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Central-Verein-Zeitung · 1938-08-07 · 31 (7.8.1938) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
31 (7.8.1938)
Date
1938-08-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 31 * 3. Beiblatt 4. August 1938 * Seite 13 ERSCHEINUNG / Von Arthur Silbergleit ' Zu Rembrandts Lieblingsstunde, da die Dämmerung so wundersam durchglänzt erschien, als würde sich das Stahlblau einer Ritterrüstung mit dem aus geheimnisvollen Hintergründen anfliessenden Lichtgewand eines himmlischen Boten zu traumhafter Einheit verschmelzen, erschien bei dem Magier des Helldunkels ein säulenhoher, in einen breiten Mantel gehüllter Fremder, der wie durch ein Visier von Schatten die Blitze seiner Blicke über zahlreiche Paletten, Staffeleien und über seltsamliche Blinkfeuer auf einem grossen Tisch ausgebreiteter Helme, Schwerter, Ordensketten, Becher, Amulette, Quarze und Edelsteine voll mystischer Gluten schweifen Hess, die Geburtsstätte mancher Farbenphantasie durch geraume Zeit weihevoller Versunkenheit ehrte und endlich auf die Frage nach seinem Begehr mit gedämpfter Stimme einige unverständliche Laute vor sich hinraunte. Der Meister, stets hingebungsvoll an die Sprache der Stille, glaubte im ersten Augenblick, ein verschämter Patrizier hätte die Stunde wachsender Schattengewänder um die Welt zu seinem Besuch erwählt, um bei der Aeusserung einer Eitelkeit solange in der Dämmerschwebe unkenntlich zu bleiben, bis er eine Gewissheit über eine Bitte erlangte. Rembrandt war nämlich überzeugt, jener würde ihn um ein Konterfei ersuchen. Wie aber staunte er, als ihn sein hoher Gast um eine sinnbildliche Darstellung des Schicksals Israels bat, auf den Tisch drei Golddukaten legte, die in ihre Schimmer alle Dunkelheiten des Raumes zauberhaft hineinzuziehen schienen, und, ohne Bescheid abzuwarten, mit den Worten, er werde sich zwei Wochen später zur selben Stunde das Bild holen, ebenso geheimnisvoll, wie er aufgegeistert war, entflackerte. Rembrandt wähnte zuerst, geträumt zu haben. Als er sich jedoch der Wirklichkeit verführerischer Golddukaten versicherte, begann sich in ihm gleich dem Widerstreit von Licht und Schatten, der Zweifel an der Erfüllungsmöglichkeit seiner Aufgabe zu regen. Da er aber nur überreich an Schulden und ehrgeizig war, fühlte er sich von den Golddukaten sowie von der sonderbaren Aufgabe und ihrem rätselhaften Mittler magisch gelockt, der nach seiner Ueberzeugung sicherlich kein Sohn Israels wäre. Seitdem jagte ihn Unruhe aus dem Haus. Er brauchte eine Anregung zur Erfüllung des Auftrags und suchte in den Schatzkammern seiner jüdischen Kenntnisse irgendeinen Symbolwert als Ausgangspunkt zu einer Phantasiereise in Israels Welten. Da schimmerten Davidsterne, siebenarmige Leuchter, Königskronen, Wappenzeichen, Torarollen, Zepter und Hirtenstäbe, Tempelsäulen und Klagemauerquadern, Wüsten und Fruchtgärten, Sklavenhöhlen und Fürstenpaläste, Sänften und Barken, Harfen und Schwerter aus grauen Sagenschleiern hervor. Schwarzbärtige Magier neigten sich wieder aus den Fenstern ihrer Elfenbeintürme zu Deutungen der Himmelsschrift, und die ewigen Sterne segneten mit derselben Seligkeit Josefs bunten Rock wie. ein Hohepriestergewandt und wie den jüngsten schwarzweissen Gebetmantel. Silberne Tempelgeräte beneideten ihre goldenen Geschwister, und Sonne und Mond schlichteten den Strahlenstreit zwischen samtenen und seidenen, purpurnen und waldgrünen Vorhängen vor der Tür zum Allerheiligsten. Der Farbenzauberer aber