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Central-Verein-Zeitung · 1938-10-06 · 40 (6.10.1938) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
40 (6.10.1938)
Date
1938-10-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XVII. Jahrg. / Nr. 40 Berlin, 6. Oktober 1938 Preis 15 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Redaktion, Anzeigenannahme, Vertriebeabtellung): Berlin W15, Emser Str. 42. Fernipr.t 928141—45. TeUgr.-Adr.: Centralglauben, Berlin. Poiticheckkoatem Berlin 70344, Prag 77218, Zürich VHI 26363 Bankkonto: A. E. Wassermann, Berlin W 8. Die C. - V. - Zeitung erscheint -wöchentlich am Donnerstag. RedaktionMchlaBr Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle ~ entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 132 RM (einschL 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzüglich 18 RpL Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 3,— RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschlieSlich Zustellgebühren. Einzelnummer 15 Rpf. (Ausland 25 Rpf.). hn Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzf' t-"1r>_ - i^- -i.- *~ o_r fii tpllpneesurhe 10 Rpf , für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermäßigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluß: Dienstag. Aufnahme Anzeigengebühren: Preisliste 6 gültig. Die 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf« e Tage, Stellen oder Ausgaben wird nicht gewährleistet. Fest in der Zeit A. H. Es geht eine Ueb erlieferung von der alten großen Judengemeinde in Alexandrien: Dort sei der Tempel von so ungeheuren Ausmaßen gewesen, daß man an den hohen Feiertagen keine andere Möglichkeit gehabt hätte, den in ihm versammelten Gläubigen den Augenblick 2Tum einmütigen Aussprechen des „Amen" zu bezeichnen, als das Schwenken einer großen Fahne, die von allen Plätzen gesehen werden konnte. Keine Fahne wäre groß genug, um heute jenen Einklang inbrünstigen Zusammenfassens im Gebet zu schaiLn, und selbst die flammenden Standarten der Gestirne . reichten nicht hin, weil unsere Verstreutheit über die ganze Erde; zu verschiedene Tagesgleiehzeitigkeiten bedingt. Aber keine Feme ist zu weit, und keine Versprengtheit zu groß, als daß nicht in diesen Tagen eine Einheit des Wollens "und Hoffens wie ein einziger starker Strom durch alle jüdischen Herzen geflutet wäre. Festzeit und Weltzeit gaben die großen Signale, wann und zu -welchem Ende das Amen zu sagen sei, dieses Amen, in dem neben vielerlei und vielleicht manchmal widerspruchsvollen - Gefühlswerten vor allem das Versprechen der in Hoffen und Wollen geeinten Judenheit mitschwingt, einander zu helfen im Geiste der Tage, die alle eben durchlebt haben. Könnte nicht gerade die Ungleiehzeitigkeit in der Zeit, der Stunden, zu denen hier und auf der ganzen Erdkugel das gleiche gedacht und gehofft wurde, eine aufrichtende Tatsache sein, jene Erscheinung in der sichtbaren Welt, daß zur gleichen Stunde für jüdische Gemeinden der Aufgang des Tages und für andere Gemeinden sein Sinken eintritt; daß auf der Welt Juden zur gleichen Stunde Sonne und andere Juden Dunkelheit haben? Geographisch bedingte Notwendigkeit — werden manche sagen. Aber wer von uns weiß, wo die Geographie aufhört und die Geschichte anhebt, und wer von uns zweifelt, daß unser Dasein in der Welt noch heute von diesen notwendigen Uebergängen herrührt, die man rückblickend in klaren Konturen nachzeichnen kann, die abfer mitzuerleben die Seele des Juden durchschauert? Die Kraft einer Gemeinschaft, werdende Geschichte zu ertragen, hängt von der Tiefe der Erkenntnis ihres erlebten Schicksals ab. Man kann sich Geschichte nicht, auch der eigenen Gemeinschaft nicht, anziehen wie ein historisches Kostüm;doch wenn wir uns vergegenwärtigen, in wieviel Trachten wir den Raum der Geschichte durchmessen-haben, wird uns klar, weshalb wir die Grenzen von Epochen nur überwinden können, wenn wir sie unverkleidet als Juden überschreiten, nicht der Mode unterworfen, sondern dem erlebten Gesetz unseres Seins. In dieser Nummer finden unsere Leser u.a.: Die Aufsätze: Palästina - Bilanz eines Jahres — Max O.sborn: Arno Nadel zum 60. Geburtstag — B. Kestenbaum: Bräuche in EM und Tischri — Lutz Weltmann: Judisches Mosaik in England — Margarete Edelheim: Amerika, eine Fernrezension — Was bedeutet die argen-, tinische Einwanderungsgesetzgebung? — S. Kliersberg: Judische Pioniere des Wanderns