Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 42 (20.10.1938)
- Date
- 1938-10-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 * 20. Oktober 1938 L¥lbifyü< Seite 11 Dichter und Rezitator Lieber Dr. Picard! In Ihrem Brief „Wie ein Autor sieh die Kulturbünde wünscht", den die C.-V.-Zeitung in ihrer Nr. 37 vom 15. September veröffentlicht hat, behandeln Sie auch das Thema Dichter und Rezitator. Wir haben uns über manche Gedanken, die hierher gehören, schon öfter unterhalten, und ich weiß, daß Sie dem Rezitator nicht-die Berechtigung absprechen, Mittler der Dichter zu sein. Aber da Sie nun die Frage stellen: „Dichter oder Rezitator"?, ja, da Sie Ihre eigentliche Klage gegen die Kulturbünde damit begründen, daß statt der Dichter Rezitatoren am Vortragspult stehen, müssen Sie mir schon erlauben, Ihnen vor der Oeffentlichkeit zu antworten. Eben als Sprecher. Dabei will ich ganz die eigene Interessensphäre ausschalten. Es geht letzten Endes um die Dichtung, ohne die, wie Sie ganz richtig sagen, der Sprecher nur unartikulierte Laute stammeln würde. Es geht aber weiter auch um das Publikum, ohne das wiederum der Dichter ein überflüssiges Sprachrohr bliebe. Und deshalb' zunächst eine kurze Feststellung. Wir wissen alle, daß es Menschen gibt, die kaum ein Buch in die Hand nehmen, ein gutes schon ganz und gar nicht, und wenn wir weiter fragen, wieviel Menschen sich Dichtungen anhören, so wird der Kreis noch erheblich kleiner werden. Zum Teil liegt das daran, daß wir das Hören verlernt haben. (Warum soll man sich zwanzig Minuten eine Novelle anhören, wenn man sie in fünf bis sechs Minuten lesen kann?) Wir müssen uns also von vornherein mit einem kleinen Kreis jener Menschen begnügen, die als Zuhörer von Dichtungen überhaupt in Frage kommen. Ob dieser Kreis erweitert werden kann, ist ein zweiter, allerdings sehr wichtiger Punkt. Ich halte es für möglich; dann aber erhält die Frage, ob der Dichter oder ein Rezitator sprechen soll, eine noch einschneidendere Bedeutung. Fest steht jedenfalls, daß das gesprochene Wort eine viel tiefere Wirkung zu vermitteln vermag als der tote Buchstabe. Der eng gezogene Hörerkreis ändert •darani genau so wenig wie die geringe Auflage unserer gegenwärtigen Lyrik am künstlerischen Wert eines Gedichts. Wie diese Wirkung des Tons zustande kommt, soll hier nicht untersucht werden, auch nicht, wie sie vom Sprecher zuwege gebracht wird. Es geht im wesentlichen darum, zu gegebener Zeit eine Dichtung neu zu erleben, im Augenblick sich in die Stimmung zu versetzen, in der jede Zeile entstanden ist, und die Worte müssen so klar und sicher, so überzeugend fließen, als würde eben erst, in dieser Sekunde, das Werk geboren. Gewiß, es ist ein^/rein reproduktive Tätigkeit, aber sie hat ihre eigenen Gesetze. Machen Sie die Probe! Lassen Sie irgend jemand etwas erzählen. Er mag mehr oder weniger dazu begabt sein, man wird ihm aber schließlich zuhören können. Dann lassen Sie ihn etwas vorlesen; er mag es selbst geschrieben haben. Der natürliche Ausdruckwird verschwunden sein. Sie werden monotones Sprechen oder übersteigerte Deklamation zu hören bekommen. Und beides erzeugt schnell Langeweile; denn unser Ohr ist viel/ empfindlicher als unser Auge. Verstehen Sie mich nicht falsch. Dichter sein schließt nicht die Fähigkeit aus, auch ein berufener Vermittler der Dichtung zu sein. Aber die Fälle, in denen es so ist, sind selten. Die Praxis beweist es immer wieder. Vielleicht liegt das zum Teil daran, daß der Dichter von heute fast gar nicht mehr für das Ohr schreibt. Und rrotzdem ist das gesprochene Wort noch immer stärker. Es greift