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Central-Verein-Zeitung · 1938-09-08 · 36 (8.9.1938) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
36 (8.9.1938)
Date
1938-09-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Beilage der C-V.-Zeitung Mitteilungen aus dem Hiifsverein der Judfen in Deutschland }er§tK Knigge für Konsulatsbesucher Hunderte von Juden kommen jetzt Tag für Tag mit den Konsulaten fremder Staaten in Berührung. Und wer einmal einen Tag z. B. auf einem amerikanischen Konsulat zugebracht hat, der weiß, in welchen Mengen sorgenbeladene und hoffnungserfüTLte jüdische Menschen dort vorsprechen, und wie sehr dieser Betrieb Geist und Nerven der Konsulatsbeamten beansprucht. Das sollten alle diejenigen bedenken, die der Wille zur Auswanderung zu fremden Konsulaten führt und sie sollten, trotz der eigenen Nervosität und Unruhe, versuchen, durch ihr Verhalten in den Warteräumen und bei den Verhandlungen den fremden Beamten ihre Aufgabe zu erleichtern und damit gleichzeitig sich selbst und allen, die nach ihnen kommen, zu nützen. Deshalb seien hier einige Beobachtungen zusammengestellt, die — wie uns scheint — von den Konsulatsbesuchern in ihrem eigenen Interesse, wie in dem der schwer arbeitenden Konsulatsbeamten, nicht außer acht gelassen werden sollten. ZIGARREN WOLF Frankfurt/Main, Zeil 49 Groß- und Kl einverkauf Versand ab Mk. 20.— frei Haus Auswandern bedeutet neu anfangen. Und der neue Anfang steht schon vor dem eigentlichen Übersiedeln. Er beginnt bereits in der Vorbereitung, und ist gleichbedeutend mit erhöhter Leistung; geistig, seelisch und körperlich. Das muß auch der Visumanwärter, der bei einem fremden Konsulat vorspricht, erkennen. Zweifellos herrscht unter den Wartenden in den Vorzimmern der Konsulate teilweise ein mustergültiger Geist. Aber leider eben doch nur teilweise. Und gerade von Menschen, die selbst auf den Konsulaten zu tun haben, hört man immer wieder Klagen darüber, wie wenig ein Teil der Besiicher die Situation, in der sie sich als Anwärter auf eine Einwanderungseriaubnis den Konsulatsbeamten gegenüber befinden, begriffen haben. Lieber Auswanderer, fange schon hier mit dem an, was du dort drüben doch haben mußt: Härte gegen dich selbst, Verständnis für deine Umgebung und Rücksicht auf den Nachbarn. Im Konsulat stehst du an der Schwelle des Landes, in das du einwandern willst. Darum versuche dich schon da der erstrebten Erlaubnis würdig zu erweisen und ein wenig in den Geist des Landes einzufühlen, das dir eine neue Heimat werden soll. Bedenke auch, welche Mengen von Anfragen, Briefen, Eingaben und Anträgen täglich von den Beamten der Konsulate zu bewältigen sind, wie viele Besucher neben dir mit ebenso schweren Problemen beladen auf Antwort warten — dann wirst du verstehen, daß dir nur eine kleine Spanne Zeit gewidmet werden kann. Beschränke deine Wünsche auf präzise kurze Fragen, überlege dir vorher genau, was du zu erfahren wünschst, und es ist auch keine Schande, wenn du zur Stütze des Gedächtnisses einen Zettel mitbringst, auf dem du dir die einzelnen Punkte notiert hast. r Vor allem aber: nimm dir Zeit. Deine Auswanderungsvorbereitungen haben meist Wochen, ja Monate gedauert. Wenn du zum Konsulat gehst, soll der ganze Tag frei sein. Die Konsulatsbeamten arbeiten tagaus tagein an unseren Anfragen und Anträgen, dann dürfen wir am allerwenigsten drängen, wenn wir persönlich dort erscheinen, oder gar schimpfen, wenn wir drei, vier,vielleichtauch manchmal fünf und sechs Stunden warten müssen. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Organisation auf den Konsulaten zu ändern. Wir sollten vielmehr dankbar sein, daß uns überhaupt die Möglichkeit zur persönlichen Vorsprache gegeben wird, und jede Unterhaltung darüber, daß in der Organisation dies oder jenes verbessert werden könnte, .ist überflüssig — und schädlich. Wer „keine Zeit" hat, um auf dem Konsulat einige Stunden zu warten, der sollte sich erst darüber klar werden, daß er es ist, der als Bittender vor dem Konsulat erscheint, und das das Konsulat nicht nur für ihn oder seine Wünsche geschaffen wurde. Die Konsulate sind zu jeder Auskunft bereit. Aber darum dürfen wir den guten Willen der Beamten, die immer wieder die gleichen Sorgen anhören und die gleichen Fragen beantworten müssen, nicht durch unser Benehmen auf die Probe stellen. Es genügt, wenn einer von einer Familie sein Anliegen vorkragt. Und es ist vollkommen unnötig, durcii Umherstehen in den Eingängen und an den Pulten der Beamten Unruhe und Durcheinander hervorzurufen. Denn das heißt. letzten Endes nur: Verzögerung. Mit etwas Selbstdisziplin können alle Besucher in der richtigen Reihenfolge vorsprechen. Ein Tag auf dem Konsulat bedeutet für jeden einen Tag voller Spannung, der vielleicht von entscheidender Bedeutung für die Zukunft ist. Aber gerade deshalb sollte sich jeder schon hier beherrschen lernen, denn es wird nicht der letzte Tag sein, an dem man nervös und voll Furcht und Hoffnung eine Bitte vortragen, eine Entscheidung erwarten wird. Die gleiche Härte gegen uns selbst werden wir draußen tausendmal beim Aufbau einer neuen Existenz brauchen .— die gleichen Mängel an Benehmen und Beherrschung werden uns dann genau so schaden wie jetzt hier auf den Konsulaten, ganz abgesehen davon, daß sie den Arbeitsbetrieb aufhalten und damit unsere und der Konsulatsbeamten Nerven unnötig belasten. ' Anständigkeit der Gesinnung beweist man auch durch Rücksicht: Rücksicht auf den Nachbarn, der vielleicht von außerhalb kam, für den ein Tag auf dem Konsulat mit mehr Schwierigkeiten und Kosten verbunden ist, als für den Ortsansässigen. Lasse ihm den Vortritt. Es kann und darf dir nicht auf eine halbe Stunde ankommen. Jede Erleichterung des Betriebes durch selbstdiszipliniertes, überlegtes Verhalten der Wartenden kommt letzten Endes diesen selbst zugute. Man vergesse nie, daß die Anträge von Tausenden aur langsam und nacheinander aufgearbeitet werden können, daß fast in jedem Fall Einzelfragen zu klären, Rückfragen zu stellen sind. -J3as-alles nimmt Zeit in Anspruch, und da« Recht, das man für qtch selbst verlangt, muß man auch den anderen zubilligen. Jedes Konsulat ist seinem Lande und seiner. Regierung gegenüber für die ordnungsgemäße Erledigung aller Anträge verantwortlich. Es arbeitet im Interesse des Landes, dessen Einwohner und künftige Bürger der Auswanderungswillige zu werden hofft. Schon durch sein Verhalten vor der Schwelle kann er unter Beweis stellen, daß er dem Lande, das ihn aufzunehmen bereit ist, keine Last, sondern ein disziplinierter, aufbauwilliger Mitarbeiter werden will. Und schließlich bedenke, daß alle warten so wie du, daß alle gleiches Schicksal tragen, und daß du keine Ausnahme bist. Vielleicht ist Ordnung und Disziplin in den Wartestunden auf den Konsulaten der einzige Weg, das auszudrücken, was alle Auswanderer empfinden: Dank an die Konsulatsbeamten für ihre unermüdliche Tätigkeit, auch dann, wenn ihre Auskünfte auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen des Einwanderungslandes nicht immer so sind, wie wir sie gerne hören würden. Jeder muß sich bewußt sein, wieviel Mehrarbeit die Beamten der meisten überseeischen Konsulate durch die jüdische Auswanderung zu bewältigen haben, und wieviel mehr sie an