Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 36 (8.9.1938)
- Date
- 1938-09-08
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 36 C.-V.- Zeitung WIRTSCHAFT DER WOCHE Seite 19 8. Sept. 1938 Probleme der Wirtschaft in Asien Der größte Kontinent der Welt, Asien, der auch die größten noch unerschlossenen Gebiete enthält, hat in der letzten Zeit eine steigende wirtschaftliche Bedeutung erhalten. Schon heute bildet er durch die Gebiete, in denen die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens zum Anbau von Rohstoffen nutzbar gemacht worden ist, einen wichtigen Faktor im Welthandel. Es ist vielleicht nicht überall bekannt, daß Indien und Niederländisch-Indien ungefähr den vierten Teil der Welterzeugung an Rohrzucker, mehr als ein Viertel der Welterzeugung an Tabak und (zusammen mit Ceylon) fünf Sechstel der Welterzeugung an Tee liefern. Allein in Niederländischindien werden mehr als ein Drittel des Palmöls und in Niederländisch-Indien mit den britischen Besitzungen im Malaiischen Archipel ungefähr 80 °/t> des Weltverbrauchs an Kautschuk gewonnen. Weiter mag noch auf die Erzeugung von Baumwolle, von Jute und Flachs in Indien, auf die Gewinnung von Zinn im Malaiischen Archipel und in Niederländisch-Indien, sowie auf die Gewinnung von Petroleum auf Sumatra, auf Niederländisch- und Britisch- Borneo hingewiesen werden, um darzutun, daß Asien im Welthandel für die Lieferung von Rohstoffen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung gewonnen hat. Trotzdem könnte man von einer wirtschaftlichen Erschließung dieses Kontinents erst dann sprechen, wenn mit der steigenden Gewinnung von Rohstoffen gleichzeitig auch eine Erschließung in industrieller Hinsicht verbunden gewesen wäre. Diese letztere Frage, die auch , für jüdische Menschen von großer Bedeutung ist, behandelt der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, H. B. Butler, in einer Schrift, die das Ergebnis einer dreimonatigen Studienreise ist, die im Winter 1937/38 durch Asien unternommen wurde („Problems of Industry in the East". Von H. B. Butler. Studien und Berichte Reihe B, Nr. 29. Genf 1938); ein Auszug ist in der IRA 1938, 673 veröffentlicht. Hier wird dargelegt, daß die industrielle Entwicklung besonders in Japan seit Beginn" des 20. "Jahrhunderts auf das Zwölf- bis Fünf zehnfache gestiegen ist, und daß in anderen asiatischen Ländern ebenfalls Fortschritte zu verzeichnen gewesen sind. Besondere Aufmerksamkeit verdient hierbei Indien, dessen Bevölkerung heute noch zu 90 °/o auf dem Lande wohnt und das auch als Industriestaat große Zukunftsaussichten hat. Eine geringere Entwicklung der Industrialisierung ist nach dem Bericht in China zu verzeichnen, obwohl auch hier Anfänge vorliegen und die chinesische Regierung unter den gegenwärtigen außergewöhnlichen Umständen bemüht ist, die industrielle Erzeugungsfähigkeit des Landes mit allen Mitteln zu steigern, insbesondere Werke der Schwerindustrie zu errichten. Eine Zukunft für die Industrie sieht Butler auch in Geyion, dem Malaiisehen Archipel und in Niederländisch-Indien, wo die Industrie überall noch in den Anfängen stehe. Bei ausreichender Erziehung und technischer Ausbildung könnten die Ar- AITDADIED Richard Karo, Berlin NO 55 M tk I riiriEK" GreifswaIderStr.96*535282/83 GROSSHASDXiUXG Einstampf - Garantie. beitskräfte des asiatischen Ostens die meisten Waren herstellen, für die der Westen bisher ein Monopol zu haben glaubte. Der Aufschwung einer Industrie in Asien ist naturgemäß abhängig von dem Vorhandensein eines aufnahmefähigen Absatzmarktes. Als Absatzmarkt kämen zunächst die Länder des asiatischen Kontinents in Frage, wobei die Absatzfähigkeit der industriellen Erzeugnisse abhängig ist von den Bedürfnissen und der Kaufkraft der Bevölkerung. Was die Bedürfnisse anlangt, so meint Butler, daß zwar der Stand der Lebenshaltung im allgemeinen gering sei, daß aber die Entwicklung doch in Richtung auf eine mehr zivilisierte Lebenshaltung j;ehe, wobei vorauszusetzen ist, daß die Erzeugnisse so billig sein müssen, daß sie von der Bevölkerung auch erstanden werden können. Billige Textilwaren, Spielwaren, Fahrräder, Musikinstrumente, Schuhe und Haushaltsartikel hätten neue Käuferkreise gefunden. Was die Kaufkraft anlangt, so sei bei den Arbeitern in Ceylon, im Malaiischen Archipel und auf Sumatra, die auf den Pflanzungen beschäftigt werden, eine Verbesserung festzustellen, auch der gesundheitlichen Verhältnisse und des Lebensunterhalts. Auch in Indien habe der Fabrikarbeiter, obwohl sein Lohn, wie derjenige des landwirtschaftlichen Arbeiters, noch wesentlich unter den in Europa üblichen . Sätzen liege, seine Lebenshaltung verbessert. Bemerkenswert ist auch die Feststellung des Verfassers, daß gegenüber der Widerstandslosigkeit und dem Fatalismus, die seit undenklichen Zeiten das Merkmal des Ostens gewesen sind, die Erkenntnis aufkommt, daß das Elend nicht das unausweichliche Schicksal der Armen sein kann, und daß die Möglichkeit eines besseren Lebens besteht. Mit dieser Erkenntnis