Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 33 (18.8.1938)
- Date
- 1938-08-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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l&Ch Ii //<5V <j M im Jahrg. / Nr. 33 Berlin, 18. August 1938 Preis 10 Pfennig ALLGEN EIN E ZEITUNG DES JU DENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilung): Berlin W15, Emser Str. 42. Fernspr.: 928141—45. Telegr.-Adr.: Centrajglauben, Berlin. Postscheckkonten: Berlin 70>44, Prag 77218, Zürich VII 26363 Bankkonto: Mosler, Süßkind © Co., Berlin W8. Die C-V.-Zeitung erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluß: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. ZustelltinjJ erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. Bezugspreis vierteljährlich 81 Rpf. (einschl. 22,74 Rpf. Postzeitungsgebühr) zuzüglich 18 Rpf. Bestellgeld. Für Ausland vierteljährlich. 2.30 RM (umgerechnet in die Landeswährung) einschließlich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.) Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 6 gültig. Die 12gesp. mm-Zeile 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familien anzeigen 16 Rpf., weitere ermäßigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. - Anzeigenschluß: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. m Die Aussehiffiiiigs- Erlanbnis / Neue Bestimmungen für die Einwanderung nach Argentinien Sonderbe rieht für die C. -V. -Zeit uns K.J. R. Buenos Aires, Anfang August . Die vielfachen Erörterungen in der argentinischen Oeffentlichkeit, die um eine Neuregelung der für das ganze Land so bedeutsamen Einwanderungsfrage kreisten, haben überraschend durch ein Regierungsdekret vom 28. Juli ihren Abschluß gefunden. Es sieht eine umfassende "Aenderung der bisher geltenden Praxis vor. Sein Zweck ist nach offizieller Mitteilung, die Einwanderung zu regulieren und 'dabei eine bessere Auslese zu schaffen. Dazu wird bestimmt, daß jeder nicht im Gebiet der argentinischen Republik ansässige Ausländer — welches Verkehrsmittel und welche Klasse er auch zur Einreise benutze — bei der Direcciön de Inmigräciön (Oberste Einwanderungsbehörde) vor der Einreise durch Vermittlung der Konsulatsbehörden eine Ausschiff üngs erl aubni s beantragen muß.; diese kann erst gewährt werden, wenn sich-"die Behörde mit einem Gutachterkomitee beraten hat, das sich aus Vertretern der Ministerien des Innern, der Landwirtschaft und des Auswärtigen zusammensetzen wird. Den Konsulaten wird es künftig — d. h. nach dem für den 1. Oktober 1938 festgesetzten Inkrafttreten des Dekretes — verboten sein, Pässe von Ausländern zu visieren, wenn nicht eine solche Ausschiffungserläubnis vorliegt. Außerdem, werden die Konsulate verpflichtet sein, der Einwanderungsbehörde ausführliche Angaben zu machen, die ihr gestatten, sich ein Urteil darüber zu bilden, ob im Einzelfall eine Ausschiffungserlaubnis erteilt werden soll oder nicht; die Berichte der Konsulate sollen neben anderem die Gründe erkennen lassen, aus denen sich ein Reisender nach- Argentinien, begibt, sie sollen ferner Angaben über Staatsangehörigkeit, Beschäftigung und Beruf, Dauer des Aufenthalts im Lande, Vermögen und andere Einzelheiten enthalten. Ausnahmen sind nur. in Sonderfällen statthaft. Touristen bedürfen keiner Ausschiffungserlaubnis, .vorausgesetzt, daß sie nicht mehr als drei Monate im Lande bleiben und über die entsprechenden Papiere verfügen; ebensowenig durchreisende Staatsangehörige der Nachbarländer und durchreisende Passagiere schlechthin. Aus dem weiteren Inhalt des Dekrets haben die Bestimmungen über die Gewährung von sogenannten L l a m a d e n besondere Bedeutung. Ohne einen vorherigen Antrag des Einwanderungslustigen kann die Einwanderungsbehörde die Einreise von Eltern, Ehegatten, Kindern und Enkelkindern (jedoch nicht Geschwistern) der in Argentinien ansässigen Ausländer gestatten. Diese Genehmigung wird jetzt jedoch nur noch unter der In dieser Nummer, finden unsere Leser u. a. : Die Aufsäize: Heinz Berggrün: San Francisco — Rechtsanwalt Dr. Hans Kaiisch: Vom Recht des Alltags in den Einwanderungsländern— Das neue Hilfsvereinsheft: USA., Philippinen, Kuba — Gedenkartikel: Irving Berlin, Ludwig Borchardr, Alexander Eig, David Popper, Bogumil Zepler Die Beilagen: Palästina - Umschau — Sportblatt —- Wirtschaft der Woche besonders wichtigen und in das Einwanderungsrecht neu eingefügten Voraussetzung gewährt, daß sich der Anfordernde mindestens zwei Jahre im Lande aufhält; ferner muß er für den