Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 40 (1.10.1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
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XV. Jahrgang? Nr. 40 Berlin, 1. Oktober 1936 Preis 10 Pfennig entral- ALLGENEIKE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geachiltsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, EmserStraaae 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: ^entralglaubeai, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die <1-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die .Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. Muschi. 22,74-Rpf. Postzeitung9gebühr) /.uzügl. 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet -in die Landeswährung! einschl. Zustellgebühren.-Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auTNachlieferung oderRuck-vergütungder gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die ISgespaltenc niru-Zeilo 20 Rpf., ' für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise s. Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platzu. Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Vollmachten für General Dill Die dramatische Zuspitzung dev englischarabisch-jüdischen Auseinandersetzung findet bestimmten Gebieten außer Kraft gesetzt und die Verhängung" des. Kriegsrechtes erst dann ihren Niederschlag in folgendem Londoner, für öas^ganze Land ausgesprochen werden J . J , - - - »wenn sich Teilmaßnahmen als unzureichend ° Telegramm der JTA, das uns nach Revaktionsschluß erreicht: Die Regierungsverordnung, .die den Hohen Kommissar in Jerusalem zur Verkündung des Belagerungszustandes ermächtigt und instandsetzt, den Oberbefehlshaber in'Palästina mit dem Erlaß.entsprechender . Verfügungen zu beauftragen, wurde am Dienstag abend in der „London Gazette", dem amtlichen Regierungsanzeiger,' veröffentlicht. Sie tritt nach Verkündung durch den Oberkommissar in Kraft. Die wichtig- . sten Punkte der Verordnung sind: 1. der Oberkommandieren.de kann alle ° die ihm zweckmäßig erscheinenden Anordnungen nesfen, ohne daß sie durch Ausrufung eines Gerichtshofes außer Kraft gesetzt werden können; 2. ermächtigt sie den Oberkommandierenden. Kriegsgerichte zur Aburteilung hon Verstößen gegen die neuen Verordnungen einzusetzen. gegen deren. Urteil es keine' Berufung gibt. — Man rechnet in London damit, daß die Verordnung nicht vor Mittwoch in Palästina, in Kraft tritt. 5* Die neuen Tatsachen, die das Eintreffen, der Spitze der - englischen Truppenmacht im - Heiligen Lande schasst, kündigen das Ende'der - politischen Pause an, die auf die mm schon fast vor Monatsfrist ergangene Ankündigung des Londoner Kabinetts, nötigenfalls mit Waffengewalt durchzugreisen.-gefolgt ist. Aber während immer deutlicher wird, daß England ' sich für den Ernstfall stark gerüstet hält, läßt es, die arabische Seite an klaren Entschlüssen und eindeutigem Handeln fehlen. Die Ungewiß-- heit, die aus diesem Grunde noch über dem „■ Fortgang der englisch-arabischen Auseinandersetzung in Palästina liegt, kennzeichnet im Augenblick immer noch die Situation. Dies sind die Ereignisse der Woche. Kabinett und Kronrat beraten Wie starkder Palästinakonflikt in das Blickfeld der Londoner Politiker getreten ist, zeigen die aus England kommenden Meldungen über die Beratungen, die noch immer von den höchsten britischen Stellen " diesem^ Gegenstände gewidmet werden. Ein neuer englischer Kabinettsrat hat sich unter dem Vorerweisen. Vorbereitungeii im Lande Trotz dieser bedeutenden politischen und juristischen