz in zehn Tagen die Kommission unter Lord Peel abreisen werde. nachdem sie ihre erste vorbereitende .Besprechung etwa vor Wvchensrist in London abgehallen hatte. Das englische Kabinett wird sieh am 14. Oktober mit der neu in Palästina nzeschafsenen .Lage und den Koinmissionsans-. gaben befassen. Es ist müßig zn fragen, nachdem fast sechs Monate seit Beginn der Unruhen. nächdem fast, fünf Pionates.e i t E i n.s e tz ii n g "der Konnnission ' vergangen sind, ob' das jetzt vorliegende Ergebnis nielü.. schon v o r Pi v ii •! t e n hätte erreicht werden ' können, wenn die Mandats.niach't in so sicht- 'barer Weisewiein den letzten Wochen iyee inachtvolle Entschlossenheit unter Beiveis gestellt hätte. Tie Angehörigen der Toten, die, -an-Körper und Eigentum Geschädigten.-werden darüber ihre eigene Meinung haben. Was jetzt vor sich gehen wird, darf diese Ereignisse nur als Warnung empfinden: sie dürfen nicht von vornherein die Verhandlungsbasis erschweren. Es gilt e i n ru n on e ii S t a r t für alle Bevölkerungsteile im Lande. . Tie sechs Monate haben freilich die politischen Grundlagen in sehr weieptliehen 'Be- "zrelsnngen grundlegküld geändert^ f'iyi große lu'uo, in der jüdischen.Presse b- ^Landes ebenso wie in den englischen Feitnngen mit einer zwischen Mißbehagen und Besorgnis nnancierteil Ablehnntig konstatierte" Faktor ist d a s ei n he r t l i ch c F u f a m m um* tz - spiel d e r a r a.b i s cl> e n F ü r sie » ■ bereu Eingreifen, wenigstens dein äußeren Eindruck "Nach, den Wafsenstillstaiid herbeigesnliri hat. obwohl die offizielle englische Ablehnung der Verinittlnngsaktion .'Rn.ri Paschas vorliegt. Ihre Proklamation „an unsere. Söl,ne. -die -'Araber in Palästina, durch den Vorsitzenden des Obersten arabischen Komitees", in der von „nnferein Verbündeten Großbritaiinien" die tziede ist. stellt ganz ohne Fweisel eine politische I n t e r v e n t i o n in einem England unterstellten Lande dar. Tie Ausgangstage für die jüdische Seite si'ird dadurch sicherlicli nieltz erleiclitert. denn es gibt keine gleicliznaclitendeii äußeren Piachttaktore». etioa i» Form benaclibarker jüdisiher Reiüie. Aber nur meinen, daß es . -überhaupt nicht angängig ist. von einer anderen als der W e el, t s'b a s i s. n»sziigel,en "und"die jüdischen Ansprnclie ans Eiiiwanderinig und Eiitioictliiiigsniogliclikeit als Ein- , s.itz einer englisclie» vorderen Orientpolitik zu verwenden.- Ter Aussatz ans.der Feder von Dr..'Fritz .F r i e d I a e ird e r -, den nur nebeii- ' stehend verösseiitlicli.ei-i. zeigt. ioie verlockend, aber aiich ioie teilioeise z io i n g eil d solche Erivägniigeii für England lein Dninten. lim io nölwendiger ist ans jiidiseher Seite eine von ü r d e n u d G e r e-eli t i g k e i t g e t r a - g e n e: v o u.'