tiefer, es klingt länger nach als der gedruckte Buchstabe. Sie erwarten von Ihrem Leser nicht, daß er ein Gedicht flüchtig durchliest, Sie möchten, daß er es wieder und wieder liest; es enthält so viel, was über den einfachen Sinn des Worts hinausgeht, daß es sich bei einmaligem Lesen nicht gleich entschleiern will. Aber der Klang, der richtige Ton löst das auf einmal. Das ist das ganze Geheimnis. Und es ist mit der Prosa nicht viel anders. Vermag ein stiller Ton nicht manchmal sofort das zu sagen, wofür das endlich gefundene Wort doch nur ein Notbehelf ist? Ich will mir nicht' anmaßen, in die Werkstatt des Dichters einzudringen, aber glauben Sie mir, lieber Dr. Picard, der Rezitator kennt auch die Werkstattarbeit — eine harte, intensive Arbeit. Was Sie als mnemotechnisches Wunder bezeichnen, ist meist nichts anderes als eine Begleiterscheinung dieser Arbeit am \Verk des Dichters, eine befreiende allerdings, die dem Sprecher die Neugeburt der Dichtung viel überzeugender ermöglicht, eben weil sie ganz sein Eigentum geworden ist. Mit Wortakrobatik und rezitatorischen Bravourstückchen hat das alles nichts zu tun. Dynamik,, Tempo,.-. Klanghöhe und noch, vieles^ ---mehav» sind , allerdings, Mittel, ohne die kein-, Sprecher einer Dichtung zum selbständigen Leben, verhelfen kann. Es sind die Ausdrucksmittel der Sprache. Sie müssen nun einmal dem Rezitator geläufig sein. Ohne Technik geht es nicht. Das ist genau so wie beim Musiker, der immer und immer wieder üben muß, nicht um mit seiner Fingerfertigkeit zu brillieren, sondern um jederzeit bereit zu sein, jeden Ton als einen wichtigen Teil der Komposition so zu treffen, wie es das Werk erfordert. Wohl wird die beste Technik immer die sein, von der man nichts spürt, aber vorhanden muß sie schon sein, wenn der Ausdruck jedes Worts ganz mit seinem Sinn verschmelzen soll. Und das ist die Voraussetzung, soll sich die Wirkung des gesprochenen Worts erweisen. Wenn der Hörer nur kommen soll, um die Persönlichkeit des Dichters kennenzulernen, gut, so soll der Dichter ans Pult treten und einige Worte sprechen. Aber wenn die Zuhörer einen Abend lang von seinen Dichtungen gefesselt werden sollen, dann vermag das der zum Sprechen Berufene besser. Sie schreiben dazu, daß es früher doch üblich war, Dichter lesen zu lassen. Gewiß, man tat es, eben um den berühmten Dichter bewundern zu lassen; darum gab es auch Kassenerfolge. Genau so gern verschrieb man sich einen beliebten Schauspieler, der vielleicht einige Tage vorher die Zeit fand, sich das vorgesehene Romankapitel einige Male durchzulesen. Ja und so kam das gesprochene Wort langsam in Mißkredit. Es wäre besser, wenn es sich wieder herumspräche, daß man Dichtungen auch hören kann. Und das, lieber Dr. Picard, ist der entscheidende Punkt. Es geht hier nicht um uns beide. Aber der Sprecher möchte, daß seine Arbeit als Dienst am Dichter gewertet wird. Diese Arbeit war vielleicht nie so notwendig wie in unseren Tagen. Wir "wissen alle, wie schwer es für den Porträts aus der Welt des jiddischen Theaters Von W. Kruszynski VL Ida Kammski Das künstlerische jiddische Theater In Polen ist eine Schöpfung Ester Rachel Kaminskis, deren Bedeutung, wie man sich erinnern wird, in dem ersten Aufsatz dieser Artikelfolge (C.-V.