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Central-Verein-Zeitung · 1938-08-11 · 32 (11.8.1938) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
32 (11.8.1938)
Date
1938-08-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 32 C-V.- Zeitung WIRTSCHAFT DER WOCHE Seite 15 11. August 1938 Südamerikanische Wirtschaftsprobleme / Der Ausbau des Verkehrswesens Es gibt gute Kenner der südamerikanischen Wirtschaftsverhältnisse, die sagen, daß dieser Kontinent auf dem besten Wege sei, in der Verkehrswirtschaft den Sprung vom Viehkarren zum Flugzeug zu machen und alle anderen Zwischenstationen, die die Länder der Alten Welt in Jahrzehnten^ mühsam durchlaufen mußten, zu überspringen. Zu diesen Zvvischenstadien gehören in erster Linie die Eisenbahn und das Auto. Wenn diese Auffassung in solcher Prägnanz auch über das Ziel hinausschießen dürfte, so steckt in ihr doch etwas Richtiges, und das läßt sich in ähnlicher Form auf fast allen anderen Gebieten der südamerikanischen Wirtschaft feststellen. Dieser Erdteil geht in erstaunlich schnellem Tempo von primitiven zu neuzeitlichen Wirtschaftsformen über, und er überwindet Stadien, in denen Europa jahrzehntelang verharrte, in unvergleichlich kürzerer Frist. Eine wichtige Voraussetzung zum weiteren Ausbau der südamerikanischen Wirtschaft bildet eine Verbesserung der Verkehrs Verhältnisse; denn im Innern der meisten Länder lie- Altpapier - gffiiÄaJSSÄS GROSSII AS I>IiXT5k"G- Einstampf - Garantie. gen im und unter dem Boden noch erhebliche Schätze, die der Erschließung harren. So ist es verständlich, daß die südamerikanischen Regierungen ihr Augenmerk zunächst auf den Ausbau der Verkehrswege richten, um den Abtransport der in vermehrtem Ausmaß zu gewinnenden Produkte auf schnelle und ungefährliche Art zu ermöglichen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Natur dem Ausbau des Verkehrsnetzes in Südameriika erhebliche Hindernisse in den Weg legt, die — wenn überhaupt — nur unter Aufwendung großer Mittel beseitigt werden können. Das gilt vor allem für die Andenetaaten und die Staaten im Norden. Gerade diese Länder sind aber meist mit finanziellen Hilfsmitteln nicht so gesegnet, daß sie ihren Verkehrsproblemen die Beachtung schenken könnten, die der auch von ihnen geförderte Ausbau ihrer Wirtschaft verlangt. Hier hat deshalb der eingangs geäußerte Gedanke eine gewisse Berechtigung, und er wird in mancher Richtung schon in die Tat umgesetzt: die Anlage von Flugplätzen hat sich vielfach als einfacher und billiger erwiesen als der schwierige Bau neuer Eisenbahnlinien durch hohe Gebirge oder die Herstellung von Autostraßen bzw. die Schiffbarmachung von Flüssen, die meist sehr erhebliche Kosten erfordern. Hinzukommt, daß die Ausdehnung vieler Länder Südamerikas einen Ansporn zum Ausbau des Flugverkehrs bietet; denn er vermag Entfernungen, zu denen selbst die beste Eisenbahn mehrere Tage benötigen würde, in wenigen Stunden zu überbrücken. Ein typisches Beispiel dafür ist Chile. Allerdings darf man nicht verkennen, daß das Flugzeug, wenigstens beim gegenwärtigen Stand seiner technischen Entwicklung, kaum mehr als ein zwar sehr wertvolles, aber doch nur Hilfsmittel bei der Ausgestaltung des Verkehrs und der weiteren wirtschaftlichen Erschließung des südamerikanischen Kontinents sein kann. Es hat seine absolute Eignung zur Passagier- und Postbeförderung erwiesen, der Transport schwerer Fracht, wie er bei einer fortlaufenden wirtschaftlichen Erschließung Südamerikas in Frage kommen wird, bedarf aber noch anderer Verkehrsmöglichkeiten mit größerer Fassungskraft, selbst wenn die Beförderung auf ihnen zunächst noch erheblich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als auf dem Luftweg. In vorderster Linie steht dabei der Straßenbau, und alle Berichte, die von drüben eintreffen, zeigen, daß die Regierungen der einzelnen Staaten seiner Beschleunigung besondere Bedeutung beimessen. Wenn es daneben noch gelänge, einige Flußsysteme im Innern der Länder durch Kanalisationen und Beseitigung der natürlichen Hindernisse für größere Binnendampfer schiffbar zu machen, so wäre ein erheblicher Fortschritt der Verkehrsmöglichkeiten erzielt. Kürzlich wurde an dieser Stelle dargelegt, daß eines der kleineren südamerikanischen Länder, Venezuela, auf dem Wege ist, diese