Angeforderten die Verantwortung tragen und für seine gute Führung und seinen Lebensunterhalt . einsteheu. Unter den gleichen Voraussetzungen können auch Personen angefordert werden, die mit argentinischen Staatsangehörigen oder in Argentinien ansässigen Ausländern die Ehe eingehen wollen. Ausschiffungserlaubnisse können endlich erteilt werden für technische Spezialisten, Mitglieder von Theätergruppen und für Landwirte, falls die landwirtschaftlichen Gegebenheiten dies erfordern. Diesen Bestimmungen hat die argentinische Regierung eine ausführliche Begrün du n g mit auf den Weg gegeben. In ihr geht sie davon aus, daß die Statistiken über die wirtschaftliche Produktion des Landes eine beträchtliche Schwächung erkennen ließen, woraus sich folgerichtig eine Zunahme der Arbeitslosigkeit ergäbe.. Deshalb könne der ungeregelte Zustrom von Einwanderern die in Argentinien bereits lebenden arbeitenden Menschen schwer schädigen. Die internationale Situation ließe eine unmittelbare Zunahme von Einwanderern, die zufällig gerade in dieses Land kämen, voraussehen, ohne daß sie den Forderungen entsprächen, die eine gesunde Einwandelungspolitik steFen müsse. Im gegenwärtigen Augenblick sei eine Einwanderung zu fördern, die landwirtschaftliche Gebiete erschließe und damit die staatlichen Pläner ergänze. Abschließend bezeichnet es-die Begründung als ein verfassungsmäßig verankertes Recht des Staates, den Einwanderungsstrom zu regulieren und eine Auslese zu treffen, wobei diejenige Einwanderung zu bevorzugen sei, die die größte Eignung zur Anglei chung und zur Anpassung an die gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten des Landes besitze; die Einreise von Fremden müsse den Notwendigkeiten des Landes entsprechen, dürfe ihnen aber nicht zuwiderlaufen. Gleichzeitig mit dem Dekret über die Aenderung der Einwanderungsbestimmungen ist eine Verfügung erlassen worden, durch die eine Grenzüberwachung eingerichtet wird. Einreise und Ausreise aus dem Landesgebiet wird kontrolliert und registriert werden. In der offiziellen Begründung für diese Maßnahme heißt es, daß außerordentlich häufig Personen oder Familien ohne Erfüllung der gesetzlichen Formalitäten in menschenleeren Gebieten die Landesgrenze überschritten, wodurch ein ungeregelter und bedenklicher Zustrom von Einwanderern zustande käme. Das neue Register solle den wirklichen Saldo zwischen Ein- und Auswanderung aufzeigen und damit die Urteilsbildung über die zukünftige Einwanderungspolitik ermöglichen. Das Dekret der argentinischen Regierung über die Neuregelung der Einwanderung wird in allen Kreisen des Landes lebhaft diskutiert, da die Einwanderung für die Zukunft Argentiniens anerkanntermaßen von entscheidender Bedeutung ist. Viele Presseäußerungen, und die Verwaltungspraxis der letzten Zeit hatten bereits erkennen lassen daß eine Neuordnung bevorstehe. In diesem Zusammenhang war eine Bekanntmachung des Direktors des Departemente Nacional del Trabajo (Oberste arbeitsrechtliche Behörde, die bei der Anforderung technischer Spezialister durch argentinische Firmen mitzuwirken hat) bemerkenswert, in der darauf hingewiesen wurde, daß angesichts der Arbeitslosigkeit im Lande möglichst keine auswärtigen Techniker herbeigerufen werden sollten. Von den Presseäußerungen sind die Ausführungen der „Prensa", der angesehensten argentinischen Zeitung, besonders bemerkenswert. Das Blatt erinnert an den Artikel 25 der Nationalverfassung, durch den die. Regierung zu einer Förderung der europäischen Einwanderung angehalten sei. Dann aber entwickelt es sachliche Argumente. Die Bevorzugung der landwirtschaftlichen Einwanderung sei unzweckmäßig, denn eine Produktionserhöhung würde keinen inneren oder äußeren Markt finden, wie die Preissenkung des Getreides erkennen lasse. Das Blatt verweist auf das Beispiel Australiens, das seine Industrien, im gleichen Tempo wie seine landwirtschaftliche Produktion ausweite. Eine landwirtschaftliche Ueberproduktion sei gefährlich; was das Land brauche, sei eine Bevölkerung verschiedenartigster Berufsklassen. Die landwirtschaftlichen Aussichten seien nur im Verhältnis zu einer allgemeinen Zunahme der Bevölkerungszahl beträchtlich. Ausländer, die die Industrien verbessern oder Wissenschaften und Künste lehren wollten, müßten in der gleichen Weise wie Landarbeiter frei einreisen können. Die argentinischen Industriellen bedauerten ohnehin den Mangel von Spezialarbeitern und gelernten Arbeitern. In jüdischen Kreisen weist man darauf hin, daß abzuwarten bleibe, in