-Zeitung Nr. 25 vom 23. Juni) geschildert wurde. Sie ist nicht nur im übertragenen Sinn die „Mutter des jiddischen Theaters", sie ist es auch in dem ganz ursprünglichen, leiblichen Sinn dieses Wortes: In ihrer Tochter Ida Kaminski hat sie der jiddischen Bühne eine Künstlerin geschenkt, die das Lebenswerk der Mutter fortgeführt und ausgebaut hat, und heute unbestritten die größte jiddische Schauspielerin Polens, zugleich aber auch eine Regisseurin von Format, eine feinfühlige Dramaturgin und Schriftstellerin, eine Theaterleiterin und Organisatorin von Umsicht und seltenem Weitblick ist. Erst 39. Jahre alt — am 4. September 1899 wurde sie geboren — hat Ida Kaminski doch schon vov :wei Jahren ihr zwanzigjähriges Bühnenjubiläum begehen können, ihre Tätigkeit in Kinderrollen am Theater ihrer Mutter während der Jahre 1905—1910 nicht mitgerechnet. Sie ist aufgewachsen in der Atmosphäre des Theaters, des jiddischen Theaters, und ihre schauspielerische Begabung ist schon auffallend früh zum Durchbruch gekommen. Sie galt als „Wunderkind", und der kleine „Schlojmele" in Jacob Gordins „Mirele Efros" war eine der gepriesenen Leistungen der kleinen Künstlerin. Aber die Einsicht der Eltern und ihre eigene wache Intelligenz trugen dafür Sorge, daß un^er dieser frühen künstlerischen Betätigung 4ie Entwicklung ihrer geistigen und charaJ*Seflichen Anlagen nicht zu Schaden kam. D** Jahre von 1910—1915 waren ausschließlich der schulwissenschaftlichen Ausbildung der angehenden Schauspielerin vorbehalten; ein anderer Beruf kam für sie, die von Vaters und Matters Seite her die Liebe zum Theater im Blut hatte, niemals in Frage. 1916 durfte sie zuerst als „erwachsene" Darstellerin die elterliche Bühne betreten, und ihr künstlerischer Aufstieg vollzog sich in einem so stürmischen Tempo, daß sie schon knapp zwei Jahre später als „Nora- Darstellerin" allgemeines Aufsehen erregte. Als neunzehnjährige verheiratete Ida Kaminski sich mit Zygmund T u r k o w, einem gleich ihr theaterbesessenen Kunstkameraden. Bald genügten ihr die schauspielerischen Lorbeeren nicht mehr, ihr ererbter Drang zur Vielseitigkeit verlangte danach, sich' auf den verschiedensten Gebieten des Theaters ausleben zu können. Sie versuchte sich mit überraschendem Erfolg als Regisseurin. Dann begann sie, Stücke aus den europäischen Sprachen ins Jiddische zuübersetzen und Erzählungen jiddischer Schriftsteller zu dramatisieren. Endlich erstand 1924 unter ihrer und ihres Gatten gemeinsamer Leitung das „Warschauer Jüdische Kunsttheater", abgekürzt „WIKT", mit dessen Ensemble das Künstler-Ehepaar nicht nur in Polens Hauptstadt, sondern auch in allen großen und mittleren polnischen Provinzstädten, dann in Rumänien, endlich auch in Brüssel und Paris spielte, und in dessen Vorstellungen Ida Kaminski, von Jahr zu Jahr künstlerisch wachsend, Beweise ihrer Begäbung ablegen konnte. Es gehört zu den durch die ungünstige materielle Lage' des jiddischen Theaters in Polen bedingten Uebelständen, daß die Darsteller nur sehr selten für längere Zeit verpflichtet werden können, so daß eine starke Fluktuation des Künstlerpersonals stattfindet. Der Bildung einer wirklichen Ensemble-Kunst stellen sich daher außerordentliche Schwierigkeiten entgegen. Ida Kaminski hat es im Jahre 1934 gewagt, eine Schauspielertruppe auf lange Sicht zusammenzustellen, und es ist ihr gelungen, sie bis zum heutigen Tage zusammenzuhalten. Jetzt erst konnte sich ihre ungewöhnliche Regiebegabung frei entfalten und ausleben, jetzt aber auch das vom Vater ererbte Organisationstalent sich in den immer wieder neu an sie herantretenden Fragen der finanziellen Sicherung ihres Unternehmens zeigen. Heute ist das „Ida Kaminski-Theater" die beste Stütze der jiddischen Bühnenkunst Dichter geworden ist, Leser zu gewinnen. Verleger und Redaktionen haben nur geringe Möglichkeiten, den althergebrachten Weg auszubauen. In Vortragssälen aber kann das zum Teil wieder ausgeglichen werden. Eine neue, dieser Art Veranstaltungen vielleicht