Vorbereitungen in England haben sich die militärischen und zivilen MaNdätsbehöxden bis zur Stunde zum Eiygreisen noch nicht entschlossen." Einzelheiten lassen erkennen, daß ohne Rücksicht auf die kommenden Ereignisse jedoch schon jetzt gegenüber den Arabern -eine energischere Haltung an den Tag gelegt wird; so sind in arabischen Ortschaften zur Vergeltungfür die Beschießung- .englischer Militärpatrouillen aus Befehl der Mlrtäv behörden strafweise Häuser niedergerissen wov den. Im Lause der vergangenen Woche haben - die ersten Abteilungen des. nach Palästina entj sandten britischen Expeditionskorps in Haifa' palästinensischen Boden betreten. Sie sind in Sonderzügen sogleich ins Landesinnere, besonders nach dem Eniek,. geführt' worden. . Uebrigens ist bisher nur ein kleiner Teil des föfc Palüstmä bestimmten Kontingents im Lande eingetroffen; die Hauptmacht der neuen Truppen befindet sich noch unterwegs, und die, letztem Einheiten werden erst am Sonnabend England verlassen. Die Verkündung des Kriegszustandes ist bisher noch unterblieben, obwohl sie mit Bestimmtheit zunächst für den.. 27.: September dann für den 2.9. September erwartet wurde. Jedoch ist die Ueberzeugung allgemein, daß sie unmittelbar bevorsteht. „Daily Herald" meldet aus Jerusalem, daß mit der Verbannung von 18 arabischen prominenten Führern unmittelbar nach der Proklamiernng des Kriegszustandes zu rechnen sei; für die Verbannung ' sollen die Inseln- Malta und St. Helena im Mittelmeer, Perim im Roten Meer allsersehen sein. Das gleiche Blatt will auch missen, daß von der Verhängung des Kriegszustandes zunächst das säst ausschließlich von Arabern be-, wohnte Gebiet um Nablus, einer der Stützpunkte der Revolte, betroffen werden wird. . Unklarheit bei den Arabern Die allerdings geringen Hoffnungen, die das britische 'Kabinett noch in' der vorigen daß immer häufiger. Zusammenstöße zwischen arabischen Dorfbewohnern und Terroristen Vorkommen, die mitunter deutlich dem t ri m i n el l e n Bereich angehoren. So ist in Safed ein reicher Araber überfallen unb~ beraubt worden, und in Haifa ist der Dirck- , tor der arabischen Bank, Khalil Taha, einer der bedeutendsten Industriellen des Landes, einem Attenat zum Opfer gefallen. Die englische öffentliche Meinung vertritt im übrigen den Standpunkt, daß auch die Verhängung des Kriegszustandes der Unord- . nung in Palästina nicht sogleich ein Ende werde machen können. Dieenglische Presse /rechnet mit der Fortsetzung des blutigen Terrors. ■ . . * - ■- v- ■ Außenminister Eden hat dem MandatsäüsschUß des Völkerbundes erklärt, daß Englands an seiner bisherigen Palästinapolitik fcsthalte und die Ergebmsie abwarte, die die > Erhebungen der königlichen Kommission. Jüdische Winterhilfe ... Iler Herr Reichsbeäuftragte für die Winterhilfe des deutschen Volkes hat ahgeordnet, dass die Sammlungen und die Betreuungen für das Winterhilfswerk in -jüdischen Kreisen durch die Juden selbst wie im Vorjahre durchgelührt werden. "1- “Der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland ist die Leitung im Reich übertragen worden, für Berlin leitet die Jüdische Gemeinde die Jüdische Winter* hilfe 1936/37. zeitigen könnten. Er sei jedoch nichtimstande, der Mandatskommission den ange» forderten Bericht über die Lage in Palästina ovrzulegen. Diese — von der Kommission übrigens kritisch ausgenmnmene —-. Erklärt« ng beleuchtet dieunklare Situation, in der sich die englische Politik zur Stunde noch befindet. ' . ' Die Änswanderer-Füriorge vor dem Völkerbund 7-sttz. -des. Dominionministers RaMsay MacDo- Woche auf