.j-e d e in E h a n v i n i s in n s s r e i e e r l, a ii d l ii ii g stakti f. Ut i e l- 1 e i tl) t i st j e tz t d e rli i ft o V i f ch e 91 N g e »blick, i n. d e m die Bi, t v e r a » t - io o r t n n g d e r R i eh t z i o >, i st e ii i n d e r J e1 w i s lt A n cii c v ihre» Siim enthält. ' . Ein Friede init Siegern und Besiegst'n. ein G e w a l lf v i e d e würde Palästina die trau- . rige Rolle für den-Vordereu Trient znweisen, die der Balkan bis zum Weltkrieg für die europäische Politik gespielt hat» Wenn irgeiidiva. in der. lstzelt der Beiveis geführt ~ werden sollte, daß Biäinier und Bölk.er ans den letzten zivei öal,rzel,nteii g e l e r n t'haben, ioie iiian die Lebensiiotivendigkeiteii scheinbar niiversöl)»bare-r Gruppe»' initeinaiider in i'-iiiklaiig bringt, v l> » e d,iß Bitterkeit zurückbleibt, dann ist hier der L-rt für den Beweis- . antritt. > ' . . . sttzir schlossen den ersten Aussatz an dieser Stelle nach dem Ansbrmhder Unruhen: Unsere Hoffnung rechnet inst der Einsicht der wirklich'tragenden Kräfte der jüdischen nndder arabischen Bevölkerung und d e r b e- >v a l, r t e n E r f.a hr.'» n g E n g l a n d s. . L'tzir meinen es heute nicht anders, aber cs . ist uns noch b e iv n ß t e r . w e s h a l b wir deutsch-türkische Freundschaft liewährtc Tie Türkei trat ans die Seite der Mittelmächte. Im Verein init den Türken schlugen deutsche Truppen die Engländer zurück. Liman »..Sanders verteidigte erfolgreich die Tardanelleii und damit den Weg nach Konstantinopel. Colmar von der Goltz — Lberbcfehlshaber der gemeinsamen Strei.tbräfte — siegte im November lsilu bei Ktesiphon und nahm im folgenden. Jahre die Einschließung, der Engländer bei Kut el Amara vor. Sein vorzeitiger Tod am 19. April 1916 bedeutete einen unersetzlichen Verlust. Tenn ct war Seele Und Inbegriff der deutschen Weltgeltung im vorderen Orient. Während jenes weltgeschichtlichen Zweikampfes ist der arabische Nationalismus erwacht. Einzelne führende Männer nutzten die Gelegenheit. Sie haben eine rein vppvr-. tnnistische Politik getrieben. Es waren rücksichtslose. Plachtmenschen. die sich von den Vorteilen einer arabischen Iiiterestenpoliti'k lenken ließen. Ter erste, der der türkischen Oberherrschaft den Gehorsam.- aufkündigte. war der Scherif "H u s,f e i n von. Mekka. Solange die. Entscheidung noch ans "Des Messers Schneide stand, hielt er sich zurück. Sein Sohn F e i s s a l nahm noch 1910 an einem deutsch-turkischen Vorstoß gegen den - Snezkanal teil. Allmählich bereitete er seinen Abfall.vor. Als sich 1917 das Kriegsglück ' zngnnsteii. dbr Engländer wendete, trat er auf die feindliche Seite--überD Im Januar König von H e d s ch a.s empor. England, Frankreich und Italien erkennen 'ihn bereitwillig an. Als geachteter Bundesgenoste zieht er an der Seite des englischen Generals Allcnby am st. Dezember 1917 triumphierend in Icrn'alem ein. Sv mochte er sich zum nationalen Führer des arabischen Voltes berufen fühlen. Aber nicht er> sondern ein. anderer — ein weit Größerer — war dazu anserwählt. Das ivar Ibn Sandl doch bevor wir seine Bahn kreuzend itziisseii wir die großartige Rolle, die Husseins schon 'erwähnter. Sohn F e i s s a l in dem geschicl>tliehen Schauspiel der 'Nachkriegszeit spielte, verfolgen. Es'wird, wohl kaum jemals entschieden werden können, ob Feissal überhaupt/ ein bedeutsamer Akteur aiif der Bühne der Weltgeschichte-.geworden nnire, -.wenn