Die Beilagen: Die Wanderung — Recht und Wirtschaft — Palästina-Umschau — Sportblatt Im Gegensatz hierzu ernannte das Kabinett vor einigen Tagen einen Sonderausschuß mit der Aufgabe, Bestimmungen für eine Beschränkung der Einwanderung auszuarbeiten. Dem Ausschuß wurde ein Memorandiuim der Handelskammer zugeleitet, in welchem die Einführung bestimmter Quoten nach Abstammung und Ursprungsland gefordert wird. Wie bekannt, hatten Juden aus Oesterreich durch Vermittlung der Auswandererberatungsstelle der Wiener Israeli tischen Kultusgemeinde ein Gesuch an die Regierung von alisierung in Brasilien Leg L.B. Rio de Janeiro, Ende September Soeben wurden die Bestimmungen darüber veröffentlicht, wer als illegaler Einwanderer zu betrachten sei oder positiv ausgedrückt, wer als legal eingewandert gilt. Als illegal eingewandert werden angesehen: 1. Touristen, welche die durch das Visum festgelegte Aufenthaltsfrist überschritten haben. 2. Personen, die -"als"Iran d a r "heiter oder Landwirte eingereist sind und vor Ablauf der im Gesetz vorgesehenen Fristen eine andere Tätigkeit aufgenommen haben. 3. Facharbeiter, die nicht mehr auf Grund ihres Anstellungsvertrages, der ihnen zum Visum verholfen hat, tätig sind, sondern den Beruf gewechselt oder die im Visum vorgesehene Aufenthaltsdauer überschritten haben. 4. Kapitalisten, welche die ihnen bei der Einreise auferlegten Bedingungen über die Einbringung eines bestimmten Kapitals nicht erfüllt haben. 5. Einwanderer, die ohne ordnungsgemäße Papiere oder heimlich ins Land gekommen sind. 6. Inhaber falscher Chamaden, welche als Landbesitzer eingereist sind, ohne daß ihnen das Land tatsächlich gehörte. 7. Personen, die sich als Kapitalisten ausgegeben haben, ohne Kapital zu besitzen. 8. Alle Personen, die sich gegen die Einwanderungsgesetze vergangen haben. Die Legalisierungsfrist begann am 30. Juli und dauert 120 Tage. (Vgl. C.-V.-Zeitung Nr. 21 vom 26. Mai und Nr. 37 vom 15. September.) Genf Irlands Ministerpräsident de Valera, der als Präsident der Septembersession der Völkerßundsversammlung fungierte, appellierte in seiner Schlußansprache an die Völkerbundsmitglieder, dem Flüchtlingsproblem auch in Zukunft ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und es im Geiste der menschlichen Hilfsbereitschaft zu prüfen und zu behandeln. Die Haltung' Uruguays Präsident Esnor Baldomir empfing am 28. September in Montevideo eine jüdische Abordnung. Er versicherte, daß er der An Siedlung von Juden freundlich gegenüberstehe und lobte die Loyalität der Juden, des Landes und ihre Fähigkeiten, die sie in ihren Heimatländern, aber auch in Palästina und in den jüdischen Siedlungen Südamerikas bewährt hätten. Diese Erklärung steht im Zusammenhang mit der Tatsache, daß die jüdische Bank von Uruguay sich entschlossen hat, die erste jüdische landwirtschaftliche Siedlung im Staate zu finanzieren. Uruguay gerichtet, die Ansiedlung von 500 landwirtschaftlich vorgebildeten Juden aus Oesterreich zu genehmigen. Dieses Gesuch war unter dem ausdrücklichen Hinweis abschlägig beschieden worden, daß lediglich wirtschaftliche Motive für die Ablehnung maßgebend seien. Verantwortliche jüdische; Kreise vertreten die Meinung, daß Masseneinwanderung die Situation nicht erleichtern werde, und. daß man nach wie vor den Weg der individuellen Einzelwanderung .verfolgen solle. Bericht aus Australien Sydney, 19. September Wenn die Juden in Sydney am ersten Tag Rosch Haschana aus der Great Synagogue nach dem Gottesdienst hinaustreten und den auf der gegenüberliegenden Seite der Elizabeth Street liegenden Hyde Park entlanggehen, sehen sie die Frühlingsblüten voll entfaltet. Schon jetzt blühen im Hyde Park die Mandelbäum eben. Die Neueinwanderer aus Deutschland, Oesterreich, Italien, Palästina und aus anderen Teilen der nördlichen Halbkugel, die in diesem Jahr nach Äüsrralien'gekomnien sihd7erlsbe:lüinerhal3> weniger Monate den zweiten Frühling. Und wenn in wenigen Wochen das Sukkaus-Fest, das Fest der Ernte nach jüdischer Tradition, seinen Einzug hält, sind wir schon an der Schwelle des Sommers. Ist dies merkwürdig oder nicht? Die Beantwortung dieser Frage erhellt gleichzeitig den Entwicklungsgang des Menschen, der hier völlig neu werden muß. Es geht um das Problem des Uebergangs vonf Merkwürdigen zum Selbstverständlichen. Lange Wochen haben die Neuankömmlinge auf den verschiedensten Wegen über alle Enden der