Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 41 (8.10.1936)
- Date
- 1936-10-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XV. Jahrgang / Nr. 41 Berlin, 8. Oktober 1936 Preis 10 P f e n n i g ALLGEMEINE ZEITUNG DES JU DENTU MS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriehsabteüung): Berlin W 15, Ernser Strasse 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Opatralglauhen. Berlin. .Postscheckkonti!!: -. Berlin 7(1344. Die C.-V.-Zeitung erscheint wöchentlich _am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag, Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle .entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Post- —boten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) ztizügl. 1$ Rpf. Bestellgeld. Für Ausland . vierteljährlich 2,30 RM Cumgerechnet in die Landeswährung* einsrlil. Zustellgehühreri. Einzelnummer 10 Rpf." (Ausländ 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anrelgeugehiihreu: Preisliste 5 gültig. Die 12gesi>altone mnvZeile 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 1.6 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit»«-.'-. o Die »3761 A. H. R e ch e u f ch a ftsber ich t, d e t I iFd i s ch e n Winterhilfe 1935/36 heißt sachlich ein blaugebundenes Heftchen - von 6 Seiten Umfang. ' Es enthält nur Zahlen, und Tatsachen. Aber hinter jeder Ziffer, hinter jedem Morte tauchen Menschenschicksale auf, Schicksale von Juden innerhalb der Grenzen Deutschlands,/die durch den Willen und die Kraft ihrer Gemeinschaft vor Kälte und Darben bewahrt blieben. Hier erhielt das oft mißbrauchte, fast scholl ‘ entwertete Wort/ G e in ein - schaft seinen vollen Sinn zurück. Eine Frage, die von der Zeit mit ihren Noten an uns gestellt worden ist, fand ihre freudige Bejahung. Fast wäre man versucht, die Ansnähme, die der Aufruf zur Jüdischen Winter-' Hilfe in allen jüdischen Kreisen fand, als populär zu bezeichnen, wenn-müht hinter der Entschlossenheit, 'eine klar umgrenzte Auf- ' gäbe im e i g e n e n Bereich nur mit den erg e n.e n M i t t ej n zu meistern, zu viel Schwere, zu viel Ernst auch für die Gebenden angeh äust gewesen wäre. In der fast beflissenen Genauigkeit, mit der die übernommenen Verpflichtungen und noch mehr als diese erfüllt, wurden, lag eine Art Wettlaus mit dem eigenen Schicksal. In einem Ausmaße, wie es in der traditionsreichen Sozialgeschichte des Judentums hier unerreicht und.unerhört ist, war-Woche für Woche, beinahe Stunde für Stunde der Strom geschlossen, der durch den ganzen Körper unserer Gemeinschaft fließen sollte. ° 400 000 Juden in Deutschland überhaupt — -- und 83 761, also jeder Fünfte, waren Empfänger. 13 000 Helfer, davon -6OO0 in Berlin, leisteten^eh^namtliche Arbeit. Das sind, für unseren kleinen Kreis, fast astronomische Zahlen. 152 000 Seelen zählt die Jüdische Gemeinde Berlin — 67 000 sind als Spender in den Listen der Gemeinde. 3644O0O NM wurden aufgebracht, in Berlin über . ein Drittel, seinem Anteil an der Jüdischen Bevölkerung Deutschlands entsprechend. 28 026 Familien And selbständig, lebende - Einzelpersonen - erhielten Köhlengutscheine im Werte von 211 042 NM, ganz abgesehen von den Lebensmittelpaketen, den Kteide-rgaben, den Leistungen der „seelischen Winterhilfe". Und an den Spannen zwischen Prozentsatz der Bedachten, Betrag des Aufgebrachten ' d Zahl der Gebenden liest man schärfer als sonst möglich ab, welche Landesteil? als jüdische Notstandsgebiete anzufehen sind: In sie flössen aus dem zentralen Hilfsfonds, an den ein gewisser Satz aller Zeichnungen abgegeben, wurde, bestimmte Anteile, so düß. imrWiiiteriiilfe i\n die Jfudenheit Deutschlands 1 Zum zweitenmal gehen wir, auf uns selbst gestellt, in den Kampf gegen Wintersnot und Kälte. Die Juden Deutschlands sind dem Ruf^der vor Jahresfrist an sie erging, gefolgt. So konnten