welcher Weise die Verwaltungspraxis bei Anwendung der neuen Bestimmungen verfährt. Für die Zukunft der jüdischen Einwanderung und für die Uebergangszeit bis zum Inkrafttreten des Dekrets wird hiervon viel abhängen. Reisebericht eines Ministers Das Ergebnis seines Wochenendfluges nach Palästina übermittelte der britische Koldnienminister Malcolm MacDonald der Oeffentlichkeit in Form einer Rundfunkansprache, in der er seinen Hörern nicht nur die politischen Folgerungen, zu denen ihn seine Eindrücke geführt haben, sondern auch das persönliche Erlebnis dieser eigenartigen Reise nahebrachte. „Ich glaube, man ' sollte Palästina auf dem Rücken eines Kamels betreten", begann der Minister seine Ausführungen, „oder auf einem der kleinen Esel des Landes, und sich langsam vorwärtsschlängeln auf der Suche nach jenen berühmten Dörfern und Städten, deren Name seit Jahrhunderten auf den Lippen der Menschen lebt. Aber ich tat das Gegenteil. Ich stieß aus tausend Fuß Höhe eilends herab und gewann so einen unvergeßlichen Eindruck von dem Lande durch eine rasche und weite Ueberschau. Es war stockdunkel, als wir Abukir um Vs5 Uhr morgens verließen. Aber die Dämmerung breitete sich nach und nach am Himmel aus, als wir die" Zwillingsmündungen des Nil überflogen, den Hafen von Port Said, den Suez-Kanal und die Wüste, die die Schwelle des Heiligen Landes bildet. Jenseits davon schien jeder Platz vertraut. Unten lag Gaza, weit im Osten Berscheba und dann eine Kette berühmter Orte. Die Ebene schwoll zu Hügeln an, und die Hügel kletterten höher und höher bis zu dem Rande des Kessels, in dem das Tote Meer liegt. Dann erschienen plötzlich, schwarz gegen die aufgehende Sonne, die winzigen Silhouetten zweier schlanker Türme auf einer Höhe, — die Bauten des Oelbergs. Bald lagen die Gotteshäuser, Türme und Mauern von Jerusalem unter uns ausgebreitet. Ich schritt durch die Straßen von Bethlehem und flog nordwärts über Galiläa und Samaria, blickte staunend auf Nablus und Nazareth, Tiberias und Safed und eine Reihe anderer Gemeinwesen, die entweder in wilden Hügeln verborgen liegen, oder sich längs der Küste ausdehnen. Sie haben Namen von einer ewigen Macht, die Herzen zu erheben. Es sind Plätze, die für immer geweiht sind durch die heilige Geschichte vor 1900 Jahren. Heute sind sie gequält durch Hader und brutale Gewalt. Wenn man den arabischen Bauern auf seinem kleinen Esel die Landwege entlangreiten sieht, möchte man glauben, daß kein Land friedlicher ist als dieses. In Jerusalem sammelten sich fromme Juden in den Straßen zur Feier eines ihrer Fasttage, als ob es innerhalb tausend Meilen um' sie herum keinerlei Gefahr gäbe. Aber bewaffnete Soldaten patrouillierten durch die Straßen. In jedem Autobus in Stadt und Land sind die Fenster mit dicken Eisenstangen verschlagen, die die Passagiere vor Bomben schützen sollen." Nach diesen persönlichen Impressionen ging der Minister auf die politische Bedeutung seiner Reise über und führte weiter aus: „Unter dem Mandat hat eine große Zahl jüdischer Einwanderer sich in Palästina niedergelassen, um hier ihre nationale Heimstätte zu finden. Dieses friedliche Eindringen hat die Araber alarmiert, und viele von ihnen wrerden um keinen Preis in ihrem Bemühen, es aufzuhalten, nachlassen. Die-dritte Partei, die in den Streit verwickelt ist, ist Groß-Britannien, die Mandatsmacht, die unter der Autorität des Völkerbundes wirkt und durch eine Hi 66?4* Us 1. Oktefai! Bestellzettel auf Seite 15 feierliche Verpflichtung gehalten ist, die Schaffung einer jüdisch-nationalen Heimstätte zu erleichtern, wobei die Rechte und die Stellung der arabischen Einwohner des Landes gewahrt werden müssen. Unter unseren vielfältigen Verantwortlichkeiten haben wir keine delikatere Aufgabe als die, dieses winzige Land zu regieren, das einige der heiligen Plätze von Christen,-Juden und Mohammedanern zugleich in sich birgt. Um das Problem des scharfen Aufeinanderprallens der Araber, die seit vielen Generationen in Palästina leben und der Juden, die dahin zurückkehren, wo vor Jahrhunderten ihre Heimat war, zu lösen, hat die Königliche Kommission kürzlich ein drastisches Heilmittel empfohlen: die Teilung des Landes in getrennte jüdische und arabische Staaten mit einem britischen - Korridor dazwischen. Unsere Regierung hat diese Politik als' die beste und hoffnungsvollste Lösung angenommen. Aber endgültige Entscheidungen können nicht getroffen werden, bevor die Technische Kommission, die im Augenblick die Einzelheiten der Teilung prüft, ihre Ar-