Welt auf Schiffen zugebracht, die sie dem Land ihrer Zukunft entgegenführten. Gesättigt von vielen schönen oder auch nur interessanten Eindrücken, haben sie die Hafeneinfahrt passiert und die weltbekannte Hafenbrücke unterfahren. Sie haben dann den Fuß auf australischen Boden gesetzt und versuchen sich in der neuen Welt zurechtzufinden. Wenn man eine neue Stadt betritt, so sucht man in den ersten Tagen nach bekannten Anknüpfungspunkten. Wer durch die Straßen Sydneys geht, wird nicht viel dieser Art finden. Das läßt vielen Ankömmlingen die erste Zeit in Sydney und auch in ganz Australien so schwer werden. An den Denkmälern sind die Namen unbekannt, nur ein Shakespeare-Monument kommt einem vertraut vor. Im Museum findet man überwiegend Sammlungen aus der Entdeckungs- und Eroberungsperiode Australiens, Sammlungen von Bumerangs aus den verschiedenen Teilen des British Empire und interessante vorgeschichtliche Aufstellungen. Ein Rundgang durch die Kunstgalerie zeigt uns viele beachtenswerte Gemälde^ Radierungen und Erzeugnisse des Kunstgewerbes, aber wir kennen kaum einen der Künstler. Erst im Kellergeschoß finden wir eine reichhaltige Sammlung von Drucken klassischer europäischer Gemälde aller Schulen, eine Zusammenstellung, die uns mit besonderen Gefühlen erfüllt. In einer der großen Hallen ist ein großes Originalporträt des Generals Monash, des Führers der australischen Armee im letzten Kriege, aufgehängt. Dieser Mann und sein Name wird überall im Lande mit großer Verehrung genannt, ebenso wie der des Sir Isaac Isaacs, neben anderen, und nicht zuletzt deshalb, weil diese großen Söhne ihres Landes sich auch immer offen und stolz als Juden bekannt haben. Nicht alle Neuankömmlinge sind sich sogleich darüber klar, daß in Australien die verhältnismäßig kleine jüdische Gruppe -von nur. 24 000 Juden ein starkes, bewußtes und echtes Leben führt. So stark ihr Interesse am jüdischen Einwanderer ist, so sehr wird auch die Beteiligung des jüdischen Einwanderers am jüdischen Leben erwartet. Mit aller Energie wendet man sich dagegen, daß sich' die Neuankömmlinge unter sich abschließen. Hieraus erwächst ein gutes Stück jüdischen Anteils am Aufbau eines jungen Kontinents. Das Land braucht immer neue Einwanderung,., um die , Bevölkev rungszahl zu halten und zu vergrößern. Ebenso notwendig ist die Eingliederung in den jüdisch-religiösen Sektor des Landes. Die großen jüdischen Gemeinden in den australischen Staaten unterstehen der Aufsicht des Chief Rabbi in London. Das fiti JIM 1,50 Us 1.}amM, Bestellzettel auf Seite 3 englische Gebetbuch wird auch in Australien gebraucht. Der Gottesdienst ist im allgemeinen ein religiöskonservativ e r, obwohl herkömmliche europäischreligiöse Begriffe nicht ohne weiteres anwendbar sind. In Melbourne besteht seit einigen Jahren eine religiös - liberale Gemeinde mit eigenem Gotteshaus und eigener Schule, die sich einen immer größeren Radius schafft. Vor einigen Monaten ist auch in Sydney eine Gemeinde liberaler Prägung entstanden. Der religiöse Liberalismus findet in Australien einen fruchtbaren Boden, der aber schwer zu bearbeiten ist. Entscheidend dabei aber ist die Ueberwindung der Furcht, daß durch das Entstehen liberaler Gemeinden eine Spaltung in das australische Judentum gebracht werden könnte. Feststeht, daß in vielen Fällen Doppelmitgliedschaften zu konservativen und zu liberalen Gemeinden bestehen und daß selbst in Sydney, wo erst wenige Gottesdienste stattgefunden Tiaben, die liberale Gemeinde Juden, die dem Gottesdienst seit Jahren ferngestanden haben, wieder ins Gotteshaus führen konnte. Der Liberalismus wird also eine Bereicherung des jüdischen Lebens bedeuten, und der jüdische Einwanderer aus Deutschland, dem der liberale Gottesdienst vertraut erscheinen wird, kann einen religiösen Kreis finden, der ihm einen besonderen Halt gibt, besonders auch deshalb, weil in Australien der Fehler religiös-liberaler Gemeindegründungen in manchen Ländern vermieden worden ist, die diese Form des Gottesdienstes als eine Eigenschöpfung der Einwanderer aus Deutschland erscheinen läßt. Vielmehr gehören führende Kreise auch der altansässigen australischen .Judenheit dem Liberalismus an — und führende Köpfe sowohl der konservativen wie der liberalen Synagoge sind entscheidend am Einwanderungswerk beteiligt. Die Tatsache, daß das religiöse Leben in

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