wir all en Hilfsbedürftigen unserer Gemeinschaft in schwerer Wintersnot hilfreich zur Seite .stehen. Ueber 83 000 Menschen hat die Jüdische WintePhilfe in den Grossgemeinden und in den kleinsten Orten betreut, lieberall wurde sie nicht nur als Mittel zur Linderung der Wirtschaftshot, sondern stets auch als der Beweis der Einheit der Judenheit Deutschlands empfunden. Wir werden in diesem Winter vor schwereren Aufgaben noch stehen als im letzten Jahre, weil die Not gestiegen Ist und die Zahl der Menschen, die noch helfen können, immer kleiner wird. Aber die Not hatte in unserer Geschichte immer eine erweckende Kraft. Es kommt darauf an, dass wir aus ihr einen Segen machen. „ Eine Gemeinschaft, die nicht von der Verbundenheit aller ihrer Glieder getragen wird, ist verloren; Wir wissen, dau die Forderung der Jüdischen Winterhilfe auch in diesem Jahre'Von allen Juden in, Deutschland gehört werden wird* Reichsvertretüng der Juden in Deutschland Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin —■ Preussischer Landesverband jüdischer Gemeinden — Verband Bayerischer israelitischer Gemeinden Oberrat der Israeliten Badens —: Sächsischer Israelitischer Gemeindeverband. — . Oberrat der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs Landesverbände der israelitischen Religionsgfemeinden Hessens — Landesorganisation der Ägudas ..JisroeF' in Deutschland — Allgemeiner-Rabbiner- Verband in Deutschland — Grossloge für Deutschland ÜQBB — Jüdischer Central-Verein jüdischer l-rauenbund —- Reichsausschuss der jüdischen Jugendverbände — Rcichsbund jüdischer Frontsoldaten — Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland -— Reichsverband der jüdikhen Lehrervereine —• Vereinigung für das religiös-liberale Judentum — Vertretung der unabhängigen jüdischen Orthodoxie Deutschlands ZentralyerBand jüdischer - Handwerker Deutschlands — Zionistische Vereinigung für Deufschland Diese Nummer umfasst 22 Seilen. Sie ent- Die Beiträge: Wae Steine reden, von Rabbiner Dt. Eschelbacher (Düsseldorf). — ,-,E£n Maskenball” im Berliner Kulturbund, von Ludwig Altmann, ,Zeichnung von Ady Ritter-Laiunger. — Halbe Hochzeit, von Len Hirsch. _£Eer Geschichtsschreiber der niederländischen Maleret, von DTT Lutz Weltmann. Die Beilagen: Buch und Kunst, —— Palästina- Umschau. —— Wirtschaft der Woche, Sportblatt. bis an den letzten und einfäinsten.Juden im entlegensten Orte die Hilfsfreudigkeit heranreichte, die in der-Großgemeinde etwa sich betätigt hatte., . Keine sogenannte „ideologische" Sammllung — diese Indische Winterhilfe. Denn /man kann dieZjroße soziale Tat, die sie durstellt, und die in-den uralten,Vorschriften unserer Religion ihre -Grundlage hat, als nichts anderes änsehen, denn als ein rückhaltloses'Bekenntnis zur jüdischen Tat an sieh. Und gleichwohl gingen die Sammlungen für' die konstruktiven Ausgaben weiter, die zentralen innerdeutschen jüdischen Fonds uud - die Aufbausouds uud sie werden es auch'in - diesem Jahre, tun. - In großer Gemeinsamkeit verwirklichten die Juden Deutschlands im! dritten Winter, nach dem Umschwung, -verwirklichte diese durch die Ereignisse verminderte und geschwächte Gruppe von wenigen. : Hunderttausend die Pflichten der Näheu n d die Aufgaben für die Ferne./Es soll Nicht -zu den '3,6 Millionen Winterhilfe zahlenmäßig hinzngesügt werden. - was an jüdischem Steueraufkommen, an Spenden für die Fonds für Hilfe u n d A n f b am, für die gro-, ßen Organisationen sonst noch ausgebracht lvordeit/ist. Tie 3,6 Ncillionen NNt schon bedeuten, Uii die jüdische Taminlnngswährnng nmgerechnet, eüva.300 000 englische Pfund. Und wie lange' und mit welcher Anstrengung, für die wir herzlichen Tank wissen, müssen sich die Jndenheiten, aller Länder bemühen, um — etwa für den Found for German jewry entsprechende Beträge auszubringen.. . -. Das .Ergebnis der Jüdischen