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Central-Verein-Zeitung · 1938-09-01 · 35 (1.9.1938) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
35 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDEN TUNS Geschäftsstelle (Verlag, Redaktion, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Emser Str. 42. Feratpr.: 928141— 45. TeUgr.• Adr.: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin 70344, Prag 7/218, Zürich VIH 2636 Bankkonto: Mosler, Süßkind Ö Co., Berlin W8. Die C-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluß: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post die die Gebühren durch den PostboM» erhebt Bezugspreis vierteljährlich 81 RpL (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzüglich 18 RpL Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet in die I andeswährung) einschließlich Zustellgebühren. Einreinummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeijjengebühren: Preisliste 6 gültig. Die I2g«sp. mm-Zeile 20 RpL für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermäßigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzel anzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluß: Dienstag. Platz- und Datenvorscbriften ohne Verbindlichkeit. ssmmmmmmmmmm^mm^mmaammmmmmm^mmmmmmm^m^mammmam^^m^aBsssaBBmB^aB^m Warten . Mit sorgenbeschwerter Zurückhaltung hatten die Juden Deutschlands die ersten Nachrichten über die von Präsident Roosevelt angeregte Konferenz zur Lösung des jüdischen Wanderungsproblems aufgenommen. Als jedoch in erstaunlich kurzer .Zeit die Einberufung der Konferenz nach Evian bekannt wurde, erwachte in ihnen die Hoffnung, daß 32 Nationen, denen weite Gebiete des Erdballs unterstehen, aktive und schnelle Arbeit leisten würden. Vertraut mit dem Räderwerk der Diplomatie, hatten sie diese Hoffnung auch ' nicht sinken lassen, als die Staatsmänner in Evian ohne praktisches Ergebnis aus- . einanderg" -^?n. Denn die Tatsache, daß . bereits vierzehn Tage später eine zwreite Tagung in London zusammentrat, .mußte ihre Hoffnung nähren. Auch die zweite Tagung ist zu Ende gegangen und sie hinterließ den wartenden Juden die ' Hoffnung, daß abermals vierzehn Tage später der neuemannte Direktor seine Arbeit beginnen werde. Man hatte gehört, daß die Zwischenzeit nicht nutzlos verstrichen war. Beobachter kamen in die Hauptstädte der europäischen Länder, um, das Feld zu erkunden und sich mit der ihnen bis dahin fremden Materie vertraut zu machen. Wiederum ist ein halber Monat verstrichen, ein Büro wurde eingerichtet, ein Vorsitzender - bestellt, ein Sekretär ernannt, ein Stellvertreter gewählt. Noch immer warten die Juden in Deutschland auf ein Ergebnis dieser an sich so begrüßenswerten Bemühungen. Die Probleme der „internationalen Politik, die die Stunde beherrschen, sind gewiß nicht der letzte Grund dafür. Aber die Menschen, die in Erwartung leben, möchten nicht, daß ihre-Angelegenheiten darüber vollkommen vergessen werden. Man muß sich demgegenüber klarmachen, daß der Gang der Geschichte, und um ein geschichtliches Problem handelt es sich, stets längsam gewesen ist. Es unterliegt keinem "Zweifel, daß das Büro in London umsichtige Arbeit leisten wird, um zu allererst jene Reaktion zu beseitigen, die in der Welt nach Evian entstanden ist. Die Konferenz hat manchen Staatsmännern zum erstenmal, das Problem in seinem ganzen Umfange gezeigt. Kein Wunder, daß die Grenzen sich noch fester schlössen. Es liegt jedoch kein Grund vor, zu glauben, daß damit die Tätigkeit von 32 Staaten