beiden wichtigen Voraussetzungen für eine bessere Erschließung seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten zu schaffen, und auch von fast allen anderen Staaten, besonders natürlich von den größeren, liegen ähnliche Nachrichten vor. Das Eisenbahnwesen bildet in Südamerika insofern ein besonderes Problem, als in den meisten Staaten nur ein Teil der Bahnlinien Staatseigentum ist, während der andere Teil sich in privaten, meist sogar ausländischen Händen befindet, und daß außerdem die Rentabilität mancher Strecken "— nicht zuletzt infolge der hohen Betriebs- und Anlagekosten — zu wünschen übrigläßt. Der Ausbau der Eisenbahnlinien — von einem Eisenbahnnetz, wie wir es in Europa gewöhnt sind, kann man nur in wenigen Fällen sprechen — hängt daher vielfach nicht nur von dem Willen der Regierungen, sondern auch von der Investitionslust der privaten Gesellschaften ab. Es sind zwar in einzelnen südamerikanischen Staaten Bestrebungen vorhanden, auch das Eisenbahnwesen mehr und mehr zu nationalisieren oder zumindest keine neue Konzessionen zu vergeben, aber auch zu einer Nationalisierung sind erhebliche Mittel aufzubringen, die wahrscheinlich nicht immer leicht beschafft werden können. In welchem Maße das südamerikanische Eisenbahnwesen sich in den Händen privater Gesellschaften befindet, mögen einige Beispiele zeigen: von dem argentinischen Bahnnetz — in der Pampa eines der besten Südamerikas — sind rund drei Viertel in Privatbesitz, und zwar zum entscheidenden Teil in englischem. Umgekehrt ist allerdings das Verhältnis in Brasilien, wo sich nur noch etwa ein Drittel der Bahnen in Privatbesitz befindet und wo die Tendenz zur Nationalisierung wohl am stärksten ist. In Kolumbien ist englisches Kapital ziemlich stark im Eisenbahnwesen investiert; etwas über die Hälfte der Streckenlänge wird allerdings von meist privaten einheimischen Gesellschaften betrieben. In Ekuador sind die Eisenbahnverhältnisse nicht sehr gut, und der Verkehr besteht im wesentlichen aus einer großen Linie mit einigen Zweigverbindungen. Allerdings muß man bei kleineren südamerikanischen Ländern berücksichtigen, daß der Personen- und Frachtverkehr noch nicht so groß ist, daß er neue Investitionen ohne erhebliche Verschlechterung der Rentabilität der Bahnen tragen könnte. Hier zeigt sich das große Problem der besseren Erschließung Südamerikas durch Eisenbahnen: der Bau neuer Linien kann sich nur rentieren, wenn der Verkehr entsprechend zunimmt, die Zunahme des Verkehrs hängt aber von dem Ausbau der einheimischen Wirtschaften ab und er kann erst erfolgreich sein, wenn die Länder verkehrsmäßig besser erschlossen sind. Dieser Daili ^ft!*atlfftUfc!ri Beratung in finanziellen und Veru « mögensangelegenheiten, Betreuung Vermögensverwaltungen von Auswanderer -Vermögen Berlin W15, Uhlandstraße 171/2. — Ruf 91 61 CO Kreis ist nur dann zu unterbrechen, wenn sich genügend Kapital findet, mit dessen Hilfe die notwendigen Investitionen gewissermaßen als Vorleistung für den dann zu erwartenden Aufschwung des Wirtschaftslebens gemacht werden können. Und das ist letzten Endes wohl auch der Grund, warum die Regierungen der mittleren und kleineren südamerikanischen Staaten zunächst ihr besonderes Augenmerk weniger auf den Ausbau der Eisenbahnen als auf eine Verbesserung des Straßennetzes und des Flugverkehrs richten, da beides verhältnismäßig schneller durchzuführen ist und keine so großen Investitionen erfordert. Einen besonderen Antrieb hat der Ausbau dieser beiden Verkehrswege übrigens in Paraguay und Bolivien durch den langdauernden Krieg um den Gran Chaco erfahren (Truppentransporte und Nachrichtenübermittlung), während eine Verbesserung des Eisenbahnnetzes für die Kriegführung offenbar nicht so notwendig erschien. Auch in Peru, wo sich gleichfalls ein Teil der Eisenbahnen in Privatbesitz befindet, wendet man der Verbesserung des Straßen-, Fluß- und Flugverkehrs sein besonderes Augenmerk zu. Die Lage und Gestaltung Uruguays brachten es mit sich, daß die gesamten Verkehrsverhältnisse verhältnismäßig günstig liegen. Auch hier ist ein Teil der Bahnen in ausländischem Besitz. Auf dem Gebiet des Straßenbaues sind Uruguay und Venezuela bereits heute für Südamerika vorbildlich. Im ganzen ergibt sich für den Betrachter südamerikanischer Wirtschafts- und Verkehrsverhältnisse das Bild einer fortschreitenden Verbesserung. Man hat überall die Bedeutung eines guten Verkehrswesens für die Hebung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder erkannt; das Tempo und die Ziele seines Ausbaues müssen sich aber nach den jeweils vorhandenen natürlichen Verhältnissen und den zur Verfügung stehenden bzw. beschaffbaren Kapitalien richten. H. W—1. Durchführung des neuen Eherechts Das neue Ehegesetz vom 6. Juli 1938, über das wir in Nr. 28 der C.