noch fremd gegenüberstehende Zuhörerschaft kann gefunden werden. Ich glaube sogar, wir sind schon auf dem Wege dazu. Erfolg kann er aber nur haben, wenn die Zuhörer an solchen Abenden wirklich gefesselt werden, wenn sich das gesprochene Wort wirklich als tiefer gehend erweist. Glauben Sie mir, dem Dichter ist nur damit gedient, wenn der geeignete Sprecher auf dem Podium steht. Ihr Leo Merten j Der früher auch in Deutschland gut bekannte dänische Schauspieler und Vortragskünstler Jakob Texiere las wie alljährlich in Stockholms Bürgerschule vor einem zahlreich versammelten Publikum Andersensche Märchen. Texiere, der im vergangenen Jahre eine Amerika-Tournee veranstaltete, um auch das amerikanische Publikum für seinen Märchendichter zu gewinnen, hat es auch hier verstanden, eine interessierte Gemeinde um sich zu scharen. * In Paris starb die Schriftstellerin Helene Lipp-? mann, die unter dem Namen Claude Loris bekannt geworden ist. Ein alter Mann sinnt im Park I Von Marianne Rein Wie ist mir nun doch alles längst vertraut: Der Wechsel auf dem Angesicht der Erde, Daß ich fast dessen überdrüssig werde; Die Wipfel über mir, die laue Luft; Nachmittagslicht und dieser süße Duft Vom Heliotrop; wie zager Vogellaut Schwingt's in mir fort; denn alles, was mich streift, Ist mein, durch das Gefühl, das schon begreift, Eh' noch Verstand „Erfahrung" dazu sagt Und bitter um entschwundne Tage klagt. So wirkt das längst Gewußte immer neu. Das oft Erlebte hält mir gute Treu Und kehrt sanft wieder, daß ich alle Jahre Und ihre Zeiten, so wie Freunde, grüße. Wenn ich ermüdet'beide Augen schließe; Dann blaut davor noch lang der wunderbare Und schön bewölkte Himmel. Ganz erfüllt Ist nun mein Blick davon, daß ich gestillt und wehmutlos das Bild der Welt bewahre. Des Glücks nicht mehr bedürfend, dazusein. Ging ich doch längst tief in ihr Wesen ein. Erlebend ward ich frei von allen Dingen, Ließ mich von Sinn und Gleichnis gern durchdringen. Nun hält ein kühles Ungefühl mich fern in Polen. Sie ist auch künstlerisch ganz unverkennbar die Tochter ihrer Mutter, dieser ähnlich im Stimmcharakter, in den Bewegungen, in der ganzen Art, eine Rolle anzupacken und aufzubauen. Aber sie ist auch zugleich ein Kind unserer Zeit. Ihre schauspielerische Dynamik ist stärker, ihr inneres Feuer lodernder, ihre Ausbrüche elementarer, ihre Uebergänge wechselvoller. Ihre Kunst ist nicht an irgendein „Fach" gebunden, sie ist Menschendarstellerin schlechthin. Sie bringt den schnippischen Uebermut Molierescher Soubretten mit der gleichen Vollendung zum Ausdruck, mit der sie die Eleganz der modernen Dame verkörpert („Fall Monica") oder die erschütternde Tragik der Gerechtigkeit heischenden Judenfrau („Glückel von Hameln") transparent macht. Jede ihrer Schöpfungen ist eine abgerundete psychologische Studie ersten Ranges. Als Spielleiterin legt sie den größten Wert auf die Pflege des Zusammenspiels. Sie erblickt ihre Aufgabe nicht darin, dem Schauspieler ihre eigenen Visionen gewissermaßen von Amts wegen aufzuzwingen oder seine Individualität zu unterdrücken. Sie weiß zu gut, daß Uniformität der Todfeind jeglicher Kunstübung ist, und, daß der Reiz der Schaubühne nicht zum wenigsten in der Mannigfaltigkeit der Persönlichkeiten besteht, die sie uns schauen läßt. Die Arbeitskraft Ida Kaminskis ist erstaunlich. Fast Abend für Abend steht sie in einer großen Aufgabe vor dem Publikum, gewöhnlich in einem Stück, das sie selbst inszeniert, in vielen Fällen auch selbst in die dramatische Form gegossen hat. Ab und zu findet sie sogar noch Zeit zu originaler schriftstellerischer Betätigung. Ein tiefsinniges