erschöpft wäre. Es verlaute., daß in Verbindung mit dem Londoner Büro Verhandlungen im Gange sind, welche gerade diese Folge beseitigen und die Einwanderungsmöglichkeiten gegenüber früher verbessern wollen. Daß wir im wesentlichen nur Objekte dieser Situation sind, macht uns das Warten besonders schwer. Trotzdem gilt es auch in diesen Wochen die einmal erstandene Hoffnung aufrecht zu erhalten. Geduld . kann auch ein schöpferischer Faktor sein. Or * Aus Paris wird mitgeteilt, daß der Vizepräsident des „Zwischenstaatlichen Committees", Myron C. Taylor, der Direktor des Büros, Georges Rublee, und der Sekretär Robert P e 11 in Paris eingetrof- Aclitimg! Argentinien-Fahrer! Der Hilfsverein teilt folgendes mit: Im Hinblick auf die am 1. Oktober 1938 in Kraft tretende Neuregelung der argentinischen Einwanderungsbe^h^THJn^en werden gegenwärtig auf Llamaden keine Visen erteilt. Inhaber bereits visierter Pässe dürfen landen, sofern sie vor dem 1. Oktober in einem argentinischen Hafen eintreffen. fen sind, um mit dem französischen Vizepräsidenten Senator B erenge r die Fortführung der Arbeiten zu besprechen. Es verlautet femer, daß man zur Zeit in In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Kulfurbundbeilage mit Beiträgen von: Mascha Benjakonski. Alfred Berliner, Hans Freyhan, Hans » Oppenheimer, Hans Zahderund Skizzen von Lilli Szkolny ferner die Beiträge Ein Reisebericht aus dem Jahre 1833 — W.Kruscynski: Jizchak Baer Levinsohn - Werner Lahnmann: Neue Literatur über den Judenstadt —'. Die Beschäftigung in der Welt Die Beilagen: Wirtschaft der Woche — Sportblatt Palästina-Umschau erster Linie daran denkt, Verhandlungen mit den überseeischen Ländern zu führen, da die allgemein-politischen Verhältnisse im Augenblick eine Förderung des Problems in Europa wenig wahrscheinlich erscheinen lassen. Eine Abordnung führender Juden aus der Schweiz, aus Belgien, Holland, Luxemburg und der Tschechoslowakei richtete an den europäischen Direktor des Joint, Dr. Bernhard Kahn, vor seiner Abreise nach Amerika im Verlauf einer ausführlichen Konferenz den dringenden Appell, neue Mittel für den Unterhalt der in diesen Ländern zur Zeit befindlichen Durchwanderer aufzubringen. Die örtlichen Fonds seien fast restlos erschöpft. Der Schweizer Vertreter betonte, daß bereits weit über eine Million Schweizer Francs aufgebracht worden seien. Neben dem Lager in Diepoldsau seien weitere Lager in der Nähe von Basel und Genf in Aussicht genommen. Man nimmt an, daß von jüdischen Spenden zur Zeit etwa 10 000 Menschen in europäischen Ländern leben, für die schon jetzt täglich durch den Joint ein Zuschuß von 1000 Pfund gewährt wird. Ihre Weiterführung nadbuUebersee soll nach der glei- 7 chen Schätzung einen Aufwand von etwa 300 000 Pfund erfordern. Die Einwanderungsquoten für Brasilien / Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung K. J. R. Buenos Aires, 27. August Die bestehende Gesetzgebung über Einwanderung und über die Behandlung der im Lande ansässigen Ausländer ist durch ein Dekret des Präsidenten Getulio Vargas in wichtigen Punkten ergänzt und abgeändert worden. t Alle Einwanderer und Vergnügungsreisende müssen sich in Zukunft binnen 30 Tagen nach ihrer Ankunft im Lande bei der ihrem Aufenthaltsort zunächst gelegenen Polizeibehörde in ein Spezialregister eintragen lassen. Ferner sind neue Bestimmungen über die Bildung von Kolonien durch Einwanderer fremder Staatsangehörigkeit getroffen - worden, denen im Hinblick auf Projekte zur Gruppenwanderung und Gruppen Siedlung in Brasilien