-V.-Zeitung vom 14. Juli berichtet hatten, ist ergänzt worden durch eine Verordnung des Reichsjustizministers vom 27. Juli 1938. Im ersten Abschnitt finden sich Bestimmungen über die Zuständigkeit zur Befreiung von Eh evoraussetzungen und Eheverboten, ferner Vorschriften über die Befreiung von der Beibringung des Ehefähigkeitszeugnisses für Ausländer und Staaten-- lose. Während für die Erteilung1 von Befreiungen im allgemeinen der Landgerichtspräsident zuständig ist, befreit von der Beibringung eines Ehefähigkeitszeugnisses für Ausländer (Staatenlose) der Oberlandesgerichtspräsident, in dessen Bezirk die Ehe geschlossen werden soll. Die Befreiung von der Beibringung eines Ehefähigkeitszeugnisses soll grundsätzliche nur Staatenlosen sowie Angehörigen solcher Länder gewährt werden, deren innere Behörden Zeugnisse dieser Art nicht ausstellen. Angehörigen anderer Länder ist die Befreiung nur in besonderen Ausnahmefällen zu gewähren. Die Befreiung gilt nur für die Dauer von sechs Monaten. Wird die Ehe nicht innerhalb dieser Zeit geschlossen, so muß die Be-. freiung erneuert werden. Weitere Bestimmungen beziehen sich auf das p r o z e ß rechtliche Verfahren in Ehe- und Kindschaftssachen. Bemerkenswert ist, daß die Verhandlung in Ehesachen künftig nicht öffentlich sein wird. Der vor Erhebung einer Scheidungsklage bisher beim Amtsgericht einzureichende Sühneantrag muß nunmehr bei dem für die Scheidungsklage zuständigen Landgericht angebracht werden. - Die für den Scheidungsprozeß außerordent-* lieh wichtige Bestimmung des § 627 der Zivilprozeßordnung über eine einstweilige Anordnung hinsichtlich des Getrenntlebens der Ehegatten während des Rechtsstreites, hinsichtlich des gegenseitigen Unterhalts, der Leistung eines Prozeßkostenvorschusses, der Regelung des Sorgerechts für die minderjährigen Kinder und der Unterhaltungspflicht gegenüber den Kindern im Verhältnis der Ehegatten zueinander sind mit Wirkung vom 1. Oktober 1938 in bestimmtem Umfange erweitert wor-' den. So wird in einem neuen § 627 a ZPO. angeordnet, daß die einstweiligen Anordnungen über das Sorgerecht für die Person der minderjährigen Kinder auch im Falle der Scheidung oder Aufhebung der Ehe solange in Kraft bleiben, bis das Vormundschaftsgericht eine andere Anordnung getroffen hat. In einem neuen § 627 b ZPO. wirdn-ferner! bestimmt, daß das Gerieht zugleich Tsaiftoderar* Scheidungs- oder Aufhebungsurteil durch Be- * schluß über die Unterhaltspflicht der Ehegatten zueinander für die Zeit nach Rechtskraft des Urteils befinden muß. Einstweilige Verfügungen, die vor dem 1. Oktober 1938\ erlassen sind, richten sich nach den bisherigen Vorschriften. Der vorletzte Teil der Verordnung enthält Sondervorschriften für das Land Oesterreich, der letzte Teil Uebergangsvorschriften und Bestimmungen über das Inkrafttreten der Verordnung. (1. 8. 38.) Ma. Go. ' ^.^V^ ^^Elrl^NjllAlfKTj 1 I^Ä^^Ä Kar für jüdische Arbeitgeber und Arbeitnehmer ^^^^^^^^BsSS^P^ ^^^^^^^^^^^M?w ANGEBOTE Das Jüdische Schwesternhefcn e. V., Breslau, Kirschallee 79, nimmt ab 1. Oktober 1938 wieder Lehrschwestern auf. Mindestaufnahmealter 18 Jahre. Anfragen sind zu richten an die Oberin des Schwesternheiines. I DIE JÜDISCHE SCHULE STUTTGART SUCHT für 1. September 1938 HAUSHALTLEHRER.IN oder Lehrerin mit Erfahrung in hauswirtschaftl. Unterricht oder lä&&3SH!&&?i3g*S:&E@g§igg§ Meldungen mit den notwendigen Unterlagen an ISR. GEMEINDEPFLEGE, STUTTGART, Hospitalstr. 36 | Vertreter | II jüd., für sämtliche Großstädte, die H gl Drogen-, Lederwaren-, Sport- und b| |g Weißwarengeschäfte besuchen, ver- Es g langt D. Luftig, 1 H Berlin, Greifswalder Straße 208 H HäUSGEHILFIH jüd., mit Kochen, bei gutem Gehalt, per 1. September gesucht. (Aufwartung vorh.). 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