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Central-Verein-Zeitung · 1938-10-13 · 41 (13.10.1938) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
41 (13.10.1938)
Date
1938-10-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XVÜ. Jahrg. / Nr. 41 Berlin, 13. Oktober 1938 Preis 15 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUNS Geschäftsstelle (Verl.g, Redaktion, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Emser Str. 42. Femipr.: 928141—45. Teleir.-Adr.: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin 70344, Prag 77218, Zürich VIH 26363 Bankkonto: A. E. Wassermann, Berlin W & Die C-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschlnß: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 1^2 RM (einschl. 22,74 Rpf. Postzeirungsgebühr) zuzüglich 18 RpL Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 3,— RM (umgerechnet in, die Landeswährung) einschließlich Zustellgebühren. Einzelnummer 15 Rpf. (Ausland 25 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 6 gültig. Die 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf. für Stellengesuche 10 Rpf., für Familien anzeigen 16 Rpf., wri .-c ermäßigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. - Anzeigenschluß: Dienstag. Aufnahme für bestimmte Tage, Stellen oder Ausgaben wird nicht gewährleistet Wieviel Uhr in Palästina? A. H. Am 2. Oktober war die Mord- , nacht von Tiberias mit ihren 21 jüdischen Opfern, meist Müttern und Kindern. Am 5. Oktober rief Malcolm MaeDonald, der englische Kolonialstaatssckretär, den High Commissioner für Palästina, Sir Harold Mac Michael, nach London und behandelte mit ihm und den Sachverständigen des Colonial Office unter Zuziehung des Chefs des englischen Reiehsgeneralstabs, Lord Gort, die zunächst in Palästina zu ergreifenden Verwaltung - und militärischen Maßnahmen, über die er auch im Unterhaus Rede und Antwort stand. Am 7. Oktober begann in Kairo ein panarabischer Kongreß, der aus fast allen Ländern mit arabischer Bevölkerung beschickt wurde und am 11. Oktober eine fiU UM 1.— Us 1. pMtuci* Bestellzettel auf Seite 11 revolutionäre Entschließung annahm, deren Verwirklichung das Ende des britischen Mandats und der jüdischen Heimstätte darstellen müßte. Gleichzeitig weilt der Außenminister des Irak, Sayid Taufik al Suwaidi, in London und führt Unterhaltungen über die Losung des immer verwickeiteren Fragenknäuels Palästina. Aber auch Niiri Pascha hält sich in London auf und bietet seine guten Dienste an. Und in diesen Tagen schwimmen Truppentransporte von Malta, Indien, Aegypten heran, Sir Charles Tegart, Spezialist zur Bekämpfung von terroristischen Revolten, und Anreger des nach ihm benannten Drahtlimes, ist auf einen Posten im Stab des englischen Oberkommandierenden für Palästina, Generalleutnant Haining, berufen worden. In Palästina soll eine arabische NationalTegierung gebildet worden sein, die angeblich 8/4 des Landes beherrscht und über eine militärische Macht von 15 000 ausgerüsteten Soldaten verfügt. Was steckt hinter diesen Ereignissen, und was bedeutet ihre hastige Zusammendrängung auf wenige Tage inmitten einer Entwicklung, bei der man bisher in England glaubte, gerade, durch Zeitgewinn das Ziel erreichen zu können? II. Am 19. April 1936, also vor fast genau zweieinhalb Jahren, brachen im britischen Mandatsland Palästina die später vom Peel-Bericht als „Wirren" klassifizierten Unruhen aus. Am 18. Mai wurde dem Unterhaus mitgeteilt, daß eine Königliche Kommission zur Ergründung der Ursachen der Unruhen eingesetzt werden solle, diese wird am 7. August ernannt. Am 11. November treffen Earl Peelund seine Mitarbeiter in Jerusalem ein. Am 17. Januar 1937 verlassen sie das Land und sind am 30. Januar wieder in London. Ende April 1937, etwa am Jahrestag des Ausbruchs der Unruhen, wird der Bericht fertiggestellt, am 22. Juni unterzeichnet und am 7. Juli, zugleich mit einer Regierungserklärung, veröffentlieht; diese nimmt das Ergebnis des Berichts zur Grundlage der künftigen Palästinapolitik der Mandatsmacht, eine Stellungnahme, die seitdem, vielfach variiert, oft stark abgeschwächt, aber grundsätzlich gleichgerichtet, von der englischen Regierung im Unterhaus, in der Mandatskommission des Völkerbundes und in öffentlichen Erklärungen immer wieder beibehalten worden ist. Aber die Lage in Palästina im Juni 1937 war nicht mehr die während der Untersuchungsmonate. Die Unruhen halten an. Sie verschärfen sich, die Situation wird kritischer, England entschließt sich im Jahre 1938 eine technische