erhebliche Bedeutung zukommt. Das Dekret bestimmt, daß Kolonien von Ausländern mit ein und derselben Nationalität nicht gebildet werden dürfen. In welcher Weise mit . den bereits bestehenden derartigen Kolonien verfahren werden soll, ist bisher nicht festgelegt worden. Das Innenministerium wird hier weitere Verfügungen treffen. Immerhin ist das neue Dreket in Abänderung der bekannten im Jahre 1937 ergangenen Bestimmungen auch auf die schon vorhandenen Kolonien, die sich aus Angehörigen eines und desselben Staates zusammensetzen, anwendbar. Diese Bestimmungen lassen die schon seit einiger Zeit bemerkbare Tendenz des Regimes > Vargas erkennen, die -nationale . Zusammensetzung der Bevölkerung zu überwachen und allmählich ein einheitliches brasilianisches Staatsvolk zu bilden. In die gleiche Richtung zielt auch eine Neuregelung der auf die einzelnen Auswanderungsländer entfallenden Einwände r er q uo t en, durch die man offenbar die Gleichförmigkeit des Zuwandererstroms in nationaler Hinsicht zu regulieren erreicht. Auf jedes Land entfällt in Zukunft eine Einwrandererquote , von 2 o/o der Ges amtzahl aller Einwanderer der Nationalität des betreffenden Landes innerhalb der letzten 50 Jahre. Die Mindestquote für ein Land beträgt jedoch 3000 Neueinwanderer, so daß Länder, die auf der Basis von 2 o/o ihrer Gesamteinwanderüng in den letzten 50 Jahren zu einem geringeren Kontingent kämen, verhältnismäßig bevorzugt werden. Diese Regelung wirkt, sich unter anderem bei Berechnung der polnischen Quote günstig aus, da bei Zugrundelegung von 2 °/o nur etwas mehr als 2000 polnische Einwanderer zugelassen werden würden; dies ist mit Rücksicht auf die polnische Judenfrage von Belang. Zur Festlegung der Quoten ist der siebengliedrige Einwanderungsrat berufen, dessen Mitglieder der Präsident ernennt. Der ßinwanderungsrat ist auch berechtigt, den nicht ausgenutzten Quotenüberschuß einer Nation einer anderen Nation gutzubringen, die eine erhöhte Einwandererzahl zu entsenden wünscht, doch muß der so gebildete Ueberschuß sich aus Landarbeitern zusammensetzen. Auslands- Nacbricliteii Chile Dem Kongreß in Santiago ist ein Gesetzentwurf über die K o l o n i s a t i o n des Landes zugeleitet worden. Die Regierung begründet den Entwurf in einer Botschaft damit, daß Arbeitskräfte, die dem Fortschritt des Landes dienen können, nach Chile gezogen werden müßten. Es ist bekannt, daß die Einwanderung nach Chile im Augenblick sehr erschwert ist. Hierüber kam es in der Presse zu Diskussionen, in die auch. der Außenminister eingegriffen .hat. In einem Artikel setzt er auseinander, daß nicht Rassegründe für die. Sonderbehandlurig' jüdischer Einwanderer maßgebend seien, sondern lediglich wirtschaftliche Gesichtspunkte. Das Land benötige solche Kräfte, die -dem landwirtschaftlichen Aufbau dienlich seien. Die einwandernden Juden seien jedoch -in der Mehrzahl Kaufleute. - Er weist weiter darauf hin, , daß Einwanderer nur mit Vermittlung des „Comite de Proteccion" in Santiago, das mit der Hicem eng zusammenarbeite, ins Land kommen, und daß die in Deutschland '. ansässigen Juden die nötigen Unterlagen durch die in Deutschland tätigen Auswanderungsorganisationen besorgen sollten. Italien Die Diskussion der Judenfrage nimmt nach wie vor breiten Raum in der Preisse ein. Zwei Aeußerungen seien hier wiedergegeben: Virginio Gay da kommentiert in »einem Leitartikel der „Voce d' 11 a 1 i a" eine Vereinbarung, die zwischen der Faschistischen Partei und der Katholischen Aktion zustandegekommen ist und sich im