persönlicher Kraft und Leistung einsetzen müssen, um allen Anforderungen gerecht werden zu können. Darum kann es auch nur schaden, wenn immer wieder einige die ordnungsmäßigen -Wege durchbrechen oder ohne zwingenden Grund in ihrem eigenen Interesse verkürzen wollen. Es gibt Konsulate, die Wartenummern ausgeben. Solche Wartenummern, die in der Quote der zuzulassenden Einwanderer zählen, sollten sich aber nur die geben lassen, die bereits ernsthafte Unterlagen für eine Auswanderung in das betreffende Land in Händen haben. Es' schadet der gesamten jüdischen Auswanderung, wenn Menschen solche Nummern verlangen, die noch keinerlei feste Anhaltspunkte haben. Sie drängen damit die, deren Papiere bereits in Ordnung sind, zurück, belasten die Konsulate mit Arbeit und Korrespondenz und machen die Konsulatsbeamten mißtrauisch gegenüber allen Antragstellern, ohne im Augenblick auch nur den geringsten Vorteil davon zu haben. Je stärker der Auswanderungsdrang ist, desto mehr häuft sich die Beanspruchung der Konsulate und desto länger dehnen sich die Fristen, die benötigt werden, um die einzelnen Anträge zu bearbeiten. Um so mehr Selbstdisziplin und Verantwor- 9 Malerei und Plastik, Wissenschaft und Literatur, Roman und Gedicht, wie sie die Schriftsteller und Künstler in der Welt täglich in tausendfältiger Form von neuem schaffen, erschließen sich dem gebildeten jüdischen Leser Senden Sie mir bis auf Widerruf die ■C-V.- Zeitung RM. 1,50 für Oktober, November, Dezemberzahle ich bei Vorlage der Postquirtung an den Briefträger oder (nach Aufforderung durch den Verlag) auf Postscheckkonto. Die beiden letzten Septembernummern erhalte ich kostenlos. Name: Ort::... Straße:.................................................. Ausschneiden und mit 3 Pf. frankiert (oder auch unfrankiert) senden an: C.-V.-Zeitung Vertrieb, Berlin W15, Emser Straße 42. / Telefon 92 81 41 Auch jedes Postamt nimmt Bestellungen entgegen. tungsbewußtsein gegenüber der jüdischen Gesamtheit muß von jedem Petenten verlangt werden, denn die Konsulate sind an die von ihren Regierungen erlassenen Bestimmungen gebunden und können von sich aus keine Aenderungen daran vornehmen. Herbert Wiesenthal kann, falls erforderlich, später leicht vorgenommen werden. Wo dieses aus technischen Gründen oder Wegen der Höhe der Kosten nicht möglich ist, kann man für die einzelnen Geräte oder für mehrere Geräte zusammen einen passenden Transformator herstellen lassen, der die Netzspannung auf die Gerätespannung transformiert. Welche elektrischen Geräte kann der Auswanderer mitnehmen und wie müssen sie beschaffen sein? Diese Fragen werden nach der technischen — nicht jedoch nach der devisen- und ausfuhrrechtlichen — Seite im folgenden beantwortet: Die elektrischen Haushaltgeräte spielen hei der Zusammenstellung des Wohnungsgutes für Auswanderer eine wesentliche Rolle, weil diese Geräte die Arbeit im Haushalt erleichtern. Die meisten Hausfrauenhaben diese Feststellung bereits selbst erprobt, so daß es sich erübrigt, die Vorzüge der elektrischen Geräte für den Betrieb eines Haushaltes nochmals zu erläutern. Viel wichtiger erscheint der Hinweis, daß die Mitnahme der einzelnen Geräte und ihre Auswahl nach Gesichts- ^J.GtlUM&CO. Ä Berlin-Schöneberg, Martin-Luther-Str. 26 / Telefon 77 20 2t hbbb> Ausland-Uebersee punkten erfolgen muß, die nicht nur die Wohnungsverhältnisse und Lebensbedingungen des neuen Wohnortes, sondern auch die Anschlußmöglichkeiten an .das zukünftige Stromnetz berücksichtigen. Die Wichtigkeit dieser Frage wird vielfach "unterschätzt, was aus den Berichten derjenigen hervorgeht, die bereits ausgewandert sind. Die Auswanderer werden vor Schaden durch Mitnahme v«ä unbrauchbaren Geräten bewahrt, wenn sie sich vorher richtig und fachmännisch beraten lassen. Obwolü die technischen Einzelheiten dem Laien vielleicht kompliziert erscheinen, soll versucht werden, das Verständnis für diese Fragen zu wecken. Bei einer sinngemäßen Anwendung dieser Erläuterungen und bei wirklich sachlicher Beratung können Auswanderer ohne Angst davor, daß sie etwas nicht richtig machen, beruhigt elektrische Geräte mitnehmen. 