ein Einlenken der arabischen nald in der vergangenen Woche mit der Lage in Palästina befaßt. . Neue Berichte der , Zivil- und Militärbehörden der Mgndatsverwaltung sollen dabei den Mnistern Vorgelegen haben. Das Ergebenis der Sitzung waren besondere Vollmachten für den High .Commifsioner wie für den Oberkommandierenden in Palästinch Generalleutnant Dill. Auch ein Kronrat unter dem. Vorsitz König Eduards VIII. hat sich auf dem schottischen , Schloß Balmoral an Hand der neuesten Be- richte und eines Referats des Kolonien- ' Ministers Ormsby-Gore mit der englischen Palästiniapolitik beschäftigt. Nach dem Bericht der englischen-Presse hat der Kronrat die bisherige. Politik der Regierung gutgeheißen und sich für.die Verkündung des Kriegsrechtes zunächst an den wichtigsten strategischen Punkten in Palästina ausgesprochen, falls die Araber nicht in letzter Stunde die Einstellung ' ' von Streik und Terror beschließen. Allerdings sollen die vorliegenden Berichte der englischen- Politiker wenig Hoffnung gelassen haben, daß die "Konfliktsverschärfüng auf Grund eines . arabischen Einlenkens vermeidbar sei. . Ter englische König hat nach den vorliegenden Berichten die von der- Regierung er- — teilten Vollmachten genehmigt und die erforderlichen. Orders in Council unterzeichnet. Diese Verordnungen legen nochmals fest, daß den Militärbehörden umfasiende Rechte zur Umerdrückung der arabischen Revolte zustehen. Die Zivilverwaltung soll nur schrittweise in Führer setzte, scheinen nach den neuesten Meldungert von der palästinensischen Mandats- Verwaltung nicht mehr geteilt zu werden./ Das Zögern des Obersten arabischen Komitees — das auch in der vergangenen Woche die seit langem angdkündigte Entscheidung über Beendigung oder Fortführung des Generalstreiks nicht gefällt hat — deutet darauf hin, daß die arabischen Parteiführer weniger denn , je He.rren der Lage sind. Die lokalen Streikkomitees versteifen sich nach wie vor aus die Fortführung des Streiks, und das Vorgehen der Terroristen,, deren Anführer Fauzi Bey . el Kaükady. im Kampf mit englischen Truppen. .leicht , verletzt worden ist, har an Heftigkeit nicht' nachgelassen. Andererseits haben große Teile der arabischen Bevölkerung i den Wunsch nach Beendigung des Streiks, und die arabischen Orangenpslänzer haben an das Oberste Arabische Komitee ein Ultimatum gerichtet, in dem sie sofortigen Streikabbruch verlangen. ' - ' ,: Es hat auch den Anschein/ als. ob die arabische' Führung noch immer auf eine "Intervention de? unabhängigen arabischen Könige^N^W^Md^fogch^osn - dorther^dre- Lösung auch der inncrarabifchen Schwierig-/ keilen erhofft. Indessen ist über Verhandlungen in diesem Sinne oder 'gar einen' ' Schritt der arabischen Könige bisher Genaueres nicht bekannt geworden. Sehr bedeutsam für die Beurteilung der arabischen Situation ist . ferner der Umstand. Die sechste (Politische) Kommission der Völkerbundsversammlung hat. wie der JTA aus Gens gemeldet wird, eine Unterkommission für Probleme der Answanderersürsvrge unter dem Vorsitz des schweizerischen B u n desratesMo t t'a eingesetzt. Der Präsident des Verwaltüngsrats des Nansenamtes, Hanss o n, und der Oberkommissar für Answandererfürsorge, Sir Neill Malcolm, legten der Kommission Berichte über die Arbeit ihrer Aemter vor. Die Unterkommifsion hat die provisorischen Maßnahmen für die Neuregelung der Ansivanderersürsorge; die auf Ver-, anlassung des Völkerbundsrates'getroffen worden sind/ zur Kenntnis genommen und die Er- , gebnisse der zwischenstaatlichen Regierungskonferenz vom Juli d. I., die sich