wesentlichen auf Abmachungen stützt, die bereits im Jahre 1931 getroffen wurden. Es wird festgestellt, daß die Rassenfrage als politisches Problem für Italien ausschließlich in den Bereich des Staates gehöre und deswegen keinerlei Kontrolle durch die kirchlichen Instanzen unterliege, in deren religiöse Sphäre durch das Lateranabkommen seinerseits der Staat nicht eingreife. Jeder Katholik könne demgemäß Faschist sein und bleiben. „II Regime Facsista" veröffentlicht unter der Ueberschrift „Freundlicher Rat" einen Aufsatz, der an den freiwilligen Rücktritt Dr. Mario Jonas (Ancona) vom Vizepräsidium des Faschistischen Provinzrats und Senators Theodore Mayers (Triest) Rücktritt von der Herausgabe der Zeitung „Piecolo" anknüpft. Es heißt dort: Jona verwirkliche als guter Faschist die Ideen des Staates, dem das Rasseproblem nunmehr als Notwendigkeit auferlegt sei. Wenn Italien von 44 Millionen Juden bevölkert wäre und wenige Katholiken führende Stellungen innehätten, so würden sie" genau so gehandelt haben, ohne irgendein Ressentiment zu empfinden. Niemand werde in Italien verfolgt werden. Da aber nur hundertprozentige Faschisten Staatsstellungen in Zukunft innehaben könnten, sollten die Juden des Landes auch nicht damit rechnen, etwa 1 pro Mille dieser Stellen, wovon mancherorts gesprochen werde, behalten zu können. Es sei genügend Platz im Lande, um die Juden in Freiheit leben zu lassen. Die italienische Nation werde ihnen als intelligente Menschen zahllose Arbeitsmöglichkeiten, auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft, gewähren. Die Forderung nach der Ausschaltung der italienischen Juden aus den freien Berufen w-ird weiterhin erhoben, und es werden Zahlen zu diesem Thema veröffentlicht. Man hört neuerdings Schätzungen, wonach insgesamt etwa 70 000 Juden in Italien leben. Es bleibt abzuwarten, ob die Zählung des 22. August hierfür die Bestätigung bringt. Kanada Auf der Jahrestagung der vereinigten Bücherrevisoren wurde angeregt, Vorschläge für eine systematische und gut finanzierte E i n w a n - derungsp olitik auszuarbeiten, die zur Entwicklung des Landes und zur Verminderung der Arbeitslosigkeit beitragen könne. Litauen Führende jüdische Persönlichkeiten wurden von Regierungsvertretern empfangen. Man versicherte ihnen, daß der judenfeindliche Aufsatz der offiziösen „Lietuvos Aidas" nicht die Ansicht der Regierung widerspiegele. Es sind Schritte unternommen worden, um diesen Zwischenfall endgültig zu klären. Im Zusammenhang damit w?urde auch mitgeteilt, daß die litauische Telegraphenagentur Elta eine streng objektive Haltung gegenüber dem Judenproblem einnehmen werde. Die Behörden haben jede weitere Diskussion jenes Aufsatzes in der Presse verboten. Lediglich der in litauischer Sprache erscheinenden jüdischen Zeitung „Opzswalga" wurde gestattet, ein Schlußwort zur Diskussion zu bringen. Luxemburg Die Gr e nz e nach Luxemburg ist für Einwanderer und Durchwanderer zur Zeit völlig gesperrt. Auch Transitvisen werden nicht erteilt. Für 200 Einwanderer, die in den letzten Wochen ins Land gekommen sind, hat die jüdischl Organisation „Esra" die Verantwortung bis zu ihrer Weiterwanderung übernommen. Polen TOTZ, der polnische Zweig der OSE, veröffentlicht das Ergebnis seiner Winterhi.l f s a r b e i t für 1937/38. Danach wurden 44141 Kinder in 591 Schulen regelmäßig gespeist. Die Kosten in Höhe von rund 520 000 Zloty wurden zu 45 o/o in Polen, zu 30 o/0 vom Joint in Amerika, zu 10 o/0 vom United Appeal

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