Volksstück „Amol is gewen a meileeh" (Es war einmal ein König) zeugt von ihrer dichterischen Begabung, und feingeschliffene Epigramme ihrer Feder haben in literarischen Kreisen Aufsehen erregt. . Der Spielplan ihrer Bühne ist universell. Keiner der großen europäischen Dichter fehlt auf ihm. Von Moliere bis Dostojewski finden sich alle großen Namen der Weltliteratur. Daß auch die jüdischen Autoren nicht zu kurz kommen, versteht sich von selbst. Werke von Goldfaden, Pinski und Dymow, von Sehalom Asch, Perez Hirschbein und An-ski, von Scholem Älgchem, Kobrin und Kazisnej von Nom- Von Freude, Trauer, von Erschütterung. Es ist, als schwebte ich — mein eigner Stern — So schwerelos, verharrend in dem Schwung Meiner Gedanken; fast schon aufgesogen, Von übermächt'gem Geiste angezogen. Die Waage steht in schönem Gleichgewicht. Von Wünschen frei, versöhnt mit dem Verzicht, Bin ich dem Ichgefühle ganz entfallen. Den Ruf des Brudergeists hör' ich ververhallen. Nicht mehr verschwistert, nicht mehr angeschmiegt, Von Angst erlöst, auf Sicherheit verzichtend. Frei erst, da jetzt der Tod sieti;'" zur mir biegt. : ' Noch gönnt er eine Frist, eh' er vernichtend, Nein, nur verwandelnd, neu gestaltend kommt Und mich der Form enthebt, die nicht mehr frommt. Wird einmal neue Bildung mich umschließen, Dann soll der alte Geist die Welt begrüßen. Mag sein, mit leisem Rauschen, blattbekront, Daß unter mir des Baumes Frieden wohnt. berg, Sigal und Perle, dem Träger des Perez- Preises, hat Ida Kaminski auf ihrer Bühne zum Leben erweckt. Einen ihrer stärksten Erfolge als Theaterleiterin, Spielleiterin und Schauspielerin hat ihr in der vergangene!! Spielzeit die Aufführung des Schauspiels „Glückel von Hameln" von dem Danzige? Rechtsanwalt Max Baumann gebracht (vgl. C.-V.-Zeitung Nr. 11 vom 17. März). In einer eigenen Bearbeitung, mit einem von ihr gedichteten Vor- und Nachspiel, hat sie dieses Stück erst in Lodz, dann in den anderen großen polnischen Provinzstädten und endlich im „Nowoszi-Theater" in Warschau beinahe zweihundertmal spielen können und in der Verkörperung der Titelrolle einen neuen, schlagenden Beweis ihres überragenden schauspielerischen Talentes geliefert. Uebrigens wird das „Theater Nowoszi" in der nun beginnenden Spielzeit das eigentliche künstlerische Heim des „Ida Kaminski-Theaters" sein. In diesem, über 1200 Zuschauer fassenden größten jüdischen Theaterbau Polens gedenkt sie einige ihrer Lieblingspläne zu verwirklichen. Auf dem Spielplan für die nächsten Monate stehen neben Klassikern „Neue Menschen" von Jehoschua Perle, der „Schöpsenquell" von Lope de Vega, „Sure Scheindel von Jehupetz" (eine alte jüdische Komödie von Lateiner in einer modernen Bearbeitung), „Die Mutter" von Carol Capek und ein neues dichterisches Werk von Alter Kazisne „Opera Judo" („Dem Jidens opere"), Werke, die trotz aller Verschiedenheit charakteristisches Zeugnis dafür ablegen, daß Ida Kaminski, die Theaterleiterin, ihren Spielplan nach absolut künstlerischen Gesichtspunkten gestaltet. Sie verzichtet dadurch vielleicht auf manche finanzielle Möglichkeiten. Sie kann es, weil sie — einseltener Fall — nicht nur eine große Künstlerin, sondern auch eine Frau von außerordentlichem Verständnis für die Fragen des praktischen Lebens ist. Sie kümmert sich um jede geschäftliche und organisatorische Einzelheit ihres Theaters und versteht sich darauf, alle Schwierigkeiten zu meistern. Auch im Film wird sie tätig sein, in dem man sie bis jetzt vermißt Tiat. Alter Kazisne hat nach einem Stück von Jakob Gordin „Un a hejm" (Ohne Heim) das Manuskript zu einem Film geschrieben, den Alexander Marten