fand unter allen Schätzen nicht ein einziges, überzeugendes Schicksalszeichen des Gottesvolkes. Sie erschienen ihm lediglich als würdige Zierrate auf dem Rahmen eines Gemäldes, für das er einen geistigen Mittelpunkt suchen musste. Missmutig über die Verschwisterung der Dämmerung um ihn mit der Finsternis in ihm, die noch immer der Erhellung durch einen Phantasieblitz gewärtig blieb, schlich er durch die Gassen Amsterdams, umringelt von gespenstischen Schattenschlangen längs Obstständen, Handelsbuden voll Warenstapel und längs kaftanschwarzen Ahasveren, deren durchsilberte Barte ein immer tieferes Grau ebenso traumhaft eindunkelt wie ringsum zahlreiche Tulpensträusse, buntwangige Früchte, safranfarbene Tücher und allerlei glitzerndem Tand. Ueber dem Tor der Welt harrte bereits die Nacht neben ihrer ebenbürtigen Schwester Sage, die in ihrer Rechten die Stundenwaage hielt und mit leichtem Zittern die Schwebe spielt, der lichten und dunkelen Schale begleiten. Die Winde drehten die Mühlenflügel so leise, als bangten sie, den Himmel aus erstem Schlummer zu wecken. In der alten Judengasse erstarb en allmählich die lauten Anpreisungen der Händler, auf den Wasserstrassen der Grachten die Gesänge, Flüche und Ruderschläge breitschulteriger Bapkenführer. Hauchzarte Lüfte wiederholten die letzten Tagesseufzer. Die Stille empfing das erste Vorspiel der Sternenmusik in einem muschelhaften Aethersummen, das Stürmer zum Friedensfest des ewigen Lebens lud. Die Giebel erschienen den Schattenschluchten der Gassen als hohe Schirmherren. Auf zu Synagogen und Kirchen ansteigenden Treppen träumte mancher Bettler von seinem Aufstieg über alle Lichterstufen bis zum Palast des Herrn, dessen Thron Erzengel mit vorgestreckten Mond- und Sonnenschiiden im Kampf mit Satans Heerscharen, schützen. Als aber dem Meister der eigene Schatten unter dem sternhaften Blinzeln einer Laterne begegnete, erschrak der Farbehgott wie vor einer schwarzen Majestät Und wahrlich, der Hadesfürst rechtfertigte durch Riesenhaftigkeit grauses Aufbangen. Der Auswanderer aus Totenwohnüngen in das Bergschachtdunkel fremder Ahnungen schien durch seine gespenstische Erscheinung das Geheimnis eines neuen Chaos hinzumalen, die Nacht des Weltuntergangs einen Vorläufer gefunden zu haben und seine stumme Versicherung, dass kein neues Planetenheer das Dickicht dieses Dunkels durchdringen würde, durchaus glaubwürdig. Und Rembrandt sah im Geist alle Sonnen, Früh- und Abendröten in einem unausmessbaren Ozean ertrunken, von Bahrtüchern verhüllt und über den Gewässern Neunter Aw Fls konnte der Himmel nicht mehr die Trauer ertragen, und hat sich in Ströme aus lichten Tränen ergossen," inbrünstig, leise, gewitterlos sind die Tropfen geflossen, als wollte jeder ein stilles Gebet für uns sagen. D ann kam ein verschämtes Leuchten, die nassen Dächer und Pfützen und Steine im Gasschen mit Gold zu umflittern. Es traute kein einziger Ton in der Luft sich, kein Windhauch zu zittern, verstummt, wie die Trauer versteint auf Gesichtern, auf blassen. Und es war, als wenn in den lichten Lüften, den himmlischen Landen mit Palmen auf einmal eine Sandwüste erschiene, mit wilddürrem Gras überwachsen eine Ruine, und in einen Winkel darin eine Jungfrau sich lehnte in weissen Gewanden ... David Einhorn (Deutsch von Leo Hirsch.) Originalzeichnung für die C.-V.