nicht aus dem Hintergründe einer der .größten Söhne des neueren Englands seine Schritt gelenkt hätte. Nachdem das- Tentiel,e .Ilcich init Goltz den stärksten Repräseiilanten seiner Orieiitinteresten verloren l,alte. beherrschte nunmehr Thomas. Edward L a w r e n c c die Szene, dem sein Vaterland die Riederwerfnilg des alten Türkischetz Reiches und weiterhin.die Vvrmachtstelliuig im vorderen Orient verdankt. Lawrenee. jener geheimnisvolle und abenteuerliche - Oberst, ist im Jahre 1888 geboren worden. Im Vorjahre -- 1945 — endete sein tzn-. erinüdliches. Leben. Einer seiner BiogrnP,I,en hat ihn den „Krenzsahrer des BR -Fähr- '.Hunderts" genannt. In der Tat.'hat eine eigentümliche. Mischung ans politischem stl acht streben und völkerbeglückendem ,'chealisiims den anßervrdentlichen Dkann gekennzeichnet.' Er wallte zwar vor -allein seinem Vaterland in der Stunde, der. Not. dienen, abep anderseits gab er den Arabern das ehr,- lich gemeinte Versprechen. England werde , er nationalen Freiheit verhelfen. So gelang es ihittstTplst. oie arabischen Veonim n gegen die türkische Oberherrschaft zu mobilisieren. In seinem weltbekannten Buch „Ter Auistand in der Wüste" hat Lawrenee das. mühevolle Werk, das zur inneren Aushöhlung der alten Türkei fühle, mit schriitstellcrischer Genialität geschildert. Im Biär; 1917 war Mesopotamien in die Hand der Engländer gefallen. Ter Älliderstand der b>iittelmäel>te erlaltznte. lieber das alte Türkische Relch senkte sieh ii»aiisl,allsaiitzder Schatten des Un'teraangS.' F'eistal hielt seine Stunde für gekommen. Äls-maßgeblietier Pvlitiniier Ratgeber stand il,n, Lawrenee zur Seite. Als die alte Türkei zeriallen war. meldete er 1919 bei den Feiedensoerhandliingen die arabisckie 'Forderung nach natioiialstaatliclier Selbständigkeit an. Er fließ ans taube Ehren, denn die siegreichen liltzeltiiiächte England mMeFrankreich waren -nicht bereit, die willkominene Beute ans de-r Hand zu lasse». Lawrence, der sich durch die. Nichtersülln.ng des gegebenen ^Versprechens vor seinen Scliützliiigeii blosjgestellk fühlte.' zog - sieh, grollendzurück. Feissal versuchte 'cs . mit einem Gewallstreiih. I'.s-'N ließ er sich von seinen Arabern in Tainaskns zum König ansrnsen. Fedoct, Fraiikreicl,..-nnvc keineswegs geivilll, so leielitei, Kaufes ans das syrische Bcandat, zn.verzuhteii.. Es griff hart zn nird bereitete.dein Traiiin des Usurpators ein j,il>es E-,.,de. 'Feisial uinßte sich anderswo ein Kouigreicl, snelien. Es iväre ihm nirlit gegliicki. loeiin c n.iitjr niliunehr die Engländer, ihrer koloiiialpvlitischen. Praris . und Ueberlieiernug gemäß, sich großzügiger gezeigt -hätten. Deiin sic. waren.zu-der Uebcrzenginig gelvinineu. daß ein srvndierendcr Feissal ihnen snrci,terlicher werden könnteals ein sreiuid'chastlichz gesinnter. Deshalb ließen sie es zn.' daß Feissal sich am' Anglist 11>2! znm König von Irak —Erhobt—— ' II. Das Königreich Irak Ter, neue" König, zunächst von England abhängig, erstrebte beharrlich eine möglichst ° uneingeschränkte Souveränität. Er festigte den staatlichen Zusammenhang, indem er J