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Central-Verein-Zeitung · 1938-08-25 · 34 (25.8.1938) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
34 (25.8.1938)
Date
1938-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XVII. Jahrg. / Nr. 34 Berlin, 25. August 1938 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schrifdekung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Emser Str. 42. Fernspr.r 928141—45. Tel«gr.-Adr.: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin 703-44, Prag 7/218, Zürich VIII 26363 Bankkonto: Mosler, Süßkind & Co., Berlin .W 8. Die C. - V. - Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluß: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsslelle entgegen. Z ustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 RpL (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzüglich 18 Rpf. Bestellgeld. Für. Ausland vierteljährlich 2,30 RM (umgerechnet in die 1 andeswährung) einschließlich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 6 gültig. Dio 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf., ür Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere» ermäßigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluß: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Arbeitsbeginn, in Ijondon Der Direktor des Intergouvernementalen Büros, Georges Rublee, der am 11. August von New York in London angekommen ist, hatte, mit dem Präsidenten des Büros, Lord Wiriterton, und dem Georges Rublee; FoU; AstociaUd Press Vizepräsidenten,. Myron Taylor, sofort nach seinem Eintreffen informative Besprechungen. Am 15. August wurde das Büro selbst, das unter Leitung des stellvertretenden Direktors Robert Pell steht, eröffnet. Der Wiener „Zionistischen Rundschau" ist zu entnehmen, daß es Rublee als seine erste Aufgabe bezeichnet, die Verbindung mit der Deutschen Regierung im Hinblick auf den Vermögenstransfer aufzunehmen. Bei seinen Verhandlungen soll, nach der gleichen Quelle, Rublee von den Botsehaftern der Vereinigten Staaten und Großbritanniens in Berlin unterstützt werden. Er wird sich bei seinen Besprechungen auf Informationen stützen, die ihm von Mr. Brandt, einem leitenden Beamten des Einwanderungs-Amtes ^Washington, der vor kurzem Berlin besucht hat, erteilt werden. Für die künftige Zusammenarbeit zwischen dem Hochkommissar für die Flüchtlinge aus Deutschland und dem von der Evian-Konferenz eingesetzten Intergouvernementalen Büro sind in Besprechungen zwischen Sir Neill Malcolm und Lord Duncannon von der (Völkerbunds-)Hochkommission einerseits, und Georges Rublee und Robert Pell vom Intergouvernementalen Büro andererseits, Pläne ausgearbeitet worden. Die eiirje. Zusammenarbeit zwischen den beiae.i Stellen wird wohl erst dann akut werden, wenn die erwähnten Verhandlungen Rublees über die Auswanderung von Personen, die einen gewissen .Kapitalbetrag mitbringen, zum Abschluß gekommen sind. Die Jenisk Agency zum Palastina-Problem Unser Genfer Berichterstatter schreibt uns: Unter dem Titel „Die Stunde schwerwiegender britischer Entscheidungen in Palästina nähert sich" wird aus Kreisen, die der Jewish Agency. nahestehen, in der Schweiz ein ausführlicher Artikel veröffentlicht, der sich mit dem augenblicklichen Stand des Palästina-Problems befaßt. Einleitend stellt der Aufsatz fest, daß England in Palästina bereits seit 16 Jahren schwere politische Fehler begangen habe, indem es eine feste und entschlossene Haltung gegenüber den Arabern vermissen ließ. Nachdem der Artikel sich dann noch kurz gegen die unsachliche Berichterstattung gewisser Zeükmgen gewandt und die wahren Hintergründe des jetzigen Konfliktes klarzulegen versucht hat, geht er auf den besonderen Standpunkt der Jewish Agency ein. Danach ist der Konflikt zwischen, Juden und Arabern vielleicht-unausbleiblich gewesen, jedoch ist er nicht dermaßen unlösbar und aussprachen. Die Maxime der englischen Politik in Palästina in den letzten sechzehn Jahren scheint darin bestanden zu haben, keine Politik zu machen, sondern lediglich zwischen den Schwierigkeiten zu lavieren und Juden und Arabern ihre Auseinandersetzungen zu