entsteht der Wunsch nach einer besseren Lebenshaltung und eine Entschlossenheit, dieses Ziel zu erreichen. Mit den wirtschaftlichen Problemen, die die Industrialisierung im Osten mit sich bringen, tauchen dieselben Probleme sozialrechtlicher Natur auf, die in Europa bereits viel früher gelöst werden mußten. Was nach dieser Richtung hin im Fernen Osten bisher geschehen ist, wird von Butler folgendermaßen zusammengefaßt: „Die Gewerbeaufsicht wurde eingeführt, dem Bedürfnis nach Gewährleistung von Gesundheit und Sicherheit in den Betrieben wird Rechnung getragen, die Arbeitszeit ist begrenzt, immer häufiger wird bei Unfällen und Berufskrankheiten eine Entschädigung gewährt, die Beschäftigung von Frauen und Kindern ist geregelt. In Japan wurde die Krankenversicherung im ganzen Lande eingeführt, in Indien wird der Frage ihrer Einführung immer stärkere Aufmerksamkeit gewidmet." Besonders vordringlich sind jedoch im Fernen Osten die Probleme der Armut, des Analphabetentums, der Krankheiten und der Ueberbevölkerung. Letztere ist in China, Indien, Japan und Java sehr groß, während die diesen Ländern zugänglichen Hilfsquellen, besonders wenn man sie am Stand der Lebenshaltung in irgendwelchen westlichen Ländern mißt, unzureichend sind. Zusammenfassend wird in dem Bericht festgestellt, daß Asien aus der wirtschaftlichen Lethargie der letzten Jahrhunderte erwacht, daß es industrialisiert wird und daß seine Erzeugungsfähigkeit rasch wächst. Max Goldstein Vom Recht des Alltags in den Einwanderungsländern / IL Im britischen Empire (Schluß) ■, Neben den Dominions gibt es Kolonien, die der Herrschaft des Mutterlandes weiter unterstehen und als Kronkolonien bezeichnet werden. Für ihre Verfassung und Gesetzgebung ist charakteristisch, daß soweit eine weiße Bevölkerung vorhanden ist oder die eingeborene Bevölkerung oder Teile davon einen entsprechenden Kulturstand aufweist, ein gewisses Maß von Selbstregierung gewährt wird. Welcher Art das unter Umständen sein kann, wird verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Palästina nach dem Vorbild einer Kronkolonie regiert wird, und daß der Plan des Legislative Council den Versuch bedeutete, in Palästina einzuführen, was anderwärts schcm des öfteren geglückt war. Die Abhängigkeit vom Mutterlande kommt darin zum Ausdruck, daß neben der Möglichkeit lokaler Gesetzgebung die Möglichkeit weiter besteht durch Order in Council des Königs oder durch Parlamentsakt unmittelbar gesetzgebend einzugreifen. Soweit eine Erstreckung auf die Koloniet nicht ausdrücklich bestimmt wird, beziehe* sich englische Gesetze nur auf England selbst So ergibt sich von vornherein das Bild, daß der Rechtsstand im Britischen Weltreich nicV überail einheitlich ist. Dem Engländer es scheint das in keiner Weise auffallend. Scho«i im engeren Bereich Großbritanniens fehlt die Einheitlichkeit. Schottland hat von je sein eigenes Recht bewahrt, das sich mit englischen Common Law und Equity durchaus nicht deckt und stark vom Römischen Recht (Civil Law) beeinflußt ist. Sehr oft enthalten englische Gesetze Bestimmungen darüber, ob und in welcher Weise sie für Schottland zur Anwendung kommen. Es muß also dringend davor gewarnt werden, anzunehmen, daß rechtliche Bestimmungen, die Paul xoratkowsKi Bl,ÄSS8,n Immobilien, Bln.-Char!bg. 9, Reichsstr. 10, III / Ruf 992321 man in England kennengelernt hat, ohne weiteres auch in Schottland gelten. Für das Werden des Rechts in den einzelnen Gebieten des Empire ist eine Grundregel englischen Rechtsdenkens wesentlich geworden. Kommt der Engländer in unbewohntes oder nicht von zivilisierten Völkern bewohntes Land, um sich dort niederzulassen, so bringt er das Recht, das er in der Heimat hatte, mit sich hinüber. So hat der Engländer nach allen Siedlungskolonien: Kanada, Australien, Kenya, Rhodesien usw, englisches Common Law' und englische Equity mitgenommen, so sind diese auch nach Nordamerika gekommen und dort geblieben, nachdem die Vereinigten Staaten unabhängig geworden waren. Es gibt aber auch Kolonien oder Teile jetziger Dominions, die von Engländern nicht ursprünglich besiedelt, sondern durch Eroberung oder Abtretung erworben sind. In Gebieten dieser Art ist das von früher vorhandene bürgerliche Recht genau w> bestehen geblieben wie es sich H STELLEN MAKKT für j ü di s che Arbeitgeber und A r b ei tne hme r ANGEBOTE Für verschiedene Abteilungen meines Geschäftes suche ich zum 1. Oktober bezw. 1. November 1938 zwei jüdische 1. Verkäuferinnen Bevorzugt werden Damen, die in mittlerem Geschäft tätig waren und in allen Abteilungen bedienen können. Offerten mit Bild, Gehaltsansprüchen u. Zeugnisabschriften erbeten an SAMSON DAVID / OSNABRÜCK In der C.-V.-Zeitung inserieren,, soweit es sich um deutsche Staatsangehörige handelt, nur Juden Chemiker jüdisch, erfahren in Aufarbeitung von Bleicherden, gesucht. Angebote unt. F. 8287, C.-V.-Zeitung, Berlin W15 Für einen Kursus in feiner Hotelküche wird jiid. Lehrkraft nach Düsseldorf gesucht. 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