auf die Festlegung des Rechtsstaats Ausgewanderter beziehen, erörtert. Der französische Delegierte in der Konferenz, Grumbach, gab bekannt, daß die französische Regierung durch eine Verordnung drei bedeutsame Maßnahmen" zur Regelung des Rechtsstatuts der in Frankreich lebenden Ausgewanderten getroffen habe: ihre Rechtslage wurde geordnet, eine gemischte beratende Kommission zur Behandlung, der. übrigen Auswandererprobleme wurde eingesetzt und die Ausgabe von Arbeitskarten an Personen. bie aus politischen Gründen ansgewandert sind, beschlossen. . Die politische Kommission wird sich in diesen Tagen ferner mit einer Denkschrift von Sir Neill Malcolm befassen, in dek der Plan entwickelt wird, die aus Deutschland Aus? gewanderten bis Ende 19'38 so unterzubringendaß bas Kommissariat gleichzeitig mit der Nansenkommission aufgelost werden" kann. Die Zahl der bisher Ausgewanderten wird auf 1 lö000, davon 100 000 Juden,. geschätzt. 30 000 Juden gingen direkt nach Palästina oder Uebersee, 60 000 find so weit untergebracht, daß sie der Fürsorge entbehren können. Dieses Ergebnis wurde durch die Arbeit der jüdischen Organisationen' ermöglicht. ■ Das Lberkommissariatyat sich ietzt noch mit dem Schicksal von 25 000 Ausgewanderten, davon 15 000 Juden, zu befassen. Man rechnet ferner mit einem weiteren monatlichen Zuzug von etwa 200 Personen. In der.Denkschrift. berichtet der Oberkommissar über seine Der-' Handlungen mit den einzelnen Regierungen. 'Für fein Büro beansprucht er 4850 Pfund jährlich. . . Gleichzeitig mit diesen Beratungen fand auch eine Konferenz von Vertretern verschiede-, ner Privatorganisationen * für Auswanderersürsorge statt, die von dem Council kor German Jewry einberufen worden war. Es. wurden Vorschläge über eine. Reorganisation des Oberkommissariats für Auswandererfürsorge, unterbreitet. In allen Punkten wurde Ucbereinstimmung erzielt. Ein ' dreigliedriges/Komitee, bestehend aus Professor zitorman Ben t wi ch. Tr. Gol dmann und M. Lambert (Paris) würde bevollmächtigt, die Beschlüsse der Konferenz in einer Denkschrift zusammenzusässen. Diese Denkschrift soll dem Lberkommissar für Auswändererfürsorge, Sir Neill Malcolm, und der zuständiyen Unterkvmmission der politischen Kommission der .Völkerbundsversammlung vorgelegt werden. * v Der \ Genfer Korrespondent des „Prager Tagblatt" hebtdie Tatsache hervor, daß der englisctie Generalsekretär des 'Nansenamtes. Johnson, der bisher die. Ausdehnung der Fürsorge des. Amtes auch auf Auswanderer aus. Deutschland verhindert habe, gestürzt wurde. Ter Präsident des Aintes, der Norweger Äansson. trete für. die Eingliederung der Fürsorge für-, Auswanderer aus Deutschland in das Nänsenamt. ein. Sollte dies geschehen, so würden, die Auswanderer aus/Teutschland ^Nansenpälle bekommen. Es seien noch Widerstände von britischer Leite zu überwinden, aber die Aussichten . für die Verwirklichung des Planes seien nicht ungünstig. Diskussionen in Polen Die jüdische Ablehnung der sogenannten „Evakuierungs"-Propaganda, von der wir ausführlich berichtet haben, hat sich in der letzten Wvckie oerstärkt. Sie fand einen besonderen Auftrieb durch die Stadtratswohl Dicsc Nummer umfass\ 24 Seitcn. Sie enthält u. fl..' .’ > Die Beiträge: Fett unterer Freude, uori Rabbiner Dr. Manfred Su>arscmky_(Bctl'm),-Salomo in der Bildenden Kuriet, von Dt. . Mar* garctc Steinberg. — Westöttliche Seelen-.. fiibrung, von Dr. Ludwig Fcuchtwangcr. Die Beilagen: : Die Jüdiachm Gemeinde.—r— Buch und - Kunat. —— Sportblatt. — Paläatina- ... Umachau. -— Wirteehaft der Woche. Kinderblatt.