-Zeitung von Horst Moratz und Gebirgen der Finsternis die Nebelflöre und Witwenschleier der Jahrtausendfrauen. Da raunten verräterische Winde Geheimnisse von den Töchtern der Urmutter Zeit, und unsichtbare Flöten schluchzten durch die Lüfte Kantilenen der Schwermut, indes die Begleitmusik eintöniger Schritte durch die Gassen wie ein mitternächtliches Gespensterpochen scholl. „Wache oder träume, wandle oder ruhe, spiele oder kämpfe ich am Tage mit dir, Bruder der Nacht, oder bist du vielleicht ein lEumenidensohn, mein mystischer Begleiter, dem ich nie entrinnen kann?" Der Schatten aber reckte und reckte sich, wuchs ins Titanenhafte, und eine Stimme murmelte aus dunkler Flut: „0 König der Palette, erweise doch endlieh deine Meisterschaft und überwinde mich durch Ueberfülle deines Seeleaglanzes!" Und Rembrandt nickte seinem Schatten mit schmerzlichem Lächeln zu, denn er fühlte, zerquält vom Bewusstsein seiner inneren Ausgebranntheit und Leere den Hohn dieser Worte wie ein fressendes Feuer. Er musste durch schöpferische; Einfallskraft den Hadesfürsten von jedem Zweifel an seiner künstlerischen Unzulänglichkeit bekehren und begann daher abermals eine Phantasiereise durch alle Schicksalswohnungen und -gezeiten Israels von den . glanzvollen Stiftshütten bis zu grauen Händlerbuden, von Träumern in Gottes Lichtpalästen zu Trödlern in ewig nächtlichen Behausungen. Der Meister sammelte die Gläubigkeitsfeuer in den Augen greiser Märtyrer, den Innigkeitsglanz in den Pupillen zerquälter Schmerzensfrauen, die Demutschätze in den Blicken von Lämmern und Kindern, die Sabbatkerzenschimmer in niederen Stübchen sowie am Sternenliöhterbaum auf der grossen Himmelswiese, alles, was an Menschen, Tieren, Steinen und Blumen farbig war, und vereinigte es zu einer mit Silberlanzen, Goldhelmen und -Schilden gegen die Riesin Finsternis anstürmenden Streitmacht. So verrannen allzu rasch zwölf Tage und Nächte qualvollen Ringens. Aber in der Fülle fieberhafter Bilder hatte Rembrandt noch immer kein überzeugendes Sinnbild des Schicksals Israels finden können. Er verzweifelte und verhöhnte seinen Genius: „Armer Adler mit gebrochenen Schwingen, wann und wo finde ich deinen Arzt:" Es bewährte sich jedoch abermals das Wunder einer himmlischen Gnade als zauberhafte Wirklichkeit. Von Unruhe und einer geheimnisvollen Stimme getrieben, eilte der. Meister in aller Frühe des nächsten Tages zu den Grachten. Er genoss hier mit wachsendem Entzücken ein unvergessbares Seligkeitsfest. Den Traumkammern einer riesenhaften Muschel auf dem Grund des Himmelssees entschwebte die jungfräuliche Morgenröte, glitt unter Begleitung einer überirdischen Musik zu den irdischen Wellen lautlos hernieder, liess sich von zärtlichen Wogenarmen willig, umfangen und löste sich von allen Umschlingungen auf den ersten Ruf einer Lerche zur Heimkehr. Schon folgte sie nach köstlichem Bad Gottes Psalmistin, dankte ihre letzte Herzensglut den silbernen Gespielinnen, begann die Sonnengondel über den Himmelssee ihre Weltreise. Eine Fülle herrlicher Schauspiele Japaois(i)es Allerlei Zur Einführung in ferne Sitten und Gebräuche / Von Hilde Rosenthal Tokio, Ende Juni. Fest der Mädchen Japan ist das Paradies der Kinder. Die immer wiederkehrenden traditionellen Feste bieten stets von neuem Gelegenheit, -die Kinderherzen m erfreuen, und ihr glückliches Strahlen erweckt in den Erwachsenen einen lebhaften Widerhall. Das Puppenfest im Frühling zeigt, wie wichtig die Puppe im japanischen Familienleben ist. Familien, die Töchter haben, rüsten bereits acht Tage vor dem Termin zum Fest. Besonders dort, wo ein jüngst geborenes Töchterchen im Hause ist, wird der Tradition folgend ein ganz bestimmter Satz , von Puppen, von