Winterhilfe 1935/36 ist eine bedeutsame jüdische Lehre füralle jüdischen Zielsetzungen, deren Erfüllung von der sinanziellen Kraft der sie tragenden Stellen äbhängt:.sie hat uns sozusagen das potentiel Oes forces, bic bei größter Kraft- —Q.n.stve„gi,ng äußerst erreichbare Stimme angedeutet, die aufgebracht werden könnte - und damit bewiesen, daß sehr viele Sorgen um die Zukunft der. Juden aus Deutsch- ' land in der Welt behoben werden könnten, wenn die Inden anderer Länder ohne unmittelbare Not einmal sich so als Glieder einer Gemeinschaft der Stch^salsverbimdenheit empfänden,.-- wie wir in diesen letzten Jalsren.'->L^s entbehrt nicht der Tragik, daß dieses BMMßlwiu. aiiicheincnd nur durch Ereignisse^lzeirfeckt werden kan», die dann, wenn sie erst/dinmal eingetreten sind, die Kraft zur hilfreichen Tat schon erheblich geschwächt hahetw-LlKr haben Zwar inzn'ischen erkannt. lvw<Zalich es ist,, -'wenn man betiauptet. daß man Ge- . schichte lerne.. Aber es scheint uns vermeidbar. daß die Bestätigung dieser negativen ErkenutziBU in so großem Umfange erfolgt wib innerhalb der jüdischen Gruppen der meisten Lau-, der. Wir würden-inner Souderschicksal sicherlich leichter, iveil schicksalhafter empfinden, wenn -tviv..merkten, daß die anderen Inden ' daraus die riltztlge Lehre für ihr eigenes Berhalten zögen. Wir könnten dannin jehr- ,greifbarer Form.unseren Tank 'für das viele, welches sie. uns geben. Zug um Zug abtrageri. So sollte aber wenigstens die Kraft und Opsersrendigkeit in nuferem Kreis cinspornend. vorbildlich,.vielleicht auch in gewissem ' Sinne verpflichtend wirken. N Der Aufruf der zentralen jüdischen Organisat'ivnen erreicht die jüdische Oesfentlichkeit zugleich mit der Vorlage des Nechenschastsberichts. Es /gibt keine W i e d e r - k c'h r d e s G l e i ch e n , auch nicht in der Opserbereitschaft, die sonst zur./Gewohnheit, -zur-Routine würde und damit den Sinn verlöre. daß mehr als der Spender dem Empfänger der Empfänger dein Spender gibt. Es besteht die große Gefahr,,, daß unsere soziale /Arbeit zur „Schere" wird. das heißt, daß . durch die Veränderungen -des letzten Jahres infolge lvirtschaftlicher Veründermtgen/ und Abwanderung die Anforderungen an die Jüdische Win.terhilse gestiegen, die Spenden... aber geringer geworden sind. Jeder,, denen / Kräfte-..eL,-chnu-ge-stattetf, snllte^durch den Oie- »vie die e t h i s cl> e n Grundsätze unseres Glanvens durch nnzälilige .tlüährungen der )lüirtscl>astsgeschichte aller Zeiten und Länder ihren ecl>ten tinzerstörbaren Wert bewahrt lsäben. so'soll auch der Winter 1936/37 dem jüdischen Bruder zeigen, daß er als lebendige Rcal)nn»g eines großen jüdischen Schicksals reclst verstanden wird, nüd daß ivir unseren jüdischen Stolz, unser ' jnoiscties Selbstbeiv»ßl>ein >rn dem 'Pegelstand der Not jüdischer Nl'enscljen ablesiu lassen wollen. Davi^8olin Tem. jal) _bitrdV- Den nilriiimpit Freund einen Aaclirus zu slhreil'en. iit eine iU/were. Ausgabe fite den, der iwch /selln'-t ganz tut Bnmie der . dank/n bennrnhigt werden, daß einem Älenschen unserer Gemeinschaft diese — begrisstiche — Schere zur wirklichen Schickialsschere werden könnte, die seinen Daseinsfadcnabschnitte. Es darf f eine 31 bw ertung unserer Opfer kraft eintreten. Ebenso tiefsten Erich,'ttlermig steht. Wenn je das Tichter» wnr!, „Auch an-- entwöllter Ä>öhe kann der zündende Tvnner schlnczen" zngetrofien hat, dann in diesem Falle, Aus voller Lebensi.rei!de heraus hat' ihn, den unermüdlichen, ersvlgreichen Arbeiter, den liebevollen Sohn, den glücklichen Bräutigam, ein mibegreislicher blinder Zufall dahingeraüt. Hans Tao.idsvhn, der ans Ten,min in Pom» ' inern .gebürtig war. hat nur ein Alter von ■’>ö Jahren erreicht. Er,hatte sich schon in jungen Jahren^ut. der westfälischen Stadt Herford ,einen angesehenen Namen als Rechtsanwalt erworben, I-