überlassen. Eine derartige Politik, die zur Not in einer im allgemeinen ruhigen und friedlichen Welt möglich war, mußte scheitern, selbst wenn die Erschütterung des politischen Gleichgewichts der Welt weniger stark gewesen wäre. Nachdem der Artikel dann nochmals das von den Juden in den letzten Jahren — und vor allem in den letzten 24 Monaten trotz des Terrors — vollbrachte Werk schildert, wendet er sich gegen Lösungsversuche, die zu nichts anderem führen, als den Konflikt auf anderen Ebenen weiterbestehen zu lassen. „Gewisse französische und englische Kreise glauben anscheinend, die Araber beruhigen zu können, indem sie sich mehr oder weniger offen für gewisse „Zwischenlösungen" aussprechen. Alle diese sogenannten Zwischenlösungen haben eines gemeinsam: sie machen die Gründung einer jüdischen Heimstätte für alle Zeiten unmöglich, da sie darauf abzielen, die Juden zu einer ewigen und ohnmächtigen Minderheit in einem rein arabisch, beherrschten Palästina zu machen. Es macht diesen Anhängern einer Politik der Ab- In dieser Nummer finden unsere Leser u.a.: Die Aufsäize: . Professor Dr.; Mombert: Einwanderung und Wirtschaft —Arturo Bab: Auf einer neuen lea-Siedlung. — Lessie Sachs- Wagner, New York: Wenn man es weiß, ist es ein Kinderspiel — Paul Frank: Legende, mit Zeichnungen von Heinz Wallenberg —- Vera Craener: Nebeneinander — Lütz Weltmann: Die Festspiele in Malvern - Olga Bloch : Josef Budko - Eva Reichmann- Jungmahn: M. M. Ussischkin — Verordnung über Vornamen für Juden Die Beilagen: Das Blatt der jüdischen Frau — Palästina- Umschau — Sportblatt — Wirtschaft der Woche- — Schachecke dankung wenig aus, daß auf diese Weise die wichtigsten Lebensinteressen des jüdischen Volkes, das sich in äußerster Not befindet, geopfert werden und daß man internationale Verpflichtungen verleugnet, die einst in gemeinsamer Uebereinkunft unterzeichnet wurden. Die Aufgabe, die nach dem Kriege Großbritannien von allen zivilisierten Völkern übertragen worden ist, ist nicht nur sehr schwer (wie der britische Kölonialminister MacDönald in einer seiner letzten Ansprachen unterstrich), sondern sie ist auch von einer geschichtlichen und moralischen Tragweite, die niemand verkennen sollte. Eine schwere Verantwortung vor der Geschichte lastet auf Groß- TiU 33 Pf. Us 1. öktofa,! Bestellzettel auf Seite 20 britannien in einem Augenblick, in dem eine endgültige Entscheidung über das Schicksal Palästinas gefällt werden muß." Der Schluß des Artikels wiederholt, daß die Stellung der Zionisten und der Jewish Agency gegenüber dem Peel-Plan auf dem letzten Zionistenkongreß in Zürich vor nunmehr einem Jahr festgelegt wurde, daß aber eine neue Entscheidung des Kongresses vor einem endgültigen1 Entscheid eingeholt werden muß. Hie Schweiz als Durcligangslänci verzweifelt, wie diejenigen vorgeben, die ein Interesse daran haben, die wahren Ursachen der Unruhen im Dunkeln zu lassen. Der arabische Teil des Vorderen Orients in seiner Gesamtheit bietet ausgedehnte Möglichkeiten für ein glückliches und harmonisches Zusammenleben aller arabischen Völker und für Millionen Juden. Die arabischen Völker haben genügend Raum, um . ihr nationales Leben ungestört in den riesigen Königreichen zu entwickeln, deren unbestrittene Herren sie sind. Für die Juden hingegen ist das kleine und armselige Palästina die einzige Hoffnung, wieder ein eigenes nationales Leben zu beginnen. Sie können dieses Ziel erreichen — die Erfahrung hat es bewiesen — ohne Beeinträchtigung der bürgerlichen und religiösen Rechte der Araber, wenn bei der Ansiedlung dem Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes Rechnung getragen wird. Der politische Konflikt ist nur durch den Willen der Araber hervorgerufen, aus Palästina ein rein arabisches Land zu machen und die Juden auf die Stufe einer geduldeten Minderheit binabzudrüeken. Das Mandat über Palästina wurde gerade deshalb Großbritannien übertragen, weil man von ihm die Lösung dieses unausbleiblichen und von Anfang an vorausgesehenen Konfliktes erwartete. Ein Rückgriff auf die bewaffnete Macht als Instrument zur Sicherung eines im Mandat festgelegten internationalen .Gesetzes drängte sich daher von Anfang an als einzig mögliches Mittel der Politik auf. Unglückseligerweise hat Großbritannien seine Politik in Palästina nicht in diesem Sinne gehandhabt — dies ungeachtet der Warnungen, die die Ständige Mandatskommission und alle unparteiischen Kenner des Vorderen Orients und der Mentalität seiner Bevölkerung immer wieder W. Genf, 23. August Nachdem die Schweiz im vergangenen Jahr ihre Bestimmungen für den Aufenthalt von Ausländern verschärft hatte, war vor einigen Monaten eine gewisse Milderung in der Handhabung eingetreten. So kam es, daß etwa 1000 Juden aus Oesterreich um Aufenthaltsgenehmigung nachsuchten. Nunmehr hat eine Konferenz der kantonalen Polizeibehörden stattgefunden, in der beschlossen wurde, diesen Einwanderern aus Oesterreich vorübergehend Aufenthaltserlaubnis zu erteilen. An diesem Beschluß hat, wie man glaubt, nicht zuletzt die Konferenz von Evian ihr Verdienst und das Zusammenarbeiten des Verbands der Jüdischen Gemeinden mit den staatlichen Behörden; die Jüdischen Gemeinden haben nämlich die Verpflichtung übernommen, für die vorübergehend Zugelassenen zu sorgen. Ueber diese materielle Unterstützung hinaus wurde in Dieppoldsau im Kanton St. Gallen ein Flüchtlingslager errichtet, in welchem am Tage der Eröffnung bereits 150 Menschen Aufnahme fanden. Dieses charitative Werk wurde bisher auch von den Schweizer Grenzbehörden insofern unterstützt, als man mittellose Einwanderer kostenlos ins Innere des Landes beförderte und für ihre Verpflegung sorgte. Irgendeiner Beschäftigung dürfen die Ein- wanderer nicht nachgehen. Das Verbot der Arbeitserlaubnis erstreckt sich jedoch nicht auf die Annahme von Lehrstellen in Haushaltungen und in der Landwirtschaft. Iin Zusammenhang mit dieser einmaligen Regelung wurden die Einreisebestimmungen wieder in ihrer vollen Schärfe in Kraft gesetzt. Zu ihrer Durchführung ist der Grenzschutz verstärkt worden. Gleichzeitig verschärft auch Frankreich die Grenzkontrolle nach der Schweiz, . um den Uebertritt von aus der Schweiz Ausgewiesenen nach Frankreich zu verhindern. Der somit eingetretene Zustand wird von allen Beteiligten begrüßt, da er unnötige Härten vermeidet. Man wird abwarten müssen, inwieweit es gelingt, die eingewanderten Menschen in andere Länder weiterzüleiten. * Lord Duncannon, der Assistent von Sir Neill . Malcolm, dem Hochkommissar beim Völkerbund für die Flüchtlinge aus Deutschland, flog am Montag nachmittag von "London nach Basel, um -mit dem dortigen Hilfskomitee über die Situation der Flüchtlinge, die jetzt in der Schweiz sind, zu. beraten. Lord Duncannon wird voraussichtlich auch persönlich Fühlung nehmen, um die Brauchbarkeit der Menschen für die Auswanderung nach Ueberseeländern festzustellen, dadie Schweiz sich nur als Durchgangsland betrachtet. Auslandsnachrichten Argentinien In Buenos Aires fand ein Kongreß statt, der sich mit Rassenf ragen - und Fragen der jüdischen Wanderung befaßte und der sich gegen Bestrebungen wandte, die auf Grund der Abstammung Diskriminierungen vornehmen wollen. Vizepräsident C a s t i 11 o veröffentlicht in diesem Zusammenhang eine Erklärung, in welcher er seine Zustimmung zu den Bestrebungen des Kongresses ausspricht. Australien In Melbourne starb im Alter von 84 Jahren, der ehemalige Rabbiner der Hebrew Congregation und Präsident des Beth Din von Victoria* Rabbiner. Josef A b r ah ams, England Der Polizeirichter von L o n d o n, G. M e t - calfe, verurteilte drei jüdische Einwanderer aus Deutschland zu sechs Monaten schwerer Arbeit, weil sie illegal in das Vereinigte Königreich gekommen seien. Er empfahl außerdem ihre Deportation nach .Verbüßung der Strafe. Zu diesem Urteil erklärte er, daß er der Ansicht sei, die Gesetze des Landes müßten im vollen Umfange und in voller Strenge angewandt werden. Finnland Das Außenministerium teilt mit, daß die Einwanderung von Juden aus dem Lande. Oesterreich nur noch nach Erteilung eines Visums erfolgen kann, und daß jeder Einzel-' fall geprüft werden wird. Bisher sollen 110 Juden nach Finnland eingereist sein.

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