denen jede ihre besondere Bedeutung hat, eingekauft. Die grossen Kaufhäuser führen in diesen Tagen ein riesiges Lager, um das Publikum anzulocken. Der Anblick der in wunderschönen Zeremonialkostümen prangenden Puppen ist selbst für den Fremden reizvoll. So wie sie sich darbieten, sind sie Resultat einer jahrhundertelangen Entwicklung und verkörpern das Hof leben einer vergangenen Epoche. Puppenfabrikanten haben in den letzten Jahren den Versuch gemacht, modernere Puppen einzurühren. Sie scheiterten aber an dem Konservatismus der Nipponesen. Am Festtag wird ein genau vorgeschriebener Satz Puppen — gewöhnlich im Gästezimmer — aufgestellt. Eine Etagere wird mit roten Tuch ausgelegt; das oberste Brett ist für die wichtigsten Puppen (Prinzen und Prinzessinnen in alten, kostbaren Kostümen) reserviert; die Brettchen darunter sind mit drei Figuren (den Hofdamen) geschmückt; dann folgt ein Satz von fünf Puppen (Hommsikanten) und schliesslich noch zwei abschliessende Figuren (die Minister des Hofes). Miniatur-Haushaltungs- und Einrichtungsgegenstände wie Schränkchen, Kleiderständer, Tischchen mit kleinen Schalen und Tellern bedeckt, schwarz und golden lackiert, sind dazu in Reih und Glied aufgebaut und mit. den verschiedensten „Delikatessen" gefüllt, die den Puppen, den vorangegangenen Jahrhunderten getreu, „serviert" werden. Zu den unerlässlichen Gerichten gehören eine bestimmte Reisart, weisser Wein und Reiskuchen. An diesem Tage sind die Söhne der Familie als Gäste bei ihren Schwestern geladen l Das Puppenfest heisst auch Pfirsiehfest, da es früher ungefähr einen Monat später, zur Zeit der Pfirsichblüte, stattfand. Deshalb sind zartrosa Pfirsichknospen ein wichtiger Bestandteil der Zimmerdekoration; im Frühling müssen sie natürlich noch aus den Treibhäusern beschafft werden. Bei einem neugeborenen Mädchen wird das Puppenfest mit besonderer Hingabe gefeiert, da es dem kleinen Menschenkind das Glück des Lebens sichern soll. Aber die Puppen sind sehr teuer. Viele Familien können einen vollständigen Satz nicht auf einmal erschwingen. Sie kaufen im ersten Jahr die wichtigsten Figurinen und vervollständigen die Sammlung Jahr um Jahr. Ein kompletter Satz kostet in einfacher Ausführung etwa 100 Jen, wirklich schöne Sätze das Mehrfache dieses Betrages. Die Ursprünge des Festes reichen etwa ins 8. Jahrhundert zurück, Spuren können ßogar bis ins 1. Jahrhundert nachgewiesen werden. Damals vertrieben sich die Damen des kaiserliehen Hofes die Zeit mit Puppenspiel. Das Volk huldigte der Vorstellung, dass alle schlechten Eigenschaften und bösen Geister auf die Puppen übergingen, wenn man seinen Körper mit ihnen in Berührung brachte. Und so rieben sich alle Familienmitglieder an einer Puppe, um sie danach schleunigst ins Wasser zu werfen. Später stieg die Puppe in der Achtung, sie wurde im Familien- (Shmto-) söhrein beigesetzt und es wurden ihr Opfergaben dargebracht. Wann dieser Zeitvertreib und dieses Spiel die Gestalt eines Festes annahm, dem Alltag entrückt und an einem bestimmten Tag gefeiert wurde", lässt sieh nicht mehr feststellen. Jedenfalls sind viele kostbare Figurinen durch die Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben, da die zarten Gebilde nach dem Fest sofort wieder in Kistchen verpackt und von Generation zu Generation vererbt wurden. Die moralische Bedeutung, die dem Puppenspiel innewohnt, hat sich mit den Zeiten einer Veränderung unterzogen. Das Fest hatte ursprünglich religiösen Sinn.. Heute wird es jedoch von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet. Die