Teilungskommission zu ernennen, die die detaillierte Durchführung des Peel-Vorschlages ausarbeiten soll. Aber wieder hemmen Unruhen den Arbeitsbeginn, und erst am 27. April 1938, also zwei Jahre nach jenem verhängnisvollen 19. April 1936, betritt Mr. Woodhead mit seinen Mitarbeitern den Boden Palästinas, um am 3. August wieder in London einzutreffen. Der Bericht dieser Kommission wird für Ende dieses Monats erwartet. Er muß nach allen Seiten hin Entscheidungen und Festlegungen bringen. Es besteht kein Zweifel, daß der verschärfte Terror gegen die Juden in Palästina, daß die p an arabische Konferenz und ihre Beschlüsse in Kairo, daß die Reise Sayid Taufiks nach London auf den Woodaead-Berieht Einfluß nehmen sollen, noch ehe er das Licht der politischen Oeffentlichkeit erblickt hat. Und schon verlautet, daß London sich entschlossen habe, vor Veröffentlichung des Berichtes" erst. die Ordnung wieder herzustellen, die Entscheidung also wiederum aufzuschieben. III. Welche ungeheuren Zeiträume der Bearbeitung, wird jeder Leser sagen, und sogleich die Frage nach dem Warum aufwerfen. Wer diese völlig richtig beantworten könnte, hätte die innere Lösung des ganzen Fragenkomplexes. Ohne Zweifel gehen zwei Erwägungen nebeneinander her: Einmal die Vorstellung, daß es mit dem Prestige der Mandatsmacht unvereinbar sei, Untersuchungen anzustellen, solange offener Terror oder Generalstreik oder ähnliche Aeußerungen des politischen Willens einer arabischen Schicht das äußere Gesicht Palästinas bestimmen; sodann, daß Zeitgewinn für die Regierung Zeitverlust für die Revoltierenden bedeuten müsse. So hat man seit 2V2 Jahren statt Chirurgie Homöopathie getrieben. Und das Ergebnis war, daß die Verhandlungen den Tatsachen jeweils nachhinkten. Die Führer der Revolte gewannen Zeit, ihren Anhang zu vergrößern und dem Palästinaproblem das Aussehen zu geben, als ob das Prestige der gesamten arabischen Welt an ihm hinge; schon hört man das Wort vom „heiligen Krieg". Jahrelang wurden die Besatzungstruppen vermehrt und wieder vermindert, einmal die Vollmachten der zivilen, ein andermal der militärischen Verwaltungsstellen verstärkt, der Ausnahmezustand verhängt und wieder gelockert mit dem Ergebnis, daß die Linie der Revolte immer klarer wurde, je stärker die Richtung ihrer Unterdrückung schwankte. Und zwischen den Arabern und der englischen Macht stehen die Juden, zugleich Partei und Objekt innerhalb der Verhandlungen, entschlossen, mit Selbstbeherrschung und unter Opfern ihren Besitzstand an Land und Menschen zu sichern und zu bewahren und zugleich auch den Anspruch auf den Ausbau nicht aufzugeben, wie die Balfour-Deklaration es versprach und späterhin der Peel-Bericht 'es in'Aussicht nimmt. :<-- IV. Die englische Presse der letzten Tage hat in großen Aufsätzen die Stufenfolge der arabischen Revolte in Palästina nachgezeichnet. Vom gelegentlichen und unorganisierten Terror sei der Weg zur „R e - gierung der Nacht" und zur „revolutionären Nationalregierung" gegangen. Schon jetzt scheine die Notwendigkeit nicht weit zu sein, den größten Teil Palästinas erneut zurückzuerobern, weil England in ihm tatsächlich nicht mehr Herr sei. Mit einem hohen Maß an Selbsterkenntnis stellt man fest, daß die Mandatsmacht durch ihr Gerechtigkeitsgefühl, ihren Glauben an demokratische Methoden und durch ihr Versprechen, das Wohlergehen der Regierten zu sichern, gehandicapt sei. Hier scheint in der Tat die psychologische Begründung für Englands Taktik und für ihr Versagen im Palästinakonflikt Aufruf Kiii» Jüdischen Winterhilfe 1938/39 Wiederum tritt im Gange des Jahres die Aufgabe der Jüdischen Winterhilfe an uns heran. Sie zu erfüllen, ist allen ein Selbstverständliches geworden, sie bedarf keines Wortes der Begründung und Mahnung mehr. Auch das wissen wir alle, daß der Bereich unseres Könnens wieder enger, das Gebiet unserer Verpflichtung weiter geworden ist. Der Winter, der vor uns liegt, wird härter und noch schieksalsvolier sein. An uns tritt die Frage heran: Soll das Geschick uns nur niederbeugen, oder wollen wir es versuchen, ihm unse seelische Kraft entgegenzusetzen? Aus f wächst immer innere Kraft, aus dem?en und Wohltun. Wer ein Opfer zu bringen vermag, der erfährt um etwas, was ihn aufrichtet und fest macht. Auch um uns er et willen, damit wir Achtung vor uns hegen können, sollen wir das leisten, was in diesem Winter von uns gefordert ist. Wir wollen dessen gewiß seina daß in unseren Gemeinden jede Hand, jedes Haus bereit sein wird, für die Jüdische Winterhilfe mehr noch zu geben, als verlangt wird. Reichsvertretung der Juden in Deutschland Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin; Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden; Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden; Oberrat der Israeliten Badens; Sächsischer Israelitischer Gemeinde verband; Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft \.___.embergs;Landesverbände israelitischer Religionsgemeinden Hessens; Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland; Allgemeiner Rabbinerverband in Deutschland; Jüdischer Central-Verein E. V.; Jüdischer Frauenbund; Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände; Reichsbund jüdischer Frontsoldaten; Reichs verband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland; Reichsverband der jüdischen Lehrervereine; Vereinigung für das religiös-liberale Judentum; Vertretung der unabhängigen jüdische» Orthodoxie Deutschlands; Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands; Zionistische Vereinigung für Deutschland. zu Hegen. Schon bei theoretischen Diskussionen kann man sich mit keinem Gegner verständigen, mit dem man nicht in den Prinzipien üb er emstimmt, und diese Uebereinstimmung war in der politischen Auseinandersetzung zwischen Arabern und Engländern gewiß nicht festzustellen. Immer wieder zeigte sich, daß nicht das politische Denken, sondern das raschere Handeln der Aussprache die Richtung gab und daß man sich in letzter Zeit auf arabischer Seite immer weniger scheute, durch jedes Mittel die Regierungsabsichten zu korrigieren, in der Hoffnung, damit das erstrebte Ziel zu erreichen. V. Welches ist dieses Ziel? Die Grundforderungen des Peel-Berichts darf man wohl noch als bekannt voraussetzen: Dreiteilung des Mandatsgebietes mit Uebergangsbestimmungen; bis zum Inkrafttreten Manipulierung des Mandats, insbesondere in der Frage der Einwanderungsquote. Ueber dieses Problem ist unendlich viel geredet und gesehrieben, zu viel geschrieben und zu viel geredet worden, auch auf jüdischer Seite. Wenn in diesen kritischen Tagen der Jischuw dem in London in den schwersten Verhandlungen seines - Lebens.-stehenden,. Weizmann „ seüi uneingeschränktes Vertrauen ausspricht, erinnert man sich nicht ohne Bitterkeit der deprimierenden und ermüdenden Kämpfe, die dieser gleiche Weizmann vor Jahresfrist in Zürich, mit Zionistenkongreß und Agency Council auszufechten hatte, nur um eine schließlich hundertfach verklausulierte Vollmacht zu erhalten, mit den Engländern über den Peel-Plan überhaupt zu diskutieren. Man scheute kein Mittel, seine Politik zu sabotieren und die wohlmeinenden englischen Verhandlungspartner zu kompromittieren. „Enthüllungen", die, gäbe es einen Judenstaat, Hoch- und Landesverrat wären, wurden vor aller Welt vorgenommen. Wenn nun der panarabische Kongreß sich gegen „maßlose" zionistische Forderungen wendet, so gibt ihm der Revisionismus das Stichwort. Und wenn Iraks Außenminister in London in einem Interview erklärt, nach Auffassung der Araber sei die Jewish Agency lediglich die Vertreterin der Zionisten, so spielt er damit ganz fraglos auf Gespräche an, die zwischen nichtzionistischen Juden und Arabern, auf beiden Seiten höchst ehrenwerten und idealistischen Persönlichkeiten, über eine Verständigungspolitik geführt worden sind, die der offiziellen jüdischen Palästinapolitik den Rücken schwächen mußten. Immer deutlicher wird, wo die konzentrierte arabische Propaganda der Tat und des Wortes hinaus will: Man will die Nerven der Juden und die der Mandatsmacht erschüttern, damit dann mit einem tiefen Aufatmen der Befriedigung über die vermiedenen letzten Konsequenzen des Konflikts Vorschläge akzeptiert werden, an deren Annahme noch vor wenigen Monaten niemand, auch die Fordernden nicht, gedacht haben. So verhielt man sich vor der Ankunft der Peel-Kommission, so vor der Veröffentlichung ihres Berichts, so vor der Abreise der Woodhead-Kommission und so jetzt, wo deren Vorschlag unmittelbar vor der Veröffentlichung steht. Schon heißt es, daß von Teilung nirgends mehr die Rede sei. Der irakische Außenminister entwickelt vor der englischen Oeffentlichkeit seinen Plan, der vorsieht, daß das Mandat endet und Palästina in einen konstitutionell; regierten, durch ein Vertragssystem mit England verbundenen selbständigen Staat umgewandelt würde, in dem die religiösen Gemeinschaften ihre Rechte garantiert erhielten und die Gemeinden aul^nom wären. Minderheiten - Erwägungen tauchen auf,

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