1. Welche Spannung (Volt)? W7ie hier in Deutschland, so sind auch im Ausland die Spannungen überall verschieden, nicht nur in den einzelnen Ländern, sondern vielfach auch in einer Stadt. Es gibt Spanaungen von 110/130, 210/230 oder'250 Volt. Fast jeder weiß, daß er sein Gerät nicht an eine beliebige Spannung anschließen kann, und meistens hat er diese Frage schon durch Rückfragen im Ausland oder durch die Hefte des Hilfsvereins festzustellen versucht. Sehr häufig kann die Spannungsfrage jedoch nicht eindeutig ermittelt werden, weil der zukünftige Wohnort noch nicht festliegt oder weil in der betreffenden Stadt die Spannungen verschieden sind. Die meisten elektrischen Geräte sind jedoch hur an eine bestimmte Spannung anzuschließen. Für zwei Spannungen werden hergestellt: Heizkissen, Höhensonnen, Radioapparate, Ventilatoren, Haartrockenapparate usw. Es gibt auch Reisebügeleisen und Reisekocher für zwei Spannungen, die jedoch für den Hausgehrauch nicht zu empfehlen sind. Auch dann, wenn es gar nicht möglich ist, die Spannung vorher eindeutig festzulegen, hat der Fachmann - Möglichkeiten, sich zu helfen, und zwar dadurch, daß für die einzelnen Geräte Heizelemente oder Motore für verschiedene Spannungen beschafft werden. Die Auswechslung 2. Welche Stromart? In vielen Gegenden oder Städten gibt es zweierlei Stromarten: Gleichstrom oder Wechselstrom. Bei Geräten mit Heizelementen spielt die Stromart keine Rolle. Also z. B. bei Wasserkochern, Bügeleisen, Heizkissen, Waffeleisen, Brotröstern, Herden usw. Auch motorisch angetriebene Haushaltgeräte sind vielfach mit Universalmotoren ausgerüstet, die mit Gleich- und Wechselstrom laufen. Besonders wichtig ist die Klärung dieser Frage bei der Mitnahme eines Kühlschrankes, dieser hat keinen Universalmotor. Man kann sich auch hier, wenn man die Kosten nicht scheut, durch Mitnahme eines zweiten Motors helfen, allerdings nicht bei allen Fabrikaten, weil einige den Motor mit dem Kühlaggregat verbinden. 3. Welche Periodenzahl? Ein Bogriff, der den wenigsten Auswanderern und sehr häufig nicht einmal den Verkäufern von elektrischen Geräten bekannt ist und durch dessen Unkenntnis schon viel Schaden angerichtet würde. Die Perioden sind nur bei Wechselstrom zu berücksichtigen und auch hier nur hei motorisch angetriebenen Geräten. Also nicht bei Geräten mit Heizkörpern (siehe unter 2.). In Deutschland kennt man nur mit ganz geringen Ausnahmen eine Periodenzahl von 50 per/s. Im Ausland dagegen bewegt sich die Periodenzahl in den verschiedenen Ländern zwischen 25 bis 60 per/s. Die in Deutschland für die normale Periodenzahl hergestellten Motoren laufen daher, wenn sie an eine andere Periodenzahl angeschlossen werden, entweder zu schnell oder zu langsam. Bei Staubsaugern, Bohnermaschinen, Haartrocknern, Ventilatoren usw. wird eine andere Periodenzahl, wenn sie in den Grenzen von 40—60 per/s bleibt, kaum von Nachteil sein. Dagegen muß die PerioderiAahl des Stromnetzes ' mit' dem Motor übereincll.Timen bei Kühlschränken, elektrisch geheizten Bügelmaschinen und bei Waschn.as^iinin, Zentrifugen usw. Auch bei

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