einen meinen, dass es die Mädchen lehrt, die Schönheit eines friedlichen Familienlebens gebührend einzuschätzen, andere wiederum glauben, dass der Geist kindlicher Frömmigkeit . und Loyalität durch dieses Fest kultiviert werden soll. Dritte wiederum sagen, das Fest sei ein Ansporn zur Ahnenverehrung (Shinto-Religion). Auf alle Fälle aber ist es eine schöne Sitte, die bewusst oder unbewusst, den ästhetischen Geschmack des Volkes pflegt, und die unendliche Freude nicht nur für die kleinen Japanerinnen, sondern auch für das ganze japanische Volksleben zu bereiten versteht. Fest der Knaben In jeder japanischen Familie, in der Söhne vorhanden sind, wird alljährlich am 5. Mai das Fest der Knaben („Tango-no-sekku) begangen, das dem kleinen Buben Gesundheit und Erfolg im Leben bringen soll. An diesem Tage zeigt die ,,Tokunuma" (ein Alkoven, dessen Empore-, gewöhnlich ein wertvoller Kunstgegenstand und. dessen Wand ein „Kakemona", ein Bild ziert) des Gästezimmers, den für diesen typischen Festsehmuck: dem Sinn des Festes entsprechende Embleme und durch Tradition vorgeschriebene Spielsachen für Knaben. Ueber den Dächern vieler Häuser wehen lustig bunte Stoffahnen, die Form und Schuppenzeichen des Karpfens aufweisen. Der Karpfen sei-imstande, gegen die schnelle Strömung erfolgreich zu kämpfen, heisst es. Er versinnbildlicht den iWunsch der Eltern, ihre Kinder mögen lernen, sich gegen den schnellen Strom des Lebens mit Geschicklichkeit zu behaupten. Am Festtag selbst sind die Mädchen Gäste ihrer Brüder, gerade so wie die Jungens am Festtag der Mädchen. Den Kindern werden an diesem Tag traditionelle Speisen vorgesetzt: „Kashiwa-inochi", eine Art Reiskuchen, der mit einer süssen Bohnenpaste gefüllt und in ein getrocknetes Eichenlaubblatt eingewickelt ist, ausserdem „chimaki", eine andere Art Reiskuchen, der in Zwergbambusblätter eingehüllt wird. In manchen Familien wird ein spezieller Sake (Reiswein) zubereitet, in den kleingehackte Stiele der Irisblume getan werden. In allen öffentlichen Badeanstalten werden am 5. Mai Irisblätter dem Badewasser beigegeben und auch auf den Rand der Dachrinnen werden Irisblätter gelegt. Das Fest für die Knaben stammt — wie manche meinen — aus China. Es ist nicht genau bekannt, wie es nach Japan kam. Ueber seinen Ursprung gibt es viele Versionen. Die eine beruht auf dem Selbstmord des chinesischen Getreuen Chuyuan, der sich an einem 5. Mai ins Wasser stürzte. Da er ein Mann von moralischer Integrität war, fand sein Freitod grossen Widerhall bei Volk und Kaiser, und durch sein plötzliches Ende schwer betroffen, versuchten sie alljährlich an seinem Todestage seinen Geist dadurch zu trösten, dass sie ein mit Reis gefülltes Stück Bambus ins Wasser warfen. Diese Tröstung wurde bald zu einer bleibenden Einrichtung. Die heutige Sitte, an diesem Tage „chimaki" zu essen, rührt daher, dass die ältere Schwester des Chuyuan seinem Geist alljährlich gerade diese spezielle Speise opferte. Das Feiern des „Tango no sekku" war, wie man aus einer Stelle im Zoku Nihongi, einem Sammelbuch überlieferter Schriften, entnehmen kann, schon in Japan unter der Regierung Shomus, dem 55. Kaiser von Japan (724 bis 748)) an der Tagesordnung. Während der Yedo-Zeit (1603 bis 1868) wurde das Fest der Knaben mit zu den bedeutendsten offiziellen Funktionen erhoben, denn alle Feudalherren, die in Yedo (dem heutigen Tokio) ansässig waren, mussten an diesem Tage dem regierenden Shogun

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